Freitag, 31.05.2013
Linklounge 13/22: Fußball, Berg und Zoom
Diesmal in der Linklounge: Fußballtalk digital mit Béla Réthy, schöne Bilder vom Mount Everest, ein winziger Großvater vor einer riesenhaften Taschenuhr und Nachdenkliches über das Für und Wider von Crowdfunding. Und das war noch nicht alles.
Auch hier noch einmal der Hinweis auf das komplette Linklounge-Archiv und noch mehr Klickstoff für das Wochenende. Das gibt es
hier (Wahlweise in der rechten Spalte in der Schlagwortwolke auf "Linklounge" klicken)
Wer darf eigentlich eine Crowdfunding-Plattform für sein Projekt nutzen und wer nicht? Nutzen am Ende Branchenriesen die kostenlose PR und finanzielle Unstützung des Schwarms aus, um das eigene Risiko bei der Beteiligung an einem Projekt möglichst klein zu halten? Diese und mehr Fragen werden im Zeit-Online-Artikel "
Hollywood lässt den Klingelbeutel kreisen" unter anderem am Beispiel des
umstrittenen wie erfolgreichen Kickstarter-Projekts von Serienstar und Garden-State-Regisseur
Zack Braff diskutiert. Klickempfehlung!
Viele gleichzeitig laufende Apps fressen Akkulaufzeit - so weit, so klar. Etwas differenzierter hat sich Sebastian Düvel, iOS- und Mac-Entwickler, mal
die von der Facebook-App ausgelösten Prozesse angesehen, nachdem er erste Hinweise darauf entdeckte, dass sie selbst nach dem Beenden quasi dauerhaft im Hintergrund lief. Seine interessante Analyse teilt er in seinem Blog. In den Kommentaren gibt
User Benedikt einen Hinweis darauf, dass es einen ähnlichen Bug auch in der Android-Variante der App gab, der inzwischen behoben sein soll.
Und zum guten Schluss meines Teils hier ein kleiner Rant über die gespaltenen Persönlichkeiten so mancher Social-Media-Addicts und über Freunde und Bekannte, die online einfach nur nerven.
"Ja, dürfen die denn das?", fragt man sich reflexartig, wenn man
im San Francisco Chronicle liest, dass das FBI zwei Wochen lang eine Webseite mit kinderpornografischen Inahlten betrieben hat. Nicht aus Versehen, sondern mit Absicht. Es gibt ja leider genug von solchen Schundseiten, eine wurde einfach für eine Weile nicht geschlossen - und die Daten ausgewertet. Nach nicht mal zwei Wochen sind 5.600 User ermittelt worden, die über 10.000 Fotos ausgetauscht haben. Dürfen die das? Ja! Sie sollten das immer wieder machen, damit jeder Pädophile im Internet Sorge hat, erwischt zu werden.
Was Google (immer wieder) kann, nämlich Google Maps oder Streetview nutzen, um spannende und aufregende
Orte der Welt zu präsentieren, das kann Microsoft auch. Unter
www.glacierworks.org gibt es beeindruckende Bilder vom Mount Everest zu sehen, jede Menge Videos und Fotos. Und vor allem kann man sehen, wie sich die Landschaft und die Gletscher im Laufe der Jahre verändert haben. Dazu reichlich Material von Microsoft Maps und Co. Empfehlenswert.
Wer Kult ist? ZDF-Reporter Béla Réthy. Er hat zuletzt das Champions-League-Finale zwischen Bayern München und Borussia Dortmund kommentiert - und sich danach auch im Google-Hangout den Fragen der Zuschauer gestellt.
Das liebe ich. Oli Welke sieht Béla und meint: "Mit wem redet ihr denn überhaupt?"
#ZDFhangout
#UCLfinal
twitter.com/michaelumlandt...
— Michael Umlandt (@michaelumlandt)
25. Mai 2013
Kult polarisiert allerdings auch immer - das gilt für Béla Réthy genauso. Längst gibt es ein eigenes Blog, das nur über seine schönsten Zitate funktioniert:
"Best of Béla Réthy". Zum Champions-League-Finale hat sich der Journalist Jörgen Camrath sogar die Mühe gemacht, eine komplette Abschrift anzufertigen:
"Béla Réthy, sagen Sie jetzt nichts!" - höchster Lesegenuss!
