Kunst hat viele Gesichter. Und manche davon haben Baerte. Sehr, sehr lange Baerte. Die dazu benutzt werden, die Kunst zu produzieren. Spreche ich in Raetseln? Entschuldigung - ich bin bloss ganz verbluefft von einem Mann, der die Spitze seines
1,5 Meter langen Bartes dazu benutzt, Bilder zu malen, die er dann in thailaendischen Cafes verkauft. Nicht nur, dass er mit seinem Gesichtsgestruepp
voll im Trend liegt, er schafft es tatsaechlich, aus verknoteten Haarbuescheln und einem mediokren Talent fuer Bildchenmalen noch Kapital zu schlagen.
Und zum Glueck gibt es auch im Sektor genug Menschen, denen an alternativer Kunst liegt, sodass sich die Kinn-Dreadlock prima zum VHS-Kurs vermarkten laesst, in dem Interessierte Marcos Pinsel schwingen duerfen, um ihre eigenen Kunstwerke damit zu fabrizieren. Sowas ergibt ein super Dinnerparty-Gespraech:
"Du, wo hast du denn dieses tolle Bild gekauft, das im Flur haengt? Das ist ja geradezu von kandinskyscher Anmutung. Diese Pinselfuehrung! Grossartig."
"Du, das hab‘ ich selbst gemalt, mit dem anderthalb Meter langen Bart eines in Thailand residierenden Aussteigers. Ulkig, nicht?"
"Fabelhaft, du. Noch Chianti?"
Also obacht: Falls ihr, wie Marco der Gesichtshaarpinselmann frueher, in der Medienbranche arbeitet, kann es sein, dass ihr mit Anfang Vierzig so ausgebrannt seid, dass ihr das Beduerfnis verspuert, fortan in Hoehlen zu hausen und eure Koerperbehaarung dem Spiel der Natur zu ueberlassen. Und dann seid ihr besser so gerissen, daraus eine schmissige Geschaeftsidee zu machen, wenn ihr nicht jeden Tag Algen essen wollt. Alternativ zu Bartpinselbildern schlage ich biologisch abbaubare Zahnbuersten mit menschlichen Beinhaarborsten oder Perlenvorhaenge mit zwei Meter langen Echthaarstraengen vor. Seid kreativ! Versucht nur nicht,
Kaese aus Muttermilch zu machen, das gibt es schon.
Auf der feurigen Suedhalbkugel geht man wie immer einen Schritt weiter in Punkto Kunst mit Koerpereinsatz: Ausser den
"Puppetry of the Penis"-Jungs, die vor zahlendem Publikum mit ihren besten Stuecken Origami spielen, gibt es da noch "Pricasso". Pricasso ist ein Australier, der Bilder mit seinem Pimmel malt (zeichnet sich da etwa eine Ozeanische Penisfixierung ab?) - und manchmal mit seinem Hintern, wenn es grosse Flaechen auszufuellen gilt (man will das Stueck ja nicht ueberfordern). Wie genau er das macht, in welchem Zustand das Instrument sein muss, um als Pinsel zu dienen (weich? hart?), oder ob der weichteilnahe Umgang mit Farbe gesundheitliche Folgen haben kann, ist ungewiss; wie Picassos sehen seine Portraits jedenfalls nicht aus, eher nach Malen-nach-Zahlen-Bildern von Ikea.
Auch die Crew von Air New Zealand hat sich was ganz Gewagtes ausgedacht, um die Aufmerksamkeit des Publikums auf sich zu lenken: Seit ein paar Wochen demonstrieren die Stewards und -essen die allseits geschmaehten Sicherheitsinstruktionen per Video nackig, mit nix an ausser Bodypaint im Uniformstil. Oh my god! Nackige Stewardessen! Ich kenne mindestens ein Dutzend Maenner, fuer die das ein Traum auf Erden waere. Alle, die sich von der, aehm, kuenstlerischen Message des Videos ueberzeugen wollen, koennen das
hier tun. Schoenes Bodypainting, wirklich.
Na ja, und manchmal hat Kunst das Gesicht eines bekifften 19-Jaehrigen, der "under the influence" mit einer Paintball-Pistole durch New Plymouth faehrt und wie wild mit gelber Farbe um sich schiesst in dem Versuch,
"die Stadt gelb zu malen". Ich bin mir nicht sicher, welche Botschaft dahinter steckt - aber ich nehme an, das meinen die Leute mit Kuenstlerischer Freiheit.
von Louisa von Reumont um 10:08
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*lach* nein, das ist wohl eher Sachbeschädigung und verunreinigung von öffentlichem und privatem Eigentum?! So so, nackige Steward's als Männer-Traum *fett grins*, das kann sich dann ja nur um Köllsche-Jungs handeln, die Du da kennst!? ;-)
Hmmm.. Beinhaarzahnbürsten, Muttermilchkäse oder Pimmel-Picasso-Bilder finde ich ja schon ziemlich pervers, ob das Kunst ist, *hmmm* da bin ich mir nicht so sicher!?
Also für mich ist Kunst ja z.B., wenn ich am Wochenende in der Stadt von einer Gruppe besoffener Typen dumm angemacht werde und ich die daraufhin dann so richtig auslache! Das ist Kunst! Kampfkunst!!! Alles andere ist doch nur Hobby oder Spielerei! ;-)
LG.. Patrick
PS: Vielleicht ist Kunst aber auch nur die Art, wie ein intelligenter Mensch, einem dummen Menschen irgend etwas schwachsinniges verkauft, was der eigentlich ja gar nicht gebrauchen kann?!?
MadMatt am 11.03.10 13:07
Moeglich, obwohl: Dann waeren Verkaeufer ja auch Kuenstler, die draengen einem auch staendig Sachen auf, die man eigentlich nicht braucht (wenn sie ihren Job gut machen).
Louisa am 12.03.10 2:07
Yeap, das sind die und zwar sehr gute! Siehe z.B. Picasso & Co, das sind wohl sehr schlechte Künstler gewesen, *lach* die haben zu Lebzeiten nämlich fast nix von ihrer Kunst verkauft bekommen! Mein Onkel aus Bregenz (Kurt Matt) ist auch Künstler von Beruf und da das selbe Spiel, wenn mein Dad nicht sein größter Fan und Sammler wäre, könnte er mit seiner Kunst noch nicht einmal die Miete bezahlen, geschweige denn davon leben (er zählt aber zu den Top Künstlern von Österreich)! Oder Du z.B., Du bist doch auch Künstlerin, oder ist es keine Kunst, hunderte Menschen täglich dazu zu bringen, Deinen Blog aus Neuseeland zu lesen?! Und laß mich raten, Du kannst auch nicht davon leben!? Also mein Fazit ist, die Kunst ist ziemlich brotlos, es sei denn du bist Verkäufer und zu verkaufen ist deine Kunst!!! ;-) Der Begriff Kunst im allgemeinen bezeichnet für mich einfach irgend etwas, was ein Mensch besser kann, wie irgend ein anderer! (cool diese Zeitverschiebung, jetzt kann ich Dir schon einige Stunden vorher zurück schreiben, bevor Du überhaupt geschrieben hast *grins*)
MadMatt am 12.03.10 11:39
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Zum SeitenanfangHallo, mein Name ist Louisa und ich bin suechtig.
Ich gebe es zu. Es macht mir auch gar nicht soviel aus, denn anscheinend sind Suechte trendy, noch trendiger als Phobien. Salma Hayek zum Beispiel ist angeblich
suechtig nach Stillen, David Duchovny nach
Internet-Pornos, und manche Leute in England nach
Sonnenstudio-Braeune. Meine Sucht ist entschieden unattraktiver als letztere, wenn auch besser fuer die Haut: Ich bin suechtig nach
Fernsehserien.
Zur Begriffsklaerung: Mit suechtig meine ich nicht "Diese Serie gucke ich gerne und finde es schade, wenn ich eine Folge verpasse". Ich meine "Ich kenne die Geheimnisse saemtlicher Charaktere und habe jede einzelne Folge gesehen, was daran liegt, dass ich toeten wuerde, um rechtzeitig vor dem Fehrnseher zu sitzen". Ich bin schon eilig aus Konzerten gerannt, weil ich vergessen hatte, dass Buffy laeuft; verbrachte drei volle Tage in meinem abgedunkelten Wohnzimmer, um alle Folgen von Lost auf DVD zu gucken; wies Annaeherungsversuche meines Freundes ab, weil ich Gossip Girl sehen musste. Sagte Verabredungen ab, ignorierte sonnige Tage, liess meine Wohnung verkommen, alles bloss, um meine Sucht zu stillen.
Im Laufe der Jahre reichten meine zwangahften Vorlieben dabei vom Hirnlosen (Verbotene Liebe, GZSZ, Melrose Place) ueber Teenager-Serien (
Dawson’s Creek, Buffy, The OC, Gossip Girl),Fantasy (Xena, Trueblood) und Frauen-Serien (Ally McBeal, Sex And The City)bis hin zu Lustigem (Californication, Outrageous Fortune) und Anspruchsvollerem (Six Feet Under, 24, Lost, Dexter). Und zwischendurch nahm ich alles an Sitcoms, Cartoons und Krimiserien mit, was ich kriegen konnte. Zeitweilig war ich also sehr sehr beschaeftigt und mein Kalender kaum mehr frei fuer soziale Interaktion, die ueber einen Besuch bei Edeka hinausreichte. So etwas macht einsam.
Uebrigens bin ich zur Zeit abstinent, wie jeder gute Suechtige. Das liegt zu 70 Prozent daran, dass ich keinen TV-Empfang habe und alle Serien in meiner lokalen Videothek schon gesehen habe, also gezwungenermassen auf dem Trockenen sitze - aber immerhin 30 Prozent kommen fuer gesunden Menschenverstand auf, denn ich weiss, dass der Genuss meiner Droge mich in einen unsozialen, unattraktiven und ungesunden Menschen mit einem Wortschatz von eins ("hmmm... ?") verwandelt, der 24 Stunden lang stumm vor der Glotze vegetiert, mit leeren Pizzaschachteln als einzigen Verbuendeten, und jeden menschlichen Kontakt verweigert. Das moechte ich niemandem zumuten, schon gar nicht meinem armen Freund, der im Universum der Popkultur ein unbemanntes Raumschiff ist, das verloren durchs All gleitet. Die einzige Serie, von der Jean je gehoert hat, ist Mash; wie koennte er auch nur Ansatzweise mein Leiden begreifen?
