Mittwoch, 30.07.2014

Gebt uns endlich ordentliches WLAN!

Vor ein paar Tagen bin ich wütend geworden. Ich habe versucht, die 30 Minuten freies WLAN am Düsseldorfer Flughafen zu nutzen, die Neelie Kroes uns beschert hat. Die EU-Kommissarin für die Digitale Agenda war an einem Nachmittag im März von Düsseldorf aus geflogen und dabei Opfer der WLAN-Gebühren geworden. Sie twitterte ihren Ärger über die unverschämten 6 Euro pro Stunde.


Nach diesem Tweet ging alles ganz schnell: Besucher und Passagiere kommen seit Anfang April für 30 Minuten kostenlos ins Netz. Das ist natürlich nichts gegenüber dem komplett freien Zugang, wie ihn zum Beispiel WWW: der Flughafen in München nun geschaffen hat. Und wie es zu diesem Sinneswandel in Düsseldorf kam, wird WWW: in der Pressemitteilung dazu natürlich auch nicht erwähnt - aber sei's drum.

Vor ein paar Tagen habe ich also versucht, das kostenlose WLAN zu nutzen - nur leider ist es unbenutzbar. Nach fünf Minuten habe ich entnervt aufgegeben, weil ich bei dieser Geschwindigkeit jedes Byte per Handschlag begrüßen könnte. Stattdessen bin ich über mein Smartphone online gegangen und durfte mich damit auf die Drosselung freuen, wenn ich zum zehnten Mal in diesem Monat die Volumengrenze erreicht habe.

Es kann natürlich sein, dass ich am Düsseldorfer Flughafen einen ungünstigen Moment erwischt habe und sonst alles besser ist. Aber das ist ja nur eins von vielen Beispielen. Auch die Hotspots in Zügen der Deutschen Bahn sind die Erwähnung eigentlich nicht wert. Auf freier Strecke in einem ICE eine ordentliche Verbindung ins Netz zu bekommen, und sei es nur, um die eigenen E-Mails abrufen zu können, gleicht oft einem Glücksspiel. Meistens funktioniert es morgens besser, wenn die Geräte frisch gestartet sind. Oder man wechselt den Wagen, um einen besseren Router zu erwischen.

ICE; Rechte: picture-alliance/dpa/Rolf Vennenbernd
Falls es mit dem Hotspot im Zug hakt: Besser morgens fahren oder Wagen wechseln

Ganz zu schweigen von Onlinezugängen in Hotels. Dort wird man regelmäßig arm, kommt man auf die Idee, auch nur eine Stunde ins Netz zu wollen. Weil das vor allem abends geschätzt 281 Prozent der Hotelgäste versuchen, sind sämtliche Leitungen dicht. Mittlerweile gibt es sogar WWW: eine eigene Website, die zeigt, wie viele Hotels schnelles WLAN versprechen, aber nicht liefern. Dann kann man es auch gleich ganz sein lassen.

Es geht nicht in meinen Kopf, warum Hotspots in Deutschland vor allem dazu da sind, uns Geld aus der Tasche zu ziehen - und dann noch mit einer Geschwindigkeit, die mich eher an mein 56k-Modem als an eine ordentliche DSL-Leitung erinnert.

Das ist kein Luxusproblem. Onlinezugänge sind ein wichtiger Standortfaktor. Wo es für mich kostenloses und schnelles Netz gibt, lasse ich mich nieder und trinke einen Kaffee mehr. Ein schlechtes Netz bedeutet manchmal auch weniger Einnahmen. Als ich vor ein paar Monaten umgezogen bin, hatte mein Vermieter Probleme, die Wohnung loszuwerden, weil er dort höchstens DSL 2000 bieten konnte.

Freies WLAN für alle mit einer ordentlichen und zeitgemäßen Geschwindigkeit - das wäre für mich eins der wichtigsten Infrastrukturprojekte in diesem Land.

Ich habe auf dem Düsseldorfer Flughafen ebenfalls diese Erfahrung gemacht. Das WLAN war völlig überlastet und wegen absolut mangelhafter Geschwindigkeit nicht nutzbar. Sehr peinlich für den Flughafen einer Landeshauptstadt, in der mindestens ein großes Mobilfunkunternehmen ansässig ist. Über die DB braucht man gar nicht zu reden. Das Problem kennt jeder, der mit einem Smartphone mit dem ICE gefahren ist. Ein echtes Armutzeugnis.
Deutschland ist insoweit inzwischen ein Entwicklungsland geworden. Besucher aus dem Ausland - USA und Asien - sind überrascht bis entsetzt. Ich bin regelmäßig in den USA. Dort bietet jeder Strandkiosk kostenloses und schnelles WLAN.
Hier geht es nicht einmal in Flughäfen und auf Bahnhöfen, geschweige den in anderen öffentlichen Gebäuden. In NRW bietet z.B. nicht ein einziges Gericht für seine zahlreichen Besuchern einen WLAN-Zugang.


