Donnerstag, 14.02.2013
Die App zum Valentinstag
Blumen für die Angebetete? Pfftt ... Langweilig. Ein paar Schokoherzen? Also bitte ... Wer mit der Zeit geht und was auf sich hält, muss Ausschau halten nach neuen Aufmerksamkeiten, die noch keiner kennt, die einen gewissen Überraschungseffekt haben. So etwas habe ich heute tatsächlich gefunden: Die
Smartphone-App Re:beat von Rebtel sorgt für einen ungewöhnlichen Valentinsgruß. Die App gibt's für iPhone und für Android.
"Mein Herz schlägt nur für Dich." "Ich bin nur einen Herzschlag von Dir entfernt." OK, das klingt schmalzig, passt aber eben zur App. Wer Re:beat lädt, kann mit der App seinen Herzschlag bzw. Puls messen. Dazu soll man seinen Finger auf die Kameralinse legen, die soll das Pulsieren des Bluts erkennen. Das klappt aber nicht immer. Falls nicht, soll der App-User im Takt seines Herzschlags auf den Touchscreen tippen ... Bei mir hat es funktioniert - und die Rate (64 Schläge in der Minute) erschien durchaus plausibel.
Happy Valentine's day: App misst Pulsschlag und verschickt individuelle eCard
Ist aber letztlich auch nicht so wichtig. Der Gag ist schließlich der, dass der/die Valentine eine individuelle Grußbotschaft bekommt. Eine virtuelle Karte mit quietschrotem Herzen und Angaben zum Puls (das soll das Ganze individuell und persönlich machen) und natürlich einen Spruch. Derzeit nur in Englisch, zumindest, wenn man die Standardsprüche verwendet.
Was soll man da noch sagen - außer: Happy Valentine's day.
WAS ist an etwas derart einfallslosem Individuell,oder gar Originell?NICHTS!Statt dessen vileicht ein Handgeschriebener Liebesbrief auf_gutem_ Papier und dies mit Worten,das die Liebste diesen Brief fuer alle Ewigkeit aufzubewahren bereit ist?Zudem ZEIT mit ihr verbringen auf eine Weise wie SIE es sich wuenscht-mehr Wert als alle Suessigkeiten oder Blumen.Selbst Suessigkeiten und Blumen waeren in jedem Fall besser als etwas derart Phantasieloses wie ein Computerprogramm!
Kopfschuettel am 15.02.13 14:48
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Dienstag, 12.02.2013
Wenn Lobbyisten Gesetze diktieren
Der Vorwurf ist nicht neu, der Verdacht ohnehin nicht, doch plötzlich wird alles so greifbar und konkret: Lobbyisten sind offensichtlich erfolgreicher, als man denkt. Wenn die EU Gesetze macht, spitzen Lobbyisten aus aller Welt den Bleistift. Denn die Chancen stehen gut, dass es ihre Formulierungen ins Gesetz schaffen. Oft genug sogar wortwörtlich, wie das jetzt an den Start gegangene Projekt
Lobbyplag eindrucksvoll dokumentiert.
Lobbyplag will uns zeigen, wie EU-Gesetze eigentlich zustande kommen - und uns auch ein bisschen die Augen öffnen. Dazu werden Gesetzestexte oder Entwürfe von geplanten Richtlinien mit - offiziellen wie inoffiziellen - Papieren von Lobbyisten, Verbänden und Unternehmen verglichen. Lobbyplag hat gerade erst seine Arbeit aufgenommen und ist gleich fündig geworden: Es finden sich jede Menge konkrete Hinweise, wie erfolgreich Lobbyisten in Brüssel souffliert haben.
Lobbyplag dokumentiert detailreich übereinstimmende Textpassagen
Lobbyisten formulieren komplette Passagen vor
Die aktuell diskutierte EU-Datenschutzverordnung beispielsweise enthält diverse Formulierungen, teilweise mehrere Sätze lang, die von Amazon, eBay und Co. kommen. Wortwörtlich übernommen. Da fragt man sich als steuerzahlender EU-Bürger doch schon: Was soll das? Wie kann es sein, dass Vorschläge Wort für Wort in eine EU-Richtlinie übernommen werden? Allerhöchste Zeit, scheint mir, dass die Naivität der Realität Platz macht - so schwer das fallen mag.
