Als wir beschlossen, 20 Jahre nach der deutschen Einheit durch den Osten zu touren, gab es einen guten Grund dafür. Uns war aufgefallen, dass die Wenigsten die Bundesländer jenseits der ehemaligen Grenze zur DDR kennen. Man - auch ich - fährt nach Berlin. Vielleicht noch nach Leipzig oder Dresden. Ansonsten aber bestimmen Vorurteile und Unkenntnis unser Bild von der anderen Hälfte der Republik.
Nach einer Woche Ost-Tour kann ich nur sagen: Das ist sehr sehr schade. Es gibt Orte, die ich auf jeden Fall wieder besuchen werde. Plätze, die ich nur ungern verlassen habe. Es gibt natürlich auch Orte, die ich niemals wieder freiwillig aufsuchen werde. Das hat gar nichts damit zu tun, dass sie sich hier im Osten befinden, sondern eher mit ihrer Eigenschaft, eine öde, triste Kleinstadt zu sein.
Als uns der stellvertretende Bürgermeister in Löcknitz sagt, die jungen Menschen wollten nicht zurück kommen, fühle ich mich an Bodenwerder in Niedersachsen erinnert. Dort, in der Nähe von Hameln, bin ich aufgewachsen. In einer Stadt, in der es irgendwann nicht mal mehr ein Kino gab, geschweige denn ein Gymnasium. Kaum einer meiner Mitschüler ist wieder zurück gegangen. Das ist einfach so - egal ob Ost oder West.
Was mir jetzt schon in Erinnerung bleiben wird, ist diese beeindruckende Natur. Auch wenn man sich an das Radioprogramm nur schwer gewöhnen kann: Es ist fantastisch, eine Dreiviertelstunde lang mit dem Auto über Pflastersteine zu tuckern, umgeben von Natur, von blühenden Sonnenblumen- oder Kornfeldern so weit das Auge blicken kann. Solche Weiten habe ich nicht mal in Niedersachsen oder Bayern gesehen. Es ist toll, durch Wälder zu fahren, die mich an den Schwarzwald erinnern lassen. Und am besten ist es natürlich, hier in Warnemünde am Meer zu sitzen. Hier ist es einfach deutsch - nicht typisch ost- oder westdeutsch, einfach nur deutsch. Auf 20 Jahre deutsche Einheit!
Hört hier Jans Wochenrückblick [1LIVE | 19.07.2009 | vormittags]
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ich wollt einfach nur Danke sagen. eure Serie hat dem eingefleischtem "Wessi" auch mal einen Teil gezeigt der nicht in Nord oder Süd liegt sondern in einem in dem er sich selten bis gar nicht traut und dabei gibt es soviel zu endecken. Aber vieleicht muss man dafür auch etwas "älter" sein, denn Stundenlang durch Wald und Wiese zu fahren liegt nicht jedem. Da ich selbst zu der Gattung gehöre, die im Osten aufgewachsen ist, konnte ich bei euren Schilderungen immer wieder schmunzeln. Aber nicht vergessen darf man die hohe Arbeitslosigkeit und der Bevölkerungsrückgang, die leider über diesen schönen Eindrücken schweben.
alles liebe an euch und das gesamte Team und auf ein wiederkommen!
die schlemmerschnitte aus der Stadt mit der Schwebebahn
Silvio am 20.07.09 9:11
Sagt mal, ist das alles? Ich habe leider nicht jede Schaltung im Radio mitbekommen und hatte daher gehofft, im Netz fündig zu werden. Aber hier gibt es ja auch nicht viel mehr. Wenn das alles ist, was ihr über eure Reise zu berichten habt, ist das ziemlich traurig. Ihr verniedlicht, macht euch über manche Gegebenheiten lustig. Aber wirklich etwas erfahren kann man bei euch nicht. Das ist schade. Damit tragt ihr auch nicht gerade zu einem besseren Zusammengehörigkeitsgefühl bei.
Claudia am 20.07.09 12:46
Es ist irgendwie interessant, dass die Medien i.d.R. mit einem negativen Grundton über die Neuen Bundesländer berichten. So auch in diesem - eigentlich gut gemeinten Artikel vom manager magazin - über die Uhrenproduktion in Glashütte:
"Und es handelt sich immerhin um den Auftritt einer neuen Linie: 20 Modelle der schönen, schlichten Zeigeruhren, die Namen tragen wie "Weimar" oder "Herrnhut", "Eisenhüttenstadt" oder "Ludwigslust", allesamt Ortsnamen aus der Ostprovinz. Dazu Zifferblätter in zehn verschiedenen Grautönen. Grau wie einst der Osten."
Kein Wunder also, dass sich viele 'Ossis' als Menschen zweiter Klasse fühlen!
Stephan am 21.07.09 13:47
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