Mittwoch, 03.12.2014

Neue Kommunikations-App Wire

Man kann wohl ohne zu übertreiben behaupten: Whatsapp kennt jeder. Fast jeder mit Smartphone in der Tasche nutzt Whatsapp. Als ich vergangenes Wochenende durch die Altstadt von Münster geschlendert bin, habe ich Dutzende Menschen dabei beobachten können, wie sie Fotos vom Weihnachtsmarkt machen und mit Whatsapp verschicken. Jung, alt, dazwischen - egal, Whatsapp ist einfach die Kommunikations-App.

Doch ein Entwicklerteam aus Berlin meint: Das kriegen wir besser hin - und hat eine ernsthafte Alternative zu Whatsapp entwickelt, die den Namen WWW: Wire trägt. Wire (englisch: Kabel) ist natürlich ein interessanter Name für eine Anwendung, die vor allem drahtlos genutzt wird. Aber das ist nur die erste Überraschung bei Wire.

Die Wire-App gibt es für Mobilgeräte und für Mac OS X; Rechte: Wire
Die Wire-App gibt es für Mobilgeräte und für Mac OS X


Ex-Gründer von Skype macht mit
Neugierig geworden habe ich mir Wire direkt mal angeschaut. Schickes Design! Der gesamte Aufbau der Messaging-App ist moderner als bei Whatsapp und allen anderen Apps, die derzeit am Markt sind. Das gibt schon mal Pluspunkte. Die Benutzeroberfläche der derzeit für iOS, Android und Mac OS X erhältlichen Versionen ist allerdings Englisch. Das muss so sein, wenn man eine App in den Weltmarkt einführt. Was auf jeden Fall erwähnt werden muss: Das Wire-Projekt wird von einem Promi aus der Szene unterstützt, und zwar von niemand geringeren als Janus Friis, einem der Mitbegründer von Skype.

Friis bringt eine Menge Erfahrung und Know-how mit ein. Schließlich gilt Skype auf dem Desktop als wichtigste Messenger-App. So wie Skype unterstützt auch Wire Chats und VoIP-Telefonate, also Telefongespräche übers Netz. Video-Chats gibt es derzeit noch nicht, was ich überraschend finde, denn das wäre ein eindeutiger Unterschied zu Whatsapp. Soll aber bald kommen. Der große Unterschied zu Whatsapp ist, dass Wire versucht, die sozialen Netzwerke mit einzubinden. Man kann über Wire Fotos teilen, Songs aus der Soundcloud empfehlen oder Videos von Youtube in die eigenen Nachrichten einbinden. Das sind Möglichkeiten, die einem bei Whatsapp fehlen.

Mit Wire lassen sich Fotos, Soundcloud-Songs und Videos teilen; Rechte: Wire
Mit Wire lassen sich Fotos, Soundcloud-Songs und Videos teilen


Wire geht neue Wege
Interessant: Man kann Wire auch als Version für Mac OS X bekommen, also für einen Desktop. Whatsapp läuft nur auf Smartphones. Wire ist offener, wird früher oder später sicher für alle Plattformen angeboten, so ähnlich wie Skype. Ob eine Windows-App auf den Markt kommt, steht noch nicht fest, eine Web-App soll es aber auf jeden Fall geben. Schön: Alle Chats, alle Nachrichten sollen auf allen Geräten, auf denen man Wire nutzt, synchronisiert werden. Das bedeutet: Man kann einen Chat auf dem Desktop beginnen und auf dem Smartphone nahtlos fortsetzen. Nicht unbedingt neu, das geht auch mit Apples Messenger, aber durchaus sinnvoll.

Die Bedienung von Wire ist einfach und macht auch Spaß. Aber wie das bei neuen Messenger-Apps immer so ist: Am Anfang mangelt es an Gesprächspartnern. Denn mit wem soll man chatten, wenn niemand Wire benutzt? Es wird also ein bisschen dauern, bis Wire wirklich eine Alternative zu Whatsapp ist. Was für Wire spricht: Da Wire zu keinem Großkonzern gehört und seinen Firmensitz in Europa hat, gilt europäisches Datenschutzrecht. Alle Wire-Server sollen in Europa stehen - und bleiben. Das spricht eindeutig für Wire.