Obwohl: Vor Kurzem hatte ich einen klitzekleinen Rueckfall und zwang ihn, die gesamte zweite Staffel von
Friends mit mir zu gucken (Je ne regrette rien!), und mitten in der Folge, in der Phoebe einen Plattenvertrag fuer Smellycat landet, lacht er ploetzlich gutmuetig und sagt "Ach, Phoebs!". ich starrte ihn an. Ach, Phoebs? Ist er jetzt etwa schon auf du und du mit den Charakteren? Hat er etwa persoenliches Interesse an der Handlung entwickelt? Ist er auf dem besten Weg, ebenfalls suechtig zu werden? Habe ich seine Unschuld geraubt?
Die einzige Dosis an Serien, die ich mir derzeit gebe (abgesehen vom oben beschriebenen Rueckfall), sind die dreiminuetigen
Vorschau-Clips fuer Verbotene Liebe. Hier kann ich in Erinnerung schwelgen und 180 Sekunden lang mitfiebern, ohne Gefahr zu laufen, mein Hirn einzuschmelzen oder allzu viel meiner Zeit fuer Humbug zu vergeuden. Ich habe zwar keine Ahnung, worum es geht und kenne fast keinen der Darsteller mehr, aber es befriedigt dennoch den Serien-Junkie in mir. Eine gute Loesung, finde ich.
Gerade ist Jean nach Hause gekommen: Ob ich Lust haette, die dritte Staffel von Friends auszuleihen. Ich habe ein Monster geschaffen!
Wie sieht’s aus? Irgendwelche Suechte, die ihr ueberkommen wollt (oder auch nicht)? Bin ich allein mit meiner Seriensucht? Bei welchen Serien koennt ihr nicht abschalten? Und: Wird Lost jemals enden?
von Louisa von Reumont um 9:35
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Hallo Louisa,
so ging es mir bei "Eine schrecklich nette Familie". Ein Hoch auf Al Bundy. Da das aber schon seit Jahren nicht mehr läuft, bin ich clean.
Gruß aus dem Sektor,
Jörg
Jörg am 5.03.10 12:03
eine schrecklich nette familie laeuft immer noch auf kabel 1 ^^
elwray am 6.03.10 5:45
Hallo,
so ein kleiner Serienjunkie bin ich auch, auch wenn ich die Folgen und Charaktere nicht in und auswendig kenne.. Schaue bzw. habe liebend gern Friends, Scrubs, How I Met Your Mother, Heroes, Grey's Anatomy (ja, ich geb's zu...), Big Bang Theory usw. geschaut. Normalen Film DVDs und Kino können mich aber genauso fesseln.
Zuletzt bin ich nur nicht wirklich dazu gekommen etwas zu gucken und demnächst wird das auch nix, worüber ich aber nicht traurig bin - Freitag geht mein Flieger nach Auckland ;)
Viele Grüße,
Ingo
Ingo am 7.03.10 15:15
ich sehe niemals private fernsehsender, niemals! das ist gut, denn von "in aller freundschaft" oder "marienhof" oder so k a n n man nicht süchtig werden.
dann hat aber meine tochter ein paar monate bei mir gewohnt und mich auf die fährte von "gntm" gesetzt (germany`s..)
und ich war dabei...und zwar zwei staffeln lang. mittlerweile ist die neue staffel angelaufen und ich konnte sofort wieder abschalten; allerdings wohnt auch meine tochter nicht mehr bei mir.
also bin ich wieder völlig seriensucht-frei; wenn da nur nicht "in treatment" wäre....
gabryele börn am 7.03.10 20:13
*lach* Ja, "die anonymen Mediensüchtigen" würden bestimmt einige Therapie-Gruppen füllen! Also ich hätte jetzt gedacht Du bist schreibsüchtig, wenn ich Deine Blog-Einträge hier so lese!? ;-)
Weißt Du, es hilft ungemein, wenn man mehrere Süchte hat, dann kann man schnell auf etwas anderes zurück greifen, um seine tägliche Suchtdosis zu bekommen! Ich z.B. bin unter anderem Auto, Motorrad, Sport (Alg), Video, Musik, Computer, oder Lyric süchtig (und das sind nur die Süchte, die ich hier nennen kann *grins*)! Ist das Leben nicht eine einzige Sucht? Ich hab meiner Sucht sogar einen eigenen Namen gegeben, ich nenn meine Sucht MadMattMedia! Eigentlich bin ich ja Süchtiger und Dealer zugleich, denn ich mach Videos, Musik, Lyrix und beliefere somit ja quasi solche von bewegten Bildern und hüpfenden Tönen gefesselten willenlosen Medien-Opfer!!!
Also, wenn Du wieder auf Entzug bist, ich hab da was für Dich! So eine Art Methadon für Videojunckies! Aber pssst.. ;-)
www.mattpictures.net
by www.madmattmedia.com
LG.. MadMatt
PS: Und nicht alles auf einmal gucken! ;-)
MadMatt am 7.03.10 23:53
Hallo mein Name ist Klaus und auch ich
bin ein Serienjunkie....
*Popcorn und Cola hol, Lost in den
Player leg, neben Louisa auf die Couch
setz, TV einschalt...*
Farscape
Doctor Who
Torchwood
True Blood
Lost
ALIAS
Dexter
24
4400
Smallville
Stargate
Stargate - Atlantis
Roswell
Battlestar Galactica
Star Trek
Highlander
Andromeda
Deadwood
Gilmore Girls
Mutant X
Prison Break
King of Queens
Fringe
The Big Bang Theory
Buffy
Angel
Firefly
Nip/Tuck
Alphateam
Lindenstraße
Desperate Housewives
Akte X
Millennium
Six Feet Under
Outer Limits
EUReKA
Pushing Daisies
Dead Like Me
Sliders
Lost
To be continued..... :-) ;-)
Klaus am 9.03.10 14:02
hey, louisa, wohin sind die kommentare verschwunden; oder wurden die von den anonymen serienjunkies zensiert?
gabryele börn am 9.03.10 20:18
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Zum SeitenanfangVor ein paar Tagen traf ich mich mit meinem kleinen Bruder im Internet, zum Skypen. Nach einigem froehlichen Rumgewinke und Gegrinse in die Webcam sagte Juli: "Ey, zeig mir mal deine Wohnung". Also nahm ich meinen mit tausend Kabeln verkabelten Laptop in die Haende und schwenkte ihn im 360-Grad-Winkel herum. "Das ist mein Schreibtisch, hier ist der Balkon mit Meerblick, da ist Hund Zelda, dasisdaswohnzimmer, hier ist Jimmy die Katze, und wieder der Balkon. Mit Meerblick!" "Geh noch mal zurueck!" "Hm? Jimmy?" "Nein." "Zelda?" "Nein. Dein Wohnzimmer. Zeig mir noch mal das Wohnzimmer." "Ich geh nochmal auf den Balkon." "Louisa: Zeig! Mir! Dein! WOHNZIMMER!"
Ich schwenkte aufs Wohnzimmer. Nach ein paar betretenen Sekunden sagte Juli "Gemuetlich. Sehr 70ies!" Jetzt gibt es ja Wohnzimmer-Einrichtungen im Stil der 70ies, mit stylischen Futons und flauschigen weissen Teppichen und Lavalampen und so. Meine Wohnzimmer-Einrichtung ist nicht diese Art von Einrichtung. Sie stammt tatsaechlich aus den 70ies, genauer gesagt aus den Haushalten von Leuten, die in den 70ies schon alt waren und deren Habe nun im Internet versteigert wird, damit man sich den Trip zur Muellverbrennungsanlage sparen kann. Da waeren: brauner Teppich, eine braun-braun gestreifte, dreiteilige Sofagarnitur, ein Esstisch aus dunklem Holz, ein Fernsehtisch aus dunklem Holz, eine mit dunklem Holz umrahmte, kuenstliche Feuerstelle, die eigentlich die Heizung ist, und eine aus Wellblech und dunklem Holz bestehende Bar, auf der ein Goldfischglas und ein paar Flaschen mit Spirituosen stehen. Die Haelfte dieser Prunkstuecke innenarchitektonischer Finesse haben Jean und ich wie gesagt im Internet ersteigert, die andere Haelfte stammt aus unserem Ex-Ex-Haus, das von einer mittelalten, uebergewichtigen Floristin moebliert worden war. In den 70s.
Warum ich keine schoeneren Moebel kaufe, fragte Juli unglaeubig. Tja. Weil es hier keine schwedischen Moebelhaeuser gibt? Weil ich mein Geld lieber fuer Urlaube in Fiji ausgebe? Weil Hund, Katze, Goldfisch ohnehin alles annagen, ankratzen und anpinkeln (ja!), was ihnen im Weg ist? Ich weiss es selbst nicht genau. Vielleicht hat es damit zu tun, dass ich immer noch meinen alten Moebeln aus Deutschland hinterher trauere. In meiner Wohnung in Wuppertal bestand die Moeblierung aus einem perfekten Mix aus liebevoll auf Flohmaerkten gesammelten Einzelstuecken, ererbten Antiquitaeten und brandneu Gekauftem. Jedes einzelne Stueck war da, weil ich es da haben wollte. Dann wurde alles eingelagert, verschenkt oder verliehen, und ich flog ab nach Neuseeland.
Drei Jahre spaeter ist alles, was ich von damals noch habe, ein paar Fotos, ein Bild, ein Aschenbecher und meine Klamotten. Bis auf ein paar Kleinigkeiten, die bei meiner Mama auf mich warten, aber zu schwer fuer internationale Fluggepaeckbestimmungen sind, haben sich all meine Besitztuemer in alle Himmelsrichtungen (oder Schutt und Asche) verfluechtigt. Ein bisschen komme ich mir vor wie die Leute, die beim Zusammenbruch des Koelner Stadtarchivs vor einem Jahr ihre gesamte Habe verloren. Nicht, dass ich alles auf einen Schlag verloren haette. Aber mir fehlt mein altes Zeug trotzdem. Und der
Mann im Video hat Recht: Die Dinge, die man am meisten vermisst, sind nicht die teuersten, sondern die unersetzbaren: die kitschigen Emaille-Statuen von Oma Doris, der gruene Samtstuhl vom Sperrmuell, alte Briefe... alles futsch.
