Donnerstag, 19.06.2014

Amazon Fire Phone: 3D-Handy mit Gimmicks

Entsprechende Blog: Gerüchte gab es schon lange. Jetzt will Amazon auch noch ein Smartphone bauen, wurde gemunkelt. Richtig gemunkelt. Amazon-Chef Jeff Bezos hat nun den Vorhang gelüftet: Amazon baut tatsächlich ein Smartphone. Ab Ende Juli soll es in den USA im Handel sein, das Fire Phone. Der Onlinehändler macht damit (wieder einmal) Giganten wie Apple, Samsung oder Google Konkurrenz. Im Tablet-Markt mischt Amazon auch schon lange mit - und durchaus mit Erfolg.

FirePhone mit Jeff Bezos; Rechte: Amazon
FirePhone: Amazon baut jetzt auch Smartphones


Smartphone mit 3D-Effekt
Das Fire Phone ist ein Smartphone, das es mit den Luxusgeräten anderer Hersteller aufnehmen kann, kein Gerät der Billigklasse: Schwarzes Gehäuse, 4,7 Zoll Display, Quadcore-Prozessor mit 2,2 GHz, die Kamera auf der Rückseite löst mit 13 Megapixel auf, die auf der Vorderseite mit 2,1 Megapixel - das kann sich wirklich sehen lassen. Doch das Amazon-Handy hat auch ein paar Besonderheiten zu bieten: Das Display kann 3D-Objekte darstellen, außerdem hat das Smartphone einen Multifunktionsscanner an Bord. So etwas hat bislang kein anderes Gerät zu bieten.

Die 3D-Funktion verblüfft: Man kann das Smartphone bewegen und so den Blickwinkel verändern. Die Aufnahmen bekommen so deutlich mehr Tiefe. Das ist etwas anderes als die klassische 3D-Funktion im Kino oder im Fernsehen. Die 3D-Funktion im Fire Phone ist interaktiv: Der Benutzer bestimmt durch die Bewegung des Geräts, wie er auf das abgebildete Foto gucken möchte. Dazu beobachten vier Sensoren das Gesicht des Betrachters. Der Effekt ist beeindruckend - wenn auch totale Spielerei. Entsprechend präparierte Fotos vorausgesetzt.


Die komplette Pressekonferenz im Videostream


Ein Smartphone erkennt die Welt
Wirklich komplett neu ist eine andere Funktion im Fire Phone: Das Smartphone verfügt über eine besondere Art von Scanner. Die Sensoren im Fire Phone können Geräusche, Musik, Fotos, Bilder und Gegenstände erkennen. Dass ein Smartphone mit entsprechender App ausgestattet ein Musikstück erkennen kann, wissen die meisten. Doch wer das Fire Phone zum Beispiel vor den Fernseher hält, kann den gerade gespielten Film oder die Serie erkennen lassen - und im Fall von Serien sogar die genaue Folge. Sensoren ermitteln die Bilder, das Mikrofon schnappt die Akustik auf.

100 Millionen verschiedene Objekte sollen sich auf diese Weise erkennen lassen, so umfangreich ist die Datenbank bereits. Auch Kunstgegenstände oder Waren - etwa Lebensmittel oder Kleidungsstücke - soll das Fire Phone erkennen können. Und selbstverständlich lässt sich alles sofort bei Amazon bestellen. Knopfdruck genügt. Das Smartphone wird so zur ständigen Einkaufshilfe. Alles, was man sieht oder hört kann man bei Amazon kaufen. Bezos will richtig Kasse machen. Die Idee dahinter ist gut: Einen Kaufimpuls hat man doch häufig, immer dann, wenn man etwas sieht und es gut findet. Aber oft löst sich der Impuls mit der Zeit in Luft auf. Wer aber ein Smartphone dabei hat, das derart schnell reagiert und zum Einkaufen benutzt werden kann, der kauft auch - sicher öfter als andere.

Das Fire Phone kostet mit 32 GB Speicher und Zwei-Jahres-Vertrag bei AT&T immer noch 200 Dollar. Ohne Vertrag gibt's das Smartphone bei Amazon direkt für 650 Dollar. Also alles andere als ein Billig-Handy. Im Bereich der Tablets hat sich Amazon zuerst mit extrem günstigen Geräten versucht. Bei den Smartphones geht Amazon gleich in die Vollen. In den USA startet der Verkauf am 25. Juli. Wann es in Deutschland zu haben ist, steht nicht fest. Es wird noch Monate oder vielleicht sogar Jahre dauern, denn die Datenbank zur Objekt-Erkennung ist das entscheidende Feature. Und die muss erst mal für unsere Bedürfnisse entwickelt werden - das dürfte dauern.

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Mittwoch, 18.06.2014

Facebook muss europäischer werden

Amerikanische Onlinedienste zeigen sich meist selbstbewusst, seltener verständnisvoll. Wenn das Thema Datenschutz aufkommt, dann wird gerne argumentiert, es gelte amerikanischer Datenschutz, nicht der deutsche - bestenfalls der europäische. Oder es wird die Karte mit der "nationalen Sicherheit" gezogen. Alles streng geheim und vertraulich. Die US-Regierung darf alles wissen, der Rest der Welt nichts, schon gar nicht die User.

Die Onlinedienste nehmen immer den Standpunkt ein, der ihnen gerade am besten passt. Es wird ihnen allerdings auch leicht gemacht. Denn Daten sind unsichtbar. Niemand kann so ohne weiteres sagen, welchen Weg Daten eigentlich gehen und wo sie gespeichert werden - oder welche Behörden oder Geheimdienste sich daran bedienen.

