Sonntag, 13.05.2012
Geisterfallen
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Ein Ort für Geister
Ich lese gerade ein Buch darüber, wie unterschiedliche Kulturen die Welt erleben. Das kleine Völkchen der Chewong im Urwald Malaysias etwa fühlt sich mit den Lebewesen seiner Umgebung im gemeinsamen Wettstreit um Nahrung. Dabei sind eigentlich alle gleich, sie sehen sich nur unterschiedlich. Die Elefanten etwa sehen einander als Menschen - nur wir Menschen sehen sie als Elefanten. Auch Geister sind im Wald auf der Jagd. Das Dumme ist nur, dass Menschen sie gar nicht sehen können. Das liegt daran, dass die Augen der Menschen warm sind, die der Geister jedoch kalt. Wenn man auf der Pirsch in eine von den Geistern aufgestellte Falle gerät, bemerkt man das kaum. Meist kommt man auch wieder heraus, aber danach spürt man die Schmerzen oder fühlt sich wie zerschlagen.
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Menschen oder Elefanten?
Mir haben die Chewong ganz schön zu denken gegeben. Allein die Sache mit der gegenseitigen Wahrnehmung. Das konnte man jetzt im Wahlkampf hübsch beobachten: Wie sich bestimmte Spitzenkandidaten für tolle Hechte oder für Weltverbesserer halten, in den Augen ihres Gegenübers jedoch Ignoranten und Dilettanten sind. Dennoch sehen diese Politiker sich untereinander als normale Menschen, während wir Bürger sie als Elefanten wahrnehmen, die in ihren
Elefantenrunden eine merkwürdige unverständliche Sprache sprechen. Einige von ihnen haben noch nicht dieses Elefantenhafte, aber die halten sich selbst für Piraten, obwohl sie in meinen Augen so harmlos aussehen wie mein Schreibwarenhändler um die Ecke.
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Ein Ort für Geißböcke
Und dann die Geisterfallen. Ich habe schon immer geahnt, dass etwas nicht stimmen kann: Ich gehe morgens ins Büro, telefoniere herum, schreibe, rede, sitze in Sitzungen und in der Kantine. Danach gehe ich noch etwas einkaufen - und abends fühle ich mich müde, wie zerschlagen und der Rücken schmerzt. Das kann doch nicht an dem bisschen Arbeit liegen. Wahrscheinlich bin ich ein besonderer Trottel, der ständig in Geisterfallen tappt. Dabei meide ich schon seit längerem besonders gefährliche Gebiete. Ich gehe nicht mehr im Park um das nahe Geißbockheim - dem Trainingsgelände des
1. FC Köln - spazieren, wo es von solchen Fallen wimmeln muss. Ich meide auch den Platz rund um
Oper und Schauspielhaus, der zurzeit von allen guten Geistern verlassen scheint. Aber auf die örtlichen Verkehrsbetriebe bin ich leider angewiesen, und die fahren regelmäßig sogar im U-Bahntunnel in Geisterfallen, aus denen sie sich oft lange Zeit nicht befreien können. Ich habe deshalb immer mehr den Verdacht, dass es sich bei meiner Heimat eigentlich um eine Geisterstadt handelt.
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Ein Ort für Willys Geist
Da beruhigt mich nur, dass es in anderen Städten noch schlimmer zugeht. In Berlin haben sie einen
Flughafen gebaut, der sich als eine einzige Geisterfalle entpuppt. Und in diesem Fall behaupte ich, den Geist sogar zu kennen: Es ist Willy Brandt, der unfreiwillige Namensgeber des Großprojekts. Der hat nun einen Weg gefunden, Platzek und Wowereit stellvertretend für die Verhunzung der SPD durch seine Enkel zu strafen. Ich bin gespannt, wie sie aus diesem Desaster wieder herausfinden. Meine Empfehlung: Einen Geisterbeschwörer der Chewong einfliegen!
