In den wesentlichen Dingen sind Jan und ich uns extrem einig. Er ist der weltbeste Beifahrer, den man sich wünschen kann. Er legt genau so viel Wert auf gutes Essen wie ich (das bisherige Highlight war natürlich unser Mahl im Auerbachs Keller in Leipzig, in dem auch schon Goethe vor uns saß). Und wir lassen uns gerne treiben.
So auch vor einigen Tagen in Löcknitz. Eigentlich haben wir hier einen Termin mit dem stellvertretenden Bürgermeister (auf dem Foto oben rechts hinter Jan). Doch dann, auf dem Parkplatz eines überdimensional geratenen Supermarkts ("Es kommen viele aus Polen, um hier einzukaufen", so der Grund für seine Größe) entdecken wir einen VW-Bus mit Kölner Kennzeichen. Sektor-Kinder tief im Osten. Natürlich verwickeln wir die Großfamilie in ein Gespräch und natürlich lassen wir uns gerne einladen, vorbeizuschauen. Und so geht's nach Dorotheenwalde. Hier sind wir "gegenüber dem blauen Haus" verabredet - es ist so klein, dass Straßenschilder nur irritieren würden.
Herzlich empfängt uns Gisela Munecke und hat schon den Kaffeetisch eingedeckt. Mit am Tisch sitzen ihr Mann Rolf, die Tochter Christine Wolff, wiederum deren Tochter Regina und deren Mann Detlev Wolff. Während das alte Paar in Köln lebt, lebt die Tochter mit ihrer Familie in Oberhausen. Wenn wir uns irgendwo auf einem Parkplatz in Köln-Porz begegnet wären, würden wir sie wahrscheinlich für eine ganz normale Familie halten. Hier aber, rund 800 Kilometer weiter, am Kaffeetisch unweit der deutsch-polnischen Grenze wird uns bewusst, dass diese drei Generationen alle wesentlichen Aspekte der jüngeren deutschen Geschichte abdecken.
Da ist zunächst Detlev Wolff. Eindrucksvoll erzählt er, wie er als Ostdeutscher im Alter von 22 Jahren über die Grenze in die Bundesrepublik flüchtete. Die Flucht war gelungen, seine Hose beim Überqueren des Zauns gerissen - da hat er zunächst im nächsten Dorf irgendwo geklingelt. Zu RAF-Zeiten keine so gute Idee. Vor lauter Angst haben ihm die ersten die Tür wieder vor der Nase zugeschlagen, bis er eine Familie antraf, die ihn reinbat, die seine Hose flickte, "während ich nachts die erste Banane meines Lebens aß."
Seine Frau Christine wuchs im Rheinland auf. "Ich konnte mir die Mauer gar nicht vorstellen. Dazu war sie viel zu weit weg." Das verbindet sie und ihre Tochter Regina. "Man kennt natürlich die ganzen Geschichten, aber erlebt habe ich das ja nicht", sagt die 23-jährige Arzthelferin. Ein paar Tage Urlaub hier bei der Oma in der beschaulichen Natur macht sie gerne. Hier zu leben ist für sie, die in Oberhausen lebt, allerdings unvorstellbar: "Zu ruhig!"
Die Gastgeberin Gisela hat am meisten Geschichte erlebt: Sie ist in Stettin (heutiges Polen) geboren, dann kauften ihre Eltern rund eine halbe Stunde entfernt hier in Dorotheenwalde das Haus, wo sie aufwuchs. Nach der Wende hat sie sich ihr einst enteignetes Haus wieder geholt, restauriert und fährt jetzt immer wieder mit ihrer Familie und ihrem Mann hin. Der hat übrigens auch viel zu erzählen. Er hat das Dritte Reich, den Nationalsozialismus, den Krieg erlebt. Aber dafür bleibt uns leider keine Zeit mehr.
Wir fahren weiter nach Neubrandenburg. Rechts und links sind Felder, soweit das Auge sehen kann. Keine Häuser, keine Rastplätze, nichts. Beinahe überfahre ich eine Schlange - Jan und ich können es nicht fassen. Eine Schlange mitten auf der Straße! Beeindruckend.
Jan berichtet von der Drei-Generationen-Familie [1LIVE | 21.07.2009 | 15:35 Uhr]
finde ich total toll das ihr sowas macht.eine tour durch meine heimat.
ich kenne die familie auch ist eine ganz nette. habe mal im nachbarort gewohnt. (breitenstein)(vor 9 jahren)
lg madlen
madlen am 21.07.09 19:38
Und denSchwachsinn von Detlef Wolff habt ihr geglaubt ? das er im Westen mit 22 seine erste banane gegessen hätte ? So ein Blödsinn....natürlich gab es in der DDR sehr wenig Südfrüchte aber es gab sie ! Oder habt ihr diese geschichte frei dazuerfunden ? Ich weiß jedoch noch genau, wie ich in meiner heimatstadt Weimar mir vom ersten Lehrlingsgehalt ein Kilo bananen gekauft und in aller Ruhe auf ner parkbank auf dem Goetheplatz gegessen habe. Und das mitten im Sommer...(meistens gabs Südfrüchte nur zu feiertagen)aber das Märchen von der ersten banane mit 22 im Westen---blanker Schwachsinn...Also....glaubt nicht jeden Scheiß !!!
mephisto
mephisto am 1.08.09 14:04
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