Mittwoch, 17.06.2015

Die Sache mit der Forumshaftung

Der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte (EGMR) hat sich mit der Frage beschäftigt, ob ein verleumderischer Kommentar in einem Onlineforum gegen die Menschenrechte verstößt - und ob sich dadurch ein Schadenersatzanspruch ableiten lässt, wenn ein besonders gehässiger Kommentar trotz Beschwerde lange Zeit nicht gelöscht wird. Und: Ja, Webseitenbetreiber haften für solche Kommentare durchaus.

Das hat für eine Menge Aufruhr in der Community gesorgt. Klar, denn rechtliche Unsicherheiten bedeuten auch erhöhte Risiken für jeden, der in seinem Blog Kommentare zulässt. Doch das bedeutet WWW: Nicht das Ende des Internets, wie der Lawblog in seinem lesenswerten Beitrag schreibt. Auf die Rechtslage in Deutschland wirke sich das Urteil nicht unmittelbar aus. Ganz ähnlich sieht es auch WWW: Thomas Stadler bei internet-law. Das dürfte ein wenig Ruhe in die aufgeregte Szene bringen.

Lawblog sieht nicht das Ende des Internets; Rechte: lawblog.de
Lawblog sieht nicht das Ende des Internets

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Dienstag, 16.06.2015

Mehr Geld für YouTube-Stars?

Wie viel Deutschlands YouTube-Stars verdienen, weiß man nicht genau - es ist ein dank der Verträge mit Google gut gehütetes Geheimnis. Marketingexperten schätzen, dass pro 1.000 Videoabrufen 1 bis 2 Euro zusammenkommen. Damit dürften die größeren Kanäle monatlich locker eine fünfstellige Summe einfahren.


Gekaufte Blogger, manipulierte Kids - über Schleichwerbung bei YouTube

Was sicher ist: Da ist noch mehr drin. Einige YouTuber sind schon jetzt regelmäßig im Werbeblock im Fernsehen zu Gast. Dazu kommen umstrittene Produktplatzierungen, die nicht immer kenntlich gemacht werden. Angebote dafür bekommen so gut wie alle großen YouTuber regelmäßig. Es geht hier eben nicht mehr nur um ein Hobby - aus YouTube ist eine komplett neue Unterhaltungsindustrie entstanden.

Interessant ist da jetzt ein Versuch, den das Start-up WWW: Vessel in den USA startet: Es verspricht seinen Nutzern, für 2,99 US-Dollar im Monat Zugriff auf die Videos ihrer Stars zu bekommen - Tage, bevor sie bei YouTube oder auf anderen Plattformen online gehen. Die Fans erhalten also Exklusives im Tausch gegen Bares.

Die Stars selbst verdienen bei Vessel mit jeweils 1.000 Videoabrufen rund 50 Dollar, den größten von ihnen hat das Start-up versprochen, ihnen noch einmal denselben Betrag zu zahlen, den sie bei YouTube verdienen - offenbar, um damit erst einmal Content auf die eigene Plattform zu ziehen. Bisher haben sich rund 200 Videomacher angemeldet.

Vessel; Rechte: Vessel
Videos von YouTube-Stars schon Tage vorher - Vessel verspricht Exklusivität gegen Bares.

Ob das am Ende erfolgreich wird? Ich zweifele noch daran, denn das würde bedeuten, dass den Fans nur die Videos wichtig sind. YouTube liefert aber noch mehr als das: die Community nämlich, den direkten Austausch - und den kann ein kleines Start-up zumindest mit dieser Wucht und Nähe, wie YouTube sie herstellt, nie liefern.

Auf der anderen Seite gehören Amazon-Chef Jeff Bezos und andere Größen zu den Investoren - das macht es zumindest spannend, Vessel weiter zu beobachten. Und ich glaube ja, dass wir in Zukunft noch mehr dieser Ideen sehen werden: die großen YouTube-Kanäle weiter und weiter zu monetarisieren.


Unsere Blogger Anita Horn und Dennis Horn sind weder verwandt noch verheiratet, aber umso besser vernetzt. Sie entdecken jede Woche digitale Perlen: spannende Webseiten, lustige Links und Angebote, die den Alltag bereichern - hier im Blog, jeden Dienstag in der WWW: WDR 5 LebensArt im Radio und einmal im Monat in der WDR: Servicezeit im WDR Fernsehen.