Alles? Nein! Ein kleines Stueck wiedergewonnenes Eigentum schickte mir Juli vor kurzem in Form einer rar-Datei, die mit den Inhalten der Festplatte meines alten Computers gefuellt war (vielleicht fuehlte er sich schuldig, weil er meinen Lieblingssessel und –tisch in einer grosszuegigen Geste an seine Exfreundin verschenkt hat). Tonnenweise als Teenager geknipste Selbstportraits, aus dem Internet kopierte Stills meiner damaligen Lieblingsfilme, schwuelstige selbstgeschriebene Geschichten und tagebuchartige emotionale Erguesse erbrochen sich auf meinen Laptop wie... Erbrochenes.
Und was lernen wir daraus: Es gibt Dinge, die es verdienen, mit der Vergangenheit begraben zu werden. Man muss ja auch loslassen koennen.
Meinen Lieblingssessel will ich trotzdem wiederhaben!
von Louisa von Reumont um 9:37
Permalink
Zum SeitenanfangWir alle haben es: das heruntergekommene, gemuetliche, voellig abgelatschte, perfekte Paar Sneakers, das wir auch nach etlichen Jahren noch mit Hingabe tragen. Meines ist weiss (na ja: grau) mit schwarzen Streifen, verfaerbten Schnuersenkeln und etlichen Loechern in der Sohle. Ich liebe diese Schuhe, weil sie alles mit mir gemacht haben: Festivals, Urlaube, Emigration,
30-Km-Wanderungen. Sie haben Fluesse, Sandstraende und staubige Strassen gesehen. Und tragen sich immer noch fantastisch (ausser im Regen).
Aber mal abgesehen von unseren
Lieblings-Sneakers, die in 90 Prozent der Faelle unsere Fuesse zieren, ist es eigentlich der Rest unserer Schuhe, der mehr ueber uns aussagt. Profis (also gut: ich) gehen davon aus, dass sich die verschiedenen Facetten der Persoenlichkeit eines Menschen aufs Schoenste anhand seiner Schuhsammlung ablesen lassen. Hat zum Beispiel ein Maedchen bloss zwei Paar Turnschuhe, ein Paar flache Stiefel und ansonsten zahlreiche ungetragen aussehende High-Heels, dann ist sie... na ja, ganz normal eben. Okay, bloedes Beispiel. Aber wenn man in einer Maenner-Garderobe (oder irgendeiner Garderobe, wenn ich so drueber nachdenke) ein paar Schlangenleder-Cowboy-Boots findet, kann man getrost davon ausgehen, dass sich der Traeger fuer
a) die Inkarnation einer Tarantino-Film-Figur oder
b) einen ultra interessanten Trendsetter haelt.
In beiden Faellen gilt es, ihn zu vermeiden. Die allseits geschmaehten Uggboots hingegen sind okay, finde ich, denn ja, sie sind Uggly, aber verdammt, es ist schweinekalt da draussen und ein bisschen Gemuetlichkeit im grimmen Winter darf ja wohl erlaubt sein.
Ich selber habe seit einer ehrlichen Ausmistung vor einiger Zeit nur noch Schuhe, die ich auch tatsaechlich trage (mehr oder weniger). Das tat zwar weh, und ich habe mich nur weinend von meinen silbernen Flechtsandalen á la Golden Girls getrennt, aber ehrlich, sie waeren bei mir nur vor sich hingegammelt (á la Golden Girls). Wenigstens ist jetzt genug Platz fuer neue Exemplare. Und die restlichen 26 Paare werden fuer das Noetigste schon irgendwie reichen.
Was die Schuh-basierte Persoenlichkeitsanalyse angeht: Folgende Exempel aus meiner Schuhsammlung koennen uns sicher helfen, besondere Charakereigenschaften der Traegerin naeher zu bestimmen, oder sagen zumindest etwas ueber ihren (fehlenden) Geschmack aus. Das Ganze ist selbstverstaendlich uebertragbar auf euer eigenes Schuhwerk.
Die Nuttenstiefel
"Im Internet sahen die ganz anders aus!" ist meine einzige Entschuldigung fuer diese Stiefel. Da der Overknee-Trend vermutlich erst in zwei Jahren an den Kuesten Neuseelands angeschwappt kommt, ich aber JETZT solche Stiefel haben wollte, musste ich mich auf das Foto bei Trade Me verlassen. Meine Schwester sagte gleich: "Hm, sieht ein bisschen nach Julia Roberts in Pretty Woman aus", worauf ich entgegnete: "Quatsch, die sind aus schwarzem Lack, meine sind aus braunem Leder!" Als mich dann aber jemand fragte, warum ich heute nicht meine Fuck-Me-Boots anhaette, wurde mir klar, dass der Effekt trotzdem der gleiche ist. Ich trage sie noch, vermeide aber Laternenpfahle und Strassenecken.
Die Flipflops
Gut, die hat jeder, aber da sie fuer die meisten Menschen in Neuseeland das relevanteste Schuhwerk von allen sind, muss besonders auf die Qualitaet geachtet werden. Schliesslich sollen sie problemlos den Uebergang vom Strandspaziergang zum Restaurant-Besuch (und alles zwischendurch) schaffen und moeglichst zehn Jahre halten. Deshalb ist der Preis von 50 Dollar auch gerechtfertigt, obwohl die meisten wahrscheinlich zwischen zehn und 15 Dollar ausgeben fuer ihre geliebten Jandals. So nennt man Flipflops in Neuseeland aus unbekannten Gruenden; es gibt sogar einen Jandal Day, an dem alle Menschen ermutigt werden, Flipflops zu tragen und fuer die Rettungsschwimmer zu spenden. Wie das zusammenhaengt, weiss ich nicht, aber da jeder ohnehin staendig und ueberall Flipflops traegt, ist es auch egal.
Die Kurzschlussreaktion
Dieses Phaenomen, wenn man irgendwo einkaufen geht, voellig in Gedanken / abgelenkt mit SMSen / frustriert und konsumbeduerftig ist, und ploetzlich bemerkt, dass man soeben ein Paar Schuhe gekauft hat, weil sie unglaublich billig / in der richtigen Groesse / im Weg waren? Das ist mein persoenliches Resultat. Zuerst stellte ich sie in meinen Schrank und beaeugte sie ab und zu misstrauisch, aber mittlerweile liebe ich sie. Sie sind bequem, schlicht und haben eine super Farbe. Ja, sie sehen wie Clownsschuhe aus, aber doch noch lange nicht so schlimm wie diese:
Die Mokassins
Gekauft in einem Second-Hand-Laden in Wuppertal, als Mokassins gerade mal wieder ein Revival hatten. Ich weiss auch nicht, was ich mir dabei dachte; vielleicht, dass ich, wenn ich schon einem Trend hinterher rennen wollte, es wenigstens konsequent tun sollte. Bis heute sind es die Schuhe, wegen der ich am meisten haemische Kommentare ernte ("Squaw", "Pocahontas", "Komm in meinen Wigwam"). Ehrlich gesagt kann ich sie schon seit Jahren nicht mehr sehen, aber ich behalte sie trotzdem, aus sentimentalen Gruenden. Der naechste Karneval kommt bestimmt.
Die Glamour-High-Heels
Sie sind Stellvertreter fuer die etwa fuenf Paar goldener Absatzschuhe, die ich besitze, und zeugen wahrscheinlich von meinem unbewussten Wunsch, ein Leben als Filmstar / Diva / Prinzessin zu fuehren, oder wenigstens mal schoen auszugehen. Dass dies nicht der traurigen Realitaet entspricht, sieht man am Absatz, den ich mir beim Grillen im Garten von Freunden ruiniert habe (ja, den Garten habe ich ebenfalls ruiniert, falls sich das jemand fragt). Warum ich goldene High-Heels zu einem Grillfest angezogen habe, weiss ich nicht genau, aber es haengt moeglicherweise mit der im ersten Satz geaeusserten Vermutung zusammen. Wenn irgendjemand mit mir zu einer Gala gehen moechte - ich waere sehr dankbar fuer ein wenig Zauber in meinem Leben.
von Louisa von Reumont um 9:13
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Die Mokassins kamen mir doch gleich bekannt vor...:-) Und fuer die Nuttenstiefel gibt es keine Entschuldigung-also bitte, das geht doch gar nicht!!!!
Liebe Gruesse aus Lissabon
die drei ??? am 2.03.10 17:28
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Zum SeitenanfangEs gibt Tage, da lechze ich nach Dingen, die ich nicht haben kann. Manchmal sind das unerfuellbare Dinge wie ein gesunder Teint oder Einhoerner, aber meistens sind es bloss Dinge, die ausserhalb meiner Reichweite, weil am anderen Ende der Welt, liegen. Also: Schwarzbrot. Ikea. Filme mit Matthias Schweighoefer. Die Neon. H&M. Und, sehr oft: Suessigkeiten.
Man glaubt gar nicht, mit welch intensiver Gier man sich nach Gummibaerchen verzehren kann, bis man in der Situation ist, diese Gier nicht mehr stillen zu koennen. Stunden-, ach was, tagelang kann ich manchmal an nichts anderes denken als den sauren Geschmack weisser Gummibaerchen (die besten!) in meinem Mund, wenn ich sie mir langsam auf der Zunge zergehen lasse... argh! Die reine Folter. Und keine Aussicht auf Erloesung, es sei denn, ich bin bereit, 23.000 Kilometer hinter mich zu legen, in einen deutschen Supermarkt zu spazieren, die Packung aufzureissen und mir die Teile gierig in den Mund zu stopfen (so habe ich es zu Hause uebrigens auch gemacht).
