Donnerstag, 16.04.2015

Auch Du stehst unter Generalverdacht

Nun ist sie also wieder auf dem Tisch, die Vorratsdatenspeicherung (Blog: VDS). Damit wir es nicht merken, werden andere Begriffe verwendet wie "digitale Spurensicherung" oder "Mindestspeicherdauer". Alter Wein in neuen Schläuchen. Dass wir sie schon mal hatten, diese Datenspeicherung auf Vorrat, die vom Bundesverfassungsgericht als verfassungswidrig eingestuft wurde, spielt offensichtlich keine Rolle (mehr).

Obwohl Bundesjustizminister Heiko Maas die VDS noch vor einigen Wochen vehement abgelehnt hatte, ist er jetzt vorne mit dabei und setzt sich für eine VDS 2.0 ein. Das Instrument der Vorratsdatenspeicherung soll unbedingt wieder her. Zwar sollen unsere Kommunikationsdaten jetzt nicht mehr 24 Monate gespeichert werden, wie ursprünglich, sondern nur noch zehn Wochen und auch ein paar weniger als damals. Aber es soll wieder überwacht und gespeichert werden. Aber kann etwas, was grundsätzlich falsch ist, besser werden, wenn zwar die Verpackung geändert wird - der Grundsatz aber derselbe bleibt? Ich denke: Nein.

Lupe mit Daten; Rechte: dpa/Picture Alliance
Bei der Vorratsdatenspeicherung werden jede Menge Daten erfasst


Konformes Verhalten erwünscht - oder erzwungen?
Was bleibt, ist der Generalverdacht, unter dem wir alle gestellt werden. Denn anlasslos soll sie bleiben, die Vorratsdatenspeicherung. Für Blog: viele Deutsche ist es kein Problem, wenn ihre Kommunikationsdaten gespeichert werden. Sie haben ja nichts zu verbergen. Internet-Aktivist Sascha Lobo WWW: weist aber völlig zu Recht darauf hin, dass das kein beruhigendes Argument ist - sondern ein beunruhigendes. Denn: Wer meint, er hätte nichts zu verbergen, der achtet generell schon darauf, sich konform zu verhalten. WWW: Ich tue, was von mir verlangt wird. Dann bekommt man zwar keinen Strafzettel. Aber gut für eine Gesellschaft ist das zweifellos nicht.

Bei der Vorratsdatenspeicherung werden diverse, auf den ersten Blick womöglich sogar unverdächtig wirkende Dinge erfasst und gespeichert, etwa der aktuelle Aufenthaltsort, wann wir E-Mails verschicken und an wen, wann und wo wir online gehen oder SMS verschickt haben. Jede Menge persönlicher Daten, die da aufgehäuft werden. Wer sie intelligent auswertet, bekommt ein perfektes Bewegungsprofil. Niemand wird bestreiten wollen und können, dass solche Daten für die Strafverfolgung relevant sein können. Aber dann sollte man solche Daten eben auch nur von potenziellen Straftätern erheben - und nicht pauschal von allen, weil es einfacher und bequemer ist.

Von der VDS gehen Gefahren aus
Dass die Daten nur auf richterliche Anordnung rausgerückt und ausgewertet werden, soll beruhigend klingen - ist aber ein Trick. Wir wissen schließlich alle, wie häufig es vorkommt, dass Daten dann eben doch missbraucht werden, weil sie nicht ausreichend gesichert sind. Oder weil eben auch die Anforderungen, nach denen solche Daten ausgewertet werden sollen, elastisch sind. Was heute noch undenkbar scheint, ist morgen eine Option. Es muss nur etwas geschehen sein, wofür wir künftig geschützt werden sollen. Flugzeugabsturz. Entführung. Bombenanschlag. Was auch immer.

Wie viel man mit VDS-Daten in Erfahrung bringen kann, macht WWW: diese Visualisierung von OpenDataCity deutlich. Gefüttert mit den Kommunikationsdaten eines Schweizer Politikers, entsteht ein beeindruckendes Profil des Menschen.


Ein Informationsangebot von WWW: OpenDataCity

Wer sich intensiver mit der Thematik beschäftigt und sich nicht zum Unterstützer eines Überwachungsstaates machen möchte, muss deshalb früher oder später zu dem Schluss kommen: Der Schaden ist weitaus schlimmer als der Nutzen. Vor allem, weil es kaum Belege dafür gibt, dass mit der Vorratsdatenspeicherung deutlich mehr Straftaten aufgedeckt werden können. Verhindert schon gar nicht. Denn dann müssten wir angesichts der von der NSA angehäuften Daten uns ja über eine nahezu 100-prozentige Aufklärungsrate freuen dürfen.