Sonntag, 06.05.2012
Sie haben Post
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Aus der Mode gekommen
Elke wirkte richtig geknickt, als ich sie dieser Tage im Café traf. Alle ihre Freunde waren über das lange 1.-Mai-Wochenende verreist. Aber gehört hatte sie von niemandem. "Früher hat man Ansichtskarten verschickt. Ein schönes kleines Zeichen, an jemand zu denken. Heute posten die Leute auf Facebook: Guck mal, da war ich. Und das heißt dann, an seine Freunde denken. Aber man kann nicht an 156 Freunde denken. Das geht nur einzeln."
Ich versuchte es mit dem Einwand, dass die paar freien Tage ein wenig kurz gewesen seien fürs Kartenschreiben. Es war ein schuldbewusster Einwand. Denn auch ich war verreist, hatte ein paar Tage an der Mosel verbracht, keine Karten geschrieben, allerdings auch keine Facebookeinträge, und hatte es genossen, an nichts und niemandem zu denken. Und jetzt war ich mit schuld an Elkes zurückgelassener Einsamkeit. Sie aber wollte eigentlich auf Grundsätzliches hinaus: Es sei überhaupt eine Schande, wie die Schriftkultur verschwinde. "Wer schreibt denn noch Briefe, ein Tagebuch, von Gedichten mal ganz zu schweigen?"
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Diskutieren sie schon, oder schreiben sie noch?
Um mit Gedichten aufzufallen, muss man heute sehr alt sein und früher ordentlich die Blechtrommel geschlagen haben, gab ich zu. Aber ansonsten sehe ich die Schriftkultur keineswegs bedroht. Man schreibt eben nur anders. Jugendliche schreiben keine Zettelchen mehr als Liebenserklärung, sondern SMS. Die können durchaus poetisch sein. Karrieristen schreiben ganze
Doktorarbeiten ab. Und wenn sie dann
ertappt werden, gehen sie in sich, und schreiben neu. Und die ganze Netzwelt bloggt sich einen Wolf. Die Piraten, die aus dieser Szene kommen, schreiben alle
gemeinsam per Etherpads an ihrem Parteiprogramm, und wenn man sie nach ihrer politischen Position fragt, heißt es meist: Wir schreiben noch dran. Ich glaube nicht, dass die Schreibkultur stirbt. Sie wird nur demokratisiert.
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Erst recht aus der Mode gekommen
Für Elke waren das Floskeln. Und sie beharrte auf ihrem stärksten Argument: "Heute versteht keiner mehr einen Briefroman, weil wir gar nicht mehr wissen, was Briefe sind." Es sei ja auch Frühling, gab ich zu bedenke, und selbst der alte Rilke wusste, dass nur der Herbst eine gute Zeit ist, um lange Briefe zu schreiben, wenn sich das
auf "Blätter treiben" reimt. Aber Elke ging heute nicht auf Scherze ein. Sie schaute mir fest ins Gesicht und fragte: "Wann hast du den letzten richtigen Brief bekommen?" Meine Gedanken schweiften ab, zu der Kiste aus meiner Studentenzeit, in der ich lange Freundesbriefe gesammelt habe, und eine vergleichbare Kiste aus jüngerer Zeit gibt es tatsächlich nicht.
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Post von Brüderle
Aber dann entgegnete ich ungerührt: "Vor ein paar Tagen erst."
Elke war erstaunt: "Und wer hat dir geschrieben?"
"
Rainer Brüderle, aus Berlin. Mehrere Seiten."
Elke war sprachlos. Aber nur für wenige Augenblicke. Dann hatte ich sie doch endlich zum Lächeln gebracht. "Und was lernen wir daraus?", fragte sie und antwortete selbst: "Briefe werden nur noch geschrieben, wenn man das Porto nicht selbst bezahlen muss."
