Freitag, 01.08.2014

Falsches Signal: Sammelklage gegen Facebook

Max Schrems ist so eine Jeanne d'Arc in Sachen Datenschutz. Schon lange nervt der Österreicher die Behörden im Allgemeinen und Facebook im Besonderen mit seinen Befindlichkeiten. Immer wieder. Es war Max Schrems, angehender Jurist aus Wien, der Facebook dazu gezwungen hat, alle über ihn gespeicherten Daten Blog: preiszugeben - und uns allen so interessante Einblicke in die Speicherpraktiken des Onlinekonzerns ermöglicht hat.

Dank ihm wissen wir heute: Facebook speichert mehr Daten, als wir dachten. Und was eigentlich gelöscht sein sollte, etwa längst getilgte Fragmente aus Plaudereien im Chat, ist bei Facebook nicht zwangsweise wirklich gelöscht. Max Schrems hat sich zweifellos Respekt für seinen Einsatz verdient.

maxschrems.png
Max Schrems macht Facebook das Leben schwer


Ein Österreicher wirbelt Irlands Behörden auf
Bei den Datenschutzbehörden in Irland ist Schrems natürlich ein rotes Tuch. Er hat die Beamten immer WWW: wieder unter Druck gesetzt. Die Mitarbeiter dort haben vermutlich jede Menge graue Haare bekommen. Denn der Jurastudent wollte immer wieder wissen, was europäischer Datenschutz in der Praxis wert ist. Er hat zum Beispiel die WWW: Initiative Europe vs. Facebook gegründet. Schrems hat sich einen Namen gemacht - und jetzt will er sich ein Denkmal setzen. Denn sein Kampf gegen Facebook ist nicht zu Ende. Er fängt gerade erst an.

Denn jetzt will Schrems gegen Facebook klagen. Als Sammelklage - und das direkt aus und in Österreich. Er will möglichst viele Mitstreiter finden. Menschen, die ebenso wie er selbst Probleme mit dem europäischen Datenschutz haben - und mit der Art und Weise, wie amerikanische Onlinedienste damit umgehen. Er will Facebook dazu zwingen, Daten erst gar nicht zu speichern und gespeicherte Daten auf Verlangen zu löschen. Und damit die Sache auch wirklich weh tut, soll jeder einzelne auf 500 Euro Schadenersatz klagen wegen der missbräuchlichen Verwendung der persönlichen Daten. Jeder einzelne muss auf WWW: dieser Seite aktiv werden.


Eigentliches Problem: EU ist viel zu schwach
Schrems selbst wird davon profitieren. Er macht sich einen Namen als Jurist. Kann nicht schaden. Doch was wie ein Kampf gegen Windmühlen aussieht, ist in Wahrheit ein Kampf an falscher Front. Denn im Grunde genommen könnte Facebook nicht agieren wie Facebook agiert, wenn die Gesetzeslage eine andere wäre. Oder besser: wenn sie klar und eindeutig wäre. Dann müssten sich eben alle daran halten. Nicht nur Facebook, sondern auch alle anderen, ob Microsoft, Google, Dropbox, Amazon oder wer auch immer.

Es ist eine Schwäche der europäischen Politik, dass Dinge möglich sind, die eigentlich kaum einer will. Dass Daten von und über Europäer nicht in Europa gespeichert werden müssen. Dass sensible Daten nicht aufwändig geschützt werden müssen - auch vor den Zugriffen gieriger US-Behörden. Die EU-Politik ist da zu schwach. Viel zu schwach. Und im Zweifel muss der Strauß auch mit den USA ausgefochten werden. Denn WWW: US-Gerichte bilden sich allen Ernstes ein, sie hätten sogar Zugriff auf in Europa gespeicherte Daten. Microsoft hat extra geklagt, um diese Sache mal klären zu können. Dass sich die EU das gefallen lässt, ist der eigentliche Frevel.

