Donnerstag, 09.07.2015

Computerpläne für den Grexit

In Griechenland schieben Programmierer und Systemadministratoren gerade Überstunden. Sie müssen Bankensoftware, Buchhaltungsprogramme und Algorithmen für die Geldautomaten fit machen für einen möglichen Grexit, eine Mammutaufgabe. Denn Aber-Milliarden von Programmzeilen müssen geprüft und teilweise geändert werden.

Akhauri Prakash Kumar, Strategieexperte beim IT-Konzern Hewlett-Packard, geht von einer Umstellungsdauer aus, die zwischen sechs Monaten und einem Jahr liegt. "Der gesamte Informationsfluss müsste neu programmiert werden", begründet er den hohen Aufwand. Es geht eben nicht nur um einen Umrechnungskurs, sondern um die mitunter recht komplizierten Regeln und Risiken internationaler Finanzmärkte und ihrer Aufsichtsgremien.

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Unter der Akropolis bereiten sich die Softwarexperten fieberhaft auf einen Grexit vor - sogar auf den Dachterassen im Bankenviertel werden Algorithmen überprüft


Die ersten Vorarbeiten haben die Bank-Informatikzentren in Athen und Thessaloniki bereits im Mai in Angriff genommen. Das hat bei den jüngst eingeführten Kapitalverkehrskontrollen, der Bankenschließung und bei den Ausgabebegrenzungen an den Geldautomaten auf 60 Euro pro Karte und Tag auch ganz gut geklappt.

Doppelte Buchführung mit der Drachme klappt

Ebenfalls vorbereitet sind die griechischen Finanz-Informatiker auf die Einführung einer Schattenwährung - namentlich zitiert werden wollen sie damit allerdings nicht. Die Verrechnungsmodule für den Fall, dass die Drachme als rein innergriechisches Zahlungsmittel eingeführt, die Außenwirtschaft aber nach wie vor mit dem Euro rechnen würde, stehen bereit. In dem Fall sehen die Transaktionsroutinen einfach eine Art "doppelte Buchführung" mit Euro und Drachme vor.

Schwierig würde es bei einem richtigen Ausscheiden aus dem Euro. "Die Abbildung der internationalen Regularien, der finanzmathematischen Modelle und Risikobewertungen nach einem Euro-Austritt wären softwaretechnisch sehr aufwändig", meint Akhauri Prakash Kumar.

Für die deutschen Banken ist der Aufwand in Sachen Informationstechnik bei einem Grexit natürlich viel geringer. "Das hängt davon ab, wie stark ein Haus in Griechenland involviert ist", meint Thomas Schlüter vom Bundesverband deutscher Banken.

Deutsche Unternehmen sind vorbereitet

Unternehmen mit Tochtergesellschaften in Griechenland haben die möglichen finanzpolitischen Szenarien simuliert und dabei auch mögliche Auswirkungen auf die Ertragssituation berücksichtigt. Die Kapitalverkehrskontrolle war jedenfalls keine große Herausforderung für deutsche Banken und Unternehmen. Die entsprechenden Module waren binnen weniger Minuten einsatzbereit.

Auch ein Grexit schreckt die Softwaretechniker in deutschen Unternehmen nicht. In die Softwarepakete für die Unternehmenssteuerung müssen lediglich Module für eine neue Währung samt Umrechnungsfaktor integriert werden. Das geschieht mehr oder weniger auf Knopfdruck.

Eines wird dabei sehr deutlich: Die Politik hat schon seit einigen Monaten starken Druck auf Unternehmen und Banken ausgeübt, die Informationstechnik auf einen Ausstieg Griechenlands aus dem Euro vorzubereiten.

Für die griechischen Programmierer in Thessaloniki und Athen ist vor allen Dingen eines klar: Während die griechische Regierung Vorsorge für den Fall einer Art von Schuldenschnitt getroffen hat, haben die meisten westeuropäischen Banken sich auf die Einführung der Drachme vorbereitet.

