Mittwoch, 19.08.2015

Google verkauft jetzt auch Router

Apple hat schon lange eigene WLAN-Router im Programm. Die sehen stylish aus und haben natürlich den üblichen Apple-Chic bei der Bedienung, etwa wenn man Sicherheitskopien (Backups) erstellt. Warum Apple eigene Router verkauft, erschließt sich sofort: Die Apfel-Company will es ihren Kunden möglichst einfach machen, Backups anzufertigen.

Doch jetzt hat auch Google überraschend einen eigenen Router vorgestellt, den sich jeder in blau oder schwarz nach Hause holen kann: WWW: OneHub heißt das gute Stück, das in Zusammenarbeit mit dem Hersteller TP-Link entstanden ist und ab Ende August für 200 Dollar zu haben sein wird (allerdings vorerst nur in USA und Kanada). Schick sieht das Teil aus - und einfach zu bedienen soll es auch sein. Sagt Google. Aber was steckt genau dahinter? Wieso einen Router?

Googles erster eigener WLAN-Router: OneHub; Rechte: Google
Googles erster eigener WLAN-Router: OneHub


Design as a Feature
Als erstes fällt auf: Der Router schmeichelt dem Auge. Design ist nicht egal. Design ist wichtig. Das hat man bei Routern aber bislang in der Tat völlig außer acht gelassen. Einen hässlichen Router versteckt man hinterm Schrank. Doch da ist der Empfang schlechter als er sein könnte. Wenn ein Router gut sichtbar auf der Kommode platziert wird, dann können ihn auch die WLAN-begehrenden Geräte besser "sehen". Der Empfang ist besser - und es klappt auch besser mit dem Onlinegehen. Das ist die verblüffend einfache Logik hinter OneHub.

Da ist was dran. Auch dass OneHub einfacher zu konfigurieren sein soll, weil sich das gute Stück mit Hilfe einer App bedienen und steuern lässt - im Zweifel auch über Bluetooth - ist eine Idee, die auch andere Router-Hersteller längst hätten haben dürfen. Denn die Eingabe einer kryptischen IP-Adresse, um im Browser auf die Konfigurationsebene des Routers zu gelangen, lässt sich nicht jedem User wirklich leicht vermitteln. Eine komfortable Bedienung per App (unter Android und iOS) klingt verlockend.


Google stellt seinen Router OneHub vor


Was passiert mit den anfallenden Daten?
Stellt sich die Frage: Warum macht Google das? Der Blog: Alphabet-Konzern will nun ganz sicher nicht groß ins Hardwaregeschäft einsteigen. Google will mehrere Fliegen mit einer Klappe schlagen. Zum einen möchte Google zweifellos, dass die Menschen einfacher und bequemer online gehen können. In den USA bietet das Unternehmen mit WWW: Google Fiber schließlich auch Breitbandzugänge an. Außerdem betreibt Google einen WWW: eigenen DNS-Service. Man unternimmt einiges, um die Kontrolle nicht komplett den anderen zu überlassen.

Doch Google hat zweifellos auch Interesse an Nutzerdaten. Nicht unbedingt konkret, welche Webseite aufgerufen wird. Aber: Welche Bandbreiten zur Verfügung stehen, wie viele Geräte einen Router nutzen, welche Protokolle im Hintergrund zum Einsatz kommen und vieles andere mehr. Diese Daten kann Google auf vielfältige Art und Weise für sich nutzen. Das dürfte die Skepsis erhöhen, die viele diesem (ja auch nicht gerade günstigen) Router entgegenbringen werden. Vor allem hier in Deutschland. Hinzu kommt: Bei uns gibt es bei vielen Providern Routerzwang. Die Provider bestimmen, welchen Router die Kunden verwenden dürfen. Diesen Routerzwang will die Bundesregierung immerhin kippen.

Doch ich bin skeptisch, ob sich viele Deutsche einen Router von Google in die Wohnung stellen werden. Schick hin, komfortabel her. Die Skepsis gegenüber US-Diensten ist groß - und auch berechtigt. Zur Aufklärung haben die US-Dienste jedenfalls nicht viel beigetragen, die deutsche Regierung allerdings auch nicht. Der Vorwurf, sich mit dem 200 Dollar teuren Router einen NSA-Maulwurf ins Haus zu holen mag vielleicht unberechtigt sein, aber er ist verständlich.

