Montag, 13.10.2014

Digitaler Trödelmarkt

Drei, zwei, eins, deins. Ich habe ziemlich viel Klimbim zu Hause rumstehen. Bücher, die verstauben, Klamotten, die ungetragen im Schrank hängen, Sportgeräte und Co. Aber um mich ab sechs Uhr morgens bei Wind und Wetter auf den Flohmarkt zu stellen, zu feilschen und zu verkaufen, dafür fehlen mir Zeit und Nervenkleid. Gut, dass trödeln auch digital funktioniert. Aber spart man damit wirklich Zeit und macht mehr Geld?

Jeden einzelnen Bauklotz, Omas altes Geschirr oder dutzende Postkarten abzufotografieren und als Trödelgut online zu stellen, das wäre mir vermutlich auch zu umständlich. Aber für ein paar größere Dinge, mit denen man auf einen Schlag ein paar Euro machen kann, lohnt sich digitales Trödeln bestimmt. Das haben sich auch Biggi und Tochter Antonia aus Köln überlegt. Ihr letzter Trödel war nämlich nass, kalt und nur mäßig erfolgreich. Also ran an die Apps und weg mit den Waveboards.

Trödel-App Shpock; Rechte: WDR/Horn

Ich habe neulich eine Werbung für "Shpock" im Fernsehen gesehen. "Shpock" steht für "shop in your pocket" und hat mittlerweile weit über eine Million Nutzer. Nachdem ein Investor einen siebenstelligen Betrag investiert hat, findet die App immer mehr Interessenten. Auch Biggi und Antonia und ich wurden neugierig. Bisher habe ich ehrlich gesagt immer den alten Hasen der Verkaufsportale genutzt. Ebay und Ebay Kleinanzeigen, am PC und als App. Die hat über fünf Millionen Downloads im Playstore. Auch beliebt sind mittlerweile Stuffle und Rumgr sowie Yradsale im amerikanischen Raum. Aber ich will jetzt erstmal shpocken und teste die App mit den zwei Kölner Trödel-Expertinnen.

Trödel-Apps; Rechte: WDR/Horn

Das Logo findet Antonia nicht so ansprechend. Aber aufgebaut ist die Seite ganz schön, mit vielen Fotos nach Entfernung geordnet. Je weiter man runterscrollt, desto weiter weg ist das Angebot. Um neue Sachen zu entdecken oder selbst zu verkaufen, müssen wir uns registrieren und der App erlauben, uns per GPS oder Internet zu orten. Ohne Lokalisierung und ohne Profilfoto funktioniert hier gar nichts.

Shpock Collage; Recht: WDR/Horn

Wenn ich mich über Facebook registriere, erlaube ich Shpock auf mein öffentliches Profil und die Freundesliste zuzugreifen. Ich entscheide mich also für eine Anmeldung per Email-Adresse. Den Bestätigungslink gibt es aber nur per SMS, also muss ich außerdem meine Handynummer angeben. Immerhin wurde ich auch vier Tage nach der Anmeldung noch nicht mit Werbenachrichten vollgespamt. Dann geht´s endlich ans Verkaufen. Zeitaufwand: ok. Seinen Stand aufzubauen und alle Sachen zu platzieren dauert länger. Also alles noch im Rahmen.

Biggi fotografiert die Waveboards mit dem Handy, lädt das Foto direkt in der App hoch und ergänzt ein paar Angaben wie den gewünschten Preis, ordnet ihr Angebot der Kategorie "Sport & Freizeit" zu, einstellen, fertig. Die App von ebay Kleinanzeigen hat zwar einige Kategorien und Unterkategorien mehr zur Auswahl. Und auch hier muss ich eine Stadt oder PLZ angeben, um anzeigen zu lassen, wo der Verkaufsstandort ist. Und da sind sie, die Waveboards. Ich klicke Biggis Angebot an, maile ihr und handel sogar noch ein paar Euro runter. Dann tauschen wir Adressen aus, damit ich mein neues Schmuckstück abholen kann.

