Mittwoch, 05.11.2014

Dropbox und Microsoft kooperieren

Die Cloud ist ein riesiges Geschäft - und alle wollen mitverdienen. Derzeit liefern sich die Platzhirsche der Branche wie Amazon, Google, Microsoft, Apple und Dropbox einen Kampf um die Gunst der Kunden. Das hat durchaus seine Vorteile, denn die Preise fallen. Marktführer ist Amazon: Auf den Servern des Onlineriesen werden viele Daten gespeichert, oft ohne das wir es merken - und Blog: das macht uns abhängig. Amazon stellt vielen Start-ups und App-Diensten Blog: Server und Speicherkapazitäten in der Cloud zur Verfügung. Google macht das ebenfalls, allerdings weniger erfolgreich. Deshalb hat Google jetzt seine Preise für Cloud-Dienst drastisch gesenkt - um bis zu 79 Prozent.

Microsoft und Dropbox koopieren; Rechte: Dropbox
Microsoft und Dropbox koopieren


Überraschende Allianz
Google will Amazon auf diese Weise Marktanteile abringen. Aber auch die anderen Großen wissen sich zu wehren. Microsoft und Dropbox sind jetzt völlig überraschend eine WWW: strategische Allianz eingegangen. Benutzer von Microsofts Büroprogramm Office sollen ihre Dokumente künftig nicht nur in Microsofts eigenen Online-Laufwerken Onedrive speichern können, sondern auch direkt im Onlinespeicher von Dropbox. Das erhöht den Komfort enorm. Durch die enge Verzahnung von Office und Dropbox werden sicher mehr Menschen motiviert, ihre Dokumente beim ohnehin populären, in puncto Sicherheit aber alles andere als unumstrittenen Onlinedienst zu hinterlegen.

Doch die Partnerschaft geht noch weiter. Anwender können auf Mobilgeräten wie iPad oder Android-Tablet ihre in der Dropbox gespeicherten Dokumente direkt mit der Office-App von Microsoft verknüpfen. Es wird möglich sein, aus Dropbox heraus Dokumente in der Onlineversion von Microsoft Office zu bearbeiten. Das ist vor allem für Geschäftskunden interessant. Außerdem hat Dropbox angekündigt, eine App für Windows Phone zu entwickeln, damit auch Nutzer von Windows Phone die Dropbox nutzen können. Bislang fehlt eine solche App für Microsofts Mobil-Betriebssystem. Ein Manko, das die Attraktivität von Windows Phone immer wieder auf die Probe stellt.

Office-Dokumente direkt bearbeiten; Bild: Dropbox
Office-Dokumente lassen sich jetzt direkt aus Dropbox heraus bearbeiten


Dropbox Übernahmekandidat?
Das Zusammenrücken derart großer Anbieter wie Microsoft und Dropbox ist ungewöhnlich. Strategisch gesehen macht die Kooperation aber Sinn, denn beide Unternehmen sind stark im Unternehmensgeschäft. Solche Kunden will man sich nicht vergraulen, deshalb ist die Verzahnung der Dienste sinnvoll. Problematisch ist eher, dass bei den verzahnten Diensten die Sicherheit auf der Strecke bleibt. Denn eine Verschlüsselung der übertragenen Daten ist in den Apps und Services (bislang) nicht vorgesehen.

Dropbox muss aufpassen. Denn als Microsoft die engere Kooperatione mit Nokia eingegangen ist, war das der erste Schritt in Richtung Übernahme. Vielleicht hat Microsoft ähnliches mit Dropbox vor.

Datenkraken möchten nur eines, sich verbandeln. Natürlicher Ablauf. Es geht um das Geschäft.

Tipp für User: Einfach ausklinken.

Nele am 5.11.14 18:33

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Dienstag, 04.11.2014

Wenn sich die Algorithmen an unsere Portemonnaies wagen

Wer einen Blick in die Zukunft werfen möchte, dem empfehle ich in diesen Tagen immer wieder denselben Artikel: WWW: "Jeder hat seinen Preis" von Hannes Grassegger. Es geht darin um einen kapitalistischen Traum: Unendlich viele Preise für ein Produkt, ermittelt dank Personalisierung. Ein Haufen Daten über bisherige Einkäufe, persönliche Vorlieben und vermutetes Einkommen in den Händen der Unternehmen führen dazu, dass jeder von uns unterschiedliche Preise für dieselben Produkte zahlen muss.

