Europa ist sexy, zumindest wenn es Fußball spielt. Das dürfen wir in diesen Wochen wieder erleben, wenn die Besten des Kontinents in putzigen österreichischen und Schweizer Stadien
dem Ball nachlaufen. Die kontinentale Fußballbegeisterung entfachen vor allem die Niederländer, und das hat nichts mit dem holländischen Rollrasen in den Stadien zu tun.
"Oranje" spielt schön, und das auch noch erfolgreich. Auch Portugiesen, Spanier, Russen und sogar Deutsche zeigen ansehnlichen Fußball.
Dazu kommen fröhliche Fans aus allen Ecken Europas, die selbst biedere Alpen-Städtchen in riesige Partyzonen verwandeln. Riesige Stimmung auch in Deutschland. In Köln etwa vergeht kaum ein Abend ohne Autocorso, ohne motorisierte Polonaise: Wagen mit meist jungen, bemalten und kostümierten Menschen, die aus Seitenfenstern und Schiebedächern quellen. Oft flattern an ein- und demselben Auto türkische und deutsche Fähnchen. Das ist ein Zeichen, wie gut die Integration von Mitbürgern mit Migrationshintergrund inzwischen gelungen ist. Wenn alle gemeinsam mit ihren Autos in der Innenstadt rumkurven, hat das noch was Gutes: Endlich finde ich spätabends problemlos einen Parkplatz.
Tolle Stimmung herrscht bei der Euro, zappenduster dagegen sieht es aus im politischen Europa. Erst
lehnen die Iren eine dringend notwendige Reform der EU ab, dann will die Europäische Kommission die
Glühbirnen abschaffen. Höchste Zeit, dass sich was dreht und die Politik vom Fußball lernt. Europäische Integration gelingt am überzeugendsten auf dem Rasen, wie der Schwede Zlatan Ibrahimovic und der Schweizer Hakan Yaki beweisen. Deshalb wird uns
der geplante Einbürgerungstest, der bloß Wissen abfragt, nicht weiter bringen.
Die EU braucht außerdem eine gemeinsame Fußballmannschaft. Eine offizielle
EU-Hymne gibt es ja schon, aus Beethovens neunter Sinfonie. Der Text, Schillers "Ode an die Freude", gehört nicht dazu, weil man sich nicht auf eine Sprache einigen konnte. Eine Hymne ohne Text ist aber nichts für Fußballer. Die singen ja gerne die Hymne mit, wenn sie gerade keinen Kaugummi zur Hand haben. Mein Vorschlag: Schillers Text ins Englische übersetzen. Dann haben alle Spieler der EU-Mannschaft die Chance mitzusingen - auch wenn der EU-Trainer wohlweislich keine Iren oder Engländer aufstellen wird.
Audio: Euro top, Europa Flop?
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