Sonntag, 05.06.2011
Laurentius, hilf!
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Grill mit Würstchen
"Wir schmeißen heute Abend ein paar Würste auf den Grill, magst du nicht vorbeikommen?" So oder ähnlich lautet in diesen Wochen manch spontane Einladung. Da ich selbst weder über Garten oder Balkon noch Grill verfüge, freue ich mich jedes Mal. Was kann es Schöneres geben, als an lauen Abenden bei Bratwurst, Kotelett und Kartoffelsalat über die vergangene Bundesliga-Saison zu fachsimpeln, Urlaubspläne zu schmieden oder ultimative
Grill-Tricks auszutauschen? Manchmal wird das Plaudern am Rost natürlich auch politisch.
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Experte mit Fliege
Zu Beginn der Grillsaison war die FDP ein gern gewähltes Thema. Das ist inzwischen durch, und zwar so wie ein auf dem Rost vergessenes Steak. Schwarzenegger gehört, ebenso wie
"DSK" und Jörg Kachelmann, zu den Dauerbrennern auf den Grillpartys, aber natürlich wegen seiner Frauengeschichten und nicht wegen seiner Politik als Gouverneur von Kalifornien. Das alles dominierende innenpolitische Thema ist momentan der Atom-Ausstieg, wobei die SPD dabei so gut wie nie vorkommt, quasi durch den Rost fällt. Das sollte den Genossinnen und Genossen zu denken geben. Karl Lauterbach, der SPD-Experte für Medizin und Fliegen, hatte im Wahlkampf vor zwei Jahren versucht, den Deutschen gesundes Grillen beizubringen, mit viel Gemüse und schützender Alufolie. Doch er hat erfahren müssen: Am Grill geht es in erster Linie um die Wurst.
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Kuh mit Kuhhaut
Und die Gemüse-Griller geraten auch heute in die Defensive, Stichwort EHEC. Grill-Tomaten sind derzeit etwa so beliebt wie Grill-Tipps von Karl Lauterbach. Doktor Gregors Freundin Elke glaubt, dass die Fleischindustrie hinter der EHEC-Krise steckt. "Gerade jetzt, wo es überall frisches Gemüse aus der eigenen Region gibt, will uns der tierisch-industrielle Komplex den gesunden Genuss vermiesen", sagt sie. "Es ist doch so", fügt sie triumphierend hinzu: "Woher kommt der EHEC-Keim? Aus der Kuh!"
Elkes Theorie passt auf keine Kuhhaut, geht es mir durch den Kopf. Und dass es die Menschen früher einfacher hatten: Die haben zum heiligen Laurentius gebetet, der auf einem Rost endete und sinnigerweise Schutzpatron der Köche ist. Dann konnten sie mit Appetit verspeisen, was die Köche ihnen servierten. Das ging meistens gut, und wenn es nicht gut ging, war der Teufel schuld, eine zwielichtige Figur mit Pferdefuß und einem Körpergeruch, der stark an Schwefel erinnert. Kein Mensch kannte
O104:H4, H1N1, H5N1 oder wie unsere Quälgeister heute auch immer heißen. Vor Nostalgie muss ich aber warnen: Frauen wie Elke sind in den guten alten Zeiten schon mal auf dem Scheiterhaufen gelandet.
Der Keim kommt aus der Kuh, mag sein. Was hinten aus der Kuh kommt wird als Dünger, Kunstdünger ist ja verpönt, auf die Felder gegeben, auf denen das frische Gemüse aus der Region kommt. Wenn das alles so stimmt, müssen wir aufhören zu essen. Ob wir dann länger leben als mit dem EHEC-Keim? Ich möchte den Versuch nicht machen.
Hans G. am 5.06.11 14:48
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