Freitag, 21.03.2014

Türkei will in die Steinzeit zurück

Was macht man, wenn einem nicht passt, was man über sich liest oder hört? Klar: Man ärgert sich. Wenn man eine Person des öffentlichen Interesses ist, dann muss man es aber aushalten können, wenn es öffentliche Kritik hagelt oder das Volk zornig ist. Wenn man Regierungschef ist, erst Recht. Es sei denn, man heißt Recep Tayyip Erdoğan und ist Ministerpräsident der Türkei. Dann muss man sich nicht lange rumärgern, denn dann sitzt man ja am längeren Hebel. Dann macht man einfach mal so eben kurzen Prozess. WWW: Gewaltenteilung? Nur etwas für romantische Spinner, jedenfalls für Erdoğan.

Tükischer Ministerpräsident Erdogan; Rechte: dpa/Picture Alliance
Erdogan twittert zwar selbst, schaltet Twitter aber ab


Zensur in Europa
Klar, dass auf Twitter eifrig zu diesem Thema getwittert wird, vor allem unter dem Hashtag WWW: #twitterisblockedinturkey. Was man da lesen kann, ist wenig schmeichelhaft. Selbst die WWW: türkische Zeitung Hürriyet meldet die Sperre. Doch Erdoğan kümmert das nicht. Wozu herrscht man denn? Der WWW: Twitter-Account von Erdoğan jedenfalls ist derzeit nur aus dem Ausland erreichbar. Zumindest, wenn man keine Tricks anwenden möchte, um den Zwitscherdienst zu nutzen. Tweets kann man in der Türkei noch durch den Versand von SMS absetzen, auf den üblichen Komfort muss man allerdings verzichten.

Ich frage mich allerdings, wie so etwas möglich ist: Ein Land, das zu Europa gehört und zur EU gehören möchte, in einem solchen Land ist es also tatsächlich möglich, dass auf Geheiß des Staatschefs von heute auf morgen ein kompletter Kommunikationskanal abgeschaltet wird. Weil dort "Lügen verbreitet" werden, wie Erdoğan gerne betont. Selbst wenn: Eine Abschaltung rechtfertigt das ganz sicher nicht, jedenfalls nicht im 21. Jahrhundert und schon gar nicht in einer Demokratie. Wer Twitter einfach so ausknipst, der beschneidet das Recht auf freie Meinungsäußerung und zeigt sein wahres Gesicht.


Mitschnitte von Erdogan auf Youtube

Auch Papier ist gefährlich
Als nächstes schaltet Erdoğan das Internet komplett ab, weil ja nicht nur auf Twitter gelogen wird. Und Papier verbietet er auch, weil Zeitungen gelegentlich Lügen darauf drucken - und man ja auch mit dem Kuli etwas darauf notieren könnte, was dem Herrscher nicht gefallen könnte. Alles Teufelswerk. Radio und Fernsehen kann man immerhin abschalten, wenn die Sender nicht spuren wollen.

Immerhin gibt es noch eine Stimme der Vernunft in der Türkei: Präsident Abdullah Gül hat das Verbot von Twitter in seinem Land scharf verurteilt - stilgerecht in WWW: einem Tweet. Das Verbot und die Abschaltung von Twitter sei inakzeptabel, sagt der Präsident. Recht hat er. Früher oder später finden sich sowieso neue Kanäle, die genutzt werden. Facebook, Twitter, Google+, Instagram - die Auswahl ist groß. Na, Herr Erdoğan: Alles abschalten?

Wollen wir nicht einfach bei den Fakten bleiben und nicht wieder moralinsaure Spezialbetrachtungen absondern - inkl. der des Busenfreunds Erdogans, Präsident Gül?

