Donnerstag, 07.05.2015

re:publica 2015: Zum Schluss noch ein Weltrekord

7.000 Besucher, 9.400 Geräte im W-Lan und 101.000 Tweets mit dem Hashtag #rp15 - die re:publica 2015 ist vorbei und traditionell wird zum Ende immer ein bunter Zahlenreigen präsentiert. In diesem Jahr gab es auch noch einen Weltrekord: Das Lightpaintingbild mit den meisten Teilnehmern wurde von Fotograf Ulrich Tausend aufgenommen. Alle Teilnehmer der Abschlussfeier sollten mit den Taschenlampen ihres Handys ein Muster in die Luft malen, das Ergebnis twitterte der Fotograf auch umgehend. 

Kenia und "Big Data" in der Musik

Der letzte re:publica-Tag hatte zuvor aber auch noch einige gute Themen parat. Beeindruckend fand ich zum Beispiel die drei Kenianerinnen, die in ihrem Vortrag "WWW: 10 things Europe can learn from kenya" gezeigt haben, wie die Digitalisierung ihr Land verändert hat. Facebook und Twitter werden dort beispielsweise intensiv für den Kontakt zu staatlichen Institutionen genutzt. Um Geld zu transferieren wird dort oft das Mobiltelefon verwendet und zwar mit einem in Kenia entwickelten WWW: Bezahlsystem.

Was die Musikindustrie mit den Nutzerdaten von Musikstreaming-Anbietern wie Spotify anfangen kann, hat WWW: Kevin Schramm in seinem Vortrag gezeigt. Konzertveranstalter freuen sich beispielsweise, wenn sie viel darüber wissen, welche Musiker besonders zahlungskräftiges Publikum anlocken. Dadurch, dass viele Nutzer ihr Spotify-Konto mit ihrem Facebook-Konto verknüpft haben, kann Spotify entsprechende Daten liefern.

rp15.jpg Rund 7.000 Besucher haben die re:publica 2015 besucht (Foto: re:publica/Gregor Fischer)

Drei Tage re:publica sind rum, Zeit für ein Fazit:

Was toll war

  • Die re:publica ist immer noch inspirierend. Mal ein Beispiel: Vom Vortrag "WWW: Hack your city" habe ich leider nur noch das Ende mitbekommen (es geht darum, wie die Bürger ihre Stadt selber gestalten können), aber die Redner waren mit so viel Begeisterung dabei, dass ich mir die Aufzeichnung des Vortrags später nochmal anschauen möchte.
  • Die Zahl der Sessions ist riesig, das Programm unübersichtlich, aber: Man kann sich hier auch mal für eine halbe Stunde in ein Thema einführen lassen, mit dem man normalerweise nichts zu tun hat. Zum Beispiel: "WWW: Sketchnotes für Einsteiger", eine Zeichentechnik, um Vorträge visuell zu strukturieren und zu dokumentieren.
  • Hof und Besucher: Wer eine Pause braucht, geht auf den Innenhof, kauft sich ein Getränk und trifft immer jemanden zum Plaudern. Für Menschen mit schlechtem Namensgedächtnis nicht immer ganz einfach, aber das ist eine andere Geschichte.

Was nicht so gut geklappt hat

  • Session-Beschreibung vs. tatsächlicher Inhalt: Leider erfüllen manche Vorträge nicht was deren Beschreibung im Programm verspricht. Bei "Schleichwerbung - Geld vs. Recht & Moral" hätte ich schon erwartet, dass auch über die moralischen Aspekte gesprochen wird. Das Thema wurde aber komplett ausgeklammert. Andere Vortragstitel suggerieren die Lösung eines Problems zu bieten, beschreiben dann aber nur ausführlich das Problem.
  • Schlangen: Ständig steht man in irgendwelchen Menschenschlangen; um einen Kaffee zu kaufen, um in einen vollen Vortragsraum hinein zu kommen, um später wieder heraus zu kommen, um etwas zu essen zu bekommen, selbst vor der Herrentoilette hatte sich am Donnerstagvormittag eine Schlange gebildet. Da ist viel Geduld gefragt.
Wie geht's weiter ?

Die wirtschaftliche Seite des Netzes spielt inzwischen eine große Rolle bei der re:publica. (Siehe auch: Blog: Es geht ums Geschäft) Es geht nicht mehr nur um Micro-Payment, sondern ums große Geld. Das finde ich genau richtig, denn schließlich ist das ja auch die Wirklichkeit im Netz. Ich bin aber gespannt, ob und wie sich die Besucher entwickeln. In den vergangenen Jahren sind immer mehr berufliche Besucher dazu gekommen, mein Eindruck ist aber auch: Die re:publica wird immer älter. Schüler oder Studienanfänger sieht man nur wenige.

Wie die Evolution der Internetkonferenz weitergeht, wird die #rp16 zeigen, die am 2. Mai 2016 beginnt.