Und es sind ja nicht nur Gummibaerchen: Ausser Prinzenrolle, Lakritz aus der Apotheke, Schokoriesen, Weingummi-Vampiren und Ahoj-Brause vermisse ich jetzt auch Dinge, die ich eigentlich sowieso nie mochte: diese fiesen Leckmuscheln zum Beispiel, oder diese nach Plastik schmeckenden, zaehen, rosa Schweinekoepfe (ueberhaupt eine bizarre Idee, das zu einer Suessigkeit zu verarbeiten).
Wenn ich da mitansehen muss, wie Dittsche die uebriggebliebenen Karneval-Bonbons, die jetzt die Strassen des Sektors verkleben, als
Fuellung fuer Schlagloecher wiederverwenden will, moechte ich am liebsten schreien: "NEIN! Tut es nicht! Gebt sie mir! Ich kratze sie auch eigenhaendig vom Strassenbelag!" So weit ist es schon gekommen mit meiner Gier nach heimischen Suessigkeiten.
Wobei ich kreativen Umgang mit den zuckerigen Leckerlis durchaus befuerworte: In Neuseeland wurde soeben Yellow Chocolate gelauncht, eine Schokolade, die nicht nur gelb ist, sondern angeblich auch gelb schmeckt. Leider konnte ich das nicht selbst testen, da meine raffgierigen Mitbuerger schon alle Exemplare aufgekauft haben, aber ich habe mir sagen lassen, die Schokolade schmeckt nach Ananas und sehr suess. Baeh! Ananas und Schokolade, das ist wie
Groschenromane vom Kiosk - ein Angriff auf die Geschmacksnerven. Kiwis sehen das scheinbar anders: Nicht umsonst haben es Pineapple Lumps - mit Schoko umhuellte Klumpen mit Ananasgeschmack - zu ikonenhaftem Status gebracht.
Dicht dahinter auf der Beliebtheitsskala sind der Chocolate Fish, ein mit Schokolade ueberzogener Marshmellow-Fisch, und, natuerlich, die Pavlova. Pavlova ist eine original-neuseelaendische Erfindung (jedenfall, wenn man die Neuseelaender fragt; die Australier sehen die Sache anders), wurde nach der Balletttaenzerin Anna Pavlova benannt und besteht aus einer mit Sahne gefolterten Baisertorte mit Fruechten. Das Ganze ist ein Herzinfarkt in Verkleidung, aber der ganze Stolz der neuseelaendischen Dessertkultur. Falls ihr interessiert seid -
bitte schoen, aber wundert euch nicht, wenn ihr zum Diabetiker werdet.
Allgemein scheinen die Kiwis ein seltsam obsessives Verhaeltnis zu Zucker zu haben: Sie tun ihn an Dinge, an die er einfach nicht gehoert. In meinen ersten Monaten in Neuseeland habe ich einmal einen Nudelsalat fuer ein BBQ zubereitet (seit Ewigkeiten mein bewaehrtes Standard-Mitbringsel fuer jedwedige Feierlichkeiten); weil ich beim Einkaufen nicht aufgepasst hatte, schmeckte ploetzlich alles furchtbar suess, und erst als ich zu Hause im Muelleimer kramte und die Zutaten checkte, sah ich, was ich da benutzt hatte: gesuessten Mais, gesuesste saure Gurken (ein Paradox an sich), gesuessten Joghurt und gesuesste Mayonnaise. What the hell? Im Grunde muesste Neuseeland voller hibbeliger Duracell-Haeschen-Menschen sein, die vor lauter Ueberzuckerung Baeume ausreissen oder Autos hochheben.
Zum Glueck habe ich in meiner Mutter einen mitfuehlenden Lieferanten fuer meinen ganz persoenlichen Zuckerrausch: Mein letztes Paeckchen aus Uebersee enthielt eine wohltuende Dosis Weingummi, die ich, noch waehrend ich dies schreibe, gierig in mich hineinstopfe. Danke, Mama!
von Louisa von Reumont um 11:09
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danke, louisa...endlich habe ich eine komprimierte übersicht deiner lieblings-süßigkeiten, die sich übrigens gar nicht von denen deiner kindheit unterscheiden. man weiß ja gar nicht, was man dem kind schicken soll, um gelüste zu befriedigen; und geschmack ändert sich bekanntlich auch mal, und du bist immerhin schon drei!!! jahre in nz.
aber jetzt brauche ich nicht mehr nachfragen und kann mich jederzeit bei dir beliebt machen und mich an deiner freude freuen.
mama am 24.02.10 20:33
Hallo Louisa,... ich bin auch gerade in Neuseeland (alleridngs nur für 6 Monate) und bin zufälligerweiße auf deinen Blog gestoßen und lese seitdem sehr faszinierend. Ich muss sagen, dass mit den Süßigkeiten sehr gut nachvollziehen zu können!
Liebe Grüße Catanja
Catanja am 25.02.10 12:21
So so, Du bist also allen Süßigkeiten treu geblieben!? *grins*
Kleiner Tipp: In Deinem Fall, da gibts wohl nur eins: "Importieren"!!! ;-) http://www.sweetsbusiness.de/suesswaren/
LG..
MadMatt am 25.02.10 17:01
Hab hier auch noch einen guten Finanzierungs-Tipp für Dich, damits nicht ganz so teuer wird! ;-)
http://www.germancowboys.de/Business/3981
(Du mußt nur: 1. Finden, 2. melden [Interpol?] und dann 3. richtig abkassieren! Quasi fast so einfach wie naschen ansich! Und Du tust was gutes [na ja, außer vielleicht für die Figur? *grins*]) ;-)
MadMatt am 25.02.10 17:25
Liebe Louisa, nun siehst Du mal, wie wichtig wir Mütter auch für unsere Kinder am Ende der Welt sind. Ihr bekommt Eure Gummibärchen und Kinderriegel, und wir bekommen dafür das Gefühl, gebraucht zu werden. Nur eines könnte dieses Gefühl noch toppen, nämlich wenn Neuseeland nicht so weit weg, sondern z.B. im Mittelmeer läge; dann wäre ein Flug zu Euch nicht so ein elendes Unterfangen.
Liebe Grüße von Gela
Gela am 25.02.10 21:55
Also nee, nachdem ich in Neuseeland war bin ich süchtig nach Toffee`n`Pops. Nicht zu verwechseln mit Tim Tams. Die schmecken mir nämlich überhaupt nicht. Aber weiße Toffee Pops...hm....und hier gibt es die leider nicht...ich muss also unbedingt wieder nach Neuseeland...
Falk am 1.03.10 17:02
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Zum SeitenanfangHach, ich liebe Vorurteile. Man kann sich so herrlich darueber aufregen. Wir Deutschen gelten offenbar als
humorloses Volk von wuerstchenessenden Rotschoepfen, die manchmal einfach ausrasten. Klaro, da erkenne ich mich sofort drin wieder.
Manchmal lohnt es sich allerdings, sich die Vorurteile anzuhoeren, um zu ueberpreufen, ob sie stimmen. Da scheinbar jeder eine Meinung ueber Deutschland und Deutsche hat, begegne ich Vorurteilen relativ haeufig; mal guten ("Du sprichst aber gut englisch! Aber das koennt ihr Deutschen ja alle"), mal nervtoetenden ("Ach, du kommst aus Deutschland? Dann bist du sicher ein Riesenfan von David Hasselhoff"), und mal solchen, bei denen ich nicht weiss, was ich davon halten soll. Neulich unterhielt ich mich bei einem BBQ mit einer netten Dame. Nach circa fuenf Minuten stellte sie die unvermeidliche Frage: "Und, woher kommst du?" Ich sagte "Deutschland", woraufhin sie laechelte und sagte "Ach ja, das dachte ich mir schon. Ihr Deutschen seid ja immer so reserviert." Excuse me? Erstens hatte ich mich an dem Tag fuer einen besonders witzigen, unterhaltsamen Gespraechspartner gehalten (wir sprachen ueber die Tricks, die meine Katze kann; welcher vernuenftige Mensch waere davon nicht begeistert?!), und zweitens war ich baff, dass sie, selbst wenn ich die Langeweile in Person gewesen waere, die Nerven hatte, das einfach so zu sagen. Man sagt doch nicht einfach zu Leuten, sie seien reserviert, die man gerade erst kennengelernt hat. Jedenfalls nicht, wo ich herkomme.
Und genau das war es: Was, wenn wir Deutschen eben doch unzugaenglich und reserviert sind, denn es gibt haufenweise Dinge, die wir "einfach nicht sagen", schon gar nicht zu Fremden beim Smalltalk, waehrend Kiwis dagegen... aber seht selbst:
"Was verdienst du so?"
Wer diese Frage in Deutschland stellt, ist entweder ein enger Verwandter, ein sehr guter Freund, oder ein Beamter von der Steuerbehoerde. Aehnlich wie "Und, welche BH-Groesse hast du?" oder "Und, was macht dein Liebesleben?" faellt sie in die Kategorie "Private Informationen" und wird von uns nicht einfach so beim Partyplausch mit einem Halbfremden preisgegeben (es sei denn, wir sind sehr betrunken, einsam und haben ein ueberproportionales Mitteilungsvermoegen). Wahrscheinlich wuerden sich die meisten von uns sogar angegriffen fuehlen und zurueckschnappen: "Wieso, was verdienst du denn?!" Nicht so in Neuseeland: Die Frage nach dem Gehalt ist hier legitimer Smalltalk und ungefaehr so provokativ wie ein Gespraech ueber’s Wetter; und sie wird nicht mal gestellt, um mit den eigenen Millionen anzugeben oder den Gespraechspartner auf eventuelles Ehe-Potential hin abzuklopfen (Moment: das ziehe ich zurueck). Ich jedenfalls wurde bereits in meiner zweiten Woche auf neuseelaendischem Boden mit dieser Frage konfrontiert und habe sie meisterlich gehandhabt (Rotwerden, Rumgestottere und hektisches Nachrechnen nicht mitgezaehlt).
"Bist du verheiratet?"
