Freitag, 17.04.2015

Illegal streamen mit Periscope

Was waren das doch für schöne, weil ruhige und auf gewisse Weise auch einfache Zeiten, als Musik noch auf Vinyl gepresst wurde und Filme auf Zelluloid in die Kinos kamen. Wenn sich überhaupt mal jemand die Mühe gemacht hat, etwas zu kopieren, dann war die Kopie grundsätzlich schlechter als das Original.

Das ist heute natürlich völlig anders: Fotos, Musik und Videos verlieren nicht im Geringsten an Qualität, wenn man sie kopiert. Darum haben Fotografen, Musiker und Filmemacher immer wieder damit zu kämpfen, dass ihre Inhalte illegal kopiert und über das Internet verbreitet werden. Dabei werden immer wieder neue Methoden ausprobiert, wie sich die Inhalte verbreiten lassen. Neuester Trend: Live-Video-Stream-Apps wie Periscope oder Merkaat.

Periscope ist eine kostenlose App für Live-Videos; Rechte: Periscope
Periscope ist eine kostenlose App für Live-Videos


Peer to Peer bekommt Konkurrenz
Mit Apps wie WWW: Periscope oder WWW: Merkaat lassen sich Momente mit anderen teilen. Man kann zum Beispiel ein Konzert mit dem Smartphone einfangen und live ins Netz senden. Alle Freunde können dann über ihr Smartphone live dabei sein und zuschauen, wie bei einer Live-Übertragung. Natürlich kann man auch andere Dinge übertragen, etwa die ersten Schritte des Nachwuchses, ein Fußballspiel, das Meeresrauschen und vieles andere mehr. Der Phantasie sind da keine Grenzen gesetzt. Die Videoqualität ist nicht berauschend, aber OK - und wird erfahrungsgemäß mit der Zeit immer besser.

Peer-to-Peer-Netzwerke zum illegalen Austausch von Musik, Filmen und Software waren gestern. Heute werden eben andere Tricks angewendet: Eine zunehmende Zahl von Usern nutzt heute Tools zur Live-Übertragung wie Merkaat oder Periscope, um Sendungen oder Filme illegal im Internet zu streamen. Ein User muss das Videodateien haben - und legt los. Die geleakten neuen Folgen von Game of Thrones wurden mit Hilfe von Periscope gestreamt. Es können sich mühelos Hunderte an den Stream dran hängen und die Filme anschauen.

Game of Thrones: Erst geleakt - dann gestreamt; Rechte: HBO
Game of Thrones: Erst geleakt - dann gestreamt


Kaum eine Möglichkeit der Kontrolle
Es gibt derzeit praktisch keine Möglichkeit, das zu entdecken oder gar zu unterbinden. Der amerikanische Kabelsender HBO sieht daran mittlerweile das WWW: kommende Problem von massenweiser Copyright-Verletzung. Mittlerweile werden bereits Livesendungen im Fernsehen live über Periscope gestreamt. Da hat man dann zwar nicht dieselbe HD-Qualität wie am Fernsehgerät, aber man zahlt nicht fürs Zuschauen. Das Qualitätsproblem haben all jene, die sich neue Wege für das illegale Verbreiten von Inhalten zunutze machen, bislang noch immer gelöst. Es brodelt mal wieder in der Szene. Künstler wie Madonna sprechen sogar von "Terrorismus" und "künstlerischer Vergewaltigung".

Die Kritik richtet sich an Twitter, den Erfinder und Betreiber von Periscope. Deshalb klagt HBO auch ganz konkret Twitter an. Nachvollziehbar, finde ich. Vor allem, weil Twitter angeblich in der Regel erst dann aktiv werde, wenn man den Onlinedienst auf Urheberrechtsverstöße hinweist. Im Fall vom Streaming von Livesendungen ist eine Reaktion logischerweise grundsätzlich viel zu spät. Die Argumentation von HBO ist daher verständlich. Twitter wird sich nicht mehr lange verstecken können.

Da rollt ein riesiges Problem auf Twitter zu. Auf Merkaat zwar auch, aber in der Regel müssen sich die großen Anbieter mit solchen Themen beschäftigen. Schon bald werden auch Konzertveranstalter, Kinobetreiber, Theater und andere das Problem bemerken und fordern, der Sache Einhalt zu bieten. Ob und wie das gehen soll, steht auf einem ganz anderen Blatt.

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Freitag, 17.04.2015

Apps entdecken per #homescreen

Das nenne ich mal eine interessante Variante, auf spannende neue Apps zu stoßen: Die Website WWW: #homescreen wertet lauter Screenshots von iPhone-Nutzern aus und zeigt im Anschluss an, welche Apps gerade besonders beliebt sind - so stoßt ihr immer wieder auf Apps, die gerade heiß gehandelt werden, die ihr aber vielleicht noch nicht kennt.