Ansonsten empfehle ich wie immer
den wundervollen Podcast "Die Welt fragt, Gunter Dueck antwortet" von Robert Kindermann, in dem die beiden ein spätes, aber hörenswertes Fazit der re:publica ziehen. Und ein letzter Linktipp: neusprech.org
nimmt die Telekom-Formulierung "Extremnutzer" genüsslich auseinander: "Eigentlich sind Extremnutzer solche, die das Angebot des Unternehmens genau so nutzen, wie es gedacht war - indem sie viel online sind und die eingeräumte Flatrate als solche begreifen."
Welche Möglichkeiten, international beachtet zu werden, hätte ein ambitionierter Jugendlicher als Hobby-Fotograf in der prädigitalen Zeit gehabt? Ich behaupte: keine. Heutzutage sorgen Blogs und soziale Netzwerke dafür, dass die Foto-Kunstwerke des 14-jährigen Zev aus Massachusetts weltweit gelobt werden. Seine Miniatur-Bilder, eine Kombination aus (Selbst-)Portraits und Makroaufnahmen,
sind gesammt bei Flickr zu sehen und jeden Klick wert. Und
in seinem Blog erklärt er launig, wie sein Onkel für das Uhrenbild Modell stehen musste.
Ebenfalls jung und ebenfalls künstlerisch aktiv sind die Jungs, denen der Doku-Regisseur
Joshua Z Weinstein
in der New Yorker U-Bahn begegnete. Die Performance der Jungs, die sich selbst "W.A.F.F.L.E." nennen, besteht aus diversen "Air Moves", mit denen sie U-Bahn-Waggons in ein Theater verwandeln. Als Weinstein nach einigen Wochen des Suchens die Jungs wieder traf, hatte er eine Kamera dabei. Entstanden sind beeindruckende Aufnahmen zwischen Himmel, Stange und Erde. Mein Lieblings-"air move" trägt den Titel "the part time stripper":
Zum Schluss noch ein Link aus der Kategorie "not pc" - Kindergärtner und junge Eltern bitte nicht klicken. Dass der Lolly-Raub in einem bestimmten Alter quasi mit dem nahenden Weltuntergang gleichzusetzen ist, beweist
diese tolle Fotostrecke der amerikanischen Fotografin
Jill Greenberg.
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Mittwoch, 29.05.2013
Roll It: Den PC per Smartphone steuern
Wieder mal Neuigkeiten aus den Google-Labors. Mit einer kostenlos erhältlichen Erweiterung für Chrome lassen sich PC und Smartphone miteinander verbinden. Die Idee: Warum nicht Spiele, aber auch seriöse Rechner-Anwendungen mit dem Smartphone bedienen? Das Smartphone als Controller, als Bedieninstrument für den PC: Auf die Idee ist (meines Wissens) auch noch keiner gekommen.
Aber warum eigentlich nicht? Schließlich sind in modernen Smartphones wie iPhone und Android sensible Sensoren eingebaut, die jede Bewegung erkennen. In App-Games kommen diese Sensoren zum Einsatz, etwa um Bewegungen durchzuführen oder Spielfiguren zu steuern. Mit der Chrome-Erweiterung
Roll it lassen sich nun auch Spiele auf dem PC-Bildschirm per Bewegung steuern - mit dem Smartphone in der Hand.
Roll It in Chrome: Browser starten und zum Smartphone greifen
Das Smartphone kippen, touchen und bewegen
Die Demo auf der Roll-It-Seite läuft nicht nur mit Google Chrome, sondern durchaus auch mit anderen modernen Browsern wie Firefox. Nachdem man die Webseite aufgerufen hat, soll man zum Smartphone greifen. Dort soll man ebenfalls die Website
g.co/rollit aufrufen. Ein interaktives Spiel auf der Webseite soll das Prinzip verdeutlichen. Um PC und Smartphone zu koppeln, bekommt jeder Spieler einen Code mitgeteilt. Der wird auf der Webseite im PC angezeigt und muss auf dem Smartphone eingegeben werden. Schon kann das Spiel beginnen.
