Samstag, 11.04.2015

Es ist nicht leicht, ein Startup zu sein

Immer dann, wenn sich neue Märkte auftun, herrscht für eine gewisse Weile Goldgräber-Stimmung. In der Anfangszeit kann jeder mit einer guten Idee und der nötigen Portion Entschlossenheit seinen "Claim", sein Revier abstecken - und damit erfolgreich sein. Das ist Bill Gates im Bereich Software gelungen. Google bei den Suchmaschinen. Und Facebook bei den sozialen Netzwerken.

Es gibt auch ein paar Apps, die auf keinem Smartphone fehlen und als Megaerfolg bezeichnet werden dürfen, etwa das mittlerweile zum Facebook-Konzern gehörende Whatsapp, das Mark Zuckerberg 19 Milliarden Dollar wert gewesen ist. Doch die Mehrzahl der Apps geht unter. Die mit ihnen erwirtschafteten Eträge reichen nicht zum Leben, wie Blog: Kollege Dennis Horn schon mal festgestellt hat.

Ein Startup zu gründen ist heute schwieriger geworden; Rechte: dpa/Picture Alliance
Ein Startup zu gründen ist heute schwieriger geworden


Die Großen fressen die Kleinen
Eine Zeit lang sind unzählige Startups entstanden. Alle hungrig, mit guten Ideen - und auf der Suche nach Kapital, um ihre Ideen umzusetzen. In den USA funktioniert das wunderbar, in Deutschland besser als früher, wenn auch immer noch stark verbesserungswürdig. Doch so allmählich wird es immer schwieriger, für eine gute Idee einen Kapitalgeber zu finden. Das liegt nicht an den Ideen. Die sind oft immer noch sehr gut. Es liegt am Markt. Denn die Großen machen alles platt: Google, Apple, Facebook und Microsoft dominieren den Markt. Sie kaufen auf, was interessant ist - oder entwickeln es gleich selbst.

Facebook lebt die Multi-App-Strategie äußerst konsequent. Wie will man mit einer neuen Idee bestehen, wenn ein Milliarden-Dollar-Konzern alles viel schneller selbst entwickeln kann? Und häufig auch eine Anbindung an die bestehenden Dienste nötig ist? Twitter zum Beispiel hat den Bilderdienst Twitpic in die Knie gezwungen. Die Idee von Twitpic war gut: Twitpic hat es 2008 möglich gemacht, Bilder in Tweets einzubinden. Twitter hat die Idee übernommen und den ursprünglichen Dienst WWW: einfach platt gemacht. Kleine Startups können sich keinen großen Rechtsstreit leisten.

Riff: Die neueste App aus dem Facebook-Universum; Rechte: Facebook
Die großen Onlinedienste machen heute alles selbst


Neue Ideen haben es zunehmend schwer
Die zunehmende Macht der Großen führt zwangsweise dazu, dass es neue Ideen schwerer haben - und entsprechend ist es auch schwieriger geworden, Investoren zu begeistern. Hinzu kommt, dass wir User nicht mehr jede neue App begeistert ausprobieren. Es sind irgendwie genug Apps auf dem Smartphone oder Tablet installiert. Warum eine weitere installieren? Das macht man nur, wenn es wirklich gute Gründe gibt. Hinzu kommt, dass die App-Stores von Apple, Google und Microsoft Erfolg belohnen. Was sowieso schon jeder kennt, ist besser sichtbar als Neues. Schwierig für Newcomer.

Last not least stürzen sich aber auch Presse und Blogger nicht mehr begeistert auf jede neue Idee. Das sorgt für weniger Öffentlichkeit, was wiederum geringere Reichweite und einen ausbleibenden Erfolg nach sich zieht. Ein Teufelskreis. Wer der Macht der Großen entgehen will, sollte deshalb aufmerksamer sein für die Ideen anderer. Auch wenn es manchmal schwer fällt. Die Onlinedienste und Apps kleiner Anbieter können charmant und interessant sein - und nützlich. Sie zu nutzen und nicht immer die Dienste und Apps der Großen, davon profitieren wir letztlich alle.

"Neue Ideen haben es zunehmend schwer
Die zunehmende Macht der Großen führt zwangsweise dazu, dass es neue Ideen schwerer haben - und entsprechend ist es auch schwieriger geworden, Investoren zu begeistern." Investoren zu begeistern setzt voraus, dass man Ideen präsentiert....oh, oh oh!!!!! Wer ist heute so dumm und verrät seine Ideen? Better not!