Das Internet macht aus dem Kindergartengequietsche eines Bauerndiktators, wofür das Internet eigentlich erfunden wurde - es funktioniert inkl. Twitter einfach weiter, ätsch. Da die türkische TelCo-Regulierungsbehörde einfach nur die direkten Twitter-Hosteinträge in den offiziellen DNS-Servern geblockt hat, lässt sich diese "Sperre" auf vielerlei Wege simpel ungehen (etwa per Google Public DNS oder VPN oder Instagram oder oder oder...).

Also: "Internet abschalten" oder "Twitter abschalten" klappt hier nicht, lieber Jörg Schieb. Und das Lamentieren darüber ist genauso Quatsch, weil die türkischen Tweets seit der "Sperre" nicht nennenswert abgenommen haben.

Dass Erdogan als Möchtegern-Diktator einen an der Klatsche hat, ist ein anderes Thema.

vaikl am 21.03.14 16:42

Die Überschrift des wdr zu dieser Thematik sagt alles.
Herr Erdogan möge daher auch kein Auto oder Flugzeug mehr benutzen.
Eselskarren oder fliegende Teppiche sind dann seine Fortbewegungsmittel der "Zukunft". Ach ja, die Türkei wollte und will der EU beitreten, möge Frau Merkel das in Zukunft auch weiterhin erfolgreich verhindern.

Bergbauer am 21.03.14 20:26

Ich bin wahrlich kein Freund von Typen wie Erdogan-aber sorry lieber Herr Schieb,wie war das nochmal mit den Journalistischen Regeln?Einfach irgendwo halbverdautes abschreiben-oder doch besser selber recherchieren und das dann doublecheck?"Bürger haben sich beschwert, weil auf Twitter Gesetze gebrochen wurden.
Beleidigungen,Privatsphäreverletzungen,Datenschutzverletzungen.Erdogan hat natürlich gleich das ganz große Fass aufgemacht und was von Staatsgeheimnissen gefaselt. Aber der Punkt ist, dass Bürger sich beschwert haben, die Polizei und zuständigen Behörden haben das dann bis ins zuständige Ministerium eskaliert, und dieses Ministerium hat dann offiziell Twitter kontaktiert — und Twitter hat das ausgesessen. In der Türkei war dann auch ein Gericht mit der Sache befasst, und das hat sich die Situation angeguckt und gesagt: Um hier die Rechte der Bürger zu wahren, bleibt uns ja nur noch eine Möglichkeit. Abschalten

Kopfschuettel am 21.03.14 21:07

Die Türkei will nicht in die Steinzeit zurück. Die Türkei ist in der Steinzeit und wird noch Jahrhunderte brauchen, um da heraus zu kommen.

gerd am 21.03.14 21:56

"...ein Land, das zu Europa gehört"... "mitten in Europa"...
Herr Schieb, die Türkei "gehört" nicht zu Europa, alldieweil sich ca. 95%
der Landesfläche samt Regierungssitz auf asiatischem Territorium
befindet. Die Türkei ist daher ein asiatisches Land! Ungeachtet der
eigentlichen Thematik wollte ich das mal erwähnen.

URIEL am 22.03.14 7:02

@Kopfschuettel: Sorry, aber ich beschwere mich permanent übers Wetter. Muss man das jetzt deswegen auch abschalten? Ihre sehr monotheistische Sicht des Lebens ist hoffentlich nicht der Alltag in der Türkei, wenn wir über die intelligenten Menschen dort nachdenken.

vaikl am 23.03.14 3:12

Den Text von Schieb gelesen und vor allen Dingen verstanden?Die Antwort von Kopfschuettel gelesen und verstanden?Offensichtlich nicht!Kleiner Hinweis-derartige Gerichtsurteile hat es auch in Nachbarlaendern gegeben!Hier seien nur mal eben Daenemark,die Niederlande und ganz weit vorne dabei mit websperrren England genannt!Was Herr Schieb hier gemacht hat war auf dem Niveau der*KILLT*und hatte absolut nichts mit Journalismus zu tun.Ursache fuer die websperre in der Tuerkei war ein Gerichtsurteil und eben nicht Erdogans Egomanie.Solche Urteile koennen einem nicht gefallen-dann aber die Beschwerde bitte an die richtige Adresse und ebenfalls ein Hinweis darauf das EU Laender nicht besser sind!Bisher habe ich von Herrn Schieb keinerlei Kritik am Verhalten von EU Laendern gelesen,was websperren betrifft,oder VDS,INDECT die Zusammenarbeit von BND,Verfassungs Schutz mit der NSA und aehnlichem.

