Sonntag, 08.05.2011
Lob des Laufens
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Erlebnis Joggen
Ich habe jetzt wieder mit dem Laufen angefangen. Genauer gesagt, bin ich nach Jahren läuferischer Enthaltsamkeit erst einmal eine kleine Runde durch den nahen Wald gejoggt. Aber der Start in meine zweite Läuferkarriere war etwas holprig. Die Schwierigkeiten begannen schon am Kleiderschrank. Sämtliche Jogging-Klamotten, die ich vor Jahren gekauft hatte, waren anscheinend bei der letzten Wäsche eingelaufen. Meine Laufschuhe waren auch nicht in der besten Verfassung, wie ich nach den ersten Metern merkte. Die Sohlen kamen mir sehr dünn vor, konnten meine Schritte kaum abfedern. Sehr dünn schien auch die Luft zu sein, weshalb ich bald ins Schnaufen geriet. Deshalb habe ich mein Tempo reduziert, vielleicht war ich anfangs einfach zu ehrgeizig. Den Rest der Strecke habe ich dann darauf geachtet, den vor mir munter walkenden Rentner nicht zu überholen. Langsames Laufen soll ja besonders gut sein für die Fettverbrennung.
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Natürlicher Feind
Langsames Laufen hilft jedenfalls dabei, alle Sinne zu aktivieren und die Wahrnehmung zu schärfen, die Wahrnehmung der Umgebung und die Selbstwahrnehmung. Zur Umgebung gehören beim Laufen im Wald vor allem
Nacktschnecken, Jogger und Hunde. Allen gilt es auszuweichen, wenn auch auf unterschiedliche Art. Ein regelmäßiger, prüfender Blick auf den Boden verhindert, dass das Leben der Nacktschnecke im Profil der Laufschuhe endet, für Tier und Mensch gleichermaßen fatal. Entgegenkommende Jogger sollte man freundlich grüßen, aber mit genügendem Abstand. Denn sonst können einem Schweiß- oder Parfüm-Wolken den Atem nehmen. Rätselhafterweise riechen männliche Jogger fast immer nach Schweiß, weibliche dagegen oft wie frisch aus dem Badezimmer. Meine These ist – auch das ist das Schöne am Joggen, man hat Zeit, über sowas nachzudenken -: Frauen duschen vor und nach dem Joggen, Männer allenfalls danach. Nun zu den Hunden. Obwohl - über das Thema Hunde und Jogger ist eigentlich schon alles gesagt, deshalb spare ich mir an dieser Stelle Ausfälle gegen elend kläffende Köter, es träfe ja sowieso die Falschen, denn die eigentlich Schuldigen sind ja die Herrchen und Frauchen, die ihre Hunde von der Leine lassen.
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Auf dem Weg zu sich selbst
Eine gesteigerte Selbstwahrnehmung hatte ich noch am Tag nach der Laufpremiere, in Form eines höllischen Muskelkaters, der sich besonders beim Treppensteigen bemerkbar machte. Später, auf dem Sofa, blätterte ich noch ein wenig in Joschka Fischers Buch "Der lange Lauf zu mir selbst." Wer lange genug läuft, dem wird das Laufen zur Droge, findet Fischer, und das finden auch andere Laufgurus. Kurz bevor ich über dem Buch wegdämmere, kommt mir noch ein Slogan in den Sinn: "Keine Macht den Drogen."
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