Montag, 18.05.2015

Gemütliches Deutschland: Alle anderen sind schneller im Netz

Worüber spricht man im Ausland, wenn von Deutschland die Rede ist? Über unsere Autobahnen. Kein anderes Land auf der Welt bietet Schnellstraßen ohne Tempolimit. Dass man da auch nur ständig im Stau steht, ahnt ja keiner. Wer von schnellen Autobahnen auf ebenso schnelle Trassen fürs Internet schließt, liegt allerdings völlig daneben. In Sachen DSL-Tempo ist Deutschland nämlich - na ja, nicht Schlusslicht oder Bummelletzter, aber eben auch alles andere als vorne mit dabei. Nicht mal unter die Top 10 hat es Deutschland geschafft. Es kommt noch dicker: Deutschland liegt auf Platz 29.

Der Netzwerkausbau schreitet nicht zügig genug voran; Rechte: dpa/Picture Alliance
Der Netzwerkausbau schreitet nicht zügig genug voran


Ein armseliges Ergebnis
Ein armseliges Ergebnis, das uns da der Onlinedienstleister WWW: Akamai in einem aktuellen Bericht präsentiert. Auf Platz 1 demnach Südkorea, auf Platz 2 Hongkong, auf Platz 3 Japan, auf Platz 4 Schweden, gefolgt von Schweiz, Niederlande, Lettland, Irland, Tschechische Republik und Finnland. Die USA belegen Platz 17. Erst viel weiter hinten dann Deutschland - auf Platz 29. Wichtig ist in diesem Zusammenhang das durchschnittliche(!) DSL-Tempo. Südkorea brilliert mit 22,2 MBit/Sekunde, wir schaffen gerade mal 8,8 MBit/Sekunde, wie diese WWW: Übersicht von Statista zeigt.

Wer nun denkt: "Macht doch nichts: Ich brauche sowieso nur 2 MBit/Sekunde für meine Mails und die paar Webseiten", der mag für sich persönlich vielleicht recht haben. Aber für die Volkswirtschaft ist es ein Desaster. Viele Angebote sind bei uns nicht denkbar, die technisch möglich wären, weil es am nötigen Tempo fehlt. Netflix auf dem Land? Undenkbar. Viele User können froh sein, wenn die Youtube-Videos nicht ruckeln. Denn der statistische Durchschnitt bedeutet schließlich, dass auf alle, die mit 100 MBit/Sekunden online unterwegs sind (etwa dank schnellen Kabelverbindungen), mindestens zehn Mal so viele Pechvögel mit 1 MBit/Sekunde kommen.

Infografik: Deutsches Web: Zu langsam für die Weltspitze  | Statista


Es muss ein Klick durch die Gesellschaft gehen
Die aktuelle Statistik belegt eindrucksvoll, dass wir in Deutschland noch immer nicht erkannt haben, dass in die Infrastruktur der Zukunft investiert werden muss. Wer heute im Mittelfeld liegt, der liegt morgen abgeschlagen am Ende, wenn nichts passiert. Wer aufsteigen will, der muss sich sogar doppelt anstrengen. Doch, was geschieht bei uns? Außer ein paar Blog: vagen und völlig unverbindlichen Plänen für einen angeblichen Breitband-Ausbau geschieht nichts. Da wird leidenschaftlich über die Autobahn-Maut gestritten - und die Zukunft verlieren wir aus dem Blick.

Wer wissen will, wie schnell sein Onlinezugang eigentlich ist, kann WWW: diesen Test hier machen. Vor allem bei Mobilanschlüssen gibt es hier häufig demütigende Ergebnisse. Von UMTS und LTE bleibt jedenfalls nicht viel in der Innenstadt. Das von den Providern gern versprochene Tempo von 50 oder gar 100 MBit/Sekunde wird praktisch nie erreicht. Klar: Es drängen alle ins Netz - aber es wird nicht genügend ausgebaut. Wenn das so weiter geht, bekommen wir ein riesiges Problem. Doch vermutlich möchte die Politik auch dieses Thema lieber aussitzen. So wie bei den meisten Herausforderungen, denen wir uns stellen müssen.


DSL-Test an einem turboschnellen Kabelanschluss

Es ist schon erstaunlich, dass ich in der Wüste Nevadas in einem Ort, nicht grösser als 10 Häuser, schnelleres Internet hatte als bei mir Zuhause (30KM vom Ruhrgebiet entfernt) Ebenso gab es dort in der Tankstelle freies WLAN.

