Sonntag, 25.12.2011

Weihnacht fürs Hirn

Synapsen; Rechte: dpa + Ein Ich, von innen Heiligabend hat mich in diesem Jahr recht nachdenklich gemacht. Wie gewünscht bekam ich viele Bücher geschenkt und habe aus lauter Begeisterung gleich in mehreren abwechselnd zu lesen begonnen. Zusammen mit dem Châteauneuf-du-Pape brachte das in meinem Kopf merkwürdige Synapsenverbindungen zustande. Das Stichwort Synapsen liegt nahe. Denn das erste Buch, zu dem ich griff, handelte von Hirnforschung. Erster Leseeindruck: Das mit der Freiheit kann ich mir abschminken. Spontane Entscheidungen treffe nicht ich, sondern mein Hirn. Ich denke nur im Nachhinein, ich hätte entschieden. Etwas verwirrt habe ich mich gefragt, ob ich das nun denke oder wiederum mein Hirn. Ich werde mir zum Geburtstag noch einen WDR: Precht wünschen, der weiß das bestimmt.

Skandinavische Insel; Rechte: dpa + Ach, wie schön ist Skandinavien! Nach der Hirnforschung gab es Herrencreme. Wir machen immer eine Pause zwischen dem Puter und dem Nachtisch. Und danach machte ich eine Pause von der Hirnforschung und versuchte mich mit einem Roman zu entspannen. WWW: "Sturz der Tage in die Nacht" hatte ich mir gewünscht, weil Denis Scheck es für eins der besten Bücher des Jahres hält und der bekanntlich weiß was er tut. Und weil mich skandinavische Inseln als Ort der Handlung reizen. Aber dann verliebt sich da ein Sohn in seine Mutter und ein alter Stasispitzel schaut zu und mit jeder weiteren Seite hatte ich den Eindruck, dass Rotwein und Herrencreme in meinem Magen unbekannte chemische Reaktionen erzeugten. Vielleicht war es aber auch nur mein Hirn.

Taetowierter Mann; Rechte: dpa + Ein Ich von außen An Heiligabend soll man sich mit den lieben Kleinen befassen. Also bot ich meinem Jüngsten an, aus den neuen Kinderbüchern vorzulesen. Aber wer zum Teufel hat ihm WWW: "Freddy" geschenkt? Das Buch handelt, reichhaltig illustriert, von einem Ganzkörpertätowierten. Wir kamen über Seite zwei nicht hinaus, weil man Sohn sehr genau wissen wollte, wie das funktioniert mit den Tattoos. Also erklärte ich, so gut ich vermochte, die schmerzhafte Kunstform und stopfte mit zwischendrin immer neue Spekulatius und Dominosteine in den Mund. Ich war zwar längst satt, aber mein Hirn wollte das wohl so. "Wo kommt eigentlich dieses absonderliche Buch her?", fragte ich meine Frau. "Das hast du doch ausgesucht, weil der Autor aus Norwegen ist. Du magst doch alles aus Skandinavien." Das hatte ich tatsächlich verdrängt. Aber was heißt schon ich ...

Filmszene Kinder von Bullerbü; Rechte: dpa + Wär ich doch in Büllerbü Ich bin an diesem Abend ungewöhnlich früh zu Bett gegangen. Zu vieles drehte sich in Kopf und Magen. Im Wegdämmern sah ich lauter tätowierte Männer an einem skandinavisch kühlen Strand herumtollen. Dazu sangen sie: "Oh Tannenbaum oh Tannenbaum, du bist nur unser schöner Traum. Und das nicht nuuuur in meinem Hirn, nein, hinter jeeeeder krausen Stirn." Ich versuchte, mich nach Bullerbü wegzuträumen, aber mein Unbewusstes wehrte sich. "Wann stehen wir morgen auf?", fragte mich meine Liebste, als ich fast schon eingeschlafen war. "Weiß ich noch nicht", sagte ich mit letzter Kraft: "Ich bleib morgen liegen und lasse einfach mein Hirn entscheiden."

