Freitag, 28.11.2014

3D-Drucker vom Kaffeeröster

Als vor einigen Jahren die ersten 3D-Drucker auf den Markt kamen, waren diese Objekte produzierenden Geräte noch sündhaft teuer und gehörten gefühlt in die Kategorie "Wahr gewordene Science-fiction". Nach dem Motto: Kaum zu glauben - jetzt kommen auch Schmuckstücke, Kaffeetassen oder Vasen aus dem Internet. So etwas kann ein 3D-Drucker nämlich - theoretisch! - herstellen.

Wau, faszinierend, nicht zu glauben. 3D-Drucker machen vor allem deshalb viele von uns so neugierig, weil sich jeder etwas darunter vorstellen kann. Da gibt es also ein Gerät, das kann praktisch aus dem Nichts Objekte herstellen - fast wie auf Raumschiff Enterprise. Wenn das nicht spannend ist.

3D-Drucker bei der Arbeit; Rechte: dpa/Picture Alliance
3D-Drucker können alles Mögliche herstellen


3D-Drucker vom Discounter
Mittlerweile sind 3D-Drucker auch für Privatleute halbwegs bezahlbar. Wer bereit ist, ein paar hundert Euro hinzublättern, kann ein Gerät mit nach Hause nehmen, das die Bezeichnung 3D-Drucker trägt. Ob es sich dabei aber auch tatsächlich um einen 3D-Drucker handelt, ist eine ganz andere Frage. Massentauglich sind 3D-Drucker aber mittlerweile auf jeden Fall, denn seit neuestem kann man 3D-Drucker auch bei Tchibo erhalten. Bekanntlich verkauft der Kaffeeröster neben Kaffee alles Mögliche, was sich gut an den Mann und an die Frau bringen lässt - und jetzt eben auch Hightech-Spielzeug.

Das ab 2. Dezember erhältliche Modell WWW: Up! Mini von PP3DP kostet schlappe 500 Euro und sieht auf den ersten Blick aus wie eine Espresso-Maschine. Zumindest von außen. Vielleicht haben sich die Einkäufer auch vertan? Nein, haben sie nicht: Es gibt diesen 3D-Drucker von PP3P auch in Mediamärkten und Onlineshops zu kaufen, da aber deutlich teurer. Der Kaffeeröster hat also einen wirklich guten Preis gemacht. Aber 500 EUR für etwas, was niemand braucht, ist halt auch eine Menge Geld. Denn frisch geröstete Kaffeebohnen lassen sich mit dem 3D-Drucker definitiv nicht herstellen.


Hier erstellt der 3D-Drucker eine Blockflöte

3D-Drucker sind so was von überflüssig
Ich glaube, es wird deutlich, was ich sagen will: Ich halte 3D-Drucker für absolut überflüssig. Jeder hat überzogene Vorstellungen davon, was so ein 3D-Drucker können soll. Man kennt ja die Berichte aus Zeitschriften, Onlinediensten oder aus dem Fernsehen. Aber da sieht man meist die fertigen Produkte. Man sieht aber nicht, wie lange es dauert, die Sachen herzustellen. Man sieht nicht, wie oft etwas daneben geht. Aber vor allem: Man kann die vom Drucker produzierten Sachen nicht anfassen. Und ich kann versprechen: Dieses Plastikzeugs ist eine haptische Enttäuschung.

Apropos Enttäuschung: Ich kenne niemanden, der nicht enttäuscht gewesen ist, nachdem er die ersten Objekte selbst mit so einem 3D-Drucker hergestellt hat. Es kommt dabei nur Schrott raus. Denn was will man mit einer billigen Plastiktasse? Oder Schmuck aus Kunststoff, den man auch noch lackieren muss? Es gibt so ziemlich nichts Sinnvolles, was man mit einem 3D-Drucker zu Hause anfangen kann. Mal ganz abgesehen davon, dass unentwegt Plastik verbraucht wird, das auch noch sündhaft teuer verkauft wird. Und diese 3D-Drucker ständiger irgend welche Macken haben.

In der Industrie mögen 3D-Drucker sinnvoll und nützlich sein. Zu Hause haben sie nichts verloren. Sie landen früher oder später auf dem Sperrmüll. Versprochen.

Endlich mal ein klares Wort zu den 3-D-Druckern und ihrer (mangelnden) Sinnhaftigkeit. Verfolgt man sonst die Diskussionen, hat man das Gefühl, man wird als "sowas von 80er" abgestempelt, wenn man so ein Ding nicht unbedingt zuhause neben dem Bett stehen haben will.
Mutig von Ihnen, Herr Schieb, dass Sie sich gegen den 3-D-Drucker-Druck stemmen - denn Sie gelten ja nicht gerade als technikfeindlich!

Janna am 28.11.14 15:03

Für Einzelstücke/Prototypen und rare Ersatzteile kann so ein 3D-Drucker manchmal schon sinnvoll sein.
Ich brauche es (momentan) aber auch nicht.

