Sonntag, 23.10.2011
Frieda und die heiligen drei Könige
Manche Errungenschaften des modernen Lebens sind so selbstverständlich geworden, dass wir uns kaum noch vorstellen können, wie ein Leben ohne sie möglich war. Ich erinnere mich allerdings noch gut daran, wie mein Leben ohne Navigationsgerät aussah: Alleine unterwegs, versuchte ich in fremden Regionen vieles gleichzeitig im Blick zu behalten: die Schilder, den Verkehr, die Karte auf dem Beifahrerplatz und natürlich die Uhr, denn ich wollte ja pünktlich mein Ziel erreichen. Das war kein Spaß, besonders wenn es draußen schneite oder dunkel war oder beides zugleich. Ein Wunder eigentlich, dass ich es trotzdem immer geschafft habe.
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Sorgt für Entspannung: Navi
Bei einem Urlaub mit meiner Freundin Mona habe ich dann die Vorzüge eines Navigationsgerätes kennengelernt. Gleichbleibend freundlich lotste uns die Frauenstimme aus Monis Navi über den Brenner bis in unserem Zielort in der Toskana. Misstrauisch verfolgte ich auch danach noch anhand von Straßenkarten, wie "Frieda" – so hatten wir die Navi-Frauenstimme getauft – uns bei Tagesausflügen durch die sanfte Hügellandschaft führte. Einmal habe ich Frieda dabei erwischt, wie sie eine Abkürzung übersehen hat. Nach einer kurzen Diskussion - Mona hielt, wahrscheinlich aus weiblicher Solidarität, zu Frieda – verabredeten wir, auf dem Hinweg dem Navi zu folgen, auf dem Rückweg der Karte und mir. Der Rückweg war eine Katastrophe. Die Straße war steil und schmal. Wir brauchten viel länger als auf dem Hinweg, und es wurde schon dunkel, als wir in unserem Urlaubsquartier ankamen. Monas Stirn zierte eine steile Falte, ihre Lippen blieben den ganzen Abend über schmal. Das Thema "Wo geht’s lang?" ist zwischen Frauen und Männern traditionell umstritten. Navis können bei fachgerechter Anwendung zu einer spürbaren Entspannung in diesem Streit führen, das wird jeder Paartherapeut bestätigen.
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Frieda, Freude, Eierkuchen
Direkt nach dem Italien-Urlaub legte ich mir selbst ein Navi zu. Zunächst ließ ich mir den Weg auf kölsch ansagen. Das ständige "räätseröm" und "linkseröm" hat mich aber schnell genervt. Endgültig untendurch war die lokalpatriotische Ansage bei mir in einer lauen Maiennacht. Den Abend hatte ich mit Mona im Biergarten verbracht, es war ein sehr netter Abend. Dann brachte ich Mona nach Hause, das Navi wies kölsch und launig den Weg. Als ich sie vor ihrer Haustür zum Abschied in die Arme nahm und erstmals küsste, blökte das Navi aus dem Auto: "Do häs et geschaff!" Seither lass ich mich wieder von Frieda leiten.
Frieda nutzt übrigens, wie alle Navis, das GPS-Signal, das amerikanische Satelliten zur Erde funken. Letztlich sind wir also gar nicht so weit entfernt von der Methode der heiligen drei Könige, die sich nach den Signalen der Sterne richteten. Ihr direkter Blick in den Himmel lohnt sich auch heute – insbesondere wenn gerade einmal wieder ein
ausgedienter Satellit abstürzt.
Audio: Frieda und die heiligen drei Könige
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