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Januar 2010Nach einem Spätdienst in der Redaktion würde ich gerne am folgenden Tag etwas länger schlafen. Meistens bleibt mein Wunsch aber unerfüllt. Das liegt daran, dass oft in aller Frühe der Müllmann Sturm klingelt und mich unsanft aus dem Schlaf holt. Montags holt er die Papiertonne aus dem Hof, dienstags die gelbe Tonne mit dem Grüne-Punkt-Müll und mittwochs die grauen Behälter mit dem Restmüll. Vielleicht träume ich deshalb manchmal, dass ich in einem Gerichtssaal sitze und eine Klage gegen die Abfallwirtschaftsbetriebe der Stadt Köln vorbringe. In dem wiederkehrenden Traum sitzen mir gegenüber auf der Anklagebank feixende Ratspolitiker in den Overalls der Stadtreinigung. Kurz bevor das Gericht sein Urteil sprechen kann, ist der Traum jedes Mal zu Ende. Weil der Müllmann klingelt.
Im Wachzustand bin ich natürlich dankbar dafür, dass der Müllmann zuverlässig die vollen Abfalltonnen des Mietshauses, in dem ich wohne, vom Hof auf die Straße bugsiert, sie dort in den Müllwagen entleert und sie wieder im Hof abstellt, aufnahmebereit für neuen Müll. Und natürlich bin ich auch ein glühender Verfechter der Mülltrennung, ein wenig hat die Ökologiebewegung schließlich auch mich bewegt. Gewissenhaft habe ich mich mit den Fragen beschäftigt, wohin der Grünschnitt unseres kümmerlichen Rasens gehört, wo Batterien zu entsorgen sind und in welche Tonne der Plastikmüll zu stopfen ist.
In unserem Haus hat die Mülltrennung leider für eine Störung des ansonsten harmonischen Miteinanders gesorgt. Manfred aus dem Erdgeschoss isst gerne und oft Döner, was selbst im Hausflur gut zu riechen ist. Seit Jahresbeginn quält er sich mit einer Diät – nach der Methode "FdH": Manni isst seinen täglichen Döner also nur zur Hälfte auf, der Rest landet im Biomüll. Das sorgte bei Silke aus dem Dachgeschoss vor kurzem für einen Schock, als sie den Deckel der Biotonne öffnete. Erst umhüllte sie eine Knoblauchwolke, und dann entdeckte Silke Mannis Döner-Hinterlassenschaften, neu belebt von fetten weißen Maden. "Fleisch gehört nicht in die Biotonne", kreischte Silke, deutlich hörbar bis in meine Wohnung im dritten Obergeschoss.
Axel aus dem ersten Stock ist Finanzbeamter, ein ruhiger Typ und ein Mann mit Prinzipien. Vor zwei Wochen wurde ich Zeuge, wie er fast ausflippte. Axel wollte einen gelben Sack mit seinen Plastikabfällen in die Gelbe Tonne stopfen. Die war aber schon voll, offensichtlich mit Kunststoff-Abfällen von Silke. "Kann denn keiner hier ordentlich seinen Müll entsorgen", zeterte Axel über den Hof. Er hatte entdeckt, dass Silkes Plastikmüll der grüne Punkt fehlte und nach der ortsüblichen Müll-Logik in die Restmüll-Tonne gehörte. Seither ist Silke eingeschnappt und hat aus Trotz damit begonnen, auch die Windeln ihres Kindes in die Gelbe Tonne zu stopfen.
Die angespannte Atmosphäre im Haus, da bin ich mir sicher, wird sich aber schon bald wieder entspannen. Manni wird seine Diät nicht mehr lange durchhalten und seine Döner wieder vollständig vertilgen. Silkes Kleiner wird aus den Windeln rauswachsen. Die
Abfallbranche plant, die Entsorgung von Plastikmüll ohne Grünen Punkt in der Gelben Tonne zuzulassen. Und ich werde mir Ohrenstöpsel kaufen. Aber wo entsorge ich die später bloß?
