Donnerstag, 18.06.2015

Weg von Google

Zunächst war es nur eine kleine Aktivistengruppe in der Android-Entwicklergemeinde. Inzwischen ist eine Bewegung daraus entstanden, die auch in der kalifornischen Google-Zentrale sehr ernst genommen wird: Die Android-Entwickler wollen mehr Unabhängigkeit von Google. Und sie wollen das Android-Betriebssystem als offene und freie Software weiter entwickeln.

auto-app.jpg
Um die Apps im Auto wird der nächste Kampf ausgetragen

Auf Googles Hauskonferenz I/O Ende Mai war die Welt für das Google-Management noch in Ordnung. Doch bereits eine Woche später auf der WWW: Droidcon-Entwicklerkonferenz in Berlin stand der Ruf nach mehr Unabhängigkeit für Android-Entwickler auf der Agenda. Seitdem gärt es in der Android Community.

Vor allen Dingen Entwickler, die bei ihren Apps unterbinden wollen, dass Daten der App-Nutzer auf Google-Servern landen, fühlen sich von Google gegängelt. Wer Google-Services bei seiner App-Entwicklung nutzen will, kommt um einige Freigaben für die Weitergabe von App-Daten an Google nicht herum.

Nun schwebt aber Entwicklern wie dem Düsseldorfer Marius Mailat sogar eine Routine vor, mit der App-Nutzer unter Android M generell die Speicherung ihrer Daten auf Google- Servern unterbinden können sollen. "Das wäre so eine Art Opt-Out-Lösung", beschreibt Marius Mailat das Konzept für solch eine Routine, die leicht in bestehende Apps integriert werden könnte.

Google will die Kontrolle über die Apps behalten

Diese Art von App-Entwicklung will Google unbedingt unter Kontrolle halten. Denn sie könnte dem Geschäftsmodell des Internet-Konzerns gefährlich werden, wenn solche Apps eine zu große Akzeptanz bei den Anwendern erfahren. Gegensteuern kann Google hier mit seinen Services.

"Es gibt natürlich die Entwicklung, dass Google viele Features in Google Services einbaut und damit eine gewisse Abhängigkeit schafft", meint denn auch Friedger Müffke, ein Android-Entwickler der ersten Stunde.

Genau diese Abhängigkeit wollen immer mehr Android-Entwickler nicht mehr. Das haben andere große Player der IT-Branche erkannt und bauen alternative Angebote auf.

"Man ist als Android-Entwickler nicht darauf angewiesen, Google Services in Anspruch zu nehmen", urteilt zum Beispiel Boris Jebsen, Mitorganisator der Berliner Droidcon.

App-Entwicklung ohne Google Services ist möglich


So bieten Microsoft, Sony und Intel jeweils alternative Dienstleistungen zu den Google Services. Amazon wirbt seit wenigen Wochen vehement um Entwickler, die ihre Produkte über den WWW: Amazon-Vertrieb feilbieten sollen.

Wie stark sich die Android-Entwickler von Google abnabeln wollen und können, wird sich im Herbst zeigen. Dann wird Android richtig massiv ins Auto einziehen und dort die Herrschaft übers Navigationssystem, Autoradio und andere KFZ-Systeme übernehmen.

Vom Automotive-Geschäft und mithin vom Geschäft mit den dort abgreifbaren Fahrzeugdaten verspricht Google sich eine ganze Menge. Doch wenn Auto-Apps zunehmend unabhängig von Google entwickelt werden, haben die Manager des Intrenet-Konzerns ein Problem.

Die Frage ist: Umwerben sie die Android-Entwickler stärker, um sie an den Konzern zu binden oder üben sie Druck aus. Vieles deutet darauf hin, dass Google den Druck verstärken wird. Das aber wird der Unabhängigkeitsbewegung in der Android Community Zulauf bringen.


