Sonntag, 19.05.2013
Abnehmen - "das funktioniert ganz einfach"
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Ist doch ganz leicht!
Es war wieder ein richtig netter Abend. Ich hatte mich bei meinem jüngeren Bruder eingeladen, um gemeinsam mit ihm Fußball zu gucken, auf seinem Riesenflachbildfernseher. Während
Robben und Co. auf dem Rasen einen Kilometer nach dem anderen liefen, saßen wir entspannt auf der Couch und knabberten Erdnüsse, Chips und Salzstangen. Ich mache mir glücklicherweise nicht besonders viel aus Süßem wie beispielsweise Schokolade, die ist ja der reinste Dickmacher. Leider habe ich aber auch ohne übermäßigen Schokoladengenuss in letzter Zeit etwas zugelegt und würde gerne ein paar Kilos abspecken. Mein Bruder hatte direkt einen Tipp für mich: "Schlank im Schlaf".
Das dazugehörige Buch hat er mir mitgegeben, es liegt immer noch ungelesen auf meinem Nachtisch. Bei "Schlank im Schlaf" soll man, so hat es mir mein Bruder erklärt, vor allem abends auf Kohlehydrate verzichten. "Das funktioniert ganz einfach, wenn man es durchhält", erklärte er, "allerdings stellt sich die Verdauung um, das wirst du merken." Zum Glück hat er sich weitere Einzelheiten verkniffen. "Schlank im Schlaf" spare ich mir auf für den Fall, dass nichts Anderes hilft, habe ich mir überlegt. Meine alte Freundin Christina schwört auf "FdH". Sie bringt genauso viele Kilos auf die Waage wie ich und hat mich zu einem Wett-Abnehmen überredet - wer zuerst das (gemeinsame) Wunschgewicht erreicht, hat gewonnen.
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FdH - geht ganz einfach!
"FdH - 'friss die Hälfte' - funktioniert ganz einfach", beteuerte Christina. Daraufhin habe ich eine Woche lang beim Kantinenbesuch immer eine kleine Portion gewählt. Genutzt hat es nichts. Mein Verdacht: Die halben Portionen waren gar keine halben Portionen, sondern 60- oder gar 70-Prozent-Portionen. Und die Müsliriegel, die ich mir vor lauter Hunger nachmittags gegönnt habe, enthielten vielleicht Zucker. Es ist schon ein Kreuz. Wenn man doch bei der Kalorienzufuhr so einfach auf die Bremse treten könnte wie die
Telekom bei der Netzgeschwindigkeit!
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Erst fotografieren, dann zuschlagen!
Aktuell versuche ich es mit der Methode der "fotografischen Selbstsensibilisierung". Die habe ich selbst erfunden, und sie funktioniert ganz einfach: Alles, was ich esse, fotografiere ich vorher mit meinem Handy. Das sorgt dafür, dass ich vor dem ersten Biss ein wenig ins Nachdenken komme, ob das, was ich gleich essen werde, gut für mich ist. Außerdem erstelle ich ein lückenloses Protokoll meiner Mahlzeiten, das kann für eine spätere Ernährungsberatung mal wichtig werden. Da ich die fotografische Selbstsensibilisierung erst seit vergangenen Montag praktiziere, kann ich über Erfolg oder Misserfolg noch wenig sagen. Falls die Methode wirkt, werde ich einen Ratgeber schreiben. Und von dem Autorenhonorar so richtig lecker essen gehen - natürlich mit Christina.
Sonntag, 12.05.2013
Liebes altes Mütterlein
"Der Muttertag ist eine Erfindung der Nazis und der Blumenindustrie", sagt meine Freundin Elke und boykottiert diesen Tag konsequent. Ich finde diese Verschwörungstheorie, die Hitler und Floristen unter eine Decke steckt, recht reizvoll. Aber trotzdem hat sich der Brauch auch in unserer Familie bisher gehalten. Allerdings nicht mit Blumen. Denn unsere Kinder brachten aus Kindergarten und Grundschule stets schöne Basteleien für ihre Mamas und Omas mit.