Ebay-App Collage; Rechte: WDR/Horn

Biggi findet den Trödeleffekt bei Shpock gut. "Ich sehe direkt, dass jemand 100 oder 1000 Meter weiter Sachen verkauft, könnte einfach hingehen und mir den Malkasten für fünf Euro abholen." Allerdings sind manche Kaufinteressenten dann doch lästig, stellen zig Fragen zu einem Artikel und wollen ihn am Ende nicht haben. Zeitersparnis ist also so eine Sache beim digitalen Trödeln. Aber wenn man mal eben 25 Euro verdient, lohnt sich der Aufwand vielleicht trotzdem. Irgendwie geht per Apps zwar der Geist des Trödelns flöten. Aber Biggi, Antonia und ich sind uns einig: lieber digital trödeln, als am Ende doch wieder mit einem vollen Kofferraum den Flohmarkt zu verlassen - entweder weil man seine Sachen nicht verramschen wollte oder weil man selbst zwanzig neue Sachen gekauft hat.

Denn verkaufen per App ist ganz angenehm, aber kaufen - das macht auf dem echten Trödel doch deutlich mehr Spaß.

Unsere Blogger Anita Horn und Dennis Horn sind weder verwandt noch verheiratet, aber umso besser vernetzt. Sie entdecken jede Woche digitale Perlen: spannende Webseiten, lustige Links und Angebote, die den Alltag bereichern - hier im Blog und jeden Dienstag in der WWW: WDR5 LebensArt im Radio.

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Sonntag, 12.10.2014

Grand Theft Auto für Pazifisten

Normalerweise ist das Videospiel Grand Theft Auto (GTA) äußerst brutal: Hier werden Autos geklaut, Menschen verletzt und getötet, Geld entwendet, Häuser zerstört - es gibt keine Regeln. Außer das Recht des Stärkeren. Das macht das Videospiel wohl so erfolgreich. Doch geht es eigentlich anders bei GTA? Das hat jetzt ein Computerspieler versucht. Er hat Grand Theft Auto gespielt, ohne andere Figuren im Spiel zu verletzen oder ihnen zu schaden.

In WWW: diesem Video von Youtube-User Goldplay ist das Ergebnis zu sehen: Über drei Minuten GTA in einer pazifistischen Variante gespielt. Der Spieler gibt sich alle Mühe, jedes Blutvergießen und unnötige Härten zu vermeiden. Goldplay gibt Tipps, wie man spielen muss - oft zum eigenen Schaden. Einfach ist es allerdings nicht, wie man gut erkennen kann.


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Samstag, 11.10.2014

Multcloud: Regiezentrale für Cloud-Speicher

Die einen benutzen gar keine Cloud-Speicher, etwa weil sie Blog: Bedenken um ihre Daten haben, die anderen nutzen gleich mehrere Online-Festplatten. Die Auswahl ist mittlerweile riesig: Dropbox, Onedrive, Google Drive, Box, Hidrive - es gibt so viele Cloud-Dienste, die kostenlos und kostenpflichtig Speicherplatz anbieten. Und jeder einzelne Cloud-Dienst hat andere Vor- und Nachteile. Mit WWW: Multcloud ist jetzt ein Service an den Start gegangen, mit dem man alle wichtigen Cloud-Dienste gleichzeitig verwalten kann.

Homepage Multcloud; Rechte: Multcloud/WDR
Multcloud: 15 Cloud-Dienste unter einem Dach


Einheitliche Bedienung für 15 Cloud-Dienste
Multcloud erweist sich wirklich als praktisch. Wer sich kostenlos bei Multcloud anmeldet, kann danach zu allen wichtigen Cloud-Diensten Verbindung herstellen. Multcloud unterstützt sowohl die großen, bekannten Namen wie OneDrive, Google Drive oder Dropbox, aber auch kleinere Dienste wie SugarSync oder Box, selbst das deutsche Angebot Hidrive kann von Multcloud aus gesteuert werden. Für alle Cloud-Dienste muss man die nötigen Zugangsdaten eintragen. Aber nicht bei Multcloud selbst, sondern man nutzt die Logins der jeweiligen Cloud-Dienste, hinterlegt die Zugangsdaten also nicht bei Multcloud.