SR am 30.07.14 12:29

Deutschland ist in dieser Hinsicht nicht einmal als Entwicklungsland zu bezeichnen. Aber der Gesetzgeber ist natürlich auch schuld. Soll er doch endlich diese dusselige Störerhaftung komplett abschaffen. Wlan ist ohnehin nicht wirklich abzusichern. Demnach dürfte normalerweise, solange es die Störerhaftung gibt, niemand einen Wlan-Anschluss betreiben - auch nicht privat.

Pat am 30.07.14 13:45

Mir ist unverständlich, warum es nicht Aufgabe jedes Einzelnen sein soll, seine persönlichen Kommunikationsbedürfnisse über einen entsprechenden Vertrag bei seinem Provider abzudecken. Wer soll denn bitte die kostenlosen und superschnellen Hotspots für alle finanzieren?

Störsender am 30.07.14 14:51

In Frankreich funktioniert es auch.Da bietet jeder Supermarkt und Kiosk freies WIFI an.
Bin im April diesen Jahres von Köln nach Berlin gefahren mit dem ICE.Bei der Hinfahrt funktionierte das WLAN sehr Gut.Die Rückfahrt war Hotspot mässig eine Katastrophe.Da muss die Bahn noch nachbessern.

Ralf am 30.07.14 15:11

Immer wieder schön diese Diskussion. Wer WLAN unterwegs benötigt hat doch die Möglichkeit sich einen mobilen Hotspot anzuschaffen. Und es gibt sogar bis zu 100 MB Volumen kostenlose SIM-Karten - reicht zum Mails checken allemal. Ansonsten nimmt man sich einen Prepaid-Provider oder eine Flat. Alles erhältlich und es funktioniert sogar sehr gut. Also, warum immer dieses Gejammer und warum zum Geier soll die Allgemeinheit die Surfkosten einzelner tragen die nicht willens oder zu geizig sind um sich das Equipment für WLAN unterwegs selbst zu kaufen?

Ich am 30.07.14 16:46

@Ich: Ein Volumen von 100 MB wäre bei einem durchschnittlichen Nutzer heutzutage schnell aufgebracht. Es ist außerdem, wie Neelie Kroes sagt: Die Allgemeinheit zahlt bereits, zum Beispiel durch teure Flughafengebühren, teure ICE-Tickets, teure Zimmerpreise - sie hat nur nichts davon.

Dennis Horn am 30.07.14 16:52

Das mit den 100 MB ist richtig, das ist nicht viel. Wenn man sein Surf-und Mailverhalten anpasst kommt man aber sehr gut damit klar. Ich lade aber z.B. erst mal nur meine Mailheader herunter. Dann sehe ich was es ist und wie groß die Mails sind. Meistens haben die großen Mails Zeit bis ich wieder im LAN zu Hause bin. Benötige ich doch mal eine große Mail oder andere größeren Datenmengen unterwegs lege ich kurz eine andere SIM-Karte ein und habe für 59 Cent ne halbe Stunde um ein GB zu laden, oder für 99 Cent 9o Minuten, etc. Die Kosten halten sich im Rahmen und ich bin nicht auf anderes WLAN angewiesen. Meiner Meinung nach eine echt gute Alternative und ich habe die Kontrolle über die Sicherheitseinstellungen meines WLANS.

Ich am 30.07.14 17:24

@Ich: Finden Sie nicht, dass das alles ein bisschen kompliziert ist. Erst gucken wie groß die Mail ist, dann überlegen ob man sie runterlädt oder nicht, dann womöglich noch die SIM-Karte wechseln. Warum kompliziert, wenn es auch einfach geht. Außerdem ist es kein Argument zu sagen, soll halt jeder selber zahlen. Die allermeisten haben sowieso eine Flatrate für´s Internet. Es ist einfach nicht einzusehen, dass ausgerechnet in einem vergleichsweise reichen Land wie Deutschland die Versorgung derart schlecht ist und uns andere Länder, von denen man es eigentlich gar nicht vermuten würde, so weit voraus sind. Zumindest der europäische Standard sollte ja wohl das Minimalziel sein. - Übrigens können Sie ein Wlan gar nicht hundertprozentig absichern.

