Sonntag, 28.08.2011
Nachsommer
+
Sommerurlaub?
Meinen diesjährigen Sommerurlaub habe ich im Juli an der Ostsee verbracht. Wobei der Begriff "Sommerurlaub" nur eingeschränkt stimmt, wenn ich an die Tage mit Dauerregen und Temperaturen um die 15 Grad zurückdenke. Dennoch war es eine sehr erholsame Zeit. Ich konnte jeden Tag ausschlafen, mir die stets frische Meeresbrise um die Nase wehen lassen und die sanft hügelige, weite Landschaft sowie die Ruhe und Beschaulichkeit des Landlebens genießen.
Mit der Beschaulichkeit war dann im Büro sofort wieder Schluss, allein die Zahl der Mails, die ich abarbeiten musste, war rekordverdächtig. Trotzdem konnte ich noch wochenlang meine im Urlaub gewonnene innere Ruhe bewahren. Sollte sich der Volkshochschulkurs zur Work-Life-Balance endlich ausgezahlt haben? Oder lag es einfach daran, dass die nervigsten Kollegen noch in Urlaub waren? (Das kann ich hier so locker schreiben, weil ich weiß, dass diese Kollegen meine Glossen nicht lesen).
+
Köln füllt sich wieder
Die Zeit der Nach-Urlaubs-Entspanntheit geht nun allmählich zu Ende, die meisten Sommerfrischler scheinen wieder daheim. Das habe ich kürzlich bei der Parkplatzsuche gemerkt. Vorbei ist die schöne Zeit, in der ich mir einen Stellplatz in meiner Straße aussuchen konnte. Erst kurvte ich eine halbe Stunde durchs Viertel, schließlich fand ich eine Parkmöglichkeit eine Viertelstunde Fußweg von meiner Wohnung entfernt. Straßenbahn fahren ist auch nicht viel besser. Dort werden die Menschen wieder so gequetscht wie Sardinen in der Dose, und manche riechen auch so. Auch die Kantine hat ihre spätsommerliche Leichtigkeit eingebüßt, mit italienischen Wochen und locker besetzten Tischen. Vor der Essensausgabe stehen nun wieder lange Schlangen, und oft riecht es bereits schwer und herbstlich nach Sauerkraut. Die Tische sind vollbesetzt, und an manchem sitzt, urlaubsgebräunt, ein nerviger Kollege.
+
Jenseits der Atmosphäre
Selbst auf den Partys herrscht wieder drangvolle Enge, wie kürzlich bei
Reginas Geburtstagsfeier. Erst gab es Drängelei am Buffet, danach um die wenigen Sitzgelegenheiten. Entnervt ging ich vor die Tür. Der Himmel über dem Niederrhein war zwar nicht so beeindruckend wie der über der Ostsee, aber doch von beruhigender Weite. Ein leuchtender Punkt zog rasch über den Himmel. "Das ist die internationale Raumstation ISS", klärte mich ein Gast auf, der zum Rauchen hinausgekommen war. "Sie ist schneller als jeder Stern und hat keine Positionsleuchten wie ein Flugzeug, daran ist sie zu erkennen." Eine Weile standen wir schweigend beieinander. "Wenn über den Wolken die Freiheit grenzenlos ist, wie muss sie erst jenseits der Atmosphäre sein?", versuchte ich es mit einer philosophischen Frage. "Keine Ahnung", sagte der Raucher hustend, "aber in der ISS möchte ich nicht hocken – ist bestimmt total eng, und wenn dann der Kollege nervt … Außerdem könnte ich die Ungewissheit nicht ertragen – nicht zu wissen, wann es wieder
zur Erde zurückgeht, nicht zu wissen, wann ich wieder rauchen könnte und nicht zu wissen, wie lange ich noch auf mein Lieblingsessen verzichten müsste - Sauerkraut."

Seite empfehlen
über Social Bookmarks