Samstag, 22.08.2015

Praktisches Tool für Video-Kollaboration

Es gibt im Wesentlichen zwei Arten von Videos. Bei der einen Art zückt jemand sein Smartphone, nimmt etwas auf und stellt das Video schon wenig später mehr oder weniger unbearbeitet bei YouTube, Vimeo und Co. ein. So entstehen zweifellos die meisten Videos. Die zweite Art ist die, bei denen sich jemand etwas denkt - und mit viel Aufwand und vielleicht sogar Liebe zum Detail den Film schneidet, mit Musik versieht, die Farben optimiert und vieles andere mehr. Früher haben das nur Profis gemacht - heute machen sich viele die Mühe, richtig gute Videos zu erstellen. Schließlich gibt es in den Videoportalen jede Menge verwöhnter und bildhungriger Nutzer.

Videos im Team bearbeiten: frame.io ist ein interessantes Werkzeug; Rechte: frane.io
Videos im Team bearbeiten: frame.io ist ein interessantes Werkzeug


Regiezentrale für die eigenen Videos
Wer schon mal gemeinsam mit anderen in Teamarbeit ein Video erstellt und bearbeitet hat, der weiß, wie umständlich so etwas sein kann. Man lädt das Video bei YouTube oder Vimeo hoch oder hinterlegt die Datei in der Dropbox. Dann muss man eine E-Mail mit den Links verschicken. Die Leute aus dem Team schauen sich alles an - und schreiben in weiteren E-Mails auf, was sie stört, was sie anders haben wollen und schicken ihrerseits vielleicht wieder Links auf Videoschnipsel. So zieht sich die Zusammenarbeit am Video ewig hin - und das Ergebnis wird dadurch ganz bestimmt nicht besser.

Doch es geht auch deutlich einfacher. Ein Startup namens WWW: frame.io beschäftigt sich ausschließlich mit der Frage, wie man Videos einfacher und bequemer verteilen und im Team bearbeiten kann. Hier kann man Videos in jeder Qualität und in jedem Format hochladen, ebenso Sound-Files und was man sonst so für die Videobearbeitung braucht. Dann lädt man Freunde und Kollegen ein, die bei der Erstellung des Videos mitmachen sollen. Das Tolle: Man kann einzelne Bilder oder Szenen kommentieren. Einfach das Frame (Bild) auswählen und Kommentar rein schreiben. Fertg. Man kann sogar im Bild etwas markieren, etwa eine Stelle, die einen stört.

frame.io bietet die Möglichkeit, direkt im Video etwas zu markieren; Rechte: WDR
frame.io bietet die Möglichkeit, direkt im Video etwas zu markieren


Profiwerkzeug zur Videobearbeitung in der Cloud
Wer Texte oder Tabellen in Teamwork bearbeiten will, hat heute viele Möglichkeiten. Doch Videos gemeinsam bearbeiten - das ist bislang schwierig gewesen. frame.io löst eine Menge Probleme. Nicht nur hat man einen zentralen Container in der Cloud, in dem alle Filmschnipsel und natürlich der fertige Film liegt, man kann sich perfekt mit dem Tool über den Film austauschen.

Der frame.io-Player erlaubt sogar, Videos bildweise anzuschauen (oder im Schnelldurchlauf), wie in einem Schnittprogramm. Man kann auch einen A/B-Vergleich machen und zwei Versionen desselben Films im direkten Vergleich sehen. Perfekt, um Veränderungen anzuschauen - und zu besprechen. Und wer mag, kann auch Links weitergeben und das Video Leuten zeigen, die nicht zum eigenen Team gehören.

Videos lassen sich direkt aus Schnittprogrammen wie Finalcut Pro in die Cloud exportieren, ohne Umwege. Man braucht allerdings schon eine flotte Internetverbindung, damit das Spaß macht. Schließlich müssen die Filme und auch das Rohmaterial hochgeladen werden. Aber um gemeinsam an Videos zu arbeiten, ist frame.io wirklich nur praktisch. Es gibt einen kostenlosen Account, der für private YouTuber garantiert ausreicht. Profis und anspruchsvolle Video-Produzenten nehmen einen bezahlten Account, da stehen mehr Speicherplatz und Möglichkeiten zur Verfügung.

