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12.04.09"Augen auf beim Einkauf", mahnte meine Oma früher, bevor wir einen Laden betraten. Ihr Konsumverhalten war damals schon so, wie es sich Verbraucherschützer heute wünschen: Eingehend verglich Oma Preise, Qualität und Haltbarkeit der Waren. Dazu befragte sie ausdauernd die Verkäufer. Wenn die dann mürbe wurden, luchste meine Oma ihnen noch schnell einen satten Rabatt ab - wegen irgendwelcher Mängel, die ihrem scharfen Blick nicht entgangen waren. "Content is king", nach diesem Glaubenssatz unserer digitalisierten modernen Welt lebte meine Oma bereits lange vor der Erfindung des Internet - und ohne Englisch zu beherrschen.
Die bunte Warenwelt unserer Tage hat meine Oma nicht mehr erlebt, aber ich bin sicher, sie hätte sich gut zurecht gefunden. Auch die jüngste Reform hätte sie nicht geschockt: Seit Ostersamstag sind
einige Vorschriften gelockert, die für Lebensmittel wie Milch, Bier oder Schokolade feste Inhaltsmengen vorschrieben. Demnächst stehen vielleicht Milchkartons im Kühlregal, die statt einem Liter 900 Milliliter enthalten, oder es werden Vollmilchtafeln angeboten, die nur noch 85 Gramm wiegen statt der gewohnten 100 Gramm.
Das gibt Raum für "Preisoptimierungen", wie manche Einzelhändler frohlocken. Ostern ist für sie gleichzeitig Weihnachten, und die neue Verpackungsvorschrift aus Brüssel ist das Geschenk. Doch sie haben die Rechnung ohne den österlich gestimmten Verbraucher gemacht. Beim Eierfärben hatte der genügend Zeit, sich Gedanken über die perfekte Verpackung zu machen. Denn das Ei ist eine solche: Ein Blick verrät, wie viel Ei sich unter der Schale verbirgt, sei es nun angemalt oder nicht. Das Ei ist der natürliche Gegenentwurf zur Mogelpackung, die demnächst in jedem Einkaufsregal zu finden sein wird. Selbst faule Eier lassen sich noch sinnvoll einsetzen, wie jeder Demonstrant weiß.
Luftige Verpackungen mit weniger Füllmenge - diesem Szenario können außer den Händlern nur die Gesundheitsschützer etwas abgewinnen. Die Deutschen sind zu dick, wissen sie. Gibt es demnächst weniger Schokolade pro Tafel, würden die Deutschen fast unbemerkt diäten. Ihre These sollten die Gesundheitsapostel mal an den Rauchern überprüfen. Rauchen die etwa weniger, weil in den letzten Jahren in den Packungen immer weniger Zigaretten drin sind? Außerdem wissen viele Diätgeplagte: Diäten machen erst recht dick.
Wir Verbraucher werden die neue Verpackungswelt gut verpacken, da bin ich optimistisch. Die meisten haben den Dreisatz in der Schule gelernt und können Kilo- oder Literpreise im Kopf ausrechnen. Wer darin nicht firm ist, dem helfen die Grundmengenpreise, die auch künftig auf jeder Packung stehen müssen. Sehr klein gedruckt, zugegeben. Aber die Sehkraft kann man mit natürlichen Mitteln stärken. Meine Oma empfahl dazu den Genuss frischer Möhren. Die haben, zusätzlicher Vorteil, wie Eier auch nur ihre Schale als Verpackung. Und ihr Diätfaktor ist ungleich höher als der kleinerer Schokoladentafeln.
Das moderne Leben - als Podcast.
Lieber Stephan Josef!
Die Vergleichspreise stehen schon eine ganze Weile dabei - nicht auf der Packung, aber am Regal. Dreisatz ist schon lange passé.
Naja, öfter mal was Neues im guten alten Supermarkt! Aber was ich viel schlimmer fand: Ich als traditionsgläubiger Mensch wollte auf den allerletzten Drücker ein paar Eier färben (isst zwar keiner, aber sie sind nett anzusehen). Also ab in den Laden, weiße Eier kaufen! Und was war? Puste-Eier! Bio-Eier, Käfig-Eier, Wachtel-Eier - aber keine weißen Eier. Dafür knallfarbene Fertig-Eier im Plastikbehälter, schon vor Wochen gefärbt in der Fabrik. Igitt! Wahrscheinlich haben die Groß-Eier-Färber die gesamte Weiße-Eier-Produktion vorab aufgekauft. Do it yourself ist out - oder wird einem ausgetrieben.
Anonym am 12.04.09 18:20
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