Lobbyplag dokumentiert eindrucksvoll, wie erfolgreich Lobbyisten sind. Das Portal nutzt öffentlich zugängliche Informationen und sogenannten "Spenden", also anonym eingeschickte Dokumente, um die penible Vergleichsarbeit zu ermöglichen. Im Prinzip funktioniert Lobbyplag ganz ähnlich wie
Vroniplag, das so manchen prominenten Politiker als Plagiator überführt hat. Software durchforstet vorhandenes Datenmaterial nach möglicherweise kopierten Textstellen. Freiwillige Helfer dokumentieren die Textstellen dann in mühevoller Kleinarbeit. Über das Portal kann sich jeder selbst einen Eindruck vom Umfang des möglichen Plagiats machen.
Die ersten Projekte, die sich Lobbyplag vorgenommen hat
Erfreulich: Lobbyplag sorgt für mehr Transparenz
An den Kragen geht es Gesetzestexten und Richtlinien. Mehr Transparenz kann nur gut sein. Zwar sagen selbst Kritiker: Hier und da darf ruhig mal ein Textvorschlag in ein Gesetz übernommen werden - aber es sollte doch zumindest die Quelle genannt werden, damit jeder sehen kann, wer sich da durchgesetzt hat, wessen Interessen da vertreten werden. Absolut richtig: Und weil die Politik dies nicht selbst dokumentiert - von den Lobbyisten kann man das wohl kaum erwarten -, springt nun Lobbyplag ein und fahndet nach den (möglichen) Quellen.
Jetzt sollte nur noch die Datenbasis verbreitert werden, die Lobbyplag bei den Recherchen nutzt. Denn natürlich machen auch Bürgerrechtsbewegungen, Verbände oder gemeinnützige Institutionen erfolgreiche Lobbyarbeit. Auch deren Formulierungen schaffen es mitunter in die Legislative. Der Punkt ist: Wir wollen es wissen. Je mehr über die Entstehung eines Gesetzes oder einer Richtlinie bekannt ist, umso besser.
Lobbyplag: Eine Idee von engagierten Journalisten
Hinter Lobbyplag stehen keine Technik-Fans, die möglich machen, was möglich ist, sondern Journalisten wie Richard Gutjahr, der in seinem
Blog erklärt, wie es zu Lobbyplag gekommen ist. Auch
Opendatacity macht ehrenamtlich bei dem Projekt mit: Dem Portal haben wir unter anderem das wunderbare Tool zu verdanken, das täglich ermittelt, wie viele
Musikvideos in Deutschland auf Youtube nicht erreichbar sind. Opendatacity kennt sich damit aus, Daten zu analysieren und zu visualisieren.
Richard Gutjahr bringt es schön auf den Punkt: Der BR-Journalist klagt die "Copy&Paste-Gesetzgeber aus Brüssel" an - und dokumentiert auch die üblichen Ausreden: "Ich wusste offensichtlich am Ende auch nicht mehr, [...] welcher Text mein eigener und welcher möglicherweise ein Fremdtext war", versucht sich da ein Parlamentarier rauszureden. So ist das wohl, wenn man viele Quellen bemüht. Wobei einem Textprogramme wie Word durchaus helfen, den Überblick zu bewahren, wenn man es richtig anstellt - und wenn man es möchte.
Mir gefallen Angebote wie
Lobbyplag,
Abgeordnetenwatch,
Landtagslupe NRW oder
ZDF Parlameter. Sie machen Politik transparenter, auf legalem Weg, und sorgen mittel- bis langfristig dafür, dass sich die Menschen in der Politik mehr Mühe geben. Weil sie wissen, dass sie beobachtet und kontrolliert werden. Gut so.
"Lobbyplag: Eine Idee von engagierten Journalisten"
Sehr spät da unsere Demokratie schon in weiten Teilen ausgehebelt ist. Engagierte Journalisten gab es immer, es war meistens nur nutzlos.
Mein Lieblingsbeispiel für das Versagen der Journalisten sind die offiziellen Arbeitslosenzahlen. Wenn in kritischen Magazinen die Manipulationen der Zahl, die Art der Beschäftigung (z.B. Zwangsteilzeit, Aufstockung, 1-Euro-Job) und der Umgang der Agenturen mit den Arbeitslosen nach viel Arbeit angeprangert wird, so wird die Arbeit sofort wieder vernichtet weil in den Tagesthemen platt die offizielle Zahl als Realität in der Öffentlichkeit verbreitet wird. In der Bundestagsdebatte brüsten sich heute auch wieder Politiker mit den offiziellen Zahlen als Erfolg.
