Mittwoch, 13.05.2015

Wie grün ist das Internet?

Wer macht sich eigentlich Gedanken, welcher Aufwand betrieben werden muss, damit Daten von A nach B gelangen, damit die Cloud Daten und Programme vorhalten kann? Tatsache ist: Jede einzelne Aktivität im Netz kostet Energie, egal ob wir ein Foto speichern, einen Beitrag liken, ein Video anschauen oder in der Suchmaschine unseres Vertrauens eine Abfrage machen.

Der eigene Rechner oder das eigene Mobilgerät verbraucht selbstverständlich ebenfalls Energie - aber das ist nur der geringste Faktor dabei. Deswegen ist es aufschlussreich, wie "grün" die großen Serverfarmen eigentlich sind. Konkret: ob sie mit Kohle, Atom oder eben durch Sonne oder Wind betrieben werden. Aber wer weiß das schon?

Wie machen sich die großen Onlinedienste in Sachen Umweltschutz?; Rechte: Greenpeace
Wie machen sich die großen Onlinedienste in Sachen Umweltschutz?

Apple bekommt Bestnoten
Im WWW: Click Clean Report 2015 weist Greenpeace konkret nach, wie gut die einzelnen Betreiber von großen Server-Parks ihren Job machen - und zwar ausschließlich unter dem Aspekt, wie umweltschonend sie arbeiten (oder eben auch nicht). Klassenprimus ist: Apple. Denn nur Apple versorgt seine Cloud zu 100% mit erneuerbaren Energien, also mit Energie aus Solar, Wasser oder Wind. Google, Facebook und Yahoo sind auch noch vergleichsweise gut aufgestellt. Etwas traditionsreichere Anbieter wie eBay, Oracle, HP sowie einige andere sind hingegen die Buhmänner. Sie setzen mitunter noch auf Energie aus Kohlekraftwerken, verpesten also definitiv die Umwelt.

17 Unternehmen hat sich Greenpeace in seinem Bericht genauer angeschaut. Den kompletten Bericht gibt es WWW: hier als PDF zum Download. Ich finde, eine lobenswerte Arbeit von Greenpeace. Denn so lässt sich der Druck erhöhen auf die Schmutzfinken, die nicht mit der Zeit gehen - und vollkommen unnötig auf Energiequellen setzen, die nicht regenerativ sind. Das sollten auch wir Verbraucher wissen - und bei unserem Surfverhalten berücksichtigen. Schließlich zeigen die positiven Beispiele, dass es auch anders geht. Übrigens: Apple ist dieses Jahr zwar Musterschüler, wurde aber in den vergangenen Jahren durchaus auch für seine "schmutzige iCloud" von Greenpeace kritisiert. Die Kritik hat also etwas gebracht.


Ironischer Spot von Greenpeace: Umweltverschmutzung durch die Cloud


Jede Suchanfrage kostet Energie
Aber auch wir Verbraucher sollten umdenken. Eine einzige Suchanfrage auf Google verbraucht etwa 0,3 Wattstunden, das haben die WWW: Kollegen von Radio Bremen recherchiert. Hundert Suchanfragen lassen schon eine 60-Watt-Birne leuchten. Bedenkt man, dass Suchmaschinen wie Google, Bing, Yahoo und Co. täglich Milliarden von Suchanfragen erhalten, summiert sich das ganz schön. Und bedenkt man außerdem, dass wir immer mehr in der Cloud machen - ja, auch wer Facebook, Twitter, Instagram und Co. nutzt, tummelt sich in der Cloud - wird der Energiehunger deutlich, der mit der zunehmenden Vernetzung einhergeht.

Das muss sich ändern. Unter WWW: cleanourcloud.com kann man mehr erfahren, wie umweltschädlich Cloud-Anbieter sind, die nicht auf erneuerbare Energien setzen.

Kein Thema ist so durchgeknallt, als das man kein grünes daraus machen könnte. Vielleicht kann sich mal ein veganer Mensch darüber Gedanken machen, welche Verücktheiten man sich als nächstes vornimmt. Ich ernähr mich leider überwiegend und völlig umweltschädlich von Fleisch, die dadurch zum Denken benutzte Energie würde die Umweltbilanz zu sehr belasten.

Hans am 13.05.15 15:59

Ich verwende nicht die iCloud. Bin ich jetzt ein Umweltsünder? Wenn ja, ist mir auch egal, ich fahre ja auch einen Diesel.

Der Alte am 13.05.15 20:17

Ach, mein Piano ist mechanisch, dann passe ich vorne und hinten nicht zu iCloud und liken tue ich auch ohne klick Beethoven.

LiFe am 13.05.15 20:37


Den Aufwand fürs Internet sollte man unbedingt ernst nehmen. Immerhin will man uns weismachen, wie toll die Effizienzsteigerung durchs Internet sei. Streaming-Dienste, Smart-Home mit Internet-Anbindung, Smart-Grids und Smart-Meter zum Einsparen von Energie sehen plötzlich unter diesem Aspekt gar nicht mehr so positiv aus.

