Sonntag, 26.06.2011
Einladung an alle
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Eingeladene
Mein achter Geburtstag war der erste, den ich in größerer Runde feierte. Tagelang quälte mich die Frage, wer zu den auserwählten zehn Gästen gehören sollte – so viele hatten meine Eltern erlaubt. Sabine, meine Nachbarin, war ebenso gesetzt wie mein bester Freund Rainer und mein zweitbester Freund Christoph. Dann wurde es aber schon schwierig. Karoline konnte ich nicht ohne Nina einladen. Allerdings verstand die sich nicht mit Freddy, den ich gerne dabei gehabt hätte, wäre da nicht der Knatsch zwischen ihm und Rainer gewesen. Schließlich hatte ich zehn Kinder ausgewählt, von denen an meinem Geburtstag nur acht kamen. Das war aber nicht schlimm, beim Schokoladenessen und Würstchen-Schnappen sogar von Vorteil.
Derzeit häufen sich in meinem Freundes- und Bekanntenkreis die runden Geburtstage. Die Einladungsfrage scheint dabei genauso so schwierig wie früher. Rainer etwa überlegte, ob er es seiner neuen Freundin zumuten könne, auf seinem Fest vier ihrer unmittelbaren Vorgängerinnen kennen zu lernen. Er entschied sich dagegen. Dafür entschieden sich allerdings einige seiner Gäste, die Feier mit einer Power-Point-Präsentation und selbstgeschmiedeten Versen zu bereichern. In beiden Darbietungen ging es dabei nur um ein Thema – Rainer und seine Frauen, aber in beiden fehlte Rainers neue Freundin. Am Tag nach dem Fest war Rainer wieder solo.
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Versehentlich Eingeladene
Gäste können zum Problem werden, vor allem, wenn sie sich selber einladen. In diese Kategorie fiel mein Mitschüler Fred, der mich früher regelmäßig heimsuchte. Nach seinen unangekündigten Besuchen waren die Biervorräte deutlich geschrumpft, zum Leidwesen meines Vaters. Die Leckereien aus dem Kühlschrank waren meist ganz weg, zum Leidwesen meiner Mutter. Wie viel größer muss das Entsetzen der Erziehungsberechtigten von Thessa gewesen sein, die vor kurzem via Facebook irrtümlich öffentlich zu ihrer
Geburtstagsparty einlud – und 1.800 Gäste kamen in die kleine Straße im Hamburger Stadtteil Bramfeld. Sie hinterließen eine verschreckte Thessa, viel Müll und verärgerte Nachbarn.
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Regierung der Einladung
Von einer solchen Resonanz auf eine Einladung kann man in Düsseldorf nur träumen. Dort regiert seit einem knappen Jahr eine
"Koalition der Einladung", wie sich Rot-Grün selber nennt. Das hört sich sehr einladend ein, hat aber vor allem damit zu tun, dass die rot-grüne Minderheitsregierung auf Gäste dringend angewiesen ist, beziehungsweise auf deren Stimmen. Doch die Einladungen werden, anders als die von Thessa, oft nicht angenommen, wie damals bei meinem achten: Wenn A eingeladen wird, will B partout nicht kommen. Im aktuellen Fall hatte die CDU
keine Lust auf Gespräche zu einem Schulkonsens, weil auch die Linkspartei eingeladen war, für CDU-Fraktionschef Karl-Josef Laumann schlicht "die Kommunisten". Jetzt hat die Landesregierung sogar ein
"Einladungsgesetz" präsentiert: ein Programm zum Klimaschutz. Bei den geplanten Anhörungen sollte Umweltminister Remmel auf ein ordentliches Catering achten – es müssen ja nicht gleich Würstchen und Schokolade sein.
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