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15.03.09"Ohne Wasser kein Leben", zumindest dieser Satz ist bei mir hängen geblieben aus gefühlten dreißig Jahren Biologieunterricht. Diese Euphorie für das nasse Element kann ich nicht so recht teilen. Als Kind war mir der Schwimmunterricht wie Folter. An den Urlaub am Meer musste ich mich erst langsam gewöhnen. Und wenn es, wie in diesen Tagen oft, von morgens bis abends nieselt und der Himmel sich abwechselnd stein- oder mausgrau zeigt, geht mir das mächtig auf die Nerven. Genau wie die Ermahnungen meiner Freundin Regina. Sie findet, dass ich zu wenig trinke, vor allem zu wenig Wasser. "Drei Liter Flüssigkeit am Tag müssen es sein!", behauptet sie kategorisch, und: "Den Kaffee musst Du abziehen!"
Regina ist mit ihrer Meinung offensichtlich nicht allein. Ob auf der Arbeit, in der U-Bahn oder im Kino, Menschen mit Wasserflaschen, aus denen sie ab und zu einen genießerischen Zug nehmen, gehören zum alltäglichen Bild. Vor allem bei coolen Typen ist die Wasserflasche - selbstverständlich ist das Wasser still - inzwischen so selbstverständlich wie der iPod. "Deinen trockenen Humor musst Du ja nicht verlieren, wenn Du mehr trinkst", spöttelt Regina. Doch als ich mich gerade dazu durchgerungen hatte, etwas für Flüssigkeitshaushalt und Image zu tun, stieß ich auf einen
Bericht über "hormonähnliche Substanzen" im Mineralwasser, vor allem in Wasser aus Plastikflaschen. Kleine Hormongaben im Vorfrühling können ja nicht verkehrt sein, dachte ich mir, bis ich an die Stelle kam, wo die Folgen aufgelistet wurden: Im Experiment mit neuseeländischen Zwergdeckelschnecken haben Frankfurter Forscher nämlich herausgefunden, dass die hormonähnlichen Substanzen zu einem verzögerten oder verfrühten Eintritt der Pubertät führen können und zu Verhaltenstörungen bei Jungtieren. Seither sehe ich die coolen Jungs und Mädels in der U-Bahn mit ganz anderen Augen.
Manche scheinen das Dilemma erkannt zu haben und sind auf Bierflaschen oder Bierbüchsen umgestiegen. Diese Lösung hat den Nachteil, dass sie vom Arbeitgeber nicht goutiert wird. Andere haben wegen der Krise gar keinen Arbeitgeber mehr. Aber ihre Hoffnung, durchs Trinken wieder flüssig zu werden, trügt. So pendeln sie dann zwischen Arbeitsagentur und anonymen Alkoholikern und versuchen mühsam, wieder trocken zu werden. Trockenen Wein, den ich so gerne trinke, scheidet aus demselben Grund als Flüssigkeits-Grundversorgung leider auch aus.
Also bleibt doch nur das Wasser; Fruchtsäfte und Limonaden sind wegen des hohen Zuckergehaltes nicht zu empfehlen. Ständig mit einer Glasflasche rumzulaufen, ist allerdings keine Perspektive. Mit meiner Flüssigkeitskur warte ich deshalb noch, bis der abwechselnd steingraue und mausgraue Himmel wieder aufreißt und die Sonne scheint. Dann wächst auch bei mir die Lust auf Flüssigkeit, in gefrorener Form. Natürlich wird es Wasser- und nicht Milcheis sein, was ich dann in rauen Mengen vertilge. Dafür muss ich halt in Kauf nehmen, dass meine Finger klebrige Spuren auf dem iPod hinterlassen. Aber mit der U-Bahn werde ich sowieso nicht mehr fahren. Denn dort ist Eisessen verboten.
Audio: Trinken, trinken, trinken!
wer oder was scheidet aus?: Trockener Wein, den ich gerne trinke......
Anonym am 16.03.09 10:31
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