Mittwoch, 15.01.2014

VIP-Line für Luxus-Daten

Das Medium Internet muss gerade eine Menge Rückschläge einstecken. Das Ansehen schwindet erkennbar. Illusionen werden zerstört. Seit Monaten erfahren wir immer mehr Details darüber, wie sich die NSA das Internet einverleibt und mehr oder weniger die komplette Kontrolle darüber hat, zumindest in punkto Überwachung. Diskretion oder Privatsphäre? Bitte weiterträumen. Das waren zwar mal wichtige Eckpfeiler des Mediums Internet, doch die sind dank NSA nun äußerst marode, wenn überhaupt noch vorhanden. Eine Kränkung für die Aktivisten: Sascha Lobo weint in seinem WWW: FAZ-Beitrag dicke Krokodilstränen deswegen. Doch die Kränkung geht weiter.

Zwei Mäuse, eine mit Schnecke; Rechte: dpa/Picture Alliance
Die einen dürfen schneller als die anderen...


Netzneutralität ausgehebelt
Denn nun hat ein US-Gericht einen weiteren wichtigen Eckpfeiler eingerissen, nämlich den der WWW: Netzneutralität. Der amerikanische Netzanbieter Verizon wollte sich von der Aufsichtsbehörde WWW: FCC (Federal Communications Commission) nicht mehr vorschreiben lassen, wie Datenpakete transportiert werden sollen. Konkret: Verizon will bestimmte Datenpakete bevorzugt behandeln. Genau das erlaubt die Netzneutralität aber nicht: Alle Datenpakete sind gleich zu behandeln, egal von wem sie kommen, egal wohin sie gehen. Ein bisschen Sozialismus im Netz, sozusagen.

Das empfinden manche Provider Blog: als störend, etwa die Telekom. Auch Verizon. Das US-Unternehmen hat andere Pläne - und nun eben Recht bekommen. Zwar versichert das Unternehmen, das Urteil werde "mehr Raum für Innovation und mehr Wahlfreiheit" bringen, sich also nicht zum Nachteil des Kunden auswirken. Aber so ganz kann das wohl nicht stimmen. Denn wenn sich etwas ändert, dann ganz gewiss nicht zum Vorteil des kleinen Mannes. Unternehmen wollen Geld machen, also wird versucht, mehr Geld zu verdienen. Und wie? Indem die Daten schneller transportiert werden, die mehr Geld einbringen.


Logo erklärt Netzneutralität


Überholspur für VIP-Daten
Es dürfte also eine Art VIP-Line für Luxus-Daten kommen. Wer es sich leisten kann, der wird bevorzugt behandelt. Die Videodaten vom etablierten Portal landen schneller und damit zuverlässiger im Gerät des Kunden als die des kleinen Startups, das sich die Luxusbehandlung nicht leisten kann. Hier liegt das eigentliche Problem nicht darin, dass die E-Mail vielleicht mal ein paar Sekunden später eintrifft. Das wäre verschmerzbar. Außerdem könnten auch die Nutzer zur Kasse gebeten werden: Wer einzelne Dienste nutzen möchte oder sich einen gewissen Mindeststandard in Sachen Datentempo sichern will, muss extra zahlen.

Doch wie das mit Grundsätzen so ist: Werden sie erst einmal demontiert, kann man sie auch ganz abschaffen. Denn "ein bisschen Netzneutralität" kann es nicht geben. Entweder, es gibt die Netzneutralität, oder es gibt sie eben nicht. Die Amerikaner wollen sie wohl eher nicht. Vielleicht nur konsequent, denn ein Netz, dass komplett abgehört wird, das braucht auch nicht neutral zu sein. Ab jetzt können US-Provider selbst entscheiden, wie sie das handhaben wollen. Das Tempo des Datentransports ist damit der reinen Willkür ausgesetzt - und eben der Macht des Geldes. Leider WWW: demontiert auch die EU gerade die Netzneutralität. Keine guten Nachrichten fürs Netz derzeit.

Der Markt könnte es richten, wenn Kunden nur zu Providern gehen würden, die weiterhin Neutralität wahren. Aber das wird nicht passieren. Wenn zB. die Telekom einen VIP-Tarif 5€ billiger anbieten würde, wäre den Kunden Neutralität (so fern sie überhaupt etwas damit anfangen können) egal. Google, Facebook, oder Amazon würden weiterhin schnell funktionieren, der Rest interessiert den typischen DAU nicht, wie auch der Datenschutz oder die Spähaffäre.

