Donnerstag, 13.03.2014

25 Jahre WWW | 1996: Lasst den Kommerz beginnen

Als Tim Berners-Lee seine Idee für ein Blog: weltweites Netzwerk für Dokumente hatte, da hat er nicht an Onlineshopping und Kommerz gedacht. Er hatte vielmehr - ganz Wissenschaftler! - die Vermehrung des Wissens im Blick. Wissen sollte schneller, einfacher und bequemer verfügbar sein.

Doch Geld regiert die Welt. Schnell haben eher geschäftstüchtige Zeitgenossen ihre Chance erkannt, das im Entstehen begriffene World Wide Web für sich zu nutzen. Ein Sprungbrett für frische Ideen. Es ist sicher kein Zufall, dass kurz nach Einführung der ersten breit verfügbaren Browser gleich zwei der wichtigsten Onlineshops an den Start gegangen sind. Amazon wurde 1994 gegründet, eBay folgte 1995. Die Welt des Einkaufens haben beide verändert - und zwar radikal.


Die Geschichte von Amazon (1994 - 2000) in der Timeline


Amazon hat das WWW verändert
Amazon ist in Seattle gestartet, in jener Stadt also, in der auch Microsoft ihren Hauptsitz hat (zumindest in der Nähe, in Redmond) und in der Starbucks gegründet wurde. Gestartet war Amazon als reiner Online-Buchladen. Gegründet von Jeff Bezos, kein klassischer Entrepreneur, kein Geschäftsmann, sondern ein Informatiker. Aber dann doch ein Informatiker mit ausgeprägtem Geschäftssinn, einer, der sehr früh begriffen hat, wohin die Reise geht. Und der behutsam in die neue Zeit gestartet ist: Indem er ein "altes", bewährtes Medium, das Buch, in einem neuen Medium verkauft. Alt und Neu zu vermischen ist ein bewährtes Konzept: Als das Fernsehen an den Start ging, konnte man sich auch vor allem Theateraufführungen in der Flimmerkiste anschauen.

Heute ist Amazon der größte Onlineshop der Welt. Man kann dort praktisch alles kaufen, selbst frische Lebensmittel. Amazon stellt aber auch eigene Hardware wie den Blog: Kindle her, betreibt Onlinedienste für Blog: Musik und Blog: Online-Videotheken - und will jetzt mit einem eigenen Buchprogramm sogar den klassischen Verlagen Konkurrenz machen. Dass Blog: viele Startups die IT-Infrastruktur von Amazon nutzen, also Server und Speicherkapazitäten, wissen auch nur die wenigsten. Amazon ist zweifellos zum Big Player aufgestiegen und hat das World Wide Web entscheidend geprägt. Bis heute.

eBay und Nokia springen auf den Zug auf
Aber auch eBay hat das Geschichte des WWW geprägt. Zum ersten Mal konnte jeder etwas öffentlich verkaufen - und das nicht nur auf dem Trödelmarkt im eigenen Stadtteil, sondern weltweit. eBay war das erste Online-Auktionshaus, eine Plattform, die private Käufer und Verkäufer zusammenbringt. Einige andere wollten das Konzept kopieren, doch die haben sich nicht durchgesetzt. eBay hat Hemmschwellen abgebaut. Menschen haben im großen Stil online eingekauft - und auch verkauft. Weil so etwas "im echten Leben" vorher nicht möglich gewesen ist, war eBay für viele zweifellos ein entscheidender Grund, überhaupt ins Web zu gehen.

Aber 1996 ist noch etwas passiert, woran ich mich gut erinnern kann: Mit dem WWW: Nokia Communicator 9000 konnte man zum ersten Mal mit einem WWW: Handy online gehen. Ich habe mir damals direkt eins gekauft. Ein Handy mit kompletter Tastatur und der Möglichkeit, unterwegs E-Mails auszutauschen - damals sensationell. Es kann keinen Zweifel daran geben, dass Nokias Communicator die Art und Weise verändert hat, wie wir online gehen. Nämlich auch drahtlos, unterwegs. Zum ersten Mal konnte man das Internet in die Tasche stecken - zumindest einen Teil davon.

nokia_9000.png
Nokia Communicator 9000: Das Web in die Tasche stecken


25 Jahre WWW: Das ist Grund zum Feiern. Wir bringen hier in Digitalistan nun jeden Tag einen kurzen Eintrag mit Geschichten, Anekdoten und Hintergründen zur Entwicklung des World Wide Web. Jeden Tag ein anderes Jahr. Blog: Hier gibt's die Übersicht: 25 Jahre WWW.

