Dienstag, 07.10.2014

GEMA vs. YouTube - ein Streit, der niemanden mehr interessiert?

Diesen Satz können viele Nutzer mittlerweile im Schlaf auswendig aufsagen: "Dieses Video ist in Deutschland leider nicht verfügbar." Hintergrund ist nach wie vor die Frage: Wie viel Geld soll die GEMA für Musikvideos bei YouTube bekommen? Immerhin scheffelt die Google-Tochter viel Geld durch Werbung, im Umfeld der Videos.

GEMA-Sperrtafel; Rechte: YouTube
"Nicht schon wieder!" - egal, welches Musikvideo man bei YouTube anklickt: Vor der berüchtigten GEMA-Sperrtafel ist man nie gefeit.

Der Rechtsstreit zwischen der GEMA und YouTube wird nach wie vor auf dem Rücken der Nutzer ausgetragen, die Umwege suchen und Ländersperren zum Beispiel technisch umgehen - WDR: was sogar legal ist. Trotzdem fühle ich mich dabei wie ein Krimineller oder habe zumindest ein schlechtes Gewissen, "meine Künstler" um ihr Geld zu bringen.

Auch die Künstler selbst sind zum Teil gegen die Sperrtafel. Der WWW: Wutausbruch des Musikers Jan Delay dazu bei Facebook ist heute fast legendär: "Das ist echt peinlich! So läuft die neue Welt nun mal. Findet euch damit ab und findet eine Lösung!"

Die Band OK Kid hat mir WDR: im Interview für Planet Schule und die Servicezeit erzählt, wie wichtig ihr YouTube-Kanal mittlerweile ist: "Die meisten Leute nutzen YouTube, um unsere Videos anzugucken. Wir machen die Videopremieren also nicht mehr im Fernsehen, sondern bei YouTube. Uns ist das auch als Nachwuchskünstler wichtiger, dass sich die Musik verbreitet, als das wir jetzt sofort an diesen Klicks verdienen müssen. Man muss dann heute so kreativ sein, dass man das Geld anders reinkriegt."

OK Kid, Dennis Horn; Rechte: WDR/Frank Dunski
"VIVA und MTV sind als Musikfernsehen nicht mehr relevant", sagt die Band OK Kid - und setzt stattdessen vor allem auf ihren YouTube-Kanal.

So lange dieser leidige Streit zwischen GEMA und YouTube aber schon dauert: Mittlerweile frage ich mich immer öfter, ob er nicht für beide Seiten extrem kontraproduktiv war und ist - und ob er viele Nutzer überhaupt noch groß interessiert. Die suchen sich einfach Umwege, gaukeln YouTube über Proxyserver vor, in einem anderen Land zu sitzen, nutzen andere Videodienste und kostenfreie Streamingdienste - und nehmen die Ländersperren oft einfach hin.

Wenn es also Ziel von YouTube oder der GEMA war, durch die Sperrtafeln den Druck und den Protest der Nutzer auf die jeweils andere Seite zu erhöhen, glaube ich: Der ist nach so langer Zeit heute einfach raus. Oder liege ich falsch - und ihr regt euch noch immer auf, bei jeder der vielen, vielen Sperrtafeln, die euch bei YouTube begegnen?


Unsere Blogger Anita Horn und Dennis Horn sind weder verwandt noch verheiratet, aber umso besser vernetzt. Sie entdecken jede Woche digitale Perlen: spannende Webseiten, lustige Links und Angebote, die den Alltag bereichern - hier im Blog, jeden Dienstag in der WWW: WDR 5 LebensArt im Radio und einmal im Monat in der WDR: Servicezeit im WDR Fernsehen.

Mich regt's nicht wirklich auf, da der gute Youtube Unblocker das Problem ruckzuck beseitigt ;)

Agent007 am 8.10.14 2:54

Irgendetwas hat Herr Horn dabei nichts so ganz verstanden-Youtube hat es noch nie wirklich interessiert ob die Gema einknickt oder nicht-ihre Kohle machen die auch mit der Sperrtafel.
Zudem wussten und wissen die wie es im Netz laeuft und haben darauf gesetzt das die user Umgehungsmoeglichkeiten finden.Nur die Gema schaeumt vor Wut und schiesst sich selber ins Knie.Zudem-auch die "Kuenstler"sind ja selber schuld-sie muessen ja nicht bei der Gema sein!Kostet ein wenig mehr Arbeit,aber es geht.

Nun ja am 8.10.14 8:25

Youtube unblock nutze ich auch wenn wir so ne Tafel im Weg steht. Aber ansonsten ist es mir klar dass der Künstler für seine Arbeit auch entlohnt werden muss.
Nur was ich nicht verstehe - wenn ich mit dem Unblocker vorgaukele, ich sei in den USA, so wird mein Klick aufs Video doch da gezählt und die US-'GEMA' entlohnt den Künstler dort. Warum muss da nur weil ich in Deutschland sitze, die deutsche GEMA erneut aktiv werden?
Oder anders ausgedrückt, ich bin Musiker und bin bei einem Verlag in, sagen wir, Frankreich. Der Verlag sagt mir, er stelle mein Schaffenswerk auf youtube und ich willige ein. Damit weiss ich: Youtube = Internet = weltweit! Wenn dann einer klickt, egal wo, wird es in Frankreich gezählt und ich bekomme dort her meine Kohle. Wenn ich über Amazon in den USA was runterladen will, bekomme ich auch so was wie 'nur für US-Bürger mit US-Kreditkarte verfügbar'. Wenn ich den service bezahl sollte er doch legal sein?
Wie gesagt ich begreifs nicht. Kläre mich doch mal einer auf!

