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Rosa, Schäuble und der Schuldenberg"Rosa" war rosafarben, wunderbar rund und hatte lustige Äuglein. Ich liebte Rosa und fütterte sie regelmäßig mit Groschen und 50-Pfennig-Stücken, die ich von Tanten und Onkeln zugesteckt bekam. Das Sparschwein wurde dadurch immer schwerer und verheißungsvoller. Würde das gesparte Geld reichen, um eine neue Lokomotive für meine Modelleisenbahn zu kaufen? Gespannt fieberte ich dem Tag entgegen, an dem das Schwein voll war und reif fürs Schlachten. Das geschah mit einem Hammer und war doppelt enttäuschend: Rosa war unwiederbringlich zerstört, und das Geld, das sie freigab, reichte nicht für die ersehnte Lok.
Ähnliche Erfahrungen machen regelmäßig unsere Politiker. Bei jedem Regierungswechsel schaut der neue Finanzminister erwartungsvoll in die Staats-Kasse, reibt sich erst verwundert die Augen und bricht dann in Tränen aus. Denn immer ist in der Staatsschatulle weniger drin als benötigt. Lokomotiven könnte man von dem vorhandenen Geld zwar reichlich kaufen, sogar echte Große. Aber die Politiker wollen lieber anderes Spielzeug, einen
Riesen-Transporter für die Bundeswehr etwa. Außerdem müssen ja auch die Geschenke, die man den Wählern versprochen hat, finanziert werden.
Als ich Rosa in Scherben schlug, saß die Bundesregierung noch in Bonn, der Finanzminister hieß
Franz Josef Strauß und der Bundeshaushalt wies einen Überschuss aus. Seitdem ist viel passiert: Die Bundesregierung sitzt inzwischen in Berlin und auf einem Berg von Schulden. Allein im kommenden Jahr sollen
rund 100 Milliarden dazukommen. Denn die schwarz-gelbe Koalition will erst einmal kräftig Schulden machen, um dann kräftig auf die Schuldenbremse zu treten. Es muss also erst schlimmer werden, bevor es besser werden kann. Das erinnert mich ein wenig an Homöopathie, allerdings ist die Dosis der Neuverschuldung alles andere als homöopathisch.
Ich habe einen anderen finanzpolitischen Kurs eingeschlagen als Waigel, Eichel und Co. Mein erster Neuwagen beispielsweise war ein Lada Samara. Der war zwar nicht so schick wie die Golf-Modelle meiner Freunde, aber deutlich preiswerter. Außerdem ließ sich seine Anschaffung als Unterstützung von Gorbatschow, Glasnost und Perestroika verkaufen, schließlich wurde das Auto in Russland produziert. Mein nächster Wagen wird vielleicht ein Automatik-Modell. Dabei muss ich natürlich aufpassen. Denn wer von Selber-Schalten auf Automatik umsteigt, tritt gern schon mal gleichzeitig auf Gas und Bremse. Das scheint zwar politisch angesagt, produziert nach meiner Erfahrung jedoch vor allem eins - viel Qualm.
Rosa, Schäuble und der Schuldenberg
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