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Zum SeitenanfangIn der elften Klasse stand das erste Mal Philosophie auf meinem Stundenplan. Das traf sich gut, weil ich mich, durch die Pubertät bedingt, sowieso fortwährend mit grundlegenden, mitunter philosophischen Fragen beschäftigte: Wer bin ich? Warum bin ich anders als die Anderen? Was hat Hermann, das ich nicht habe? Warum interessiert sich Claudia für Hermann und nicht für mich? Hat das Leben trotz allem einen Sinn, und wenn ja, welchen?
Befriedigende Antworten bekam ich allerdings kaum, weder von mir selbst, von meinen Freunden noch im Philosophieunterricht. Dort war das beherrschende Thema Anthropologie, also der Mensch im Allgemeinen und Grundsätzlichen. Der ist noch unfertig, wenn er auf die Welt kommt, und sowieso ein "Mängelwesen", lernte ich. Eine nicht gerade aufbauende Erkenntnis, wenn man sich mit Selbstzweifeln herumschlägt. Tröstlich war allerdings, dass dieses Etikett nicht nur auf mich zutraf, sondern in gleicher Weise auf Hermann.
Zum Ausgleich seiner Mängel, so dozierte der Philosophielehrer, sei der Mensch auf andere Menschen angewiesen und habe zudem Werkzeuge und Maschinen erfunden. Der Keil war sozusagen die erste Applikation für unsere steinzeitlichen Vorfahren, die auf der Suche nach Beute durch den Wald streiften. Heutzutage laufen wir mit dem Smartphone durch die Gegend und lassen uns von ihm anzeigen, wo die nächste Dönerbude ist oder ob das Museum um die Ecke noch geöffnet hat. Mini-Programme, so genannte Apps, machen aus dem Mängel-Instrument Handy einen Tausendsassa. Mehr als 100.000 Apps wurden inzwischen allein für den Marktführer entwickelt.
Für Schüler gibt's eine Stundenplan-App, für Musikfreunde die "Pandora"-App, für Schützenbrüder die App
"Bullet Flight", das beim Zielen hilft. Weitere Apps sind angeblich in der Entwicklung, wenn nicht schon auf dem (Schwarz-)Markt: "Exit" soll Knastinsassen einen Einblick in die Dienstpläne der JVAs ermöglichen und Ausbruchspläne optimieren. "Watch" soll Politikern signalisieren, wenn ihre Reden mitgeschnitten werden. Doch das Verrückte am modernen Leben ist, dass es gleichzeitig immer einfacher und immer komplizierter wird. Es gibt inzwischen so viele kleine hilfreiche Programme, dass ich schon wieder den Überblick verloren habe. Aber vielleicht gibt es ja bald eine Apps-Überblick-App, und mit ihrer Hilfe werde ich voller Hoffnung nach der ultimativen App für mich suchen – der Glossen-App.
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Zum SeitenanfangDamals, als ich meinen ersten DSL-Anschluss bestellte, war Boris Becker richtig in. Nicht nur das: Er war schon drin. Weil ich mit Boris weder Sportlichkeit noch Sexappeal gemeinsam habe, wollte ich wenigstens den Anschluss mit ihm teilen. So wurde ich Kunde bei AOL und durfte so täglich eine Frauenstimme hören, von der ich wusste, dass sie auch Boris stets nah war. Sie sagte nur einen Satz: "Sie haben Post."
Dann kam eine Zeit, in der Boris nur noch bei Kerner und Becker in war. Statt "drin sein" war jetzt "raus und rein" angesagt: Monatlich wechselte man den DSL-Anbieter, weil es immer noch günstigere Tarife gab. Ein paar Mal machte ich das mit und bin also längst nicht mehr bei AOL. Trotzdem hat mich die Meldung irgendwie berührt:
Jetzt ist AOL raus, verlässt Deutschland. Boris hat das schon vor Jahren getan, aus dem selben Grund: um Geld zu sparen.
