Donnerstag, 06.06.2013
Datenschatz zum Datenschutz
Wenn es in Deutschland ums Netz geht, gibt es eine Handvoll Themen, um die ganze Meinungsschlachten ausgetragen werden. Eins davon taucht auch in der Politik immer wieder auf: das Thema Datenschutz. Gerade deutsche Politiker feiern sich oft als Hüter unserer Daten. Aber handeln sie auch danach? Wenn es nach den Machern von LobbyPlag geht: nicht immer.
Europapolitiker, die für einen schärferen Datenschutz eintreten, erscheinen auf den Seiten von LobbyPlag eher grün. Wer für einen lascheren Datenschutz eintritt, eher rot.
Heute trifft sich in Brüssel der Ministerrat der Europäischen Union, um über die neue EU-Datenschutzverordnung zu verhandeln. Pünktlich dazu
könnt ihr auf den Seiten von LobbyPlag sehen, welche Europapolitiker für einen eher schärferen und welche für einen eher lascheren Datenschutz eintreten. Dafür könnt ihr euch durch die Länder, die Parteien oder die Listen der Abgeordneten klicken und genau filtern, wer wofür steht.
Die meisten Gesetzesvorschläge sehen einen lascheren Datenschutz vor
Das Thema ist deshalb so interessant, weil die Datenschutzverordnung zum ersten Mal EU-weit klar regeln soll, wie im Netz mit Daten umzugehen ist. Bisher gab es dazu nur eine Richtlinie von 1995 - also aus einer Zeit vor dem Internet, wie wir es heute kennen, von jedem Mitgliedsstaat einzeln umgesetzt und interpretiert. Das wäre mit der Verordnung Geschichte.
Seit gut einem Jahr tobt darum aber ein Kampf: Nachdem EU-Kommissarin Reding Anfang 2012
ihre Pläne für die Datenschutzverordnung vorgestellt hat, gab es zwar Lob von Datenschützern. Unternehmen aber, die Daten nutzen und mit ihnen handeln, sind auf die Barrikaden gegangen und haben Lobbyisten in Stellung gebracht - deren Texte laut LobbyPlag übrigens viele Abgeordnete per Copy & Paste in Gesetzesvorschläge übernommen haben.
Welcher Politiker steht für einen schärferen, welcher für einen lascheren Datenschutz? Das Ranking von LobbyPlag sieht den deutschen Abgeordneten Axel Voss an der Spitze, wenn es darum geht, die neue Datenschutzverordnung zu lockern.
Das Ergebnis der LobbyPlag-Analyse finde ich überraschend. Die Macher haben mehr als 3.100 Gesetzesvorschläge für die Datenschutzverordnung analysiert - und siehe da: Die Farbe Rot überwiegt. Was bedeutet: Die meisten Gesetzesvorschläge sind von den Europapolitikern eingebracht worden, um die Verordnung zu lockern - und nicht zu stärken.
Weniger Datenschutz kann auch Innovationen fördern
Wie wichtig die Datenschutzverordnung wird, zeigt ein Gedankenspiel. Angenommen, sie würde so scharf, dass zum Beispiel Facebook in der EU wichtige Funktionen wie die Gesichtserkennung nicht an den Start bringen dürfte: Das Netzwerk könnte damit vielleicht sogar gezwungen werden, sie auch global abzustellen, weil es sich nicht leisten könnte, auf Dauer zwei verschiedene Versionen für die EU und für den Rest der Welt zu betreiben.
Es gibt natürlich auch die andere Seite der Medaille: Politiker, die für einen lascheren Datenschutz eintreten, könnte man auch als digitale Avantgardisten sehen, die den Start-ups helfen möchten, damit das nächste Google aus Berlin statt aus San Francisco kommt. Auch so lässt sich der Datenschatz in Sachen Datenschutz interpretieren, den die Macher von LobbyPlag hier heben.
Das ARD Morgenmagazin berichtet über das LobbyPlag-Projekt zur neuen EU-Datenschutzverordnung.
Beendet ist die Analyse übrigens noch nicht: Per Crowdsourcing könnt ihr ab sofort eure Einschätzungen zu den Gesetzesvorschlägen abgeben und die Analysen zur Datenschutzverordnung damit weiter verfeinern.