Sonntag, 29.04.2012
(Un-)Ruhe auf dem Klo
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Laut
Arbeiten im Großraumbüro ist anstrengend. Irgendjemand redet immer, und das meist zu laut. Telefone bimmeln, Tastaturen klackern, Handys piepsen, Drucker quietschen. Wenn ich mal einen Moment der Ruhe und Sammlung brauche, gehe ich aufs Klo. Zumindest die Herrentoilette hat die Bezeichnung "stilles Örtchen" verdient. Hier herrscht in der Regel konzentrierte Stille. Der Kollege am Urinal neben mir nickt mir stumm zu oder murmelt einen Gruß, schweigend verrichtet jeder sein Geschäft, schweigend stehen wir nachher im Waschraum nebeneinander und waschen unsere Hände. Erleichtert und gestärkt zugleich gehe ich zurück an die Arbeit.
Rückzugsort war das WC schon zu meiner Schulzeit. Während kniffliger Klausuren konnte ich hier eine Denkpause einlegen oder die binomischen Formeln nachlesen, die auf einem Zettel standen, den ich kunstvoll gefaltet und in meiner Unterhose versteckt hatte. Und ich konnte erste praktische Erfahrungen mit abstrakter Malerei sammeln. Im Museum hing der Zettel daneben: "Ohne Titel, Filzschreiber auf Resopal". Auf dem Klo konnte ich auch dem eigenen Erleben philosophische Tiefenschärfe verleihen und diese dann auf der Klowand gleich schriftlich festhalten. Oder schnell mal eine Zigarette rauchen.
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Still
Diese Zeiten sind glücklicherweise vorbei. Ich rauche nicht mehr, und auf den Klos, die ich nutze, raucht auch kein anderer. Wandmalereien und Sprüche sind auf öffentlichen Toiletten seltener geworden, ebenso ein Urinstein, der die Nase penetranter attackiert als der Geruch, den er vertreiben sollte. Manches Schulklo ist inzwischen zwar kostenpflichtig, dafür aber adrett und sauber. Die Idee dazu ist den Schulleitern wahrscheinlich bei der Fahrt in den Urlaub gekommen, in der Autobahnraststätte. Dort gibt es inzwischen sogar Urinale, die kein Wasser zum Nachspülen benötigen. Das macht das stille Örtchen noch stiller, von der dezenten Hintergrundmusik abgesehen.
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Provozierend
Bei uns vor der Kantine gibt es auf der Herren-Toilette noch Urinale mit Wasserspülung, und ab und zu auch mal eine gemurmelte Unterhaltung. Richtig laut allerdings wurde es kürzlich, als Doktor Gregor rechts neben mir stand und begeistert von der
Jahreshauptversammlung seines geliebten 1. FC Köln erzählte. "Mit der neuen Vereinsführung wird alles besser", behauptete er. "Und unser Trainer Schaefer - das ist ein echter Hoffnungsträger!" "Genau wie
Christian Lindner für die FDP", entgegnete ich mit ironischem Unterton. "Euer FC - das ist doch quasi die FDP der Bundesliga!" Nun schaltete sich der Unbekannte zu meiner Linken in die Diskussion ein. "Den FC Köln mit der FDP zu vergleichen - das verbitte ich mir als FC-Fan!", machte er seine Position deutlich. Schließlich ertönte noch eine Bass-Stimme aus einer der Toilettenkabinen: "Und ich verbitte mir, dass die FDP mit dem FC Köln verglichen wird!" Ich könnte schwören, dass es die Stimme meines gut verdienenden Chefs war.
Sonntag, 22.04.2012
Ziemlich wichtig: Freunde
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Haben Spaß
Als wir aus dem Kino kamen, hatte Sabine glänzende Augen. "Ein wirklich schöner Film. Eine Hymne auf die Freundschaft und das Leben!", sprudelte es aus ihr heraus. Wir hatten gerade
"Ziemlich beste Freunde" gesehen. Der Film erzählt die Geschichte eines sehr reichen, weißen Mannes, der arm dran ist, weil er gelähmt im Rollstuhl sitzt. Und er erzählt die Geschichte eines sehr armen, farbigen Mannes, der reich ist an Spontanität und Lebenslust - trotz seiner Herkunft aus einer heruntergekommenen Vorstadt von Paris. Der Farbige wird Pfleger des Weißen, und die beiden werden Freunde, profitieren wechselseitig voneinander. "Die interessante Frage ist, welcher Art die Freundschaft der beiden ist", sagte ich zu Sabine. "Ist es, aristotelisch gedacht, eher eine Nutzen-, Lust- oder doch eine
Tugendfreundschaft?" Sabine guckte mich genervt an und ließ mich kurz darauf stehen. Ihre Begründung: Sie müsse sich noch um Hannah kümmern, eine gute Freundin, deren intellektueller Freund sie mit einer Frisöse betrogen habe.
