Samstag, 07.02.2015

Trägheit der Masse verhindert sicheres Internet

Über mangelnde Sicherheit im Netz wird viel geklagt. Die meisten würden es bevorzugen, anonym im Netz unterwegs zu sein und Kommunikation konsequent zu verschlüsseln. Manche machen das auch. Doch auch, wenn es nach Aufdecken der NSA-Schnüffeleien kurzfristig mehr Menschen geworden sind, die das Blog: Thema Verschlüsselung im Netz ernst nehmen: Die überwältigende Mehrheit unternimmt so gut wie nichts, zumindest nicht aktiv, um sich sicher im Netz zu bewegen. Das Trägheitsgesetz - es gilt eben auch für uns Menschen. Wir wollen uns keine Mühe machen. Wir sind bequem. Man könnte auch faul sagen.

GnuPG macht Mails sicherer; Rechte: dpa/Picture Alliance
GnuPG macht Mails sicherer


GnuPG-Entwickler wollte hinschmeißen
Es gibt durchaus Lösungen, um Kommunikation sicher zu machen. Aber weil die Mehrheit sich weder aktiv darum kümmert, noch bereit ist, Geld dafür zu bezahlen, ist das auch keine allzu große Motivation für Unternehmer, entsprechende Lösungen zu entwickeln. Der Mann jedenfalls, der maßgeblich für das WWW: GnuPG-Projekt verantwortlich ist - eine Verschlüsselungslösung, die in vielen Diensten und Produkten zur Verschlüsselung von E-Mails eingesetzt wird -, hat damit so gut wie nichts verdient. Werner Koch hat GnuPG entwickelt - und kann nicht weiter machen, weil das Geld fehlt.

Klasse Idee, nützliche Technologie - und trotzdem chronisch unterfinanziert. Darauf hat jetzt ein WWW: Artikel auf propublica hingewiesen. Koch wollte sein Projekt mit einer WWW: Crowdfunding-Kampagne finanzieren. Doch es kam gerade man ein Viertel der gewünschten 120.000 EUR rein. Ein Flop. Koch wollte das GnuPG-Projekt bereits hinschmeißen. Doch der Propublica-Artikel hat endlich etwas bewirkt. Endlich fließt Geld - etwas.


Debatte über Finanzierung von GnuPG im Bundestag


Ein paar Dollar hier, ein paar Dollar dort
Der Zahlungsanbieter Stripe und WWW: Mark Zuckerberg haben 50.000 Dollar pro Jahr zugesagt. Auch die Linux Foundation will 60.000 Dollar pro Jahr geben. 50.000 Dollar von Facebook? Das Thema Sicherheit scheint wirklich eine hohe Priorität zu haben. So viel geben solche Unternehmen sekündlich für irgendeinen Irrsinn aus. Mal ganz zu schweigen von Apple: Das Blog: reichste Unternehmen der Welt mit 178 Milliarden Dollar Reserven könnte hier gut und gerne ordentliche Beträge investieren, um der Community etwas zurückzugeben. Machen sie aber nicht. Auch Google nicht. Oder Microsoft. Sie machen auch sonst wenig. Auch sie sind träge. Faul.

Wer mehr Sicherheit im Netz will, muss aktiv werden - und sollte die eigene Trägheit überwinden.

Oh je Herr Schieb-wie waere es mal sich die Kommentare zu diesem Fall von fefe durchzulesen?So jedenfalls hat man den Eindruck das sie hier mal wieder wie der Blinde von Farben schreiben!Aber nicht nur fefe,auch auf arstechnika findet sich von einen Kryptologie Prof von der Johns Hopkins,wie ich finde,vernichtendes zu dem Herrn Kiesewetter!"Die user sind faul und traege"-neueres als dieser uralt arrogant Spruch faellt ihnen nicht ein?Wie waere es mal den arroganten developern von crypto software vor die Schienbeine zu treten-damit die endlich einfach bedienbares,statt verfrickelte GUI's entwickeln?
Duerfte einfacher sein dort anzusetzen,da wesentlich wenigerMenschen.Abgesehen davon wie geht das zusammen-user anmachen das die zu faul sind sich um krypto und safety zu kuemmern-dann aber auf jeden dummbatzigen hye aufspringen und den als super duper toll propagieren?Wo ist ihr Aufruf Finger weg von Fratzenbuch&Co,Twitter,IOS usw? Sie sind so jedenfalls nicht glaubwuerdig!