Die Wahrscheinlichkeit, mit unter 35 in Deutschland dieser Frage zu begegnen, ist sehr, sehr gering. Mir ist es jedenfalls noch nie passiert. Das liegt unter anderem wohl daran, dass
das durchschnittliche deutsche Paar 30 (sie) und 33 (er) ist, wenn sie zum ersten Mal heiraten (laut
Wikipedia), und viele Leute ueberhaupt nicht heiraten, was auch keinen stoert. Aber seit ich im zarten Alter von 22 nach Neuseeland gekommen bin, werde ich staendig gefragt, ob es ich es schon unter die Haube geschafft habe: von neuen Bekanntschaften, Friseuren, Kundinnen, meiner Frauenaerztin (na gut - das kann ich noch nachvollziehen, das war wahrscheinlich pc fuer "Are you the town bike?"), Bankangestellten, Barkeepern, Hotelbesitzern - also kurz, VON JEDEM. Ab einem gewissen Punkt entwickelte ich schon gewisse Minderwertigkeitskomplexe ("Wieso heiratet mich keiner?! Bin ich nicht gut genug?!"), gefolgt von einer vagen Torschlusspanik, wie man sie eigentlich erst ab Mitte 40 entwickeln sollte. Fruehestens.
"Wenn du jemals in [Wohnort] bist, komm vorbei!"
Kennt ihr folgendes Szenario? Man ist irgendwo eingeladen, lernt jemanden von ausserhalb kennen, und am Ende des Abends hoert man sich euphorisch sagen: "Ach, und wenn du das naechste Mal in Wuppertal bist, komm doch mal bei mir vorbei, dann gebe ich dir die Platte / mach den Cocktail / zeig dir die Star-Wars-ActionFiguren, ueber die wir geredet haben!" Der andere verspricht, das zu machen. Dann vergessen beide die Sache, und man sieht sich nie wieder. Ganz normal, man will ja bloss hoeflich sein. (Ich glaube, das haben wir uns von den Amerikanern abgeguckt.) In Neuseeland dagegen sollte man vorsichtig mit solcherlei Einladungen sein: Es kann sein, dass vier Monate spaeter ein Unbekannter vor deiner Tuer steht und eine Runde Mojitos verlangt. Wenn es ganz peinlich wird, laedt dich jemand zum BBQ am naechsten Tag ein (was du in deiner Volltrunkenheit nicht weiter ernst nimmst), holt dich dann persoenlich ab, weil du zu spaet bist und wird damit Zeuge deines Alf-Schlawis, deiner Badezimmerfrisur und deiner Augenringe. Auf der anderen Seite kann das der Anfang einer wunderbaren Beziehung sein.
Also: Vielleicht sind wir ja tatsaechlich ein kleines bisschen reservierter als andere - vielleicht aber auch nur hoeflicher und sensibler. Und eines ist sicher: Wir sind keine Fans von David Hasselhoff.
von Louisa von Reumont um 9:00
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...habe ich das richtig verstanden? "are you the town bike" ist die redewendung für sexuell sehr aktive mädels, also in etwa zu vergleichen mit dem deutschen "wanderpokal" oder etwas gemeiner ausgedrückt "matratze"? wunderbar, diese neuseeländer...!
dean am 19.02.10 11:29
netter Kommentar! meine Interpration war spontan die Gleiche....
LG an´s andere Ende der Welt
Hilde
Hilde Schunk am 19.02.10 12:23
Ach Louisa, menno.. warum gibt es bloß immer diese blöden Mißverständnisse zwischen den Nationen? Die gute Frau wollte Dich bestimmt gerade fragen, ob Du schon verheiratet bist und da sah die wohl Deinen Ring und sagt dann natürlich direkt: 'Ach, Du bist ja reserviert'! *lach*
Aber darum heißen die Dinger ja auch Vorurteile, weil es vor dem 'Punkt' ist, wo ein anderer sich ein eigenes Urteil über einen machen kann!
Und da wir uns über so viele Dinge noch kein eigenes Urteil gemacht haben, gibt es auch so viele Vorurteile auf dieser Welt!
z.B. die Holländer: Als Sektor-Kind muß ich Dir ja sicher nicht sagen, wie gerne die Euch Deutschen ja haben?! Als Österreicher (in Holland) könnte ich jetzt ein Lied darüber singen! Und das meiste sind einfach nur saudumme Vorurteile, denn sag zu einem Holländer einmal, der gerade sehr unfreundlich zu Dir ist, Du bist kein Deutscher sondern Österreicher und guck dann mal was passiert (das kannst Du übrigens auch anderswo auf dieser Welt probieren)! Ich mein, ich habe in Geschichte in der Schule ja nie aufgepaßt, aber soviel ich weiß, war der Typ, den die Holländer ja so sehr verachten ein Österreicher, oder etwa nicht?! Ich finde es einfach nur lustig, das es heute keiner mehr weiß (von denen) und das Ihr als Deutsche jetzt dafür gerade stehen könnt, was wir Ösi's verbockt haben! Das ist für mich ja ein Paradebeispiel für die Dummheit vieler Menschen und deren Ahnungslosigkeit! Und wer keine Ahnung hat, es aber nicht zugeben will, der hat halt seine Vorurteile und denkt dann mit Sicherheit, das wäre die wahre Welt!!! ;-)
LG und schönes WE nach Neusee!
(und, was treibt Ihr so am WE, Videoabend?) ;-)
MadMatt am 19.02.10 14:26
So ist es in der Tat! Ich finde "town bike" irgendwie charmanter als "Matratze".
Louisa am 19.02.10 23:35
Hi Louisa,
bin vor 2 Wochen aus NZ zurück gekommen und musste leider genau die andere Erfahrung machen. Aus "Melde dich mal, wenn du in Auckland bist, dann können wir nen Kaffee trinken gehen" ist dann ein "Sorry, habe deine Nachricht zu spät gelesen" geworden, dabei wurden zwischenzeitlich andere Nachrichten ins Netz gestellt. Na ja! War aber zum Glück die einige negative Erfahrung im Land der Kiwis. Diese 4 Wochen waren definitiv die beste Zeit meines Lebens!!!
Hab´ du auch noch eine tolle Zeit!
Viele Grüße
Anja
P.S. Ich fand es immer wieder super, wenn man aus Deutschland ein "Ich kann den Schnee nicht mehr sehen" zu Ohren bekam und selber im T-Shirt rumlaufen konnte! Jetzt gehöre ich leider wieder zu denen auf "der anderen Seite"! ;-(
Anja am 20.02.10 22:17
Nix gegen Michael Knight! Es ist erst exakt 20 Jahre her, als ich in der Kölner Sporthalle (R.I.P.) K.i.t.t. und Mr. Hasselhoff zugejubelt habe! Gut, ca. in dem Zeitraum gabs auch die peinliche Geschichte mit "Looking for Freedom" an der Mauer, wo der feine Herr ja bekanntermassen die Wiedervereinigung herbeijegröhlt hat (...). Hmmm. Ach, iss doch Burger vom Boden, David!!
Freddi am 22.02.10 9:30
Sehr lustig alles.....
http://www.stepmap.de/karte/neuseeland-landkarte-18475
tino am 23.02.10 9:51
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Zum SeitenanfangAufruhr im Muensterland! Ein Unbekannter quaelt das staedtische Klaerwerk in Ladbergen, indem er seit Jahren in unregelmaessigen Abstaenden uebergrosse Boxershorts
durch die Toilette entsorgt, und damit jedesmal die Pumpen verstopft. Normalerweise wuerde ich ja denken "Get a life!" und mich wieder den wichtigen Dingen dieser Welt zuwenden (
Kamelle etc), aber irgendwie hat dieser Fall eine geheimnisvolle Aura des Mysterioesen.
Wer ist der geheimnisvolle Boxershorts-Spueler? Was mich an der Geschichte am meisten wundert, ist die Tatsache, dass der Typ mit seinen Riesenbuxen nicht das Klo verstopft - wuerde ich versuchen, meine Unterhosen die Toilette runterzuspuelen, ich wuerde vermutlich nicht nur das Haus unter Wasser setzten, sondern das Abwassersystem von halb Napier lahmlegen.
Aber was bringt den unbekannten Spueler dazu, sich regelmaessig aufs Radikalste seiner Schluepfer zu entledigen? Die Stadt ist ratlos.
Ich haette ja gleich ein paar Ideen:
- Jemand, der zu viele Kinderfilme guckt, hat es sich zur Aufgabe gemacht, den Unterhosen dieser Welt ein Leben in Gefangenschaft zu ersparen, indem er ihnen die Freiheit schenkt. Er hofft, dass sie nach ihrer Odyssee durch die Abwasserrohre gluecklich im Meer ankommen, wo sie ein schoenes Leben voller Abenteuer fuehren und kleine Boxershorts zeugen. Eindeutig ein Verrueckter.
- Mit geduldiger Ausdauer entledigt sich die Frau des Boxershorts-Traegers nach und nach der unansehnlichsten Exemplare seiner Unterhosen. Um das Verbrechen perfekt zu machen (und weil wir uns ungern beim Beseitigen haesslicher Kleidungsstuecke unserer Partner erwischen lassen), spuelt sie sie im Klo runter, statt sie in den Muell zu werfen. Sicher ist sicher. Alle, die schon mal ueberzeugend den Satz “Nein, Schatz, absolut keine Ahnung, wo deine zwoelf Jahre alte Simpsons-Unterhose ist” darbringen mussten, werden mit diesem Fall sympathisieren.
- Ein armer Student mit Gedaechtnisschwund, der sich keine Waschmaschine leisten kann, versucht, seine Unterwaesche in der Toilette zu waschen. Leider verschwindet sie beim Abziehen stets, was er prompt vergisst und es nochmal versucht - wieder und immer wieder. Ein bisschen wie bei Memento, bloss mit Boxershorts statt der Aufklaerung eines Mordes.
Ich tippe auf Variante 2, aber es kann natuerlich auch alles ganz anders gewesen sein...
Uebrigens, apropos Maenner und Beinbekleidung: Ich habe einen alarmierenden Trend auf Neuseelands Strassen beobachtet, den ich bitte NIEMALS in der Heimat sehen will: Maenner in Hotpants. Doch doch! Es handelt sich meistens um Jeans oder Khakis, die aus unerfindlichen Gruenden von ihren Traegern auf Po-Niveau gekuerzt werden, sodass man nicht nur die Gesamtheit ihrer haarigen Beine sieht, sondern auch Angst haben muss, dass jede Sekunde dasselbe passiert wie in dieser Friends-Folge, in der Phoebe einen Sportler datet, der staendig vor der ganzen Truppe sein Paket entbloesst, ohne es zu merken. Nicht schoen. Diesen Anblick wuerde ich uns allen gerne ersparen.