Pat am 31.07.14 8:11

Ach was wir alle wichtig das wir alle unterwegs online sein müssen; alles Wichtigtuerei. Seid doch mal froh nicht ständig auf diesen blöden Geräte rumzudaddeln.

Yondrascheck am 31.07.14 12:20

@Yondrascheck-diese Leute sind nicht wichtig.Das sind Sklaven,daher der Zwang staendig erreichbar zu sein.

Robin am 31.07.14 12:56

@Robin schön gesehen, dann bin ich ja nicht ganz alleine. Das Meiste ist sowieso nur unwichtige Spielerei und dafür wird so ein Aufstand gemacht das auch Mutti Merkel sich berufen fühlt ihren Senf dazu abzugeben.

Yondrascheck am 31.07.14 13:57

Der Bürger hilft sich selbst: http://freifunk.net/

derJustus am 31.07.14 18:17

Kommentieren



Die mit * gekennzeichneten Felder müssen ausgefüllt werden.


Angaben speichern (Cookie)?


Um Ihren Kommentar zu versenden, beantworten Sie bitte die folgende Frage:


Trackbacks zum Eintrag Gebt uns endlich ordentliches WLAN!

Zum Anfang dieses Eintrags

Dienstag, 29.07.2014

Ich habe das Internet ausgedruckt!

"Du bist ein Internetausdrucker!" - das gilt unter uns Einwohnern von Digitalistan als Beleidigung. Die Internetausdrucker sind die Rückständigen. Die es nicht schaffen, lange Texte am Bildschirm zu lesen. Die nichts glauben, solange es nicht schwarz auf weiß auf Papier steht. Wobei: Es kommt natürlich darauf an, wie man das Internet ausdruckt.

My Social Book; Rechte: WDR/Horn
Der Onlinedienst "My Social Book" bringt das eigene Facebook-Profil in Buchform. Die Beiträge aus welcher Zeit im Buch landen, können wir selbst festlegen.

Ich habe mir gerade zum Beispiel meine Profile und Fotos aus sozialen Netzwerken ausdrucken lassen. Das Buch oben enthält auf 115 Seiten mein Facebook-Jahr 2013. Dafür habe ich dem Onlinedienst "My Social Book" 34 Euro bezahlt und Zugriff auf mein Profil gegeben - er hat sich dann Statusmeldungen, Fotos und Kommentare gezogen. Den Umschlag dieses Buches konnte ich mir selbst aussuchen: Softcover oder Hardcover? Wie soll es gestaltet sein? Welches Foto möchte ich darauf sehen?

Der Rest des Buches wurde automatisch gestaltet: Statusmeldung an Foto an Linktipp, und immer, wenn Beiträge bei meinen Freunden gut angekommen sind, wurden sie im Buch hervorgehoben gedruckt. Meine "erfolgreichsten Fotos", die übers Jahr die meisten Gefällt-mir-Klicks bekommen haben, finden sich auf einer eigenen Doppelseite.

Es gibt im Buch zwar immer wieder Fehler und Ungereimtheiten, Seitenumbrüche an unschönen Stellen, abgeschnittene Statusmeldungen, leere Flächen, die man höchstens als Raum für Notizen nutzen kann. Dafür halte ich ein Buch in der Hand, das selbst dann noch in meinem Regal stehen wird, wenn es Facebook nicht mehr geben wird. Es schafft die Vergänglichkeit ab - und ich entdecke darin lauter Dinge, die in Facebook schon an Stellen gerutscht sind, an die ich nie mehr scrollen würde.

Instagram-Marshmallows; Rechte: WDR/Horn
Verrückte Idee: boomf verwandelt die eigenen Instagram-Fotos in Marshmallows.

Auch der Onlinedienst boomf druckt euch das Internet aus - allerdings in einer wieder recht vergänglichen Form, nämlich auf Marshmallows. Eine Packung enthält neun Marshmallows, bedruckt mit euren Fotos aus Instagram. Das ist mit rund 20 Euro zwar recht teuer, aber zum Beispiel als Geschenk eine wundervolle Idee.

Es gibt eine ganze Reihe dieser Dienste: Beim deutschen Anbieter Social Memories könnt ihr Bücher aus verschiedenen Social-Media-Profilen zusammenstellen. Twournal erstellt euch Bücher und E-Books aus euren Twitter-Accounts. Und Blueprint druckt Poster mit den Profilfotos eurer Freunde - oder ganz andere Inhalte aus eurem Profil.