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Sonntag, 18.12.2011

Oh Tannenbaum

Tannenbaum mit Geschenken; Rechte: dpa + Schön viele Geschenke Früher glaubte ich ans Christkind. In der Nacht vor WDR: Heiligabend gelangte es auf geheimnisvolle Weise in unser Wohnzimmer und legte dort Geschenke für meine Geschwister und mich unter dem Weihnachtsbaum ab. So erklärten es unsere Eltern. Gesehen habe ich das Christkind nie, nie gelang es mir, die ganze Nacht wach zu bleiben. Mein jüngerer Bruder behauptet, das Christkind einmal gesehen zu haben, als er in der fraglichen Nacht aufs Klo musste. Aber seiner Erzählung habe ich schon damals nicht geglaubt. Ohne seine Brille, die er nachts bestimmt nicht aufsetzte, konnte mein Bruder nämlich so gut wie nichts sehen.

Als ich nicht mehr ans Christkind glaubte, musste ich am Abend vor Heiligabend beim Baumschmücken helfen. Meine Schwester Hildegard, ein christkindhaftes Wesen mit langen blonden Haaren, sinnierte über das künstlerische Gesamtkonzept des Baumes, während ich die schon mal die Dekoration aus dem Keller ins Wohnzimmer schleppte, jedes Jahr wurden es mehr Kisten. Versonnen hängte Hildegard anschließend die von mir entstaubten Engel, Kugeln und Sterne in den Baum, korrigierte die Position des einen oder anderen, und stellte sich bald hierhin, bald dorthin, um den geschmückten Baum von allen Seiten zu begutachten. Manchmal entschied sie sich dann noch für eine andere Grundfarbe der Dekoration, und ich musste vorsichtig das silberne Lametta gegen rotes austauschen oder die gelben Kerzen durch weiße ersetzen. Es wurden stets lange Abende, und anstrengende dazu.

Tannenspitze mit Zettel 'Sobnderangebot'; Rechte: imago stock + Schön billig Seit einigen Jahren bin ich am 23. Dezember abends bei Heinz und Rieke. Heinz ist sparsam veranlagt, besonders beim Kauf des Weihnachtsbaums. Um einen zu erwerben, geht er erst kurz vor unserer Verabredung los. Dann sind die Händler durchgefroren und ihre unansehnlichen Restbäumchen runtergesetzt. "Außerdem kann ich noch prima mit den Jungs feilschen", erklärt Heinz. Einen Ständer für den Christbaum spart er sich komplett, dazu reicht ihm ein Putzeimer mit Sand. Den Sand organisiert er, im Schutz der Dunkelheit, auf einer nahe gelegenen Baustelle. Das hat noch nie zu Problemen geführt. Die fangen aber an, wenn seine Freundin Rieke den Baum erblickt. Klein, mickrig, verkrüppelt, altersschwach – hart und harsch geht Rieke mit dem Baum ins Gericht, und natürlich mit seinem Käufer. Aufgefordert, den Schiedsrichter zu spielen, verhaspele ich mich in diplomatischen Floskeln. Der Abend vor Heiligabend ist bislang einfach nicht mein Glücksabend.

Krummer Christbaum; Rechte: interfoto + Schön krumm In diesem Jahr soll das anders werden. Am Tag vor Heiligabend bin ich, WDR: ganz im Trend, zum Christbaum-Schlagen verabredet, mit einigen Freunden. Heinz ist nicht dabei, er will lieber nach Geschäftsschluss in die Schonung. Dafür geht Hildegard mit. Ihr habe ich versprochen, beim Schlagen und Sägen ihres Baumes behilflich zu sein. Sie möchte wahrscheinlich eine Nordmanntanne. Oder eine Blautanne. Allerdings will sie sich auch in Ruhe mal die einfachen Fichten und die Douglasien anschauen, hat sie angekündigt. Dabei wird sie sehr gewissenhaft sein, denn sie weiß: Weihnachten wird durch den Baum entschieden.