@vaikl am 23.03.14 4:58

@vaikl: Es gibt jede Menge Artikel von mir, in denen ich die Praktiken der NSA und auch GCHQ kritisiere, in denen ich die Bestrebungen der EU, die Netzneutralität einzuschränken kritisisiere etc. Hier gibt es kein Defizit. Außerdem ist das nicht die Frage: Hier geht es um die Türkei, und nicht um andere Länder. So einfach kann man es sich ja nicht machen und sagen: Es gibt ein Gesetz. Das Gesetz gibt es ja nur, weil Erdogan es wollte. Und Erdogan hat lauthals verkündet, er lasse alles abschalten - er hat nicht gesagt, er lasse Gerichte prüfen und entscheiden. Das macht schon einen entscheidenden Unterschied. Man darf sich das nicht schön reden. Erdogan hält offenkundig nicht viel von Gewaltenteilung. Wem einzene Beiträge auf Twitter nicht gefallen, muss gerichtlich gegen diese einzelnen Beiträge vorgehen, aber doch sicher nicht einen kompletten Dienst abschalten. Es wird ja auch nicht der Zeitungsvertrieb insgesamt in einem Land eingestellt, wenn einzelne Artikel nicht genehm sind.

Jörg Schieb am 23.03.14 9:55

@Jörg Schieb-sorry,ihre Antwort geht an den Tatsachen vorbei und klammert die Netzsperren gegen unliebsames in den bereits genannten EU Laendern aus!Wo also ist hier der Unterschied das sie meinen behaupten zu koennen"die Tuerkei"will in die "Steinzeit"zurueck-obwohl ja ihrer Meinung nach die websperren lediglich auf eine Person zurueckgehen.Gleichzeitig aber die websperren der genannten EU Laender in Ordnung sind-weil die ja die Parlamente beschlossen haben?Hat also Erdogan dies Gesetz alleine geschrieben und in Kraft gesetzt-ohne Parlamentarische Beteiligung und seit wann ist Erdogan"die Tuerkei"?Zudem-es IST ja vorher von Einzelpersonen gegen Fratzenbuch geklagt worden-nur das so etwas auch in anderen Laendern ganz kraeftig am Allerwertesten vorbei geht!Was nun-"Pech gehabt"und weiter hin nehmen das Recht und Gesetz mit Fuessen getreten wird-weil das ein US Konzern ist und der Dienst "so toll"?

Oh je am 23.03.14 14:45

@kopfschuettel: Tatsache ist, dass Erdogan die Sperren persönlich angeordnet hat. Tatsache ist, dass ein Gericht ihm *widersprochen* und seine Anweisung zurückgenommen hat. Das ist keine Meinung, das ist Aussage Erdogan auf einer Parteiveranstaltung. Tatsache ist ebenso, dass in keinem einzigen EU-Land ein komplettes soziales Netzwerk oder eine Informations-Website auf Betreiben des Regierungschefs gesperrt wurde. Die Kritik an Jörg Schiebs Artikel und dem angeblichen Nichteinhalten journalistischer Grundregeln beißt sich also selbst in den Schwanz! Beleidigungen im Internet? ROFL, jetzt echt? Flamewars sind so alt wie das Internet...

Sven Kalbitzer am 30.03.14 13:26

Kommentieren



Die mit * gekennzeichneten Felder müssen ausgefüllt werden.


