Donnerstag, 10.07.2014

Russisches Fernsehen fällt auf Postillon rein

Mit Ironie ist das so eine Sache: Sie kann erheitern - oder verwirren. Ein schmaler Grat, auf dem man da wandert. Die Onlinepublikation WWW: Der Postillon ist ein schönes Beispiel. Ich bin ein riesiger Fan vom Postillon. Hier werden aktuelle Nachrichten aufs Korn genommen - und so erzählt, dass sie beinahe wahr sein könnten. Leicht übertrieben, manchmal auch heftig übertrieben, aber immer spielt der Postillon mit den üblichen Worthülsen und Verhaltensmustern. Deshalb muss man manchmal zwei Mal lesen, bis man kapiert hat, dass alles nur Spaß ist. Einer meiner Lieblings-Posts im Postillon: WWW: Bundesregierung übt dezente Kritik an US-Nuklearschlag gegen Deutschland.

Witzig? Jein. Natürlich übertrieben - oder vielleicht auch nicht? Denn in der NSA-Affäre verhält sich die Bundesregierung genau so. Motto: Egal was passiert, nur nicht meckern. Doch weil Ironie ein gefährliches, da Missverständnisse hervorrufendes Mittel ist, setzt man im Journalismus nur vergleichsweise selten Ironie ein. Außer in Glossen oder Kommentaren - und dann steht es auch fett darüber. Damit niemand erschrickt oder das Geschrieben, Gesprochene oder Gesendete für bare Münze nimmt.

Schwierig wird es, wenn Sprachbarrieren dazu kommen. Das russische Fernsehen hat jetzt eine Meldung vom Postillon für WWW: bare Münze genommen - und gesendet. Es ging um den haushohen Sie 7:1 gegen Brasilien. Angeblich hat das einen deutschen Wirt pleite gemacht - weil er für WWW: jedes deutsche Tor einen Schnaps versprochen hat.

postillon_ru.png
Russisches Fernsehen fällt auf Postillon herein

Liebe Kollegen aus Russland: Nicht traurig sein. So etwas ist auch schon deutschen Journalisten passiert, etwa einem WWW: Radiosender aus Nürnberg. Das Satiremagazin führt uns Journalisten immer wieder an der Nase herum, teilweise, indem einfach das WWW: Publikationsdatum gefälscht wird.

... und was ist aus dem Bäcker geworden, der für jedes dt. Tor ein Gratis-Brötchen versprochen hatte ... Die Meldung kam von der AKS!

Schwadralla am 10.07.14 17:46

Ich liebe den Postillon. Aber noch viel lustiger sind die Leute, die die Artikel für wahr halten.

Frank am 10.07.14 18:16

Hallo Herr Schieb! Der "Postillon" ist eine SATIREseite. Ironie ist etwas ganz anderes.
Die russischen Medien können halt mit Satire nicht umgehen. Wozu auch?
Das lernen sie erst, wenn sie den lupenreinen Demokraten los sind!

joergus am 11.07.14 18:09

Naja, es gibt aber auch in Deutschland viele Leute, die den Postillon ernst nehmen. Ein schönes Beispiel ist der Artikel "Jugendlicher nach Cannabis-Konsum eingeschlafen". Nach Veröffentlichung dieses Artikels kamen haufenweise Kommentare, dass Cannabis gar nicht so schlimm sei und man das nicht aufspielen solle, sogar der TV-Sender VIVA, zugegeben nicht gerade journalistisch gut, berichtete von diesem Artikel im Videotext, als ob er wahr wäre.

Bob Ross am 11.07.14 22:30

Ironie und Sarkasmus sind eben Mittel, die die Realität ertragen helfen und sie - manchmal - leichter machen.
Und gelegentlich tauchen Meldungen, bei denen man sich fragt, ob derjenige, auf den sie zurückgehen, nicht von allen guten Geistern verlassen sind.

Wenn z.B. ein britischer Beamter einer Verbraucherschutzbehörde 'Drachenwurst aus Wales' mit der Begrüund verbietet, der Verbraucher würde davon ausgehen, dass in dieser Wurst Drachenfleisch verarbeitet sei, oder Kardinal Antonelli verkündet die UNESCO wolle bis 2030 50% aller Jugendlichen schwul machen, dann schreit das nach einer Antwort.

Auch im Fantasybereich macht das sehr viel Spaß, etwa wenn der Drache Smaug als harmloser Bundesbanker geoutet wird oder der Grund für Peter Pans platonische Beziehung zu Glöckchen bekannt wird.

Diese Satire hat eine lange Tradition, so ist auch schon einmal die DDR auf den fiktiven Diplomaten Dräcker reingefallen, der in der Antarktis eine Eisscholle als deutsche Kolonie in Besitz nahm.

Hagen Ulrich am 12.07.14 7:58

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Dienstag, 08.07.2014

Kartoffelsalat für 33.000 Dollar

Crowdfunding ist im Augenblick total angesagt. Wer eine Idee hat und für die Umsetzung Geld braucht, der wendet sich heute nicht an Banken, sondern an die interessierte Allgemeinheit - die Crowd. Auf diese Weise wird heute bequem alles Mögliche finanziert, ob Konzerte, Events, Möbel, Hardware oder Software. Selbst ein WWW: Kartoffelsalat soll jetzt per Crowdfunding finanziert werden. Das Ziel der Finanzierung ist nicht sonderlich hoch gesteckt: 10 Dollar: Mehr Geld wollen die "Köche" des Kartoffelsalats nicht zusammenbekommen.