#homescreen; Rechte: #homescreen
Vom Twitter-Streamingdienst "Periscope" bis zur Instagram-App "Layout": #homescreen wertet aus, welche Apps Nutzer gerade besonders oft neu installieren.

Die Macher von #homescreen haben extra WWW: eine eigene App rausgegeben, mit denen sich die Screenshots auch teilen lassen - ihr könnt darauf jedes einzelne Icon durchgehen und euch anzeigen lassen, auf wie vielen Screenshots die dahinter liegende App installiert ist.

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Donnerstag, 16.04.2015

Auch Du stehst unter Generalverdacht

Nun ist sie also wieder auf dem Tisch, die Vorratsdatenspeicherung (Blog: VDS). Damit wir es nicht merken, werden andere Begriffe verwendet wie "digitale Spurensicherung" oder "Mindestspeicherdauer". Alter Wein in neuen Schläuchen. Dass wir sie schon mal hatten, diese Datenspeicherung auf Vorrat, die vom Bundesverfassungsgericht als verfassungswidrig eingestuft wurde, spielt offensichtlich keine Rolle (mehr).

Obwohl Bundesjustizminister Heiko Maas die VDS noch vor einigen Wochen vehement abgelehnt hatte, ist er jetzt vorne mit dabei und setzt sich für eine VDS 2.0 ein. Das Instrument der Vorratsdatenspeicherung soll unbedingt wieder her. Zwar sollen unsere Kommunikationsdaten jetzt nicht mehr 24 Monate gespeichert werden, wie ursprünglich, sondern nur noch zehn Wochen und auch ein paar weniger als damals. Aber es soll wieder überwacht und gespeichert werden. Aber kann etwas, was grundsätzlich falsch ist, besser werden, wenn zwar die Verpackung geändert wird - der Grundsatz aber derselbe bleibt? Ich denke: Nein.

Lupe mit Daten; Rechte: dpa/Picture Alliance
Bei der Vorratsdatenspeicherung werden jede Menge Daten erfasst


Konformes Verhalten erwünscht - oder erzwungen?
Was bleibt, ist der Generalverdacht, unter dem wir alle gestellt werden. Denn anlasslos soll sie bleiben, die Vorratsdatenspeicherung. Für Blog: viele Deutsche ist es kein Problem, wenn ihre Kommunikationsdaten gespeichert werden. Sie haben ja nichts zu verbergen. Internet-Aktivist Sascha Lobo WWW: weist aber völlig zu Recht darauf hin, dass das kein beruhigendes Argument ist - sondern ein beunruhigendes. Denn: Wer meint, er hätte nichts zu verbergen, der achtet generell schon darauf, sich konform zu verhalten. WWW: Ich tue, was von mir verlangt wird. Dann bekommt man zwar keinen Strafzettel. Aber gut für eine Gesellschaft ist das zweifellos nicht.

Bei der Vorratsdatenspeicherung werden diverse, auf den ersten Blick womöglich sogar unverdächtig wirkende Dinge erfasst und gespeichert, etwa der aktuelle Aufenthaltsort, wann wir E-Mails verschicken und an wen, wann und wo wir online gehen oder SMS verschickt haben. Jede Menge persönlicher Daten, die da aufgehäuft werden. Wer sie intelligent auswertet, bekommt ein perfektes Bewegungsprofil. Niemand wird bestreiten wollen und können, dass solche Daten für die Strafverfolgung relevant sein können. Aber dann sollte man solche Daten eben auch nur von potenziellen Straftätern erheben - und nicht pauschal von allen, weil es einfacher und bequemer ist.

Von der VDS gehen Gefahren aus
Dass die Daten nur auf richterliche Anordnung rausgerückt und ausgewertet werden, soll beruhigend klingen - ist aber ein Trick. Wir wissen schließlich alle, wie häufig es vorkommt, dass Daten dann eben doch missbraucht werden, weil sie nicht ausreichend gesichert sind. Oder weil eben auch die Anforderungen, nach denen solche Daten ausgewertet werden sollen, elastisch sind. Was heute noch undenkbar scheint, ist morgen eine Option. Es muss nur etwas geschehen sein, wofür wir künftig geschützt werden sollen. Flugzeugabsturz. Entführung. Bombenanschlag. Was auch immer.

Wie viel man mit VDS-Daten in Erfahrung bringen kann, macht WWW: diese Visualisierung von OpenDataCity deutlich. Gefüttert mit den Kommunikationsdaten eines Schweizer Politikers, entsteht ein beeindruckendes Profil des Menschen.