Es fehlt an einem politischen Konzept, einer Vision, was im Informationszeitalter erlaubt sein soll und was nicht, was unter besonderen Schutz gehört und was nicht - und welche Spielregeln ganz konkret gelten sollen. Der globalisierte Markt ist grundsätzlich schwierig. Aber nirgendwo sind die Folgen der Globalisierung deutlicher zu spüren als im Internet. Hier gibt es keine Grenzen - aber es gibt unterschiedliche Interessen. Und die müssen auch durchgesetzt werden. Mit aller Kraft. Vorher muss man sich aber im Klaren darüber sein, wie diese Interessen aussehen.

Das kann ich so unterschreiben. Guter Beitrag, Herr Schieb. Allerdings, ein kleiner Wehmutstropfen: Warum genau dies ein falsches Signal sein soll, ist mir noch nicht ganz klar. Natürlich müssen andere Institutionen und Ebenen an diese Dinge ran und zwar je eher, desto besser. Doch der Rechtsweg ist ein gutes Instrument. Denn ob die Kläger nun einzelne Konzerne statt der EU dazu bringen, bestehende Gesetze umzusetzen, ist letztlich nur der steinigere Weg, aber damit nicht unbedingt der falsche.

Sven Kalbitzer am 1.08.14 13:16

Hochachtung für Mag. Maximilian Schrems!
Wenn die EU den A...nicht hoch bekommt...dann eben so...auch wenn's dauern sollte.Ich schließe mich der Klage an!

Brummpa am 1.08.14 19:42

Wenn Politiker wären und täten, wozu sie sich laut Eid, Gesetz und Verfassung da sind - u.a. Schaden abzuwenden und für die Rechte einzutreten - dann hätten Sie Recht. Aber Sie wollen doch wirklich nicht behaupten, dass sich ohne außerpolitisches Engagement und Aktionen wie diesen, alles zum Guten und zum Schutz der Außer wandeln würde. Wenn es bürgerlicher Widerstand und Aufstand nicht gäbe, würde sich gar nichts tun. Schade, gerade von Ihnen hätte ich mir einen anderen Kommentar gewünscht ...

Jan Erik Meyer am 1.08.14 20:19

Aha. Dass Microsoft mal eben so ins Blaue klagt, kann also sooo verkehrt nicht sein, wenn es eine schwammige Rechtslage in der EU gibt. Aber dass ein Bürger eine Sammelklage von Verbrauchern anstößt, soll dann ein "falsches Signal" sein? Entweder gerät da was durcheinander oder die Idee zum Artikel stammt von einem Social-Network-Lobbyisten. Ich hab mich dann mal der Sammelklage angeschlossen, damit sich die EU zu einer eindeutigen Gesetzeslage durchringen muss. Anders scheint's ja nicht zu klappen, wenn die Medien auch noch Angsthase spielen....

vaikl am 1.08.14 23:13

Das mit dem falschen Signal ist Unsinn. Wer gar nichts tut, verdient alles was er dann bekommt. Die Politik muss man auch erst in Zugzwang bringen, immer nur meckern, dass die nicht von allein das richtige tun, ist infantil.

Joh am 2.08.14 11:19

Ich kann mich da "Brummpa" nur anschliessen, wenn wir darauf warten, das Politiker das Richtige tun, dann gute Nacht. Unternehmen wie Facebook tun eben das wozu sie da sind: Daten verkaufen - und damit das nicht völlig ausufert brauchen wir halt Gesetze, die das regeln. Und wir brauchen mündige Bürger, die im Zweifelsfall aktiv werden, und die Politik in Zugzwang bringen.

Robert B. am 2.08.14 13:05

Lt."heise"meldung sind es mittlerweile >12.000 die sich der Sammelklage angeschlossen haben.

