Samstag, 15.11.2014

Heizen mit Servern im Keller

Computer werden unter Last ganz schön heiß. Das weiß jeder, der schon mal ein Notebook auf dem Schoss hatte und sich Videos angeschaut hat. Der Prozessor hat mehr zu tun, das Gerät erwärmt. Auch Server geben Wärme ab - jede Menge sogar. Deshalb müssen Rechenzentren gekühlt werden. Darum werden große Rechenzentren mittlerweile sogar in kalte Gebiete gebaut, da braucht man nur Umluft durch die Räume zu jagen und muss nicht auch noch Klimaanlagen betreiben. Bislang wird die Abwärme von Servern nicht genutzt, sie wird lediglich bekämpft. Ökonomische Unsinnigkeit und ein ökologisches Debakel.

cloudandheat.jpg
Die Cloud im Keller erzeugt genügend Wärme zum Heizen


Abwärme durch Mini-Rechenzentrum
Der Cloud-Anbieter WWW: Cloud&Heat aus Dresden will die Abwärme von Servern nun sinnvoll nutzen. Nicht im Rechenzentrum - das wäre auch denkbar: Wärmepumpen aufstellen, die Energie erzeugen -, sondern in Privathaushalten. Die Abwärme der Server soll zum Heizen genutzt werden. Nun haben nur wenige Menschen einen so großen Bedarf, dass es sich lohnt, eigene Server in den Keller zu stellen. Der Cloud-Anbieter denkt aber an etwas völlig anderes: Er stellt Privatleuten Server-Schränke in den Keller, die zum Unternehmen gehören. Im Keller wird also für das Unternehmen gerechnet.

Die Abwärme der Server wird genutzt, um das Haus im Winter zu heizen. In entsprechend vorbereiteten Neubauten soll das Prinzip ausreichend Wärme erzeugen, um nicht nur zu heizen, sondern auch um die Warmwasserversorgung zu übernehmen. Solche Häuser sollen tatsächlich ohne zusätzliche Heizung auskommen. Wer sich darauf nicht verlassen will (oder ein bestehendes System erweitern möchte), kann Cloud&Heat auch an eine bestehende Heizung koppeln.


Firmenvideo erklärt das Prinzip


Ein ungewöhnliches Konzept
Ein gewagtes, aber durchaus interessantes Konzept - weil es mit vielen Gewohnheiten bricht. Umweltschonend ist das ganz sicher, wenn es funktioniert. Wer sich so eine Server-Heizung in den Keller stellen lassen will, muss 12.000 EUR in die Hand nehmen. Einen Heizkessel muss man ja auch bezahlen. Alles andere bezahlt Cloud&Heat, ob Strom für die Server, DSL-Leitung, Wartung und Pflege. Dafür bekommt man dann als Hausbesitzer kostenlos Wärme geliefert - das kann sich durchaus rechnen.

Aber Server-Schränke mit Cloud-Daten in fremden Häusern? Da gruselt es viele. Die Schränke sind eine Art Safe, alarmgesichert, einbruchsgeschützt - und angeblich sind auch alle Daten verschlüsselt. Dafür stehen die Server-Schränke in Deutschland und nicht in den USA, wo die NSA überall ihren Rüssel reinsteckt. Cloud&Heat spricht also eine ganz spezielle Zielgruppe an. Rund 100 Haushalte sollen bereits mit solchen Cloud-Schränken beheizt werden. Tendenz steigend.

Aber jetzt möchte ich mal wissen: Wie findet Ihr die Idee? Würdet Ihr Euch so einen Server in den Keller stellen, damit es muckelig warm ist in der Bude? Oder würdet Ihr so einen Cloud-Dienst nutzen? Ich bin wirklich neugierig.

Nettes Konzept - allerdings sind für Server zuverlässige und gerade auch im Upstream schnelle Internetleitungen notwendig. Die im Privatkundenmarkt üblichen DSL- oder Kabel-Anschlüsse reichen für diese Anwendung nicht aus.
Wenn man also auf diese Weise sozusagen als Nebeneffekt an eine wirklich breitbandige Anbindung kommt, die man nicht einmal selbst bezahlen muss - wo kann ich unterschreiben?

