Donnerstag, 19.03.2015

Smarte Kuhglocken und ultraschneller Mobilfunk

200 Euro teure smarte Socken, Scrollen per Augenbewegung, ein Hilfssystem für Menschen mit Behinderung im öffentlichen Nahverkehr: Kollege Jörg Schieb hat am Montag schon Blog: ein paar seiner Messehighlights zusammengetragen. Und ich stimme ihm zu: Es sind die Ideen am Rand, abseits des Trubels, die immer wieder interessant sind.

Plastikkühe; Rechte: WDR/Dennis Horn
Smarte Technik steckt auf der CeBIT auch in der Kuhglocke.

Dazu gehört vor allem smarte Technik, die in immer mehr Gegenstände einzieht. Die Telekom präsentiert zum Beispiel ein smartes Fahrrad, das seine Einzelteile erfasst, analysiert und bei Verschleiß nachbestellt. Sensoren merken außerdem, wenn das Fahrrad geklaut wird, und versorgen seine Fahrer mit vielen weiteren Informationen. Ähnlich funktionieren auch die smarten Skier, die am Stand von IBM zu sehen sind.

Sogar smarte Kuhglocken gibt es hier zu sehen - unter dem Stichwort "Farming 4.0". Wer einmal einen großen Milchbauernbetrieb von innen gesehen hat, weiß, dass schon heute mit Sensoren gearbeitet wird, um die Kühe im Blick zu halten. Die smarte (und entsprechend lautlose) Glocke macht es einfach, die eigenen Kühe wiederzufinden - einfache, unauffällige Technik, in den Messehallen aber ein großer Blickfang.

Großartig außerdem: der IO Hawk, sozusagen ein Segway ohne Lenkstange. Der IO Hawk besteht ebenfalls aus zwei Rädern mit einer Standfläche dazwischen. Lehnt man sich nach vorne, beginnt er zu fahren. Das klingt extrem wackelig, doch auf der CeBIT rasen immer wieder IO-Hawk-Fahrer an den Besuchern vorbei - in einer so großen Geschwindigkeit, dass man es kaum schafft, sie schnell nach einem Foto zu fragen.

IO Hawk; Rechte: picture-alliance/dpa/Ole Spata
Unterwegs auf dem IO Hawk: Der über 1.000 Euro teure fahrbare Untersatz für die Füße ist flink und passt im Gegensatz zum großen Segway auch in den Rucksack.

Aber auch klassische Technik begeistert immer wieder. Vier imposante Roboterarme zum Beispiel, die skurrile Formen aus Schaumstoffblöcken schneiden. Der Großrechner z13 von IBM mit 10 TB Arbeitsspeicher, durch den dicke Kühlungsschläuche führen, um die Technik im Griff zu halten. Und der Versuchsaufbau des neuen Mobilfunkstandards 5G bei Vodafone, der erstmals außerhalb des Labors Geschwindigkeiten von über 10 GBit/s erreicht. Zum Vergleich: LTE/4G kommt auf maximal 300 MBit/s.

Nicht jedes Stück Technik von der CeBIT wird es irgendwann auch zu kaufen geben. Auf die Frage, warum die ein oder andere Idee es auf die Messe geschafft hat, können viele Aussteller nur die Antwort geben: "Weil wir's können." Aber genau das macht eine solche Messe so interessant: die vielen verrückten Ideen, die es nicht unbedingt zur Marktreife schaffen, aber trotzdem zeigen, was heute alles möglich ist.

Kommentieren



Die mit * gekennzeichneten Felder müssen ausgefüllt werden.


Angaben speichern (Cookie)?


Um Ihren Kommentar zu versenden, beantworten Sie bitte die folgende Frage:


Trackbacks zum Eintrag Smarte Kuhglocken und ultraschneller Mobilfunk

Zum Anfang dieses Eintrags

Mittwoch, 18.03.2015

Whistleblower Edward Snowden auf der CeBIT

Edward Snowden muss man nicht mehr vorstellen. Den Namen des wohl berühmtesten Whistleblowers hat man in jedem Winkel der Erde schon mal gehört. Die einen lieben ihn, die anderen hassen ihn - und einigen wenigen ist er vielleicht auch egal. Ihn als "Special Guest" auf der Rednerliste der diesjährigen CeBIT zu führen, war sicher keine schlechte Idee. Denn eins ist Snowden ganz sicher: Ein Zugpferd. Entsprechend hoch waren auch die Erwartungen, was der via Google Hangout aus Russland zugeschaltete Snowden denn zu sagen hat. Live vor Ort war sein Statthalter Glenn Greenwald, der dann auch deutlich mehr und länger redete als Edward Snowden.