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Mittwoch, 17.06.2015

Kabelloses Aufladen per Qi

Ich habe geschätzt 15 Kabel zuhause rumfliegen. Chinch, Scart und Klinke jetzt mal nicht mitgerechnet. Handys, Kameras und mp3-Player werden immer mit zusätzlichem USB-Kabel verkauft. Manche sind identisch, andere extra auf das Gerät ausgelegt. Und so sammelt sich der Elektroschrott in meinen Schränken. Die Idee, Kabel einheitlich zu gestalten, ist ja schon mal ein guter Ansatz. Dann hätte ich jetzt nicht das Problem, dass ich meinen Unterwasser-mp3-Player gerade nicht aufladen kann, weil ich die blöde Packung nicht mehr finde und er natürlich einen völlig anderen Stecker braucht als alle übrigen Geräte. Bis das Einheitskabel sich durchsetzt, vergehen aber vermutlich noch Jahre. EU-Gesetz hin oder her.

Qi-Ladestation; Rechte: WDR/Horn
Nicht alle Handys sind Qi-fähig - auch nicht mit Extrahülle

Schneller setzt sich da vielleicht die Induktionsladung durch, also das Aufladen ganz ohne Kabel. Durch elektromagnetische Funktionen in Handys und den entsprechenden Ladegeräten muss das Smartphone nur noch auf eine dafür vorgesehende Platte gelegt werden und schon beamt sich die Energie rüber. Das Ganze heißt QI, wie das chinesische "Qi", also Lebensenergie im weitesten Sinne. Es wird damit geworben, dass das Handy nun per Induktion geladen werden kann, wo ich gerade bin, und nicht wo die Steckdose ist. Aber die Induktionsplatte selbst braucht ja trotzdem Strom.

Uni mit Qi-Aufladung; Rechte: WDR/Wireless Power Consortium
Ladestationen integriert in Möbel (c) Wireless Power Consortium

Mittlerweile gibt es die Ladegeräte von diversen Anbietern. In billigem Plastik, stylischer Steinoptik oder aus Holz, von fünf bis 50 Euro ist alles drin. Teurer geht immer. Sogar in Möbeln wird QI schon verbaut - in Nachttischen oder Lampenfüßen. Man muss das Handy nur noch hinlegen. Fertig. Das Problem ist nur: das zu ladende Handy muss QI-fähig sein. Und das gehört noch längst nicht zum Standard. Einige neuere Handys haben die zwei kleinen Metallstifte im Innenleben integriert. Für manche Handys gibt es auch Extra-Hüllen, die man gegen die QI-lose Ummantelung tauschen kann. Hierfür zahlt man zehn bis 20 Euro. iPhones werden in eine Art QI-Docking-Hülle gebettet, weil man hier ja nicht einfach den Akkudeckel tauschen kann. Android-Geräte bekommen eine neue Rückseite. Allerdings gibt es diese Möglichkeit auch nicht für alle Modelle. Für mein Samsung S5 mini gibt es zum Beispiel keine Extrahülle. Dabei habe ich es gerade neu. Und nur um an ein, zwei Stellen kabellos laden zu können, kaufe ich mir bestimmt kein neues.

Qi-Spinte; Rechte: WDR/Wireless Power Consortium
Spinte mit Qi-Stationen an der Universität Oregon (c) Wireless Power Consortium

Cool wäre natürlich, wenn alle Cafés, Straßenbahnen, Autokonsolen, vielleicht sogar Fahrradrahmen und Einkaufswagen im Supermarkt QI-Platten integriert hätten. Und das gibt es teilweise auch schon, wie man beim WWW: Wireless Power Consortium nachlesen kann. Die WWW: Universität Oregon hat zusammen mit einem deutschen Möbelhersteller sogar Spinde für Sportler entworfen, die mit allen elektronischen Gimmicks wie auch QI daher kommen. Allerdings dauert die Aufladung per Induktion erstens deutlich länger und zweitens wird die Aufladung gestoppt, sobald das Handy die Kontaktplatte verlässt. So wie beim Kochen auf einem Induktionsherd eben. Topf weg, aus die Maus.

