Liebe britische Besatzungszone, hier schreibt zum ersten Mal
Jan Böhmermann, Schiwas Boytoy auf der "Von Sektor zu Sektor"-Tour.
Heute waren die 1LIVE-Internetiranerin und ich dort, wo Vorpommern beinahe schon Pommern heißt. Also im äußersten Osten Ostdeutschlands – wir waren so weit im Osten, dass das größte Teil Ostdeutschlands westlich von uns lag! Nun, da alle Ossis Wessis waren, hätte ich natürlich vortrefflich über sie lästern können. Gemäß des politisch korrekten öffentlich-rechtlichen Witzehandbuchs darf man über Wessis nämlich jederzeit mies kalauern, über Ossi jedoch nicht. Hab ich aber nicht gemacht, ich hatte anderes zu tun.
Schließlich wollte uns Horst Heiser (Linkspartei), der stellvertretende Bürgermeister von Löcknitz, die angesagten Hotspots seiner Gemeinde zeigen. Er durfte vorne in unserer dicken Westbonzen-E-Klasse sitzen, zeigte sich darüber aber empörend wenig begeistert. Ganz schön verwöhnt zwanzig Jahre nach dem Mauerfall, diese ostdeutsche Polit-Elite.
Mein Bericht aus Löcknitz [1LIVE | 17.07.2009 | kurz nach 6 Uhr]
Löcknitz fühlt sich an wie Pulheim oder Bergheim – ob das ein Kompliment oder eine Beleidigung ist, möge jeder Leser bitte selbst entscheiden. Das besondere an diesem sympathischen Nest im Ostzonenrandgebiet: Es wächst stetig, den Polen sei Dank! Vom kleinen deutschen Löcknitz bis zum großen polnischen Stettin sind es nur 20 Minuten mit dem Auto, viele Polen haben sich darum in Ostvorpommern ein Häuschen gekauft und leben nun in Löcknitz mehr oder weniger einträchtig neben ihren deutschen Nachbarn.
Herr Heiser redet über seine polnischen Nachbarn bevorzugt in der dritten Person Singular. Der Pole hat hier gekauft, der Pole ist ein guter Nachbar, der Pole ist sehr reinlich und korrekt. Der Pole ist vor allem: nicht weit weg. Schiwa und ich fahren mit unserer schwarzen E-Klasse mal rüber nach Stettin und laufen ein bisschen durch die Stadt. Einer bleibt natürlich immer am Auto, sicher ist sicher. Liebe politisch korrekte Leserschaft: Wir hegen und pflegen natürlich an dieser Stelle absichtlich das Vorurteil des stehlenden Polen, damit wiederum die Polen ihr Vorurteil, die arroganten Deutschen dächten merkwürdige Dinge über sie, durch uns bestätigt sehen. Auch so geht Völkerverständigung.
Weil Stettin etwas zu chaotisch war, Schiwa darum beinahe einen Unfall gebaut hätte und wir nicht riskieren wollten, dass es zu diplomatischen Verwicklungen zwischen Polen und Iran kommt, weil unsere 1LIVE-Quotenperserin heimlich ohne Visum in mein deutsches Lieblingsnachbarland eingereist ist, brausten wir nach nur einer Stunde Aufenthalt lieber wieder zurück. Außerdem wollten wir unsere harten Westeuros nicht gegen Zlotys tauschen, tschuldi, liebe Polen.
Mein Bericht aus Löcknitz [1LIVE | 17.07.2009 | kurz nach 8 Uhr]
Folgende Fragen stelle ich mir am Ende dieses Tages: Warum war eigentlich jeder Deutsche schon einmal in Frankreich, aber die wenigsten in Polen?! Warum habe ich nicht gewusst, dass es in Deutschland so derart naturbelassene, malerische und weite Landschaften gibt wie hier in Ostvorpommern? Und: Wer textet in Neubrandenburg eigentlich die Straßenschilder?