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Hilft beim Denken
"Was Sabine und Hannah verbindet, nennt man wohl Tugendfreundschaft", dachte ich, was mir aber aktuell nicht gefiel, weil ich nun allein auf der Straße stand. Kurz entschlossen ging ich noch auf einen Cappuccino zu meinem Lieblingsitaliener. Mario begrüßte mich wie immer überschwänglich. "Hallo, mein Freund, alles paletti?", fragte er. Mario ist der einzige Italiener, den ich kenne, der wirklich "paletti" sagt. Ich nickte bloß kurz, bestellte den Cappuccino und verschanzte mich hinter einer Zeitung. Bald darauf bringt Mario das Getränk, lächelnd. "Wahrscheinlich das reinste Nutzenfreundschafts-Getue", ging es mir durch den Kopf, während ich schmallippig zurücklächelte - noch immer Aristoteles im Kopf.
Versonnen erinnerte ich mich an Rainer. Mit Rainer teilte ich Schaufel und Schokolade, die Schaufel im Sandkasten, die Schokolade beim Fernsehgucken. Rainer war mein bester Freund, auf ihn konnte ich mich stets verlassen. Ein starker Typ, auch körperlich. Das bekam ich ein einziges Mal selbst zu spüren. Wir hatten Fußball gespielt, er hatte mich gefoult, ich war wutentbrannt auf ihn losgegangen. Er nahm mich in den Schwitzkasten, bis ich schwor, ihn nicht weiter zu attackieren. Er versprach mir im Gegenzug einen Freistoß. Den versenkte ich im Tor, mit einem strammen Schuss. Allerdings hat Rainer als Torwart auch nicht alles gegeben, den Ball abzuwehren. Wahrscheinlich aus Mitleid.
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Wissen, wo es langgeht
Rainer habe ich längst aus den Augen verloren, in meinem Leben ersetzt durch mehrere ziemlich beste Freunde und ganz viele auf Facebook. Parteifreunde habe ich keine, weil ich keiner Partei angehöre.
Jagdfreunde auch nicht, weil ich kein Jäger bin. Darüber bin ich nicht traurig, denn beide können sich schnell als falsche Freunde herausstellen - wenn man ihnen vor die Flinte gerät. Gespannt bin ich, wie sich die neue Freundschaft zwischen
Christian Lindner und
Wolfgang Clement entwickelt. Lindner saß in Düsseldorf als Liberaler in der Opposition, als Clement noch Genosse und Ministerpräsident in NRW war. Inzwischen ist Lindner Spitzenkandidat der FDP für die kommende Landtagswahl und Clement kein Genosse mehr, dafür aber Aufsichtsratsmitglied bei RWE Power. Am 1. Mai wollen sie ein
gemeinsames Papier zur Energie- und Industriepolitik vorstellen. In der Essener RWE-Zentrale. Bei Freunden. Oder Amigos?
Ein guter Freund bezahlt die Kaution und holt dich aus dem Knast.
Dein bester Freund sitzt mit dir ein und sagt: "Scheisse! Aber Spass gemacht hat`s trotzdem!"
Hans Westmar am 23.04.12 0:32
ECHTE Freunde - extrem selten, extrem wertvoll.