So langsam zweifle ich an Ihrer Neutralität, Herr Schieb. Wenn Apple einen eigenen Router auf den Markt bringt dann nur um es den Usern leicht zu machen, z. B. mit einem Backup. Wenn das böse Google nur das gleiche macht, nämlich einen eigenen Router auf den Markt bringen, will Google damit nur die Daten des Users abschöpfen. Danke Herr Schieb, Ihre Kolumnen brauche ich dann zukünftig nicht mehr lesen.

Der Alte am 19.08.15 20:51

Kommentieren



Die mit * gekennzeichneten Felder müssen ausgefüllt werden.


Angaben speichern (Cookie)?


Um Ihren Kommentar zu versenden, beantworten Sie bitte die folgende Frage:


Trackbacks zum Eintrag Google verkauft jetzt auch Router

Zum Anfang dieses Eintrags

Mittwoch, 19.08.2015

Range Anxiety - von der Angst, mit leerem Akku am Straßenrand zu stehen

Von den ständig leeren Akkus komme ich nicht ganz los, denn unser Blogleser Chris26 hat Blog: in den Kommentaren zur Akkulaufzeit von Smartphones noch einen interessanten Aspekt hinzugefügt: "Elektroauto-Nutzer und -Entwickler haben hierfür einen Begriff: 'Range Anxiety' - die Angst, dass das Auto unterwegs leere Batterien hat und man Stunden warten muss, bevor man wieder aufgeladen hat und weiterkommt."

Armatur im Auto; Rechte: picture-alliance/EB-Stock
Wenn der Akku leerläuft, steigt die Angst, mit dem Elektroauto liegenzubleiben - das nennt sich dann "Range Anxiety", auf Deutsch: Reichweitenangst.

Tatsächlich ist dieses Phänomen für die Hersteller von Elektroautos eins der größten Themen. Tesla zum Beispiel hat für seine Autos im vergangenen März WWW: ein Software-Update freigegeben, das die Entfernung, die man mit der aktuellen Ladung zurücklegen kann, wesentlich besser berechnet, zum Beispiel auf Basis der Windverhältnisse oder des Straßenbelags, auf dem man unterwegs ist. Das System kommuniziert außerdem mit Aufladestationen in der Nähe, um die besten Optionen zum "Volltanken" zu prüfen.

Fahrer von Elektroautos hatten zuvor immer wieder darüber geklagt, dass die Anzeige der verbleibenden Reichweite Probleme macht, zum Beispiel, wenn sie zwischendurch in einen Stau geraten sind, die Klimaanlage auf Vollgas gestellt haben oder andere Dinge dafür gesorgt haben, dass sich der Akku schneller leersaugt. Experten sehen die Angst, die in diesem Moment eintritt, WWW: als einen der Hauptgründe dafür, dass Menschen lieber weiter Benzin und Diesel tanken, anstatt auf Elektroautos zu setzen.

"Range Anxiety" oder "Reichweitenangst" war mir als Begriff bisher zwar gar nicht so geläufig. Als ich ihn nun das erste Mal in den Digitalistan-Kommentaren las, fiel mir aber auf, wie sehr ich unter dieser Leerer-Akku-Angst schon mein ganzes Leben lang leide: die Angst, bei einer Party mit Freunden ohne Musik dazustehen, wenn die Batterien des Cassettenrekorders leer sind. Die Angst, dass der Smartphone-Akku schlappmacht, wenn ich gerade unterwegs bin, und ich mich ohne Anbindung ans Netz nackt fühle. Oder der Unwillen, sich eine Drohne zuzulegen, weil ich mit Akkus, die nur 15 Minuten halten, ständig befürchten würde, dass sie abstürzt - wo bleibt denn da der Spaß?

Aufladekabel; Rechte: picture-alliance/dpa-Themendienst/Andrea Warnecke
Ständig alle Aufladekabel zur Hand - in meiner Wohnung halte ich in vielen Zimmern jeweils ein Kabel fürs Smartphone bereit.

