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Jan, Valentin und der treue HusarIn diesen kalten Tagen wächst die Sehnsucht nach allem, was Herz und Glieder wärmt. Vor allem dem Rheinländer bietet der Kalender dazu gleich zwei Möglichkeiten: den Karneval und den Valentinstag. Im Karneval kann man und frau sich warm schunkeln, mit Hilfe von reichlich Alkohol für innere Wärme sorgen und durch zwanglose Annäherung ans andere oder - je nach Neigung - eigene Geschlecht für heiße Momente sorgen. Der Valentinstag dagegen ist sozusagen eine Aufwärmstube für Beziehungen, selbst erkaltete: Wichtige Zutaten sind hierfür Blumensträuße, liebevoll gedeckte Frühstückstafeln oder Überraschungsreisen, am besten in karnevalsfreie Regionen.
Denn das närrische Treiben ist von jeher eng mit dem hemmungslosen Flirt bis hin zum Fremdgehen verbunden, weshalb etwa Frank Plasberg das Thema Treue am Tag vor Weiberfastnacht
hart aber fair diskutieren ließ. Dabei ist das karnevalistische Leben bei näherem Hinsehen durchaus vielschichtig: Während die einen den
treuen Husaren besingen, fühlen sich andere eher der Weisheit verpflichtet, dass am Aschermittwoch alles vorbei ist: "Die Schwüre von Treue, sie brechen entzwei." In Köln warnt das Historienspiel von
"Jan und Griet" zum Karnevalsauftakt davor, sich berechnend der Liebe zu nähern. Das Spiel erinnert an den armen Bauernjungen "Jan von Werth". Jan verliebt sich in Griet und macht ihr einen Heiratsantrag, den sie ablehnt. Als Jan zum Reitergeneral aufsteigt und Jahre später Griet wiedertrifft, ist der Katzenjammer bei ihr natürlich groß.
Auf den ersten Blick netter ist die Legende vom
heiligen Valentin, angeblich Bischof im italienischen Terni, einem Städtchen nordöstlich von Rom, im dritten nachchristlichen Jahrhundert. Der fromme Mann soll Paare und Verliebte immer mal wieder mit Blumengeschenken aus seinem bischöflichen Garten überrascht haben, wofür ihm heute noch alle Floristen dankbar sind. Allerdings nahm Valentins Geschichte ein schlimme Ende: Weil er nicht nur Blumen verteilte, sondern auch zum Boykott des Kriegsdienstes aufgerufen haben soll, ließ ihn der römische Kaiser töten. Gottlob ist die Kriegsdienstverweigerung inzwischen ungefährlicher geworden, wie auch die Krieger, zumindest als Husaren im Karneval.
Gefährlich bleibt aber der Karneval für Paare, weil eben nicht nur treue Husaren Zugweg und Kneipen bevölkern. Mein Freund Heinz hat das Problem pragmatisch gelöst. Vor einigen Jahren hat er im Karneval seine jetzige Freundin kennen gelernt und kurz darauf seine Frau verlassen. Seither feiert er nicht mehr Karneval. Mit seiner neuen Freundin fährt er vorsichtshalber weg. Nur in diesem Jahr bleiben die beiden zuhause und verbringen den Valentinstag im Krefelder Zoo, um bei einer romantischen Führung, wie der Tiergarten verspricht, "schmusende Schneeleoparden" und "kuschelnde Kängurus" zu beobachten. Doch auch Karneval feiernde Paare können hoffen, dass ihre Beziehung nicht in Scherben endet. Köln hat nämlich ein
Glas- und Flaschenverbot in den Frohsinns-Zentren erlassen.
Audio: Jan, Valentin und der treue Husar
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