Jost Schwider am 28.11.14 15:52

Anssichtssache. Alles wird einem in der heutigen Zeit mit dem Zeigefinger der Vernunft ausgeredet. Selbst Kaffee kann man ohne schlechtes Gewissen nicht mehr to-go trinken.
Nehmen sie doch Teil am Beginn einer neuen Technik Ära. Oder glauben sie, die ersten Handys hatten Internet, Fotoapparat etc. eingebaut? Zerredet haben wir sie dennoch nicht. Und es sind wunderbare Smartphones daraus entstanden, die keine Sau braucht. Ist trotzdem schön, eins zu haben. Nicht anders wird es mit 3-D-Druckern sein.

Der dritte Raum am 28.11.14 16:28

Ich habe beruflich mit 3-D-Druck zu tun und muss sagen, das jene Drucker die bei Tschibo, Conrad oder ähnlichen Läden angeboten werden, zum Herstellen vernünftiger Teile nicht taugen, da sie nur Modelmaterial verarbeiten und somit keine Hohlkörper herstellen können. Im Profibereich werden Modelmaterial und ein Stützmaterial verarbeitet. Zudem haben sie einen geschlossenen Bauraum mit einer Temperatur von mind. 80°C. Auch ist es mit dem Drucker nicht getan, zum Konstruieren benötigt man noch eine spezielle Software. Mein Fazit für Tschibo's Angebot lautet somit: Alles Mumpitz mit dem nur Geld vernichtet wird!

fastbykrad am 28.11.14 18:43


Zitat: "Sie landen früher oder später auf dem Sperrmüll. Versprochen."
Bestimmt? Dann hole ich mir dort einen! Was ich damit mache? Also erst mal Kunststoffrolle und Anschlusskabel besorgen, Treiber im Internet suchen. Dann ... äh ... das weiß ich auch nicht so recht ;-)

Es stimmt schon, für die meisten Menschen gibt es wenig Anwendungen. Es gibt viele nützliche Anwendungen, aber nicht für den Durchschnitts-User. Aber wie war es denn bei den ersten Computern? Oft ist es einfach die Faszination der Technik. Die sollte man keinesfalls miesmachen. Andererseits sollte man nie unüberlegt kaufen.

Ansonsten ist so etwas eine typische Anschaffung für Vereine: Modellbauer, Künstler, Prototypen-Entwickler. Sinnvoll wäre es, wenn Druckshops entstünden wie heute die Copyshops. Man entwirft zu Hause am Bildschirm und gibt die Druckdatei ins Geschäft. Oder man leiht den Drucker aus, wie man es heute mit Werkzeugmaschinen macht.

Bertram in Mainz am 29.11.14 12:03

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Freitag, 28.11.2014

Zehn Sekunden Mathematik

Hängt ihr nach dieser Woche auch so durch wie ich? Manchmal hilft ein kleines Gehirntraining, um wieder auf die Spuren zu kommen. Großen Spaß hat mir in den vergangenen Tagen WWW: "10 Seconds of Math" gemacht: eine Website, die euch einfache Rechenaufgaben stellt, die ihr in einer vorgegebenen Zeit lösen müsst.

10 Seconds of Math; Rechte: Troubi Entertainment
10 Seconds of Math gibt es als Browserversion. Die Macher von Troubi Entertainment bieten aber auch Matheapps fürs Smartphone an.

Ihr habt die freie Auswahl: Addition, Subtraktion, Multiplikation, Division, Potenzen und Bruchrechnung - und bis in welche luftigen Höhen dürfen die Rechenaufgaben gehen? Pro Aufgabe habt ihr im Anschluss zehn Sekunden zur Verfügung. Viel Spaß!

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Donnerstag, 27.11.2014

EU will Google an den Kragen

Schon seit vier Jahren beschäftigt sich die Wettbewerskommission der EU mit dem Suchmaschinenriesen Google. Der Grund: Immer wieder beschweren sich Wettbewerber darüber, dass Google sie in ihren Suchtreffern nicht hinreichend prominent aufführt. Klar, jeder landet gerne auf Platz 1. Das ist kostenlose Werbung. Am Donnerstag (27.11.14) wird im EU-Parlament sogar über eine ARD: Resolution gegen Google abgestimmt, die Google in die Schranken weisen soll.

Die Kritik lautet immer wieder gleich: Angeblich positioniere Google die eigenen Dienste deutlich prominenter als die der Konkurrenz. Gern zitiertes Beispiel: Wer "Karten" in die Suchmaschine Google eingibt, der bekommt auf Platz 1 einen Link auf den Online-Kartendienst Google Maps präsentiert. Andere Kartendienste hätten da das Nachsehen. Eine Resolution der EVP fordert nun eine Entflechtung von Google, damit die Suchmaschine die eigenen Angebote nicht (mehr) bevorzugt.

Google Logo mit Schatten von Personen davor; Rechte: dpa/Picture Alliance
Google soll künftiger weniger finden


Die Stärke von Google ist die Schwäche der anderen
Ich kann verstehen, wenn man sich Sorgen macht, dass eine Suchmaschine wie Google 90% aller Suchanfragen in Europa beantwortet. Daraus erwächst in der Tat eine entsprechende Verantwortung. Genauso klar und deutlich muss man allerdings auch sagen, dass Google kein Monopol hat. Es gibt Dutzende von Suchmaschinen. Der Markt ist offen. Jeder Internetbenutzer hat die Wahl, trotzdem wollen offensichtlich 90% der Europäer Google nutzen.