LiFe am 11.04.15 15:58

@Life: Aber wenn man seine Ideen für sich behält, gewinnt man keine Investoren, das ist unmöglich. Man braucht neben der Idee auch einen soliden Business Plan. Das Risiko, dass etwas einfach so kopiert wird, ist immer da, in Wahrheit aber eher klein, erst recht, wenn man schon Vorarbeit geleistet hat.

Jörg Schieb am 11.04.15 23:44

Nun denn, habe meine Kenntnisse genutzt (Franz Schubert fand zu Lebzeiten keinen Verleger, Daimler ging es nicht besser und Hedy Lamarr und George Antheil wurden ausgelacht) eine Schlußfolgerung gezogen. Es stirbt sich leichter keine Ideen umzusetzen. Und warum? Ist/wird alles nur geklaut. :-)

LiFe am 12.04.15 2:05

Kommentieren



Die mit * gekennzeichneten Felder müssen ausgefüllt werden.


Angaben speichern (Cookie)?


Um Ihren Kommentar zu versenden, beantworten Sie bitte die folgende Frage:


Trackbacks zum Eintrag Es ist nicht leicht, ein Startup zu sein

Zum Anfang dieses Eintrags

Freitag, 10.04.2015

Frühling der Bezahlschranken

"YouTube-Clips sollen kostenpflichtig werden", WWW: so titelt die Schweizer Tageszeitung 20 Minuten. Ist natürlich barer Unsinn. Denn die Überschrift vermittelt den Eindruck, als müsste man künftig zwingend dafür bezahlen, wenn man sich Clips auf YouTube anschauen möchte. Doch YouTube bleibt kostenlos. Was aber stimmt: Künftig kann man bezahlen, wenn man möchte. Wer ein paar Euro im Monat hinblättert, wird dafür von Werbung verschont. Die Clips starten dann direkt, ohne Werbung davor, danach und mittendrin (in Form von Werbebannern).

YouTube führt demnächst Bezahlfunktion ein; Rechte: dpa/Picture Alliance
YouTube führt demnächst Bezahlfunktion ein


Acht Millionen zahlende YouTube-User in einem Jahr
Warum für etwas bezahlen, was es - dank Werbung - auch umsonst gibt? Diese Frage stellen sich durchaus viele. Doch während früher die aller meisten beschlossen haben, dann lieber nicht zu bezahlen, ändert sich das langsam. Eine wachsende Zahl von Usern ist die viele Werbung leid und zahlt lieber für gut gemachte Inhalte. Experten schätzen, dass YouTube bereits innerhalb des ersten Jahres rund WWW: acht Millionen zahlende User erreichen könnte. Eine stattliche Zahl.

Wann genau das Bezahlmodell startet, ist noch ungewiss. Nur dass es kommt, steht fest. YouTube will aber sicher nicht in erster Linie ein paar Abos verkaufen, sondern ausloten, womit mehr Geld verdient werden kann: Mit Werbung - oder mit einer Paywall. Abgesehen davon braucht es neue Ertragsquellen, damit es für Videoproduzenten Sinn ergibt, hochwertigen Content herzustellen. Denn man braucht Millionen von zuschauenden Usern bei YouTube, damit es sich lohnt, auf YouTube präsent zu sein.

YouTube bereitet den Weg für Bezahlschranken im Netz; Rechte; dpa/Picture Aliance
YouTube bereitet den Weg für Bezahlschranken im Netz

Bereitschaft zu zahlen wird zunehmen
YouTube will aber sicher noch mehr: Uns ans Bezahlen gewöhnen. Ist erst mal so ein Premium-Modell eingerichtet, also das Clip-Anschauen ohne Werbung, aber gegen Bezahlung, dann kommt mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit auch ein Paymodell für das Anschauen einzelner Videos. Oder Filme. Dann kann womöglich jeder Videoanbieter selbst entscheiden, wie er Geld verdienen möchte, ob mit Werbung oder per direkter Bezahlung.

