Dienstag, 13.05.2014

Absurd: Google soll weniger finden

Was einmal im Internet landet, das geht so schnell nicht wieder weg. "Das Internet vergisst nichts", heißt es gerne. So ganz stimmt das nicht. Wer meint, Opfer von Verunglimpfung zu sein, wer meint, andere würden ihm übel nachreden oder bewusst falsche Dinge behaupten, der kann sich jederzeit juristisch dagegen wehren. Dazu muss man zwar oft einen Rechtsanwalt einschalten, aber das ist keine Besonderheit des Internets. Wenn in der Offline-Welt so etwas passiert, muss man genauso vorgehen. Das Internet macht aber natürlich bequemer sichtbar, was andere mal geschrieben oder eben online gestellt haben. Die Zeitung von gestern landet im Altpapier - die Webseite von gestern im Suchindex der Suchmaschinen.

Google Logo mit Schatten von Personen davor; Rechte: dpa/Picture Alliance
Google soll künftiger weniger finden


Das Recht auf Vergessen
Und da sind wir bei einem Problem, das manche durchaus haben: Die blöden Suchmaschinen zerren auch Unerfreuliches ans Tageslicht. Ohne Suchmaschine wären die wenig schmeichelhaften Berichte oder Kommentare zwar auch im Netz, aber Suchmaschinen finden so etwas. Genau das Problem eines Spaniers. Es gab 1998 negative Zeitungsberichte über ihn - und Google hat sie rausgekramt, wenn sein Name eingetippt wurde. Das ist auch die Aufgabe einer Suchmaschine (unter anderem).

Doch der spanische Mitbürger hat geklagt, bis zum Europäischen Gerichtshof (EuGH). Der sollte prüfen, ob so ein Langzeitgedächtnis mit dem europäischen Datenschutz zu vereinbaren sei. Der ARD: EuGH hat entschieden: Nein, ist es nicht. Im Klartext: Google muss ab sofort in Europa auf Verlangen von Privatpersonen Links entfernen, die zu wenig schmeichelhaften Informationen verweisen. Prominente müssen sich laut Richter mehr gefallen lassen, weil sie Personen des öffentlichen Interesses sind. So gesehen dürfte der aktuelle Entscheid nicht bedeuten, dass zum Beispiel Bettina Wulff sich Hoffnungen machen darf, dass ihre Einträge bei Google verschwinden.

Gebäude EuGH; Rechte: dpa/Picture Alliance
Der Europäische Gerichtshof hat entschieden: Links müssen weg


Suchmaschinen machen ihren Job
Ehrlich gesagt überrascht mich das WWW: Urteil. Es schockt mich sogar. Denn Google für die Inhalte verantwortlich zu machen, die andere ins Netz stellen, ist schon eine arg kreative Auslegung von Verantwortung. Wenn man als Gericht das Recht auf Vergessen im Internet etablieren möchte, so wäre es doch zweifellos sinnvoller, das Übel an der Wurzel zu packen und das Recht zu stärken, auf Entfernung von tatsächlich vorhandenen Inhalten zu pochen - nicht auf das Entfernen von Links.

Mal wieder ein Urteil, das mit dem Wesen des Internets nichts zu tun hat. Und zudem auch aus praktischer Sicht eher schwierig ist. Zwar ist Google die marktführende Suchmaschine, aber eben nicht die einzige. Wenn sich jemand über Inhalte im Netz ärgert, muss er also künftig alle Suchmaschinen abklappern und das Entfernen der Links beantragen. Viel sinnvoller ist es, die eigentlichen Inhalte zu bekämpfen, die einen stören. Und logischer wäre es auch. Nicht die Müllkippe soll weg, sondern die Hinweisschilder dahin verschwinden. Absurd.

Einen Punkt möchte ich gerne heraus greifen:

Falls ich Google auffordern möchte, einen meine Persönlichkeit verletzenden Link zu löschen, so ergibt sich für mich die Frage:

Welche Adresse hat Google denn? (Nämlich gar keine offizielle)

Gerhard Hallstein am 13.05.14 15:11

So einen absurden Kommentar habe ich auch schon länger nicht mehr gelesen. Der EuGH sagt nicht, dass die Quelle ("Müllkippe") nicht weg soll. Er sagt nur, dass man eben auch die Symptome angreifen kann. Mal abgesehen davon wird Google durch Cache-Funktionen u.Ä. selbst zur Quelle/Müllkippe.