Das lässt in den Programmierstuben der griechischen Banken schlechte Stimmung aufkommen. Und die grenzt fast an Wut. Denn die griechischen Finanz-Informatiker haben Abrechnungsroutinen entwickelt, mit denen bestimmte Anleihen und Kreditpapiere in eine Art Bad Bank überführt und von dort dann sehr langfristig abgewickelt werden können. Das werten die Programmierer als Zeichen dafür, dass die griechische Regierung also auch in Sachen Schuldenschnitt der EU entgegenkommen wollte. Doch die konnte oder wollte dieses Entgegenkommen nicht einmal sehen.

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Donnerstag, 09.07.2015

Apple-SIM bringt mehr Roaming-Komfort

Ich bin gerade in Spanien unterwegs und habe nicht schlecht gestaunt: Mein mit SIM-Karte ausgestattetes iPad Air 2 versagt im Ausland tatsächlich den Dienst. Oder besser: Die SIM-Karte weigert sich standhaft, sich im Ausland ins Netz einzubuchen. Dabei habe ich eine sündhaft teure Vodafone-Karte - und Vodafone gibt es auch in Spanien. Es wäre also so leicht. Doch: Nix da.

"Sorry, kein Roaming", teilt mir der Kundenservice auf Nachfrage mit. Nicht mal gegen Gebühr. LTE gibt es nur zu Hause. Mir wurden Web-Sessions empfohlen. Und für einen derart unflexiblen Tablet-Tarif zahle ich fast 50 EUR im Monat? Ich habe direkt gekündigt, denn andere Provider machen das deutlich besser. Sie roamen mittlerweile für kleine Beträge oder sogar kostenlos im europäischen Ausland. Macht Vodafone bei meinem Smartphone auch. Bei meinem iPad aber nicht. Wirklich äußerst schwach.

Apple-SIM ermöglicht Freiheit im Ausland: Den Tarif frei auswählen; Rechte: Apple
Apple-SIM ermöglicht Freiheit im Ausland: Den Tarif frei auswählen


Auf Knopfdruck den Provider wechseln
Wie sehr hätte ich mir da gewünscht, auf Knopfdruck den Provider wechseln zu können. Gerade im Ausland ist es bekanntlich manchmal richtig schwierig, den passenden Provider zu finden. Mit manchen klappt das Roamen, mit anderen nicht. Und einen lokalen Anbieter zu nehmen, wenn man sich im Nicht-EU-Ausland bewegt, ist auch nicht leicht. Schließlich muss man irgendwie an die SIM-Karte kommen. Deshalb hat Apple eine eigene SIM-Karte erfunden, die sich programmieren lässt. Eine SIM-Karte, die nicht vom Provider kommt, sondern vom Hardware-Hersteller - und jederzeit den Provider wechseln kann.

Mittlerweile erreicht das WWW: Apple SIM Kit die ersten Apple Retail Stores, auch in Deutschland. Man kann die Apple SIM kaufen. Kostenpunkt: 5 Euro. Die flexible SIM lässt sich in das iPad Air 2 und das iPad Mini 3 stecken. Für das iPhone gibt es die flexible SIM-Karte noch nicht, für Geräte anderer Hersteller erst recht nicht. Noch machen nicht allzu viele Provider mit. Denn funktionieren kann die umprogrammierbare SIM-Karte nur, wenn es Provider gibt, die den neuen Service unterstützen. Die SIM-Karte muss schließlich auf Knopfdruck programmiert werden können. Alle Daten wie SIM-Seriennummer, Rufnummer, PIN etc. müssen per Internet übertragen und auf die Karte gebeamt werden.

