Dienstag, 20.01.2015

FOMO? - nein: JOMO!

Mittlerweile weiß ich ja gar nicht mehr, welches moderne Internet-Leiden mich am meisten plagt. Wahrscheinlich ist es mein Dasein als Blog: Cyberchonder. Oder ist es Blog: FOMO, meine Angst etwas zu verpassen, sobald der Flugmodus aktiviert ist? Oder noch ein anderes Phänomen, weshalb ich mich stundenlang in Digitalistan verliere?

Dennis Horn mit Smartphone; Rechte: WDR/Frank Dunski
Je öfter am Tag wir das Smartphone aus der Hosentasche ziehen, desto problematischer.

Forscher der Uni Bonn sagen übrigens: Blog: Es ist gar nicht so schlimm, Stunden mit seinem Smartphone zu verbringen. Schlimm ist, wie oft wir dafür den Tag unterbrechen. 17- bis 23-Jährige ziehen ihr Smartphone im Schnitt 130-mal am Tag aus der Hosentasche und schalten es ein. Geht man von 16 Wachstunden aus, unterbricht man damit alle sieben bis acht Minuten seinen Tagesablauf. Man kommt also nie wirklich dazu, einen klaren Gedanken zu Ende zu führen, weil ständig irgendetwas bimmelt.

Wer nicht abschalten kann, findet an seinem Smartphone zwar zwei einfache Funktionen dagegen: die Einstellung "lautlos" und den Aus-Knopf. Wenn ich mein Smartphone auf "lautlos" stelle, laufen aber noch immer alle Benachrichtigungen auf. Wer die neueste Version von Android installiert hat, kann außerdem nicht einmal mehr die Vibration abstellen. Und der Aus-Knopf verhindert, dass ich das Smartphone schnell in die Hand nehmen kann, wenn ich es doch einmal brauche. Was ja öfter passiert.

Unter iOS habe ich in den vergangenen Monaten die Funktion "Nicht stören" geschätzt. Mein Smartphone ist sowieso in der Regel auf "lautlos" gestellt. "Nicht stören" geht aber noch einen Schritt weiter und stellt eingehende Anrufe und Mitteilungen ganz stumm - außer, sie kommen von Kontakten, die ich als "Favorit" gespeichert habe oder solchen, die mehrfach hintereinander anrufen, weil es vielleicht dringend ist.

Offtime; Rechte: Offtime
"Offtime" sperrt für eine vorgegebene Zeit gewünschte Funktionen des Smartphones.

Unter Android schätze ich die kostenlose App WWW: "Offtime" mittlerweile sehr - weil ich mit ihr erreicht habe, das Smartphone nicht mehr dauernd in die Hand zu nehmen. Auch mit ihr lassen sich Anrufe und Mitteilungen komplett stumm schalten. Sie lässt sich aber auch gezielter einsetzen, um nur den Internetzugang oder einzelne Apps zu sperren - am besten genau die Apps, von denen man sonst nicht die Finger lassen kann. Ist "Offtime" einmal in Betrieb, gibt es kein Zurück; Anrufe für den Notfall sind aber weiter möglich.

Für Nutzer, die sich selbst nicht am Riemen reißen können, ist das eine gute Lösung. Aus FOMO, "Fear of Missing Out", wird dann vielleicht JOMO: "Joy of Missing Out".


Unsere Blogger Anita Horn und Dennis Horn sind weder verwandt noch verheiratet, aber umso besser vernetzt. Sie entdecken jede Woche digitale Perlen: spannende Webseiten, lustige Links und Angebote, die den Alltag bereichern - hier im Blog, jeden Dienstag in der WWW: WDR 5 LebensArt im Radio und einmal im Monat in der WDR: Servicezeit im WDR Fernsehen.

Es ist doch schlimm!!!
Warum reden wir hier drum herum mit FOMO und JOMO.
Wir sind süchtig danach. Da hilft nur: ausmachen...
Ende der Durchsage

asaph am 20.01.15 13:56

Hallo.

Warum sollte man bei Android noch nicht mal Vibration ausschalten können.
Ich glaube da habt ihr was nicht verstanden.
Wenn ihr Hilfe braucht einfach melden.

pr0j3ctx am 24.01.15 20:06

@pr0j3ctx: Richtig gelesen. Es gibt in der neuen Version von Android (Lollipop) bisher keine Möglichkeit, das Handy im Standardbetrieb komplett lautlos zu stellen, so dass es auch nicht mehr vibriert. Wenn du die Lösung hast, nach der alle anderen noch suchen: gern her damit.

Dennis Horn am 24.01.15 20:14

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Montag, 19.01.2015

WDR #3sechzich - öffentlich-rechtliche Nachrichten für die Generation YouTube

WDR #3sechzich; Rechte: WDR Dieser Montag ist ein spannender für dieses Haus, denn der WDR wagt sich mit ordentlichem Besteck ins Videonetzwerk: WDR: WDR #3sechzich sind öffentlich-rechtliche Nachrichten "mit Haltung" für die Generation YouTube. Präsentiert werden sie von WWW: Melek Balgün, WWW: Freddie Schürheck, WWW: Dani Woytewicz und WWW: Tim Schrankel.