All diese Dienste haben einen großen Nachteil: Ich habe bei jedem von ihnen wirklich dreimal überlegt, was ich überhaupt bestelle, weil ich die Preise für den Druck recht happig finde. Aber vor allem das Gefühl, meine eigenen Inhalte wirklich zu besitzen und mir zu Hause aufhängen oder ins Regel stellen zu können, schlägt diesen Preis.


Hinweis: Links zu den Anbietern fehlen im Blogbeitrag, weil in den Onlineangeboten des WDR Links zu Webseiten mit direkten Kaufaufforderungen nicht erlaubt sind. Die Suchmaschine eures Vertrauens hilft euch da aber bestimmt weiter.


Unsere Blogger Anita Horn und Dennis Horn sind weder verwandt noch verheiratet, aber umso besser vernetzt. Sie entdecken jede Woche digitale Perlen: spannende Webseiten, lustige Links und Angebote, die den Alltag bereichern - hier im Blog, jeden Dienstag in der WWW: WDR 5 LebensArt im Radio und einmal im Monat in der WDR: Servicezeit im WDR Fernsehen.

Lieber Herr Horn, das ist doch nichts Neues. So etwas nennt sich "Tagebuch", gab's schon immer - und beeinhaltet in meiner Form auch die tollen Erinnerungen, die nicht den Umweg über die Facebook-/Google-/NSA-Server gegangen sind. Halt die wirklich persönlichen Momente. Aber schön zu lesen, dass auch Ihre Generation langsam wieder einige Vorzüge der analogen Welt zu erkennen scheint. Weiter so!

Jürgen am 29.07.14 11:51

@Jürgen: "Meine Generation" ist in Teilen sehr wählerisch dabei, was sie bei Facebook veröffentlicht und was nicht. Dinge, die klassischerweise in ein Tagebuch gehören, sind bei mir zum Beispiel nicht dabei ;).

@Jürgen am 29.07.14 11:55

Kommentieren



Die mit * gekennzeichneten Felder müssen ausgefüllt werden.


Angaben speichern (Cookie)?


Um Ihren Kommentar zu versenden, beantworten Sie bitte die folgende Frage:


Trackbacks zum Eintrag Ich habe das Internet ausgedruckt!

Zum Anfang dieses Eintrags

Montag, 28.07.2014

Ein Programm, das aus jedem Video die perfekten animierten GIFs zieht

Wenn es etwas gibt, das es zur eigenen Internet-Kunstform gebracht hat, sind das die animierten GIFs. Sie sind ein Relikt aus der Urzeit des World Wide Webs - und heute so modern wie nie. Sie verstecken sich WWW: in Tumblr-Blogs, Blog: lassen Websites zur Spielerei werden, für sie gibt es eigene WWW: Aggregatoren und WWW: Suchmaschinen - und auch Tools, Blog: um selbst animierte GIFs zu erzeugen. Zu diesen Tools gehört auch loopFindr.

Mit dem Programm des US-Studenten Collin Burger könnt ihr jedes beliebige Video öffnen. Die Software analysiert dieses Video dann auf mögliche Loops, also Sequenzen, die sich als Schleife immer wieder von vorn abspielen lassen, spuckt euch die Ergebnisse aus - und lässt euch diese Loops dann direkt in animierte GIFs umwandeln.

Ein paar Beispiele findet ihr im WWW: loopFindr-Tumblr - und die OS-X-Nutzer unter euch können sich das Programm dort auch direkt runterladen.

Kommentieren



Die mit * gekennzeichneten Felder müssen ausgefüllt werden.


Angaben speichern (Cookie)?


Um Ihren Kommentar zu versenden, beantworten Sie bitte die folgende Frage:


Trackbacks zum Eintrag Ein Programm, das aus jedem Video die perfekten animierten GIFs zieht

Zum Anfang dieses Eintrags

 
 

Oktober 2014

Mo Di Mi Do Fr Sa So
1 2 3 4 5
6 7 8 9 10 11 12
13 14 15 16 17 18 19
20 21 22 23 24 25 26
27 28 29 30 31

Über das Blog

Digitalistan: Heimatkundliches aus dem Land der Einsen und Nullen

Suche im Blog

Aktuelle Einträge

Autoren

Blogregeln und Glossar

Newsreader-Feeds (XML/RSS)


Permanente URL dieser Seite: http://wdrblog.de/digitalistan/