Der derzeit nur mit englischer und chinesischer Benutzeroberfläche angebotene Onlinedienst bietet nicht nur eine praktische Übersicht über alle online gespeicherten Daten und Dokumente, sondern ermöglicht auch das Bearbeiten und Managen dieser Daten. Man kann über das Web-Interface bequem Dateien hoch- oder herunterladen. Besonders schätze ich die Möglichkeit, Dateien per Drag and Drop zu kopieren oder zu verschieben, das ist sogar über die Grenzen der Cloud-Dienste hinweg möglich. Bei Bedarf kann man auch in Dateien und Dokumente hineinschauen. Multcloud ist eine regelrechte Regiezentrale für die eigenen Cloud-Speicher.

User Interface von Multcloud; Rechte: WDR
Komfortable Benutzeroberfläche: Übersicht über alle online gespeicherten Daten


Einheitliche Bedienung für 15 Cloud-Dienste
Dank 256-Bit-Verschlüsselung werden die Daten einigermaßen sicher über Netz transportiert. Dennoch: Schwer zu sagen, wer hinter dem Angebot steckt. Die Firma AOMEI Technology, die als offizieller Anbieter von Multcloud eingetragen ist, kennt sich mit Backup-Lösungen aus, hat ihren Sitz aber in Chengdu, China. Sensible Daten würde ich mit dieser Oberfläche deswegen ganz sicher nicht bearbeiten, auch keine Cloud-Dienste öffnen, um deren Sicherheit ich mir Gedanken mache. Bei weniger sensiblen Daten oder Cloud-Diensten hingegen erweist sich Multcloud als komfortables Werkzeug.

Naja, die meisten Cloud-Dienste werden von US-Unternehmen betrieben. Solange die von ihrer Regierung gezwungen werden können alle angefagten Daten herauszugeben und diese Tatsache auch noch zu verschweigen, sind die clouds an sich genau so vertrauenswürdig wie der chinesische Anbieter. Wirtschaftsspionage betreibt die NSA ja wohl auch. Für Journalisten, Menschenrechtsaktivisten und chinesische Dissidenten sollte die Empfehlung aber zutreffen.

Netzbürger am 11.10.14 19:25

Wie lustig,die Unterscheidung in "weniger"und"mehr sensible Daten".Alle meine Daten sind "sensibel"-denn es sind meine und ein Teil von mir!@Netzbürger-es ist voellig egal wer eine claut wo betreibt.Es ist eben nicht nur die NSA die darauf zugreift.Zudem wird dies auch ohne jegliche Anfragen gemacht-es wird einfach gecrackt.

hehe am 13.10.14 9:33

Man kann es nicht oft genug sagen: Es gibt keine sicheren Daten bei US Cloud Anbietern und auch nicht bei US Cloud Zusatzdiensten oder wie man diese jetzt nennen mag!

Deutsche Unternehmen, die derartige US Dienstleistungen benutzen muss man tunlichst meiden denn ein größeres Eingeständnis der eigenen IT Inkompetenz kann es nicht geben. Und dieser hier so naiv beworbene Dienst MultCloud scheint am ehesten so eine Art Honeypot zu sein. So etwas in einem Artikel zu bewerben ist unter aller Kanone und beweist lediglich die IT Inkompetenz des WDR und seiner Autoren.

NonKon am 13.10.14 10:21

Hallo Herr Schieb,

vielen Dank für den redaktionellen Tipp ;-)

MultiCloud kannte ich bisher noch nicht und es gefällt mir sehr gut. Vor allem das Hin- und Herschieben von Daten von einem Account auf den anderen ist schön.

Leider sind SpiderOak Hive und MEGA bislang noch nicht eingebunden.

Erstaunlich finde ich 2 Dinge:

1. Dass sich immer noch Leute Gedanken um die Sicherheit ihrer sensiblen Daten im Netz machen - es ist doch eigentlich ganz einfach: Es gibt keine Sicherheit ;-)

2. Dass es auf der Homepage von MultiCloud kein Impressum gibt. Ist das in China nicht Pflicht?

Grüße aus Bonn

Eberhard A. Breinlinger

Eberhard A. Breinlinger am 17.10.14 15:08

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