Da frage ich mich unwillkürlich, wie ich es in diesem teuren Land noch aushalten kann. Wenn solche Größen, an die man sich gewöhnt hat, einfach verschwinden, macht einen das irgendwie betroffen. Die Formulierung, nach der einen irgendetwas irgendwie betroffen macht (und sei es auch nur "ein Stück weit"), stammt aus der Zeit, als ich erwachsen wurde. Damals wurden
die Grünen gegründet. Sie hatten schnell Erfolg, weil damals vieles die Menschen total betroffen machte: das Waldsterben, die Wiederaufbereitungsanlage, die Nachrüstung. Später machte der Tod von Petra Kelly, der ersten grünen Heiligen, echt betroffen. Aber so musste sie nicht mehr erleben, wie die Grünen deutsche Kriegseinsätze durchwinkten, mit der Atomlobby windelweiche Ausstiegsverträge aushandelten und mit Gerhard Schröder um den schickeren Anzug konkurrierten. Das wiederum hat meine Freundin Elke so betroffen gemacht, dass sie (ein Gründungsmitglied!) aus der Partei austrat.
Während Firmen und Reiche ihrer Heimat leichthin den Rücken kehren, kehrt politischen Idealisten gern mal die Heimat den Rücken zu. Die Mitglieder bleiben auf ihrem Standpunkt, aber die Partei zieht davon. Davon können die Urgrünen ebenso ein Lied singen wie die Altsozis, aber einem Strauß-Fan wird es in der CSU auch nicht anders gehen. Während die Firmen Lohnkosten und die Reichen Steuern einsparen, sparen Parteien, wenn es um die Macht geht, bevorzugt an den Überzeugungen.
"Keine Fundi hat es so lange ausgehalten wie Du", tröste ich Elke, die eine ähnlich quälende Beziehungskrise mit ihrer Partei durchgemacht hat wie Wolfgang Clement mit der SPD – nur sozusagen umgekehrt. Sie wollte sogar schon mal auswandern, nach Österreich, weil man dort konsequent keinen Atomstrom hat. Dafür hatte man Haider. Norwegen fand sie auch sehr öko. Aber die Norweger killen Wale. Also blieb sie – und machte sich damit die Losung zu eigen, die Bewohner der
Kulturhauptstadts-Region gern für ihre Heimatverbundenheit angeben. Ich las sie kürzlich bei dem Revierliteraten Frank Goosen. Glaubt man ihm, dann kennt man im Pott den besten Grund dafür, warum wir unseren DSL-Anschluss, unsere Partei, den Hausarzt, die Hausbank und auch die Heimat eher ungern wechseln. Denn auch wenn er arbeitslos ist, die Zeche zu, die Kommune pleite, sagt der Ruhri: "Woanders is auch scheiße."
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Zum SeitenanfangSehr geehrte Frau van Dinther, liebe Landtagspräsidentin,
klar, ich weiß, dass ich nicht mehr zwischen 12 und 22 bin. Ich kann aber trotzdem nicht an mich halten und möchte mich an Ihrem
kreativen Schreibwettbewerb beteiligen. Beim Lesen Ihrer Ausschreibung habe ich mich gleich wieder jung gefühlt, wie damals in der Schule, als spannende, ansprechende Themen unsere Begeisterung für den "Besinnungsaufsatz" weckten. So auch bei dem von Ihnen ausgelobten Thema: "Die Wahl haben". "Der Fantasie sind keine Grenzen gesetzt", schreiben Sie, und das hat meine Fantasie sofort angeregt. "Lustig, ernst, dramatisch, ironisch, sachlich oder Science Fiction" dürfe es sein. Das allein kommt mir irgendwie schon wie eine Beschreibung der Landespolitik vor.
Lustig, ja launig hat Ministerpräsident Rüttgers dieses Wahljahr mit seiner
Neujahrsansprache eröffnet, in der er einen Satz sprach, von dem ich kaum loskomme: "Furcht verhindert Zukunft." Wie gern würde ich einen Lehrgang ähnlich dem im Märchen der Gebrüder Grimm absolvieren. Denn hätte ich das Fürchten gelernt, dann könnte ich die ganze unsichere, düstere Zukunft verhindern, vor der ich mich - nun ja: fürchte. Ich könnte die Zeit etwa Sonntag nachmittags um drei beim Tee anhalten, eine Stunde, zu der ich regelmäßig mit der Zukunft des Montagmorgens nichts zu tun haben möchte.