Hotelbuchung; Rechte: WDR/Frank Dunski
Dasselbe Zimmer, unterschiedliche Preise - wer sich ausloggt und seine Cookies löscht, kommt bei manchen Hotelbuchungsportalen in den USA plötzlich günstiger weg.

Wie das funktioniert, haben wir Anfang des Jahres schon in unserer Reportage WDR: "Die Datensammler" gezeigt: Einzelne Hotelbuchungsportale nehmen zum Beispiel unter die Lupe, mit welchem Rechner wir sie besuchen - und passen ihre Preise an die vermutete Zahlungsbereitschaft an. Bei Apple-Nutzern vermuten die Portale zum Beispiel mehr Geld als bei Android-Nutzern. Der Artikel "Jeder hat seinen Preis" kommt deshalb zu dem Schluss, dass sich die Preismechanismen gerade fundamental ändern.

Solche Mechanismen funktionieren nur über eine umfassende Personalisierung, wie wir sie in immer mehr Onlinediensten vorfinden: Amazon errechnet, was ich kaufen möchte. Google errechnet, welche Werbeanzeigen für mich relevant sind. Facebook errechnet, welche Menschen mir als Freunde vorgeschlagen werden. Spotify errechnet, welche Musik ich gerne höre. Wie diese sehr angenehme, aber gleichzeitig erschreckende Personalisierung genau funktioniert, WDR: zeigen wir auch in der WDR Servicezeit.

Bisher bin ich ständig hin- und hergerissen. Nicht immer kann ich die Aufregung um die Personalisierung nachvollziehen. Ein guter Empfehlungsmechanismus ist zum Beispiel erst einmal WWW: nichts anderes als Tante Emma, die ihre Kunden auch sehr gut kannte und ihnen immer wieder stecken konnte, welche Einkäufe sich noch lohnen würden.

Spotify; Rechte: WDR/Frank Dunski
Auf unsere Interessen und Neigungen zugeschnittene Angebote sind erst einmal extrem praktisch, auch wenn wir dadurch wie bei Spotify oft nur mehr vom Gleichen bekommen - und nie wirklich etwas Neues.

Bei Facebook sorgt die Personalisierung der Startseite dafür, dass ich nicht in einer Lawine an Statusmeldungen ersticke, die mich eh nicht interessieren. Und Twitter zum Beispiel experimentiert gerade damit, Nutzern zusätzliche Inhalte anzuzeigen. Das ist WWW: bei vielen Mitgliedern der Twitterelite umstritten. Dabei kommt man so wenigstens mal aus der eigenen Filterblase raus - auch hier Blog: verstehe ich die Aufregung nicht ganz.

Auf der anderen Seite stehen nun eben Ansätze, die Mechanismen der Personalisierung auch auf die Preise in Onlineshops zu übertragen - oder sogar in Geschäfte vor Ort, in denen die Preisschilder am Regal digital werden. Auch diese Idee ist nicht neu: Der Autohändler vor Ort behandelt seine Kunden auch anders, je nachdem, ob sie den Laden mit Anzug und Aktenkoffer oder mit Hoodie und Rucksack betreten.

Der Unterschied ist aber: Bisher konnte ich als Kunde wahrnehmen, dass ich anders behandelt werde. Algorithmen arbeiten aber so versteckt, dass wir als Kunden keine Kontrolle mehr darüber haben. Sich auszuloggen und alle Cookies zu löschen, das kann keine Lösung sein, zumal mit Blog: Browser Fingerprinting und Blog: Canvas Fingerprinting schon Nachfolgetechniken existieren, die sich durch die Nutzer nicht mehr abschalten lassen.


Wer kontrolliert die Algorithmen in einer Welt von Daten? Oder kontrollieren sie uns? Diese Fragen waren schon Thema auf der re:publica 13 - haben aber nie die breite Masse erreicht.

