Sonntag, 13.03.2011
Großes Reinemachen
"Du bekommst den ultimativen Spießerpokal", sagte meine Tochter, als sie aus ihrer Bonner Studentenbude zu Besuch kam. Sie hatte mich dabei erwischt, wie ich den
Frühjahrsputz im Kalender eintrug. Schließlich will ich bis Ostern mit allen Zimmern und Fenstern durch sein. "Frühlingssonne, die nur Schmier und Staub zum Vorschein bringt, kann ich nicht genießen", sagte ich.
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Jetzt fegt Mann wieder
Der März ist eine Zeit der Aufbruchsstimmung. Früher spannte der Bauer bekanntlich sein Rösslein an. Heute stutzt selbst der
Balkongärtner seine Kräuterstauden und die Rosen im Vorgarten. Aufgeräumt soll es in den Frühling gehen, auch innerlich. Dazu gibt die
Fastenzeit Gelegenheit. Ich habe mir vorgenommen, den Frühjahrsputz alkoholfrei über die Bühne zu bringen, nicht nur, was die Reinigungsmittel angeht. Die evangelische Kirche wirbt darüber hinaus für ihre Aktion "Sieben Wochen ohne Ausreden", ein Lügen-Fasten also. "Im Superwahljahr völlig undurchführbar", kommentierte meine Tochter. "Hast du seit Oktober Geografie studiert oder Zynismus?", fragte ich gereizt zurück.
Schließlich sollten wir uns im Frühjahr auch von unseren schlechten Gefühlen, von den Resten unserer Winterdepressionen trennen. Sich trennen ist überhaupt der tiefere Sinn des Putzens. Wenn ich die Schränke ausräume, kommt so manches zum Vorschein, das einfach nur weg muss. Solche Kehrwochen sind derzeit angesagt. Die Araber haben das Großreinemachen schon im Januar ausgerufen und ein Diktator nach dem anderen fällt dem Mopp zum Opfer.
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Umsonst, immer wieder umsonst
"Das Blöde am Putzen ist nur, dass es so umsonst ist", sagt meine Tochter. "Wieso umsonst?" "Na, weil der Schmutz ständig wieder kommt. Hast du im Wohnzimmer aufgehört, kannst du in der Küche bald schon wieder anfangen." Da muss ich ihr allerdings seufzend zustimmen. Und diese Erfahrung gilt nicht nur für das Staubwischen. Das im Garten gejätete Unkraut sprießt schon nach dem nächsten Regen wieder. Auch korrupte Machthaber sprießen nach einer Präsidentenvertreibung gern wieder neu aus dem Boden.
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Fröhliches Feuer
"Leider nützt es nichts, die Vergeblichkeit des menschlichen Bemühens zu beklagen", gab ich mich betont altväterlich. Der Kampf gegen Schmutz und Schmarotzer muss ausgefochten werden, auch wenn uns dabei nur das Glück von Sisyphos winkt. Das ist allerdings manchmal zum Aus-der Haut-Fahren, gebe ich zu. Und plötzlich steigt ein Erinnerungsbild aus der Kindheit in mir auf. Ich sehe meine Großmutter, wie sie auf ihrem großen Grundstück im Bergischen ein Frühlingsfeuer entzündet. Alle dürren Äste, Unkraut und Laub wurden darin verbrannt. Das war zwar damals schon verboten. Aber für meine Oma gehörte das Frühjahrsfeuer zum Neustart im Garten, und wir Kinder liebten dieses Ritual. Alle Altlasten einfach in Flammen aufgehen zu lassen, das machte ein richtig wonniges Gefühl. Wahrscheinlich hat sich deshalb Freiherr zu Guttenberg zum großen Zapfensstreich auch Deep Purple gewünscht, obgleich er doch bekennender AC/DC-Fan ist.
"Smoke on the water", das Lied über ein abgefackeltes Casino. In so einem Frühjahrsfeuer kann man dann auch manche eigene Altlast einfach in Rauch aufgehen lassen.
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