Hoffentlich ereilt uns nicht irgendwann mit dem internet das gleiche Problem wie mit den Brücken. (Sanierungsfall)

yx99 am 19.05.15 7:31

Es ist schon erstaunlich, dass ich in der Wüste Nevadas in einem Ort, nicht grösser als 10 Häuser, schnelleres Internet hatte als bei mir Zuhause (30KM vom Ruhrgebiet entfernt) Ebenso gab es dort in der Tankstelle freies WLAN.

Hoffentlich ereilt uns nicht irgendwann mit dem internet das gleiche Problem wie mit den Brücken. (Sanierungsfall)

yx99 am 19.05.15 7:31

Deutschland wird noch lange hinterher hinken. Zu viele von den Ballungzentren weit entfernte Gebiete dümpeln vor sich hin. Die Einzigen, die da Besserung bringen könnten, sind die Kabelnetzbetreiber.
Die schaffen auch im strukturschwachen (Hoch-) Sauerland Geschwindigkeiten von 1ßß M/Bit und darüber.
Bis die Telekom da nachgebessert hat dürften wohl noch ein paar Jahrzente ins Land gehen.

Kai Winter am 19.05.15 10:54

Deutschland wird noch lange hinterher hinken. Zu viele von den Ballungzentren weit entfernte Gebiete dümpeln vor sich hin. Die Einzigen, die da Besserung bringen könnten, sind die Kabelnetzbetreiber.
Die schaffen auch im strukturschwachen (Hoch-) Sauerland Geschwindigkeiten von 1ßß M/Bit und darüber.
Bis die Telekom da nachgebessert hat dürften wohl noch ein paar Jahrzente ins Land gehen.

Kai Winter am 19.05.15 10:56

Hier haben sie jetzt endlich auch Kabel gezogen leider lässt mich Vodafone erst 2016 aus dem Vertrag raus und somit dümpel ich noch nen Jahr mit meinen (an Sonnigen Tage) 6000er DSL rum :)

Dieter am 19.05.15 17:31

Solange die einzigen, die *wirklichen* Netzausbau betreiben können, diejenigen sind, die am meisten daran verdienen wenn die Netzneutralität komplett abgeschafft sind (lies: Hybride aus Inhalte- und Netzanbieter, wie Kabelfirmen, Telekom, etc.), wird ein wirklicher Netzausbau nicht passieren.

Ich zahle gerne mehr für ein schnelles Internet. Aber nicht, wenn ich dann überall links und rechts gegängelt werde: "Wie, Youtube/Netflix soll nicht ruckeln? Bestellen Sie doch lieber Entertain!" - "Nein, Whatsapp unterstützen wir nicht, aber eine SMS-Flat für 4,99€ extra können Sie haben." - "Der Traffic zu Spotify ist in Ihrem Mobilfunkvertrag inklusive, aber der zu iTunes / der von der WDR-App kostet extra." Und so weiter, und so weiter ... Wer lässt sich so verarschen? Kostet eBay auch bald extra?

Ich wünsche mir 100MBit mit 20MBit upstream und würde dafür sofort 50€/Monat zahlen - *wenn* die 100MBit vollständig netzneutral nutzbar wären und nicht vom Inhalt oder Traffic abhängig.

Frank am 19.05.15 21:51

Was macht es für einen Sinn, in ein immer mehr von Geheimdiensten kontaminiertes Netz zu investieren, in dem es keine Privatsphäre mehr gibt, in dem alles überwacht wird? Wer kritisch nachfragt bzw. demonstriert gilt als "low level terrorist". Wer mehr Pech hat, kommt auf die "no fly-List". Das ist noch nicht die höchste Stufe.

Michael am 19.05.15 22:28

Was macht es für einen Sinn, in ein immer mehr von Geheimdiensten kontaminiertes Netz zu investieren, in dem es keine Privatsphäre mehr gibt, in dem alles überwacht wird? Wer kritisch nachfragt bzw. demonstriert gilt als "low level terrorist". Wer mehr Pech hat, kommt auf die "no fly-List". Das ist noch nicht die höchste Stufe.

Michael am 19.05.15 22:32

Gleich zu Eingang der Bruellwitzkommentar.Tatsaechlich surfen die Leute in Nevada im Mittel mit gerade 3.19 megabits\sec.Die FCC"haette gerne"4 megabits\sec - tatsaechlich erreicht werden aber nur"49 percent of Americans fail to meet the FCC's minimum broadband standard of 4 megabits per second for downloads and 1 megabits per second for uploads."So-nun kannste dich hinlegen und weitertraeumen"wie schoen es waere einmal im leben es zu schaffen in die Wueste von nevada zu kommen.."Auch Michael schafft es einen Kommentar abzuliefern der jeglichen Sinn vermissen laesst.Thema verfehlt.Setzen.Note Ungenuegend.