Trotzdem ist Lobbyplag ein guter Ansatz. Ich nehme ein paar Verallgemeinerungen über Journalisten wieder zurück.
Siggi am 21.02.13 18:30
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Montag, 11.02.2013
Der Papst-Rücktritt im Netz
Der Papst hat am Montag (11.02.2013) seinen
Rücktritt angekündigt und damit innerhalb von Minuten verschiedene Karnevals-Hashtags an der Spitze der Twittertrends abgelöst. Obwohl
@Pontifex_de seit Dezember 2012 sogar einen eigenen Twitteraccount hat, kündigte er seinen Rücktritt ganz klassisch in einer auf Lateinisch gehaltenen Rede vor einer Vollversammlung der Kardinäle an. Die Rede gibt es bei
Radio Vatican als MP3 zum Nachhören und auch
zum Nachlesen.
Der letzte Tweet vor seiner Rücktrittsankündigung stammt von gestern und lautet:
Wir dürfen der Kraft der Barmherzigkeit Gottes vertrauen. Wir sind alle Sünder, doch seine Gnade verwandelt uns und macht uns neu.
— Benedikt XVI (@Pontifex_de)
10. Februar 2013
Einige setzen sich in ihren Tweets tatsächlich inhaltlich mit dem Thema außeinander oder liefern Hintergrundinfos.
An vielen Orten in
#Polen wird heute fuer
#Papst Benedikt gebetet. Sondermessen fuer sein Seelenheil +die Kirche, die einen Nachfolger sucht
— Ulrich Adrian (@UlrichAdrian)
11. Februar 2013
Liebe Kardinäle: Setzt ein Zeichen! Lasst jetzt endlich mal eine Frau ran!
#Papst
— birgit permantier (@bpermantier)
11. Februar 2013
Die Wettquote für einen neuen deutschen Papst liegt bei 25/1. Buchmacher sehen Italiener, Afrikaner & Kanadier vorn.
— Robert Roßmann (@RobertRossmann)
11. Februar 2013
Der weitaus größte Teil der Twitternutzer formuliert in 140 Zeichen aber eher Humoristisches:
Hat Frau Merkel dem
#Papst etwa auch ihr vollstes Vertrauen ausgesprochen...?
— Hab ich das gesagt ? (@AndybrownHL)
11. Februar 2013
Papst Benedikt hat weite Teile seiner Gebete und Messen ohne präzise Kenntlichmachung der Quellen abgekupfert. Rücktritt folgerichtig!
#gott
— Jan Böhmermann (@janboehm)
11. Februar 2013
"Auf Anfrage erklärte Lothar Matthäus, für eine Nachfolge grundsätzlich zur Verfügung zu stehen".
#papst
— Klaus Peukert (@tarzun)
11. Februar 2013
„Papst-Rücktrittsmeldung kommt aus heiterem Himmel."
— Simon Beeck (@simonbeeck)
11. Februar 2013
Und der @
pontifex so: Nä, nicht noch ne komplette Fastenzeit.
— kscheib (@kscheib)
11. Februar 2013
innerhalb von 15 Minuten auf Twitter alle Papst-Witze gelesen, für die Gagschreiber früher bis zum Abend Zeit hatten ...
— Dirk von Gehlen (@dvg)
11. Februar 2013
Laut einem Sprecher des Vatikan soll bis Ostern feststehen, wer Nachfolger von Benedikt XVI. werden wird. Bis es soweit ist, werden sicher noch einige Gags die Timeline hinunterlaufen. Gerade das anstehende Konklave mit dem legendären
Weißen Rauch bietet da ja einige Möglichkeiten ...
Und was summt der Papst heute vor sich hin? Am Rosenmontag ist alles vorbei ...
Fee am 11.02.13 18:51
Ihre Berichterstattung ist sehr einseitig und nicht objektiv! ich erwarte von einem öffentlich rechtl. Sender, dass er objektiv bericht erstattet! es sind unsere gebühren. Ihre mangelnde kenntnis an der kk ist unerträglich. und ihre einseitigkeit obendrein. Herr Bug, sie sind nicht der journalist, der unabhängigkeit verdient!!!!!
Daniel am 11.02.13 22:35
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