Angaben speichern (Cookie)?


Um Ihren Kommentar zu versenden, beantworten Sie bitte die folgende Frage:


Trackbacks zum Eintrag Türkei will in die Steinzeit zurück

Zum Anfang dieses Eintrags

Donnerstag, 20.03.2014

25 Jahre WWW | 2003: Skype, Spiele und Star Wars

Hat das World Wide Web sich anfangs noch vergleichsweise langsam entwickelt, ging es Anfang der 2000er Jahre deutlich schneller weiter. Im Jahr 2003 zum Beispiel ist jede Menge passiert - mit Auswirkungen auf das Web, die wir bis heute beobachten können. So wurde 2003 zum Beispiel Skype erfunden. Heute kennt die Chat-Software praktisch jeder. Erfunden und in den Markt eingeführt wurde Skype im Juli 2003. Ausnahmsweise mal keine Software aus den USA, sondern eine Idee aus Skandinavien. Programmiert wurde Skype von Esten Ahti Heinla, Priit Kasesalu und Jaan Tallinn, die zuvor auch schon an der Filesharing-Software Kazaa mitgewirkt haben. Mittlerweile gehört WWW: Skype zu Microsoft und ist in Windows 8 und in Windows Phones fest eingebaut.

Mit Skype konnte man zum ersten Mal komfortabel mit anderen Leuten über das Internet plaudern - und sich dabei sehen, wie in einer Videokonferenz. Einzige Voraussetzung: Ein PC mit Webcam und Mikrofon. Per Skype geführte Videogespräche sind kostenlos - bis heute. Zwar kann man mittlerweile mit Skype auch ganz normale Telefongespräche führen, die dann kostenpflichtig sind, aber die meisten nutzen Skype für kostenlose Gespräche. Wer mag, kann auch einfach chatten - per Tastatur. Skype ist nach wie vor die mit Abstand populärste Chat-Software. Daran konnte auch Hangout von Google nicht viel ändern, das erst einige Jahre später an den Start gegangen ist.

skypen.png
Skype: Videokonferenzen übers Internet zum Nulltarif

Virtuelle Welten in Onlinespielen
2003 war aber auch das Jahr, in dem ein anderer Trend Gestalt annahm: Virtuelle Spielwelten im Web. Mit WWW: Entropia Universe ist 2003 ein Online-Rollenspiel gestartet, das von Anfang an über eine opulente 3D-Spielgrafik verfügte. Mehrere Hundert Spieler konnten sich damals schon gleichzeitig in der virtuellen Welt aufhalten und die Geschicke ihrer virtuellen Spielfiguren steuern. Das Besondere an Entropia Universe aber ist, dass es nicht nur offiziell erlaubt, sondern sogar erwünscht ist, im Spiel mit echtem Geld zu handeln.

Das Spiel ist gratis - man zahlt nicht dafür, dass man spielen kann. Doch wer in der virtuellen Welt Geschäfte abwickelt, etwa Grundstücke kauft oder mit anderen Spielern Waren gegen Bezahlung austauscht, der muss dafür bezahlen. Die Betreiber des Spiels kassieren bei solchen Transaktionen Gebühren - ausreichend, um das Spiel an sich kostenlos anbieten zu können. Ein Spielkonzept, das sich Free2Play nennt und bis heute existiert.


Eindrücke aus der virtuellen Spielwelt Entropia Universe


Star Wars Kid: Ein Video geht um die Welt
2003 machte auch zum ersten Mal ein Video die große Runde. Im November 2002 hat sich ein kanadischer Schüler mit der Videokamera dabei aufgenommen, wie er - etwas ungelenk - eine Golfballangel wie ein Lichtschwert aus Star Wars führt. Das sieht ungemein komisch aus - und deshalb veröffentlichten seine Mitschüler das Video im April 2003 auf Youtube. Allerdings ohne die Zustimmung des armen Jungen, der davon nichts wusste.

