Liebe britische Besatzungszone, hier schreibt zum ersten Mal
Jan Böhmermann, Schiwas Boytoy auf der "Von Sektor zu Sektor"-Tour.
Heute waren die 1LIVE-Internetiranerin und ich dort, wo Vorpommern beinahe schon Pommern heißt. Also im äußersten Osten Ostdeutschlands – wir waren so weit im Osten, dass das größte Teil Ostdeutschlands westlich von uns lag! Nun, da alle Ossis Wessis waren, hätte ich natürlich vortrefflich über sie lästern können. Gemäß des politisch korrekten öffentlich-rechtlichen Witzehandbuchs darf man über Wessis nämlich jederzeit mies kalauern, über Ossi jedoch nicht. Hab ich aber nicht gemacht, ich hatte anderes zu tun.
Schließlich wollte uns Horst Heiser (Linkspartei), der stellvertretende Bürgermeister von Löcknitz, die angesagten Hotspots seiner Gemeinde zeigen. Er durfte vorne in unserer dicken Westbonzen-E-Klasse sitzen, zeigte sich darüber aber empörend wenig begeistert. Ganz schön verwöhnt zwanzig Jahre nach dem Mauerfall, diese ostdeutsche Polit-Elite.
Mein Bericht aus Löcknitz [1LIVE | 17.07.2009 | kurz nach 6 Uhr]
Löcknitz fühlt sich an wie Pulheim oder Bergheim – ob das ein Kompliment oder eine Beleidigung ist, möge jeder Leser bitte selbst entscheiden. Das besondere an diesem sympathischen Nest im Ostzonenrandgebiet: Es wächst stetig, den Polen sei Dank! Vom kleinen deutschen Löcknitz bis zum großen polnischen Stettin sind es nur 20 Minuten mit dem Auto, viele Polen haben sich darum in Ostvorpommern ein Häuschen gekauft und leben nun in Löcknitz mehr oder weniger einträchtig neben ihren deutschen Nachbarn.
Herr Heiser redet über seine polnischen Nachbarn bevorzugt in der dritten Person Singular. Der Pole hat hier gekauft, der Pole ist ein guter Nachbar, der Pole ist sehr reinlich und korrekt. Der Pole ist vor allem: nicht weit weg. Schiwa und ich fahren mit unserer schwarzen E-Klasse mal rüber nach Stettin und laufen ein bisschen durch die Stadt. Einer bleibt natürlich immer am Auto, sicher ist sicher. Liebe politisch korrekte Leserschaft: Wir hegen und pflegen natürlich an dieser Stelle absichtlich das Vorurteil des stehlenden Polen, damit wiederum die Polen ihr Vorurteil, die arroganten Deutschen dächten merkwürdige Dinge über sie, durch uns bestätigt sehen. Auch so geht Völkerverständigung.
Weil Stettin etwas zu chaotisch war, Schiwa darum beinahe einen Unfall gebaut hätte und wir nicht riskieren wollten, dass es zu diplomatischen Verwicklungen zwischen Polen und Iran kommt, weil unsere 1LIVE-Quotenperserin heimlich ohne Visum in mein deutsches Lieblingsnachbarland eingereist ist, brausten wir nach nur einer Stunde Aufenthalt lieber wieder zurück. Außerdem wollten wir unsere harten Westeuros nicht gegen Zlotys tauschen, tschuldi, liebe Polen.
Mein Bericht aus Löcknitz [1LIVE | 17.07.2009 | kurz nach 8 Uhr]
Folgende Fragen stelle ich mir am Ende dieses Tages: Warum war eigentlich jeder Deutsche schon einmal in Frankreich, aber die wenigsten in Polen?! Warum habe ich nicht gewusst, dass es in Deutschland so derart naturbelassene, malerische und weite Landschaften gibt wie hier in Ostvorpommern? Und: Wer textet in Neubrandenburg eigentlich die Straßenschilder?
Hallo ihr beiden, ich finde eure Ostreportage wirklich toll,
ich bin Bielefelderin habe aber zwei Jahre im Osten gelebt, auch an der
polnische Grenze. Es ist schade, dass die Leute noch oft Vorurteile haben, denn es ist wirklich super da, schöne Natur nette,gelassene Menschen und ein Bildungssystem vom Feinsten, da könnten wir uns noch ne dicke Scheibe von abschneiden. Ein bisschen trauere ich der Zeit da noch hinterher und fahre regelmäßig zum Urlaub machen in die Lausitz-sehr zu empfehlen!Grüße
Angelina aus Bielefeld am 17.07.09 11:13
Hallo?
was habt ihr in Geografie für Noten gehabt? 5-, setzen ! "...im äußersten Osten Ostdeutschlands – wir waren so weit im Osten, dass das größte Teil Ostdeutschlands westlich von uns lag! ...
Dieser Punkt Deutschlands liegt wohl wenige Kilometer nördlich von Görlitz, das übrigends immer eine Reise wert ist!!!
Schöne Grüsse von Jens einem EX-Görlitzer jetzt Wossi.