Daniel M. am 15.11.14 21:19

So ein Server muss ja auch mal gewartet werden - bitte nicht à la Telekomtechniker-Manier 'wir kommen dann zwischen 9 und 17 Uhr', und ich muss wieder einen Urlaubstag deswegen nehmen...
Besser wäre es, wenn der Server nicht im Keller, sondern in einem wärmeisolierten Schuppen im Vorgarten steht. Dann kann die Firma, der der Server gehört, jederzeit dran, ohne dass ich zu Hause sein muss.

Chris26 am 16.11.14 3:09

Aus meiner Sicht eine gute Idee, wenn denn die genannten Themen meiner Vorkommentatoren berücksichtigt werden. Besonders das Thema der Bandbreite finde ich spannend - ohne Glasfaseranschluss mit (heute) mind. 1 Gbit/s geht da aus meiner Sicht nichts.

Aber die aus meiner Sicht wichtigsten Punkte sind die Versorgungssicherheit und die Wirtschaftlichkeit - was passiert, wenn ich investiert habe, und der Serverbetreiber geht nach einigen Jahre pleite? Bleibe ich dann auf den 12.000 € sitzen oder springt dann jemand für ihn ein? Und werden seine Server immer so ausgelastet sein, dass mein Wasser ausreichend warm wird?

fragezeichen am 16.11.14 9:21

Dabei ist Vorsicht geboten, nicht dass das noch nach hinten losgeht. Bestes Beispiel: Das Kilburn Building der Universität Manchester, gebaut für die School of Computer Science. Dort hatte der Architekt die gleiche Idee als das Gebäude errichtet wurde. Resultat: als die alten Großrechner gegen moderne getauscht wurden, produzierten sie leider nicht mehr genug Wärme. Dummerweise waren auch die Luftschächte effizient geplant, sodass sie zu klein sind um moderne Klimaanlagen einzusetzen. Im Winter ist's dann eben etwas kälter...

Netzbürger am 16.11.14 11:38

Rebelliert doch endlich!

Pupsie Blindfisch am 16.11.14 20:44

Da wäre erstmal der Breitbandausbau, den man in Deutschland ja erstmal nicht auf die Reihe bekommt. Ich denke aber auch, dass ein Fernwärme Konzept hier besser wäre. Würde die einzelnen Keller nicht zustellen und die Server könnten auch vernünftig gewartet werden. Darüber hinaus wären die Daten auch sicherer.
Ich möchte mir da nicht vorstellen, was passiert wenn dan mal der Keller unter Wasser steht. Dann muss der Hauseigentümer ja irgendwie in seinen Keller kommen...

Nein Danke am 16.11.14 23:41

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Freitag, 14.11.2014

Karten sollen das Surfen komfortabler machen

Die Art und Weise wie Browser funktionieren, hat sich in den letzten zehn Jahren nicht wesentlich verändert. Wir steuern Webseiten an und die Inhalte werden angezeigt. Mit HTML5 stehen heute zwar deutlich mehr Möglichkeiten zur Verfügung, um den Inhalt von Webseiten zu gestalten, die Bedienung jedoch ist mehr oder weniger gleich geblieben. Wir speichern Favoriten, jonglieren mit Hilfe von Tabs mit diversen offenen Fenstern gleichzeitig und scrollen durch die oft langen Webseiten. Auf Desktop-Rechnern funktioniert dieses Prinzip prima, doch auf Mobilgeräten wie Smartphones hat es seine Schwächen, weil hier deutlich weniger Anzeigefläche zur Verfügung steht.

Karten im Smartphone; Rechte: WDR
Aufgeräumt: Karten im Smartphone

Karten sorgen für mehr Übersicht
Deshalb tüfteln Entwickler an neuen Konzepten. Klarer Trend: Webseiten werden runtergebrochen auf ihre Bestandtteile. Informationen werden in WWW: Karten verpackt. Klarer Vorteil: Man kann mehr Informationen auf dem kleinen Display eines Smartphones anzeigen, die Karten stapeln oder verschieben und natürlich auch ihre Inhalte genauer betrachten, wenn man sich dafür interessiert. Die Entwickler experimentieren mit diesem Kartenkonzept.