Das Video wurde mittlerweile über eine Milliarde Mal angeschaut und gilt als eins der am häufigstem angesehenen Videos überhaupt. Der betroffene Schüler hat davon nicht profitiert: Er musste mehrmals die Schule wechseln, weil er für sein Video verhöhnt wurde - und musste sich am Ende sogar in psychiatrische Behandlung begeben. Dennoch: Das WWW: Star Wars Kid getaufte Video hat Geschichte geschrieben. Es hat gezeigt, wie sich bestimmte Phänomene wie ein Lauffeuer im Web verbreiten können. Heute noch schneller als damals.


Über 28 Mio. Klicks: Star Wars Kid

25 Jahre WWW: Das ist Grund zum Feiern. Wir bringen hier in Digitalistan jeden Tag einen kurzen Eintrag mit Geschichten, Anekdoten und Hintergründen zur Entwicklung des World Wide Web. Jeden Tag ein anderes Jahr. Blog: Hier gibt's die Übersicht: 25 Jahre WWW.

Kommentieren



Die mit * gekennzeichneten Felder müssen ausgefüllt werden.


Angaben speichern (Cookie)?


Um Ihren Kommentar zu versenden, beantworten Sie bitte die folgende Frage:


Trackbacks zum Eintrag 25 Jahre WWW | 2003: Skype, Spiele und Star Wars

Zum Anfang dieses Eintrags

Donnerstag, 20.03.2014

App-Entwicklung mit Arne

Ich habe 16 Apps auf meinem Handy. Die meisten davon sind einfach praktisch. Sie ermöglichen mir eine problemlose Navigation in fremden Gegenden, zeigen mir übersichtlich an, wann meine Bahn kommt und scannen ein schwarz-weißes Kästchen ab, um mir direkt alle Infos über ein Produkt auszuspucken. Aber wie funktioniert das eigentlich? Wer entwickelt Apps, wie lange dauert sowas und könnte ich das auch?

Eine App zur App-Entwicklung gibt es leider nicht. Ich habe nachgeschaut. Aber trotzdem kann ich eine App zumindest mitentwickeln. Am Anfang braucht man einfach nur eine Idee. Aber weil es schon eine Menge gibt, bietet es sich an, mit Experten zu überlegen. Ich habe mich also einfach mal bei App-Entwickler Arne Horn (nein, kein Verwandter von mir) und seinem Team von Maple Apps eingeklinkt. Ich steige direkt mit meiner wichtigsten Frage ein: Wie funktioniert die Entwicklung einer App?

App-Progammierung; Rechte: WDR/Horn

Und ich bekomme in etwa diese Antwort:

„Das ist die Init-Methode, da hat man dann ein Alock mit NSObject."

Wie bitte? Ich verstehe nur Bahnhof. Und diese Fetzen sind auch leider alles, mehr ist nicht hängen geblieben vom vereinfachten Erklärungsversuch. Programmierer Moritz sitzt vor einem großen Monitor und schreibt in einem Wust aus Zahlen, Sonderzeichen und Buchstaben in pink und grün und blau herum, als würde er gerade den Deutsch-Aufsatz eines Erstklässlers korrigieren.

Eins ist mir ganz schnell klar: nein, ich könnte nicht selbst eine App entwickeln. Die Programmierung ist nicht einfach. Die Benutzung sollte es aber auf alle Fälle sein, erklärt mir Arne. "Aus unserer Sicht ist eine gute App eher zu vergleichen mit einem Schraubenzieher oder einem Hammer. Sie sollte eine Funktionalität haben, und die sehr gut, also auf keinen Fall das Schweizer Taschenmesser, das alles kann."