Aber im Ernst: Angesichts der Lage der kommunalen Finanzen kann man sich auch ohne Gebrüder Grimm gewaltig fürchten. Statt die Zukunft zu verhindern, möchte Rüttgers' Herausforderin
Hannelore Kraft aber lieber bei den Ossis sparen und die Kürzungen beim Soli den klammen Städten unseres Landes zugute kommen lassen. Das ist endlich mal ein Wahlversprechen, das sich nicht vor der Frage drückt, woher man das Geld für Wohltaten nehmen möchte!
Zu einem dramatischen Kampf gegen solche Gelüste ruft jetzt die neu gegründete
Westfalenpartei auf. Ihr Widerstand geht allerdings nicht gegen die Ossis, sondern gegen die Rheinländer. Die sichern sich in den Augen des Spitzenkandidaten Werner Szybalski stets die Rosenmontage der Landespolitik und überlassen den Westfalen die Aschermittwoche. Gut zwanzig Westfalen haben in einer Dortmunder Kneipe "Die Westfalen" gegründet. Der Wahlkampf der Partei hat allerdings mit dem Problem zu kämpfen, dass sich Sauerländer eher als Sauerländer fühlen denn als Westfalen, Siegerländer als Siegerländer und die im Ruhrgebiet als Ruhrgebietler.
Und damit bin ich beim kurzen ironischen Teil meines Besinnungsaufsatzes: Ich würde gern eine Partei "Die Hemden" gründen. Die könnte eine echte Sammlungsbewegung werden. Denn ob Ossis, Wessis, Rheinländer oder Westfalen - allen ist das Hemd stets näher als die Hose. Nur als jetzt das neue
Transparenzgesetz des Landes in Kraft trat, dass die Gehälter von Managern öffentlicher Institutionen einsehbar machen soll, erinnerten sich die betroffenen Sparkassen- und Stadtwerksvorstände plötzlich auch an ihre Hosen und wollten sie keinesfalls runter lassen.
Aber bleiben wir sachlich: "Wir sind Deutschlands größtes Exportland und wollen es bleiben", sagt der Ministerpräsident. Ich glaube, dass schaffen wir. Nichts deutet darauf hin, dass NRW kleiner werden könnte. Ein NRW so klein wie das Saarland, das ist doch reine Grusel-Science-Fiction! Und wenn die Westfalen sich abspalten sollten, annektieren die Rheinländer eben Rheinland-Pfalz - und gemeinsam mit denen schaffen sie den Aschermittwoch ganz ab.
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Zum Seitenanfang"Jedem Anfang wohnt ein Zauberer inne", behauptete einmal mein früherer Chef. Das hat bei meinen literarisch gebildeten Kollegen damals für Heiterkeit gesorgt. Denn offensichtlich wollte unser Chef den guten alten Hermann Hesse zitieren, hatte aber aus dem richtigen "Zauber" einen falschen "Zauberer" gemacht. Auch ich hatte damals meinen Spaß, denn was gibt es Amüsanteres als Fehler von Vorgesetzten? Inzwischen schwant mir jedoch, dass in dem verhunzten Zitat eine tiefere Wahrheit verborgen liegt. Denn mancher Anfang, den ich seither erlebt habe, war alles andere als zauberhaft, eher so, als hätte ein Zauberlehrling daran herumgestümpert - oder gar eine missgünstige Hexe, so eine mit behaarter Warze.
Gerade zum Jahreswechsel versuchen wir uns gerne selbst als Zauberer, tüfteln bis zuletzt an einem gelungenen Rutsch in den neuen Zeitabschnitt. Deshalb gehört die Frage "Was machst Du denn so an Silvester?" zu den Klassikern im Dezember. Auf die Frage gibt es in der Regel nur ausweichende Antworten. Moni etwa konnte sich vorstellen, mit ihrer Freundin Britta tanzen zu gehen. Allerdings nur, wenn Paul nicht auf die Idee käme, sie zu einem trauten Silvester zu zweit einzuladen. "Ich kann Silvester aber auch gut alleine zuhause verbringen", erklärte sie mir selbstbewusst. Gerald wollte es diesmal ruhiger angehen lassen, entweder nur mit seiner Freundin oder im "allerengsten Kreis" den Jahreswechsel erleben. Es sei denn, irgendwo gebe es noch eine "Knallerparty". Ich selbst war ebenfalls lange unentschlossen. Nach einer großen Party war mir diesmal nicht zumute, nach einer besinnlichen Runde mit meinen ältesten Freunden auch nicht. Alleine wollte ich aber auf keinen Fall sein, wegfahren auch nicht. Eine gemeinsame Feier mit Doktor Gregor kam nicht in Frage, schließlich wollte ich mir den Zauber des neuen Jahres nicht von jemandem trüben lassen, der sich - in seiner Freizeit! - mit dem Weltende beschäftigt und auch noch angekündigt hatte, besonders eindrucksvolle Raketen zu zünden.
