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18.07.10Meine erste Nachbarin hieß Sabine, war mittelblond, sportlich und ein toller Kumpel. Nur fürs Fußballspielen hatte sie nicht viel übrig. Ihre Mutter leider auch nicht. Deren Leidenschaft galt den Blumen. Mit viel Engagement brachte sie in ihrem Vorgarten Tulpen, Rosen, Dahlien und anderes Grünzeugs zum Blühen. Wenn beim Fußballspiel auf der Straße das Spielgerät in ihren Blumen landete, kam sie aus dem Haus gerannt und hielt uns Nachwuchskickern eine Gardinenpredigt. Die heißt wohl so, weil man erst lauernd hinter der Gardine stehen muss, bevor man so richtig schimpfen kann.
Nachbarschaft kann schön und schrecklich zugleich sein, so meine frühe Erkenntnis. Allerdings überwog manches Mal das Schreckliche. Als ich einmal meine noch nicht bezogene Wohnung renovierte, an einem schönen Sommertag kurz nach 22 Uhr, hielt plötzlich ein Polizeiwagen vor dem Haus. Kurz darauf klingelten die Ordnungshüter bei mir, obwohl mein Klingelschild noch gar nicht beschriftet war. Man hätte sich über Bohrgeräusche aus meiner Wohnung beschwert, erklärten mir die Polizisten. Wer sie gerufen hatte, wollten sie nicht verraten. Doch ich hatte rasch den Malocher in Verdacht, der über mir wohnte und gerne, mit einem Netzunterhemd bekleidet, auf ein Kissen gestützt im Fenster lag und das Treiben auf der Straße beobachtete. Dieser Nachbar trug den gut deutschen Namen Gerhard und erwies sich in den Folgejahren als äußerst lärmempfindlich. Betätigte ich spätabends die Klospülung, ließ er am Folgetag seiner Wut freien Lauf – durch Gebrüll im Treppenhaus, kaum hatte ich den Hausflur betreten.
Ärger zwischen Nachbarn gibt es leider auf allen Ebenen, ich sage nur: Polen. Während wir Deutschen unsere östlichen Nachbarn gerne als Kollektiv von Autodieben verunglimpfen, halten nicht wenige Polen uns für ein Volk von Ewig-Gestrigen, organisiert in den Vertriebenen-Verbänden. Ein anderes Beispiel: Bei der Fußball-WM sahen die Fans hierzulande oft rot, wenn orangefarbene Trikots ins Bild kamen. Das heiß ersehnte Finale zwischen Deutschen und Niederländern, bei dem man seinen nachbarschaftlichen Gefühlen so richtig freien Lauf hätte lassen können, kam allerdings nicht zustande, weil die Deutschen im Halbfinale patzten. Im
Nachhinein sollten wir allerdings froh sein, mit Blick auf die Gesundheit unserer Nationalspieler.
Im frisch gewählten Düsseldorfer Landtag gab jetzt Streit, weil die CDU-Abgeordneten ihre Büros nicht in unmittelbarer Nachbarschaft zu denen der Linkspartei haben wollten. Vielleicht hatten sie die Befürchtung, dass die Links-Parlamentarier spätabends noch die Toilettenspülung betätigen. SPD und Grüne haben dagegen eine Politik der Einladung ausgerufen, und die Einladung ist an alle Nachbarn im Parlament gerichtet. Bei denen stößt diese Einladung aber erst einmal auf Ablehnung. Bei der ersten Debatte im Parlament entgegnete der FDP-Fraktionschef
Gerhard Papke, "wer mit seinen Nachbarn reden möchte, sollte ihnen nicht die Fenster einwerfen". Ob Herr Papke ein Netzunterhemd unter seiner Anzugjacke trug, ist nicht überliefert.
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