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Will für Mutti spielen und singen
Inzwischen ist aber selbst mein Jüngster aus dem Bastelalter raus. Da wollten wir beide diesmal für meine Liebste etwas ganz Besonderes auf die Beine stellen. Wir spielen beide ein wenig Gitarre, warum also nicht gemeinsam ein Lied einstudieren. "Kennst Du denn ein Muttertagslied?", fragte mein Sohn. Kannte ich nicht. Aber heutzutage gibt es ja das Netz, da findet man mit ein paar Klicks praktisch alles.
Stimmt. Das Internet ist voll von Muttertagsliedern. Man kann sich Texte und Noten ausdrucken, wahlweise für Klavier oder Gitarre. Man kann auch Audio-Dateien herunterladen, meist allerdings kostenpflichtig. Wir waren also ganz guter Dinge - bis wir begannen, die Texte zu lesen.
"Das singe ich nicht", sagte mein Sohn. "Die bringt uns um", ergänzte ich.
Dann stießen wir auf ein Lied auf die Melodie von der Vogelhochzeit. Das hätten wir schnell hinbekommen, stimmlich und instrumental. Aber textlich?
"Die Wäsche ist ihr großes Leid,
ein Hobby, das ihr wohl verbleibt. Fidirallala ."
Zu unserer Reaktion s.o. Weitere Beispiele können Interessierte leicht selbst recherchieren. Ein paar Klicks genügen tatsächlich. Es gibt auch betont religiöse Muttertagslieder, in denen Wert darauf gelegt wird, dass die Liebe von Mama ganz groß ist, aber die von Jesus Christus natürlich viel viel größer. Aber aufgegeben haben wir erst, als wir auf diesen Eröffnungsvers stießen:
"Liebes Mütterlein alt bist geworden, sehr sehr alt".
Das Lied ist dagegen gar nicht alt, eine ganz aktuelle Produktion. Sie findet sich übrigens auf einer
Seite zur Hornissenberatung - keine Ahnung warum. Ob auch die Insektenlobby an der Muttertagsverschwörung beteiligt ist? In diesem Fall würde mich nur beruhigen, dass eine alte Weisheit offenbar doch Recht hat: "... böse Menschen haben keine Lieder" - oder jedenfalls nur schlechte.
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Ob er für Mutti spielt und singt?
Leider war unser Projekt zu einem Muttertagsständchen damit gestorben. Wir beide können nämlich bisher nur "Knocking on Heavens Door" gemeinsam spielen, und das wäre wohl auch schlecht angekommen. Deshalb gibt es bei uns in diesem Jahr erstmals was ganz anderes zum Muttertag: Blumen.
Besser ist das :D
Mutter am 12.05.13 16:23
Immer noch dieses Nachkriegsmaerchen aktuell?Sorry-aber "Erfunden"wurde dies von einer US Buergerechtlerin~1865 und etabliert 1907 durch eine Methodistin in den USA.Nachdem England den mothering day übernommen hatte, verbreitete sich der Feiertag 1917 in der Schweiz, 1918 in Finnland und Norwegen, 1919 in Schweden, ab 1923 in Deutschland und 1924 in Österreich.
Also nix ist mit Nazis!Da verwechselt jemand wohl das"Mutterkreuz"mit dem"Muttertag".
robin am 15.05.13 8:56
Das ist ja großartig. Hab mich sehr amüsiert über den Artikel. Vielen Dank.
Birgit am 16.05.13 11:33
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Sonntag, 05.05.2013
Himmlische Verfassungsbeschwerde
"Mai kühl und nass ..." - "Ich weiß, Papa", sage ich und ergänze brav: "... füllt dem Bauern Scheune und Fass." Ich gebe dann aber zu bedenken, dass die Bevölkerung hierzulande nicht mehr zu 90 Prozent aus Bauern besteht. "Petrus scheint da hinter der Zeit herzuhinken. Heute ist freundliches Wetter auch ein Wirtschaftsfaktor."