Ach je am 8.02.15 5:28

1) Das Verhalten von Werner Koch kann man kritisch sehen (verkürzt, nach dem Motto: "Gib mir Geld, oder GnuPG hört auf."). Allerdings ist die Software quelloffen mit GPL-Lizenz. Wenn die Open Source - Gemeinschaft sich nicht von einem Entwickler in Geiselhaft nehmen will - gerade bei einem so wichtigen Projekt wie GnuPG - dann kann man ihm das Projekt immer noch wegnehmen, z.B. indem man GnuPG einfach forkt. Ist mMn bezeichnend, dass große Firmen wie facebook eben lieber Geld abgeben, als ein oder zwei Entwickler für sowas abzustellen. Wer sich hier über Kochs Verhalten beschwert sollte sich dann eben fragen, ob er denn bereit wäre, die Arbeit in der Freizeit zu übernehmen.

2) Wenn viel mehr Leute Verschlüsselung nutzen würden, würde sich sicher auch jemand für gute GUIs finden. Ich glaube, die Entwickler sehen vielfach keinen Bedarf, denn außer ihnen nutzt es kaum jemand, und die aktiven user kommen offenbar mit Kommandozeilen gut zurecht.

Netzbürger am 8.02.15 16:22

2), Fortsetzung:

Ist ein wenig wie die Frage nach Huhn und Ei. Mit Thunderbird / Enigmail
geht Verschlüsselung eigentlich ziemlich einfach, und sich einmal zehn Minuten hinsetzen zur Schlüssel-Generierung sollte man schon verlangen können.

In meinem Umfeld sehe ich aber eher die "Ich hab doch nichts zu verbergen" - Ansicht verbreitet, die regelmäßige Verschlüsselung verhindert. Selbst größere Unternehmen schreiben lieber in ihre Mail-Signatur sowas wie "Wenn diese Nachricht nicht für Sie bestimmt ist, löschen Sie sie bitte ohne sie zu lesen." Da fragt man sich, ob die Leute solche potentiell wichtigen Dinge auch auf eine Postkarte schreiben würden, oder doch lieber in den Briefumschlag stecken.

Klar kann man es den usern noch einfacher machen. Aber es herrscht ja nichtmal jetzt die Bereitschaft, es wenigstens mal zu versuchen.

Netzbürger am 8.02.15 16:25

1.)Wenn "Wegnehmen"mal so einfach waere!Dazu muessten sich erst einmal devs finden,die sich mit der Materie auskennen und nicht schon entsprechende eigene projecte am laufen haben.1.a schon mal nachgesehen wie umfangreich GnuPG mittlerweile ist?1.b.Mal mit den Lizenzen beschaeftigt die damit zusammenhaengen?2.Ach je-das alte Henne und Ei Ding!NEIN!Wenn ich als dev moechte,das viele user meines software benutzen-dann mache ich mir gleich zu Beginn einen Plan nicht nur was die Sicherheit betrifft,sondern auch um die Ergonomie und einfache Bedienbarkeit!Komme ich aber aus der absoluten nerdecke und habe von usability keine Ahnung,bleibt es ein nerd-ding!2."geht Verschlüsselung eigentlich ziemlich einfach"-offensichtlich nicht einfach genug!Es gibt Menschen die haben noch etwas anderes zu tun als sich lange mit einer software herumzuschlagen um erst einmal die Bedienungslogik zu verstehen.

Oh je am 9.02.15 8:02

Klar, Herr Schieb - wiedermal'n bißchen Schmiergeld kassiert, um Werbung für die Software-Industrie zu machen. Sie sollten mal lieber die Verbrecher aus Wirtschaft und Politik entlarven, die das Internet oder Handy-Netze dazu mißbrauchen, um die Menschen auszuspionieren und zu betrügen. Doch dazu fehlen Ihnen ja die Eier in der Hose!