Edward Snowden auf der CeBIT 2015; Rechte: dpa/Picture Alliance
Edward Snowden auf der CeBIT 2015


Die Welt besser gemacht
Allzu große Überraschungen gab es im Gespräch zwischen Moderator Brent Goff mit Glenn Greenwald und Edward Snowden nicht. Keine neuen Enthüllungen, keine neuen Anklagen. Edward Snowden erklärte, er sehe derzeit keine Möglichkeit für eine Rückkehr in die USA. Zwar würde er gerne wieder nach Hause zurück, er würde sich auch vor einem öffentlichen Gericht verantworten wollen. Aber nach aktuellen US-Gesetzen sei es unmöglich, einen fairen Prozess zu bekommen, denn wenn er zurück in die USA ginge, würde sein Verfahren komplett im Verborgenen ablaufen. Damit dürfte er wohl Recht haben.

Aber wohin soll Snowden? Er kann nicht ewig in Russland bleiben. Doch westliche Staaten trauen sich nicht, ihm Asyl zu gewähren. Das beklagt Glenn Greenwald ausdrücklich. Er wirft der Bundesregierung vor, Snowden und die freie Welt verraten zu haben. Vizekanzler Gabriel beklage zwar, dass niemand Snowden helfe - aber selbst sei er auch nicht bereit. Gabriel setzt sich stattdessen derzeit lieber energisch für die Blog: Vorratsdatenspeicherung ein, obwohl Gerichte in der EU die Vorratsdatenspeicherung immer wieder kippen oder stoppen - und widerspricht damit lauthals den Klagen von Edward Snowden. Oder er versteht sie nicht.

Edward Snowden möchte in die USA zurück; Rechte: dpa/Picture Alliance
Edward Snowden möchte in die USA zurück


Verpasste Chance
Snowden und Greenwald bereuen nichts. Sie würden immer wieder so handeln. Aber wirklich weiter geht es gerade nicht. Zumindest Snowden befindet sich schon jetzt im Gefängnis - und Greenwald hat alle Hände voll zu tun, damit nicht das große Vergessen eintritt. Der Auftritt von Edward Snowden auf der CeBIT in Hannover war wichtig, aber letztlich nicht besonders interessant. Neue Erkenntnisse gab es jedenfalls nicht. Und das ist schade. Die CeBIT wäre eine gute Plattform gewesen, das Rad weiter zu drehen. Das ist nicht passiert.

Es ist an UNS "das Rad weiterzudrehen"!Snowden und Greenwald haben geliefert-es ist an uns nun die Konsequenzen zu ziehen und die Politik unter Druck zu setzen!Immer nur zu sagen"Hannemann geh' Du voran"reicht eben nicht!

Ach je am 20.03.15 7:47

Kommentieren



Die mit * gekennzeichneten Felder müssen ausgefüllt werden.


Angaben speichern (Cookie)?


Um Ihren Kommentar zu versenden, beantworten Sie bitte die folgende Frage:


Trackbacks zum Eintrag Whistleblower Edward Snowden auf der CeBIT

Zum Anfang dieses Eintrags

Mittwoch, 18.03.2015

Geld beamen mit Facebook

Im Internet ist zwar vermeintlich fast alles kostenlos. Aber trotzdem regiert auch hier der schnöde Mammon. Das zeigt sich schon allein dadurch, dass immer mehr Onlinedienste und IT-Konzerne versuchen, mobile Zahlsysteme einzuführen. Paypal entwickelt seine App weiter, Apple hat sein Blog: Apple Pay eingeführt, Samsung wiederum sein eigenes Smartphone-Bezahlsystem. Alibaba-Chef Jack Ma wiederum hat gerade erst auf der CeBIT ein eigenes Bezahlsystem vorgestellt, das Blog: sich Smile to Pay nennt.

Und nun also auch Facebook. Schon vor einigen Monaten hat Mark Zuckerberg ein eigenes Bezahlsystem angekündigt. Jetzt wissen wir, es wie aussieht: Ab sofort kann man mit dem WWW: Facebook Messenger Geld transferieren. Bislang allerdings nur in den USA und auch nur mit der Messenger App. Aber der Anfang ist gemacht.