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Donnerstag, 07.05.2015

Die Digitalstrategie der EU

Es gibt Dinge, die kann man sich nur schwer erklären. Warum zum Beispiel zahlt man für eine Tageszeitung, wenn klassisch sie auf Papier gedruckt wurde, nur 7% Mehrwertsteuer, doch liest man dieselben Artikel online, werden dafür 19% MwSt. fällig - vorausgesetzt, man bezahlt für das Lesevergnügen? Bei Büchern ist es genauso. Gedruckte Werke profitieren vom ermäßigten Mehrwertsteuersatz von sieben Prozent, während für eBooks 19% Mehrwertsteuer fällig werden - wohlgemerkt für absolut identische Inhalte. Wer kein Papier bedruckt, sondern die Lektüre bäumeschonend digital ausliefert, muss auf 12 Prozentpunkte Umsatz verzichten. Dieser Irrsinn könnte nun ein Ende haben.

Besucher auf der re:publica waren überrascht über neue EU-Digitalstrategien; Rechte: WDR/Schieb
Besucher auf der re:publica waren überrascht über neue EU-Digitalstrategien


Juncker will die Mehrwertsteuer reduzieren
Denn endlich hat mal jemand erkannt, dass das mit Logik wenig zu tun hat - und abgesehen davon auch Anbieter digitaler Medien benachteiligt. EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker strebt auch für digitale Medieninhalte eine ermäßigte Mehrwertsteuer an. In der ersten Jahreshälfte 2016 soll eine entsprechende Initiative vorgelegt werden - für EU-Verhältnisse ist das Blitztempo. Die Verlagsbranche dürfte das freuen. In diesem konkreten Fall gibt es aber wirklich keinen vernünftigen Grund für die bisherige steuerrechtliche Benachteiligung.

Nicht die einzige Veränderung, die man sich in Brüssel ausgedacht hat. Die EU will auch das ARD: Geoblocking abschaffen - und den grenzüberschreitenden Onlinehandel einfacher machen. Geoblocking ist in der Tat ein Zankapfel: Während die Inhaber von Musik- und Filmrechten am liebsten daran festhalten wollen, dass es in der EU zwar keine Schlagbäume mehr gibt, wohl aber digitale Grenzen, wollen die User lieber heute als morgen darauf verzichten.

Guenther Oettinger ist Geoblocking-Freund - wurde aber überstimmt; Rechte: dpa/Picture Alliance
Guenther Oettinger ist Geoblocking-Freund - wurde aber überstimmt


Geoblockingfreund Oettinger überstimmt
Denn Geoblocking sorgt dafür, dass eine BBC-Sendung nicht in Deutschland geguckt werden kann, dass deutsche Netflix-Nutzern im Spanien-Urlaub ihre Lieblingsserie verwehrt bleibt und einzelne Musiktitel zwar in dem einen EU-Land, nicht aber in dem anderen EU-Land gestreamt werden können. Natürlich: Es gibt Tricks. Mit Hilfe von Spezial-Software oder VPNs (Virtual Private Networks) kann man so tun, als wäre man zu Hause - aber dass das geht, macht den Irrsinn nur noch größer. Wer soll das alles noch verstehen?

EU-Digitalkommissar Guenther Oettinger ist ein bekennender Anhänger des Geoblockings, wurde aber offensichtlich von seinen Amtskollegen überstimmt. Das lässt hoffen, denn bislang ist Oettinger weder mit sonderlich viel Sachkompetenz, noch mit innovaten Ideen aufgefallen. Im Gegenteil: In aller Regel argumentiert Oettinger sehr rückwärtsgewandt. Old School, ohne irgend eine Ahnung von der Netzkultur. Auf der WDR: re:publica in Berlin war Oettinger deshalb auch immer wieder Thema - als Schreckgespenst, das die Ideen der Netzgemeinde torpediert.

sie meinen: mit innovativen Ideen.

LiFe am 8.05.15 8:43

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Mittwoch, 06.05.2015

Computer verstehen = Welt verstehen

Programmieren in der Schule. Blog: Schwieriges Thema in Deutschland. Auch auf der re:publica wird drüber diskutiert. Klar, Netzmenschen sind sich da relativ einig: Der Umgang mit Technik im Allgemeinen und Programmieren im Speziellen sollte fester Bestandteil schulischer Bildung sein - auch in Deutschland. Vor allem nach den schlechten Ergebnissen der WWW: ICILS-Studie.

In verschiedenen Vorträgen, Talks und Workshops ist der schulische Umgang mit digitalen Technologien in Berlin Thema. Unter anderem bei der WWW: Vorstellung der Code Week. Ein europaweites Schul-Tech-Event, bei dem Deutschland erst letztes Jahr zum ersten Mal (!) mitgemacht hat.

Foto_Präsi_Cognitive Computing Markus Mathar.JPG Perfekter Informatikunterricht: Technologien begreifen und Ideen verstehen.