Wire stellt keineswegs alles auf den Kopf, macht nicht alles anders - aber wirkt irgendwie angenehmer. Eine moderne Benutzeroberfläche und etwas mehr Datenschutz, das sind gute Argumente, Wire mal auszuprobieren. Ob es aber reicht, dem Platzhirsch Whatsapp die Stirn zu bieten, das wird sich zeigen - müssen.

Interessant. Leider kein Hinweis, ob die Unterhaltungen End-End-verschlüsselt sind. Wenn nicht, bliebe ich weiterhin bei Threema (und sonst wohl auch, weil ich mit Threema zufrieden bin :-D)

Michael H. Gerloff am 3.12.14 16:51

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Mittwoch, 03.12.2014

Mobiles Museum

Ich gehöre ja zu den Menschen, denen jedes Hintergrundbild auf dem Smartphone nach ein paar Tagen schon wieder zu langweilig ist. Und denen deshalb Ideen wie WWW: "Muzei" von Roman Nurik sehr gefallen. Diese App verwandelt euer Android-Smartphone in ein mobiles Museum und zeigt regelmäßig neue Gemälde als Hintergrund an.

Muzei; Rechte: Google Play/Muzei
Van Gogh für alle: Muzei zeigt Gemälde berühmter Künstler an, lässt sich aber auch mit Fotos aus der eigenen Bildergalerie füttern.

Toll finde ich die Funktionsgewalt von Muzei: Ihr könnt für einzelne Gemälde Schärfe oder Helligkeit anpassen, die Reihenfolge festlegen oder den Zufallsgenerator einschalten - und auch bestimmen, wie schnell die Hintergrundbilder wechseln sollen. Alle Bilder stammen übrigens aus der Kunstenzyklopädie WWW: WikiArt - um das Thema Urheberrecht müsst ihr euch in diesem Fall also keine Gedanken machen.

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Dienstag, 02.12.2014

Mit dem selbstfahrenden Auto über die Autobahn

Es ist ein alter Traum: Ihr steigt in euer Auto, gebt ins Navi ein, wohin ihr möchtet - und das war's. Fahren müsst ihr selbst nicht mehr. Auf deutschen Straßen sind die ersten selbstfahrenden Autos schon unterwegs. Und ich durfte in einem davon Platz nehmen.

Fahrt im selbstfahrenden Auto; Rechte: WDR
Für die Servicezeit-Reportage "Smarte neue Welt" (Freitag, 5. Dezember 2014, 18.20 Uhr, WDR Fernsehen) habe ich mich vom selbstfahrenden Auto über die Autobahn bei München fahren lassen.

Automobilhersteller wie Mercedes-Benz arbeiten am selbstfahrenden Auto. Blog: Ford testet in Aachen das vernetzte Auto. Googles Sensoren kommen mit Baustellen, Fußgängern, Radfahrern und Bahnübergängen zurecht. Und BMW nutzt die Autobahnen rund um München als Teststrecke. Nicht mit neu gebauten und futuristisch anmutenden Science-Fiction-Autos wie bei Google, sondern mit ganz normalen, aber hochgerüsteten Autos.

Viele der Komponenten darin kennen wir heute auch schon: Warnsysteme mit Sensoren zum Beispiel. Oder den Tempomaten, den ich auf der Autobahn auf Tempo 100 stellen kann und dann nicht mehr selbst Gas geben muss. Beim selbstfahrenden Auto kommt eine Armada weiterer Sensoren dazu, außerdem eine extrem genaue Karte - viel genauer, als wir sie aus dem Navi kennen. Die Ingenieure in München haben dafür eine Strecke von ihrem Testgelände bis zum Flughafen neu kartieren lassen.

Sobald ich mich auf einem dieser bis ins Detail erfassten Autobahnabschnitte befinde, kann ich einen Knopf am Lenkrad betätigen - und schon übernimmt das Auto die Fahrt.


Autonomes Fahren findet in Deutschland eher auf der Autobahn statt. Google dagegen arbeitet an einer Automatisierung für den Stadtverkehr.

Es ist nicht so, als könnte ich währenddessen einfach die Hände vom Lenkrad nehmen. Das selbstfahrende Auto ist noch immer ein Prototyp. Vor der Fahrt auf der Autobahn hat mir einer der Ingenieure auf der Rollbahn eines ehemaligen Flughafens gezeigt, wie ich reagieren muss, wenn das Auto einmal zickt. Sobald es in die falsche Richtung lenkt oder plötzlich schneller oder langsamer wird, kann ich die Hände schnell zum Lenkrad nehmen und das einmal kurz rumreißen - schon geht der Computer wieder aus.

