Sonntag, 16.03.2014

25 Jahre WWW | 1999: DSL macht dem Web Dampf

Internet im Allgemeinen und World Wide Web im Besonderen machen zweifellos dann am meisten Spaß, wenn man nicht lange warten muss. Dafür ist allerdings eine möglichst schnelle Datenleitung nötig. Weil Webseiten immer umfangreicher und aufwändiger gestaltet wurden, waren in den 1990er Jahren übliche Modemverbindungen meist quälend langsam. Damals haben private Internetbenutzer noch Modems benutzt, um sich bei Onlinediensten anzumelden und darüber online zu gehen. Besonders schnell waren die aus heutiger Sicht betrachtet nicht gerade. Da ist heute jedes Handy selbst unter ungünstigsten Umständen schneller.

Logo Escape; Rechte: WDR
Escape - die lange Onlinenacht im Web (1998)

Datenturbo sorgt für rasend schnelles Internet
Mehr Tempo? Nur mit Glasfaser möglich, hieß es lange. Doch in den 90er Jahren wurde an einem Datenturbo gearbeitet, der sich DSL nennt (WWW: Digital Subscriber Line) und mit den üblichen Kupferkabeln funktioniert, über die wir telefonieren. Ich kann mich gut erinnern: 1998 habe ich für WDR: Escape, die Onlinenacht im WDR die ersten DSL-Anschlüsse an der Uni Münster getestet. Was war ich neidisch: Die Studenten konnten mir über 2 MBit/Sekunde surfen, während ich mich zu Hause mit 19.200 Bit pro Sekunde begnügen musste. DSL - das stand für mich von Anfang an für Internettempo total.

Im Juli 1999 war es dann so weit: Die Deutsche Telekom hat die ersten DSL-Anschlüsse in Deutschland freigeschaltet - allerdings erst mal nur in ausgewählten Großstädten wie Köln, Düsseldorf, Bonn, Hamburg, Berlin oder München. Damals wohnte ich noch in Mönchengladbach, dort gab es kein DSL. Und wer DSL wollte, der musste auch einen ISDN-Anschluss haben oder bestellen, eine digitale Telefonleitung. Teuer war der Spaß obendrein: 98 Mark im Monat Grundgebühr waren fällig, also knapp 50 EUR.

An eine Flatrate war damals auch nicht zu denken: Wer 50 Online-Stunden mit DSL haben wollte, musste dafür stolze 197 Mark (100 EUR) einkalkulieren, das große Paket mit 100 Surfstunden hat sogar 247 Mark gekostet. Trotzdem haben viele das Angebot dankbar angenommen, auch wenn DSL anfangs lediglich 768 kBit/s schnell war. Für damalige Zeiten ein Quantensprung.


Werbung für T-DSL aus dem Jahr 1999

DSL hat das Web revolutioniert
DSL hat das World Wide Web schicker gemacht. Ohne DSL wäre an Fotos und Bilder, an Audios und Videos oder gar HD-Filme aus dem Netz nicht zu denken gewesen. DSL war über die Jahre in immer mehr Städten verfügbar - und wurde gleichzeitig immer günstiger. Denn nach der Telekom haben auch andere Anbieter damit begonnen, DSL anzubieten, vor allem 1&1 aus Montabaur sowie Arcor. Die Grundgebühr für DSL-Anschlüsse fiel bereits 2004 auf unter 10 EUR und war damit für deutlich mehr Menschen erschwinglich.

Längst ist DSL auch bei Kabelanbietern verfügbar - und es gibt DSL-Anschlüsse mit 128 MBit/Sekunde und mehr. Ein derartiges Tempo konnten sich vor einigen Jahren nicht mal große Firmen leisten. Das Datentempo entwickelt sich rasant weiter und sorgt für immer mehr multimediale Inhalte im Web.


25 Jahre WWW: Das ist Grund zum Feiern. Wir bringen hier in Digitalistan jeden Tag einen kurzen Eintrag mit Geschichten, Anekdoten und Hintergründen zur Entwicklung des World Wide Web. Jeden Tag ein anderes Jahr. Blog: Hier gibt's die Übersicht: 25 Jahre WWW.

Hm, ich war damals auch einer der ersten die das 768er DSL bekommen haben, da gab es aber eigentlich auch schon Flatrate, kann mich nicht daran errinern das es eine Stundenbegrenzung gab?

Dieter am 17.03.14 10:03

Wenn ich im Teaser-Text auf der WDR-Website lese "Heute surfen wir alle mit DSL-Tempo im Netz", dann kann ich nur müde lächeln, denn diese Aussage trifft ja in der Realität nur auf Großstädte oder Ballungszentren zu. Bei mir in Minden (immerhin eine Stadt mit mehr als 80.000 Einwohnern) gibt es in vielen Ortsteilen noch immer vorsintflutliche Internetverbindungen, wo beispielsweise das Ansehen eines YouTube-Clips selbst in niedrigster Auflösung nur mit Ruckeln und sekundenlangen Unterbrechungen möglich ist.

Was die von der Politik so oft zitierte Internet-Wettbewerbsfähigkeit anbelangt, befindet sich Deutschland zu großen Teilen noch in der Computer-Steinzeit!

