Lieber Westsektor!
Ich sitze bei einer heißen ERASCO-Weltkultursuppe („Soljanka“) an meinem Laptop und komme aus dem Kopfschütteln nicht mehr heraus: Seit Dresden vor ein paar Wochen der UNESCO-Weltkulturerbe-Titel entzogen worden ist, hat das einstige Elbflorenz viel von seiner Schönheit verloren. Nächste Woche soll die Frauenkirche abgebaut werden und weite Teile der vormals so malerischen Altstadt werden gesprengt. Ohne UNESCO-Weltkulturerbe-Titel hat Dresden keinen Sinn mehr. Scheiß Feldschlößchenbrücke!
[Hier sieht man sie nochmal von innen: die Dresdner Frauenkirche]
Die letzten vier Tage verliefen wechselhaft, wie Ihr der
1LIVE-Bildergalerie und den Schilderungen der iranischen Internetfee Schiwa Schlei entnehmen könnt. Ich habe in Rostock
drei attraktive Arzthelferinnen kennengelernt, Cocktails (ich nur „Virgin Colada“) mit ihnen getrunken und beinahe wäre was gelaufen (z.B. Gespräche, Küssen mit Zunge oder Soft Petting) – leider war die hartnäckige Schiwa mit dabei und hat mich, als die Stimmung testosteronbedingt ins Sexistische zu kippen drohte, in ihrer Funktion als Frauenbeauftragte dieses Reportageprojektes mit strengem Blick aus dem schmalen Spalt ihrer Dienstburka angefunkelt. Immer diese emanzipierten Iranerinnen, pah!
[Mal ohne Burka: Schiwa gilt im Ostsektor als Wessi und wird darum von den sehr zuvorkommenden Einheimischen nur mit VIP-Shuttles durch die Gegend chauffiert. Zum Dank erhalten die freundlichen Ostdeutschen kleine Taschenspiegel, Feuerwasser und Glasperlen.]
Angekotzt von der Tatsache, dass wir das bezaubernde Warnemünde nach zwei Tagen verlassen mussten, fuhren wir (also Schiwa, ich habe geschlafen) am Montag in Richtung Sorbenland. Ich dachte bislang, Sorben seien sowas wie Hobbits und wären erst seit der Festnahme von Sorbenführer Radovan Karadzic wieder ein bisschen näher an Europa herangerückt. Falsch. Die Sorben sind in Wirklichkeit echsenartige Fabelwesen, legen Eier und tragen spitze, purpurfarbene Zaubererhüte, damit man sie im Alltag besser erkennt. Das ist natürlich auch ein Scherz, und nicht mal ein guter.
[In Stralsund haben wir die ersten und bislang einzigen Nazis in freier Wildbahn gesehen. Ich habe versucht, sie aus dem Auto heraus zu fotografieren. Dieses Bild ist dabei herausgekommen. Ich vermute, Nazis lassen sich – ähnlich wie Vampire – nicht auf Film bannen und haben wahrscheinlich auch kein Spiegelbild.]
Nun also Dresden, gelegen im „Tal der Ahnungslosen“. Passt ja zu Schiwa und mir. Meine bezaubernde Kollegin
Caro Korneli von Radio Fritz ist in Dresden geboren. „DDR war mir egal, ich hab mich immer nur gefragt, warum es ausschließlich braune Zopfgummis gab,“ erzählt sie mir am Telefon. Das sind also die Osterinnerungen unserer Generation. „Und gib‘ zu, Du denkst auch, im Osten haben die früher den ganzen Tag gefickt, weil sie sonst nix zu tun hatten, oder?“ Das denken also die Ostdeutschen meiner Generation was gleichaltrige Westdeutsche über sie denken. Recht hat Caro, wie fast immer. Beweis: Dieses öffentliche Lovetoy in der Dresdner Fußgängerzone (wahrscheinlich noch aus DDR-Zeiten).
Ihr merkt, mir steckt die Rostocker Partynacht noch in den Knochen. Also entschuldigt die etwas vulgären Ausbrüche in diesem Text. Etwas oversexed aber beinahe erholt (ist es die Ostluft?), sagt „Tschüßie“ (so sagt man hier):
Euer, Jan Böhmermann
Jo, so finde ichs okay. Echt hübsch die Schiwa ! :-) Torsten
Torsten Bärwald am 21.07.09 19:38
hey! kleine anmerkung: die böse brücke heisst "waldschlößchenbrücke", und nicht feldschlößchenbrücke ;) das hat wohl eher was mit einer biermarke zu tun. da war wohl jemand wieder feiern :D
viel spaß noch im scheenen osten!
1live-kind im dräsdn-sektor am 22.07.09 8:52
hallö!!(auch das sagt man so im osten)
wollte ich nur hinufügen um eine guten gesprächsinstieg im nächsten osturlaub zu ermöglich (komme ich nämlich gerade her)
tschüßie
erdbeervanilleblütenfee am 23.07.09 18:16
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