Safari stellt Webseiten bereits in einer 3D-Kartenansicht dar, wenn man eine offene Webseite auswählen möchte. Android packt Infos in Karten. Es bewegt sich also was. Jetzt ist mit WWW: Wildcard ein neuer Browser für iOS vorgestellt worden. Ein New Yorker Startup hat eine ganz neue Art Browser entwickelt, bei der Webseiten konsequent in Karten verpackt werden. Mittelfristig soll Wildcard traditionelle Browser wie Safari, Chrome oder Firefox auf den Mobilgeräten ersetzen. Derzeit gibt es den Browser nur im US-Store für iOS, aber das ist erst der Anfang.

Kartenansicht; Rechte: Screenshot Wildcards
Kartenansichten sollen für mehr Übersicht sorgen

Informationen werden anders verpackt
Damit das optimal funktioniert, müssen die Informationen auch entsprechend verpackt werden - schon von demjenigen, der die Infos bereitstellt. Sehr gut funktioniert das Konzep für Nachrichten, Blogs, Reviews oder auch Onlineshops. Solche Infos lassen sich gut in einzelnen Karten gliedern. Jede Karte ist ein Artikel, eine Beurteilung, ein Produkt im Katalog. Wer die Wildcard-App installiert und startet, kann nach Inhalten oder Kategorien suchen, sich aktuelle Trends zeigen lassen oder Empfehlungen lesen. Auf jeder Karte gibt es ein Bild und eine Zusammenfassung - ein Klick darauf bringt dann alles zum Vorschein. Zum Organisieren der Informationen sind solche Karten aber durchaus praktisch.

Auch Suchergebnisse werden anders aufbereitet. Wer nach etwas sucht, bekommt keine Fundstellen mit Links präsentiert, sondern gleich entsprechend aufbereitete Karten. Das setzt die neue Wildcard-App bereits um. Auch werden die Suchergebnisse personalisiert: Wildcard berücksichtigt den aktuellen Aufenthaltsort und bezieht auch frühere Suchanfragen mit ein. Ein Thema, das Datenschützer früher oder später sicher interessieren dürfte, spätestens dann, wenn sich das Konzept durchsetzen sollte.

Das Konzept ist interessant. Es kann aber nur dann richtig gut funktionieren, wenn alle mitmachen, die Infos im Netz bereitstellen - und das Card-Konzept unterstützen. Die Chancen stehen aber nicht schlecht. Wer als Inhalteanbieter bereits Twitter Cards unterstützt oder OpenGraph von Facebook, der muss lediglich eine weitere Codezeile zu seinen Webseiten hinzufügen, damit das klappt.

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Donnerstag, 13.11.2014

Änderungen in der Wikipedia kann man jetzt auch hören

Wieder ein schönes Kunstprojekt: WWW: "Listen to Wikipedia". Wann immer der Online-Enzyklopädie Informationen hinzugefügt werden, erklingen Glöckchen. Wann immer Informationen entfernt werden, werden Saiten gezupft. Je größer die Änderung, desto tiefer der Ton. Grüne Kreise erscheinen, wenn nicht-registrierte Nutzer Hand anlegen, violette Kreise, wenn Bots Änderungen durchführen, graue Kreise bei allen anderen.

Listen to Wikipedia; Rechte: Stephen LaPorte/Mahmoud Hashemi
Von Greg Rutherford bis zur Libertären Partei in Oregon: je größer der Kreis, desto größer die Änderung.

"Listen to Wikipedia" lässt sich auch auf die Versionen anderer Länder anwenden und ist ein Open-Source-Projekt. Den Code dazu kann man sich frei runterladen und mit ein bisschen Programmierwissen zum Beispiel auch auf andere Dienste als die Wikipedia anwenden - etwa für die nächste eigene Kunstidee fürs Netz.

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