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Donnerstag, 20.08.2015

Das erste Wort im Internet

Kleine Geschichtsstunde: Welches war eigentlich das erste Wort im Internet? Es wurde am 29. Oktober 1969 um 22.30 Uhr übertragen. Damals gab es das Internet noch nicht in der Form, in der wir es heute kennen. Damals hieß es WWW: ARPANET, was für Advanced Research Projects Agency Network stand: ein Computernetzwerk, das US-Universitäten miteinander verbinden sollte, die für das Verteidigungsministerium forschten.

Leonard Kleinrock; Rechte: picture-alliance/dpa/Leonard Kleinrock
Informatikprofessor Leonard Kleinrock neben dem Interface Message Processor, mit dem 1969 die erste Internet-Verbindung überhaupt zustande kam.

Die wahrscheinlich wichtigste Erfindung seit dem Buchdruck begann mit einem ... Achtung: Computerabsturz! Zusammen mit seinem Studenten Charley Kline versuchte der Informatikprofessor Leonard Kleinrock an diesem Abend im Jahr 1969, den Großrechner der University of California in Los Angeles mit einem weiteren Rechner im 500 Kilometer entfernten Stanford zu verbinden.

Heute erzählt er die Geschichte so: "Wir tippten ein L ein und fragten am Telefon: 'Seht ihr das L?' Es klappte. Wir tippten ein O ein, dann das G - und dann stürzte der Rechner ab." Erst im zweiten Versuch klappte es: Kleinrock und seine Kollegen haben es etwa eine Stunde später geschafft, die kühlschrankgroßen Rechner miteinander zu verbinden, und zwar mit den kompletten fünf Buchstaben: L, O, G, I, N.

Für historisch hat das damals niemand gehalten. Erst heute gilt Leonard Kleinrock als "Vater des Internets". Von seinem großen Moment am 29. Oktober 1969 ist dagegen nur noch ein kleiner, dürrer Protokolleintrag übrig, den man WWW: auf der Website von Leonard Kleinrock sehen kann: "22:30: Talked to SRI Host to Host".

Protokoll der ersten Internet-Verbindung; Rechte: UCLA/Leonard Kleinrock
Auf Papier protokolliert: die Geburtsstunde des Internets.

Das erste Wort im Internet - es lautete also ganz simpel: "login".


Update 21. August 2015: Streng genommen wäre natürlich WWW: "lo" das erste Wort, was so viel heißt wie "Siehe!", "Seht!" oder "Schaut an!". Danke WWW: für den Hinweis an Dirk Kirchberg!

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Donnerstag, 20.08.2015

Endlich mehr verschlüsselte Mails

Die deutschen Mail-Provider GMX und Web.de gehen einen wichtigen Schritt: Ab sofort können ihre Kunden mit vergleichsweise geringem Aufwand über das Web-Interface E-Mails mit PGP verschlüsseln - auch die Nutzer der kostenlosen Mail-Konten. PGP ist eine Ende-zu-Ende-Verschlüsselung: Die Betreiber der Mail-Server verfügen nicht über die Schlüssel und können folglich die Inhalte auch nicht entziffern. Mit GMX und Web.de verschickte Mails werden dadurch deutlich sicherer - allerdings nur, wenn man als Kunde auch aktiv die PGP-Verschlüsselung nutzt.

Die E-Mail wird durch Verschlüsselung sicherer; Rechte: dpa/Picture Alliance
Die E-Mail wird durch Verschlüsselung sicherer


30 Millionen Nutzer profitieren
Rund 30 Millionen User können ihre Post nun vor den neugierigen Blicken der NSA verstecken. Bislang war Blog: das eher aufwändig. Jetzt ist es deutlich einfacher geworden, für mehr Diskretion zu sorgen. Ganz ohne Aufwand geht es jedoch nicht: Wer die PGP-Verschlüsselung nutzen möchte, muss mit Chrome oder Firefox surfen oder die Mail-Apps von GMX oder Web.de benutzen. Gut, dass 1&1 (die Mutter von GMX und Web.de) auch an die Mobilgeräte gedacht hat. Wer sich technisch versierter fühlt, kann auch andere PGP-Systeme wie Blog: Enigmail verwenden.