Dabei wird unvollständig gerechnet. Wir bauen erst mal das schnelle Internet. Die Preise für den Kunden sollen niedrig sein. So weit, so gut. Nun setzen sich zweifelhafte Geschäftsmodelle ins subventionierte Netz: Werbefirmen, Streamingdienste, in Zukunft das "Internet der Dinge". Die dann errechnete Effizienz ist verzerrt. Sie gilt nur aus der Sicht der Wirtschaft. Besonders bedenklich ist es, wenn der Einzelne dabei zusätzlich überwacht wird.

Bertram in Mainz am 16.05.15 11:04

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Mittwoch, 13.05.2015

Facebook verführt Verleger

Spiegel und Bild geben die Vorhut. Eine mehr als ungewöhnliche Allianz - und das sollte uns skeptisch machen. Denn beide Publikationen veröffentlichen ab sofort Teile ihrer Inhalte direkt auf Facebook. "WWW: Instant Articles" nennt das Mark Zuckerbergs Netzwerk. Gemeint sind damit Artikel, die direkt im Facebook-Network gespeichert sind und dort gelesen werden können. Man bekommt also keinen Abriss präsentiert und landet nach einem Klick auf der Webseite des Inhalteanbieters, sondern liest alles von vorne bis hinten direkt in Facebook. Der Leser muss das soziale Netzwerk nicht verlassen.

Facebook Instant Articles: Inhalte direkt im Netzwerk eingebunden; Rechte: dpa/Picture Alliance
Facebook Instant Articles: Inhalte direkt im Netzwerk eingebunden


Facebook lockt mit 100% Werbeeinnahmen
Dafür werden die Verlage auch belohnt: Spiegel, Bild und alle anderen, die von Anfang an dabei sind, bekommen 100% der Werbeeinnahmen, die im Umfeld zu ihren Artikeln gemacht werden. Sie können sogar ihre eigenen Anzeigen mitbringen. Normalerweise ist es weniger, bei Google AdSense zum Beispiel 68%. Aber dafür behält man die vollständige Kontrolle über die eigenen Inhalte sowie die Nutzerdaten. Wer 32% mehr kassieren möchte, verzichtet also mal eben auf jedwede Kontrollmöglichkeit. Und liefert dem ohnehin schon größten und am schnellsten wachsenden System noch zusätzliches Futter, um weiter zu wachsen.

Besonders schlau ist das sicher nicht. Denn wenn sich die User erst mal daran gewöhnt haben, "ihr" Netzwerk nicht mehr verlassen zu müssen, dann wollen sie es irgendwann auch nicht mehr. Mark Zuckerberg wird sich freuen. Die User vielleicht auch. Aber es darf bezweifelt werden, dass sich auch alle anderen darüber freuen. Eine Win-Win-Win-Situation ist das nämlich ganz sicher nicht. Auch wenn Facebook erst mal mit 100% der Werbeeinnahmen lockt: Man kann sicher sein, dass die Anteile deutlich reduziert werden, wenn Facebook mächtig genug geworden ist, wenn jeder praktisch gezwungen ist, seine Inhalte bei Facebook zu präsentieren. Und dann werden die Pioniere von heute die sein, die den Karren als erste in den Mist gezogen haben.

Jonah Peretti: Macht Geld mit etwas, was nach Infos aussieht; Rechte: dpa/Picure Alliance
Jonah Peretti: Macht Geld mit etwas, was nach Infos aussieht


Facebook lockt mit 100% Werbeeinnahmen
Spiegel und Bild sind natürlich nicht allein. Auch New York Times, National Geographic, NBC News, Atlantic und Buzzfeed machen mit, in Großbritannien die BBC und der Guardian. Sie alle legen ihr Schicksal in die Hände von Mark Zuckerberg. Ich kann verstehen, dass man neue Wege gehen und sich auch ausprobieren möchte. Die Info-Junk-Schleuder Buzzfeed geht den Weg schon länger, seine Inhalte in die sozialen Netzwerke einzustellen.

Wie Jonah Peretti auf der WWW: SXSW-Konfernz im März eindrucksvoll geschildert hat, ist Buzzfeed damit überaus erfolgreich. Allerdings sollte man sich fragen, ob man wie Buzzfeed sein möchte. Ich kann jedenfalls nicht erkennen, dass Buzzfeed irgend eine relevante Bereicherung darstellt, während zumindest der Spiegel wertvolle Inhalte bietet. Wie sagte schon Erich Kästner: "Was immer geschieht: Nie dürft ihr so tief sinken, von dem Kakao, durch den man euch zieht, auch noch zu trinken."

Nun denn, Zuckerberg ist clever. Befassen wir uns mit Kästner. " Alles was gigantische Formen annimmt" hat er gesagt, "kann imponieren. Auch die Dummheit".