Qi-Ladestation; Rechte: WDR/Horn
Das Physioteam Braunsfeld will Qi-Stationen für die Patienten

In meiner Physiotherapie-Praxis in Köln wollten Chefin Annika Vogel und ihre Kollegin Michaela Lindenberg ein paar QI-Ladestationen für alle Behandlungszimmer anschaffen. Beide kommen aus Schweden und kennen diese Möglichkeit schon seit mehreren Jahren aus ihrer Heimat. Dort sind zahlreiche Hotels, Cafés und sogar einige Discotheken mit QI ausgestattet. Aber als sie in einem Möbelhaus hierzulande losshoppen wollten, entschieden sie sich doch erstmal dagegen. "Denn ob wir jetzt 20 verschiedene Kabel oder 20 unterschiedliche Hüllen hier rumfliegen haben, macht keinen Unterschied." Außer dass die zweite Variante deutlich teurer ist. Noch.

Unsere Blogger Anita Horn und Dennis Horn sind weder verwandt noch verheiratet, aber umso besser vernetzt. Sie entdecken jede Woche digitale Perlen: spannende Webseiten, lustige Links und Angebote, die den Alltag bereichern - hier im Blog und jeden Dienstag in der WWW: WDR5 LebensArt im Radio.

Ich bin "QI" gegenüber skeptisch. Trotz des schön-esoterischen Namens (mit diesem Marketing-Kniff hat man bestimmt sofort alle Bio- und Eso-Anhänger/innen auf seiner Seite, schwedische Physiotherapeuten eingeschlossen) handelt es sich schlicht um induktive Energieübertragung, die es z.B. bei drahtlos geladenen elektrischen Zahnbürsten schon seit Ewigkeiten gibt. Im Prinzip bilden die "QI-Platte" und das Gegenstück den Trafo. Wie sieht's denn da mit dem Wirkungsgrad aus? Herkömmliche Ladegeräte sind inzwischen derart optimiert, dass sie kaum noch Verlustwärme erzeugen. Und woher kommt eigentlich der Anspuch, wo man geht und steht elektrische Energie für das elektronische Spielzeug kostenlos geliefert zu bekommen? Wie dick muss das Versorgungskabel für die "QI-Platte" sein, wenn ständig 50 Leute ihre Gadgets aufladen wollen (kostenlos natürlich)? Bei meiner elektrische Zahnbürste sind die Energieverluste tragbar, ich nehme die aber auch nicht mit in's Cafe zum "Aufladen, bitte!"

Herbert Kaiser am 23.06.15 16:31

Noch eine Anmerkung: "Cool wäre natürlich ... vielleicht sogar Fahrradrahmen und Einkaufswagen im Supermarkt QI-Platten integriert hätten" Und die Fahrräder und Einkaufswagen fahren dann auf Stromabnehmerschienen oder mit Oberleitungsanschluss?

Herbert Kaiser am 23.06.15 16:36

@Herbert Kaiser: Fahrräder mit E-Antrieb haben die Stromquelle doch ohnehin dabei.

Für Einkaufswagen gäbe es auch eine praktische Lösung: Das Ladekabel in das Kabel integrieren mit dem die Einkaufswagen gegen Diebstahl gesichert sind (mit einer Steckdose da wo es in den Einkaufswagen gesteckt wird), der Akku passt in den Handbügel. Sobald der Einkaufswagen wieder abgestellt wird wird er auch automatisch wieder aufgeladen.

Juergen am 23.06.15 19:26

Hallo Juergen, Sie wollen also im Ernst einen Akku (im EBike oder im Einkaufswagen) verlustbehaftet aufladen, um damit dann wieder Gadgets per verlustbehafteter "QI-Platte" (sprich induktiver Energieübertragung) aufzuladen? Und das nur, weil einige Leute zu bequem, zu faul, zu fahrlässig sind, um ihre eigenen elektronischen Geräte mit Strom (über ihren eigenen Zähler) zu versorgen? Wer bezahlt die Umrüstung der Einkaufswagen? Wer bezahlt die Wartung der Akkus und den Schwund durch Diebstahl? Ich denke, ich schliesse mich diesem maßlosen Anspruchsdenken mal an und fordere, dass bitteschön an jedem Einkaufswagen und in Cafés, Kneipen und Diskotheken ein 5-Liter-Kanister Benzin bereitsteht, an dem ich mich bedienen kann. "QI-Platten" hören sich für mich nach einer faul-bequemen, aber energetisch unsinnigen Sache an. Was Sie jedoch mit dem Strom machen, den Sie bezahlen, soll mir egal sein. Aber es ist IHR Spielzeug, also halten Sie das bitte auf Ihre Kosten betriebsbereit.