Hallo ihr beiden, ich finde eure Ostreportage wirklich toll,
ich bin Bielefelderin habe aber zwei Jahre im Osten gelebt, auch an der
polnische Grenze. Es ist schade, dass die Leute noch oft Vorurteile haben, denn es ist wirklich super da, schöne Natur nette,gelassene Menschen und ein Bildungssystem vom Feinsten, da könnten wir uns noch ne dicke Scheibe von abschneiden. Ein bisschen trauere ich der Zeit da noch hinterher und fahre regelmäßig zum Urlaub machen in die Lausitz-sehr zu empfehlen!Grüße
Angelina aus Bielefeld am 17.07.09 11:13
Hallo?
was habt ihr in Geografie für Noten gehabt? 5-, setzen ! "...im äußersten Osten Ostdeutschlands – wir waren so weit im Osten, dass das größte Teil Ostdeutschlands westlich von uns lag! ...
Dieser Punkt Deutschlands liegt wohl wenige Kilometer nördlich von Görlitz, das übrigends immer eine Reise wert ist!!!
Schöne Grüsse von Jens einem EX-Görlitzer jetzt Wossi.
Jens am 17.07.09 13:57
Hm, hallo Jan, ichabe heute morgen Dein Interview mit dem Bürgermeister von Löcknitz gehört. Der Mecklenburger an sich ist eher wie eine Auster.Es dauert eine Weile bis er (sie) sich öffnet.Bei Deinem Interviewstil hatte er ,wohl weil auch rhetorisch nicht ausgebildet kaum eine Chance. Also ich fühlte mich etwas in die Zeiten meines Regievolontariates beim DDR-Fernsehen zurückversetzt,wo mir die armen Journalistikvolontäre leidtaten, wenn sie über Mähdreschereinsätzein der Magdeburger Börde berichten mußten und das ganze im "AK-Stil" (steht für "Aktuelle Kamera" (Osttagesschau).gg Trotzdem ich sehe Dir das nach, weil ich aus eigener Erfahrung weiß, wie autoritär und borniert alte Kommunisten meisten sind. Nichts destrotz fährt Herr Heiser inzwischen wohl sicher selber eine dicke Karre,weil er als Bürgermeister wohl gar nicht so schlecht verdient. Vielleicht glaubst du als "Comedian" auch "bissig" sein zu müssen. Verständigung gibt es aber erst, wenn man den anderen, also in diesem Fall den Heiser so wie er ist akzeptiert,also auch in seiner mangelnden Medienprofessionalität.Wenn ich in Afghanistan so einen Malik (Bürgermeister) interviewen würde .... grins. Mehr Empathie vielleicht... Kannst ja auch Jens Becker (Regisseur und Professor an der HFF Potsdam Babelsberg)interviewen.
Früher gabs mal eine Dokuserie die die "Alltag im Westen" hieß (von Sabine Katins) Die haben sich auch immer nur die sozialen Brennpunkte im Westen rausgesucht und am liebsten Obdachlose, Drogenabhängige usw. interviewt.Insoweit war der Herr Heiser keine Politelite sondern eher unterer Parteifunktionärsdurchschnitt ("...unsere Menschen...grins)Herr Gysi oder Herr Bisky sind die alte neue Politelite der Linken und mit denen ginge so ein Interviewstil nicht. Ich bin kein Linker, aber wenn mir als Journalist irgendein Wissenschaftler seine neue Entdeckung erklärt und ich raffs beim dritten Erklärungsversuch immer noch nicht, laß ich das Interview sein. Schon Fritz Pleitgen meinte in den 70-zigern, wenn ein Westdeutscher Journalist Probleme mit seinem Selbstbewußtsein hat, möge er Korrespondent in der DDR werden..." Zitat sinngemäß, weil du ja mit der E-Klasse von Ulrich Deppendorf seinem oder seinem Nachfolger da unterwegs bist. Also lass das mit dem Überlegenheitsgefühl, nur weil die sich vielleicht nicht richtig artikulieren können.Keiner hat übrigens auch weder im Osten noch im Westen je verstanden,warum Karl- Eduart von Schnitzler, der im Westen ein anerkannter Journalist war später solche Sendungen gemacht hat ("Der schwarze Kanal").Aus solchen Gründen wollte ich früher mit Journalismus -zumindest in der DDR nichts zu tun haben. Wenn Du mit Vorbehalt ans Thema rangehst und Dein Vorurteil, scheinbares "Überlegenheitsgefühl" oder sonstwas bestätigt sehen willst,dann lass den Beitrag lieber sein.( oder das Gefühl witzig sein zu müssen)"Die" , "wir" haben dieses ehemlige DDR-Regime selbst gestürzt. Und umgekehrt hätte sicher die Hälfte erstmal zum Psychater gemußt.Also die mußten sich ganz schnell an die importierten westdeutschen Gesetze, Wirtschafts-und Sozialordnung gewöhnen und in Abhängigkeit davon wie alt sie sind, also je mehr ,je tiefer sie in der DDR "dringesteckt" haben, desto fortgeschrittener ist ihr "Integrationsgrad" in das heutige Deutschland. -von persönlichen Voraussetzungen ist sowas auch abhängig. Die Größe der geflossenen Billionen an DM und Euro berücksichtige ich dabei aber die im Osten bezahlen den Solidarzuschlag auch, eher eine Art verdeckte Sondersteuer. Sehr viel von dem Geld fließt auch wieder zurück. Klar konnten wir froh sein, daß wir Deutsche sind und keine Polen oder Tschechen oder Russen und,daß es die Bundesrepublik Deutschland gab, die uns aus dem Sumpf zog. Ups jetzt hab ich wieder viel geschrieben, gut soweit.Interessiert das überhaupt jemandem in Eurem "Sektor"?