In Neuseeland, scheint es, tragen aber nicht nur Athleten die verfaenglichen Hoeschen, ueberall werden sie dem Auge aufgezwungen: an Bauarbeitern, die am Strassenrand Loecher drillen, an Paket-Kurieren, Himmel, sogar die Jungs von der Muellabfuhr tragen sie. Niemand ist sicher vor den Maenner-Hotpants! Was in den 70ern mit genitalienabzeichnenden Stretch-Jeans seinen Anfang nahm, erreicht hier seinen traurigen Tiefpunkt.
Und nicht mal die Aussicht auf den bevorstehenden Winter kann mich aufheitern: Als abgehaertete Survivor, die Tatsachen wie Kaelte, Frostbeulen und akute Unterkuehlungen einfach nicht anerkennen, tragen Kiwis auch im kaeltesten Monat des Jahres noch T-Shirts, Flipflops - und besagtes Uebel, die Hotpants. Die einzige Moeglichkeit, zu entkommen, waere ein laengerer Aufenthalt in einem Isolationstank. Klingt fantastisch.
Gibt es ein Kleidungsstueck, das ihr verbieten wuerdet, weil es eine Beleidigung fuers Auge ist? Welche Klamotte eures Freundes / eurer Freundin wuerdet ihr sehr gerne die Toilette runterspuelen? Und: Was zur Hoelle hat es mit dem Boxershorts-Typ auf sich?
von Louisa von Reumont um 5:16
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Hier spricht Markus aus dem Münsterland!
Ich möchte mich in aller Form beim Städtischen Klärwerk Ladbergen entschuldigen. Bei der Konzentration an ätzenden Substanzen in unseren Kanälen/Bächen/Flüssen, war ich davon ausgegangen das meine Boxershorts auf ihrem Weg zersetzt und somit natürlich entsorgt werden.
Über die weiteren Hintergründe der Entsorgung möchte ich mich nicht äußern.
Nur soviel: Diskretion hatte Vorrang.
Markus am 16.02.10 15:38
also, verbieten würde ich sofort bei frauen: weiße leggings ab größe 44; bei männern: wenn die am steuer ihres autos im sommer unterhemden tragen. das wird nur noch getoppt von muscle-shirts, und natürlich adidas-badelatschen im straßenbild. also, weg damit! flip-flops dagegen finde ich auch bei jungs sehr schön.
zu den boxershorts: seit ich mal mario barth zugehört habe, weiß ich, das frauen ausgemusterte unterhosen ihrer männer zum kloputzen benutzen. ist doch naheliegend, dass die eine oder andere mal aus der hand rutscht und im rohr verschwindet...
roma berlina am 17.02.10 13:30
weisse stiefel bei frauen. die mädels hier in nrw haben wohl noch nicht mitbekommen, dass die dinger eigentlich nur von bordsteinschwalben getragen werden...
B.A. am 18.02.10 10:41
Also ich denke ja, da versucht einer nur seine Müllentsorgungs-Kosten drastisch zu senken und getragene Boxershorts lassen sich halt sehr schwer verschenken (wenn man nicht Robbie heißt)!? Oder es handelt sich um einen Japaner, der ins 'used second hand underwear' Geschäft eingestigen ist und jetzt feststellen mußte, das deutsche Frauen keine getragene Männer-Unterwäsche kaufen?! Aber Deine 2. Vermutung ist auch nicht schlecht!!! Hmm..??? Können die keinen DNA-Test machen, da sind doch sicher noch brauchbare Spuren dran? Ein neuer Fall für Sherlock Holmes!
*lach* Wie, Isolationsschrank? Oh weh, ich glaube Du brauchst mal wieder Urlaub, in dem um diese Jahreszeit garantiert Männer-Hotpants freien Deutschland!? Ja, vielleicht könnte man ja Boxershorts und Hotpants gesetzlich verbieten lassen, dann gäbs 2 Probleme weniger auf dieser Welt (und dann kommt die invasion der Nackten)? *lach*
Antwort zu 'Love Is A Battlefield':
Mhh.. ja, die sieht ja sehr lecker aus!!! *lach* Aber nein, Du verwechselst das wohl mit dem Texas-Kettensägenmassaker!? Oh weh, dann mußt Du Dir 'Natural Born Killers' jetzt aber "auf jeden Fall" mal angucken (am Besten aber gleich 2 mal)!!! Will Dir ja noch nicht zuviel verraten, aber die beiden sind Killer, keine Psychopathen wie Michael Myers oder Hannibal Lecter! Und so abgedreht und abnormal die auch immer sein mögen, eins haben die Beiden ja kapiert, aber schau selbst!
So, dann wünsch ich Euch zwei Süßen mal einen schönen Video-Abend ;-) und viel Spaß beim philosophieren über die Hochzeit im allgemeinen und den Sinn bzw. Unsinn des ganzen!
Liebe Grüße aus Holland.. Patrick
PS: Ich persönlich z.B. werde nie heiraten, da ich den Bund der Ehe nicht als heilig betrachte und längst weiß, das der Tod wahre Liebe 'niemals' scheidet! (Der Tod beschützt uns ja auch nicht vor dem Leben!.. und das Leben beschützt uns nicht vor dem Tod! Halt ein ewiger Kreislauf, am Besten man scheißt gleich drauf und genießt einfach den Moment, bevor die Luft erneut brennt, an dem Ort, den manch einer von uns liebevoll die Hölle nennt!) ;-)
MadMatt am 18.02.10 15:35
Zum Anfang dieses Eintrags
Zum SeitenanfangIch glaube, wir sind uns einig: "Der romantischste Tag des Jahres" aka
Valentinstag gehoert begraben (zusammen mit Halloween und natuerlich
Karneval). Ich kenne ohnehin keinen, der da mitmacht, single oder vergeben. Den Singles kann der ganze Zirkus sowieso egal sein, und saemtliche Paare, die ich kenne, runzelten auf meine Nachfrage hin nur die Stirn und machten mich auf die horrenden Preise von Blumenstraeussen und Babysittern aufmerksam. Vielleicht bin ich auch bloss von besonders unromantischen Menschen umgeben. Ich persoenlich bin an Valentinstag jedenfalls noch nie mit Irgendwas bedacht worden (um Schokolade zu vertilgen, muss ich nun wirklich nicht auf dieses Datum warten); dafuer aber an vielen anderen Tagen im Jahr, weshalb ich das grosszuegig verzeihen kann.
Und weil ich nun mal am liebsten von mir selbst rede (selbstsuechtiges, aufmerksamkeitsheischendes Ding, das ich bin), werde ich das V-Wort nicht ein einziges Mal in den Mund nehmen, sondern rede stattdessen von dem anderen ueber-wichtigen internationalen Tag der Liebe, i.e. meiner anstehenden Hochzeit.
Ich hatte mir das Ganze sehr einfach vorgestellt: Man verlobt sich - und dann heiratet man. Punkt. Wieso Eheschliessung mit Stress oder - gaehn - Planung zu tun haben sollte, konnte ich mir nicht vorstellen. Schliesslich war schon Jean’s und meine Verlobung schlicht und unspektakulaer - okay, gut, es waren Champagner und ein Hotelzimmer beteiligt, aber es gab keinen Kniefall, keine Rosen und keine Schnulzenmusik; stattdessen war ich soeben aus dem Klo gekommen (hach, die Romantik) und wollte mich gerade beschweren, dass Jean, das arme Nervenbuendel, den Champagner schon ohne mich aufgemacht hatte, als er ein kleines Schatuellchen produzierte. Oh. Okay, then.
Ich sah also keinen Grund, warum unsere Hochzeit irgendetwas anderes sein sollte als eine Party mit Freunden, bei der an einer bestimmten Stelle zweimal kurz "Ja" gesagt wird und ich ein schoenes Kleid trage. Easy schneasy.
Dachte ich. Doch wenn zwei ganze Familien aus Europa umgesiedelt werden wollen fuer diesen einen Tag, bereitet das schon mal logistische Schwierigkeiten (nicht zu sprechen von finanziellen; oder terminlichen). In einem stoerrischen Akt der Revolte haben der Braeutigam und ich Neuseeland als den Ort des Geschehens durchgesetzt, weil wir, ganz Kiwi-style, von einer barfuessigen Hochzeit am Strand mit Beach-Volleyball und selbstgefangenem Crayfish fantasieren (vor allem vom Crayfish). Und obwohl wir beide weit davon entfernt sind, kontrollierende Bridezillas zu sein, fuer die alles PERFEKT sein muss oder die Welt geht unter (es gibt so Menschen), wird die Fete fruehestens 2012 steigen koennen, wenn alle wichtigen Menschen dabei sein sollen. Zwei Jahre, um an Dinge Gedanken zu verschwenden wie Dresscode (Blaue Lagune oder Hula Hawaii?), Torte (ich dachte an
sowas hier) und Musik (ich will kubanisch, Jean Bob Marley). Angeblich, so haben mir verschiedenene Bekannte (meistens weibliche mit erhoehtem Puls) versichert, muss all das und noch viel mehr gruendlich bedacht werden. Location, Ringe, wer fuehrt die Trauung durch, Essen, Trauzeugen, Einladungen, Outfits... da vergeht einem glatt die Romantik. Ist eine Hochzeit am Ende genau so ein kommerzialisierter Humbug wie "der Tag, dessen Name nicht genannt werden darf"? Koennen wir die wichtigen Dinge im Leben nicht mehr geniessen, sondern nur noch konsumieren? Und werde ich genug Langusten fuer alle haben?
