Freitag, 01.04.2011
Wenn der Opa mit den Enkeln
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Trügerische Idylle
Papa, Mama, Sohn und Tochter sitzen zum Frühstück an einem Tisch im Garten, essen vergnügt frisches Brot mit gesunder Margarine und freuen sich auf einen sonnigen Sonntag. Manchmal sitzt auch noch der vitale Opa mit am Tisch, mit leckeren Sahnebonbons in der Tasche. So schön kann Familienleben sein, zumindest in der Werbung. Die Wirklichkeit sieht aber meistens ganz anders aus: Die Sonne scheint nur selten, und wenn, dann nicht am Sonntag, wenn man frei hat. Deshalb brauchen wir ja die Atomkraft, die Sonnenenergie allein reicht halt nicht. Papa und Mama streiten darüber, wer die Butter zu spät aus dem Kühlschrank geholt hat, weshalb sie kaum aufs Brot zu streichen ist. Die Kinder wollen nur Brote mit ihrem geliebten Nuss-Nougat-Aufstrich essen, der aber leider gerade aufgebraucht ist. Und Opa fragt zum vierten Mal, ob jemand sein Pillendöschen gesehen hat.
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Sohn mit eigenem Leben
Wenn die Kinder älter werden, wird das Familienleben nicht unbedingt harmonischer. Die Jugendlichen nerven die Eltern mit eigenen Ansichten, die Eltern ihren Nachwuchs mit altmodischen Ansichten, die Großeltern die Eltern mit ihrer Nachsicht gegenüber Enkelin und Enkel. Belastet ist häufig vor allem das Verhältnis zwischen Vater und Sohn, wie schon Sigmund Freud wusste. Manchmal braucht der Sohn viel Zeit, bevor er sich aus dem Schatten des Vaters löst. Walter Kohl hat das in seinem Buch eindrücklich geschildert. Sein Vater Helmut, der die "Famillje" in seinen Reden immer hoch hielt, sah demnach in der Partei seine wahre Familie und wurde zuhause nur selten gesichtet.
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Tolle Familie
In der Partei geht es mitunter tatsächlich genauso zu wie in der Familie, das lehrt ein Blick auf die politische Bühne. In der FDP schrecken Guido Westerwelles Zöglinge - Christian Lindner, Daniel Bahr, Philipp Rösler - noch vorm politischen Vatermord zurück, da treibt sie Opa Wolfgang Gerhardt zur Tat, redet vom notwendigen Generationswechsel. Mit der gleichen Begründung hatte ihm Westerwelle übrigens einst den Fraktionsvorsitz abgenommen. Ein fast vergessener Generationenkonflikt blitzte kürzlich auch bei den Christdemokraten auf, als Helmut Kohl Angela Merkel kritisierte, wegen ihrer Wende in der Atompolitik. Das nach der Spendenaffäre notdürftig gekittete Verhältnis zwischen Kohl und seinem "Mädchen" zeigt wieder Risse. Bei den Christsozialen weinen die Altvorderen derweil Krokodilstränen, weil ihnen der junge adelige Hoffnungsträger abhandengekommen ist, was wiederum den Karrieren des 61-jährigen Horst Seehofer und der 60-jährige Gerda Hasselfeldt eher nützt als schadet. Und bei den Sozialdemokraten? Da sind am liebsten immer noch alle die Enkel von Willy Brandt. Mit Papa Schröder haben viele Genossinnen und Genossen so ihre Probleme.
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Opas Anwesenheit beruhigt
Der spannendste Generationenstreit bleibt der bei den Liberalen. Vielleicht ist der nur an einem runden Tisch zu lösen, mit allen Beteiligten. Am besten bei einem schönen Frühstück, irgendwo in einem einsamen Gartenlokal, bei sonnigem Wetter. Die drei Jungstars Lindner, Bahr und Rösler sollten dabei sein, außerdem Westerwelle und Gerhardt. Als Verstärkung könnte Westerwelle noch seinen politischen "Opa" mitbringen - Hans-Dietrich Genscher. Der hat vielleicht einen Rat für ihn. Oder zumindest ein Sahnebonbon.
Audio: Wenn der Opa mit den Enkeln
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