Tatsächlich hatte ich Angst vor einem solchen Moment. Was passiert, wenn das Auto falsch reagiert - und es selbst der Notfallknopf in der Mittelkonsole nicht mehr tut?

Dieser Moment trat allerdings nicht ein, und zu meiner Überraschung ist meine Angst sehr schnell verschwunden. Das selbstfahrende Auto hat sich für mich in Betrieb nicht mehr groß nach einem Prototypen angefühlt. Ein einziger Kontrollmonitor war darin noch angebracht. Ansonsten wirkte es, wie ein Auto eben wirkt - selbst die Automation ließ sich völlig selbstverständlich steuern. Wir haben die Strecke vom Testgelände zum Flughafen und zurück zweimal absolviert - schon auf der zweiten Fahrt hatte ich vergessen, worin ich da eigentlich sitze. Bis der Ingenieur auf dem Beifahrersitz plötzlich sagte: "Sie denken schon noch daran, auch auf die Straße zu achten!?"

Fahrt im selbstfahrenden Auto; Rechte: WDR
Hände weg vom Steuer! - Vom Spurwechsel übers Autobahnkreuz bis zum Abbremsen, wenn es mal enger wurde, hat mich das selbstfahrende Auto sicher zum Münchener Flughafen und zurückgebracht.

Gleichzeitig hat man dem Auto deutlich angemerkt, wo es noch hakt. Das war vor allem in Momenten der Fall, die hoch menschlich sind. Dazu gehört zum Beispiel die Auffahrt auf die Autobahn. Dabei entscheiden wir manchmal aus dem Bauch heraus, ob wir uns einfädeln oder nicht - abhängig von Fragen wie: Welches Auto ist da jetzt hinter uns? Fährt da ein Sportwagen oder ein Laster? Und wie ist der Gesichtsausdruck des Fahrers? Wird der jetzt wohl noch Gas geben - oder nicht? Um solche Fragen beantworten zu können, müsste die Künstliche Intelligenz wesentlich weiter sein als heute.

Die Ingenieure in München sagen: Das selbstfahrende Auto wird kein großer Wurf, sondern kommt Schritt für Schritt, erst einmal teilautomatisiert, in den kommenden 10 bis 15 Jahren zum Beispiel mit immer besseren und intelligenteren Assistenzsystemen.

Das komplett automatisierte Auto dagegen sei eher eine Sache von 20 bis 30 Jahren. Schließlich sind die schwierigsten Fragen noch offen. Wer trägt zum Beispiel die Verantwortung bei Unfällen? Der Fahrer, obwohl er nicht gelenkt hat? Der Hersteller, obwohl ihm kein Fehler nachgewiesen werden kann? Und wie verhält sich das Auto, wenn ein Unfall unausweichlich ist? Von links läuft ein Kind auf die Straße, von rechts eine Oma - wie reagiert man nun, wenn die Zeit nicht mehr reicht, um zu bremsen?

Das selbstfahrende Auto fühlt sich schon so weit an, dass wir uns über solche Fragen langsam Gedanken machen sollten.


Unsere Blogger Anita Horn und Dennis Horn sind weder verwandt noch verheiratet, aber umso besser vernetzt. Sie entdecken jede Woche digitale Perlen: spannende Webseiten, lustige Links und Angebote, die den Alltag bereichern - hier im Blog, jeden Dienstag in der WWW: WDR 5 LebensArt im Radio und einmal im Monat in der WDR: Servicezeit im WDR Fernsehen.

Was macht eigentlich so ein Auto in einer Baustelle wo die Spuren verlegt wurden?

Sven am 3.12.14 15:51

@Sven: Es gibt unterschiedliche Ansätze der verschiedenen Hersteller. Einer wäre: Das Auto erkennt eine Baustelle wie alle anderen Hindernisse auch dank Kameras und Sensoren - und steuert dann einfach um die Baustelle herum. Es gibt aber auch die Idee, alle Baustellen mit Kommunikationstechnik auszurüsten und die Autos dann zu warnen, sobald sie auf die Baustelle zusteuern.

Dennis Horn am 3.12.14 21:56

Ob sich der Autofahrer so seine "Freiheit"nehmen lassen will-z.B im Stau stehen?!

Martin Däniken am 9.12.14 15:27

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