Ach uebrigens: Falls ihr nun doch noch in Stimmung gekommen sein solltet fuer V-Day, sind hier ein paar heisse Tipps fuer Last-Minute-Geschenke - denn es muessen nicht immer Blumen sein:
- Fuer ihn: Eine englische Kaufhauskette bietet eine Art Wonderbra fuer den Herren an, bloss dass nicht die Brueste angehoben und formvollendet werden, sondern der, aehm, Zauberstab. Sieht aus wie eine ganz normale Unterhose, wirkt aber angeblich Wunder fuer die Optik. Ist doch toll, und so subtil! In ganz traurigen Faellen aber besser die Hose anlassen.
- Fuer sie: Der Choco-Lator - ein Taschenrechner, der aussieht wie eine Tafel Schokolade! Welch perfekte Kombination: Wir nehmen nicht zu und koennen gleichzeitig Zeug ausrechnen! Mein Gott, ist das genial.
- Fuer die Person, die schon alles hat: Eine britische Website bietet das ideale Geschenk fuer Menschen, die sich nichts mehr wuenschen. Es nennt sich nothing und ist im Grunde eine huebsche Tuete, in der nichts drin ist - fuer nur 5,80 Euro! Wundert euch aber nicht, wenn das das letzte Geschenk ist, das ihr in dieser Beziehung vergeben durftet.
von Louisa von Reumont um 14:18
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hey, ich muss mich mal für karneval einsetzen: einmal im jahr kann man sich ein verlängertes wochenende lang anziehen und schminken wie man will, in der öffentlichkeit betrinken (mit dem ziel die musik nach 2 bier super zu finden) UND kriegt süßigkeiten umsonst.
Und was noch viel schöner ist dieses Jahr, dass der "Tag der nicht genannt werden darf" auf Karnevalssonntag fällt - mit anderen Worten im kompletten Großraum Köln mehr oder weniger ignoriert und überschattet wird. Muharharharhar. Von daher Alaaf nach NZ!
Coco am 14.02.10 15:57
tja, herzchen, die frau mama und die große schwester hätten dir liebend gern allen vorbereitungsstress für die hochzeit abgenommen, würdet ihr in frankreich heiraten...gemeinsam mit der mama des bräutigams eine richtig schöne französische landhochzeit organisieren - jeans mutter spricht kein englisch und kein deutsche, ich spreche kein französisch; das wäre ein echtes abenteuer geworden.
aber ihr müsst ja alles unter kontrolle behalten. also dann die nächsten zwei jahre: planen, planen, planen!
mama am 15.02.10 14:25
Hey, und wann ist es denn so weit??? Wie unromantisch, Ihr plant also auch alles bis ins kleinste Detail, um dann genau die selbe kommerzielle Veranstaltung daraus zu machen, wie der Rest der 'ja' sagenden Welt! Warum fahrt (bzw. fliegt) Ihr dann nicht gleich nach Vegas? *frech grins*
Also ich z.B. finde die Hochzeit von Mallory und Mickey in Natural Born Killers einfach unsterblich romantisch und megaaaaa schön!!! ;-)
Was braucht man denn mehr? Torte? Geschenke? Blumen? Buffet? Trauzeugen??? Und was kommt dann die Jahre danach? Streit? Trennung? Scheidungsanwalt??? Also, ich habe hier auf dieser Welt eines bereits gelernt: 'Nur eine Liebe die über den Tod hinaus geht, hält auch ein ganzes Leben!!!' (Das selbe gilt übrigens auch für Freundschaften!)
In diesem Sinne wünsche ich Euch die richtige Entscheidung, für einen der schönsten Tage in Eurem Leben! (oder einen der teuersten?)
Und viel Spaß beim planen!!!
MadMatt am 15.02.10 14:38
Verdammt, ich habe Natural Born Killers nicht gesehen! Wie heiraten die denn da, MadMatt? Mit Kettensaege und ganz viel Blut? In diesem Fall sollte ich vielleicht diese Torte hier waehlen:
http://3.bp.blogspot.com/_mmBw3uzPnJI/Sdz3RyjpiiI/AAAAAAAAj-w/yAoQGZ3aP-8/s1600-h/weird_and_creepy_cakes_29.jpg
Louisa am 16.02.10 0:13
hauptsache ich hab mir vor ein paar tagen noch den song von pat benatar runtergeladen...
J.D. am 16.02.10 10:30
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Zum SeitenanfangEiner der vielen Berufe, die ich niemals ausueben sollte, ist Standesbeamter. Nicht, dass ich nicht schrecklich gerne verliebte Paare in den Hafen der Ehe hineinmanoevrieren wuerde, das stelle ich mir sogar sehr schoen vor, ich koennte dann Kuschelrock im Hintergund laufen lassen und romantische Sachen sagen. Aber: Wenn es darum ginge, die Namen von Neugeborenen zu registrieren, waere ich der mieseste und machtmissbrauchendste Standesbeamte der Welt. Da wird einfach zu lasch mit Zensur umgegangen, finde ich. Wozu ist man denn gewissenhafter Diener des Staates, wenn nicht, um dem fehlgeleiteten Geschmack junger Eltern ein bisschen auf die Spruenge zu helfen? Unfaelle wie
Nayla Alessandra waeren in meinem Standesamt nicht passiert! Und saemtliche anglophile Namen wuerde ich nur durchgehen lassen, wenn die Eltern einen entsprechenden kulturellen Hintergrund nachweisen koennen ("Ich guck so gerne E!" ist keine gueltige Ausrede). Brian-Justin, Skylar-Raven? Veboten! Alle Kombinationen mit Jan, Finn und Lily wuerde ich bis 2030 sperren und accents wuerden ganz untersagt, damit Katastrophen wie Michelè nicht passieren koennen. (Gibt's wirklich. Wie zur Hoelle soll man das aussprechen? Mischelä?)
Man muss die Menschen eben manchmal vor sich selbst schuetzen. Der Staat Deutschland nimmt diese Aufgabe bisweilen sehr ernst und schiebt allzu euphorischen Eltern den Riegel vor.
Pfefferminze, Schmitz und Lord wurde so ein Dasein voller Haeme und Demuetigung erspart. Frieden Mit Gott Allein Durch Jesus Christus gewann einen langwierigen Rechtsstreit und ist heute Pastor und
stolz auf seinen Namen. Allerdings kuerzt er ihn meistens zu Frieden. Ist auch einfacher.
Ich sage ja gar nicht, dass wir alle
Thomas und Sabine heissen sollten. Ich finde ausgefallene Namen ja auch schoener. Mit meiner akribisch ueber Jahrzehnte lang gefuehrten Liste mit potentiellen Namen fuer meinen zukuenftigen Nachwuchs haette ich wahrscheinlich sogar selbst den ein oder anderen Rechtsstreit fuehren muessen. Jeder anstaendige Standesbeamte haette mich doch ausgelacht, wenn ich ihm mit Schneewittchen, Io oder Sphinx angekommen waere.
Aber zum Glueck kann mir das inzwischen egal sein, denn in Neuseeland kann man sein Kind praktisch nennen, wie man lustig ist. Manchmal kommt es dabei allerdings zu peinlichen Missverstaendissen: Die nette Frau im Reisebuero, bei der wir unseren Urlaub in Fiji buchten, wies ganz verzueckt auf ihr Namensschild, als sie Jeans franzoesischen Akzent bemerkte, und sagte: "Ich habe auch einen franzoesischen Namen: Daniiil!" Auf dem Schild stand "Danielle". Das muss doch nicht sein, oder? Wenn schon exotisch, dann doch bitte mit richtiger Aussprache.
Ein anderes Minenfeld kann die Bedeutung eines Namens sein: Als ich ein paar Freunden schwaermerisch erzaehlte, meine soeben geborene Nichte trage den wunderschoenen Namen Mimi Lou, starrten sie mich erst an und prusteten dann los. Nachdem man sich wieder eingekriegt hatte (so 15 Minuten spaeter), weihten sie mich ein: mimi ist Maori fuer Pipi, und dass loo uebersetzt Klo heisst, weiss ich selber. Sehr lustig. Pipi-Klo. Ich hoffe, Mimi Lou kann noch nicht sprechen, wenn sie mich zum ersten Mal besuchen kommt.
Noch schlimmer als falsch artikulierte oder interpretierte Namen sind "kreative Geistesblitze". Diese zeichnen sich dadurch aus, dass sie 1. in einem Moment geistiger Verwirrung als Name des Kindes festgelegt werden, ohne an die Konsequenzen zu denken, und 2. totaler Muell sind. Ein kreativer Geistesblitz ereignete sich in Neuseeland letztes Jahr, als das vierte Kind eines sehr jungen Paares
Zealand-New getauft wurde. Man hatte sich ueberlegt, das zeige die Liebe der Eltern zum Vaterland und sei ungewoehnlich. Klaro, bei Namen wie Rlexuz and Korizma-Lake muss man einiges nachlegen, um das noch zu toppen. Zealand-New from New Zealand. Bravo!
Aber es kommt noch besser: Vorletztes Jahr fand sich ein Elternpaar
vor Gericht wieder, das seine Tochter Talula Does The Hula From Hawaii nannte. Offenbar fand das neunjaehrige Maedchen seinen Namen so scheisse, dass es ihn niemandem verriet. Den Eltern wurde prompt das Sorgerecht entzogen.
Bei solchen Eskapaden ist es schon fast verwunderlich, dass
die beliebtesten Babynamen in Neuseeland sehr traditionelle, altmodische Namen sind: Ganz vorne liegen Sophie,
Olivia und Ella fuer Maedchen, Jack, James und William fuer Jungs. Obwohl ich schwoeren koennte, dass die Haefte aller Maedels Hayley und Sarah heissen, waehrend sich Maennernamen grundsaetzlich auf zwei beschraenken: Chris und Mike.
Aber hey, solange wir unseren Kinder nicht ploetzlich dieselbe Art Namen geben wie manche Celebrities, ist mir alles recht. Sollte ich allerdings jemals eine Geburtsanzeige fuer Rain Harper Rose Jolie Madison Square Garden oder Rocco River Ryder Jagger Kentucky Fried Chicken lesen - dann ziehe ich nach China.
von Louisa von Reumont um 7:41
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Mein persönliches Highlight auf dem Gebiet "bescheurte Namen, verbrochen durch Celebrities": Pilot Inspector. Die Schauspielerin Beth Riesgraf aus der TV Serie "Leverage" hat so ihren Erst- (und vermutlich auch Letzt-) geborenen genannt.
