Sonntag, 31.07.2011
In der Eifel liebt man noch
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Wärme im kühlen Sommer
Der Juli geht heute zu Ende - und das ist auch gut so. Er hat uns nicht gerade erwärmt. Von der Nachrichtenlage will ich schweigen - und statt dessen lieber unverfänglich vom Wetter reden. Das gab sich so unjulihaft kühl wie seit Menschengedenken nicht. Manchmal war ich gar versucht, die Heizung anzuwerfen. Aber das kam mir dann doch unpassend vor. Eine kleine Miniheizung wäre schon recht gewesen - aber flugs hat das Oberverwaltungsgericht den Einsatz von sogenannten
"Heatballs" verboten. Es hält die Hitzebälle für von der EU abgeschaffte Glühbirnen - und das, obwohl die Dinger zu 95 Prozent Wärme produzieren und nur nebenbei ein wenig Licht.
"Mach dir warme Gedanken", empfiehlt der Volksmund, wenn es sonst keine Heizmöglichkeit gibt. Aber mit der Romantik ist das auch so eine Sache: Im modernen Leben kommt sie eher selten vor. Zeitkritiker meinen, es läge daran, dass wir uns heute unsere Wünsche viel zu direkt erfüllen können, auch in der Liebe. Romantik lebt aber von Suche und Sehnsucht, nicht davon, "schnell zur Sache" zu kommen.
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Einfach nur Klopstock
In der Schule habe ich, wie die meisten Gymnasiasten, "Die Leiden des jungen Werthers" gelesen. Da gibt es eine Szene, wo der unglücklich Verliebte mit seiner Angebeteten am Rande einer Party, in einem Erker stehend, ein Gewitter beobachtet. Dann haucht sie nur ein Wort:
"Klopstock". Große Gefühle für Goethes Leser. Großes Gelächter im Deutschkurs. Natürlich, weil der Name rein klanglich nicht gerade romantisch wirkt. Aber davon abgesehen konnten wir uns nicht vorstellen, beim Anbaggern auf die Nennung unseres Lieblingslyrikers zurückzugreifen.
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Innige Heimeligkeit
Auch andere Formen der Annäherung, die früher zur Kunst der Liebe gehörten, taugen heute nur noch für die Komödie: etwa das in Süddeutschland beliebte Fensterln. Es ging um innige Heimlichkeit, aber davon blieben nur billige Slapstick-Szenen in schlechten Heimatfilmen. Dabei wusste der bayerische Leiteraufsteller ebenso wie der leidende Werther noch von der Romantik der mittelalterlichen Minne: der Liebe zur eigentlich verbotenen, zur unerreichbaren Frau. Wo gibt es so etwas heute noch?
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Hort der Minne: Burg Nideggen
Vielleicht in der Eifel. Das wäre durchaus verständlich, denn dort sind die Sommer in der Regel kühl und feucht und der Bedarf an warmen Gedanken also um so höher. Mich erwärmte jedenfalls, was ich vor einigen Tagen über ein Liebespaar aus Simmerath las. (Das mag auch daran liegen, dass dieser Ortsname aus ganz persönlichen, hier verschwiegenen Gründen für mich einen so romantischen Klang hat wie Klopstock für Goethe.) Das Paar war auf einer Hochzeitsfeier eingeladen, zog sich aber bald - also ganz ähnlich wie Werther und Lotte - zurück. Die Szene spielt auf Burg Nideggen. Ritterliche Minne liegt in der Luft. Und so erklettern die beiden einen sieben Meter hohen (!) Fenstersims, um sich dort, weit entrückt vom Treiben der Welt, zu liebkosen. Leider endet die Szene dann doch wie im Heimatfilm: Er verliert beim Küssen das Gleichgewicht und stürzt ab. Doch tat er das nur, um die Wirkung wirklich romantischer Liebe zu demonstrieren: Denn wie sonst würde man sich bei einem solchen Unglück nur leicht am Bein verletzen?
Audio: In der Eifel liebt man noch
Das ist nicht neu, dat han mir schon als Penz jesehen in eifeler Platt on net verstanden. Am schlimmsten war es in den kleinsten Dörfern. Schlimm dashalb weil die "geliebt" wurden welche verheiratet waren ohne das es der Ehemann wuste und nicht nur an Weiberkarnevall. Dafür war es im ganzen Dorf bekannt. Die schönen Eifeldörfer. Es gibt so viele,und so viele Geliebte.
MG am 1.08.11 21:57
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