SIM-Karte; Rechte: dpa/Picture Alliance
SIM-Karten haben einen Schlüssel - und der wurde gehackt

Auf Knopfdruck den Provider wechseln
Im Augenblick können nur wenige Menschen die neue SIM-Karte nutzen. Man braucht das richtige Gerät, muss die SIM-Karte haben und einen passenden Provider finden. Doch ein Anfang ist gemacht. Angesichts der starken Verbreitung von Mobilgeräten und der - wie ich finde - wirklich guten Idee, den Gerätebenutzern mehr Flexibilität anbieten zu können, dürfte sich die Apple-SIM durchsetzen. Am Reiseziel angekommen, einfach einen Datentarif für die Dauer der Reise erwerben - egal ob für einen Tag, eine Woche oder einen Monat. Das ist schon praktisch und wäre genau das, was ich jetzt brauche.

Schöner wäre es allerdings gewesen - und im Interesse der guten Sache! -, wenn Apple keinen Alleingang gewagt hätte. Wenn Apple gemeinsam mit anderen Hardwareherstellern einen neuen Standard entwickelt hätte, den auch andere Hersteller anbieten könnten. Dann ließen sich mehr Provider schneller überzeugen, da mitzumachen und entsprechende Tarife anzubieten. Doch Kooperation mit anderen - das ist eben nicht Apples Sache. Das gibt Punktabzüge in der Stilnote.

Mit Android wäre das nicht passiert.

Der Alte am 9.07.15 15:13

Stichwort 'Vodafone gibt es auch in Spanien' und 'Roaming': Wo 'roame' in solch einer Situation eigentlich? Ich bin bei demselben Anbieter (Vodafone) in einem Land (der EU). Da sollten sich die Wettbewerbshueter mal an den Kopf fassen - ein und derselbe Anbieter haelt Landesgrenzen ausschliesslich zur Profitmaximierung aufrecht, die dank EU laengst abgeschafft sind!

Chris26 am 10.07.15 2:35

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Mittwoch, 08.07.2015

Minicomputer zum Aufstecken

Intel kennen wir als Hersteller von CPUs. Ohne CPU kann kein Rechner rechnen, er kann keine Texte verarbeiten, keine Spiele präsentieren, keine Webseiten anzeigen, keine Musik abspielen. Die CPU ist das Herz und das Hirn eines jeden Computers. Doch im Augenblick erregt Intel mit etwas anderem Aufmerksamkeit: Der WWW: Compute-Stick ist eine Art Mini-PC, den man auf jede HDMI-Buchse stecken kann. Auf diese Weise bekommt man einen unabhängigen Minirechner, den man zum Beispiel auf einen Fernseher stöpseln kann und der per HDMI mit Strom versorgt wird. Ein Monitor ist überflüssig, da der Bildschirminhalt gleich auf dem Fernseher angezeigt wird.

Compute Stick; Rechte: Intel

Jetzt auch mit Ubuntu
Das Prinzip ist dasselbe wie bei Blog: Chromecast oder dem HDMI-Stick FireTV von Amazon. Auch hier werden Minirechner auf die HDMI-Buchse gesteckt. In diesem Fall Minirechner, die Inhalte aus dem Netz holen und darstellen, etwa YouTube-Videos, Webseiten oder Inhalte aus Mediatheken oder Video-On-Demand-Angeboten. Die Compute-Sticks von Intel sind frei programmierbar. Jeder kann sich seine eigene Lösung basteln, kann am Fernseher einen Computer benutzen.

Jetzt bringt Intel einen solchen Stick mit dem freien Betriebssystem Ubuntu 14.04 LTS auf den Markt. 130 Euro soll der Stick kosten. Auf dem Stick sind 1 GB RAM und 8 GB Flash-Speicher (quasi als Festplatte). Damit kann man keine großen Sachen machen, aber kleinere Aufgaben lassen sich damit durchaus bewältigen. Es gibt auch Sticks mit vorinstalliertem Windows 8.1. Die kosten mit rund 150 Euro etwas mehr, bieten aber mit 2 GB RAM und 32 GB Flash-Speicher auch mehr Speicherplatz (den man bei Windows allerdings auch dringend braucht). Später soll man auch Windows 10 darauf installieren können.