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Donnerstag, 13.03.2014

Schlauer? Dümmer? Größer? Kleiner?

Eine der spannendsten Fragen zurzeit ist die, in welche Richtung sich das Fernsehen entwickelt. Werden die Fernseher nun schlauer? Oder vielleicht eher dümmer? Werden sie größer? Kleiner? Und vielleicht gekrümmter? Oder bleibt einfach alles, wie es ist?

Nutzung verschiedener Smart-TV-Funktionen; Rechte: NPD Group Da wäre zum einen das Thema Smart TV: Internet und Apps auf dem großen Fernseher. Hier auf der CeBIT ist es in diesem Jahr kein großes Thema - verständlich, denn man weiß, dass diese Funktionen bisher kaum genutzt werden. Das hat WWW: eine Statistik im vergangenen Jahr gezeigt: Mit Smart TVs wird vor allem ferngesehen - das war's. Videos nehmen in der Nutzung selbstverständlich die Spitzenposition ein. Musik per Smart TV hören rund 15 Prozent der Nutzer, ins Netz gehen unter 10 Prozent. Die weiteren Zahlen zeigt die Grafik rechts.

Ein weiteres Thema: leicht gekrümmte Fernseher. Deren Macher versprechen schon lange mehr Atmosphäre mit "Curved TVs" - ein bisschen Arena-Stimmung für zu Hause. Tatsächlich hat allein Blog: unser Test des ersten gekrümmten Smartphones in Deutschland gezeigt: Ein gekrümmtes Display macht tatsächlich Spaß. Warum ich aber mehr Geld dafür ausgeben soll, hat sich mir bisher noch nicht erschlossen.

3D-Funktionen sind sowieso durch. Sie waren noch in den vergangenen beiden Jahren die große Marketingmasche. Auf der CeBIT gab es sogar einen eigenen 3D-Bereich, in dem es ausschließlich um solche Funktionen ging. 3D-Fernsehen bleibt aber höchstens für Filmfans interessant: Nur auf Blu-ray und DVD gibt es passende Inhalte. Abgesehen davon: Möchte ich wirklich dauernd eine 3D-Brille tragen, um fernzusehen?

Bleibt noch das Thema 4K, dem sich die Hersteller nun offenbar verschrieben haben - WWW: auch hier auf der CeBIT. Das vierfache HD-Format fasziniert: Motive auf den extrem großen Bildschirmen sehen aus wie gedruckt. Das Gefühl, vor einem dieser Geräte zu sitzen, fühlt sich fast an wie Kino. Doch auch hier ein großer Haken: Fürs 4K-Fernsehen gibt es bis auf die schicken Demovideos bisher kaum Inhalte. Bis es dazu kommt, könnten noch einige Jahre vergehen - und zum Teil fünfstellige Summen für einen Fernseher will heute ja auch noch niemand ausgeben.

4K-Fernseher; Rechte: picture-alliance/dpa/Rainer Jensen
"4K" steht für die vierfache HD-Auflösung. Diesem Trend mit unfassbar scharfen Bildern, hier imposant zu sehen auf der letzten IFA in Berlin, haben sich zurzeit die meisten Hersteller verschrieben.

Die Welt scheint noch nicht bereit für einen neuen Hype beim Fernsehen - und ich glaube ja insgeheim auch, dass die Revolution eher durch die Hintertüre kommt. Das gilt wortwörtlich: Geräte wie VideoWeb TV, Apple TV oder der Google Chromecast, der in den kommenden Tagen auch in Deutschland auf den Markt kommen wird, ermöglichen Smart TV für alle - zum Anstecken. Dafür brauche ich noch nicht mal mehr einen teuren Fernseher mit allem Zippzapp: Ein smartes Zusatzgerät reicht mir völlig aus.