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Montag, 12.12.2011

Jesus kam nur bis zum Hauptbahnhof

Eigentlich hatte ich nur meinen Sohn, den begeisterten Jungpfadfinder, begleitet. Aber als ich dann im Dom stand, unter 2.500 Pfadfindern, die sangen und feierten, ergriff mich die Rührung. Es ist ja auch eine wunderschöne Idee: In der Geburtsgrotte Jesu in Bethlehem wird eine Flamme entzündet, die Pfadfinder dann vor Weihnachten in alle Welt verbreiten. Das kleine Feuer, das jetzt vor uns im Kölner Dom brannte, war per Flugzeug nach Wien gekommen. Von dort hatte es eine Delegation im ICE nach Köln gebracht und die windgeschützte Laterne über den zugigen Bahnhofvorplatz hinein in die Kirche. Die wimmelte nun von Menschen mit Stalllaternen und Windlichtern, in denen die Flamme aus Bethlehem nach Hause geholt werden sollte. WWW: "Licht verbindet Völker" heißt das Motto, und deshalb sangen und sprachen im Dom auch Gäste aus Mexiko, Brasilien und Afrika.

Kerzen werden aneinander angezündet; Rechte: dpa + Wir wünschen uns: Frieden ... Die kleine Pfadfindergruppe meines Sohnes wollte das Licht in unsere Kirche im Viertel bringen, von wo aus es jeder mit nach Hause nehmen könnte, um damit etwa den Adventskranz anzuzünden. Aber das war leichter gesagt als getan. Sie mussten nämlich eine Erfahrung machen, die Profis der Strom- und Telekommunikationsbranche in den Satz kleiden: Die letzen Meter zum Verbraucher sind die schwierigsten. Zwar brachten sie die Kerze bis zur U-Bahn, ohne dass sie ausgelöscht wurde. Aber sie hatten nicht mit den Ordnungskräften der Kölner Verkehrsbetriebe gerechnet. Die regeln sonst heldenmütig das Gedränge in der Vorweihnachtszeit. Aber an diesem ruhigen Abend nahmen sie Anstoß an unserer Laterne. Offenes Feuer in der Bahn ist nicht erlaubt.

Sicherheitspersonal in der Kölner U-Bahn; Rechte: WDR/Heisch + ... und Sicherheit Die Pfadfinder versuchten zu erklären, erzählten von Bethlehem, vom ICE, in dem es offensichtlich kein Problem gab, und natürlich vom Frieden. Aber ihre Gesprächspartner ließen sich nicht erweichen. Mich erinnert das an den berühmten Romantitel von Carlo Levi: "Christus kam nur bis Eboli". Diesmal kam Jesus nur bis zum Hauptbahnhof. Das Licht aus Bethlehem hatte die Mauer zwischen Palästina und Israel übersprungen, es wird am Ground Zero in New York leuchten und im Europaparlament empfangen. Aber im Kölner Nahverkehr ereilte es die harte Alternative: Auslöschen oder Aussteigen.

Das Licht aus Bethlehem ist schließlich doch bei uns angekommen. Wie, möchte ich hier nicht verraten, um keinen engagierten Pfadfinder einer Ordnungsstrafe auszusetzen. Die nächste harte Hürde ist nun meine Frau. Sie will keinesfalls eine Kerze in der Wohnung brennen lassen, wenn niemand zu Hause ist. Mein Sohn ist ungehalten, aber ich muss ihr natürlich Recht geben. So brennt die Flamme jetzt in der Laterne auf dem Balkon. Immer wenn wir nach Hause kommen, schauen wir erst nach, ob sie noch brennt und ob wir sie auf eine neue Kerze verpflanzen müssen. Immer wenn wir unterwegs sind, haben wir Angst, dass ein Nachbar die Feuerwehr ruft. Aber wir hoffen darauf, an Heiligabend mit der Flamme aus Bethlehem die Kerzen an unseren Weihnachtsbaum zu entzünden. Dann werden wir selig davor sitzen und wissen: Der Friede ist ein schwer zu hütendes Licht.

... und dies ist kein Einzelfall!
Die Delegation unseres Stammes machte dieselbe Erfahrung. Auch unserer Lichtträgerin wurde der Einstieg in die Bahn verwehrt. Seit Jahren bringen wir das Licht in unsere Gemeinde, und jedes Jahr mit der Bahn. Nur dieses Jahr stellten sich die Ordner quer. Eine seltsame, schwer nachzuvollziehende Wandlung der KVB, zumal die Kluft der Pfadfinder deutlich die Seriosität und Ernsthaftigkeit dieser friedlichen Aktion unterstreicht.
Letztendlich fand sich ein freundlich-friedenliebender Taxifahrer, der uns das Licht wohlbehalten bis an die Kirche transportierte. Ob wohl die Beförderung eines offenen Lichts im Taxi erlaubt ist? Manchmal braucht ein Zeichen des Friedens Menschen, die helfen, Hürden zu überwinden und das Notwendige tun.