Die "marktkonforme Demokratie" ala Kanzlerin Merkel machts möglich. Der Rest an Demokratie wird gerade an US-Konzerne verkauft ("Freihandelsabkommen"),
mit Unterstützung von Bundespräsident Gauck, CDU/CSU, FDP und SPD. Interesse an politischen Vorgängen wird in dieser ökonomisierten Welt aberzogen, daher die ausgeprägte Gleichgültigkeit gegenüber der Massenüberwachung der USA und GB und gegenüber der überschätzten Vorratsdatenspeicherung. In einer "Phoenix"-Doku wird gezeigt, dass in Zukunft Konzerne die Allmacht haben, auf diesem Weg befinden wir uns und solche Politiker bereiten den Weg.

Michael am 16.04.15 17:56

hochgradig debil oder sie verstehen es nicht einfach, was Brüssel und Karlsruhe entschieden haben zum Wohle der Menschen, es sitzen doch hunderte Anwälte in den Bundestagen, vertreten sie als Volksvertreter das Volk oder ihre Diäten ?

heinzb aus nrw am 16.04.15 20:22

Wann begreift ihr Journalisten es endlich-das es eben nicht um die Aufklaerung von Straftaten oder gar Terrorismus geht?Es wird derzeit der Weg in die Diktatur geebnet-das ist alles!Allerdings das Argument das es nicht akzeptabel sein"sich konform zu verhalten um keinen Strafzettel zu bekommen"traegt nicht!Darauf beruhen nun einmal unsere Gesetze und "Falschparker"verhalten sich nun einmal nicht akzeptabel!Ein wenig anders verhaelt sich das aber nun einmal mit der freien(anonymen) Meinungsaeusserung oder der Suche nach Informationen,oder mit wem ich kommuniziere-dies geht den Staat einfach nichts an!Interessanterweise helft ihr Journalisten aber mit beim aufbau des Uberwachungsstaaates-durch eure Propagierung von Datenkraken wie facebook&Co.+Datenauslagerung in die "klaut",Scheinverschluesselungen wie die derzeit von Posteo propagierte usw.!

Nun ja am 16.04.15 20:22

hochgradig debil oder sie verstehen es nicht einfach, was Brüssel und Karlsruhe entschieden haben zum Wohle der Menschen, es sitzen doch hunderte Anwälte in den Bundestagen, vertreten sie als Volksvertreter das Volk oder ihre Diäten ?

heinzb aus nrw am 16.04.15 20:22

hochgradig debil oder sie verstehen es nicht einfach, was Brüssel und Karlsruhe entschieden haben zum Wohle der Menschen, es sitzen doch hunderte Anwälte in den Bundestagen, vertreten sie als Volksvertreter das Volk oder ihre Diäten ?

heinzb aus nrw am 16.04.15 20:22


Wo bleibt die Presseerklärung der PIRATEN? Pennen die? Es ist eine tolle Chance, sich endlich wieder ins Gespräch zu bringen! An überzeugenden Argumenten fehlt es ganz bestimmt nicht!

Bertram in Mainz am 16.04.15 22:00

Der kreative Mensch, der Ideen entwickelt und mühsam versucht sie umzusetzen reagiert äußerst gekränkt "verdächtigt" zu sein! Es gibt Menschen, die sehr wohl das Gemeinwohl anstreben. Romain Rolland: "Im Gegensatz zu ihnen, Herr Sowieso war ich treuer zu Europa und nie habe ich Freunde verleugnet."

LiFe am 17.04.15 11:03

Haben Sie denn schon den Kommentar des stellvertretenden Hauptstadtkorrospondenten der ARD - Rainald Becker - zu dem Thema gehört? Da fragt man sich doch, welche Qualifikationen man haben muss, um bei der ARD zu arbeiten. Intelligenz schient da jedenfalls nicht allzu weit oben auf der Liste zu stehen.
Also geben Sie bitte unbedingt auch Ihren Kollegen entsprechende Nachhilfe...

dobby.s am 18.04.15 19:47

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Mittwoch, 15.04.2015

Chrome 42 kann jetzt auch Push

Wir kennen das vom Smartphone: Plötzlich poppt eine kleine Dialogbox mit einer Nachricht auf. "Willst Du Dich nicht mal wieder um Clumsy kümmern?", bringt sich das App-Game Clumsy Ninja in Erinnerung. Oder: "Hast Du sieben Minuten Zeit?", fragt die Fitness-App Seven. Andere Apps versorgen uns mit aktuellen News oder Tweets oder Fotos. Solche Nachrichten werden Push-Nachrichten genannt, weil sie in das Gerät und auf den Screen geschoben werden. Solche Push-Nachrichten können durchaus praktisch sein - aber auch nervig. Vor allem, wenn es zu viele davon gibt. Und jetzt muss man auch auf dem PC mit solchen Push-Nachrichten rechnen.