Spannend finde ich dabei auch die möglichen neuen Bedienkonzepte: Den Google Chromecast steuere ich zum Beispiel ausschließlich per Smartphone. Das ist zwar zum Teil noch schwerfällig, wenn die Bedienungsinformationen von meinem Smartphone übers WLAN bis zum Chromecast geleitet werden müssen. Aber das Smartphone halte ich eh den ganzen Tag in der Hand - und es ist mir lieber als jede Fernbedienung, die so kompliziert ist, dass ich sie nur nach einem passenden Master-Studiengang verstehe.

Könnte das sein? Dass Smart TV, Curved TV, 4K und all die Trends für den Fernseher an sich egal sind, Fernseher eher dümmer statt schlauer werden, unser Smartphone zur Fernbedienung - und all die kleinen Geräte von außen das "next big thing" sind?


Unsere Blogger Anita Horn und Dennis Horn sind weder verwandt noch verheiratet, aber umso besser vernetzt. Sie entdecken jede Woche digitale Perlen: spannende Webseiten, lustige Links und Angebote, die den Alltag bereichern - hier im Blog, jeden Donnerstag in der WWW: WDR 5 LebensArt im Radio und einmal im Monat in der WDR: Servicezeit im WDR Fernsehen.

Etwas ist ganz wichtig. Im Text wird darauf hingewiesen. Ansonsten ist es vielleicht nicht jedem sofort klar. Die neuen Formate brauchen eine neue Programmquelle! Was nützt der HD-Fernseher, wenn man nur DVB-T in einfacher Auflösung empfängt? Was nützen 3D oder 4K, wenn man gar keine Quelle hat?

Wer ein neues Gerät kaufen will, sollte sich unbedingt erkundigen, bei welchen Programme die neuen Funktionen nützlich sind! Bei mir ist es vielleicht etwas untypisch. Ich schaue wenig fern, und ich bin in einem DVB-T-Kernbereich. Sämtliche für mich wichtigen Programme bekomme ich mit Stummelantenne. Neu brauche ich nur ein paar handliche tragbare Geräte für DVB-T. Die gibt es leider (noch?) nicht beim Sperrmüll ;-)

Mich wundert, dass jedes Gerät ans Internet soll. Warum gibt es nicht mehr Smartphones und Tablets mit normalem Radio und mit DVB-T?

Bertram in Mainz am 14.03.14 23:43

Als ehemaliger Radio- und FS-Techniker erinnere ich mich: nach AM (Kurz,- Lange und Mittel-Welle kam UKW. Welch ein Qualitäts-Sprung. Später Stereo. Dann Schwarz-Weiß-Fersehenen - eine fundamentale Neuerung. Farb-Fernsehen - eine enorme Entwicklung, Erweiterung und Bereicherung der (medialen) Wahrnehmung. Fortschritt durch Digital-Radio- und FS und irgendwann HDTV in Verbindung mit der Einführung anderer Bildwandler (Bildröhre > Flat.) Ich kann auf diesem Sektor (keine PC- und Kommunikations-Technik) nichts sehen und erkennen was mich (gleichermassen) überzeugt und beeindruckt. Vieles sind Variationen und Kombinationen. Etwas echt grundlegend Neues ist wohl bei/mit der "Bewegtbildübertragung" durch die Fernsehtechnik nicht in Sicht. Oder? Bin ich Fernsehblind geworden? Vermutlich weil mich der PC im Griff hat.

Volkmann, Kurt am 20.03.14 19:35

Eine interessante Frage: "Werden Fernseher schlauer?" Möglicherweise! Man merkt es aber erst bei dummen Programmen. Wissenschaftler haben festgestellt, dass sich einige der immer intelligenter werdenden Geräte bei dummen TV-Programmen unterfordert fühlen und dann von sich aus abschalten. Die Geräte der neuen Generation haben jedoch eine Content-Warnfunktion, die sich vor dem Abschalten bemerkbar macht.