Am Ende sollen Antworten stehen: Welche Parteien spielen in Europa welche Rolle? Sind deutsche Politiker wirklich führend beim Datenschutz? Wenn der Entwurf für die Datenschutzverordnung im Herbst ins EU-Parlament geht - ist er noch datenschutzfreundlich oder -feindlich?
Die Tendenz zumindest zeigt: Der Eindruck, dass sich die meisten Politiker einen schärferen Datenschutz wünschen, könnte trügen.
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Mittwoch, 05.06.2013
Feuer frei fürs Fairphone
Es ist Zeit, über unser Gewissen zu sprechen. All die schicken Geräte, mit denen wir unterwegs sind, Computer, Tablets, Smartphones, sind in der Herstellung problematisch. Darüber spricht nur kaum jemand, wenn Apple das neue iPhone vorstellt, Samsung mit dem Galaxy glänzt oder Google wieder mal eine Runde neuer Nexus-Geräte auf den Markt wirft.
Im Kongo wird Koltan für den Bau von Mobiltelefonen abgebaut. Rebellengruppen finanzieren Waffen mit dem illegalen Abbau. Die Dorfbewohner, die die Mineralien schürfen, gehen leer aus.
Jedes Smartphone enthält 20 bis 30 Metalle und so genannte "seltene Erden". Der Rohstoff Koltan zum Beispiel stammt aus dem Kongo, und es gilt als sicher, dass viele Minen unter dem Kommando von Kriegstreibern stehen. Die chinesische Zulieferfirma Foxconn, bei der die Einzelteile dann zusammengeschraubt werden, steht auch immer wieder in den Schlagzeilen, unter anderem, weil sich dort im Jahr 2010 einige Mitarbeiter das Leben genommen haben. Und am Ende, wenn das Smartphone den Geist aufgibt, kann es nicht einmal mehr richtig recycelt werden - wegen der vielen schädlichen Stoffe darin.
Das Smartphone ist ein kleiner Albtraum für alle, die an eine gute Welt glauben. Es wird also Zeit für eine Alternative. Die kommt jetzt aus den Niederlanden: das Fairphone. Mehr als 5.000 Vorbestellungen sind eingegangen - und damit kann die Produktion des Gerätes nun offiziell beginnen. Die Macher wollen in der ersten Runde ab Mitte Juni 20.000 Geräte herstellen.
Wie das Fairphone am Ende aussieht, seht ihr unten: Es ist nicht aus Pappe, es ist ein komplett normales Smartphone, läuft unter Android 4.2, und mit 325 Euro ist selbst der Preis fair. An High-end-Geräte kommt es zwar nicht ran: Die Auflösung ist kleiner, der Speicher genauso, das Gerät ist etwas dicker und schwerer als die Konkurrenz. Aber dafür ist es eben fair.
QuadCore-Prozessor, 16 GB Speicher plus Micro-SD-Slot, 4,3-Zoll-Bildschirm mit 960 x 540 Pixeln - kein High End, aber trotzdem amtlich.
Wobei "fair" heißt: möglichst fair. Zinn und Koltan zum Beispiel sollen nicht mehr aus Krisenregionen stammen. Die Macher arbeiten mit Projekten und Initiativen zusammen, um das Gerät möglichst umweltverträglich zu machen. Sie verraten sehr genau, wo es hergestellt wird und woher die Rohstoffe kommen. Abgesehen davon ist das Gerät leicht zu reparieren, der Akku austauschbar, das Material einfacher recycelbar.
Auch dieses Smartphone wird am Ende in China hergestellt. Und Zinn und Koltan sind wie gesagt nur zwei von rund zwei Dutzend Rohstoffen. Es mit Fairtrade-Kaffee oder -Schokolade zu vergleichen, wäre übertrieben. Auch die Macher sagen ganz klar: wirklich fair - das geht bisher gar nicht. Aber es ist ein Anfang - und deutlich mehr als die anderen Hersteller tun.
Wahrscheinlich wird das Fairphone keine überwältigend große Masse an Käufern finden - und sich damit auch nicht durchsetzen. Aber allein, dass dieses Smartphone Schlagzeilen macht, ist eine gute Sache. Vielleicht sorgt das ja dafür, dass wir alle etwas öfter darüber nachdenken, was wir jeden Tag in der Hand halten - und überlegen, ob es das aktuelle Smartphone nicht noch eine Weile tut, bevor wir ein neues kaufen. Auch das wäre fair.