Freddi am 11.02.10 8:54
Soll das etwa eine Anspielung auf Amadeus Benedict Edley Luis Becker sein? *lach* Ja ja, bei so vielen Buchstaben alleine in den Vornamen, da braucht der kleine Rocker dann aber eine sündhaft teure Schulausbildung! Ich bin schon gespannt, ob er jemals seinen eigenen Namen richtig schreiben können wird!?
Hmm.. Luis?
Mmh.. Louisa!
Hast Du uns nicht vielleicht doch noch etwas zu erzählen, was Du bis jetzt vielleicht noch gar nicht erwähnt hast? *frech grins*
Und ja, in diesem Fall würde ich allerdings auch nach China auswandern! *lach*
LG.. nach NewSea!
(oder doch nach China jetzt?) ;-)
MadMatt am 11.02.10 17:06
Quatsch. Maennernamen in Neuseeland beschraenken sich auf Luke bzw Lukas und Matt bzw Matthew.
Caro am 11.02.10 18:07
@ Freddi: Von Pilot Inspector habe ich auch gehoert! Der Papa ist Jason Lee aus My Name Is Earl. Sehr seltsamer Sache.
Ganz schlimm finde ich auch Alabama Gypsy Rose, so hat Schauspielerin Drea de Matteo ihre Tochter genannt.
Louisa am 11.02.10 23:45
@ MadMatt: Das musste ich jetzt erstmal nachschlagen, dieser Name ist mir doch glatt entgangen. Endlich beweist Boris mal ein bisschen Phantasie! Ich wuensche dem Kleinen Amadeus viel Freude mit seinem Namen.
Deine seltsamen Anspielungen ignoriere ich einfach mal ganz grosszuegig...
Louisa am 12.02.10 0:00
Oh, mein persönlicher Favorit lief vor einigen Wochen seiner "Ignaaaaarz" rufenden Mutter im Supermarkt davon.
Ich habe so eine Idee wieso der kleine Wurm das tat.
Spip am 23.02.10 15:17
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Zum SeitenanfangI’ll take you to a special place
Where the girls are
Topless
(Kid Alex, Young Love)
Liebe Maedels: Es gibt etwas, um das euch die durchschnittliche Kiwi-Dame beneidet. Und zwar, weil ihr europaeisch seid. Es ist nicht die Tatsache, dass ihr vom selben Kontinent seid wie
Robert Pattinson (obwohl das wahrscheinlich auf dem zweiten Platz liegt). Nein, es ist die Tatsache, dass ihr euch ohne Scham an Straenden und auf Wiesen oben ohne zeigen koennt (nur noch ein paar Monate, bis der Sommer anfaengt!).
Es ist so: Europa gilt Neuseelaendern als Zone der
freizuegigen Unverklemmtheit, wo Nacktheit noch natuerlich ist und Scham ein Fremdwort, wo die Nonchalance zu Hause ist und alle Menschen das tun, was ihnen gerade in den Sinn kommt. Eine Bloggerin bedauerte kuerzlich die
zugeknoepften Verhaeltnisse an neuseelaendischen Straenden und die fehlgeleitete Verklemmtheit, mit der die schamhaften Kiwis an ihrer Badebekleidung festhalten. Im lockeren und fortschrittlichen Europa, betont sie, zoege sich jeder vom Kleinkind bis zur Oma aus, und niemand kaeme auch nur auf die Idee,
auf anderer Leute Brueste zu spannen. Sie weiss das, weil sie schonmal in Europa im Urlaub war, und Dutzende Kommentatoren, die auch schonmal in Europa waren, bekraeftigen sie und schwaermen von der zwanglosen Art, mit der wir Europaeer mit Nacktheit umgehen. Stanley Tucci sagt in Sideways of New York, er habe "eine sehr europaeische Einstellung zur Ehe", womit er meint: Ich betruege meine Frau mit einer 19-Jaehrigen. Europa ist also fuer den Rest der Welt das ungezuegelte Land der Freiheit, und oben ohne an Straenden ist wie atmen - man tut es einfach.
Ach wirklich? Vielleicht haben sich diese Kiwis von griechischen Vasen, franzoesischen Filmen und Katie Price in die Irre fuehren lassen. Das letzte Mal, als ich mich wissentlich oben ohne in der Oeffentlichkeit gezeigt habe, war circa 1990. (Das letzte Mal, dass ich mich unwissentlich oben ohne in der Oeffentlichkeit gezeigt habe, war letztes Jahr, aber das zaehlt schliesslich nicht; ich arbeite ausserdem hart daran, das Geschehnis aus meiner Erinnerung zu verbannen.) Ich wuerde sogar behaupten, dass ich ausgesprochen pruede bin: Ich bin einer dieser Menschen, die ihren Bikini schon zu Hause anziehen, weil es im Schwimmbad keine Einzelkabinen gibt, und HASSE es, wenn Muetter/Freunde/Verkaeuferinnen ohne zu fragen den Vorhang der Umkleidekabine im Klamottengeschaeft aufreissen, um mich der ganzen Welt in Unterhose zu praesentieren. NIEMALS wuerde ich am Strand oder auf der Liegewiese meine sekundaeren Geschlechtsmerkmale enthuellen. Lieber wuerde ich mit einem Sack ueber dem Kopf umherflanieren. Und wenn mich meine Erinnerung nicht taeuscht, geht das auch vielen meiner europaeischen Freundinnen so.
Doch dann kam ich ins Gruebeln: Bin ich eine schlechte Europaeerin?! Muesste ich mit gutem Beispiel voran gehen und so tun, als waeren nackige Brueste an neuseelaendischen Straenden das normalste der Welt? Fuer mehr europaeische Verhaeltnisse? Fuer die Befreiung der Kiwi-Ladies? Ich beschloss, es zu wagen. Eines warmen Nachmittags fuhren Jean und ich zum Strand, er zum Tauchen, ich fuer eine bessere Zukunft ohne Hemmungen und Scheu fuer Neuseeland.
Es waren perfekte Bedingungen: warme Temperaten, aber bedeckter Himmel (Hautkrebs ist schliesslich ein Sache, die einem in Neuseeland viel eher droht als im freimuetigen Europa, da will man vorsichtig sein), moderate Bevoelkerung des Strandes, nicht allzu viele trinkende Beach Boys. Obwohl starrende Jungs nicht mal meine groesste Sorge waren. Am meisten Angst hatte ich vor der Massregelung erzuernter Eltern, die mich fuer das Verderben ihres zarten Nachwuchses verantwortlich halten. Wuerden sie mich unter Bewerfung mit Schwimmfluegeln vom Strand jagen? Oder wuerde ich als aufgeschlossene Heldin der Natuerlichkeit gefeiert?
Das galt es herauszufinden. Ich drappierte mein Handtuch, setzte meine Sonnenbrille auf (der letzte Rest Anonymitaet), zog mein Bikini-Oberteil aus und wartete. Niemand kam, um mir ein Flaeschchen ueber den Schaedel zu ziehen oder mir zu meiner europaeischen Offenheit zu gratulieren. Aber gestarrt wurde. Und zwar entweder interessiert und verwundert direkt auf meine Front oder, haeufiger, sehr angestrengt in eine andere Richtung mit einem gelegentlichen Blick aus den Augenwinkeln. Niemand nahm sich an mir ein Beispiel, ebenfalls die Huellen fallen zu lassen. Vielleicht braucht eine Revolution dieser Ausmasse Zeit. Nach 15 Minuten oben ohne beschloss ich, dass meine Mission erfuellt war und ich eine vollwertige Europaeerin, und zog mein Bikini-Top wieder an. Sollen die Kiwis doch allein ihre Hemmungen loswerden.
Wie seht ihr die Sache? Sind wir Europaeer enthemmter als andere? Zeigt ihr euch im Sommer oben ohne an Straenden oder woanders? Ist es okay, wenn andere es tun? Oder wollt ihr mit niemandes Intimzonen behelligt werden?
von Louisa von Reumont um 6:46
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Whow.. wie SEXY, echte deutsche nackte Haut am Neuseestrand!!! Dir ist aber schon klar, das die Bilder groß werden, wenn man darauf klickt!? Gut! Ich dachte nur an den letzten Rest Deiner Anonymität als Bloggerin! Ja, aber sonst eine gute Idee um alle Hemmungen los zu werden! ;-) Ich kenn das Hemmungslose ja nur von den Engländerinnen! Zuhause in England zugeknöpft wie die katolischsten aller Nonnen, aber in Deutschland im Urlaub nackt auf den Tischen tanzen und drei Typen an einem Abend durchziehen! Und das ganze heißt in England dann Junggesellinnenabschied (ich sag dazu ja nur: Tanz der Teufel III oder British-Braindead der Zombi Junggesellinnenabschied)!?
Also, wenn Du mich fragst, ich denke das mit den Hemmungen ist generell ein nationales Problem der unterschiedlichsten Bevölkerungsgruppen, die im Urlaub (oder in einem fremden Land) dann alle Hüllen fallen lassen, weil sie alle Hemmungen unter den Tisch gesoffen haben (und was unter den Tisch saufen angeht da sind die Engländer einfach unschlagbar)!? Ob ich recht habe mit meiner These, das kannst Du ja ganz einfach selbst beantworten, wenn Du Dir einfach selbst die Frage stellst, ob Du Dich in Deutschland auch oben ohne an den Strand gesetzt hättest und wenn ja, wieviele Cocktails dafür nötig gewesen wären?! *grins*
Na???
LG.. nach NeuSee..!!!
PS: Und Dir zu erzählen, wie ein Ösi so abgeht, wenn er im Ausland feiern geht, das verkneife ich mir jetzt einfach mal! *lach* ;-)
MadMatt am 5.02.10 12:32
auch ein schöner rücken kann entzücken ;-)
alex am 10.02.10 15:16
Verklemmte Kiwis? Ist mir dort nicht aufgefallen. Wenn ich zurückdenke, in wieviele Dekolletés ich starren musste!
Also mit Reizen geizen die Kiwinnen never.
Wenn die mal auf was neidisch sind, dann sind das europäische Autos.
tigger am 7.03.10 14:57
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