Sonntag, 19.06.2011

Bald ist Herbst

Bergwanderer; Rechte: mauritius images + Hobby für Pessimisten Die Tage werden immer länger – aber nicht mehr lange. Dann werden sie wieder kürzer. Das ist schon merkwürdig: Wenn der Sommer beginnt, geht es schon wieder Richtung Herbst. Es wohnt eben nicht nur jedem Anfang ein Zauber, sondern auch ein Ende inne. Das erinnert mich an den pessimistischen Bergwanderer, der stets schlecht gelaunt ist, wenn es bergab geht. Wegen der sicheren Aussicht, dass er dann bald wieder bergauf muss. Und bergauf ist er natürlich auch schlecht gelaunt.

Die Deutschen gleichen ein wenig diesem Wanderer. Wir tun uns schwer, Gutes zu genießen, ohne an das dicke Ende zu denken, das meist sprichwörtlich nachkommt: Frühlingswetter wie am Mittelmeer – klar, das ist die WDR: Klimakatastrophe. Die WDR: Konjunktur brummt – aber die nächste Finanzkrise kommt bestimmt. Das Essen schmeckt – aber wahrscheinlich ist WDR: Ehec drin oder die Nachfolgerseuche, vor der noch niemand warnt.

Olivenanbau; Rechte: mauritius images + Heimat von Verschwendern? Meine Freundin Elke, der ich dies während einer Gurken-Tomaten-Orgie bei ihrem Lieblingsvegetarier auseinandersetze, findet in dieser deutschen Miesepeterigkeit viel Gutes. Schließlich sei das eine Form von Vorsicht. "Wer blind für Risiken nur das Hier und Jetzt auskostet, dem wachsen auch leicht die Kosten über den Kopf, wie jetzt den ARD: Griechen", sagt sie. Ich erhebe warnend den Zeigefinger, denn solch eine Rückführung der Schuldenkrise auf eine mediterrane Volksmentalität kommt mir verdächtig sarrazinisch vor. "Der kleine Olivenbauer vom Peleponnes hat bestimmt nicht ständig geprasst."

Küstenlandschaft in Norwegen im Abendlicht; Rechte: Interfoto + Brutstätte für Eichhörnchen Aber dann bringt mich die Betrachtung des Sommeranfangs selbst auf interessante Zusammenhänge von Kultur und Klima. Im Süden gibt es wenig Zeitverschiebung zwischen Tagen und Nächten und die melancholische Dämmerung ist kurz. Je weiter nördlich, desto krasser sind die Unterschiede der Jahreszeiten. Man lebt im Rhythmus des zunehmenden und wieder abnehmenden Lichts. Kaum ist der Höhepunkt der Helligkeit erreicht, geht es unaufhaltsam der winterlichen Düsternis entgegen. Vielleicht erzieht das tatsächlich zur Eichhörnchenmentalität. Die Norweger, Extremsportler in Sachen Jahreszeiten, haben von ihren Ölgewinnen inzwischen 360 Milliarden Kronen in Zukunftsfonds angelegt, las ich kürzlich. Der Staat hat so pro Einwohner schon 55.000 Euro angespart! Während man am Golfstrom hortet, geben die Ölemirate am Golf lieber den Bürgern steuerfrei und bauen Paläste mit goldenen Wasserhähnen.

Michael Ballack und Jogi Löw; rechte: dpa + Schwierige Männer-Beziehung Elke schaut mich aus glasigen Augen an. Ich habe wohl zu lange geschwätzt. "Ich bin müde", sagt sie, "lass uns nach Hause gehen." "Siehst du", erwidere ich: "Das ist auch so eine deutsche Maxime: Man soll aufhören, wenn es am schönsten ist. Dahinter steckt die Erwartung, dass nichts Schönes lange anhält." "Vielleicht aber auch die weise Einsicht, dass selbst Schönes, wenn es zu lange anhält, nicht mehr schön ist", meint Elke. Ich habe verstanden und rufe nach der Rechnung. Dabei fällt mir ein, dass man die deutsche Regel vom Schönen und dem Aufhören auch anders formulieren kann: "Höre auf, bevor du dafür einen WWW: Löw brauchst."

Audio: Audio: Bald ist Herbst

Nur als Hinweis: ***Nicht alle*** mögen die immer wärmeren Sommer!
Wochenlange Pollenwolken, durch Laubpuster augewirbelter Dreck und Staub, Zeckenstiche, Sonnenbrand, und immer wieder Fahrstuhlwetter -- reicht das nicht, um sich zu wünschen der mistige Sommer wäre endlich vorbei? Am meisten nerven dann irgendwelche Radionasen, die mir einreden wollen, Regen wäre schlecht, und nur Sonne gut...

Thomas am 20.06.11 12:58

Alte Unke..morgen ist erst Sommer und schon wieder Herbst ? So schön der manchmal ist. Nein, erst haben wir den ewig langen Winter überwunden im Frühjahr warten müssen bis es endlich einmal warm war und nun schon wieder Herbst, ohne mich. Da richte ich mich nach dem Kalender und habe eine Frist von...bis Herbstanfang, na am...ich will es gar nicht aussprechen, schreiben. Da können mich nicht einmal die herbstlichen kulunarischen Genüsse reizen. Denn: So schmeckt der Sommer...

MG am 20.06.11 18:08

Kommentar 2, der Jobi war ja gestern beim Tatort im Ersten mit seinem Chef Theo Zwanziger Filmstar und ich finde, die beiden haben das sehr gut gemacht. Ein zeitgemäßer Tatort wegen der Damenfußballweltmeisterschaft, ich persönlich fand es gut. Und was ist mit Michael ? Na wir haben ja Glosse und lassen ihn aus dem Spiel, das behandeln wir vielleicht gesondert. Der heiße Sommer oder Herbst.Zufrieden ? Die Elke wird sich auch noch beruhigen, es geht bald los, Anpfiff, also ihr Kickerinnen, dann last mal jucken...kicken.

MG am 20.06.11 18:56

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