Anonym am 15.12.11 21:53

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Sonntag, 11.12.2011

Regen und Schnee, Mord und Totschlag

Kind am Fenster im Regen; Rechte: imago + Kind mit Langeweile Angefixt wurde ich von meinem Vater, im zarten Alter von elf oder zwölf Jahren, während eines Urlaubs im WDR: Sauerland. Tag für Tag regnete es, die meiste Zeit verbrachten meine Eltern, meine Geschwister und ich deshalb in der düsteren Ferienwohnung. Die Bücher, die ich mitgenommen hatte, waren längst gelesen, und zum Quartett-Spielen mit meinem kleinen Bruder hatte ich keine Lust mehr. "Mir ist langweilig", erklärte ich regelmäßig und wahrheitsgemäß – bis mein Vater mir zwei Taschenbücher in die Hand drückte. Es waren WDR: Krimis, mit rotem Einband drumrum und Leichen drin, also keine blöden Kinder-Detektivgeschichten. Ich war begeistert von den beiden WWW: Agatha Christie-Romanen.

Margaret Rutherford als Miss Marple; Rechte: akg + Frau mit Köpfchen Der Urlaub blieb nicht ohne Folgen: Im Sauerland habe ich meine Ferien seither nicht mehr verbracht. Den Kriminal- und Detektivgeschichten bin ich treu geblieben. Anfangs faszinierten mich besonders Geschichten aus England. Die spielten gerne auf eingeschneiten Landsitzen, auf einem Schiff oder in einem Zug, also überall dort, wo Menschen mehr oder weniger zwangsweise eine Zeitlang miteinander auskommen müssen. Das ging selten gut, meist nutzte ein harmlos anmutender Bösewicht die Situation, um alte Rechnungen zu begleichen und reihenweise Leute ins Jenseits zu befördern. Eigentlich ein Wunder, dachte ich manchmal, dass damals während des Sauerland-Urlaubs in unserer Ferienwohnung nichts Schlimmes passiert ist.

Rolf Lassgard als Kurt Wallander; Rechte: dpa + Mann mit Magenproblemen Was Krimis angeht, habe ich jede Mode mitgemacht: habe mich durch den sozialkritisch ambitionierten neuen deutschen Kriminalroman gequält. Ich habe die desillusionierten Ermittler der amerikanischen Detektivgeschichten bewundert. Habe skurrile Aufklärer wie den Österreicher WWW: Brenner kennengelernt und brave Kommissare aus Bonn, Köln, vom Niederrhein und aus der Eifel. WWW: Skandinavische Kriminalromane waren natürlich auch dabei. Nach dem fünften Krimi von Henning Mankell musste ich allerdings eine Pause einlegen, weil ich die gleichen Magenprobleme bekam wie Mankells Kommissar Wallander. Vielleicht lag es an den fiesen Mordmethoden, mit denen wir beide konfrontiert wurden, vielleicht aber auch an unserer gemeinsamen Vorliebe für Schnellgerichte, Pizza und Kaffee.

Auf meinem Wunschzettel für WDR: Weihnachten stehen in diesem Jahr wieder etliche Krimis. Ich freue mich auf unbeschwerte Lesetage nach dem Fest. Ein Büchlein für den Kurztrip zum Jahreswechsel habe ich mir schon selbst geschenkt. Es heißt "Tot überm Zaun" und spielt, unter anderem, im Sauerland. Da wo meine Freundin und ich den Jahreswechsel feiern wollen. Zuschneien werden wir ja hoffentlich nicht.