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Montag, 15.06.2015

Heureka, das EU-Datenschützchen kommt

Google, Facebook und Apple müssen sich auf härtere Zeiten einstellen. Künftig wird es nicht mehr ganz so einfach sein, europäische User über den Tisch zu ziehen. Das Standardargument "Unser Firmensitz ist in den USA, deshalb gelten unsere Spielregeln" zieht dann nicht mehr. Denn die EU-Justizminister haben sich endlich auf eine ARD: einheitliche Datenschutzreform geeinigt, die künftig in ganz Europa gelten soll.

Heureka! Wer hätte das gedacht? Bereits seit über drei Jahren wird leidenschaftlich darüber gestritten, wie diese EU-Datenschutzreform aussehen könnte, die die Datenschutzrichtlinie aus dem Jahr 1995 ablösen soll. Kaum zu glauben: Schon 2018 sollen die neuen Spielregeln in Kraft treten.

Smartphone mit sozialen Netzwerken; Rechte: dpa/Picture Alliance
Soziale Netzwerke sollen stärker kontrolliert werden


Trägheit ungeheuren Ausmaßeses
Richtig gelesen: 2018. In der Ruhe liegt die Kraft. Schließlich muss man sich noch mit dem EU-Parlament einigen. Dann müssen einige Staaten noch die entsprechenden Gesetze auf den Weg bringen. Und ein bisschen Zeit muss man natürlich auch noch allen lassen, sich auf die neuen Spielregeln einzulassen. Ist schon komisch: Anti-Terror-Gesetze sind ruckzuck beschlossen. Von heute auf morgen dürfen wir keine Getränke mehr mit ins Flugzeug nehmen. So etwas geht blitzschnell. Aber wenn es um Datenschutz geht, dann haben wir alle Zeit der Welt.

Die Trägheit, mit der die EU den Datenschutz voran bringt, ist schon bemerkenswert. Dass sich die EU-Justizminister jetzt selbst auf die Schulter klopfen, ist eigentlich fast schon unanständig. Unser Bundesjustizminister Heiko Maas (SPD) meint, die geplanten Datenschutzreform sei "ein ungeheurer Fortschritt für die Verbraucher". Er hätte auch gerne mal sagen dürfen: "Wir schämen uns, dass wir so lange gebraucht haben und die neuen Spielregeln nicht vor 2018 in Kraft treten. Aber besser als nichts!" Das hätte die Sache irgendwie besser getroffen.

Heiko Maas; Rechte: dpa/Picture Alliance
Bundesjustizminister Heiko Maas (SPD) betont den Fortschritt für Verbraucher


Mehr Rechte für Verbraucher
Es stimmt schon: Wenn die neue Datenschutzverordnung dann irgendwann mal in Kraft tritt, bedeutet das tatsächlich einen Fortschritt für den Verbraucher. Weniger Schutz als bislang wäre aber auch kaum möglich gewesen. Künftig haben wir EU-Bürger ein Recht auf Vergessen. Wir können Beschwerde beim deutschen Datenschutzbeauftragen einreichen und müssen uns nicht mehr an den irischen wenden. Wir können künftig unsere persönlichen Daten mitnehmen wie Fotos, E-Mails oder Kontakte, wenn wir den Anbieter wechseln. Und vor allem sollen Daten nicht mehr an Nicht-EU-Regierungen weitergegeben werden dürfen. Zumindest nicht ohne Zustimmung. Anderenfalls drohen empfindliche Konventionalstrafen.

Das tönt alles ganz gut. Hätte aber gerne noch etwas entschlossener sein dürfen. Das EU-Parlament fordert höhere Maximalstrafen als die EU-Justizminister. Ebenso verlangt das Parlament, dass Onlinedienste mit simplen Symbolen klar machen müssen, was mit den Daten passiert. Die ellenlangen AGBs liest schließlich niemand durch. Leider konnten sich die EU-Justizminister mit dem Gedanken nicht anfreunden.

Mich nervt, wie lange die EU bereits an dem neuen Datenschutz herumdoktort. Außerdem fehlt es nach wie vor an Entschlossenheit. Wir bekommen Datenschützchen, keinen umfassenden Datenschutz. Es fehlen Rechte für Verbraucher, sich umfassend über alle gespeicherten Daten informieren zu lassen. Außerdem hätte man auch gerne die Verpflichtung einführen dürfen, dass Onlinedienste jedwede Form von Schnüffeleien - auch durch eigene Behörden - zu unterbinden seien. Ein Schritt in die richtige Richtung. Aber noch längst nicht im Ziel.

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