Gruß Torsten
Torsten Bärwald am 17.07.09 14:16
fand eure ostrepotage echt geil! besonders als ihr in meiner heimat im metropolendorf löcknitz, wo ich bis vor 4 jahren noch gewohnt habe, wart.
ich hab gedacht ich höre nicht richtig als ihr morgens in eurer sendung mein altes heimatdorf genannt habt. das ist ja nun wirklich nicht groß, aber echt klasse von uns! musste das gleich allen meinen freunden erzählen
david am 22.07.09 19:30
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Ein weiteres Mal haben Jan und ich die Grenze überschritten - diesmal die Grenze nach Polen. Doch der Abstecher nach Stettin erweist sich im Nachhinein als eher überflüssig. Diese Stadt ist für kurze, unvorbereitete Besuche nicht gemacht... Ein bisschen enttäuscht verlassen wir das Land der kürzesten Hotpants der Welt, um uns dann an der Grenze zu amüsieren. Hier herrscht absolute Stille. Keine Beamten, keine Shops, nichts. Absolutes Niemandsland, in dem wir erstmal eine kleine Pause einlegen.
Jan meldet sich von der Grenze [1LIVE | 16.07.2009 | nachmittags]
P.S.: Für alle Viersener, Mönchengladbacher und andere Rheinländer, die gerne mal über die Grenze nach Holland fahren, um Pommes mit feister Saté Sauce zu essen und Chocomel zu trinken - der Trip hier über Grenze lohnt sich weniger. Es gibt die "billigsten Zigaretten der Welt" (was nur davon zeugt, dass der Verkäufer nicht viel herumgekommen zu sein scheint). Und man bestätigt uns: Wirklich günstig sind die Waren auch nicht...
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Gibt es im Osten tatsächlich mehr Rechtsextreme? Werde ich komisch angeschaut oder behandelt werden, wenn ich durch die Fußgängerzone laufe? Ich gebe zu, dass ich mir vor meiner Tour zumindest ein paar Gedanken gemacht habe. Die macht man sich zwangsläufig, wenn Freunde und Kollegen, die normalerweise nicht im Verdacht stehen, sensibel oder über-vorsichtig zu sein, einen bitten: "Du passt aber auf."
Fakt ist, dass die Wahlergebnisse in Dessau-Roßlau einen nicht aufschrecken lassen: Bei der letzten Europawahl im Juni gab es
knapp über 2 Prozent für DVU und REP. Fakt ist auch, man sieht im Stadtbild kaum Ausländer. Auf dem Weg aus dem Parkhaus beschließen wir, die Zeit zu messen: Wie lange kann man durch die Innenstadt laufen, ohne auf einen Menschen mit offensichtlichem Ausländer-Background zu treffen? Ganz ehrlich: über eine halbe Stunde lang! Nur 2,16 Prozent der Einwohner von Dessau-Roßlau sind Menschen ausländischer Herkunft. Die ersten Asiatinnen treffe ich kochend in der Einkaufspassage. Was bei uns im Rheinland die Döner-Buden sind, sind hier die Asia-Treffs. Das hat etwas mit der DDR-Vergangenheit zu tun. Es waren nicht die Italiener, Griechen oder eben Perser wie ich oder besser gesagt meine Eltern, die ihr Land verlassen haben, sondern Menschen aus Vietnam, Angola oder Mosambik.
