Freitag, 08.05.2015

Bitly kürzt Adressen - und manipuliert sie

Wer aus einer langen URL eine kurze machen will, der benutzt normalerweise einen URL-Shortener. Davon gibt es mittlerweile sehr viele, einer der zweifellos bekanntesten ist WWW: bitly. Damit wird aus einer eher langen Adresse wie http://wdrblog.de/digitalistan/archives/2015/05/die_digitalstrategie_der_eu.html kurzerhand eine deutlich kürzere Adresse wie zum Beispiel WWW: bit.ly/1F3OGIv. Ist doch gleich viel praktischer.

Wer mag, kann sogar seine eigene Domain benutzen, das sieht dann deutlich eleganter aus: WWW: go.schieb.de/1Ioasrx. Solche Links lassen sich besser weitergeben und sparen vor allem in Tweets wertvollen Platz. Außerdem kann man sogar sehen, wie oft so ein Link angeklickt wurde, wenn man den Link selbst erzeugt hat. URL-Shortener wie bitly, goo.gl, TinyURL und Twitters eigener URL-Kürzer bieten also durchaus eine Menge Vorteile.

bitly ist der populärste URL-Shortener und arbeitet mit Tricks; Rechte: WDR/bitly
Bitly ist der populärste URL-Shortener und arbeitet mit Tricks


Geld verdienen durch Manipulation
Allerdings müssen auch die Betreiber von URL-Shortener Geld verdienen. Nicht ganz leicht, denn in die Links kann man keine Werbung einbauen - und auf die angesteuerten Webseiten hat man auch keinen Einfluss. Deshalb wird mit Premiumdiensten Geld verdient, etwa mit Unternehmen, die den Shortener-Dienst intensiv nutzen und auf ausführliche Statistiken zurückgreifen wollen. Das ist in Ordnung. Doch bitly versucht auch auf andere Weise, Geld zu verdienen. Bitly geht hin, und ergänzt Links auf bestimmte Onlineshops unbemerkt durch so genannte Affiliate-Daten. Die Folge: Kauft der Klicker im verlinkten Onlineshop ein, gibt es eine Provision. Auch das ist grundsätzlich in Ordnung. Aber sicher nicht, wenn bitly bestehende Links eigenmächtig abändert.

Der Benutzer merkt davon gar nichts. Er landet trotzdem im Onlineshopy XYZ, wie vom Erzeuger der Kurzadresse gewünscht. Allerdings ändert sich im Hintergrund eine Menge. Da durch die unbemerkt hinzugefügten Parameter noch ein Werbenetzwerk hinzugezogen wird, landen auch Tracking-Cookies auf der Festplatte des Benutzers. Er wird zusätzlich überwacht. Das bedeutet: Selbst wenn derjenige, der den URL-Shortener benutzt, ausdrücklich keine Provision für den Verkauf bekommen möchte und Tracking-Cookies verabscheut, bekommt der klickende User trotzdem solche Cookies untergejubelt. Das ist schon extrem bedenklich!

Über 22 Milliarden Adressen schon gekürzt; Rechte: WDR
Über 22 Milliarden Adressen schon gekürzt


Grundsätzlich misstrauisch sein
Noch macht bitly das nicht im großen Stil, sondern lediglich in einem Test. Hinweise darauf gibt es aber nur WWW: versteckt auf einer Hilfeseite. Wie der Fachdienst WWW: om8 mitteilt, sind auch deutschsprachige Links betroffen. Immerhin: Wenn schon ein Affiliate-Link enthalten ist, wird der nicht überschrieben. Das wäre allerdings auch noch schöner.

Der aktuelle Fall macht ein grundlegendes Problem aller URL-Shortener deutlich: Man weiß schlichtweg nicht, was sich hinter einem Link verbirgt. Es kann ein nützlicher Inhalt sein, ein spannendes Video, es kann aber auch Werbung sein, Spam oder ein werblicher Inhalt. Schlimmstenfalls können sich auch kriminelle Inhalte hinter einer URL verbergen. URL-Shortener haben also auch Nachteile. Sie verschleiern. Es gibt Plugins wie WWW: LongURL, die zeigen zumindest im Browser vor dem Klicken an, welche URL sich hinter einer Short-URL verbirgt. Das hilft sich zu entscheiden. Der WWW: Onlinedienst LongURL macht dasselbe. Finde ich sinnvoll und nützlich.

Generell muss man nur bei einem vorsichtig sein: bei Meldungen die der antideutsche Türkensender WDR verbreitet. Ihr solltet nicht mit besudelten Fingern auf andere Menschen zeigen!

Gehlen am 9.05.15 9:42

Generell muss man nur bei einem vorsichtig sein: bei Meldungen die der antideutsche Türkensender WDR verbreitet. Ihr solltet nicht mit besudelten Fingern auf andere Menschen zeigen!