Gutes Signal am 5.08.14 7:32

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Freitag, 01.08.2014

Spiel mit Quadraten

Falls ihr zu den Suchtopfern von Spielen wie Threes! (WWW: Android/WWW: iOS) oder WWW: 2048 gehört und nicht noch einem dieser Knobelspiele verfallen möchtet, empfehle ich euch, an dieser Stelle nicht weiterzulesen. Solltet ihr damit kein Problem haben, empfehle ich einen Blick auf das WWW: Game About Squares, das Spiel mit Quadraten.

Game About Squares; Rechte: Andrey Shevchuk
Game About Squares: ein Spiel in bester Knobeltradition.

Das Spiel ist eine kleine Fingerübung des Programmierers Andrey Shevchuk, das es auch schon WWW: in einer Android-Variante gibt. Mich erinnert es am ehesten an WWW: Sokoban, ein Spiel aus den frühen 80ern - auch im Game About Squares geht es darum, Kästen an die richtige Stelle zu schieben. Weil es aber farbige Kästen sind, die an die dazu passende farbige Stelle geschoben werden müssen, ist das gar nicht so leicht.

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Donnerstag, 31.07.2014

25 Jahre Microsoft Office

Word, Excel, Powerpoint? Ich wage mal zu behaupten: Diese Programm kennt jeder, egal ob er auf Windows, Mac OS oder Linux schwört. Wer hätte nicht schon mal mit Word einen Text geschrieben oder mit Excel Zahlenkolonnen bearbeitet oder Listen erstellt? Präsentationen ohne Powerpoint? Kaum denkbar - leider! Die Programme aus dem Office-Paket von Microsoft sind zwar nicht ohne Konkurrenz - waren sie nie und sind sie auch jetzt nicht -, aber haben sich als Standard etabliert.

Selbst Konkurrenzprodukte können Word-Text, Excel-Tabellen und Powerpoint-Präsentationen öffnen und bearbeiten. An Microsoft Office geht also irgendwie kein Weg vorbei, selbst wenn man totaler Microsoft-Muffel ist. Es gibt die Software seit einer gefühlten Ewigkeit. Das Gefühl trügt nicht, denn das erste Microsoft Office wurde 1989 vorgestellt - vor genau 25 Jahren.

Diskttenstapel; Rechte: WDR/Jörg Schieb
Mühsame Installation: Das erste Office musste von Disketten installiert werden


Zuerst auf Diskette - heute in der Cloud
Kaum zu glauben. Am 1. August 1989 hat Microsoft zum ersten Mal Word, Excel und Powerpoint zu einem Paket geschnürt und verkauft. Zunächst für den Apple Macintosh. Rund 850 Dollar musste man dafür hinblättern, 630 Euro. Das war aber immer noch günstiger, als alle Programme einzeln zu kaufen, das hätte nämlich 1.000 Dollar gekostet (750 Euro). Privatleute haben sich Office damals nicht gekauft. Im Büro wurde Microsoft Office allerdings fast überall benutzt. Deshalb war Office lange Zeit die Cash-Cow von Microsoft. Damit hat das Unternehmen das meiste Geld gemacht - und Bill Gates konnte der reichste Mann der Welt werden.

Ich benutze Microsoft Office, seitdem es Office gibt. Einzelne Programme wie Word sogar noch länger. Denn mit der Markteinführung von Microsoft Office im Jahr 1989 wurden Word, Excel und Powerpoint nicht erfunden - die gibt es teilweise schon deutlich länger. Microsoft hat die Programme nur zu einem Paket geschnürt. Word habe ich schon unter MS-DOS benutzt, also noch ohne Icons und solche Späße. Damals gab es jede Menge Alternativen, WordStar zum Beispiel, aber auch Wordperfect und einige andere Textprogramme. Ich habe sie alle ausprobiert. Lange Zeit hat mit WordStar am besten gefallen, dann aber irgendwann Word. Wegen der einfacheren Bedienbarkeit.

