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Neue Männer müssen sein
Nein, ich bin nicht zum
Männer-Kongress nach Düsseldorf gefahren. Obwohl mich das Thema sehr gereizt hat: "Neue Männer – muss das sein?" Einst sang Ina Deters: "Neue Männer braucht das Land." Sind die jetzt schon wieder out? "Muss das sein?" ist jedenfalls meine Standardformulierung, wenn meine Kinder irgend etwas vorhaben, das ich sehr sehr abwegig finde.
Ich bin nicht gefahren, weil ich keine Lust auf Depressionen habe. Und die hätte ich mir bei den angekündigten Vorträgen gewiss geholt: "Der kranke Mann", "Der verlassene Mann", "Der entwertete Mann", "Der vaterlose Mann" – alles im 45-Minuten-Takt. Muss das sein?
Trotzdem sind mir diese Formulierungen nicht mehr aus dem Kopf gegangen. Denn zu jedem Titel fielen mir gleich passende Beispiele ein, ob ich wollte oder nicht. "Der kranke Mann" wurde früher einmal die Türkei genannt: "Der kranke Mann am Bosporus." Inzwischen ist diese Infektion wohl westwärts gewandert und die EU schlägt sich mit dem
kranken Mann an der Ägäis herum. Die Erfinder von Demokratie und Philosophie haben die Ökonomie offensichtlich sträflich vernachlässigt. Jetzt müssen sie sich wohl oder übel auf ihren großen Aristoteles besinnen. Nicht den Onassis. Sondern den, der in seiner "Nikomachische Ethik" schrieb: "Glück ist Selbstgenügsamkeit".
Wenn ich dagegen vom "verlassenen Mann" höre, sehe ich sofort
Sigmar Gabriel vor mir. Ein raumgreifendes Mannsbild – aber der Raum um ihn herum ist viel zu groß und leer: die Ruine der Volkspartei SPD. Die Wähler haben ihn verlassen. Jetzt tut er, was verlassene Männer gern tun: betrachtet wehleidig die eigenen Wunden und beschäftigt sich nur mit sich selbst und seinen besten Freunden.
Da geht es dem Gegner allerdings auch nicht besser.
Horst Seehofer stellt geradezu idealtypisch den "entwerteten Mann" dar. Die Krise der Partei hat ihn an deren Spitze und die Bayerns gebracht. Aber die Krise ist geblieben. Jetzt geht es Seehofer so wie einem Mann in einer Dreiecksbeziehung: Er muss ein irgendwie geregeltes Verhältnis zum Nebenbuhler finden. Der heißt
Westerwelle.
Womit wir beim "vaterlosen Mann" wären. Ich weiß zwar nichts von Guido Westerwelles Kindheit. Aber ein Erziehungsproblem ist mit Händen zu greifen: Der Mann hat schlechte Manieren. Er wurde zum Chefdiplomaten der Republik berufen, aber er profiliert sich, indem er kleine Leute beschimpft. Tragisch, wenn in einer solchen Situation eine Frau die Chefin ist. Da fehlt die starke Hand, die einmal deutlich die Grenzen aufzeigt. Und die kann auch der
kleine Bruder Pinkwart nicht ersetzen, der sich hilflos um Schadensbegrenzung bemüht.
Es wäre gut, wenn die Parteiführer als Männergruppe auf den politischen Aschermittwoch einen psychotherapeutischen Fastensonntag in Düsseldorf hätten folgen lassen. Aber sie sind, so wie ich, nicht zum Männerkongress gefahren. Dessen Titel war einfach zu soft. Neue Männer braucht das Land. Bestimmt. Dringend.
Audio: Neue Männer müssen sein
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