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Freitag, 09.12.2011

Russenpelz oder Chinaplaste

Kaum wird es endlich kälter, geht wieder das Mützendrama los. Jeden Morgen gibt es Krach mit meinem Jüngsten um die richtige Kopfbedeckung. Offensichtlich gehen auf Grundschulhöfen nur solche Kappen als cool durch, die eher für den Sommerurlaub taugen. "Da ist die Mittelohrentzündung programmiert", schimpfe ich. Meine Frau fischt aus einer Schublade ein weiteres wollenes Angebot. Am Ende setzt er es auf, schließlich drängt die Zeit. Aber ich wette, schon auf dem Weg zum Schulbus wandert das Teil in den Ranzen.

Mädchen mit Mütze; Rechte: dapd + Mützen sind der Kinder Leid Einerseits nervt dieses Theater, andererseits kann ich meinen Sohn irgendwie auch verstehen. Schließlich erinnere ich mich noch an den Widerwillen, mit dem ich als Kind die berüchtigte Schalmütze trug, die meine Eltern "sooo praktisch" fanden. Ich sah darin aus wie ein Frosch mit Sturmhaube und außerdem kratzte das Ding am Hals. Polizisten müssen wohl ähnliche Kindheitstraumata mit sich herumschleppen. Anders ist der Mützenstreit in NRW kaum zu erklären. Da sollten die Polizisten sooo praktische Fellmützen in russischem Stil bekommen, aber ihre Gewerkschaft protestierte und brachte sogar eine illegale Polizeiwollmütze in den Umlauf.

Gaddafi mit Schirm und Uschanka; Rechte: dpa + Schlechter Werbeträger für Uschankas Die Russenmütze mache die Beamten lächerlich, hieß es. Außerdem wollen deutsche Ordnungshüter den Bürger ungern an die sowjetische Obrigkeit erinnern oder gar an Oberst Gaddafis letzte Auftritte. Dass die WDR: Uschanka inzwischen durchaus als modisch gilt, zählt bei solchen politischen Argumenten wohl nicht. Falls bei Kopfbedeckungen überhaupt Argumente zählen. Ich jedenfalls habe Mitleid mit den Innenministerialreferenten, welche die Verhandlungen im Mützenstreit mit der Gewerkschaft führen mussten. Ihre Rolle wird etwa so undankbar gewesen sein wie die von Mama und Papa morgens vor Schulbeginn.

Aber Chapeau! Das Schlichtungsverfahren hat nun zu einem WDR: offiziellen Mützenfrieden geführt. Das Ergebnis: In diesem Winter müssen die Polizisten aufsetzen, was da ist. Für die Zukunft soll aber ein Alternativmodell entwickelt werden, und zwar eine Fleece-Mütze. Das wundert mich nun wieder. Ist der Gewerkschaft der Polizei unbekannt, dass Fleece überwiegend aus alten Plastikflaschen hergestellt wird? Und dass dieses Wunder der Recyclingindustrie überwiegend in China vollbracht wird? Ich befürchte, die Beamten könnten zukünftig bei Demonstrationen beschimpft werden, weil sie Flaschenmüll auf dem Kopf tragen. Und die Chinaplaste eignet sich auch nicht unbedingt als lupenrein demokratisches Symbol. Aber öffentlich werde ich solche Zweifel keinesfalls äußern. Schließlich weiß ich als Vater, wie zerbrechlich so ein Mützenfrieden ist.

Im Gegenteil: Vom Russenmützenstreit lernen heißt siegen lernen! Ich werde künftig das Schlichtungsergebnis auf die Auseinandersetzung mit meinem Jüngsten übertragen. Heißt: Fürs erste wird die Wollmütze getragen. Und im kommenden Winterschlussverkauf können wir dann gemeinsam eine neue aussuchen. Und wenn alles nichts nützt, zeige ich ihm demnächst, wenn’s mal richtig frostig ist, einen Polizisten. Noch sind das nämlich Vorbilder, wie die Feuerwehrleute. Und dann sage ich: "Schau mal, was der Polizist trägt: mit Ohrenklappen und Bändchen. Cool, oder?"

Sollen sich doch ihre Mütze selber kaufen,die bekommen alles vom Staat,und nichts ist gut genug.
In den Schuhen können sie nicht laufen,die Bekleidung ist im Sommer zu warm,im Winter zu kalt,und sogar aus den Pistolen lösen sich von alleine Schüsse...
Na dann man weiter so...