Unsere Blogger Anita Horn und Dennis Horn sind weder verwandt noch verheiratet, aber umso besser vernetzt. Sie entdecken jede Woche digitale Perlen: spannende Webseiten, lustige Links und Angebote, die den Alltag bereichern - hier im Blog und jeden Donnerstag in der
WDR5 LebensArt im Radio.
Jetzt müssten sich nur noch ein paar der mental APP-hängigen in diese Richtung bewegen, dann würde die Welt ein bißchen schöner...
Grandpa am 5.06.13 18:41
Das ist ja toll. Ein Fairphone. Gestern habe ich mir faire Socken gekauft. Die sind auch ganz einfach recycelbar - man wirft sie nach 2 Monaten des Tragens in die Biotonne.
Kai am 5.06.13 19:28
Mit der Verknappung der weltweiten Ressourcen und dem stetigen Anstieg der Weltbevölkerung ist die Versorgungssicherheit mit Rohstoffen ein Thema von hoher Priorität. Hierbei sind das Recycling und das Urban Mining wichtige Instrumente, um die Ressourcenschonung weiter zu steigern. Sowohl im Bericht an den Club of Rome „2025“ als auch im deutschen Förderprogramm „ProgRess“ wird das Recycling als eine der tragenden Säulen der Ressourceneffizienz ausgewiesen. Die Wertstoffrückgewinnung aus anthropogenen Stoffgemischen ist z. T. durch aufwendige und verlustbehaftete Prozessketten gekennzeichnet. Es müssen Lösungen gefunden werden, wie die in großen Mengen anfallenden aber im einzelnen Produkt wertstoffarmen Stoffgemische optimal verwertet und dem Wertschöpfungskreislauf als Sekundärrohstoffe und Produkte wieder zugeführt werden können. Dabei muss das Recycling stets ökologisch verträglich und ökonomisch vertretbar gestaltet werden!
www.wertstoffwende.eu
Christian Borowski am 6.06.13 9:31
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Dienstag, 04.06.2013
Spieleentwickler in der Krise
Der börsennotierte Spieleentwickler Zynga, der sich in der Vergangenheit mit Onlinespielen wie
Farmville einen Namen gemacht hat,
entlässt 520 Mitarbeiter. Das ist nahezu jeder fünfte Mitarbeiter und soll 70 bis 80 Millionen Dollar pro Jahr einsparen. Der Schritt sei dringend nötig, erklärt das Unternehmen
ganz offiziell. Denn es läuft nicht mehr rund beim einstigen Shootingstar. Auch der von Zynga für 180 Millionen Dollar aufgekaufte Spielehersteller OMGPOP ist von den Sparmaßnahmen betroffen. Die Firma wird sogar
komplett dichtgemacht - und viele Mitarbeiter haben davon auf Facebook erfahren.
Farmville: Kostenloses Spiel - aber die vielen Extras kosten
Eine gute Idee reicht eben doch nicht
Die Krise beim Spielehersteller Zynga zeigt, wie brutal es in der Branche zugeht - und wie schwierig es ist, ein solides Geschäftsmodell zu entwickeln, das wenigstens ein paar Jahre gut funktioniert. Man darf sich keine Atempause gönnen, muss ständig in Bewegung bleiben - und sich auf Lorbeeren ausruhen, das darf man ganz sicher nicht. Ich fürchte aber, genau das hat Zynga getan. Mit Farmville ist Zynga nun wirklich etwas geglückt, was selten klappt: Eine Weile wollte jeder Farmville spielen. Das Facebook-Spiel hat geschickt die Vorzüge sozialer Netzwerke genutzt. Bei Farmville können Spieler einen virtuellen Garten hegen und pflegen, sich mit ihren Freunden darüber austauschen und auch schon mal im Freundesgarten Unkraut jäten. Eine Weile gab es eine regelrechte Farmville Mania. Jeder wollte mitmachen.