Chris26 am 8.10.14 10:10

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Montag, 06.10.2014

FireChat hebelt Zensur in Hongkong aus

Immer wieder beweisen moderne Technologien in schwierigen Zeiten ihr Potenzial. Dank Facebook, Skype und Twitter haben sich Demonstranten im arabischen Frühling, in der Türkei oder in Asien miteinander ausgetauscht und organisiert, vorbei an der staatlichen Zensur oder Kontrolle. Doch auch staatliche Stellen lernen dazu, finden immer wieder neue Kniffe, wie sie solche Kommunikationswege behindern können. Macht nichts, denn Demonstranten sind einfallsreich: Dann müssen eben wieder neue Auswege her. In Hongkong ist es WWW: FireChat, eine Kommunikations-App, die Menschen direkt miteinander verbindet.

firechat.png
FireChat: Durch Demos in Hongkong im Aufwind


FireChat ist wie ein Megafone für jeden
FireChat ist eine kostenlos erhältliche App, die es seit März 2014 gibt und seit Juni auch als Version für iOS und Android vorliegt. Seit einer Woche wird die App des amerikanischen Herstellers Open Gard auch von den Demonstranten in Hongkong inrensiv genutzt. Mit Hilfe von FireChat können sich User per Bluetooth oder Wifi Direkt miteinander vernetzen. Das Funknetzwerk reicht mühelos 50 bis 60 Meter und kommt ohne WLAN-Basisstation oder Mobilfunknetz aus. Es reicht, sein Smartphone eingeschaltet zu haben. Wenn nun Dutzende, Hunderte oder gar Tausende FireChat nutzen, um sich zu vernetzen, entsteht so ein riesiges Netzwerk - und es lassen sich Distanzen von mehreren hundert Metern, nötigenfalls sogar Kilometern überbrücken.

FireChat funktioniert wie ein Peer-to-Peer-Netzwerk. Jedes Gerät ist mit jedem anderen Gerät verbunden, so lange man Kontakt zu mindestens einem anderen Gerät hat - und hält. Im Gedränge einer Demonstration ist das kein Problem. Die Demonstranten nutzen FireChat, um Nachrichten auszutauschen und vor allem, um sich zu organisieren. Es ist völlig unmöglich, dieses Netzwerk zu stören, da Bluetooto und Wifi Direct unabhängig von Basisstationen funktionieren. Mit FireChat hat jeder ein Megafone in der Hand. Über 100.000 Menschen haben sich an nur einem Wochenende registriert - obwohl das nicht mal nötig ist, um die Software zu nutzen.


Demonstranten in Hongkong


FireChat könnte das nächste Snapchat sein
FireChat nutzt geschickt technische vorhandene Funktionen, um Menschen miteinander zu vernetzen. So verwendet FireChat auch eine Funktion in iOS, die sich "Multipeer-Connectivity-Framework" nennt und erst seit Version 7 existiert. Sie ist dazu gedacht, mehrere User in einem Bluetooth-Netzwerk oder per Wifi Direkt zu verbinden. Apple nutzt diese Funktion selbst für Airdrop. Überall dort, wo große Menschenmengen zusammenkommen, und das können auch Fußballspiele oder andere Großereignisse sein, brechen die Internetzugänge gerne zusammen. FireChat aber beflügelt eine solche Situation - es kommt ganz ohne Onlinezugang aus.

Bis vor kurzem war FireChat nur vergleichsweise wenigen Menschen bekannt. Durch die Demonstrationen in Hongkong ändert sich das. Auch wenn FireChat schon im Iran, im Irak und im arabsichen Frühling zum Einsatz gekommen ist, die Nutzung in Hongkong hat enorme Ausmaße angenommen. Man darf wohl getrost davon ausgehen, dass wir von FireChat noch eine Menge hören werden. Auch in Schulen und Unis wird die Software sicher demnächst öfter zum Einsatz kommen - und Lehrer, Eltern und andere in die Verzweiflung treiben.

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Montag, 06.10.2014

Facebook ohne Zahlen

7 Benachrichtigungen, 71 Nachrichten, 6 Gefällt-mir-Angaben, 8 Kommentare, 13 Freunde im Chat. Wenn man genau hinschaut, sieht man: Facebook ist voller Zahlen. Wie fühlt es sich wohl an, würde man all diese Zahlen wegnehmen? Das zeigt der WWW: Facebook Demetricator von Benjamin Grosser.


Facebook ohne Zahlen - in diesem Video vermittelt Benjamin Grosser einen Eindruck davon.

Plötzlich steht da nur noch, dass es Benachrichtigungen, Nachrichten, Gefällt-mir-Angaben, Kommentare und Freunde gibt - aber nicht mehr, wie viele. Spannend, zu beobachten, wie man sich plötzlich verhält, wenn der Wettbewerb wegfällt, möglichst hohe Zahlen abzustauben - ein soziales Netzwerk fühlt sich so gleich ganz anders an.

(via WWW: Martin Giesler)

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