Wenn ein Key Player wie YouTube eine Bezahlfunktion einführt, dann verändert das die Nutzungsgewohnheiten vieler. Immer mehr Menschen werden bereit sein, für Inhalte und Onlinedienste zu bezahlen. Wie etwa bei Feedly. Man kann den News Reader kostenlos nutzen - oder man zahlt fünf Euro im Monat und bekommt dafür erweiterte Funktionen wie eine Suchfunktion geboten. Faire Sache. Insgesamt ist es oft sinnvoller, wenn störende Werbung verschwindet. Das allein ist eine Wertsteigerung. Wenn dann auch noch die Anbieter hochwertigere Inhalte anbieten können, ist auch das nützlich.

Auf der anderen Seite: Hier ein paar Euro, da ein paar Euro, das summiert sich natürlich. Die großen Anbieter können Pakete schnüren und jede Menge reinpacken (wie das zum Beispiel Amazon mit seinem Prime-Paket) macht, kleinere Anbieter können das nicht. Dabei haben gerade die Einnahmen besonders nötig. Wie denkt Ihr über solche Paymodelle?

Kommentieren



Die mit * gekennzeichneten Felder müssen ausgefüllt werden.


Angaben speichern (Cookie)?


Um Ihren Kommentar zu versenden, beantworten Sie bitte die folgende Frage:


Trackbacks zum Eintrag Frühling der Bezahlschranken

Zum Anfang dieses Eintrags

Freitag, 10.04.2015

TV5MONDE verrät im Fernsehen seine eigenen Passwörter

Diese Geschichte ist dermaßen peinlich - die kann man sich nicht einmal ausdenken: Während die Behörden in Frankreich rätseln, wie Angreifer den Sender TV5MONDE stundenlang lahmlegen und islamistische Propaganda über dessen Website und Social-Media-Kanäle veröffentlichen konnten, sieht man WWW: im Hintergrund eines Interviews mit einem Reporter des Senders (ab Minute 3:44) lauter Zettel mit Nutzernamen und Passwörtern.

TV5MONDE-Reporter vor Schreibtisch mit Passwörtern; Rechte: francetv info
Der französische Sender France 2 führt ein Interview mit Reporter David Delos - und liefert einige der Passwörter für TV5MONDE gleich mit.

Zu sehen sind unter anderem Zugangsdaten für Twitter, Instagram und YouTube - das Passwort dafür so deutlich, dass es abzulesen ist: "lemotdepassedeyoutube" - auf Deutsch "das Passwort für YouTube". Es handelt sich dabei übrigens nicht um einen Einzelfall: Der belgische Hacker pent0thal hat auch im Programm eines weiteren Fernsehsenders WWW: ein Passwort in Bildern aus der TV5MONDE-Redaktion entdeckt.

Ich glaube ja schon lange, dass sich das Konzept "Passwörter auf Notizzetteln" nicht ausrotten lässt. Erst recht, wenn Administratoren die Sicherheit immer höher schrauben und uns zum Beispiel vorschreiben, jedes Vierteljahr unsere Passwörter zu ändern - selbstverständlich mit allen dazugehörigen Vorgaben wie Großbuchstaben, Ziffern und Sonderzeichen. Das wird zu kompliziert. Also kleben wir uns das bombensichere "wA!31N57$erL"-Passwort erst recht als Post-it unter den Monitor.

Völlig unsichere Passwörter für hochsensible Accounts zu vergeben, schön lesbar auszudrucken und dann noch vom Fernsehen abfilmen zu lassen, ist aber eine neue Qualität. Sollte sich am Ende herausstellen, dass sich die Angreifer bei solch einfachen Passwörtern ganz klassisch per WWW: Brute-Force-Methode Zugriff verschaffen konnten, heißt das nichts anderes, als dass TV5MONDE eine gehörige Mitschuld an diesem Angriff trägt. Dementsprechend bekommt der Sender bei Twitter gerade die volle Breitseite ab.


Das stimmt sogar: Der Fall TV5MONDE sollte ein Lehrstück nicht nur für alle Medien, sondern für alle Unternehmen und alle Nutzer sein, was die Sicherheit der eigenen Accounts angeht. Er ist ein dringender Aufruf, mal wieder die eigenen oft unfassbar unsicheren Passwörter zu ändern, Passwort-Manager zu installieren und ein bisschen weniger laut über den Kampf gegen Cyberkriminalität zu referieren, bevor nicht gesichert ist, dass wir selbst alles dafür getan haben, unser digitales Dasein zu schützen.