Geld überweisen mit dem Facebook Messenger; Rechte: Facebook
Per Fingertipp Geld von A nach B senden - im Facebook Messenger jetzt möglich


Ohne Gebühren Geld überweisen
Die Idee: Wer einem Freund Geld schicken will, etwa um ein Kinoticket zu bezahlen, das der Freunde schon mal vorab reserviert, der soll das nun mit der Messenger-App können. Einfach im Chat auf das Dollar-Symbol tippen, den Betrag eingeben - fertig. Schon landet die Kohle beim Freund. Nicht sofort, sondern ein, zwei Tage später, denn Facebook verwaltet keine eigenen Konten, so wie das Paypal macht, sondern transferiert wirklich Geld vom einen Girokonto zum anderen Girokonto. Kreditkarten sind bislang ausgeschlossen, wegen der Gebühren.

Die Idee ist grundsätzlich nicht schlecht - aber eben auch nicht neu. Mit Paypal geht das schon lange. Allerdings ist Paypal nicht Peer-to-Peer, sondern verwaltet eigene Konten. Mobiles Peer-to-Peer-Payment bieten aber schon Snapchat, Square Cash und Venmo. Facebook nun auch. Geld verdienen will Facebook an dem Service angeblich nicht. Es werden jedenfalls - bislang! - keine Gebühren erhoben. Doch es dürfte wohl kaum darum gehen, die User glücklich zu machen. Facebook wil vielmehr das Fundament für ein eigenes Zahlungssystem legen, mit dem man schon bald auch digitale Güter (Spiele, Musik, Fotos, Videos) wird bezahlen können. Und dann wird kräftig verdient! Jetzt sollen die User erst mal daran gewöhnt werden, dass es geht.


So erklärt Facebook sein neues Bezahlsystem


Nur Platz für zwei, drei Anbieter
Zwar drängeln gerade alle ins Bezahl-Business. Doch die meisten werden scheitern. Selbst Google ist es bislang nicht gelungen, sein Bezahlsystem Google Wallet zum Erfolg zu führen. Die vielen, vielen Apps, die mobiles Bezahlen ermöglichen sollen und wollen, kommen nie aus einer Prototyp-Phase heraus.

Wenn es um Geld geht, zählt halt Vertrauen - und nur wenige Unternehmen bekommen das nötige Vertrauen entgegengebracht. Langfristig haben nur zwei, drei Anbieter die Chance, eine relevante Rolle beim Bezahlen zu spielen. Dazu gehört in meinen Augen eindeutig Apple Pay. Denn Apple Pay ist ein äußerst klug ausgedachtes System, das die Daten des Konsumenten schützt, schnell und zuverlässig funktioniert und auch nicht viel kostet. Vor allem am "Point of Sale", also in der "echten Welt", dürfte sich Apple Pay durchsetzen.

In der Onlinewelt ist es eindeutig Paypal. Man mag von diesem Bezahlsystem halten, was man will, aber es ist weit verbreitet. Bei Händlern wie bei Kunden. Es braucht kein weiteres Bezahlsystem, es sei denn, es hat unschlagbare Vorteile. Die sehe ich weder bei Samsung Pay, noch bei "Pay to Smile" und schon gar nicht bei Facebooks Payment System. Klar: Es ist komfortabel. Aber das ist es dann auch schon. Gut möglich, dass sich ein eigenes Bezahlsystem von Facebook in Facebook selbst etabliert. Aber es wird nicht den Markt aufrollen.

Kommentieren



Die mit * gekennzeichneten Felder müssen ausgefüllt werden.


Angaben speichern (Cookie)?


Um Ihren Kommentar zu versenden, beantworten Sie bitte die folgende Frage:


Trackbacks zum Eintrag Geld beamen mit Facebook

Zum Anfang dieses Eintrags

 
 

März 2015

Mo Di Mi Do Fr Sa So
1
2 3 4 5 6 7 8
9 10 11 12 13 14 15
16 17 18 19 20 21 22
23 24 25 26 27 28 29
30 31

Über das Blog

Digitalistan: Heimatkundliches aus dem Land der Einsen und Nullen

Suche im Blog

Aktuelle Einträge

Autoren

Blogregeln und Glossar

Newsreader-Feeds (XML/RSS)


Permanente URL dieser Seite: http://wdrblog.de/digitalistan/