Doch die Idee ist eingeschlagen wie eine Bombe. Die Macher des Projekts haben bereits über 33.000 Dollar eingespielt - und haben noch etliche Tage Zeit, weitere Unterstützer zu finden. Viel Geld werden die Investoren nicht machen können. Aber sie können einmal sagen: Wir waren dabei - wir haben den teuersten Kartoffelsalat der Menschheitsgeschichte mitfinanziert. Da bereits über 3.000 Leute mitmachen, müsste das schon ein sehr großer Salat werden, damit alle satt werden.

Crowdfunding-Projekt Kartoffelsalat; Rechte: Kickarter
Crowdfunding-Projekt Kartoffelsalat

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Dienstag, 08.07.2014

Fußball im Netz

Der Ball ist rund und er soll ins Netz. Damit er dort landet, lassen sich Fußballer einiges einfallen. Und wenn das Runde dann im Eckigen ist (oder eben nicht), landet nochmal alles im digitalen Netz. Blogger-Kollege Simon Sturm hat mit einigen Blog: Netztrends vorgelegt, jetzt gibt es meine Fortsetzung. Was bis(s)her geschah...

Um mitzufiebern und im Notfall lautstark zu buhen, muss man Fußball natürlich erstmal verstehen. Nachhilfe gibt es dafür von der Maus im Film "WWW: Fußball wörtlich genommen".

Fußballfloskeln; Rechte: WDR

Da versteht jedes Kind, was es heißt, wenn es "im Gehäuse klingelt". Wobei unser Super-Torwart Manuel Neuer es bisher kaum hat klingeln lassen. Im Gegenteil. Er hat sogar ganz aktiv zahlreiche Tore verhindert - was auch im Netz Anklang gefunden hat.

Neuer schießt ein Tor; Rechte: WDR/Horn

Neuer gg FR; Rechte: WDR/Horn

Neuer Presse; Rechte: WDR/Horn

Dass Deutschland die WM gewinnt, ist übrigens kein Wunschdenken, sondern pure Mathematik und nicht in Frage zu stellen, wie ein WDR-Mitarbeiter in geheimer Mission herausgefunden hat, wie WWW: dieses Video beweist.

Wenn es dennoch nicht klappen sollte mit dem Weltmeistertitel und der Fußballerkarriere, gibt es zum Glück immer noch einige Alternativen, wie WWW: Mesut Özil schon 2010 gezeigt hat.

Özil rappt; Rechte: WDR/Horn

Mesut Özil ist übrigens einer von rund 330 internationalen Fußballspielern bei Twitter und hat über 6,1 Millionen Follower. Zum Vergleich: Ronaldo hat fast 30 Millionen, Lukas Podolski 1,3 Millionen. Der ist aber vor allem auf seiner offiziellen Sportler-Seite bei Facebook aktiv.

Podolski Facebook; Rechte: WDR/Horn

Podolski Facebook; Rechte:

Schweinsteiger, der sich von der Presse gerne fern hält, hat sich vor dem Halbfinale gegen Brasilien nun übrigens auch geäußert. Er sagt, der intelligenteste Trainer gewinnt. Und das ist definitiv nicht der algerische Trainer. Der ist ja nun einmal raus...

Rach und Algerien; Rechte: WDR/Horn

... aber auch wenn das Spiel WWW: Per Mertesacker ziemlich in Wallungen gebracht hat...

Mertesacker; Rechte: WDR/Horn

... hält er, was er verspricht ("Ich lege mich gleich in eine Eistonne"). Und Jogi Löw hält sich daran, seine Mannschaft von Spiel zu Spiel weiterzubringen. Wenn auch nicht immer mit sauberen Methoden. Man erinnere sich an WWW: das kleine Geschenk, das er Ronaldo mit in die Kabine gegeben hat. Immerhin kann er sich jetzt wieder darum kümmern, neue WDR: Modetrends zu schaffen, während die WWW: deutsche Nationalelf sich vorbereitet und Kräfte sammelt.

Montage Löw und CO; Rechte: WDR/Horn

Wichtig für die deutschen Siege sind natürlich nicht nur eine gute Taktik und beste Kondition, sondern auch treue Fans, wie zum Beispiel Sängerin Rihanna. Nach dem Gruppenspiel zwischen Deutschland und Ghana postete sie ein WWW: Foto mit Miroslav Klose.

Ich denke, unsere Jungs werden sich durchbeißen. Nicht ganz so wörtlich, wie der WWW: ivorische Torwart es gemacht hat...

Ivory Coast Keeper; Rechte: WDR/Horn

... und schon gar nicht wie Suárez bei seinem "Biss zum Achtelfinale". Uruguays Stürmer tauchte danach als Vampir von Twilight, als Hund mit Flohschutz um den Hals, als Zombie und Weißer Hai im Netz auf.

suarez Biss; Rechte: WDR/Horn

Zwar hatte er sich sowohl nach seiner Beißattacke in der Premier League 2013 via Twitter, als auch jetzt beim Italiener Giorgio Chiellini auf seiner WWW: Homepage entschuldigt, aber so eine Welle spart die Deutsche Nationalmannschaft sich lieber. Statt dessen gibt es gut gelaunte Selfies von Thomas Müller und Kollegen. Wobei, die Zähne von Müller könnten Suárez durchaus Konkurrenz machen.

Müller Selfie; Rechte: WDR/Horn

Aber jetzt erstmal viel Erfolg beim Spiel gegen Brasilien. Das Gute ist: Auch hier gibt es (sprach-)wissenschaftliche Beweise, dass Deutschland gewinnt.

Scolari Montage; Rechte: WDR/Horn

Unsere Blogger Anita Horn und Dennis Horn sind weder verwandt noch verheiratet, aber umso besser vernetzt. Sie entdecken jede Woche digitale Perlen: spannende Webseiten, lustige Links und Angebote, die den Alltag bereichern - hier im Blog und jeden Dienstag in der WWW: WDR5 LebensArt im Radio.

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