Wozu sich an PW abarbeiten-wenn ich mich direkt reinhacken kann?In diesem Fall in das Interne Netz von TV5.Dazu reicht eine "passende"mail.Anders ist der hack kaum zu erklaeren.

nunja am 10.04.15 17:07

"Erst recht, wenn Administratoren die Sicherheit immer höher schrauben und uns zum Beispiel vorschreiben, jedes Vierteljahr unsere Passwörter zu ändern - selbstverständlich mit allen dazugehörigen Vorgaben wie Großbuchstaben, Ziffern und Sonderzeichen."

Und wenn es dann noch für jede interne Anwendung separat gesetzt werden muss, ist der Ärger komplett. Das führt den Sinn ad absurdum.

Ihr Name am 10.04.15 20:40

Passwörter an der Pinnwand - nun gut. Das hat schon was. Aber Fakt ist nunmal auch, dass schon vor einem Jahr über die IT Sicherheit von Stadtwerken berichtet wurde. Dabei ging es darum, wie schnell ein Hacker auf sensible Infrastruktur wie die Steuerungssoftware für Anlagen wie Pumpen zugreifen kann (https://www.youtube.com/watch?v=yQ1ls86m6D4).
Insofern hoffe ich einfach mal, dass nicht auch Atomkraftwerke am Internet hängen. In meinen Augen ist das einfach eine neue Art von Terrorismus, für den wir deutlich verwundbarer sind als für Bomben oder ähnliches.
Wen betrifft schon eine Bomben in London, Paris oder Berlin? Die direkten Auswirkungen bleiben nur lokal zu spüren. Aber stellen Sie sich mal vor: Das Gleiche passiert mit dem Stromnetz, und wenn Ettlingen, aber spätentens dieses erste ÖFFENTLICH wirksame Beispiel nicht als Warnschuss ausreichten, dann wird es früher oder später so weit kommen.

SmartNOOB am 10.04.15 22:40

Passwörter an der Pinnwand - nun gut. Das hat schon was. Aber Fakt ist nunmal auch, dass schon vor einem Jahr über die IT Sicherheit von Stadtwerken berichtet wurde. Dabei ging es darum, wie schnell ein Hacker auf sensible Infrastruktur wie die Steuerungssoftware für Anlagen wie Pumpen zugreifen kann (https://www.youtube.com/watch?v=yQ1ls86m6D4).
Insofern hoffe ich einfach mal, dass nicht auch Atomkraftwerke am Internet hängen. In meinen Augen ist das einfach eine neue Art von Terrorismus, für den wir deutlich verwundbarer sind als für Bomben oder ähnliches.
Wen betrifft schon eine Bomben in London, Paris oder Berlin? Die direkten Auswirkungen bleiben nur lokal zu spüren. Aber stellen Sie sich mal vor: Das Gleiche passiert mit dem Stromnetz, und wenn Ettlingen, aber spätentens dieses erste ÖFFENTLICH wirksame Beispiel nicht als Warnschuss ausreichten, dann wird es früher oder später so weit kommen.
Ähnlich albern ist übrigens auch der Spam Schutz des WDR

SmartNOOB am 10.04.15 22:41

@noob-es haengt laengst die komplette Infrastructure im Internet!Also AKW,wasserwerke,staudaemme,Ampeln,Krankenhaeuser und bald auch unsere einzelnen Autos.Btw. die PW auf dem Schirm koennten gerade mal die uebernahme einzelner twitter oder sonstigeer accounts erklaeren-aber eben nicht den kompletten hack.

hehe am 11.04.15 12:16

Kommentieren



Die mit * gekennzeichneten Felder müssen ausgefüllt werden.


Angaben speichern (Cookie)?


Um Ihren Kommentar zu versenden, beantworten Sie bitte die folgende Frage:


Trackbacks zum Eintrag TV5MONDE verrät im Fernsehen seine eigenen Passwörter

Zum Anfang dieses Eintrags

 
 

April 2015

Mo Di Mi Do Fr Sa So
1 2 3 4 5
6 7 8 9 10 11 12
13 14 15 16 17 18 19
20 21 22 23 24 25 26
27 28 29 30

Über das Blog

Digitalistan: Heimatkundliches aus dem Land der Einsen und Nullen

Suche im Blog

Aktuelle Einträge

Autoren

Blogregeln und Glossar

Newsreader-Feeds (XML/RSS)


Permanente URL dieser Seite: http://wdrblog.de/digitalistan/