Ungemüt am 13.05.14 22:07

WIr haben vor knapp 2 Jahren unser Forum relauncht - viele User löschten kurz DAVOR ihr Profil, damit die alten Einträge nicht auf die neuen Seiten übernommen wurden (muss man nicht verstehen, war aber so...).
Nun stellte sich nach dem Neustart natürlich heraus, dass viele Dinge zwar nicht mehr auf unseren Seiten aber eben über Google zu finden waren - auch wenn der Link dann ins Leere führte, vielen reichten schon die Infos in Head, URL oder Snippet.
Und bis heute - also knapp 2 Jahre später - sind immer noch solche Einträge bei Google zu finden - weil die Menschen nämlich immer wieder nachschauen, Freunde auffordern doch mal zu schauen ("Siehst du das bei dir zu Hause auch?") und dadurch die Relevanz anscheinend einigermaßen gewährleistet bleibt.

Natürlich wäre es wünschenswert, Menschen würden vorher denken und Klarnamen, Geburtsdaten der Kinder NICHT in öffentliche Foren schreiben, zumal in die Ü - aber dieser Lernprozess findet eben erst seit Kurzem statt.

MDecker am 14.05.14 12:03

Ein vollkommen weltfremdes und praxisfremdes Urteil. Nach meiner Meinung zeigt dies nur wieder einmal, dass die Verantwortlichen keinen bzw. wenig Sachverstand in Bezug auf das Internet haben oder ihre fachlichen Berater dieses Wissen gleichfalls fehlt. Eine Suchmaschine dafür verantwortlich zu machen, was "nicht mehr im Internet sein sollte", ist wohl das Dümmste was man sich vorstellen kann. Das Problem an der Wurzel zu packen, dies ist wahrscheinlich nicht gewünscht.

Nutzer am 16.05.14 13:07

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Dienstag, 13.05.2014

Wo liegt eigentlich die Ukraine?

Alle reden gerade über die Ukraine - aber wo liegt dieses Land eigentlich? Diese Frage hat die Washington Post jetzt 2.066 Amerikanern gestellt. Sie sollten die Ukraine auf einer digitalen Weltkarte lokalisieren. Doch nur etwa jedem sechsten (16%) ist es gelungen, auf der hochaufgelösten Onlinekarte zumindest ungefähr die tatsächliche Region in Osteuropa auszuwählen. Fünf von sechs Probanden lagen daneben. Selbst in Brasilien, USA oder Australien haben manche die Ukraine verortet.

ukraine_map.png
Wo ist sie denn, die Ukraine?

Die Weltkarte kann man sich WWW: hier anschauen. Interessanterweise haben deutlich mehr jüngere User die Ukraine korrekt lokalisiert als ältere Amerikaner, Männer waren besser als Frauen. Die genaueren Hintergründe zur Auswertung der Umfrage hat die Washington Post in WWW: ihrem Blog veröffentlicht.

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Dienstag, 13.05.2014

Schnelle Pixelmuster

Wenn ich länger auf einen QR-Code gucke, wird mir schwindelig. Deshalb lasse ich es, denn mit bloßem Auge lesen kann ich dieses kryptische Zickzackmuster aus schwarz und weiß eh nicht. Erst eine QR-Scanner-App führt mich zur eigentlichen Botschaft: einer passenden Seite im Internet. Aber ob ich die überhaupt sehen will, weiß ich erst, wenn ich drauf bin.

Die meisten QR-Scanner leiten mich nämlich ungefragt auf die Internetseite weiter, die mit dem Pixelmuster verknüpft ist. So kann es vorkommen, dass ich ein Wahlplakat abscanne und plötzlich auf einer Pornoseite lande, weil irgendwelche Spaßvögel die echten mit gefälschten Codes überklebt haben. Aber selbst, wenn ich vorher testknibbel und wirklich genau gucke, ob der Code nachträglich aufgebracht oder versiegelt und garantiert original hinter Glas ist, kommt es vor, dass sich Seiten öffnen, die ich gar nicht erwarte. So kann hinter dem QR-Code auf eines Schokoriegels ein Online-Shop für Rezeptbücher stecken und in der Obdachlosenzeitschrift gelangt man beim Scannen des QR-Codes zu einem allgemeinen Spendenaufruf.