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Der Schlüssel zum Wetter
Wir haben uns bei unserem Stammgriechen gerade von draußen nach drinnen gesetzt, weil ein Schauer niedergeht. Wie stets halt in diesen Tagen: nicht wirklich schön, nicht wirklich schlecht, unbeständig. "Vielleicht ist Petrus ja auch ganz up to date", meint mein Vater: "und er zögert noch mit dem Biergartenwetter, damit
das neue strenge Rauchverbot ordnungsgemäß getestet werden kann. Endlich unverqualmte Räume und alle sitzen draußen, das wäre ja auch nichts."
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Pilgern zu Maria, vertrauen auf Petrus
Ich halte dagegen: "Auch wenn Petrus den offiziellen Beginn der Freibadsaison nicht in seinem himmlischen Kalender stehen hat, dann doch sicher die
Wallfahrt nach Kevelaer, die pünktlich mit dem Marienmonat begonnen hat. Will er tausende frommer Pilger im Regen stehen lassen?"
"Ich weiß nicht, wie Petrus zur Marienverehrung steht", sagt mein Vater und setzt sein verschmitztes Religionslehrerlächeln auf: "Er kannte sie noch persönlich."
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Domizil für Ex-Petrus-Nachfolger
Mein Vater ist ein gläubiger Katholik, aber für ihn gehören Glaube und Humor zusammen. Das unterscheidet ihn von irrtümlich ins Rheinland versetzten Oberhirten. Und so diskutieren wir nun darüber, wie Petrus eigentlich zum Wettermacher geworden ist. Mein Vater weiß auch hier Bescheid: Petrus habe die Rolle des römischen Gottes Janus übernommen, der die Schlüssel des Himmels verwaltete und deshalb auch Wind und Wetter dort hinauslassen konnte.
"Da wundert mich nichts mehr", sage ich: "Janus ist der Namensgeber für Januar. Petrus hat also nicht gerade einen Wonnemonatsjob übernommen." Dann überlegen wir, ob man nicht mal eine himmlische Regierungsumbildung erbeten solle: Maria könnte doch als Himmelskönigin das Wetteramt übernehmen, mit ihrer Affinität zum Wonnemonat. Oder auch Benedikt, dessen Fest in den Juli fällt. Die Amtsübernahme könnte man mit einer Ehrung für den Altpapst Benedikt gut begründen. Und sollte es nicht ein Zeichen sein, dass der nun ausgerechnet in eine alte
Gärtnerwohnung im Vatikan gezogen ist?
"Oh nein", stöhne ich: "Von den Bauernregeln zum Gärtnerwetter, da kommen wir ja vom Regen in die Traufe!"
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Domizil für andere Ruheständler
Auch mein Vater bleibt skeptisch gegenüber einem himmlischen Ämtertausch. Schließlich seien die da oben alle Beamte auf Ewigkeit, gibt er zu bedenken. Und Beamte lassen sich nicht gern versetzen oder mit ungewohnten Aufgaben betrauen. Dass musste jetzt auch die Verwaltung des Bundes erfahren: Beamte des Verteidigungsministeriums, die bislang mit der inzwischen abgeschafften Wehrpflicht zu tun hatten, sollen
künftig die Kfz-Steuer eintreiben. Aber die mauern. Verständlich. Wer gibt schon gern einen sicheren Posten ab, auf dem er nichts zu tun hat? "Vielleicht ist das ja auch das Problem bei Petrus", sage ich: "Der lässt das Wetter einfach laufen, wie es läuft, und macht sich einen Lenz."
"Aber gerade mit dem Lenz hakt es leider", seufzt mein Vater und schaut auf die Tropfen an der Scheibe: "Es müsste ein himmlisches Verfassungsgericht geben. Dann könnte man da klagen. Und dann gäbe es für schönes Wetter wenigstens ein
Losverfahren."
Hallo, zwar besteht die Bevölkerung nicht mehr zu 90% aus Bauern, aber 100% der Bevölkerung hält sich mit dem am Leben, was Bauern ernten. Der Mensch lebt nicht vom IPhone allein. Daran sollte man mal denken, wenn man wieder über "schlechtes Wetter" schwadroniert und sich über einen "super Sommer" ein Loch in den Bauch freut, das sich aber nicht mehr stopfen lässt, weil die Ernte auf den Feldern verdorrt.