Dennoch, dass ich komisch angesprochen oder angesehen werde, das ist hier in Dessau nicht der Fall. Ich fühle mich nur deshalb etwas unwohl, weil es mich irritiert, wie deutsch diese Stadt ist. Unwohl fühlt sich Mario auch. Wir treffen ihn gemeinsam mit Steffen und Marco in einem alternativen Jugendzentrum in Dessau. Das Gebäude gleicht einem Sicherheitstrakt. Kameras der Polizei nehmen draußen am Eingang das Gelände ins Visier. Die Scheibe der Eingangstür wird mittlerweile von einer Holzplatte gesichert, weil die Scheibe zuvor zu oft eingeschlagen worden war.
Im Gebäude fühle ich mich an meine Zeit im AStA, also im Studentenparlament, erinnert. Wir könnten uns in jedem westdeutschen Antifa-Büro Deutschlands aufhalten - es würde genau so aussehen. Was wir zu hören bekommen, klingt allerdings anders.
"Die Wahrscheinlichkeit, in Sachsen-Anhalt Opfer einer rassistischen Tat zu werden, ist zehn Mal höher als in NRW", sagt uns Steffen. Natürlich erinnern auch wir uns an die ganz großen Fälle: 2000 wurde im Stadtpark von Dessau Alberto Adriano aus Mosambik vn Neonazis so schwer zusammen geschlagen, dass er wenige Tage später starb. Der Asylbewerber Oury Jalloh verbrannte 2005 unter mysteriösen Umständen in einer Zelle des Polizeireviers Dessau. Und erst letzten Sommer töteten zwei Männer vor dem Bahnhof von Dessau einen auf der Parkbank schlafenden Behinderten offenbar, weil sie "den Asozialen" vernichten wollten.
Damit sich so etwas nicht wiederholt, engagieren sich Steffen, Mario und Marco in zwei unterschiedlichen Projekten, die auch die Bundesregierung fördert. Ihr Ziel sei es, eine Politik des Hinschauens zu etablieren, ihr Traum eine Zivilgesellschaft. "Das Problem ist, vielen Bürgern ist es einfach egal - das liegt an der Demokratieverdrossenheit. Und an der autoritären Erziehung in 40 Jahren DDR."
Engagiert und eindrucksvoll erzählen sie uns über eine Stunde lang von ihren Eindrücken, von Beispielen, von Opfern, die nicht einmal ein Guthabenkonto einrichten können, weil ihnen die Bank das verwehrt. Was bei mir allerdings hängen bleibt ist ein Satz, den Mario ganz zum Schluss eher beiläufig sagt, als Jan wissen möchte, ob die drei selbst denn keine Angst hätten: "Die Nazis wissen, wo ich wohne, wo mein Auto steht. Wenn ich vor dem Fernseher sitze, hänge ich immer mit einem halben Ohr am offenen Fenster, was dort passiert." Es wäre schließlich nicht das erste Mal, dass sein Auto beschädigt werden würde.
Jan und ich ziehen weiter. Er muss sich im übrigen keine Sorgen machen, versichern uns die Drei: "Du gehörst keiner potenziellen Opfergruppe an." Er sei weder homosexuell, noch Punker, noch Schwarzer oder ein Mensch mit Migrationshintergrund. "Ist das jetzt ein Kompliment?" fragt er und lacht.
Jans Beitrag: Wie rechts ist der Osten? [1LIVE | 16.07.2009 | früh morgens]
Hallo zusammen,
ich find es gut, dass Ihr Euch die Mühe macht, den Osten unseres Landes zu erkunden. Ich komme selbst von dort und lebe seit mittlerweile 6 Jahren hier in NRW.