Herbert Kaiser am 24.06.15 8:57

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Mittwoch, 17.06.2015

Fairphone 2 kann sich nicht entscheiden

Es gibt Dinge, die kauft man nicht aus purer Vernunft. Bei Autos ist das so. Bei Uhren - oder heute Smartwatches. Bei Smartphones ist es zweifellos genauso. Denn besonders vernünftig scheint es nicht, mehrere hundert Euro oder sogar mehr als 1.000 EUR für ein Smartphone auszugeben, das einem irgendwie gar nicht gehört. Egal ob Apple, Google oder Microsoft: Das jeweilige Betriebssystem beherrscht das sündhaft teure Gerät. Und im Fall von Apples iPhone kann man noch nicht mal den Akku austauschen, geschweige denn das Gerät reparieren.

Das Fairphone 2 lässt sich auseinander nehmen; Rechte; Fairphone
Das Fairphone 2 lässt sich auseinander nehmen

Modulare Bauweise hilft Müll vermeiden
Das Fairphone ist so ziemlich das genaue Gegenteil dieser Prestige-Smartphones (die durchaus ihren Spaßfaktor haben, das ist nicht zu bestreiten). Denn das Fairphone ist fair produziert, die verbauten Materialien so sorgfältig ausgewählt wie nur möglich. Die Macher der Fairphone wollen die Umwelt schonen und alle, die solche Geräte bauen, unter vertretbaren Arbeitsbedingungen arbeiten lassen. Das jetzt angekündigte WWW: Fairphone 2 ist darüber hinaus modular aufgebaut. Jedes einzelne Bauteil lässt sich bei Bedarf ersetzen oder austauschen. Man kann das Fairphone 2 sogar selbst reparieren. Davon können Besitzer moderne Luxus-Geräte wie iPhone, Lumia oder Galaxy S6 nur träumen.

Beim Fairphone 2 kann man einzelne Module entnehmen und bei Bedarf austauschen. Man muss also nicht gleich das komplette Gerät entsorgen, wenn ein Detail nicht stimmt. Das soll insgesamt eine längere Lebensdauer ermöglichen und ist definitiv zu begrüßen. Was die Technik selbst betrifft, die im Fairphone 2 verbaut ist, haben die Macher spürbar aufgerüstet: Im Inneren werkelt ein Quad-Core-Prozessor Snapdragon 801 von Qualcomm, außerdem gibt es zwei Gigabyte RAM und 32 Gigabyte internen Speicher. Das fünf Zoll große Display mit Gorilla Glass löst in Full-HD auf (1.920 mal 1.080 Pixel).


Modulare Bauweise hilft Müll vermeiden
Etwa 60.000 Geräte konnten von dem ersten Fairphone-Modell verkauft werden. Das ist nicht besonders viel. Doch während die erste Generation nur 300 Euro gekostet hat, schlägt das Fairphone 2 mit 525 Euro zu Buche, ist also fast doppelt so teuer. Technisch rückt das Gerät dafür allerdings deutlich auf. Das Smartphone bewegt sich technisch auf der Höhe der Zeit. Damit unterwerfen sich die Anbieter den Regeln des Marktes. Sie wollen in der Oberliga mitspielen, obwohl sie einen ganz anderen Focus haben. Oder hatten - beim ersten Modell.

Die Macher können sich offensichtlich nicht wirklich entscheiden, in welchem Markt sie vertreten sein wollen. Es gibt durchaus einen Bedarf an fair hergestellten Geräten, bei deren Herstellung an die Umwelt und die Arbeitsbedingungen gedacht wird. Aber jetzt ein Gerät anzubieten, das locker das Doppelte kostet, bedeutet auch, die ursprüngliche Zielgruppe aus dem Auge zu verlieren. Vielleicht wäre es klug gewesen, gleich zwei Modelle anzubieten: Eins im Low-Budget-Bereich und eins im gehobenen Preissegment, wenn auch fair hergestellt. Ich bin nicht sicher, ob diese Rezeptur aufgeht.

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