WDR #3sechzich bei YouTube, feat. Jörg "Wie heißt das, YouTube?" Schönenborn

Die neuen Ausgaben von WWW: WDR #3sechzich gibt es jeweils abends - also zum ersten Mal heute Abend, und am ehesten könnt ihr euch den Kanal wie ein "öffentlich-rechtliches WWW: LeFloid" vorstellen - ohne den Kollegen vorwerfen zu wollen, ihn einfach zu kopieren, denn Nachrichten und Kommentare an sich sind natürlich kein neues Konzept. Auch bei Instagram geht WDR #3sechzich heute WWW: mit einem eigenen Account an den Start.

Drei der vier Moderatoren des YouTube-Formats lernt ihr WDR: im Interview der Aktuellen Stunde kennen. Wie genau WDR #3sechzich zustande gekommen ist, könnt ihr drüben WWW: bei DWDL.de und WWW: bei Broadmark nachlesen: "Zu unserem Auftrag gehört es auch, Leute anzusprechen, die man mit linearem TV nicht mehr erreichen kann. Sie bezahlen uns ebenfalls, also sollen sie auch ein Produkt von uns erhalten. Wir wissen, dass YouTube nicht auf uns wartet, es ist dennoch höchste Zeit, und der Versuch ist es wert", heißt es von den Machern.

Ich bin gespannt darauf, wie das Projekt bei YouTube ankommt. Dabei wird es nämlich nicht nur darum gehen, ob der WDR "Webvideo kann", ob die Moderatoren young und fresh genug sind oder ob man es schafft, der Krach-Boom-Bang-Community öffentlich-rechtliches Futter vorzusetzen. Ich glaube, die größte Herausforderung besteht darin: Kann ein Medienhaus wie der WDR eine Community aufbauen und an sich binden, in Zeiten, in denen die Kommentarkultur in Medienangeboten den Bach runtergeht?

WWW: Hey, #Instagram! Ab dem 19.01.2015 gibt's hier fast täglich #InstaNews. Vom #WDR für euch!

Ein von WDR #3sechzich (@wdr_3sechzich) gepostetes Foto am

WDR #3sechzich bei Instagram, täglich bis zu dreimal in 15 Sekunden


Die YouTube-Kanäle von WWW: Gronkh über WWW: LeFloid bis WWW: daaruum sind vor allem so erfolgreich, weil ihre Macher ihr Gesicht hinhalten, weil sie gefühlt zu guten Freunden werden, weil man zum Teil an ihrem Alltag teilnehmen kann, weil sie in ihren Videos immer wieder Bezug auf Kommentare ihrer Fans nehmen und weil zum Teil Inhalte ganzer YouTube-Kanäle allein auf diesen Kommentaren basieren. Ich glaube: Für WDR #3sechzich wird es vor allem auf diese Punkte ankommen, und das wird schwierig genug.

Das Projekt ist deshalb so spannend, weil der WDR damit völlig neue Pfade betritt - und als einer der ersten öffentlich-rechtlichen Kanäle überhaupt YouTube so bedient, wie YouTube bedient werden muss: nicht einfach nur als zweite Mediathek, in die man den Content aus dem Fernsehen reinkippt, sondern als eigenes Medium mit eigenen Regeln.

Rock 'n' Roll, liebe Kollegen!

Ich würde ja erstmal dafür sorgen, dass der Internetauftritt des WDR mal ein wenig überarbeitet wird. Klickt man auf Artikel kann es passieren, dass man plötzlich auf der Webseite der Tagesschau landet - ohne vorherigen Hinweis, dass das geschieht. Genauso geht es mit Bildern - kann man da nicht auch mal einen Hinweis bringen, dass man im Begriff ist auf eine Fotostrecke zu klicken?

Sven am 19.01.15 16:46

Der WDR lässt die Blog-Funktion weg und geht ins Fratzenbuch. Danke. Aber man kann sich denken, warum. Euer Beitrag über die "super" Gegendemos ist bezeichnend genug, ihr Linksströmlinge... Ihr seid alle zum Fremdschämen! Hoffentlich habt ihr Kinder, vor allem Mädchen, denen es in 10 Jahren genauso geht, wie vielen in Schweden! Und danach ist ja die Islamisierung sowieso nicht mehr aufzuhalten - da werdet ihr reichen Journalisten auch ausgeraubt, enteignet und müsst froh sein, wenn ihr überhaupt noch geduldet werdet. Schaut mal nach Syrien: wie herrlich der Islam Frieden ist - vor allem für "Ungläubige"...