Mit jedem Tag wünsche ich mir immer mehr eine umfassende Diskussion über Kontrolle und Transparenz solcher Algorithmen. Eine Diskussion über Algorithmen-Ethik, die in den letzten Jahren zwar WWW: in den Feuilletons oder WWW: auf der re:publica kurz aufflammte, aber nie größere Ausmaße angenommen hat. Vielleicht passiert das jetzt bald erst, wenn sich die Unternehmen mit ihren Algorithmen an unsere Portemonnaies wagen. Wenn wir davon überhaupt etwas mitbekommen.


Unsere Blogger Anita Horn und Dennis Horn sind weder verwandt noch verheiratet, aber umso besser vernetzt. Sie entdecken jede Woche digitale Perlen: spannende Webseiten, lustige Links und Angebote, die den Alltag bereichern - hier im Blog, jeden Dienstag in der WWW: WDR 5 LebensArt im Radio und einmal im Monat in der WDR: Servicezeit im WDR Fernsehen.

Falls das alles so durchgezogen werden würde, wäre eine Gruppe mit Sicherheit genau so außen vor wie heute: die von Hartz IV und sonstiger Armut betroffenen Menschen. Für diese Menschen würde es nach wie vor kein Entgegenkommen geben. Das hier geschilderte System hat - wenn auch unausgesprochen - die zahlungskräftigen Kunden im Blick. Beweisen kann ich es nicht, aber auf Grund meiner vielen Jahre unter der Armutsgrenze bin ich davon voll und ganz überzeugt.

Gerhard Hallstein am 4.11.14 18:41

Es steht jedem Menschen frei, die Ausgeburt des Schreckens, die der Blogger bereits oben aufgezählt hat, nicht zu nutzen. Und die meisten Menschen machen das auch nicht. Diese Menschen äußern sich darüber aber nicht im Netz, was den Anschein erzeugt, jeder sei auf den Seiten der Ausgeburten zuhause. Das Gegenteil ist der Fall, jedenfalls bei Usern jenseits der Pubertät.

Was den Wiedererkennung eines Browsers bzw. Rechners betrifft, so sollte man sich mal Gedanken über Scriptings machen. Schon gehört davon? Abschalten, dann blinkt es auch nicht mehr. Netter Nebeneffekt.

Nele am 5.11.14 18:29

Ist es nicht übel, wenn ein Blogger den ganzen Schrott auflistet, aber alles nutzt? Ich kann so eine Auflistung nur von Datenschützern ernstnehmen, denn ein Fazit kann ich hier nicht erkennen. Mit Blogs wie "es ist alles so schrecklich" kann niemand was anfangen. Da hilft schon eher der Hinweis von Nele, denn der Fingerprint des Browsers läuft nur über Scripts.

Was ist das Fazit dieses Blogs? Und wer sind eigentlich "wir User"? Ich zähle mich nicht zu den Idioten.

Andreas am 5.11.14 19:10

Ps.
Es erstaunt mich, wie jemand so blöde sein kann und Scripts von jedem Seitenbetreiber zulässt, mit dem sich alle Maleware, Viren und Trojaner auf den Rechner packen lassen. Ich dachte, diese vollidiotischen User sind schon lange ausgestorben? Irre ich mich??

Andreas am 5.11.14 19:19

Thanks Dennis!
Kennst Du schon meinen Essayband «Das Kapital bin Ich»?
Lass mich wissen wenn ihr ein LeseExemplar wollt.
Best! H

Hannes am 6.11.14 0:25

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Montag, 03.11.2014

Aus der Urzeit der Wikipedia

Seit Tagen fasziniert mich ein Blog: WWW: "First Drafts of History". Dort gibt es täglich neue Wikipedia-Artikel zu lesen, und zwar jeweils in ihrer ersten Version überhaupt. Fast alle Artikel stammen aus der Zeit zwischen 2001 und 2004 und sind vor allem deshalb interessant, weil sie mit der Wikipedia von heute kaum etwas gemein haben.

Wikipedia; Rechte: Wikipedia
"Materie ist eins dieser einfachen Konzepte, die sehr schwer zu definieren sind" - so hieß es in der englischsprachigen Version der Wikipedia 2001.

Was vor allem auffällt: wie einfach die Wikipedia-Autoren die Dinge formuliert haben. Heute stoße ich immer wieder auf Wikipedia-Einträge, die man ohne Fachwissen nicht versteht - nicht gerade das, was ich mir unter einer Enzyklopädie für alle vorstelle.

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