Mir fällt es auch immer wieder auf, wenn ich nach Hause fahre, dass es dort kaum Menschen mit Migrationshintergrund gibt (zumindest, kaum welche, denen man es direkt ansehen könnte auf Grund der Hautfarbe). Man spürt auch oft, dass unsere Verwandtschaft, wenn sie denn mal hier zu Besuch ist, ein gewisses Unbehagen hat, wenn sie hier auf so viele Menschen der vorher genannten Gruppe treffen, und dass obwohl sie definitiv nichts mit rechtem Gedankengut am Hut haben. Ich glaube es liegt einfach nur daran, dass man im Osten halt keine Möglichkeit hat, sich daran zu gewöhnen, mit anders aussehenden Menschen zusammen zu leben (sind ja kaum welche da :-)). Aus meiner Sicht ein Teufelskreis, denn ich kann verstehen, dass man als "Ausländer" nicht unbedingt freiwillig in eine Region zieht, in der es zu solchen Übergriffen kommt.
Übrigens stimmt es nicht ganz, dass Jan sich keine Sorgen machen muss, bloß weil er zu keiner offensichtlichen Zielgruppe gehört. Aus eigener Erfahrung kann ich sagen, dass das den Nazis unter Umständen völlig egal ist. Ich kann mich noch an eine Nacht erinnern in der ich mit Freunden (wir waren insgesamt 8) durch mine Heimatstadt Halberstadt gelaufen sind, und urplötzlich von einer "Kinderglatze" mit einer Pistole bedroht wurden. Zum Glück kam nach kurzer Zeit ein älterer Nazi und hat dem Kleinen sein "Spielzeug" weggenommen und ihn zurecht gewiesen. Das hätte aber auch ganz anders ausgehen können.
Ein wirklich geeignetes Mittel gegen diese braune Brut fällt mir leider nicht ein. Klar kann man ständig Demonstrationen usw. veranstalten, ich glaube aber, dass die Menschen die dort leben schon genug sensibilisiert sind, jedoch machtlos daneben stehen, weil teilweise sogar die Rückendeckung seitens der Polizei fehlt.
Das wiederum kann ich auch verstehen, als Polizist (event. sogar mit Familie) hat man wahrscheinlich selbst Angst bzw. läßt sich einschüchtern.
Mich macht es auf jeden Fall immer wieder sehr traurig, wenn ich meine "Heimat" zwar im Fernsehen sehe, aber meist nur mit negativen Schlagzeilen (ich erinnere nur an die Theatergruppe, die von Nazis in Halberstadt zusammengeschlagen wurde).
Mattes am 16.07.09 10:11
Hallo Ihr beiden!
ich verfolge jetzt schon seit Montag eure Berichte. Sehr cool! Freu mich schon auf das nächste Mal, wenn sich Jan meldet!
Tina
Tina am 16.07.09 11:04
Ich finde nicht das es im Osten sonderlich mehr Rechte gibt. Ich wohne in Sachsen und in dem Ort wo ich wohne sind die Rechten eher eine Minderheit.
Klar kann es sein das in Dessau viele Rechte sind aber es gibt in Westdeutschland bestimmt auch solche Orte wo einige rechts sind.
bernd am 16.07.09 11:31
Hallo zusammen,
finde Eure Berichte gut. Komme ursprünglich aus der Nähe von Dessau, lebe aber seit 11 Jahren in NRW.
Vor 17 Jahren wurde ich auch von einer großen Gruppe rechts denkender Jugendlicher angegriffen und krankenhausreif geschlagen. Ist eine schlimme Erfahrung für mich als damals 14 Jährige gewesen. (davor hörte man nur von Übergriffen auf Menschen mit Migrationshintergrund, was ich persönlich auch stark verurteile).
Als ich das erlebt hatte fragte ich mich schon wieso ich? (kein Migr.hintergrund)
Hilfe gab es kaum. Taxifahrer weigerten sich per Funk Hilfe bzw. nen Krankenwagen zu holen aus Angst als nächstes dran zu sein.
Zur Gerichtsverhandlung (die ich trotz der Drohung man würde mich und meine Fam. killen, durchzog) stellte sich heraus das die Mädchen !! und Jungs einfach mal nur lange Weile hatten und ich halt mal am falschen Ort war.
Das Problem ist einfach, dass die Jugend gerade im Osten in den ländlichen Gebieten kaum Beschäftigung in der Freizeit haben und auch arbeitsmäßig da echt der Hund begraben ist. Schon haben gewisse Parteien leichtes Spiel bei der Überzeugung.