Jens am 17.07.09 13:57
Hm, hallo Jan, ichabe heute morgen Dein Interview mit dem Bürgermeister von Löcknitz gehört. Der Mecklenburger an sich ist eher wie eine Auster.Es dauert eine Weile bis er (sie) sich öffnet.Bei Deinem Interviewstil hatte er ,wohl weil auch rhetorisch nicht ausgebildet kaum eine Chance. Also ich fühlte mich etwas in die Zeiten meines Regievolontariates beim DDR-Fernsehen zurückversetzt,wo mir die armen Journalistikvolontäre leidtaten, wenn sie über Mähdreschereinsätzein der Magdeburger Börde berichten mußten und das ganze im "AK-Stil" (steht für "Aktuelle Kamera" (Osttagesschau).gg Trotzdem ich sehe Dir das nach, weil ich aus eigener Erfahrung weiß, wie autoritär und borniert alte Kommunisten meisten sind. Nichts destrotz fährt Herr Heiser inzwischen wohl sicher selber eine dicke Karre,weil er als Bürgermeister wohl gar nicht so schlecht verdient. Vielleicht glaubst du als "Comedian" auch "bissig" sein zu müssen. Verständigung gibt es aber erst, wenn man den anderen, also in diesem Fall den Heiser so wie er ist akzeptiert,also auch in seiner mangelnden Medienprofessionalität.Wenn ich in Afghanistan so einen Malik (Bürgermeister) interviewen würde .... grins. Mehr Empathie vielleicht... Kannst ja auch Jens Becker (Regisseur und Professor an der HFF Potsdam Babelsberg)interviewen.
Früher gabs mal eine Dokuserie die die "Alltag im Westen" hieß (von Sabine Katins) Die haben sich auch immer nur die sozialen Brennpunkte im Westen rausgesucht und am liebsten Obdachlose, Drogenabhängige usw. interviewt.Insoweit war der Herr Heiser keine Politelite sondern eher unterer Parteifunktionärsdurchschnitt ("...unsere Menschen...grins)Herr Gysi oder Herr Bisky sind die alte neue Politelite der Linken und mit denen ginge so ein Interviewstil nicht. Ich bin kein Linker, aber wenn mir als Journalist irgendein Wissenschaftler seine neue Entdeckung erklärt und ich raffs beim dritten Erklärungsversuch immer noch nicht, laß ich das Interview sein. Schon Fritz Pleitgen meinte in den 70-zigern, wenn ein Westdeutscher Journalist Probleme mit seinem Selbstbewußtsein hat, möge er Korrespondent in der DDR werden..." Zitat sinngemäß, weil du ja mit der E-Klasse von Ulrich Deppendorf seinem oder seinem Nachfolger da unterwegs bist. Also lass das mit dem Überlegenheitsgefühl, nur weil die sich vielleicht nicht richtig artikulieren können.Keiner hat übrigens auch weder im Osten noch im Westen je verstanden,warum Karl- Eduart von Schnitzler, der im Westen ein anerkannter Journalist war später solche Sendungen gemacht hat ("Der schwarze Kanal").Aus solchen Gründen wollte ich früher mit Journalismus -zumindest in der DDR nichts zu tun haben. Wenn Du mit Vorbehalt ans Thema rangehst und Dein Vorurteil, scheinbares "Überlegenheitsgefühl" oder sonstwas bestätigt sehen willst,dann lass den Beitrag lieber sein.( oder das Gefühl witzig sein zu müssen)"Die" , "wir" haben dieses ehemlige DDR-Regime selbst gestürzt. Und umgekehrt hätte sicher die Hälfte erstmal zum Psychater gemußt.Also die mußten sich ganz schnell an die importierten westdeutschen Gesetze, Wirtschafts-und Sozialordnung gewöhnen und in Abhängigkeit davon wie alt sie sind, also je mehr ,je tiefer sie in der DDR "dringesteckt" haben, desto fortgeschrittener ist ihr "Integrationsgrad" in das heutige Deutschland. -von persönlichen Voraussetzungen ist sowas auch abhängig. Die Größe der geflossenen Billionen an DM und Euro berücksichtige ich dabei aber die im Osten bezahlen den Solidarzuschlag auch, eher eine Art verdeckte Sondersteuer. Sehr viel von dem Geld fließt auch wieder zurück. Klar konnten wir froh sein, daß wir Deutsche sind und keine Polen oder Tschechen oder Russen und,daß es die Bundesrepublik Deutschland gab, die uns aus dem Sumpf zog. Ups jetzt hab ich wieder viel geschrieben, gut soweit.Interessiert das überhaupt jemandem in Eurem "Sektor"?
Gruß Torsten
Torsten Bärwald am 17.07.09 14:16
fand eure ostrepotage echt geil! besonders als ihr in meiner heimat im metropolendorf löcknitz, wo ich bis vor 4 jahren noch gewohnt habe, wart.
ich hab gedacht ich höre nicht richtig als ihr morgens in eurer sendung mein altes heimatdorf genannt habt. das ist ja nun wirklich nicht groß, aber echt klasse von uns! musste das gleich allen meinen freunden erzählen
david am 22.07.09 19:30
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