Ein gutes Beispiel: die App "Exitus". Damit kann der Nutzer seine Lebenserwartung berechnen. Zuerst überlegte das Team, was man dafür braucht und stolperte dabei über einige Daten der Weltgesundheitsorganisation WHO. Je nach Lebensstils - Sport, Ernährung, Arbeit - erreicht man statistisch gesehen ja ein mehr oder weniger hohes Alter. Schritt zwei also: Arne und sein Team haben eigene Formeln aufgestellt, um Lebensjahre zu berechnen und angefangen, die App damit zu füttern. Alles was ich als Nutzerin dann tun muss, ist ein paar Fragen zu beantworten. Alter, Größe, Gewicht, Geschlecht und dann, wo ich 80 Prozent meines Lebens verbracht habe (Deutschland), wie ich zur Arbeit komme (Fahrrad), ob ich auf eine ausgewogene Ernährung achte (ja)? Zwischenstand: ich lebe noch 49 Jahre. Putzt du täglich deine Zähne? Klar! Wieder plus drei Jahre.

Exitus; Rechte: Arne Horn

Mein Ergebnis: noch 60 Jahre soll ich haben. Gar nicht schlecht. Damit das Ganze schnell und vernünftig funktioniert, mussten die einzelnen Seiten der App aber erst mühselig zusammen gebastelt werden. Dabei gibt es einmal die visuelle Komponente und auf des weiteren die Funktionalität, so Arne. "Wenn also eine Zahl in der App geändert wird, muss man die Zahl berechnen und dann anzeigen. Die Ansicht ist dabei eine Datei, das Berechnen eine andere Datei. Die Klammer startet sozusagen einen Countdown, dann wird die Berechnung durchgeführt und das gibt man dann an die Anzeige und bekommt die Zahl." Für mich als Nutzer erscheint die im hübschen "Kleid" auf meinem Display. Schwarzer Hintergrund, in der Mitte eine Art analoge Uhr, in der meine Lebenserwartung erscheint. Das Design muss natürlich auf allen Endgeräten, also Handys und Tablets, darstellbar sein. Dabei hilft Josh, der für das Erscheinungsbild von Exitus zuständig war, technisches Hintergrundwissen.

Nach knapp sechs Wochen - von der Idee bis zur Testversion - ist die App fertig. Anschließend muss sie nur noch in die Review von Apple und Google. "Apple guckt sich jede App an. Wenn zum Beispiel ein Fehler im Beschreibungstext ist, muss man den erst beheben, bevor die App wirklich veröffentlicht wird. Google lässt Apps erst einmal zu und prüft sie nur, wenn es Beschwerden gibt."

Ich mach den Fragebogen gleich nochmal. Vielleicht lerne ich noch mehr über die Visualisierung der Init-Methode. Und wer weiß, vielleicht werde ich ja in diesem Exitus-Durchgang noch ein paar Jahre älter.

Unsere Blogger Anita Horn und Dennis Horn sind weder verwandt noch verheiratet, aber umso besser vernetzt. Sie entdecken jede Woche digitale Perlen: spannende Webseiten, lustige Links und Angebote, die den Alltag bereichern - hier im Blog und jeden Donnerstag in der WWW: WDR5 LebensArt im Radio.

Kommentieren



Die mit * gekennzeichneten Felder müssen ausgefüllt werden.


Angaben speichern (Cookie)?


Um Ihren Kommentar zu versenden, beantworten Sie bitte die folgende Frage:


Trackbacks zum Eintrag App-Entwicklung mit Arne

Zum Anfang dieses Eintrags

Juli 2014

Mo Di Mi Do Fr Sa So
1 2 3 4 5 6
7 8 9 10 11 12 13
14 15 16 17 18 19 20
21 22 23 24 25 26 27
28 29 30 31

Über das Blog

Digitalistan: Heimatkundliches aus dem Land der Einsen und Nullen

Suche im Blog

Aktuelle Einträge

Autoren

Blogregeln und Glossar

Newsreader-Feeds (XML/RSS)


Permanente URL dieser Seite: http://wdrblog.de/digitalistan/