Robert am 31.03.14 13:12

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Mittwoch, 12.03.2014

25 Jahre WWW | Magna Carta fürs Web

1989 war ein ereignisreiches Jahr: Es ist nicht nur die Berliner Mauer gefallen, sondern auch das World Wide Web entstanden. Als offizieller Starttermin für das World Wide Web (WWW) gilt der 12. März 1989. Damals hatte der Physiker Tim Berners-Lee die Blog: folgenreiche Idee, ein vernetztes Hyperlink-Netzwerk aufzubauen. Ein Netzwerk, das wir heute als Blog: World Wide Web kennen - und das viele fälschlicherweise mit dem Internet gleichsetzen. Das World Wide Web ist aber nicht das Internet - und das Internet ist wiederum nicht das World Wide Web. Richtig ist: Das WWW ist Bestandteil des Internet. Das Internet selbst gibt es schon deutlich länger.

Erster Webserver der Welt; Rechte: dpa/Picture Alliance
Der erste Web-Server der Welt: Hier entstand 1989 das WWW

Über vier Milliarden Webseiten weltweit
Die erste Webseite aller Zeiten WWW: sieht schlicht und simpel aus. Das erste ins Web gestellte und so öffentlich gestellte WWW: Foto ist das von einer Girl-Band. Mittlerweile zählt man - zumindest offiziell - mehr als vier Milliarden Webseiten. In Wahrheit kann man die einzelnen Seiten gar nicht mehr zählen, da die meisten Webseiten dynamisch generiert werden. Mitunter bekommt jeder User eine andere Webseitenstruktur zu sehen. Hinzu kommen die Inhalte von Facebook und Co., die streng genommen ja auch als Webseiten betrachtet werden müssen.

Das World Wide Web ist enorm gewachsen - und damit auch die Verantwortung, damit vernünftig umzugehen. Im Grunde genommen gelten noch immer dieselben Spielregeln wie vor 25 Jahren. Bedenkt man, welche Bedeutung das World Wide Web damals hatte - es war vor allem für den wissenschaftlichen Zweck gedacht - und welche Bedeutung es heute hat, ist das eigentlich kaum zu vertreten. Deshalb ist es auch kein Wunder, dass WWW-Erfinder Berners-Lee einen grundsätzlichen Wandel fordert. Berners-Lee fordert eine WWW: Magna Carta fürs Internetzeitalter.

Tim Berners-Lee; Rechte: dpa/Picture Alliance
Tim Berners-Lee ist nachdenklich geworden

Berners-Lee verlangt nach einer Verfassung fürs Netz
"We need a global constitution - a bill of rights", sagt der britische Physiker und Vater des WWW. Er verlangt nach einer Verfassung fürs Netz - Grund- und Menschenrechte inklusive. Und er hat damit Recht. Solche international geltenden Spielregeln sollen helfen, sich gegen Regierungen, Privatunternehmen und öffentlichen Einrichtungen durchzusetzen, wo es nötig wird. Allzu oft versuchen Regierungen und Unternehmen, das Web zu missbrauchen, sie spionieren, manipulieren und jonglieren mit Daten. Für User in aller Welt ein unhaltbarer Zustand, zumal es überall auf der Welt anders gehandhabt wird. In den USA wird ungeniert spioniert, in der Türkei will die Regierung Facebook und Youtube abschalten, weil es dort kritische Stimmen gibt. Willkür pur - das ist die Realität.

Wenn jemand wie Tim Berners-Lee solche konkreten Forderungen stellt, wird das vielleicht eher gehört. Es gibt auch schon konkrete Projekte wie die WWW: Web We Want-Kampagne. Sie will erreichen, dass in jedem Land ein Rechtekatalog fürs Internet entsteht, und das auf möglichst breiter globaler Basis. Wenn sich hier nichts tut, dann befürchtet Tim Berners-Lee - und nicht nur er! -, dass aus einem Instrument der Freiheit und Information ein Instrument der Überwachung und Freiheitsbeschneidung werden könnte.

Eigentlich schade, dass der Vater des WWW anlässlich des 25. Geburtstags solche mahnenden Worte loswerden muss. Ich kann sie nur unterschreiben, gratuliere dem Web aber trotzdem zum 25. Geburtstag.

25 Jahre WWW: Das ist Grund zum Feiern. Wir bringen hier in Digitalistan nun jeden Tag einen kurzen Eintrag mit Geschichten, Anekdoten und Hintergründen zur Entwicklung des World Wide Web. Jeden Tag ein anderes Jahr. Blog: Hier gibt's die Übersicht: 25 Jahre WWW.

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