Bill
Bill Gates stellt 1995 Office 95 auf der Comdex vor


Zuerst auf Diskette - heute in der Cloud
Wer wie ich tagein, tagaus Artikel und sogar Bücher schreibt, die 1000 Seiten und mehr Umfang haben, der ist auf eine effektive Textverarbeitung angewiesen. Word hatte immer ein paar Funktionen mehr zu bieten und ist auch mit umfangreichen Dokumenten klargekommen. Die anderen Programme in Office habe ich nie so richtig gebraucht. Klar, Excel noch, um Kalkulationen durchzuführen - aber ein Freund von Powerpoint war ich nie. Auch nicht von Powerpoint-Präsentationen. Bis heute nicht.

Richtig nervig war aber eigentlich nur Clippy. Alle, die schon länger am PC arbeiten, erinnern sich: Zwischen 1997 und 2003 waren die Programme im Office-Paket mit einem sogenannten "Assistenten" ausgestattet. Die interaktive Büroklammer Clippy hatte immer einen Tipp auf Lager: Wenn Du dies machen willst, dann erreichst Du das so schneller. Nervig deswegen, weil Clippy immer von der Innenseite gegen die Mattscheibe geklopf hat - und das war auch zu höreb. "Tick, tick, tick!" Wieder hatte Clippy irgend etwas zu melden.


Hat uns einige Jahre in Office genervt: Clippy


War Standard - und bleibt es auch
2003 hat sich Microsoft von Clippy getrennt. Was für eine Erleichterung! Mittlerweile kann man Office nicht nur kaufen, sondern auch mieten. Für ein paar Euro im Monat gibt es Office 365 - und Speicherplatz in der Cloud. Das hat zwar den Vorteil, dass man mehrere Geräte benutzen und immer auf seine Daten zugreifen kann. Außerdem ist die Software immer auf dem neuesten Stand, so ist das halt in der Cloud. Andererseits haben viele Magenschmerzen bei dem Gedanken, Programme und Daten einem amerikanischen Onlinedienst anzuvertrauen. Viele Unternehmen laufen vor Office 365 panisch davon - kein Wunder, bedenkt man, was die NSA alles ausspioniert.

Doch Konkurrenz bekommt Microsoft Office derzeit in erster Linie aus dem Netz. Von Google zum Beispiel. Ein Standard ist Microsoft Office aber nach wie vor - ob es einem nun gefällt oder nicht. Und manchmal sind Standards auch gar nicht verkehrt. Da fühlt man sich zu Hause, weil sich alles vertraut anfühlt. Und das jetzt schon seit 25 Jahren.


Ach je-von MS zu Google?Eine Krake gegen die andere austauschen?Welch eine "Verbesserung".Gerade erst hat ein US Gericht entschieden das US Unternehmen US Behoerden Zugriff auch auf server ausserhalb der USA(hier EU\Irland)Zugriff geben muessen!Im uebrigen kann sich jeder mit"OpenCloud"seine eigene"Cloud"erstellen und dies ohne den Zugriff von NSA!Btw. In der Aufzaehlung vermisse ich noch glatt "StarOffice"aus DE.Mittlerweile als OpenOffice oder LibreOffice.Beide suiten sind mehr als genug fuer Private Anwender.Sollten eigendlich auch fuer einen Journalisten gut genug sein ;) Soll "sogar"schon Firmen geben,die damit Arbeiten-produktiv. ;)

Robin am 1.08.14 11:08

In einem irrt der Artikel: "Karl Klammer" - so hiess die Büroklammer, die immer von innen an den Bildschirm geklopft hat auf Deutsch, war bei vielen äußerst beliebt und wurde (bei Nichtinstallation) vermißt und nachgefragt!

Jupps Hund am 1.08.14 18:22

Ach ja,"die Klammer"-die liess sich auch ganz einfach abstellen.Aber wer damit schon ueberfordert ist-der bleibt halt auch bei MS Office... ;)

Robin am 1.08.14 20:34

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