Herbert Kaiser am 5.05.13 17:18
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Sonntag, 28.04.2013
Wir retten die Alpen
"Nicht schon wieder in die Berge!", stöhnt mein Jüngster bei der schönsten Familienbeschäftigung überhaupt: der Sommerurlaubsplanung. Aber er ist kein Wanderbub und kann deshalb nicht verstehen, dass sein Vater schon wieder nach Österreich will. Als ich zur Abwechslung die Schweiz vorschlage, durchschaut er die Finte sofort - das sind die Schattenseiten des Erdkundeunterrichts.
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Heimat Zillertal
Ich bin, was die Alpen angeht, wohl tatsächlich etwas übermotiviert. Zu unserer Familientradition gehört die Geschichte von meinem Urgroßvater, der wegen der bitteren Armut dort seinen Bauernhof im Zillertal verließ und bis nach Köln wanderte. Als Kind fuhr ich mit der Familie fast jeden Sommer auf einen Bergbauernhof ins Salzburger Land. Kein Wunder, dass ich seit meinem 18. Lebensjahr Mitglied des Alpenvereins bin. Ich habe das stets als einen Beitrag zur Erhaltung der Natur gesehen, die wir Fremde dort so gern "benutzen". Dafür sollte man sich auch engagieren.
Eigentlich, erkläre ich meinem Sohn, sind die Alpenländer recht arm: kaum Industrie, kaum Bodenschätze. Allerdings würden Fabriken und Bergbau eben jene Landschaft zerstören, die ihr wichtigstes Kapital darstellt. Wenn die Schweiz und Österreich ökonomisch gut dastehen, dann liegt das an ihrer Kreativität im Umgang mit diesem Kapital. Sie vermieten ihre Berge, aber sie verramschen sie nicht.
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Alpenretter Hoeneß
"Wie - vermieten?", fragt mein Sohn.
"Na, an die Urlauber eben", erkläre ich. Ich zeige ihm die Schweiz auf der Karte: Ein Land ohne Seezugang, umgeben von großen Nachbarn. Und doch ist die Schweiz reicher als sie alle. Wie macht sie das? Sie lässt Touristen rein. Und gern das Geld von Ausländern. Aber wenn zu viele Ausländer einwandern wollen, dreht sie schnell das
Ventil zu. So werden die wundervollen einsamen Alpentäler nicht zersiedelt.
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Du, glückliches Österreich, säge!
"Aber Österreich ist in der EU, die können sich nicht so abschotten", sagt mein Sohn - und ich lobe seinen Politikunterricht. "Stimmt", sage ich: "Deshalb musste der
Hoeneß auch sein Geld bis in die Schweiz bringen, obwohl Österreich von München aus näher liegt." Dann erzähle ich, wie kreativ auch die Österreicher ihre Ressourcen schonen: ihren Wald etwa. Wenn der Bergwald verschwindet, sind die Hänge ganz schnell von Erosion bedroht. Deshalb hat die österreichische Holzindustrie nach dem Orkan Kyrill zugesagt,
alle umgefallenen Bäume aus NRW aufzukaufen. Und weil der Jürgen Rüttgers wohl dachte, die Österreicher würden so
lasch arbeiten wie die Rumänen, hat er ihnen gleich viele stehen gebliebenen Bäume auch noch versprochen. Und so retten wir jetzt die Alpen mit den Fichten aus dem Sauerland.
"Das ist aber nicht fair", findet mein Sohn. Doch solche nationalistischen Töne lasse ich nicht durchgehen. "Blödheit gehört eben bestraft", sage ich: "Und du siehst, dass es eine ausgleichende Gerechtigkeit gibt. Denk an deinen armen Ururgroßvater!"
Sonntag, 21.04.2013
Licht aus!