Traurig am 15.01.14 14:32

Mal wieder ein bischen sinnfreier Rundumschlag.Mit dem linkenFuss aufgestanden?Klar,auch ich mag den Lobo nicht wirklich,aber Toene wie"Eine Kränkung für die Aktivisten: Sascha Lobo weint in seinem WWW: FAZ-Beitrag dicke Krokodilstränen deswegen."sind nicht nur ueberfluessig-sie sind auch dumm!Selbst wenn Lobo tatsaechlich als wohl einziger der Aktivisten(was soll das eigendlich sein in diesem Zusammenhang?)so naiv war und Echelon und NSA verschlafen hat-dies ist dem Thema nicht angemessen.Wir alle sind davon betroffen-auch wenn ein Herr Schieb dies als Jubelclown von Appel&Co. immer noch nicht begriffen hat.Begriffen hat Herr Schieb auch offensichtlich immer noch nicht den Unterschied zwischen einem UNTERNEHMEN und der BEVOELKERUNG eines Landes,denn anders kann man sich diesen kindischen Satz:"Die Amerikaner wollen sie wohl eher nicht."nicht erklaeren!Abgesehen davon-dies war ein Gericht im Bezirk Columbia(3 Richter)und NICHT der oberste Gerichtshof.Zudem-es gibt auch noch die EFF!

Robin am 16.01.14 12:05

Es gibt wirklich Leute die die Kreative/Regeln unterlaufende ;) Kraft des Internet unterschätzen und diese Leute wollen sich auskennen!Das ist doch das Kennzeichen des Netzes das Regeln neu definiert /ausgehebelt werden...

Martin gäniken am 16.01.14 14:53

Zur Erinnerung Herr Schieb-die EU-Kommisssion will die Netzneutralitaet aufheben!U.a.SPON Meldung vom 12. Sept. 2013!Wie ist das nun wollen die Deutschen,"die Europaer""die Netzneutraliatet nicht?!?Oder sind das vielmehr nur die von den Pressure groups der Lobby gekauften Politiker?Wie ist es mit VDS?Wie ist es mit INDECT?Wollen das "die Europaer"-obwohl dies alles hinter verschlossenen Tueren verhandelt wird,genau wie ACTA und das"Freihandelsabkommen"?Statt mal wieder billigstes USA bashing zu betreiben und sich ueber Menschen zu mokieren die sich gegen derartiges wehren-nicht doch besser unseren US Freunden von ACLU,EFF,Democrazy NOW! u.a.helfen bei ihrem Kampf gegen den Aufbau von Diktatur?DIE klagen gegen ihre Regierung und nehmen sie von allen Seiten unter Feuer!Was passiert denn hier in Europa?WO sind unsere Snowdens?Was koennen "die Amerikaner"fuer ein von gekauften Politikern schwammig formuliertes Gesetz-das es einer BEHOERDE(!)nicht ermoeglicht hat die Netzneutralitaet in ein

Zur Erinnerung am 17.01.14 7:34

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Dienstag, 14.01.2014

Pulp Fiction in 8 Bit

Wer kennt ihn nicht, den FIlmklassiker WWW: Pulp Fiction von Quentin Tarantino? Der Film aus dem Jahr 1994 hat John Travolta wieder in die Bundesliga der Schauspieler zurückgeholt und Samuel Jackson berühmt gemacht. Regisseur Quentin Tarantino sowieso.

Jetzt kann man sich den eigentlich 154 Minuten langen Film in einer zweieinhalb Minuten langen Version anschauen - und zwar in Form eines 8-Bit-Games. Klötzchengrafik, blechiger Sound, abrupte Bewegungen: So haben sich 8-Bit-Games früher präsentiert. Der komplette Film wird in dieser Ästhetik nacherzählt. Schlüsselsequenzen aus Pulp Fiction werden in Spielszenen präsentiert, zum Beispiel der Tanz von Mia Wallace und Vincent Vega. Großes Kino - in einem Youtube-Video.


Quentin Tarantinos Pulp Fiction als 8-Bit-Game

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Montag, 13.01.2014

Wir sind schwanger!

Was machen die meisten Paare, wenn sie (zum ersten Mal) schwanger sind und der richtige Zeitpunkt erreicht ist, ihre Familie und Freunde darüber in Kenntnis zu setzen? Richtig: Sie greifen zum Telefonhörer, verschicken Karten oder E-Mails. Doch Brandon und Robin aus den USA haben zu einem ganz anderen Mittel gegriffen. Das Paar fällt nicht mit der Tür ins Haus, sondern setzt auf ein typisch amerikanisches Mittel: Unterhaltung.

Die beiden haben ein wirklich gelungenes Video gedreht und geschnitten und es auf Youtube veröffentlicht. Im Stil eines Hollywood-Thrillers (es passieren merkwürdige Dinge im Haushalt) wird dem Betrachter irgendwann klar: In der Familie gibt es Nachwuchs. Vorzüglich gemacht, sehr unterhaltsam und kurzweilig. Bislang wurden eher Hochzeitsanträge WWW: filmisch umgesetzt oder festgehalten - jetzt könnte ein neuer Trend geboren sein.


naja... nach der ankündigung habe ich mehr erwartet

Joachim am 15.01.14 19:12

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