Montag, 06.10.2014

FireChat hebelt Zensur in Hongkong aus

Immer wieder beweisen moderne Technologien in schwierigen Zeiten ihr Potenzial. Dank Facebook, Skype und Twitter haben sich Demonstranten im arabischen Frühling, in der Türkei oder in Asien miteinander ausgetauscht und organisiert, vorbei an der staatlichen Zensur oder Kontrolle. Doch auch staatliche Stellen lernen dazu, finden immer wieder neue Kniffe, wie sie solche Kommunikationswege behindern können. Macht nichts, denn Demonstranten sind einfallsreich: Dann müssen eben wieder neue Auswege her. In Hongkong ist es WWW: FireChat, eine Kommunikations-App, die Menschen direkt miteinander verbindet.

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FireChat: Durch Demos in Hongkong im Aufwind


FireChat ist wie ein Megafone für jeden
FireChat ist eine kostenlos erhältliche App, die es seit März 2014 gibt und seit Juni auch als Version für iOS und Android vorliegt. Seit einer Woche wird die App des amerikanischen Herstellers Open Gard auch von den Demonstranten in Hongkong inrensiv genutzt. Mit Hilfe von FireChat können sich User per Bluetooth oder Wifi Direkt miteinander vernetzen. Das Funknetzwerk reicht mühelos 50 bis 60 Meter und kommt ohne WLAN-Basisstation oder Mobilfunknetz aus. Es reicht, sein Smartphone eingeschaltet zu haben. Wenn nun Dutzende, Hunderte oder gar Tausende FireChat nutzen, um sich zu vernetzen, entsteht so ein riesiges Netzwerk - und es lassen sich Distanzen von mehreren hundert Metern, nötigenfalls sogar Kilometern überbrücken.

FireChat funktioniert wie ein Peer-to-Peer-Netzwerk. Jedes Gerät ist mit jedem anderen Gerät verbunden, so lange man Kontakt zu mindestens einem anderen Gerät hat - und hält. Im Gedränge einer Demonstration ist das kein Problem. Die Demonstranten nutzen FireChat, um Nachrichten auszutauschen und vor allem, um sich zu organisieren. Es ist völlig unmöglich, dieses Netzwerk zu stören, da Bluetooto und Wifi Direct unabhängig von Basisstationen funktionieren. Mit FireChat hat jeder ein Megafone in der Hand. Über 100.000 Menschen haben sich an nur einem Wochenende registriert - obwohl das nicht mal nötig ist, um die Software zu nutzen.


Demonstranten in Hongkong


FireChat könnte das nächste Snapchat sein
FireChat nutzt geschickt technische vorhandene Funktionen, um Menschen miteinander zu vernetzen. So verwendet FireChat auch eine Funktion in iOS, die sich "Multipeer-Connectivity-Framework" nennt und erst seit Version 7 existiert. Sie ist dazu gedacht, mehrere User in einem Bluetooth-Netzwerk oder per Wifi Direkt zu verbinden. Apple nutzt diese Funktion selbst für Airdrop. Überall dort, wo große Menschenmengen zusammenkommen, und das können auch Fußballspiele oder andere Großereignisse sein, brechen die Internetzugänge gerne zusammen. FireChat aber beflügelt eine solche Situation - es kommt ganz ohne Onlinezugang aus.

Bis vor kurzem war FireChat nur vergleichsweise wenigen Menschen bekannt. Durch die Demonstrationen in Hongkong ändert sich das. Auch wenn FireChat schon im Iran, im Irak und im arabsichen Frühling zum Einsatz gekommen ist, die Nutzung in Hongkong hat enorme Ausmaße angenommen. Man darf wohl getrost davon ausgehen, dass wir von FireChat noch eine Menge hören werden. Auch in Schulen und Unis wird die Software sicher demnächst öfter zum Einsatz kommen - und Lehrer, Eltern und andere in die Verzweiflung treiben.

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Montag, 06.10.2014

Facebook ohne Zahlen

7 Benachrichtigungen, 71 Nachrichten, 6 Gefällt-mir-Angaben, 8 Kommentare, 13 Freunde im Chat. Wenn man genau hinschaut, sieht man: Facebook ist voller Zahlen. Wie fühlt es sich wohl an, würde man all diese Zahlen wegnehmen? Das zeigt der WWW: Facebook Demetricator von Benjamin Grosser.


Facebook ohne Zahlen - in diesem Video vermittelt Benjamin Grosser einen Eindruck davon.

Plötzlich steht da nur noch, dass es Benachrichtigungen, Nachrichten, Gefällt-mir-Angaben, Kommentare und Freunde gibt - aber nicht mehr, wie viele. Spannend, zu beobachten, wie man sich plötzlich verhält, wenn der Wettbewerb wegfällt, möglichst hohe Zahlen abzustauben - ein soziales Netzwerk fühlt sich so gleich ganz anders an.

(via WWW: Martin Giesler)

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Sonntag, 05.10.2014

Auch Senioren können Startups gründen

Früher gabe es keine Startups. Da wurden Firmen gegründet. Ein Startup ist im Grunde genommen genau dasselbe - aber in der Regel sind es sehr, sehr junge Leute, meist Anfang 20, die eine Idee haben und dann ein Startup gründen. Doch man sollte mit dem Vorurteil aufräumen, nur junge Leute könnten Unternehmen gründen. Hugo Boss war 38, als er sein Modelabel gestartet hat. Asa Candler hat mit 41 Coca-Cola gegründet. Und IBM wurde vom 61-jährigen Charles Flint aus der Taufe gehoben.

Es ist also nie zu spät, einer guten Idee Flügel zu verleihen. Woher ich das weiß? Ich habe mir diese WWW: interaktive Karte angeschaut. Too late to start? Nein, keineswegs. Die schick gemachte Karte präsentiert zahllose Namen von nicht mehr ganz taufrischen Unternehmensgründern.

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Interaktive Grafik: Wie alt sind Unternehmensgründer?

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