Schließlich fand ich mich Silvester wieder in einer Runde mit meiner alten Freundin Regina, meiner älteren Schwester samt Mann und meiner noch älteren Großtante. Nach Mitternacht stieß Doktor Gregor dazu, zum Glück hatte er seine Raketen und sein Pulver schon unverletzt verschossen. Es war eine nette Feier, wir aßen Kartoffelsalat und Würstchen, gossen Blei – und tranken jede Menge Sekt. Wie ich nach Hause kam, weiß ich nicht mehr genau. Es war wohl ein Taxi im Spiel.
Am Neujahrsmittag wachte ich auf. Mein Kopf war schwer. Ich versuchte mich zu erinnern, welche guten Vorsätze ich für das Jahr 2010 gefasst hatte. Es fiel mir nicht mehr ein. Ich wusste nicht einmal mehr, ob ich mir etwas vorgenommen hatte. Vorsätze, so dachte ich, werden sowieso überschätzt. Ich stolperte ins Bad, durch meinen Kopf schwirrte das Zauber-Gedicht des guten alten Hermann Hesse. Über die Toilette gebeugt fiel mir wieder die letzte Zeile ein: "Wohlan denn, Magen, nimm Abschied und gesunde!" Und schon war auch mein vergessener Vorsatz für 2010 wieder da: Loslassen.
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Zum SeitenanfangModernes Leben (ML) heißt so, weil es sich vom normalen Leben unterscheidet. Und es ist oft ziemlich unübersichtlich, schreit geradezu nach einer ordnenden Hand und erklärenden Instanz. Hier ist sie.
Unsere ML-Experten
Doktor Gregor und
Stephan Josef sind immer da, wo das moderne Leben pulsiert. Doktor Gregor unternahm jahrelang Feldstudien in einem sauerländischen Kloster, Stephan Josef bei Ökobauern in Nordhessen. Bei allen Gemeinsamkeiten sind unsere beiden Experten dennoch so unterschiedlich, dass sie alle Aspekte des modernen Lebens erklären können. Doktor Gregor ist vielfacher Vater, besitzt weder Führerschein noch Fahrrad - Stephan Josef fährt Cabrio. Doktor Gregor mag den FC Köln, Stephan Josef die Fohlenelf aus Mönchengladbach. Aber natürlich gehen sie nicht zusammen zum Fußball. Entweder sie haben keine Zeit oder Köln ist mal wieder abgestiegen.
Stephan Josef joggt, Doktor Gregor walkt. Genauso langsam ist Doktor Gregor beim Schreiben. Er arbeitet an einem großen Buch über die Apokalyptik. Stephan Josef befürchtet, dass das Weltende schneller eintreten könnte als die Veröffentlichung. Deshalb versuchen es beide jetzt mit dem ML-Bloggen. Das geht schnell, ist aber bisweilen schwer zu enträtseln. So wie das moderne Leben eben.
Hallo Doktor Gregor und Stephan Josef -
sehr amüsant-elegante Schreibe!
Ich freue mich auf mehr von Euch - wie z.B. das gelüftete Geheimnis von Doktor Gregors Norwegen-Sehnsucht, die mir bisher noch gar nicht so klar war.
Alles Gute!