Google Chrome: Die neue Version 42 bietet Push-Nachrichten; Rechte: Google
Google Chrome: Die neue Version 42 bietet Push-Nachrichten


Praktisch oder nervig? Kommt ganz drauf an
Denn Google hat seinem WWW: Chrome-Browser in der aktuellen Version 42 solche Push-Nachrichten spendiert. Eine Webseite kann nun eine Nachricht auf dem Bildschirm des Benutzers aufpoppen lassen, selbst wenn die betreffende Webseite gar nicht (mehr) im Browser geöffnet ist. Es gibt dazu eine eigene WWW: Push API, also eine Schnittstelle für Programmierer. Darüber können Webseiten-Betreiber Nachrichten auf die Bildschirme der Chrome-User schieben. Wann immer ihnen danach ist.

Nachrichten-Spam muss man jetzt nicht gleich befürchten. Denn Chrome-Nutzer müssen diese Push-Nachrichten erst mal generell erlauben und dann auch jeder einzelnen Webseite die ausdrückliche Genehmigung erteilen, ihnen Push-Nachrichten schicken zu dürfen. Doch einmal erteilt, kann es dann auch gleich los gehen. Der User wird über neue Artikel, neu eingetroffene E-Mails oder neue Fotos informiert.

Dass so etwas durchaus überhand nehmen kann, beweisen die Push-Nachrichten auf dem Smartphone. Auch da muss man es ausdrücklich erlauben, dass solche Nachrichten auf dem Display erscheinen. Viele machen das fast automatisch. So eine Genehmigung nachträglich wieder zurückzunehmen, ist mit Arbeit verbunden.

Chrome will die User noch intensiver informieren; Rechte: dpa/Picure Alliance
Chrome will die User noch intensiver informieren


Praktisch oder nervig? Kommt ganz drauf an
Chrome gibt es nicht nur für Windows, Mac OSX und Linux, sondern auch für die Mobilwelt. Die neue Push-Funktion gibt es unter allen Plattformen. Die technischen Voraussetzungen, um solche Nachrichten über einen sogenannten WWW: Service Worker als im Hintergrund geladene Skripte via Google verschicken zu können, sind nicht ohne. Doch ich bin überzeugt davon, dass schon sehr bald viele Webseiten von dieser Möglichkeit Gebrauch machen werden. Denn Google Chrome ist einer der am weitesten verbreiteten und populärsten Browser. Die neuen Push-Nachrichten sind eine willkommene Möglichkeit, mehr Aufmerksamkeit zu bekommen.

Der Safari-Browser bietet WWW: solche Push-Notifications schon länger an. Doch während Safari ein eher unbedeutender Browser ist, ist Google Chrome die Nummer eins. Ich bin daher sicher, dass auch Firefox und Microsoft Spartan künftig mit vergleichbaren Funktionen ausgestattet werden. Daher aufgepasst: Ich empfehle, sparsam mit Genehmigungen für Push-Nachrichten umzugehen.

Der Safari-Browser hat mittlerweile sogar den IE überholt (laut diversen Statistiken im Internet). So unbedeutend ist er auf jeden Fall nicht mehr.

Einspruch am 15.04.15 15:17

@Einspruch
Wann?
http://de.statista.com/statistik/daten/studie/158095/umfrage/meistgenutzte-browser-im-internet-weltweit/

Ach, pusche der was wolle. :D

Peter am 15.04.15 15:56

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Dienstag, 14.04.2015

Hillarys 404-Seite

Wenn ein Web-Server mit einer Webadresse nichts anfangen kann, zum Beispiel weil es die Webseite nicht mehr gibt, weil sich ein Fehler eingeschlichen hat oder die Adresse versehentlich gekürzt wurde, dann erscheint bei vielen Web-Servern eine lapidare Fehlermeldung: Error 404 - Seite nicht gefunden. Manche Betreiber spendieren ihren Webseiten aufwändiger gemachte 404-Seiten. Der WDR WDR: zum Beispiel erklärt, was los ist und was man machen kann, um die gewünschte Seite doch noch zu finden.

Die Webseite zu Hillary Clintons gerade gestarteter Kampagne hält ein Bonbon bereit: Wer eine unbekannte Seite wie WWW: www.hillaryclinton.com/digitalistan aufruft, der sieht ein Familienfoto der Clintons aus alten Tagen. Mit Ex-Präsident Bill, mit Tochter Chelsea, Mama Hillary und Donald Duck. Dahinter steckt natürlich knallhartes Kalkül: Eine intakte Familie, zu Besuch in Disney World. Die sind wirklich wie Du und ich. Und darunter steht: Willst Du nicht freiwillig unsere Kampagne unterstützen?

clinton404.png
Hillary Clintons 404 Seite

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