Gehlen am 9.05.15 9:43

@Gehlen: Ich würde gerne verstehen, verstehe aber kein Wort.

jörg schieb am 9.05.15 10:28

@ jörg schieb am 9.05.15 10:28 don't feed the troll. Gehlen = John B. Gehlen?

LiFe am 9.05.15 13:40


Offensichtlich ist bit.ly schon etwas weiter.

Ich habe Amazon in meinem Blog verlinkt - und in den letzten 2 Monaten nur 2 oder 3 Verkäufe verbucht bekommen - vorher waren es ca. 40-60 Verkäufe monatlich! Da ich die Short-Urls nachweislich im Nov. 2014 und vorher erstellt habe, muss bit.ly diese Links nachträglich geändert haben! Der Schaden ist gut dreistellig!

Habe jetzt alle Links von Bitly rausgeschmissen - und werde zukünftig (falls erfordlich) nur noch auf seriöse Shorter wie z.B. Google (goo.gl) zurückgreifen!

Christian

Christian Kalvelage am 14.05.15 10:02

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Donnerstag, 07.05.2015

re:publica 2015: Zum Schluss noch ein Weltrekord

7.000 Besucher, 9.400 Geräte im W-Lan und 101.000 Tweets mit dem Hashtag #rp15 - die re:publica 2015 ist vorbei und traditionell wird zum Ende immer ein bunter Zahlenreigen präsentiert. In diesem Jahr gab es auch noch einen Weltrekord: Das Lightpaintingbild mit den meisten Teilnehmern wurde von Fotograf Ulrich Tausend aufgenommen. Alle Teilnehmer der Abschlussfeier sollten mit den Taschenlampen ihres Handys ein Muster in die Luft malen, das Ergebnis twitterte der Fotograf auch umgehend. 

Kenia und "Big Data" in der Musik

Der letzte re:publica-Tag hatte zuvor aber auch noch einige gute Themen parat. Beeindruckend fand ich zum Beispiel die drei Kenianerinnen, die in ihrem Vortrag "WWW: 10 things Europe can learn from kenya" gezeigt haben, wie die Digitalisierung ihr Land verändert hat. Facebook und Twitter werden dort beispielsweise intensiv für den Kontakt zu staatlichen Institutionen genutzt. Um Geld zu transferieren wird dort oft das Mobiltelefon verwendet und zwar mit einem in Kenia entwickelten WWW: Bezahlsystem.

Was die Musikindustrie mit den Nutzerdaten von Musikstreaming-Anbietern wie Spotify anfangen kann, hat WWW: Kevin Schramm in seinem Vortrag gezeigt. Konzertveranstalter freuen sich beispielsweise, wenn sie viel darüber wissen, welche Musiker besonders zahlungskräftiges Publikum anlocken. Dadurch, dass viele Nutzer ihr Spotify-Konto mit ihrem Facebook-Konto verknüpft haben, kann Spotify entsprechende Daten liefern.

rp15.jpg Rund 7.000 Besucher haben die re:publica 2015 besucht (Foto: re:publica/Gregor Fischer)

Drei Tage re:publica sind rum, Zeit für ein Fazit:

Was toll war

  • Die re:publica ist immer noch inspirierend. Mal ein Beispiel: Vom Vortrag "WWW: Hack your city" habe ich leider nur noch das Ende mitbekommen (es geht darum, wie die Bürger ihre Stadt selber gestalten können), aber die Redner waren mit so viel Begeisterung dabei, dass ich mir die Aufzeichnung des Vortrags später nochmal anschauen möchte.
  • Die Zahl der Sessions ist riesig, das Programm unübersichtlich, aber: Man kann sich hier auch mal für eine halbe Stunde in ein Thema einführen lassen, mit dem man normalerweise nichts zu tun hat. Zum Beispiel: "WWW: Sketchnotes für Einsteiger", eine Zeichentechnik, um Vorträge visuell zu strukturieren und zu dokumentieren.
  • Hof und Besucher: Wer eine Pause braucht, geht auf den Innenhof, kauft sich ein Getränk und trifft immer jemanden zum Plaudern. Für Menschen mit schlechtem Namensgedächtnis nicht immer ganz einfach, aber das ist eine andere Geschichte.

Was nicht so gut geklappt hat

  • Session-Beschreibung vs. tatsächlicher Inhalt: Leider erfüllen manche Vorträge nicht was deren Beschreibung im Programm verspricht. Bei "Schleichwerbung - Geld vs. Recht & Moral" hätte ich schon erwartet, dass auch über die moralischen Aspekte gesprochen wird. Das Thema wurde aber komplett ausgeklammert. Andere Vortragstitel suggerieren die Lösung eines Problems zu bieten, beschreiben dann aber nur ausführlich das Problem.
  • Schlangen: Ständig steht man in irgendwelchen Menschenschlangen; um einen Kaffee zu kaufen, um in einen vollen Vortragsraum hinein zu kommen, um später wieder heraus zu kommen, um etwas zu essen zu bekommen, selbst vor der Herrentoilette hatte sich am Donnerstagvormittag eine Schlange gebildet. Da ist viel Geduld gefragt.
Wie geht's weiter ?