In vielen dieser Fälle sorge ich schon für Nachschub, wenn die Hälfte der Ladung erreicht ist. Wassertank im Wohnmobil nur noch auf 50 Prozent? Auffüllen. Nur noch vier von acht Kästen Wasser im Keller? Nachkaufen. Und eben: der Smartphone-Akku nur noch zur Hälfte gefüllt? Bloß schnell an die nächste Steckdose.

Die moderne Welt mit ihrem Internet der Dinge, abhängig von all den Akkus in unseren Geräten, und die Psychologie. Bei mir werden sie wohl so schnell keine Freunde.

Ich habe gerade mit Erstaunen gesehen was mein Kommentar zu Ihrem letzten Beitrag losgetreten hat! Vielen herzlichen Dank für die entgegengebrachte Aufmerksamkeit.

Zum Thema möchte ich noch einen weiteren Gedanken beisteuern: Die Reichweitenangst, welche nun mit Akkus mitkommt, lässt sich auch nicht nur im Autobereich beobachten (Stw. Treibstoff statt Elektro). Nämlich bargeldlose Bezahlsysteme und Fahrscheine.
Während es immer wieder propagiert wird, man solle in Zukunft sein Handy irgendwo gegen halten um zu bezahlen oder ein Ticket zu lösen - Was, wenn genau in diesem Moment der Akku platt ist? Oder später, wenn der Schaffner kontrollieren will?

Da lobe ich mir doch eine Kreditkarte (oder ec-Karte) oder ein Kartenticket (in Deutschland weniger, aber im ÖPNV im Ausland oft anzutreffen), welches ich auch berührungslos und komfortabel funktioniert - aber eben ganz ohne Batterie!

Chris26 am 20.08.15 6:25

Kommentieren



Die mit * gekennzeichneten Felder müssen ausgefüllt werden.


Angaben speichern (Cookie)?


Um Ihren Kommentar zu versenden, beantworten Sie bitte die folgende Frage:


Trackbacks zum Eintrag Range Anxiety - von der Angst, mit leerem Akku am Straßenrand zu stehen

Zum Anfang dieses Eintrags

Dienstag, 18.08.2015

Handy-Hologramme selbstgebaut

Das WWW: Video eines Hologramms, das per Smartphone in die Luft projiziert wird, macht gerade die Runde. Ich habe mich gefragt, ob man so ein Hologramm wirklich so einfach nachbauen kann, wie im Video vorgegeben wird. Also habe ich mich an die Fachschaft Physik der Uni Köln gewandt und Juan Carlos Correia hat sich bereit erklärt, mir zu helfen. Alles was wir brauchen ist Papier, eine CD-Hülle oder Verpackungsplastik, ein Teppichmesser, ein Lineal, Klebestreifen und ein spezielles Hologramm-Video auf dem Handy.

Handy-Hologramme; Rechte: WDR/Horn
Juan bastelt für die WDR5 LebensArt

Ziel ist es eine Art Plastik-Pyramide ohne Spitze zu basteln. Die stellt man dann verkehrt herum auf das Handy-Display und im Inneren der Pyramide kann man dann Bilder sehen, die vermeindlich dreidimensional sind und "leben". Juan bereitet zunächst eine Vorlage auf kariertem Papier vor. Er zeichnet eine Linie von einem Zentimeter Länge. Darunter setzt er wie einen T-Strich eine neue, 3,5 Zentimeter lange Linie senkrecht nach unten und am Ende kommt eine sechs Zentimeter lange, horizontale Unterkante hinzu. Alle Außenpunkte verbindet Juan miteinander und es entsteht die Skizze einer Pyramidenseite.

Handy-Hologramme; Rechte: WDR/Horn
Plastik-Pyramide für Projektion

Von dieser Pyramidenseite brauchen wir vier Ausführungen. Juan hat alte CD-Hüllen mitgebracht. Die legt er auf die Papiervorlage und schneidet mit einem Teppichmesser die vorgemalten Linien nach. Beim Durchbrechen der CD-Hülle sollte man gut aufpassen, die Kanten sind scharf und man kann sich schneiden. Außerdem sollte man Kratzer vermeiden. Die beeinflussen die Projektion später negativ. Genauso gut kann man Verpackungsplastik von Spielzeugen oder ähnlichem benutzen. Das ist weicher und spiegelt genauso gut. Die vier Pyramidenseiten aus Plastik werden am Ende nur noch mit Klebestreifen beidseitig verklebt und geknickt, um die Pyramide fertigzustellen.