Oder WWW: Cognitive Computing. Das verändert unsere Welt. Seit Jahren. Und zwar in ähnlich krassem Ausmaß wie die industrielle Revolution. Nur geht es dieses Mal nicht darum, unsere Arbeitskraft zu ersetzen, sondern unser Denken. Der Mensch als Wissensmaschine wird abgeschafft, sagt WWW: Markus Mathar bei seinem re:publica-Vortrag. Oha! Da stellt doch jetzt bitte niemand mehr in Frage, ob das tiefere Verständnis dieser Technologien wichtig ist? In der Zeit, in der Cognitive-Computing-Systeme WWW: uns Menschen einfach platt machen - ob im Wissensquizz, im medizinischen Arbeitsalltag oder WWW: auf der Verbrecherjagd.


YouTube: IBM's Watson Supercomputer Destroys Humans in Jeopardy

Es wird höchste Zeit! Weil es - neben all den (auch völlig legitimen) Ansprüchen von Politik und Wirtschaft, die funktionierende Programmierer wollen - endlich um digitale Mündigkeit gehen muss. Das erklären WWW: Maria Reimer, WWW: Paula Glaser und WWW: Daniel Seitz in ihrem Vortrag WWW: Code + Ethik = <3. Kinder sollten Gesellschaft verstehen und gestalten und zwar nicht nur technisch, sondern auch ethisch ausgebildet.

Denn wir Menschen kommen an unsere Grenzen. Aber anstatt das als Bedrohung zu sehen, sollten wir die Grenzen überdenken, neu setzen und Chancen sehen. Wir sollten schnellstens lernen, unsere Umwelt zu verstehen. Um mit ihr zusammenzuarbeiten. Nur dann werden Computer von Konkurrenten zu Verbündeten.

Auch Schule muss also reagieren. Was wird gelehrt? Welche Qualitäten werden benotet? Ist es nicht vielleicht wichtiger, gut mit einem künstlichen Hirn zusammenzuarbeiten, als zu versuchen, zwangsläufig unterlegen zu konkurrieren? Und woher kommen die Lehrer dafür? Schließlich soll Schule doch auf WWW: gesellschaftliche Teilhabe vorbereiten - und nicht Office-Kenntnisse vermitteln. So wie WWW: Joshua Arntzen beim re:publica-Panel WWW: "Komm', ich erklär' Dir mal das Internet" seinen Informatikunterricht beschreibt:

"Nur geht es dieses Mal nicht darum, unsere Arbeitskraft zu ersetzen, sondern unser Denken. Der Mensch als Wissensmaschine wird abgeschafft"...Nichts lieber als das: Der Mensch als Wissensmaschine pocht auf Urheberrechte und fordert zu allem Überfluß Tantieme.

LiFe am 7.05.15 7:55

"Auch Schule muss also reagieren. Was wird gelehrt?..."
Ich lach mich tot. Und stell mir eher die Fragen "Was wird GELERNT?" bzw. auf welche "Lernziele" hat das Spaßvolk überhaupt "Bock".
Als Beispiel: während jeder dödelige Selfietrend in Rekordzeit im Netz die Runde macht, hat sich trotz gefühlt schon hunderttausendfacher Berichterstattung noch nicht wirklich herumgesprochen, daß "Gelöscht" und/oder "Zurücksetzen auf Werkseinstellungen" nicht wirklich entfernt vom Speichermedium bedeutet.
Und nächste Woche kommt dann der nächste Test mit Gebrauchthandys, -tablets und Computern. Bei denen von ihren Vorbesitzern alles gelöscht wurde. Und die dann mal wieder baff erstaunt sind, daß die ganzen Nacktselfies, Urlaubsfotos, Bewerbungsunterlagen, Bankdaten und Passwörter doch nicht weg sind.
Was dann ein paar Leute(wie ich) belustigt anschauen. Während die Mehrheit sich nicht mit solchen Dingen beschäftigen mag und in dieser Zeit lieber sich und belanglosen Schwachsinn aus dem Netz liked.

Micha am 7.05.15 10:25


@Micha und allgemein:

Das Problem der Datenlöschung ist extrem wichtig und muss unbedingt in die Schule! Gefährlich ist nicht so sehr das vergessene Nacktfoto. Schlimmer ist es, wenn man sensible Daten Anderer(!) in den Müll wirft.

Das kann ganz leicht passieren. Ein Arzt, Psychotherapeut, Anwalt wird sich vielleicht gar nicht um seinen Computer kümmern. Dafür hat er jemanden, den er bezahlt. Wirft er den Computer zum Sperrmüll, Festplatte falsch gelöscht, kann der Finder die persönlichen Daten der ganzen Umgebung lesen.

Das Datenschutz-Problem gab es schon früher: Kohlepapier, Farbband, Einmal-Carbon-Farbbänder, Thermo-Transfer-Folien, Audiobänder, Videokassetten, Kassenbelege mit Kontonummern, analoge Schnurlostelefone, ungesicherte Briefkästen bei Banken. Oder schlichtweg alte Akten. Selbst(?) schuld?

Nebenbei bemerkt: Teure Kopierer im Copyshop sind Computer mit Scanner und Drucker. Man kann viele so einstellen, dass die jeweils eine zusätzliche Kopie auf der Festplatte ablegen.

Bertram in Mainz am 7.05.15 12:47

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