Auch der deutsche Hersteller i.ionik baut HDMI-Sticks; Rechte: i.onik
Auch der deutsche Hersteller i.ionik baut HDMI-Sticks


Verschiedene Hersteller machen mit
Es gibt solche HDMI-Sticks aber nicht nur von Intel, sondern auch von der deutschen Firma i.ionik oder von Lenovo. Sie haben auch WLAN mit an Bord, in der Regel auch Bluetooth sowie einen USB-Anschluss, damit man weitere Geräte anstöpseln kann. Die Rechenleistung der Sticks ist allerdings recht mickrig: In den meisten steckt die veraltete Bay-Trail-Technik von Intel. Da wäre heute mehr möglich - aber es wäre auch teurer.

Noch stecken die Mini-PCs in den Kinderschuhen. Aber die Tatsache, das gleich mehrere Hersteller sich um den Markt bemühen und auch Microsoft versucht, sein Windows für diese Geräte attraktiv zu machen (damit die Microsoft-Dienste darauf genutzt werden und auch die Suchmaschine Bing), macht deutlich: Die Hersteller wittern hier einen interessanten Markt. In der Tat: Es gibt hunderte Millionen Fernsehgeräte in der Welt, alle mit HDMI-Buchse ausgestattet, die auf diese Weise bequem und kostengünstig zu einem mehr oder weniger vollwertigen Rechner aufgerüstet werden können.

"...und der per HDMI mit Strom versorgt wird." - Nein

Watashi am 8.07.15 14:01

" In diesem Fall Minirechner, die Inhalte aus dem Netz holen und darstellen, etwa YouTube-Videos, Webseiten oder Inhalte aus Mediatheken oder Video-On-Demand-Angeboten." - Wäre das 'holen' nicht illegal?

Waechter am 8.07.15 14:21

"Noch stecken die Mini-PCs in den Kinderschuhen. " - Nö. Cirrus7 kühlt den NUC mit i7 CPU passiv. Gigabyte bietet Geräte mit Radeon Grafik die spieletauglich sind. Und Zotac, der erfahrenste Mini-PC-Hersteller den ich kenne, bietet mittlerweile ebenfalls passiv gekühlte Geräte inklusive der, von den ZBoxen gewohnten, Anschlussvielfalt. Aus "den Kinderschuhen" sind diese Gerät längst entwachsen. Anders sieht es tatsächlich bei den Compute-Sticks aus. Und da bieten mir die aktuellen Gerät einfach zu wenig Anschlussmöglichkeiten, auch wenn das Argument "einfach in den Fernseher stecken" im ersten Moment verführerisch ist. Dazu noch eine Funktastatur, eine Funkmaus, ein Micro-USB-Kabel für den Strom und einen USB-Stick mit den Filmen/Bildern/Musik und man stellt fest, dass die Compute-Sticks entweder zu wenig Anschlüsse haben, oder dass man noch einen USB-Hub benötigt. Ich habe einen Laptop mit 32GB HDD, 2GB RAM und Win8.1. Das geht. Hat aber seine Grenzen. Auch unter Ubuntu ist das knapp.

Dominik am 8.07.15 14:53

Mein erster Gedanke war, vielleicht kann ich elgato EyeTV oder aehnlich drauf installieren und den Minirechner als Videorecorder benutzen. Mit Netzwerk kann er dann die Aufnahme auf meiner Netzwerkplatte speichern, wovon ich sie spaeter auf mein Tablet kopieren und dort unterwegs schauen kann.
Hintergrund: Mein Smart-TV laesst mich enttaeuscht zurueck, da soll ich eine speziell formatierte USB-HDD anschliessen, von der ich nur an dem einen Fernseher auf die Inhalte zugreifen kann - anstatt auf meine Netzplatte aufzuzeichnen. Sehr inflexibel und keine alltagstaugliche Loesung - der Minirechner koennte helfen.

Chris26 am 10.07.15 2:47

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