Sonntag, 09.10.2011

"Sagen Sie einen Befehl"

Mein Mobiltelefon hat eine Spracherkennung. Ich weiß das aber nur, weil ich hin und wieder aus Versehen auf eine Taste an seiner Seite drücke. Dann sagt das Ding mit einer metallischen Frauenstimme: "Sagen sie einen Befehl", worauf ich stets antworte: "Sei still!" Den Befehl befolgt es dann auch. Nun lese ich, dass man den neuen Blog: Apple-Smartphones nicht nur Befehle geben kann wie "Ruf Elke an!", die es dann ausführt, sondern auch Fragen stellen wie "Wo gibt’s den hier eine Pizzeria?", und dann geht das Ding ein bisschen in sich, also ins Netz, und spuckt gleich die Wegbeschreibung und den Preis der Quattro Stagioni aus.

Smartphone vor Bahn; Rechte: dpa + 'Bin gleich in der Bahn' Mir kommt das vor wie die Vollendung des postmodernen Umgangs mit einem Telefon. Jetzt kann man mit ihm nicht nur alles andere als Telefonieren. Jetzt kann man sogar mit ihm sprechen, ohne dass man jemand anrufen muss. Ich warte schon darauf, dass um mich herum in der Straßenbahn nicht mehr dauernd "Bin jetzt in der Bahn" gesagt wird, sondern "Was kommt gleich im Fernsehen?" Denn mal ehrlich: Das Lästige am Telefonieren waren bisher die Gesprächspartner. Die sagen nie ein devotes "Sagen Sie einen Befehl", sondern labern einem das Ohr voll mit lauter Sachen, die man gar nicht hören will oder haben sogar selbst noch Befehle auf Lager. Da ist es viel angenehmer, wenn man einfach mit seinem Telefon telefoniert.

Ronald Pofalla; Rechte: ddp + Pofalla kommuniziert So ein Telefon ist auch viel geduldiger. Sage ich zu meinem statt "Sei still" mal "Halt die Schnauze", nimmt es mir das nicht krumm. Seinem Telefon könnte ARD: Ronald Pofalla ungestraft, wenn er mal wieder Dampf ablassen muss, ein "Lass mich mit so einer Sch… in Ruhe" zubrüllen. Sagt er das dagegen dem Bosbach, weiß es morgen die gesamte Republik. Außerdem wird sich die Spracherkennung natürlich noch weiterentwickeln. Das macht bald Passwörter und Sperrcodes überflüssig. Wenn dann einer Pofallas Handy klaut – ein Spion der Opposition oder Bosbach – und sagt ihm ein paar Worte, schaltet es sich sofort aus. Das Handy kennt sein Herrchen. "Guten Morgen, mein liebes smartes Phone": Das kann nicht Pofalla sein.

Steve Jobs auf Handydisplay; Rechte: dpa + Nicht mehr im Lärm der Welt Das Smartphone ist eben die Speerspitze jener Entwicklung der Menschheit, von der schon Erich Kästner wusste: "Da sitzen sie nun am Telefon. Und es herrscht noch immer derselbe Ton wie seinerzeit auf den Bäumen." Wenn aber die Spracherkennung noch weiter ist, wird sich unser Handy hin und wieder mitten in unser langes Gequassel einschalten und seinerseits mit uns reden. "Lass den Lärm der Stimmen anderer nicht deine innere Stimme ersticken!", mahnt das Ding plötzlich. Und wer spricht da zu uns? WDR: Steve Jobs.

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