Ver- und entschlüsselt werden die Botschaften auf dem eigenen Rechner. Das macht die Ende-zu-Ende-Verschlüsselung aus. Die Bedienung ist recht einfach: 1&1 setzt auf eine erweiterte Version des Browser-Plug-ins Mailvelope, den es schon länger gibt, der aber nicht sonderlich weit verbreitet ist. Um einen Schlüssel zu generieren, gibt man ein Passwort ein. Das ist nur einmal erforderlich, beim Einrichten. Ein Schlüssel landet bei 1&1, doch nur aus Komfortgründen, damit der Schlüssel auf andere Geräte übertragen werden kann. 1&1 kann mit dem Schlüssel allein nichts anfangen. Eine gut durchdachte Lösung.

Web.de und GMX setzen auf den weit verbreiteten Standard PGP; Rechte: WDR
Web.de und GMX setzen auf den weit verbreiteten Standard PGP


Mehr Verschlüsselung sorgt für mehr Sicherheit
Die Verschlüsselung funktioniert natürlich nur, wenn auch die Gegenstelle damit etwas anfangen kann, also auch verschlüsselt. Wenn der Empfänger seine Mails bei 1&1 verwaltet, klappt das denkbar einfach. Es wäre zu wünschen, dass andere Mail-Provider diesem Beispiel folgen und sich anschließen, zumindest die anderen großen deutschen Anbieter wie die Telekom. Dann könnte sich eine interessante Entwicklung in Gang setzen.

Wir haben hier in Digitalistan Blog: schon öfter gefordert, dass etwas Blog: passieren muss. So allmählich tut sich was: Immer mehr Onlinedienste bieten die Möglichkeit, die Zugänge durch Zwei-Faktor-Authentifizierung oder Blog: U2F abzusichern. Verschlüsselung wird in Apps und nun auch bei E-Mails zunehmend wichtiger. Das führt zu mehr Sicherheit, denn nicht nur Geheimdienste haben es auf unsere Daten abgesehen, sondern auch Heerscharen von Kriminellen, die im Netz unterwegs sind. Wir sollten es ihnen nicht so einfach machen.

Wie "verlässlich" die Webclients von 1&1-Firmen sind, haben wir ja in den letzten Tagen deutlich vernommen - nämlich überhaupt nicht. Also Deckel drauf auf diese Bastelbuden-Ideen.

vaikl am 20.08.15 19:14

@vaikl das ist doch egal. Hauptsache Herr Schieb schreibt einen Blog eintrag.

Was mich eigentlich interessiert ist was es mit diesem Key auf sich hat? Wenn mein privater schlüssel synchronisiert werden soll, dann muss der auch 1&1 bekannt sein => Unsicher, zumal die viel zu viele Hintertüren eingebaut haben könnten.

Oder wird der öffentliche Schlüssel synchronisiert? Etwas konkreter würde ich mir das schon wünschen

Achja, das Captcha ist eine Lachnummer

KEY? am 20.08.15 22:19

@KEY?: Das muss der private sein, so hört sich das mit dem "auf andere Geräte übertragen" jedenfalls an, wenn man unterstellt dass damit "Verschlüsselung auf mehreren Geräten nutzen" gemeint ist. Der öffentliche Schlüssel *sollte* ja sogar überall und jedem zur Verfügung stehen. Und wenn ich meinen privaten Schlüssel aus der Hand gebe, dann brauche ich gar nicht erst zu verschlüsseln.

Netzbürger am 20.08.15 23:35

"Mehr Verschlüsselung sorgt für mehr Sicherheit" wer das glaubt, der irrt. So kann derjenige, der die Mails lesen will bessere Rechenleistung und software fordern.

LiFe am 21.08.15 0:18


Wichtig ist, dass die Diskussion um Verschlüsselung überhaupt in Gang kommt! Dass die User sich endlich für das Thema interessieren! Mit der Nutzung solcher Dienste wäre ich erst mal vorsichtig.

Bertram in Mainz am 21.08.15 16:38

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