Roman Z. am 19.01.15 20:40

Wenn es über TTIP, NSA und die Ukraine denselben Käse zu lesen gibt wie online hier, kann man sich das Projekt sparen.
Da stellte sich doch tatsächlich Tom Buhrow vor ein paar Wochen hin und bittet um Vorschläge, wie die ÖR das verlorengegangene Vertrauen wieder zurückerlangen können, und dann folgt kurz drauf auf Tagesschau und WDR mit den Brandreden gegen Pegida gleich der Über-Ober-Gau.
Verzerrende tendenzielle Berichterstattung mit diffamierender Ausdrucksweise, die diametral der Meinung der Mehrheit (immerhin 60...80 %, Zustimmung, wenn man dann auch die richtigen Fragen ohne Suggestivcharakter stellt) gegenüber steht. Totschweigen von Veranstaltungen, die die Pegida auch dem gehorsamen kleinen Untertan erklären möchte. Stattdessen wird jede Kontra-Veranstaltung ins Unermeßliche aufgebauscht.
Merke: wer mir sagt, was ich denken soll, hat schon verloren! WDR und Tagesschau stehen seitdem nicht mehr auf meiner Infoliste in Sachen Deutschland. Dafür aber das SF.

Gert am 19.01.15 22:33

@Roman Z.: Ich kommentiere mal den Punkt, den ich kommentieren kann: Dass wir "die Blog-Funktion weglassen" und zu Facebook gehen, ist völliger Quatsch. Das hier ist das Blog, und es bleibt auch hier.

Zu den anderen Punkten, die auch der Nutzer Gert anspricht, wäre es gut, wenn Sie Kritik auch dort äußern, wo sie ankommt - um die genannten Themen geht es hier im Blog ja gar nicht. Kontaktmöglichkeiten finden Sie in der Navigation ganz oben auf der Seite.

Dennis Horn am 21.01.15 10:04

Hallo, da mein Name fällt: Ich sehe mich gar nicht im Vordergrund als Befürworter der Pegida. Aber an der Berichterstattung über sie mache ich aktuell das Bild des WDR fest. Und mein Posting hier hat einfach nur die Aussage, daß man, wenn man als Bäcker sein schlecht schmeckendes Brot nicht los wird, das Problem nicht dadurch behebt, daß man zusätzliche Verkaufsstellen aufmacht. Nachrichten, gleich welcher Art, müssen neu und erkenntnisreich sein, damit sie den Abnehmer interessieren. Klicke ich auf WDR und Tagesschau, weiß ich vorher schon, was ich lesen muß. Obama hier, Obama dort, Millionen bei Pegida Gegendemonstrationen und Karnevalsszenen aus Kleinpillersdorf. Mainstreamrauschen. Das Problem ist das Produkt, nicht der Vertriebsweg. Den Weg nach Youtube empfinde ich auch nur als Anbiederung an ein umstrittenes Medium aus einer umstrittenen Nation. Weshalb hat man nicht die Chance genutzt, hier was komplett Eigenes zu starten? Bliebe natürlich immer noch die Sache mit der Qualität.

Gert am 21.01.15 12:26

@Gert: Ich sehe das wie Sie: Etwas Eigenes zu starten, ist sinnvoll. Dafür haben die Ministerpräsidenten der Länder ARD und ZDF ja auch mit einem Jugendkanal im Netz beauftragt. So lange es den noch nicht gibt, müssen wir auch darüber nachdenken, wo sich unser Publikum denn überhaupt aufhält - und das ist eben bei YouTube. Das ist aus meiner persönlichen Sicht keine Anbiederung, sondern vor allem ein Zurkenntnisnehmen der Realität. Zu den anderen Punkten aus Ihrem Kommentar kann ich nur noch einmal sagen: Das ist nicht Thema dieses Blogs.

Dennis Horn am 22.01.15 10:42

Danke für die Antwort

Gert am 22.01.15 12:44

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Sonntag, 18.01.2015

"Dann lösch es doch"

Es gibt so ein paar Vorurteile, die bekommt man als Freund von Neuland immer wieder zu hören. Entwaffnete Argumente wie "E-Mails sind Scheiße. Ich kriege zu viele." Oder: "Twitter ist sowieso krank." Oder, ein Klassiker: "Die Leute starren nur noch auf ihr Smartphone. Krank." Wie reagiert man da? Verständnisvoll, freundlich, aggressiv, resigniert? Je nachdem würde ich sagen. Aber ein Kollege vom Deutschlandfunk wollte mal Klartext reden - und hat in seinem Logbuch die aus seiner Sicht WWW: einzig passenden Antworten aufgeschrieben. Und selbstverständlich auch ins WWW: Mikrofon gesprochen.

Logbuch des Deutschlandfunks räumt mit Vorurteilen auf; Rechte: WDR
Logbuch des Deutschlandfunk räumt mit Vorurteilen auf

"Das Internet ist das Hauptproblem!" Was sagt man da? Richtig: Dann lösch es doch. Dem ist nichts hinzuzufügen.

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