Hinter den schönen Fassaden von Leipzig lebt es sich zum Teil sehr trist: Jeder Fünfte ist hier arbeitslos - was man wissen muss, denn dem Stadtbild selbst sieht man es tatsächlich nicht an. Jan und ich haben uns beim Thema Beschäftigung dagegen entschieden, einen Arbeitslosen zu porträtieren. Denn wen auch immer wir treffen würden: Es dürfte keinen Unterschied machen, ob man als 25-Jähriger in Halle/Westfalen oder unweit von Leipzig in Halle an der Saale keinen Job hat.
Es geht auch anders: Mit einer simplen innovativen Idee hat es zum Beispiel ein Student aus Leipzig mit seinem Freund geschafft. Beide haben 2002 Spreadshirt gegründet. Die Firma bietet jedem die Möglichkeit, sich per Internet T-Shirts mit dem Motiv seiner Wahl zu bestellen. Wer möchte, kann sich außerdem über Spreadshirt.net seinen eigenen kostenlosen Shop einrichten lassen und darüber selbst entworfene Kreationen vertreiben. Klingt simpel, ist aber extrem erfolgreich: International beschäftigt die Firma 300 Mitarbeiter und wächst - trotz Finanzkrise - weiter und weiter.
Durch den Seiteneingang landen wir ungewollt mittendrin in der Produktion. Es geht hier zu wie in einem riesigen Copyshop, was mich überrascht. Mehrere 1.000 T-Shirts werden hier täglich produziert - und dennoch wird jedes Teil einzeln bedruckt. Ich hatte es mir technischer, automatisierter vorgestellt. Eben nicht wie in einem nur etwas größer geratenem Copyshop.
Über die Lautsprecher dröhnt Musik, die in regelmäßigen Abschnitten von Computer-Sounds übertönt wird. Am Ende der Halle steht das Kapital - lange Reihen von T-Shirts, Kapuzenpullover, sogar Unterhosen. Alle Farben, alle Größen. Und um euch zu beruhigen: S wird von den weiblichen Kunden selten bestellt. "Bei den Frauen geht es ab M los, bei den Männern verkaufen wir am meisten T-Shirts in L oder XL", sagt uns Eike Sievert, die Pressesprecherin von Spreadshirt. Übrigens: Auch sehr gut laufen die Hunde-T-Shirts. Unfassbar.
Sie führt uns mit Ali durch die Halle. Lässig und jung wirkt hier alles, aber nicht aufgesetzt. Das liegt möglicherweise am Durchschnittsalter des Unternehmens, das bei jungen 29 Jahren liegt. So jung ist Mitbegründer und mittlerweile Technik-Chef Matthias Spieß zwar nicht mehr. Als er uns mit T-Shirt und Jeans begrüßt, erinnert uns der ganze Style, die Atmosphäre dennoch eher an die New Economy. Auch der eingerichtete "Ethikrat" klingt danach. Der wacht darüber, dass keine sexistischen Motive oder rassistischen, demokratiefeindlichen Sprüche auf den Textilien landen.
Jan im Gespräch mit Spreadshirt-Gründer Matthias Spieß [1LIVE | 15.07.09 | früh am Morgen]
Obamas Wahlplakat, Robbie Williams oder die Logos der Fußballvereine HSV und Bayern München sind zwar weder demokratiefeindlich noch sexistisch - trotzdem dürfen auch sie nicht gedruckt werden. "Das fällt leider unter die Copyright-Bestimmungen." Selbst Sätze wie "Ich habe auch Augen Du Arsch" oder Wörter wie "Zicke" sind Dinge, die sich Menschen schützen lassen haben. "Deshalb darf niemand mehr das Wort Zicke auf ein T-Shirt drucken. Würden wir das machen, würden auch wir rechtlich zur Rechenschaft gezogen werden." Denn - diese Erklärung gefällt mir am besten:"Das T-Shirt ist noch kein Medium."
Hallo Ihr Zwei!
Das ist ja ein Ding mit Eurer Ost-Reportage: gerade gestern habe ich
T-Shirts von Spread-Shirt, von denen Ihr gerade berichtet habt, geliefert
bekommen. Wußte gar nicht, dass die in Leipzig sind. War super interessant
- und die Shirts, die die bedrucken, sind klasse!
Grüße, Jeannine.
Jeannine am 15.07.09 8:46
Kann ich nur empfehlen, wir designen selber T-Shirts, die wir über Spreadshirt verkaufen, gute Qualität und schnelle Lieferung.
Grüsse,
Jay
vantr1be am 15.07.09 16:25
Eine weitere super Idee, von Studenten aus Leipzig gegründet ist: "Mein Zelt steht schon". Diese Jungs sorgen dafür, dass man ohne lästiges Auf - und Abbauen gemütlich jedes Festival geniessen kann. Leipzig eine Stadt innovativer Ideen mit viel Potenzial. LG aus NRW
DurB am 17.07.09 11:57
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