Silke am 16.07.09 11:36
Ich denke auch, dass hier oftmals der "Osten" mit verschiedenen Region, wahrscheinlich vor allem mit ländlichen, in Sachsen-Anhalt, gleichgesetzt wird (und Sachsen-Anhalt ist mit nicht einmal 2,5Mio Einwohnern insgesamt ziemlich ländlich).
Wenn dann im Beitrag bejaht wird, dass die Ostdeutschen allgemein Nazis sind, oder es dort besonders viele gibt, kann ich mir vorstellen, dass es genug andere Regionen gibt, die sich da zurecht sehr angegriffen fühlen werden.
Cloud am 16.07.09 11:52
Ich verfolge auch interessiert eure Berichte, da mein Freund ein Ossi ist und in Meck Pomm Wohnt. Er hofft bald eine Stelle in UN oder DO zu finden um bei mir zu sein und mehr Geld zu verdienen. Außerdem brauche ich mir dann keine Sorgen mehr um ihn zu machen. Es wäre nicht das erste mal, dass er und seine Kumpels von rechten provoziert und nach der „Rangelei“ angezeigt werden. Wie Mattes schon erwähnte muss man nicht einer bestimmten Richtung angehören um in einen Streit verwickelt zu werden. Es stimmt auch das viele Bürger Stress lieber aus dem Weg gehen und es beispielsweise einfach ertragen, wenn am Strand eines Baggersees Rechte Musik aus einem Ghettoblaster einer Gruppe junger Leute zu hören ist. Im Osten sind die Rechten mehr in der Öffentlichkeit als hier, dort fehlen halt die Alis die ihre 40 Brüder anrufen und mal aufräumen.;-)
Jasmin am 16.07.09 12:47
Hier wäre jetzt mal eine Statistik ratsam, wieviele rechtsradikale Übergriffe es täglich in NRW gibt... Aber die werden gern unter den Tisch gekehrt, weil man bei Übergriffen in den neuen Bundesländern wieder schön den erhobenen Zeigefinger heben kann...
Marius am 16.07.09 14:09
Das soll natürlich nicht heißen das Gewalt eine Lösung ist. Es ist gute Polizeiarbeit und Kriminalarbeit gefragt. In der näheren Vergangenheit ist doch eine Gruppe/ein Verein aufgeflogen und verboten worden. Die Politik und Polizei muss denen das organisieren von fragwürdigen Zusammenkünften und öffentlichen Auftritten schwerer machen. Was sicher keine leichte Aufgabe ist.
Jasmin am 16.07.09 14:50
Hallo liebes Einslive-Team,
Endlich wird einmal deutlich wie Rechts es teilweise noch im Osten ist :(
Ich komme aus Mülheim ,bin aber des Fußballs wegen seit ca. einem Jahr in Neubrandenburg auf einem Sportinternat und ich muss sagen,mir ist der Rechtsradikalismus hier sehr oft begegnet.
Es gibt sogar teilweise in meiner Klasse-und ich bin auf einem Gymnasium- sehr rechtslastige und menschenverachtende Sprüche,zwar nicht gegen jemanden bestimmten ,aber eben gegen bestimmte Volksgruppen wie etwa Juden,Afrikaner oder Türken.
Und noch viel erschreckender finde ich die Toleranz gegenüber solchem Gedankengut.So eine Einstellung wie das 14-jährige Mädchen in eurem Bericht hatte ,haben auch hier viele junge Menschen.Einfach diese Gleichgültigkeit,wie kann man nur so blind durch die Welt gehen???
Ich habe auch schon einige Dinge erlebt.Da ich am gleichen Tag wie Adolf Hitler Geburtstag habe,wurde ich doch tatsächlich von einem Mitschüler gefragt,ob mich das stolz machen würde.Hallo,gehts noch??
..
Ich habe griechische Verwandte,sehe aber nicht sehr südländisch aus,dennoch werde ich komisch angeguckt wenn ich in meinem Charisteas-Trikot durch die Stadt laufe.
Auch von den Lehrern fehlt hier die nötige Konsequenz und im Geschichtsunterricht wird das auch nicht so behandelt,dass man erschrocken ist über die Taten der Nationalsozialisten.
Übrigens habe ich euren Bericht heute in einem Geschäft gehört,in dem komischerweise Einslive läuft (vllt weil die hier nur uncoole Sender haben ;) ) .