Gehlen am 9.02.15 13:51

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Freitag, 06.02.2015

App ist gratis, Hardware kostet extra

Es gibt verschiedene Strategien, um mit Apps Geld zu verdienen. Viele Anbieter entscheiden sich für das Freemium-Modell: Basis-App ist umsonst, Extras kosten. Man zahlt also für zusäzliche Funktionen, eine hochwertige Auflösung, Werkzeuge für Spezialisten oder andere Annehmlichkeiten ein paar Euro. Die gefeierte und überaus populäre WWW: iOS-App Paper hat es genauso gemacht. Die App von Hersteller FiftyThree ist kostenlos, mit InApp-Einkäufen konnte man das wirklich gelungene Zeichenprogramm für iPhone und iPad mit wertvollen Extras erweitern. Gegen ein paar Euro.

Paper App: Zeichnen und Gestalten am iPad leicht gemacht; Rechte: FiftyThree
Paper App: Zeichnen und Gestalten am iPad leicht gemacht


Kunden zahlen für den Stift
Doch jetzt ist nicht nur die App kostenlos, die Extras sind es auch. Der Hersteller macht auch die WWW: Funktionen Draw, Sketch, Outline, Write und Mixer kostenlos verfügbar. Wer Paper bereits im Einsatz hat, kann die Erweiterungen durch ein Update kostenlos freischalten. Hat das Unternehmen also genug Geld mit seiner App verdient? Mitnichten! Die Kostenlos-Strategie soll für eine schnellere und stärkere Verbreitung der App sorgen. Damit mehr Leute das kaufen, was FiftyThree jetzt verkaufen will: Einen Bedien-Stift.

WWW: Pencil heißt der Stift, mit dem sich die Paper-App besonders komfortabel bedienen lässt. Verbunden sind Stift und Tablet per Bluetooth. Man kann nicht nur dünne Linien zeichnen, sondern auch breitflächig - oder mit der Rückseite radieren. Wie mit einem echten Stift. 50 Euro kostet das Teil, 60 Euro die Edel-Version. Fast zehn Mal so viel wie die Proversion der App also, damit lässt sich schon Geld verdienen. Mit dem Stift lässt sich aber nicht nur die Papier-App bedienen, sondern auch andere Apps, etwa Zeichen-Apps von Adobe oder Autodesk. Das Teil spricht schon eher die anspruchsvollere Klientel an.

Zeichnen wie mit einem richtigen Stift; Rechte: FiftyThree
Zeichnen wie mit einem richtigen Stift


Mit Hardware verdienen
Hardware lässt sich nicht so leicht verkaufen wie Software. Dafür sind die Margen besser. Wer wüsste das besser als Apple: Das Unternehmen verteilt iOS und Mac OSX grundsätzlich kostenlos, verdient sich dafür aber an Blog: Hardware und Zusatzdiensten wie App-Store, Cloud-Dienste und Co. dumm und dämlich. Hier ist nur die Reihenfolge anders: Erst Hardware kaufen - dann die Software bekommen. Aber die Software ist schon Teil des Anreizes.

Auch Microsoft beschreitet unter seinem neuen Chef Satya Nadella neue Wege: Windows 10 wird kostenlos sein, auf allen Plattformen. Verdienen will Microsoft mit Hardware wie dem Blog: Surface-Tablet und mit Extradiensten wie Blog: Office 365, Cloud und anderen Extras. Nach dem Komplettaufkauf der Handysparte von Nokia verdient Microsoft auch am Absatz von Windows Phones. Eine stärkere Verbreitung und Akzeptanz von Windows führt automatisch auch zu höheren Absätzen der Smartphones - und es klingelt in der Kasse.

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Freitag, 06.02.2015

Wikipedia in 3D

Das ist mal eine ungewöhnliche Visualisierung der Wikipedia: Der Pariser Student Owen Cornec hat WWW: eine 3D-Version der Online-Enzyklopädie programmiert. 100.000 Artikel sind darin zu finden, sortiert in 500 "thematische Nebel". Wer einen Artikel anklickt, bekommt direkt die Querverbindungen zu anderen Artikeln angezeigt.

WikiGalaxy; Rechte: Owen Cornec
Owen Cornec hat einige Monate für die Programmierung der 3D-Version gebraucht.

WikiGalaxy ist nur eine von vielen Visualisierungen. Weil die Wikipedia im Original ganz schrecklich aussieht, finde ich vor allem ernstgemeinte Alternativen spannend. WWW: buk.io zum Beispiel, WWW: Wikipedia Redefined oder WWW: WikiWand wären ein paar Beispiele.

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