LiFe am 13.05.15 20:25

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Dienstag, 12.05.2015

Zettellose Mehr-Personen-Kalender

Ein Termin, fünf Telefonate, zehn Mails oder zwanzig Messages - und am Ende weiß keiner mehr, was abgemacht wurde. Einige behelfen sich mit Doodle-Listen, um den Überblick zu bewahren. Andere kritzeln noch alles auf Post-Its. Ich benutze am liebsten Familienplaner-Apps. Quasi die Wandkalender von damals, mit mehreren Spalten für Mama, Papa, Kind und Katze - nur eben digital. Die helfen übrigens durchaus auch Eltern, um sich während der Kita-Streiks in Sachen Kinderbetreuung abzustimmen.

App Ohana; Rechte: WDR/Horn

Um nicht permanent telefonieren zu müssen, verabredet man sich im Büro noch per Outlook, privat nutzt der Homo Digitalis die mitgelieferten Kalenderfunktionen auf seinem Handy oder schnappt sich Apps wie Week Cal, Ohana oder Family Cockpit - alle zwischen 1,79 und 2,99 Euro teuer, aber mit zahlreichen Funktionen.

App Family Cockpit; Rechte: WDR/Horn

So gibt es meist die Möglichkeit, mehrere Subkalender zu erstellen, die ich für bestimmte Personen freischalten oder unsichtbar lassen kann. Wer die Termine einsehen darf, muss dafür nicht extra snychronisieren. Das macht das Handy automatisch. Wenn ich also einen neuen Termin eintrage und eine Freundin einlade, erhält sie innerhalb weniger Sekunden eine Benachrichtigung oder eine blinkende "1" auf dem App-Icon angezeigt und weiß, dass etwas Neues ansteht. Regelmäßige Termine werden nicht als Neuigkeit angezeigt.

Ob man sich nur für einen Termin zum Reifenwechsel abstimmt oder zum Training verabredet - jeder ist sofort auf dem Laufenden. Bei Family Cockpit kann man auch Notfallnummern und Kontaktlisten teilen und es gibt einen Wunschlistenplaner für Geburtstage. Bei einer vierköpfigen Familie läppern sich die Kosten für den App-Kauf allerdings. Deshalb lohnt es sich auch, die ein oder andere Gratis-App zu testen.

App Famanice; Rechte: WDR/Horn

Die App Famanice ist vom Design in grün und weiß eher kantig und gefällt mir nicht so gut, aber sie funktioniert. Toll ist, dass hier eine Einkaufsliste integriert ist, aus der man einzelnen Leuten einzelne Zutaten zuordnen kann, damit jeder weiß, was er besorgen soll. Außerdem gibt es hier einen Stundenplan - super für Familien mit mehreren Kindern, aber auch wunderbar geeignet für die Planung von Trainingsterminen und Wettkämpfen in Vereinen oder die Organisation von Umzügen. Ich muss nur noch alle anderen überzeugen, sich die Apps auch runterzuladen. Per Mail. Oder Message. Notfalls auch zehn Mal.

Unsere Blogger Anita Horn und Dennis Horn sind weder verwandt noch verheiratet, aber umso besser vernetzt. Sie entdecken jede Woche digitale Perlen: spannende Webseiten, lustige Links und Angebote, die den Alltag bereichern - hier im Blog und jeden Dienstag in der WWW: WDR5 LebensArt im Radio.

Schon der kostenlosen Google Kalender kann Mehrbenutzerbetrieb und vieles mehr.
Und da er u. a. auch im Browser läuft, kann ihn jeder benutzen.

Resümee: Bessere Lösung, 0 Euro kosten!

Kumuluss am 13.05.15 0:08

Schon der kostenlosen Google Kalender kann Mehrbenutzerbetrieb und vieles mehr.
Und da er u. a. auch im Browser läuft, kann ihn jeder benutzen.

Resümee: Bessere Lösung, 0 Euro kosten!

Kumuluss am 13.05.15 0:09

Und was soll daran jetzt neu sein???
Mach ich seit Jahren so; geht sowohl mit Android als auch mit Apple-Geräten ohne Probleme.

Wenn ihr so olle Kamellen hier schreibt, müsst ihr euch nicht wundern, dass es kaum Kommentare zu den Blog-Einträgen gibt....

Christian Müller am 13.05.15 13:07

Man sollte beachten, dass man mit der Teilnahme der Nutzung der persönlichen Daten zustimmt. Zwar muss man nicht zwingend Adresse, Geburtsdatum oder Bilder hinterlegen, aber mindestens e-Mail Adresse und Familienbeziehungen werden preisgegeben. Das sind schon mehr gesicherte Informationen, als Google oder Facebook automatisch bekommen.

So gesehen ist die App zwar kostenlos aber nicht ohne Preis!

Michael Ziegler am 13.05.15 21:07

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