Ein Informationsangebot von WWW: OpenDataCity

Wer sich intensiver mit der Thematik beschäftigt und sich nicht zum Unterstützer eines Überwachungsstaates machen möchte, muss deshalb früher oder später zu dem Schluss kommen: Der Schaden ist weitaus schlimmer als der Nutzen. Vor allem, weil es kaum Belege dafür gibt, dass mit der Vorratsdatenspeicherung deutlich mehr Straftaten aufgedeckt werden können. Verhindert schon gar nicht. Denn dann müssten wir angesichts der von der NSA angehäuften Daten uns ja über eine nahezu 100-prozentige Aufklärungsrate freuen dürfen.

Die "marktkonforme Demokratie" ala Kanzlerin Merkel machts möglich. Der Rest an Demokratie wird gerade an US-Konzerne verkauft ("Freihandelsabkommen"),
mit Unterstützung von Bundespräsident Gauck, CDU/CSU, FDP und SPD. Interesse an politischen Vorgängen wird in dieser ökonomisierten Welt aberzogen, daher die ausgeprägte Gleichgültigkeit gegenüber der Massenüberwachung der USA und GB und gegenüber der überschätzten Vorratsdatenspeicherung. In einer "Phoenix"-Doku wird gezeigt, dass in Zukunft Konzerne die Allmacht haben, auf diesem Weg befinden wir uns und solche Politiker bereiten den Weg.

Michael am 16.04.15 17:56

hochgradig debil oder sie verstehen es nicht einfach, was Brüssel und Karlsruhe entschieden haben zum Wohle der Menschen, es sitzen doch hunderte Anwälte in den Bundestagen, vertreten sie als Volksvertreter das Volk oder ihre Diäten ?

heinzb aus nrw am 16.04.15 20:22

Wann begreift ihr Journalisten es endlich-das es eben nicht um die Aufklaerung von Straftaten oder gar Terrorismus geht?Es wird derzeit der Weg in die Diktatur geebnet-das ist alles!Allerdings das Argument das es nicht akzeptabel sein"sich konform zu verhalten um keinen Strafzettel zu bekommen"traegt nicht!Darauf beruhen nun einmal unsere Gesetze und "Falschparker"verhalten sich nun einmal nicht akzeptabel!Ein wenig anders verhaelt sich das aber nun einmal mit der freien(anonymen) Meinungsaeusserung oder der Suche nach Informationen,oder mit wem ich kommuniziere-dies geht den Staat einfach nichts an!Interessanterweise helft ihr Journalisten aber mit beim aufbau des Uberwachungsstaaates-durch eure Propagierung von Datenkraken wie facebook&Co.+Datenauslagerung in die "klaut",Scheinverschluesselungen wie die derzeit von Posteo propagierte usw.!

Nun ja am 16.04.15 20:22

hochgradig debil oder sie verstehen es nicht einfach, was Brüssel und Karlsruhe entschieden haben zum Wohle der Menschen, es sitzen doch hunderte Anwälte in den Bundestagen, vertreten sie als Volksvertreter das Volk oder ihre Diäten ?

heinzb aus nrw am 16.04.15 20:22

hochgradig debil oder sie verstehen es nicht einfach, was Brüssel und Karlsruhe entschieden haben zum Wohle der Menschen, es sitzen doch hunderte Anwälte in den Bundestagen, vertreten sie als Volksvertreter das Volk oder ihre Diäten ?

heinzb aus nrw am 16.04.15 20:22


Wo bleibt die Presseerklärung der PIRATEN? Pennen die? Es ist eine tolle Chance, sich endlich wieder ins Gespräch zu bringen! An überzeugenden Argumenten fehlt es ganz bestimmt nicht!

Bertram in Mainz am 16.04.15 22:00

Der kreative Mensch, der Ideen entwickelt und mühsam versucht sie umzusetzen reagiert äußerst gekränkt "verdächtigt" zu sein! Es gibt Menschen, die sehr wohl das Gemeinwohl anstreben. Romain Rolland: "Im Gegensatz zu ihnen, Herr Sowieso war ich treuer zu Europa und nie habe ich Freunde verleugnet."

LiFe am 17.04.15 11:03

Haben Sie denn schon den Kommentar des stellvertretenden Hauptstadtkorrospondenten der ARD - Rainald Becker - zu dem Thema gehört? Da fragt man sich doch, welche Qualifikationen man haben muss, um bei der ARD zu arbeiten. Intelligenz schient da jedenfalls nicht allzu weit oben auf der Liste zu stehen.
Also geben Sie bitte unbedingt auch Ihren Kollegen entsprechende Nachhilfe...

dobby.s am 18.04.15 19:47

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