Dresden erinnert mich an Prag. Monumentale, historische Bauten, großzügige Plätze mit diversen Cafés und Restaurants, der Fluß (hier die Elbe) und jede Menge Touristen.
Dresden ist international.
Kein Tourist aber Amerikaner ist Patrick, den ich vor der Frauenkirche treffe. Seit Monaten hat er hier in Dresden gelebt und gearbeitet, seine erste Station in Ostdeutschland. Ob er als Ausländer einen Unterschied zwischen Ost- und Westdeutschen sehen würde, will ich wissen. "Ja, auf jeden Fall. Die Menschen hier sind anders. Sie sind freundlicher, wärmer und bescheidener." Einfach "down to earth", also geerdeter. Zwei Monate hat er in Köln gelebt, außerdem in Heidelberg und Konstanz. "Da waren die Leute immer gehetzter. Sie helfen dir, sprechen mit dir, wirken aber, als müssten sie gleich zum nächsten Termin."
Die meisten jungen Ossis, die wir antreffen, sehen das Ost-West-Ding überbewertet. So wie Karsten aus Weißwasser. Vorurteile gegen Wessis hat er keine. "Das ist doch alles eins", sagt er, die Mauer sei schließlich vor 20 Jahren gefallen. "Es gibt echt andere Dinge, die mir gegen den Strich gehen."
Damit steht er nicht alleine da. Auch Hans und Paul sehen das so. Sie leben mittlerweile in Nürnberg, Paul kommt aber aus Dresden. Auf den Treppen der Frauenkirche schnacken wir nicht über den Ost-West-Gegensatz, sondern vor allem über die Rivalität zwischen Leipzig und Dresden. Wir haben gehört, die sei vergleichbar mit der zwischen Köln und Düsseldorf. Hans bringt es auf den Punkt: "Was ist besser: Hund oder Katze? Beide haben was, oder?"
Ich finde ja, das muss ich vor allem nach Jans Radio-Beitrag ganz klar festhalten: Düsseldorf ist wesentlich schöner als Köln - so wie Dresden wirklich mit seiner Altstadt und den historischen Gebäuden mich persönlich mehr beeindruckt hat als Leipzig. In Köln kann man arbeiten (das tue ich ja ;-) und auch ganz gut feiern, okay, kulturell ist in der Domstadt auch viel los. Aber wir Düsseldorfer haben die schöne Altstadt, die Rheinuferpromenade, Altbier und Fortuna Düsseldorf. Vor allem aber sind wir die toleranteren Weltbürger - oder gibt es einen Laden in Köln, in dem man Altbier kaufen kann? Wir dulden sogar als solche ausgewiesene Kölsch-Läden.
Vielleicht sollten Jan und ich als nächstes nicht auf Ost-West-Freundschafts-Mission gehen, sondern was für die Städtepartnerschaft Düsseldorf - Köln tun. Die Leipziger und Dresdener, um das auch mal festzuhalten, sind da im übrigen diplomatischer, differenzierter und weniger aufgeregt als wir, wenn es um ihre Städterivalität geht.
Netter Text. Aber wer oder was ist dieses Düsseldorf von dem da geschrieben wird?
Daniel am 22.07.09 13:59
Hey,
ursprünglich komme ich aus Dresden, lebe aber seit drei Jahren in Münster und freue mich natürlich sehr auch mal was bei EinsLive über meine Heimatstadt zu hören... ;-)
Was die Vorurteile betrifft, finde ich es witzig, wie schnell man vom 'Ossi' zum 'Wessi' wird. Als ich mal wieder den alten Bundesländern, genauer gesagt in Thüringen war, fragte mich jemand: "Sag mal, du kommst doch auch aus dem Westen...?" Ich meinte nur, dass ich zwar jetzt aus Münster komme, aber in Dresden aufgewachsen bin und fand es echt witzig, wie schnell sich die Relationen verändern.
Generell finde ich es aber schwierig, heute noch vom 'Westen' und vom 'Osten' zu sprechen, da 'Westen' und 'Osten', 'Ossi' und 'Wessi' oder 'Westler' und 'Ostler' irgendwie sehr negativ behaftet sind. Ist es denn so schwer heute einfach zu sagen: "Ach, du kommst ja aus den alten/neuen Bundesländern..."? Oder einfach mal statt nach 'Ost' und 'West' in Bundesländer zu kategoriesieren? (Das würde sicherlich bei einigen - auch meine - die Geografiekenntnise ein bisschen auffrischen...^^) Ich denke, dass, wenn man einfach mal bewusster auf die eigene Wortwahl achten würde, schon einiges mehr für die Einheit in den Köpfen getan werden würde...
Teresa am 22.07.09 15:46
Hallo Schiwa.
Ein Hoch auf Düsseldorf!
Ist wirklich schade, dass unsere "lieben" Kölner Ihre Schlappe aus dem Jahre 1288 auf den Feldern zu Worringen einfach nicht überwinden können.
Wir erhalten die Stadtrechte, werden Landeshauptstadt und stehen in allen Belangen vor Köln (Ok ok, Ihr habt Poldi, wir sind z.Zt. nur 2. Liga).
Zum Glück ist der WDR wenigstens in Köln zuhause. So schafft es die Domstadt wenigstens auf die Wetterkarte der ARD-Nachrichten ;-)
Mit bekannten Worten
"Bis neulich"
ein Düsseldorfer am 22.07.09 15:48
Ich beneide die jungen Leute sehr um diese Zeit.Bin zwar auch vor sechs Jahren vom Land Brandenburg nach Kassel gegangen und liebe diese Stadt (wirklich) "heiß und innig" - die Hessen sind ein lustiges Völkchen.Wenn ich an die Vergangenheit auf irgendeine Weise erinnert werde, kommt in mir die Wut hoch - 17 000 Leute arbeiten jetzt wieder im Staatsapparat des jetzigen Landes und hatten zuvor dem anderen Staat auch schon treue Dienste angeboten.Da werden wir noch ein ganzes Stück Arbeit leisten müssen, um zu begreifen, daß es nicht ein böser "Wessi" ist, der gerade versucht, uns in der einen oder anderen Situation das Leben schwer macht.
Also Jungs und Mädels bleibt wachsam -Die Vergangenheit wird sich unweigerlich wieder ins jetzige Leben drängen.
Astrid aus der auch sehr lebendigen Stadt Kassel
Astrid Beinhoff am 3.08.09 18:02
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