Smartphone mit sozialen Netzwerken; Rechte: dpa/Picture Alliance
Soziale Netzwerke im Smartphone


Mehr Rechte für den Verbraucher
Genau darum geht es beim Rechtsstreit des Österreichers Max Schrems, der in Dublin geklagt hat - weil die EU-Datenschützer nicht gegen Facebook vorgehen wollen. Welche Daten erhoben werden, welche gespeichert bleiben und wer sich am Datenpool bedienen darf - bei Facebook alles intransparent. Man erfährt es nicht mal, wenn man konkret nachfragt, wie der Jurist Schrems. Auf einer Lebensmittelverpackung steht genau drauf, was drin steckt - egal, wo der Inhalt hergestellt wird. Was in Europa verkauft wird, das unterliegt europäischen Gesetzen. Bei Onlinediensten ist das bislang nicht so klar.

Man kann es den US-Onlinediensten nicht einmal vorwerfen: Wenn die Regeln nicht klar und eindeutig sind, ist es doch logisch, dass sie versuchen, die für sie günstigste Auslegung heranzuziehen. Das könnte durch das jüngste Urteil des High Court aus Dublin anders werden. Daten, die in Europa erhoben und für europäische Zwecke gespeichert werden, unterliegen auch dem EU-Datenschutz - das hat ein Gericht jetzt klipp und klar festgestellt. Die Datenschützer müssen aktiv werden.


Europäische Daten in die EU
Es führt kein Weg daran vorbei: Daten von EU-Bürgern müssen auch in der EU gespeichert werden - und dort bleiben. Es müssen die Spielregeln der EU gelten. Und sollten amerikanische Geheimdienste der Ansicht sein, sie müssten Daten anzapfen, dann brechen sie auf jeden Fall geltendes Recht. Daten sollten verschlüsselt und aufwändig vor Zugriffen Dritter geschützt werden, ob Hacker, Kriminelle oder Geheimdienste. Es muss wirklich dringend was passieren.

Jetzt geht es darum, das Thema vor dem europäischen Gerichtshof auszufechten. Die Initiative WWW: Europe-vs-Facebook sammelt Geld dafür.

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Dienstag, 17.06.2014

Gronkh - der König der Parallelwelt

Es dauert wohl nur noch gut zwei Wochen, dann wird der erfolgreichste YouTuber in Deutschland die Marke von drei Millionen Abonnenten durchbrechen. Drei Millionen Abonnenten. Es gibt Fernsehsendungen, die wünschen sich so viele Zuschauer. WWW: Gronkh hat sie. Seine Videos kommen zusammengerechnet auf mehr als eine Milliarde Abrufe, sein erfolgreichstes auf mehr als zehn Millionen Klicks. Das ist irre.


"Let's Play Minecraft" - in dieser Reihe hat Gronkh mittlerweile mehr als 1.000 Videos veröffentlicht, die nichts anderes zeigen als das Computerspiel plus Kommentar.

Man mag die Videos banal finden, den Kommentar für inhaltsleere Plapperei halten und das Zugucken für Zeitverschwendung. Aber Gronkh ist Kopf eines Massenphänomens: Millionen Nutzer verbringen Zeit damit, anderen beim Computerspielen zuzuschauen, nicht nur Teenies, die den Großteil ausmachen, sondern auch immer mehr Erwachsene. Mit WWW: "Twitch" gibt es mittlerweile sogar eine ganze Plattform, die Liveübertragungen von Computerspielen anbietet - vom Sport über die Strategie bis zum Egoshootern.

Diese Videos nennen sich Let's-play-Videos und könnten auch als eine neue Form der Sportberichterstattung bezeichnet werden, mit dem Unterschied: Die Sportler, also die Spieler, sind gleichzeitig die Kommentatoren. Gronkh ist damit nur in Deutschland der erfolgreichste YouTuber. Weltweit ist es WWW: PewDiePie aus Schweden mit über 27 Millionen Abonnenten - mehr als Justin Bieber und Lady Gaga zusammen. Er verdient angeblich über die Werbeeinblendungen bei YouTube mehr als 100.000 Euro im Monat.

Let's-play-Videos sind erstens Kaufberatung: Je mehr ich von dem Spiel sehe und davon, wie viel Spaß es macht, desto eher kaufe ich es auch. Let's-play-Videos sind zweitens Unterhaltung: YouTuber wie Gronkh und PewDiePie sind die Stars einer ganzen Generation. Let's-play-Videos sind drittens Ratgeber: Wer selbst spielt, kann sich bei Profis abgucken, wie er in den Computerspielen weiterkommt und besser wird.


"YouTube and the new news": Auf der re:publica in diesem Jahr ging es unter anderem darum, wie Deuschlands erfolgreichste YouTuber mit der Verantwortung umzugehen, eine komplette Generation mit ihren Videos zu beeinflussen.

Was aber einer der spannendsten Aspekte ist: Gronkh kommt wie WWW: Y-Titty und WWW: LeFloid auf beeindruckende Zugriffszahlen - außerhalb von YouTube sieht, hört oder liest man aber kaum etwas darüber. Was dort passiert, wirkt wie eine Parallelwelt, deren Köpfe gerade zu den Stars einer Generation heranwachsen: mit neuen Nachrichtensendungen, Ratgebervideos oder Comedyformate - nicht im Fernsehen, aber mit Millionen Fans.


Unsere Blogger Anita Horn und Dennis Horn sind weder verwandt noch verheiratet, aber umso besser vernetzt. Sie entdecken jede Woche digitale Perlen: spannende Webseiten, lustige Links und Angebote, die den Alltag bereichern - hier im Blog, jeden Dienstag in der WWW: WDR 5 LebensArt im Radio und einmal im Monat in der WDR: Servicezeit im WDR Fernsehen.

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