Und was soll ich sagen,es hat keinen interessiert.Es wurde über den Rechtsradikalismus im Osten und die Gleichgültigkeit gegenüber diesem berichtet und jeder hat seine Arbeit weitergemacht und keiner hat genauer hingehört.
Soviel zum Thema !!!!!
Ich kann jedenfalls nur sagen,ich bin froh,dass ich im Pott geboren wurde und ich bin hauptsächlich des Fußballs wegen hier,aber ich versuche zumindest in meinem Umfeld dafür zu sorgen,dass hier keiner Nazi-Parolen verbreitet.
Dennoch muss ich sagen,ich hier nicht später eine Familie gründen wollen!!!
Liebe Grüße
ps:Übrigen hat die NPD in mehreren kleinen Orten bei der diesjährigen Kommunalwahl überf 10% erreicht !!!!!
Meret (17) aus Neubrandenburg/Mülheim am 16.07.09 16:58
Hallo liebes 1LIVE - Team,
als einer der treuesten 1LIVE Hörer im Ostsektor im Dessauer-Kabelnetz habe ich mich sehr gefreut, dass Ihr meiner Heimatstadt die Aufwartung macht, jedoch war der Bericht eher erschütternd, weil hier nur Vorurteile bedient wurden ohne journalistisch in die tiefe zu gehen.
Dessau hat die größte Diche von Weltkulturerbestätten zu bieten, die jährlich tausende internationaler Gäste anziehen.
Also ein wenig positivere Berichte wären schon nicht schlecht, denn es lebt sich wirklich gut in Dessau.
Und wenn Ihr ein Interview in einem AJZ im Westen führt (Linkes alternatives Jugendzentrum) wird es sein, dass man dort auch Angst vor rechtsradikalen verspürt.
Andreas K. am 16.07.09 17:32
Hallo!
ich bin ein mensch mit offensichtlichen Migrationshintergrund nämlich meine dunkle Hautfarbe. und leider stehe ich vor der entscheidung einen studienplatz in rostock aufgrund der rechten szene nicht anzunehmen, obwohl er meinen vorstellungen entspricht. Ich würde mich sehr freuen ein feedback zu erhalten. Bin ich übervorsichtig oder vernünftig? Es ist wirklich traurig in einem aufgeklärten Land wie Deutschalnd es ist vor solch einer Entscheidung stehen zu müssen.
no name am 17.07.09 9:35
Hallo allerseits,
meine erste persönliche Begegnung mit einem Nazi war ein Klassenkamerad in der 5. Klasse eines Stink-Normalen-West-Gymnasiums und das war Anfang der 70er in Niedersachsen. Und bei Besuchen in der "alten" Heimat habe ich dann auch Einiges über die Borussen-Front in Dortmund gelernt.
Seit 10 Jahren lebe ich in Thüringen - natürlich gibt's die Rechten hier auch. Aber ich halte es für viel zu kurz gegriffen, daraus ein Ost-Problem machen zu wollen. Woher stammen denn die Kameraden Heise & Co? Wessis, die nach der "Wende" rübergemacht haben und erfolgreich "missionieren". Und wer hat den rechte Ideologie und Fremdenfeindlichkeit in die Mitte der Gesellschaft hereingetragen? "Das Boot ist voll" ist kein Slogan der Glatzen.
Ich habe die Wahlergebnisse in der alten Heimat in den letzten Jahren nicht mehr im Detail verfolgt - aber es gab mind. in Dortmund Gegenden, wo die Rechten genauso hohe Anteile erreicht haben, wie in einigen Ostgebieten. Ich halte Dortmund übrigens für eher typisch und nicht für die letzte Ecke des Ruhrgebiets.
Gruß Martin
Martin am 17.07.09 18:15
Hey
also ich selbst komme ursprünglich aus Dessau und bin vor einem Jahr nach NRW gezogen. Ich habe sehr gern dort gelebt, denn wenn man nicht in diesen (rechten)Kreisen verkehrt oder sich in irgendeiner Weise gegen rechts engagiert dann kommt man kaum mit Rechten in Kontakt und bemerkt diese soviel proklamierte Ausländerfeindlichkeit gar nicht.
Karolin am 18.07.09 22:36
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