Die wirtschaftliche Seite des Netzes spielt inzwischen eine große Rolle bei der re:publica. (Siehe auch: Blog: Es geht ums Geschäft) Es geht nicht mehr nur um Micro-Payment, sondern ums große Geld. Das finde ich genau richtig, denn schließlich ist das ja auch die Wirklichkeit im Netz. Ich bin aber gespannt, ob und wie sich die Besucher entwickeln. In den vergangenen Jahren sind immer mehr berufliche Besucher dazu gekommen, mein Eindruck ist aber auch: Die re:publica wird immer älter. Schüler oder Studienanfänger sieht man nur wenige.

Wie die Evolution der Internetkonferenz weitergeht, wird die #rp16 zeigen, die am 2. Mai 2016 beginnt.

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Donnerstag, 07.05.2015

Die Digitalstrategie der EU

Es gibt Dinge, die kann man sich nur schwer erklären. Warum zum Beispiel zahlt man für eine Tageszeitung, wenn klassisch sie auf Papier gedruckt wurde, nur 7% Mehrwertsteuer, doch liest man dieselben Artikel online, werden dafür 19% MwSt. fällig - vorausgesetzt, man bezahlt für das Lesevergnügen? Bei Büchern ist es genauso. Gedruckte Werke profitieren vom ermäßigten Mehrwertsteuersatz von sieben Prozent, während für eBooks 19% Mehrwertsteuer fällig werden - wohlgemerkt für absolut identische Inhalte. Wer kein Papier bedruckt, sondern die Lektüre bäumeschonend digital ausliefert, muss auf 12 Prozentpunkte Umsatz verzichten. Dieser Irrsinn könnte nun ein Ende haben.

Besucher auf der re:publica waren überrascht über neue EU-Digitalstrategien; Rechte: WDR/Schieb
Besucher auf der re:publica waren überrascht über neue EU-Digitalstrategien


Juncker will die Mehrwertsteuer reduzieren
Denn endlich hat mal jemand erkannt, dass das mit Logik wenig zu tun hat - und abgesehen davon auch Anbieter digitaler Medien benachteiligt. EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker strebt auch für digitale Medieninhalte eine ermäßigte Mehrwertsteuer an. In der ersten Jahreshälfte 2016 soll eine entsprechende Initiative vorgelegt werden - für EU-Verhältnisse ist das Blitztempo. Die Verlagsbranche dürfte das freuen. In diesem konkreten Fall gibt es aber wirklich keinen vernünftigen Grund für die bisherige steuerrechtliche Benachteiligung.

Nicht die einzige Veränderung, die man sich in Brüssel ausgedacht hat. Die EU will auch das ARD: Geoblocking abschaffen - und den grenzüberschreitenden Onlinehandel einfacher machen. Geoblocking ist in der Tat ein Zankapfel: Während die Inhaber von Musik- und Filmrechten am liebsten daran festhalten wollen, dass es in der EU zwar keine Schlagbäume mehr gibt, wohl aber digitale Grenzen, wollen die User lieber heute als morgen darauf verzichten.

Guenther Oettinger ist Geoblocking-Freund - wurde aber überstimmt; Rechte: dpa/Picture Alliance
Guenther Oettinger ist Geoblocking-Freund - wurde aber überstimmt


Geoblockingfreund Oettinger überstimmt
Denn Geoblocking sorgt dafür, dass eine BBC-Sendung nicht in Deutschland geguckt werden kann, dass deutsche Netflix-Nutzern im Spanien-Urlaub ihre Lieblingsserie verwehrt bleibt und einzelne Musiktitel zwar in dem einen EU-Land, nicht aber in dem anderen EU-Land gestreamt werden können. Natürlich: Es gibt Tricks. Mit Hilfe von Spezial-Software oder VPNs (Virtual Private Networks) kann man so tun, als wäre man zu Hause - aber dass das geht, macht den Irrsinn nur noch größer. Wer soll das alles noch verstehen?

EU-Digitalkommissar Guenther Oettinger ist ein bekennender Anhänger des Geoblockings, wurde aber offensichtlich von seinen Amtskollegen überstimmt. Das lässt hoffen, denn bislang ist Oettinger weder mit sonderlich viel Sachkompetenz, noch mit innovaten Ideen aufgefallen. Im Gegenteil: In aller Regel argumentiert Oettinger sehr rückwärtsgewandt. Old School, ohne irgend eine Ahnung von der Netzkultur. Auf der WDR: re:publica in Berlin war Oettinger deshalb auch immer wieder Thema - als Schreckgespenst, das die Ideen der Netzgemeinde torpediert.

sie meinen: mit innovativen Ideen.

LiFe am 8.05.15 8:43

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