KHS am 10.12.11 11:35

Ich glaube Doktor Gregor sollte sich mal aus den Redaktionsräumen nach draußen bewegen und mit den Polizisten für einen Tag tauschen. Vielleicht ändert sich dann seine überhebliche Sichtweise.

Tom Gerhards am 10.12.11 21:22

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Sonntag, 04.12.2011

Eurobond und Goldfinger

Sean Connery; Rechte: akg + 'Mein Name ist Bond' Plötzlich stand er vor mir, dieser schreckliche Kerl. Nun ja, eigentlich sah er nicht schrecklich aus, eher ein wenig wie Sean Connery. Aber er hatte eine Knarre in der Hand und hielt sie direkt vor mein Gesicht. "Mein Name ist Bond", sagte er: "Eurobond." "U - und?", stotterte ich. "Geben sie mir Ihre Enkel heraus." Mir wurde schwindlig. "Ich habe noch gar keine Enkel." "Das ist egal. Ich verpfände sie jetzt schon." Ich blickte direkt in den Lauf seines Revolvers und plötzlich entfuhr mir ein Hilfeschrei: "ARD: Angela, Angela."

Angela Merkel; Rechte: dpa + 'Angela, Angela!' Ich erwachte von der Stimme meiner Frau neben mir. "Wer ist Angela?" Ich rieb mir die Augen. "Du redest im Schlaf von einer Angela", sagte meine Frau etwas streng: "Wer ist das?" Ich setzte mich auf und versuchte, die Reste des Schreckens von mir abzuschütteln. "Das wird wohl Angela Merkel sein", sagte ich. "Wie, Du willst mir erzählen, Du träumst von der Kanzlerin?" "Eher selten", entgegnete ich: "Aber da war dieser schreckliche Eurobond. Der will uns unsere Enkel rauben. Und die Merkel ist doch die einzige, die ihn noch verhindern kann." Meine Frau sah mich mit stark gerunzelter Stirn an: "Wir haben gar keine Enkel." Ich gähnte. "Ja, das hab ich ihm auch gesagt. Aber das war ihm egal. Er verpfändet sie schon jetzt."

Gerd Fröbe und Sean Connery in Goldfinger; Rechte: dpa + Die Märkte sehen aus wie Gerd Fröbe Später saßen wir am Küchentisch bei einem guten Frühstück. Die erste Kerze auf dem Adventskranz brannte. Wir besprachen natürlich Weihnachtspläne. Also Geschenke. Der Jüngste braucht einen Schlafsack für seine Pfadfindertouren. Die Älteste will nur Geld, für eine Tour nach Berlin. "Nur Geld, nur Geld", murmelte ich und schaute sinnierend in meinen Tee. Und dann gibt's ja auch noch die ganze Verwandtschaft, und alle spekulieren sie - auf Geschenke. "Wir könnten einfach Geld drucken und die Familie damit ARD: fluten, bis alle Ruhe geben", schlug ich vor: "So macht man das doch mit den aggressiven Märkten." Meine Frau war jetzt auch sehr nachdenklich geworden. "Wer sind eigentlich diese Märkte?", fragte sie. "Ich weiß es auch nicht", entgegnete ich: "Aber ich glaube, sie sehen aus wie Gerd Fröbe in Goldfinger. Und nicht einmal Bond kann sie aufhalten, weil sie so viele sind. Also braucht es viele Bonds, Eurobonds."

Sparpaket; Rechte. WDR + Griechische Weihnacht Wir spielten dann noch mehrere Möglichkeiten durch, wie wir es hinkriegen könnten, nach Weihnachten doch noch einen kleinen Winterurlaub anzuhängen. Wir dachten etwa daran, unsere Urlaubskasse zu hebeln, indem wir alle Mietparteien in unserem Haus an der Finanzierung beteiligen. Außerdem erwogen wir, aus der Eurozone auszutreten und eine eigene stabile Währung herauszugeben. Wir waren sogar bereit, unser Tafelsilber zu verscherbeln - leider haben wir kaum welches. Deshalb haben wir uns schließlich für den Gegenkurs entschieden: In diesem Jahr gibt es griechische Weihnacht. Das heißt: nur Sparpakete.

Audio: Audio: Eurobond und Goldfinger

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