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28.02.10Auf das moderne Leben hat mich die Schule unter anderem mit Latein- und Griechisch-Unterricht vorbereitet. Das haben meine Freunde, die lieber Französisch oder Italienisch lernten, oft belächelt. Das Lächeln dürfte ihnen allerdings in diesen Tagen vergehen. Denn nun zahlt es sich aus, dass ich mich jahrelang mit staubigen Texten und längst vergangenen Epochen beschäftigen musste. Wie schon ein weiser Mann wusste: Es gibt nichts Neues unter der Sonne. Mit den alten Griechen und Römern lässt sich manches erklären, was Jahrtausende später hierzulande geschieht.
Außenminister Westerwelle hat das erkannt und vor
spätrömischen Zuständen im deutschen Sozialstaat gewarnt. Besser hätte er aber einige Jahrhunderte weiter zurückgeblickt und sich mit einer antiken Dreierkoalition beschäftigt: Das Bündnis von Crassus, Pompeius und Cäsar ist als
Triumvirat in die Geschichte eingegangen und wollte sich das römische Reich untertan machen. Crassus hatte das Geld, Pompeius die Soldaten und Cäsar den politischen Instinkt. Die Voraussetzungen dieser Koalition waren somit noch deutlich besser als die von Westerwelle, Seehofer und Merkel – und sie scheiterte trotzdem, am Eigensinn der Akteure.
Das Beispiel lehrt, sich seine Partner sehr genau anzuschauen, bevor man mit ihnen ein Bündnis eingeht. Diese simple Erkenntnis wird aber immer wieder vergessen. Die erste deutsche Neuauflage des Triumvirats mit Scharping, Lafontaine und Schröder, als
Troika in die Geschichte der Sozialdemokratie eingegangen, war zu Ende, kaum dass die entsprechenden Werbeplakate abgehängt waren. Und das aktuelle Berliner Bündnis wird dem staunenden Publikum als Liebeshochzeit verkauft, wo doch allzu offensichtlich ist, dass im Vergleich selbst die vorherige Zweckehe zwischen Union und SPD wie der reinste Honeymoon erscheint. Zwischen Angela, Guido und Horst dagegen
fliegen die Fetzen.
Vielleicht hilft in dieser Situation die Feindesliebe, zu der uns das Christentum auffordert. Vorbildlich praktiziert diese der Arbeitskreis Kölner Archivarinnen und Archivare (AKA). Er feiert diese Woche den Tag der Archive, und er tut das gemeinsam mit den Kölner Verkehrsbetrieben. Vorgestellt wird unter anderem eine neu gestaltete
"Archiv-Bahn", die "auch über den Tag der Archive hinaus auf die Vielfalt und den Wert der Kölner Archive in der Öffentlichkeit hinweisen wird". Dass im vergangenen Jahr das wichtigste Kölner Archiv in eine U-Bahn-Baugrube der KVB stürzte, wird in der Mitteilung nicht erwähnt. Hier wird eben nicht kleinlich nachgehakt und aufgerechnet wie in der Politik. Vielleicht liegt das ja daran, dass Menschen, die mit alten staubigen Texten umgehen, gelassener auf die Zeitläufte blicken. Es gibt eben nichts Neues unter der Sonne, und die Zerstörung von heute ist das Kulturgut von morgen.
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