Danach muss man einen Ball steuern. Schon das Kippen des Smartphones in der Startphase lässt den gesamten Bildschirminhalt kippen - im ersten Moment irritierend, aber man bekommt ganz schnell ein Gefühl dafür. Danach geht es darum, den Ball in verschiedenen Spielsituationen durch Kippen und schnelles Bewegen so geschickt zu steuern, dass er sein Ziel erreicht und möglichst viele Punkte bringt. Erstaunlich, wie präzise das funktioniert, wie Smartphone und PC-Bildschirm miteinander verschmelzen. Eine rasche Bewegung, um den Ball zu starten - durch vorsichtiges Kippen lässt sich der Ball kontrollieren, per Wischen am Touchscreen die Richtung nachjustieren. Durch bestimmte Gesten kann der Ball auch hüpfen oder versenkt werden
Nur ein Experiment - aber mit ernstem Hintergrund
Wer das Ganze als reine Spielerei abtut, liegt meiner Meinung nach daneben. Denn es ergeben sich wirklich interessante Möglichkeiten aus dem Projekt. In Onlinespielen auf jeden Fall, klar. Die Art der Bedienung erinnert stark an moderne Spielekonsolen. Auch hier lassen sich mit dem Controller in der Hand allein durch Bewegung Spiele steuern, ohne dass man Knöpfe drücken müsste. Wenn man PC-Games mit dem Smartphone steuern kann, bekommt der PC Konsolen-Flair, ohne irgendwelche Zusatzkosten. Das ist schon mal ein schlagendes Argument, für Gamer auf jeden Fall.
Aber Roll It könnte auch für seriöse Anwendungen interessant sein. Ich möchte wetten: Die Google-Entwickler haben garantiert schon diverse Ideen. Warum nicht den User auf diese Weise durch virtuelle Maps-Landschaften segeln oder sich virtuos durch Streetview bewegen lassen? Virtuelle Räume könnte man mit dieser Methode besonders geschickt erkunden. So etwas kann ich mir richtig gut vorstellen - und sicher gibt es auch Einsatzgebiete, die ich mir noch nicht vorstellen kann.
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Dienstag, 28.05.2013
Twitterbarometer - die angebliche digitale politische Stimmungslage
Die Bundestagswahl kommt mit großen Schritten auf uns zu - und Sascha Lobo und die Monitoring-Agentur BuzzRank haben ein Social-Media-Tool an den Start gebracht.
Das Twitterbarometer soll in Echtzeit anzeigen, wie die großen Parteien bei den Nutzern ankommen: "Gemessen wird die Verwendung von parteibezogenen, positiven oder negativen Schlagworten (Hashtags) wie #CDU- oder #SPD+."
Ein Blick auf die "politische Stimmungslage im digitalen Deutschland" am 28. Mai 2013 um 14.48 Uhr: Die Piraten weit vor allen anderen Parteien.
Vorsichtshalber taucht
in den FAQ die Frage auf: "Aber funktioniert denn das?" Antwort: "Ja." Wirklich? Ich bin mir nicht sicher. Das Twitterbarometer gab es ganz ähnlich schon zur Bundestagswahl 2009 unter wahlgetwitter.de - auch von Lobo und Kollegen. Schon vor vier Jahren konnte man das Stimmungsbild mit mehreren Tweets hintereinander beeinflussen. Das wurde auch gleich von verschiedenen Parteien ausgenutzt, um sich auf die vorderen Plätze zu katapultieren - und ist so auch diesmal möglich.
Der Medienforscher Jan-Hinrik Schmidt hat
in der ZEIT vor ein paar Wochen außerdem gesagt, was in Sachen Twitter sehr wichtig ist: "Es nicht mit dem echten Leben zu verwechseln. Twitter ist eine Nische! Im zweiten Quartal des letzten Jahres gab es dort 2,4 Millionen aktive deutsche Nutzer - das sind nur drei Prozent der Bevölkerung." Selbst in den USA, wo Twitter deutlich stärker verbreitet ist als in Deutschland,
weicht die Stimmung unter den Nutzern deutlich von den Ergebnissen in Meinungsumfragen ab.
Das Twitterbarometer ist ein spannendes Gimmick. Aber bevor dort nicht Tausende Menschen ernsthaft mitmachen, ist es eher ein Spielplatz für Parteimitglieder, Trolle, Spammer und Bashtagger - und ein zwar sehr schickes, aber in Sachen Wahlumfragen eher nutzloses PR-Getöse für Lobo und Kollegen.
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