Ach je am 27.05.15 6:37

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Montag, 18.05.2015

Anonymous sucht neue Struktur


Um die Anonymous-Bewegung ist es während der vergangenen Monate ein wenig still geworden. Doch diese Stille bedeutet keine Inaktivität. Beim fast schon traditionellen Treffen vor Pfingsten haben die drei Anonymous-Aktivisten Brian, Ilka und Kees erläutert, woran sie gerade arbeiten.

fawkes-maske.jpg

Deutlich geworden ist dabei vor allen Dinges eines: Die Netzaktivisten diskutieren zumindest in Europa ausgesprochen intensiv ihre künftige Organisationsfom, weitere Kampagnen und die Ziele ihrer Arbeit.

Dabei ist ihnen klar, dass Anonymous vor einer grundlegenden Entscheidung steht. Einige Aktivisten fordern eine klare Organisationsstruktur, auch um besser mit anderen zivilgesellschaftlichen Gruppen zusammenarbeiten zu können. Die Mehrheit allerdings scheint sich wieder Aktionen Einzelner zuwenden zu wollen.

Zusammenarbeit nur auf Zeit

Für eine bestimmte Aktion kurzfristig zusammenzuarbeiten, sei sinnvoll, meinen die Aktivisten im Gespräch mit Digitalistan. Aber die Zeit der großen Kampagnen, denen weltweit Aufmerksamkeit zuteil geworden war, ist nach ihrem Dafürhalten zunächst vorbei.

Einig sind sie sich, dass Anonymous weiterhin für die Freiheit des Netzes und des Individuums kämpfen muss. Doch die Arbeit dafür müsse anders organisiert werden. Gegenwärtig scheint sich keine Mehrheit innerhalb der Anonymous-Bewegung für aufsehenerregende Aktionen bereitzufinden, die vergleichbar wären mit der Blockade der Website des britischen Außenministerium, mit der sie im August 2012 freies Geleit für Julian Assange gefordert haben.

Kooperation mit zivilgesellschaftlichen Gruppen

Nach wie vor aber engagieren sich zahlreiche Aktivisten, um zivilgesellschaftliche Gruppen in verschiedenen Ländern zu unterstützen. Not-Infrastruktur in Sachen Internet-Zugang stellen sie immer noch für die Oppositionsbewegung in Ägypten bereit. Sie unterstützen libertäre Gruppen in Tunesien. Sie sorgen dafür, dass sich syrische Oppositionsgruppen gegen die Überwachung durch das Assad-Regime wehren können.

Das sind alles keine spektakulären Aktionen. Sie zeigen aber, dass Anonymous sich durchaus nicht abgemeldet hat. Sie leisten stärker unterstützende Arbeit für sehr unterschiedliche zivilgesellschaftliche Gruppen. Und zumindest in Europa setzen sie stark auf aufklärende Arbeit. Vorratsdatenspeicherung, Netzneutralität und Überwachung sind da nach wie vor die Top-Themen.

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Samstag, 16.05.2015

Wo bebt die Erde?

Erdbeben sind nichts Ungewöhnliches. Ständig bebt irgendwo die Erde. Zum Glück nicht immer so heftig wie am 25. April in Nepal: Hier hat ein Erdbeben mit einer Magnitude von 7,8 erheblichen Schaden angerichtet: 7.500 Tote, 14.500 Verletzte, unzählige Gebäude zerstört. Wo die Erde wann gebebt hat und wie stark, das zeigt eine WWW: interaktive Karte, in der alle relevanten Erdbeben verzeichnet sind.

Man kann sowohl den Zeitstrahl verwenden als auch bestimmte Regionen der Welt auswählen. Die Karte zeigt eindrucksvoll, wo die Erde besonders häufig bebt - und besonders stark. In der Karte sind die tektonischen Platten eingezeichnet. Erkennbar finden die meisten Erdbeben am Rand dieser tektonischen Platten statt. Die Daten der aufgezeichneten Erdbeben kommen vom WWW: USGS.

Bildschirmfoto 2015-05-16 um 23.17.28.png; Rechte: WDR
Wo bebt die Erde? Interaktive Karte verzeichnet jedes Erdbeben

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