Sie entscheiden sich offensichtlich ganz bewusst für Google, sind mit dem angebotenen Service zufrieden. In den USA hat Google einen deutlich kleineren Marktanteil. Dort sind die Suchmaschinen von Bing und Yahoo aber auch erheblich besser als hier in Deutschland. Die Stärke von Google liegt also vor allem an der Schwäche der anderen. Europäische Suchmaschinen, die ähnlich gute Treffer produzieren, gibt es kaum. Der Erfolg in Europa ist also durchaus verdient. Google wendet keine Tricks an, um als Suchmaschine häufig besucht zu werden.

Google findet nicht, dass Google die wichtigste Suchmaschine ist; Rechte: WDR/Schieb
Google ist nicht eitel: Andere Suchmaschinen landen auf Platz 1


Das Problem mit Google liegt woanders
Die geforderte "Fairness" oder "Objektivität" ist bei Suchtreffern so eine Sache. Wie will man einen objektiven Maßstab für "fair" oder "relevant" definieren? Ich halte das für ausgeschlossen. Meine Bedürfnisse und Ansprüche können ganz andere sein als die von Blog: Kollege Dennis Horn, mal nur als Beispiel. Und man wird wohl kaum erreichen (oder erzwingen) können, dass Google seinen Suchalgorithmus offen legt. Das wäre so, als ob man von Coca Cola verlangt, die genaue Rezeptur für sein Brausegetränk zu publizieren.

Abgesehen davon platziert Google seine eigenen Dienste gar nicht immer ganz vorne. Wer zum Beispiel nach "Suchmaschine" sucht, bekommt Yahoo, Metager und Ixquick genannt, lange bevor Google selbst auftaucht. Wer nach "Onlinekarte" sucht, bekommt alles Mögliche präsentiert, aber nicht Google Maps. Auch der Begriff "Online Werbung" führt nicht ein einziges Mal auf die wichtigste Einnahmequelle von Google, den Anzeigen-Dienst AdWords. Man kann also nicht sagen, dass Google mit aller Macht und auffallend häufig eigene Produkte oder Dienste prominent platziert.

Ich will nicht bestreiten, dass Google eine ungeheure Verantwortung hat und dass man darauf achten muss, ob das US-Unternehmen seine Marktpoisition ausnutzt. Das machen Google, Apple und Co. aber auf völlig andere Weise: Indem sie im großen Stil Daten sammeln - und das völlig intransparent. Die Suchmaschine selbst, die macht eine gute Arbeit. Wer dort auftauchen möchte, kann Anzeigen schalten. Oder muss zusehen, dass sein Dienst so populär ist, dass er auf den ersten Plätzen auftaucht. Problematisch bleibt dagegen das intransparente Sammeln von Daten.

Kann dem Beitrag durchaus zustimmen. Selbst wenn, wie bereits im Text erwähnt, der eigene Kartendienst als erster auftaucht - man begibt sich ja nun mal auf die Seite eines Konzernes (Google), welcher dem Wettbewerb unterliegt. Man kann ja auch woanders suchen. Um das Beispiel in die offline-Welt zu übertragen: Gehe nach Karstadt in die Sportabteilung und frage nach einer Kaffeemaschine. Der Verkäufer wird einen dann in die Haushaltsabteilung Karstadts schicken, und eben nun mal nicht nach Kaufhof, Mediamarkt, Saturn, etc. Klar dass hier der eigene Dienst zuerst angeboten wird!
Sorgen bereitet mir nur die Werbung, welche oberhalb der Suchergebnisse agegeben wird. Soweit nichts schlimmes, sofern sie denn gekennzeichnet wird. Sollten jedoch tatsächlich Firmen Google Geld zuschieben, um ihre Seiten bei Google (oder anderen!) möglichst oben als Ergebnis anzuzeigen, dann muss dagegen natürlich angegangen werden - das könnte durchaus Bestechung und Korruption bedeuten meiner Meinung nach.

Chris26 am 29.11.14 1:50

Wie eine Suchmaschine mit ca. 90 % Marktanteil Deutschland von der Qualität beurteilen? Wenn bei der Suche nach „Suchmaschine“ nicht GOOGLE, als Erstes präsentiert wird?
Sie haben bestimmt ein Fehler im Suchalgorithmus entdeckt und sollten Google informieren, dass es falsche Ergebnisse liefert. Vielleicht liegt es daran das im Duden „googeln“ steht? Da fehlt dann wohl noch „bingen“ - „yahoohlen“ - „yandexeln“ - baidulen.
Wir finden nicht das was wir wollen, sondern das was wir finden sollen!
Das Google hat nur seinen Aktionären gegenüber Verantwortung.

Der Letzte User am 29.11.14 5:04

Sorry, der Browser hat "gehakt" Wenn möglich bitte die Mehrfach-Posts löschen. Danke

Der Letzte User am 29.11.14 5:09

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