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1.02.09Es ist schon bald zwei Jahre her, als ich auf einem zugigen Parkplatz auf meine Kollegin Angela wartete. Schließlich kam sie angebraust und lenkte ihren Kleinwagen in eine Parklücke. "Der tut es nicht mehr lange", behauptete ich mit Kennermiene. Eigentlich verstehe ich nicht viel von Autos, aber ihr Wagen - ein Benziner - klang wie ein Traktor und wies auch keine überzeugende Optik auf. Ich sollte mich irren. Angela fährt die Kiste immer noch. Vielleicht hat es damit zu tun, dass sie inzwischen eine etwas intensivere Beziehung zu einem begnadeten Mechaniker hat.
Alle, die wie sie ihr Auto lieben, werden nun auf eine harte Bewährungsprobe gestellt. Mit einer
Abwrackprämie will die Bundesregierung alte Vehikel der Schrottpresse und neue Käufer den Autohändlern zuführen. Das Vorhaben spaltet die Nation: in Idealisten und Realisten, in Sammler und Jäger, in Gefühls- und Kopfmenschen. Irgendwie gespalten fühlt sich auch meine Kollegin.
Die Prämie - immerhin 2.500 Euro - sorgt natürlich auch für zusätzlichen Zwist zwischen Auto- und Bahnfahrern. "Die sollten mit dem Geld mal was für den öffentlichen Nahverkehr tun", schimpft etwa
Doktor Gregor, der weder Auto noch Führerschein besitzt und seine Ziele auf Bahn- und Beifahrersitzen erreicht. "Stattdessen fördert der Staat mal wieder die Wegwerf-Mentalität!"
Mir dagegen gefällt die Abwrackprämie ausgesprochen gut, auch wenn ich nicht von ihr profitiere. Aber das kann sich ja schnell ändern. Vielleicht lobt die Politik demnächst ja Prämien für den Kauf neuer Haushaltsgeräte aus, um die nationale Energiebilanz zu verbessern. Oder sie gibt Geld dazu, wenn man den heimischen PC und seine Peripherie modernisiert. Eine solche Maßnahme erwägt Gerüchten zufolge auch der neue US-Präsident, nachdem er die
Computeranlage im Weißen Haus in Augenschein genommen hatte. Bei einer solchen Prämie würde ich zu den ersten Antragstellern gehören. Nach einem Blick in meinen Keller sind mir noch weitere sinnvolle Abwrack-Prämien eingefallen: für alte Ski, der Pistensicherheit wegen, und für alte Kleidung, um der gebeutelten Textilindustrie auf die Beine zu helfen, oder für alte Zeitungen, um den Wald zu schonen.
Endlich mal gründlich ausmisten und noch Geld dafür bekommen - das sind doch prima Perspektiven im angeblichen Krisenjahr 2009! Geld ist nicht alles, mahnt dagegen Kollegin Angela. Einen vermeintlichen Plan der Großen Koalition, aus demographischen Gründen die Anschaffung schicker neuer Bettwäsche zu subventionieren, hält sie für frauenfeindlich und will ihn boykottieren. Ihren Wagen will sie auch nicht verschrotten, sondern weiterfahren, bis er auseinanderbricht. Das kann, so prophezeie ich, nicht mehr lange dauern.
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