Sushi-QR-Code; Rechte: MSC/WDR

An allen Ecken kommen mir QR-Codes mittlerweile entgegen: in Zeitschriften, auf Lebensmittelverpackungen, Gutscheinen, an historischen Gebäuden und sogar im Fernsehen. In England und in den USA werden sogar Grabsteine mit QR-Codes versehen, um zu digitalen Gedenkseiten mit Fotos oder Musik zu leiten. Inzwischen gibt es das WDR: Angebot auch in NRW - und die Stadt Köln hat es kürzlich auf ihren Friedhöfen erlaubt. Schon vor längerer Zeit wurde WWW: Sushi von MSC mit QR-Codes versehen, damit die Käufer die Nachhaltigkeit des Fischfangs nachvollziehen konnten.

Ich nutze QR-Codes ehrlich gesagt herzlich wenig. Laut zweiner Studien von ComScore sind wir Deutschen aber an Platz 1 im WWW: Europa-Vergleich und wenn es nach einigen Herstellern geht, soll irgendwann sogar das WWW: Bezahlen mit QR-Codes machbar sein. Zukunftsmusik dort, während in Bochum an der WWW: Ruhr-Uni schon Versuche scheitern, QR-Codes als Fahrschein für die Stadtbahn auf die Studi-Ausweise zu drucken - weil den Verkehrsbetrieben die entsprechenden Lesegeräte fehlen. Ich als Nutzer möchte eh erstmal sicher sein, dass QR-Codes sicher sind. Und das ist bisher zumindest nicht immer der Fall.

QR-Scanner; Rechte: WDR/Horn

QR-Codes können auf Phishing-Seiten oder Seiten voller Spam und Troyaner leiten. Das können "normale" Links, URLs oder Fotos, die ich anklicke auch. Aber genau deshalb sollte ich mich und mein Handy genauso wie meinen heimischen Rechner schützen: mit entsprechenden Anti-Virus-Programmen und Malware-Apps. Und durch die Wahl des richtigen QR-Code-Scanners.

Die Internetkampagne WWW: Klicksafe von der EU sagt, der Scanner sollte nicht zu viele Berechtigungen haben. Einige Apps wollen zum Beispiel das Telefonbuch auslesen. Völlig unnötig. Eine Möglichkeit für Android ist da zum Beispiel QR-Droid Private - diese Folgeversion verzichtet auf das Auslesen privater Daten. Für Apple wird hier "Qrafter" gerne genutzt. Am besten sind dabei immer Apps, die sich konfigurieren lassen. Sprich: Ich kann mir die gescannte URL vorab anzeigen lassen und entscheide dann, ob ich weitergeleitet werde oder nicht.

QRCode-Generierung; Rechte: WDR/Horn

Im Gegensatz zu Barcodes auf Büchern oder Retouraufklebern, also Strichcodes mit binären Informationen, können QR-Codes mit zig beliebigen Informationen hinterlegt werden - Links, PDFs, Email-Adressen, Logos. Entwickelt wurden sie bei Toyota Anfang der 90er, um Autoteile damit zu versehen und die Logistik zu vereinfachen. Ich kann meine Codes mittlerweile gestalten wie ich will, wie man bei QRCode-Monkey sehen kann. Und wenn man besser versteht, wie sie aufgebaut sind, kann man Fälschungen ja vielleicht besser enttarnen.

Essbare QR-Codes; Rechte: WDR/Horn

Um ganz sicher zu sein, was hinter den Codes steckt, muss man sie vielleicht einfach selbst programmieren. Das geht zum Beispiel mit essbaren QR-Codes. Die kann ich einfach auf Kekse backen, mit einer Geburtstagseinladung oder Fotos im Netz verknüpfen, verschenken, scannen und genießen - ganz ohne faden Beigeschmack.

Unsere Blogger Anita Horn und Dennis Horn sind weder verwandt noch verheiratet, aber umso besser vernetzt. Sie entdecken jede Woche digitale Perlen: spannende Webseiten, lustige Links und Angebote, die den Alltag bereichern - hier im Blog und jeden Donnerstag in der WWW: WDR5 LebensArt im Radio.

Sicher, dass es an den Lesegeräten in Bochum liegt? Ich fahre (mit regulären Tickets) in Bochum fast nur per QR-Code (mit HandyTicket).

Jens am 13.05.14 14:31

In Gesprächen mit der Uni Bochum wurde mir bestätigt, dass das Vorhaben damals auf Grund von Schwierigkeiten mit den Lesegeräten gescheitert ist. Die Codes auf regulären Tickets sind aber häufig spezielle Barcodes und keine QR-Codes, so dass die Handytickets vermutlich mit anderen Geräten gelesen werden.

Anita Horn am 13.05.14 14:54

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