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Kein Spießbürger
"Mach' bitte das Licht aus!" gehört zu jenen Spießersätzen, an deren Einsatz Eltern nicht vorbei kommen. Naturschutz und Energiesparen gehören nun mal zur Erziehung - man möchte ja später nicht feststellen müssen, ein
Umweltferkel wie Rezzo Schlauch großgezogen zu haben. Also erwarte ich auch von meinen Großen, dass sie das Licht im Zimmer ausschalten, bevor sie dies kurz vor Mitternacht verlassen, um zum Wochenend-Partymachen aufzubrechen.
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Bad Berleburgs Bürger sind keine Nachtschwärmer
Das ist nämlich ein Unterschied zwischen Köln und
Bad Berleburg: In der rheinischen Großstadt ziehen junge Menschen erst los, wenn in der sauerländischen Kleinstadt die Lichter ausgehen. Und zwar alle. Um zu sparen, schaltet die Stadt nachts die Straßenbeleuchtung aus. Um diese Zeit seien sowieso nur noch "Ausnahmen" draußen unterwegs, sagte ein Kommunalpolitiker. In Köln dagegen (und in Düsseldorf wird es wohl ähnlich sein!) bleiben um diese Zeit am Wochenende nur die alternden Eltern zu Hause, geistern durch die Wohnung und schalten die Lichter in den Kinderzimmern aus.
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Bad Berleburger Neubürger
Sparen durch Lichtausschalten scheint ein westfälisches Konzept zu sein: Lemgo hat damit begonnen, Hattingen lässt zumindest sein Gewerbegebiet unbeleuchtet. Aber Witze über ein drohendes neues Dunkeldeutschland werde ich mir als Rheinländer verkneifen. Wer weiß, vielleicht sind die Westfalen am Ende die ausgeschlafeneren Leute, weil sie nicht ständig unter
Lichtverschmutzung leiden. Ein bisschen Sorgen mache ich mir allerdings schon um die Bad Berleburger "Ausnahmen". Mein Kollege
Stephan Josef hat mir kürzlich erzählt, dass nahe der Stadt Wisente ausgewildert wurden. Die sollen zwar harmlos sein. Aber wenn's in der Stadt so dunkel ist wie im Wald, mögen die Tiere schon mal vom Weg abkommen. Ich wollte mich ungern nachts durch eine Fachwerkgasse tasten und plötzlich statt an den nächsten überflüssig gewordenen Laternenpfahl in ein zotteliges Fell greifen.
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Der letzte macht das Licht aus
Lichtausschalten ist ein Symbol für schlimme Zeiten. Meinen Vater erinnert es noch an die Verdunkelung im Krieg. Aber auch für Jüngere bedeutet es Niedergang, ja Untergang, wenn irgendwo die Lichter ausgehen. Die
Opelaner wissen, was ich meine. Mittlerweile gibt es sogar schon
Banker, die sich untereinander fragen, wer von ihnen wohl der Letzte sein wird, der bekanntlich das Licht ausmachen muss. Wer weiß - vielleicht wird es bald heißen: Bad Berleburg ist überall. Wenn die uns regierenden Bremser mit ihren Energiepreis- und Schuldenbremsen scheitern sollten, sitzen wir bald alle bei Kerzenschein in unseren kalten Wohnungen und schauen in die dunkle Nacht hinaus, in der die weidenden Wisente still um die Häuserblöcke ziehen.
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Licht der Zukunft
"Das könnte Dir so passen", witzelt meine Tochter: "Du mit Deinem Lichtauswahn."
"Na, und Euer Partywahn wäre dann auch zu Ende."
"Von wegen. Junge Leute haben doch alle Smartphones mit Taschenlampen-App."
"Ha, und wie schnell ist deren Akku leer?"
Da kommt mein Jüngster in den Raum und leuchtet uns ins Gesicht. Unser Gespräch hat ihn dazu angeregt, seine Öko-Taschenlampe für Jugendherbergsaufenthalte herauszukramen. Sie hat einen Dynamo, den man mit einer Kurbel betätigt.
"Das hat Zukunft", sage ich: "Du brauchst keine Steckdose. Die Bewegung hält dich warm. Und bei Spaziergängen vertreibt das Kurbelgeräusch sicher auch die Wisente."
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