Handy-Hologramme; Rechte: WDR/Horn
Juan braucht 20 Minuten für die Projektions-Pyramide

Um jetzt ein Hologramm in der Pyramide zu sehen, muss man auf dem Handy ein spezielles Video abspielen und das Ganze in einem möglichst dunklen Raum tun. Juan hat dafür einen Schuhkarton vorbereitet - von innen schwarz angemalt, mit einem kleinen Sichtfenster an der langen Seite. Verschiedene WWW: Vorlagen für Handy-Projektionen gibt es im Netz. Man kann mit den entsprechenden Foto- und Video-Programmen aber natürlich auch eigene Bilder erschaffen. Wichtig ist, dass das Video viergeteilt ist, das heißt das zu spiegelnde Objekt muss vierfach zu sehen sein - auf 12 Uhr, drei Uhr, sechs Uhr und neun Uhr - so wie im nachfolgenden Video.


Juan bastelt für die WDR5 LebensArt

Und schon kann man Quallen schwimmen, Figuren tanzen und Schmetterlinge fliegen lassen. Allerdings gibt es einen kleinen Haken. Denn es handelt sich leider gar nicht um ein echtes Hologramm. "Echte Hologramme entstehen nicht durch die Zuhilfenahme von Spiegeln oder spiegelnden transparenten Flächen, erklärt mir Diplom-Physiker Marius Hermanns, ebenfalls von der Fachschaft Physik der Uni Köln. Außerdem sieht man die virtuelle Abbildung nicht mehr, sobald man von oben darauf guckt. Man sieht die Spiegelung nur, wenn man seitlich auf die Pyramidenwände schaut. "Es handelt sich somit nicht um ein Hologramm, sondern um eine geschickte Spiegelung." Und das Konstrukt ist noch nicht einmal 3D. Aus einem 2D-Bild kann man nämlich kein 3D-Bild machen.


Um echte Hologramme kann man herum gehen

Hübsch sind die Spiegelungen trotzdem. Und sogar nützlich. Als sogenannte "Head Up Displays" werden sie bereits in Fahrzeugen, (Kampf-)Flugzeugen, Kinos, Theatern und auch Geisterbahnen benutzt. Und Apps wie zum Beispiel WWW: Hudway machen die Head-Up-Technik auch für Otto-Normal-Verbraucher nutzbar - hier kann man eine Straßenskizze über das Handy-Display auf die Windschutzscheibe projizieren und ist so auf jede Kurve vorbereitet oder sieht Kreuzungen zum Beispiel auch bei Nebel.

Projektions-App für Autos; Rechte: WDR/Horn/Hudway
Die Hudway-App spiegelt die Straße auf die Windschutzscheibe

Unsere Blogger Anita Horn und Dennis Horn sind weder verwandt noch verheiratet, aber umso besser vernetzt. Sie entdecken jede Woche digitale Perlen: spannende Webseiten, lustige Links und Angebote, die den Alltag bereichern - hier im Blog und jeden Dienstag in der WWW: WDR5 LebensArt im Audio: Radio

Kommentieren



Die mit * gekennzeichneten Felder müssen ausgefüllt werden.


Angaben speichern (Cookie)?


Um Ihren Kommentar zu versenden, beantworten Sie bitte die folgende Frage:


Trackbacks zum Eintrag Handy-Hologramme selbstgebaut

Zum Anfang dieses Eintrags

 
 

September 2015

Mo Di Mi Do Fr Sa So
1 2 3 4 5 6
7 8 9 10 11 12 13
14 15 16 17 18 19 20
21 22 23 24 25 26 27
28 29 30

Über das Blog

Digitalistan: Heimatkundliches aus dem Land der Einsen und Nullen

Suche im Blog

Aktuelle Einträge

Autoren

Blogregeln und Glossar

Newsreader-Feeds (XML/RSS)


Permanente URL dieser Seite: http://wdrblog.de/digitalistan/