Tom am 23.04.12 10:15
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Sonntag, 15.04.2012
Der Prinzen-Konfigurator
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Einfach Kaffee war gestern
Der Trend zur Individualisierung hält im modernen Leben ungebrochen an. In manchen Bereichen finde ich das recht anstrengend, im Café etwa, wenn ich mich zwischen Latte Macchiato, Macchiato upgrade, flavoured oder double flavoured entscheiden muss. Ganz toll dagegen finde ich die nahezu unendlichen Individualisierungsmöglichkeiten im Netz. Fast alles kann ich mir passgenau zusammenstellen. Sogar ein
Mettwurstkonfigurator wird inzwischen angeboten, wo ich mir je nach Geschmack Chili oder Schokolade ins Mett mixen lassen kann.
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Gutaussehende Piratin
Nur die Politik, bei der es nun wirklich um die Wurst geht, hinkt auch hier hoffnungslos hinterher. Zwanzig Parteien treten in NRW zur Wahl an, aber ich kann sie immer nur ganz oder gar nicht wählen. Nicht mal das aus Bayern oder Hamburg bekannte Kumulieren und Panaschieren traut man uns hierzulande zu. Zwanzig Katzen im Sack, zwanzig Wundertüten, zwanzigmal ist das Leben wie eine Pralinenschachtel: Man weiß nie, was man bekommt. Ich hätte gern ein Wahlrecht wie den Mettwurstgenerator: Dann würde ich durchaus Frau Kraft als Landesmutter wählen, die macht da eine gute Figur. Aber natürlich einen grünen Umweltminister, das ist deren Stärke. Und die CDU für die Kultur, damit das Abendland nicht untergeht, und Herrn Lindner als Wirtschaftsminister, weil der die Sprache der Jungunternehmer spricht. Und als Regierungssprecherin eine Piratin, aber da hätte ich gern diese hübsche Marina Weisband, die sieht man doch lieber im Fernsehen als Herrn Groschek oder Herrn Laumann. Man ist ja schließlich auch Ästhet.
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Kleiner-Prinzen-Wahlkampf
"Du bist kein Ästhet, sondern ein Chauvi", sagt meine Freundin Elke, mit der ich mich im Cafe zu einem Chai Latte con Minze getroffen habe. Einen Mettwurstkonfigurator findet sie als Vegetarierin natürlich ekelhaft. Aber ihr
Müsli mischt sie sich tatsächlich im Internet. Meine Idee mit dem Wahl-Konfigurator findet sie jedoch "typisch postmodern-beliebig". Elke sehnt sich nach der Zeit, als es in der Politik noch um echte Alternativen ging: "Freiheit oder Sozialismus" oder "Stoppt Strauß", wobei man den mit zwei Runen-S schrieb. Im jetzigen Wahlkampf steht dagegen "Politik aus den Augen unserer Kinder" gegen "NRW im Herzen". Ich muss lachen, denn mir fällt die Weisheit des
Kleinen Prinzen ein, die hier eindeutig zugunsten der SPD ausschlägt: "Man sieht nur mit dem Herzen gut, das Wesentliche ist für die Augen unsichtbar."
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Nur ein Karnevalsverein?
"Ein wirklich schönes Buch", unterbricht mich Elke: "Aber hast Du gesehen, was für einen Fantasy-Quatsch sie daraus jetzt im Trickfilm gemacht haben?"
Dafür nenne ich sie Kulturpessimistin, um endlich den Chauvi zu kontern. Mein Jüngster jedenfalls findet die Kleine-Prinz-Serie ganz zauberhaft. Und mir kommt in diesem Moment die Idee, eine "Partei des Kleinen Prinzen" zu gründen. Ein bisschen Feudalismus kommt schließlich immer noch gut an, wie man bei von und zu Guttenberg gesehen hat. Der Slogan hieße "Politik mit der Kraft der Fantasie". Ins Netz würde ich einen "Prinzen-Generator" stellen, mit dem die Wähler ihr individuelles Wahlprogramm zusammenstellen können. "Und euer Spitzenkandidat wäre Prinz Poldi", lacht Elke. Daraufhin verlasse ich sofort das Café. Dummen
FC-Spott muss ich mir nicht mehr anhören, wirklich nicht, Mann Mann ...
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