Uli aus Süd-Schleswig-Holstein am 4.09.06 23:47
Guten Tag, lieber Doktor Gregor und lieber Stephan Josef! Dass die Abkürzung ML im "Westen" Modernes Leben heißt, finde ich interessant. In der DDR hieß ML Marxismus-Leninismus und ist ein sehr wichtiges Fach in allen Studienrichtungen gewesen. Das war so zu sagen der Grundstein aller Wissenschaften überhaupt. Ohne ML war auch Integralrechnen, Periodensystem der Elemente aber auch Desoxyribonukleinsäure nicht zu begreifen. Wir haben dadurch auch im Chemieunterricht mit Hilfe von Kaliumpermanganat den Kommunismus in der Buttermilch nachweisen können. Das ist völliger Ernst. Das war in der Polytechnischen Oberschule "Heinrich-Heine". Wie komme ich jetzt wieder zum Modernen Leben? Das Moderne Leben und Buttermilch haben durchaus viel gemeinsam. Die wenigen, fetten Flöckchen der "guten" Butter schwimmen auf der mageren, entrahmten, etwas säuerlich schmeckenden Milch...
Tante Monika am 5.09.06 14:56
Liebe Tante Monika, Danke für Deinen Beitrag aus der Perspektive der Polytechnischen Oberschule. Wir hatten ja eher befürchtet, ML könne als "Mona Lisa" gedeutet werden. So wenig kam uns Westlern der real nicht mehr existierende Sozialismus in den Sinn. Übrigens findet man den real immer noch existierenden Kapitalismus ebenfalls in der Buttermilch. Da gibt es doch das berühmte Experiment mit den beiden Mäusen, die man darin schwimmen lässt. Die, welche ersäuft, hatte nicht genug Eigeninitiative. Die aber lange genug strampelt, schlägt die Milch zu Butter und kommt davon. Auch das ist ML.
Doktor Gregor am 7.09.06 12:56
Lieber Doktor Gregor,
liebe Tante Monika,
ich war zwar leider nicht auf einer so benamsten Polytechnischen Oberschule, kenne Heinrich Heine aber auch ziemlich gut: "Es gibt zwei Sorten Ratten, / Die hungrigen und die satten ...". Das hat auch irgendetwas zumindest mit M, wenn auch weniger mit L zu tun. L hingegen hat irgendwo geschrieben: »Kommunismus -das ist Sowjetmaus plus Elektrifizierung des ganzen Landes.«
Und wie hängt das alles mit der EU zusammen: Haben die Mäuse den Butterberg durch Strampeln im Milchsee erzeugt? Und schwimmen Kartoffeln ("so locker und leicht, die schwimmt sogar in Milch ...")?
Leibniz-Keks am 7.09.06 14:16
Doch, ich wollte immer schon wissen was ML bedeutet. Vorherige Kommentare haben jedoch mein geistiges Volumen gewaltig erweitert. Vorher hatte ich das oft mit MLDA verwechselt (mich laust der Affe). Jetzt fühle ich mich allerdings fast fit genug in einer Fernsehschau aufzutreten und dabei auf gewisse Fragen hin mehr als ein Jahresgehalt zu gewinnen. Ich gebe dann, wenn der Scheck auf meinem Konto verbucht ist, gerne einen 10% Anteil an den Doktor Gregor und den Herrn Stephan Josef ab. Danach haben sie meinerseits völlige Freiheit diese Summe für den Tierschutz oder für ein beliebiges Altersheim zu spenden. Falls die Summe mickerig ist, gehen diese zwei standhaften Männer einfach mal gemeinsam auf eine sonnige Terrasse und essen gemeinsam ein Eis. Vielleicht finden sie sich dann trotz ihrer enorm unterschiedlichen Lebenstile (ML) irgendwie verbunden. Besonders wenn der Kellner vergessen haben sollte für jeden einen Löffel mitzubringen.
Christine Maahs (x-mas) am 10.05.09 16:07
Hallo -
Ich hab da mal eine Frage: was ist unmodernes Leben und was ist modernes Leben?
Ich interpretiere das so: Unmodernes Leben ist das nach und mit der Bibel, welches das Wort Gottes an die Menschen ist. Modernes Leben ist das ohne die Bibel, das Leben welches den Gott der Bibel ablehnt.
Paul am 9.09.09 14:09
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