Davon hat Zynga eine Weile enorm profitiert. Jede Menge User, jede Menge Aufmerksamkeit. Zynga hat dann das Spielkonzept x-fach geklont, hat Dutzende völlig ähnliche Spiele herausgebracht, die alle nach demselben Prinzip funktionieren. Stinklangweilig zwar - aber das ist nicht gleich aufgefallen. Zynga hat die Gunst der Stunde genutzt und ist an die Börse gegangen. Beim Börsengang im Dezmber 2011 konnte das Unternehmen
eine Milliarde Dollar einnehmen. 10 Dollar hat das Papier damals gekostet. Heute ist es nicht mal mehr ein Drittel wert - völlig zu Recht, denn seitdem ist wenig passiert. Zynga hat das Geld der Anleger jedenfalls nicht genutzt, um innovative Spieleideen zu entwickeln, die überzeugen oder begeistern.
Draw Something: Hoffungsschimmer für Zynga - hat aber nicht geklappt
Trend: Mobile Gaming - kann man hier verdienen?
Es wird heute mehr auf Smartphones und Tabletes gespielt. Mobile Gaming ist angesagt. Deshalb hat Zynga die Spieleschmiede OMGPOP gekauft, die mit
Draw Something eine wirklich schöne Spieleidee hatten. Aber unter der Regie von Zynga haben die Fans schnell das Weite gesucht. Denn Zynga verdient sein Geld nicht nur mit dem Verkauf virtueller Güter wie Traktoren oder Saatgut, sondern hat auch mit den Nutzerdaten den ein oder anderen Dollar verdient - und damit eine Menge Vertrauen verspielt. Das konnte das Unternehmen nicht mehr gut machen.
Keine Frage: Es ist nicht mehr so einfach, mit Spielen Geld zu verdienen. Alle Spieleentwickler stecken in einer Krise, bejammern die Umsätze - trotz teilweise guter Absatzzahlen stimmen die Erträge nicht. Das liegt zum einen daran, dass die Spieler immer anspruchsvoller, die Spiele entsprechend immer aufwändiger und damit kostspieliger werden. Das ist wie mit Hollywood-Produktionen: Wer 200 Millionen Dollar in einen Film investiert, damit er alles in den Schatten stellt, der muss natürlich auch eine Menge Zuschauer ins Kino locken. Wirklich gutes und vor allem kreatives Kino macht man damit aber selten. Ein anderer Grund der Krise liegt deshalb meiner Meinung nach in der mangelnden Innovation. Zu wenige gute Ideen.
Erfolgreich gegen den Trend: Eve Online
Mit guten Ideen erfolgreich sein
Hier liegt der Hase im Pfeffer: Die meisten Entwickler haben keinen Schimmer, wie es weiter geht. Im Herbst kommen neue Spielekonsolen auf den Markt, die Playstation 4, die Xbox One, die Wii U. Das wird die Umsätze mit neuen Spielen ein bisschen nach oben treiben. Aber es braucht auch neue Ideen und Konzepte. Das erwarten die Spieler. Immer nur bessere Grafik und komplexere Spiele - das haut keinen vom Hocker. Heute wird online gespielt. Klar. Aber wo bleibt der Thrill?
Doch es gibt auch Gegenbeispiele. Die Weltall-Simulation
Eve Online vom isländischen Entwickler CCP zum Beispiel erfreut sich großer Beliebtheit. Über 500.000 Spieler aus aller Welt, die monatlich 10 bis 15 Euro zahlen, spülen dem Unternehmen eine Menge Geld in die Kassen. Apropos Geld: Man kann das virtuelle Geld im Spiel gegen echtes tauschen. Und wer in der virtuellen Welt Geld verliert, der verliert eben auch echtes Geld. Klingt unerfreulich, kommt bei den Fans aber gut an. Ebenso die Idee, dass man plattformübergreifend spielen kann: CCP hat das Onlinespiel Eve mit dem Egoshooter
Dust 514 kombiniert, obwohl das Spiel auf der Playstation 3 läuft.
Na bitte. Es geht doch.
off topic: Wieso kommentieren hier Leute, die der deutschen Sprache nicht mächtig sind und zwecks Wichtigtuerei Fremdworte verwenden, die sie nicht mal richtig schreiben können? "innoviative" "investeiert" "beim einstiegen Shootingstar"
nadine am 5.06.13 1:07
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