Bruno am 17.03.14 10:44

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Samstag, 15.03.2014

25 Jahre WWW | 1998: Ab jetzt wird gegoogelt

Wer mit dem Internet groß geworden ist, der muss denken, Google hätte es schon immer gegeben. Schließlich beantwortet WWW: Google alle Fragen in Sekundebruchteilen. Die Suchmaschine verrät uns, wo wir finden, wonach wir suchen - jedenfalls die meiste Zeit. Dass es auch andere Suchmaschinen gibt, gerät oft in Vergessenheit. Doch auch, wenn viele meinen, Google wäre gleich nach dem Lagefeuer erfunden worden: So lange gibt es Google noch gar nicht.

An den Start gegangen ist Google am 27. September 1998. Ich kann mich gut daran erinnern. Google war anders als andere Suchmaschinen damals. WWW: Yahoo war mehr ein Webkatalog: Alle Inhalte waren in Kategorien eingeteilt, so wie ein Register in der Bibliothek. Menschen aus Fleisch und Blut haben den Katalog gepflegt. Etwas moderner war AltaVista. Diese Suchmaschine gibt es gar nicht mehr, aber auch hier wurden die Inhalte - zumindest teilweise - in Kategorien unterteilt.

Screenshot Google 1998; Rechte: Google
Google-Startseite 1998: Aufgeräumt und reduziert


Durchsuchen statt Katalogisieren
Google ist von Anfang an anders vorgegangen. Google hat das komplette Web durchsucht und abgebildet. Die Inhalte wurden nicht von Menschen, sondern von Algorithmen gesichtet, bewertet und gewichtet. Vollautomatisch. Google hat deshalb Webseiten gefunden, auf denen ein bestimmtes Wort vorkam. Man musste keine Kataloge mehr durchforsten. Was heute als selbstverständlich gilt und von allen Suchmaschinen so gemacht wird, war bei Google damals eine sensationelle Neuigkeit. Deshalb ist es Google damals gelungen, recht schnell von sich Reden zu machen - und extrem populär zu werden.

Entscheidend war sicherlich auch, wie aufgeräumt die Suchseite ausgehen hat: Ein kleines Eingabefeld für den Suchbegriff, darüber das Google-Logo - das war's. Andere Suchdienste, vor allem das damals populäre Yahoo, waren vollgestopft mit Infos. Google nicht. Diese Aufgeräumtheit hat sich Google - weitgehend - bis heute bewahrt (hier eine WWW: Übersicht vom Erscheinungsbild der Google-Seite über die Jahre). Später kamen dann allerdings Anzeigen bei den Suchergebnissen dazu, die Google zu dem gemacht hat, was Google heute ist: Die erfolgreichste Suchmaschine der Welt und ein Milliarden-Dollar-Unternehmen.

25 Jahre WWW: Das ist Grund zum Feiern. Wir bringen hier in Digitalistan jeden Tag einen kurzen Eintrag mit Geschichten, Anekdoten und Hintergründen zur Entwicklung des World Wide Web. Jeden Tag ein anderes Jahr. Blog: Hier gibt's die Übersicht: 25 Jahre WWW.

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Freitag, 14.03.2014

25 Jahre WWW | 1997: Mit WAP ins Netz

Der 1996 vorgestellte Nokia Communicator war ein Durchbruch: Plötzlich konnte man das Internet in die Tasche stecken - und immer und überall mit den Mobilgeräten darauf zugreifen. Allerdings gab es damals noch kein UMTS oder gar LTE: Mobile Datenverbindungen waren noch vergleichsweise langsam. Normale Webseiten zu laden, das dauerte eine Ewigkeit und verursachte auch hohe Kosten.

Aus diesem Grund wurde 1997 der WAP-Standard erfunden, das WWW: Wireless Application Protocol. Ein Standard, um Webseiten auf die deutlich kleineren Displays im Smartphone anzupassen und gleichzeitig das Datenvolumen zu reduzieren. Einige Jahre lang gab es von vielen Webangeboten parallele WAP-Portale. Heute spielt WAP längst keine Rolle mehr, aber einige Jahre lang war WAP der entscheidende Grund, auf Handys das World Wide Web zu nutzen. Mehr dazu gibt's auch im empfehlenswerten WWW: Internet Museum.

wap.png
WAP-Standard eingeführt: Das Internet-Museum klärt auf


25 Jahre WWW: Das ist Grund zum Feiern. Wir bringen hier in Digitalistan jeden Tag einen kurzen Eintrag mit Geschichten, Anekdoten und Hintergründen zur Entwicklung des World Wide Web. Jeden Tag ein anderes Jahr. Blog: Hier gibt's die Übersicht: 25 Jahre WWW.

Ich weiß noch das Nokia der erste Hersteller war der ein wap Handy im Programm hatte. Damals auch neu war am Handy ein Rad unter dem Display womit man hoch und runter scrollen konnte und bestätigen.. Weiß nur nicht mehr wie das Ding hieß.. Den communicator habe ich auch noch

Martin lange am 14.03.14 20:21

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