Montag, 23.02.2015

House of Gnarf

Am Freitag werde ich wieder aus der Haut fahren - denn dann geht die dritte Staffel von WWW: "House of Cards" online. Niemandem von euch, der auch nur eine Episode dieser Serie gesehen hat, muss ich erklären, wie heiß man auf diesen Tag sein kann. "House of Cards" ist eine Ausnahmeserie. Für mich der Inbegriff des Binge Watchings: eine Serie, wie im Rausch. Aber das allein ist nicht der Grund, um aus der Haut zu fahren.

Kevin Spacey; Rechte: picture-alliance/AP Images/Chris Pizzello
"House of Cards" mit Kevin Spacey ist eins der Argumente für den Streaminganbieter Netflix - nur in Deutschland gehen Kunden mit der neuen Staffel erst einmal leer aus.

"House of Cards" ist eine Produktion des Streaminganbieters Netflix. Deutsche Kunden haben aber nichts davon: Die Rechte liegen bei Sky. Möchte ich nun ab Freitag diese eine neue Staffel mit ihren 13 Episoden in ordentlicher HD-Qualität sehen, muss ich ein Sky-Abo abschließen und zwar für ganze zwei Jahre - für 27 Euro im Monat. Es gibt zwar auch ein reines Onlineabo, das ich nach einem Monat kündigen kann - aber ohne HD.

Dazu bin ich nicht bereit. Stattdessen fühle ich mich, als könnte ich den Tatort nicht sonntags gucken, sondern erst ein paar Tage später: Ich kann nicht mitreden, und wenn ich Pech habe, ist der ganze Spaß eh vorbei, weil ich mich irgendwo versehentlich durch eine Website, einen Tweet oder einen Facebook-Beitrag spoilern lasse. Gnarf!

Die Lizenzpolitik für "House of Cards" ist nur ein Beispiel dafür, warum Nutzer auf illegale Angebote ausweichen. Warum soll ich mir ein teures Abo für eine Serienstaffel leisten? Warum überhaupt sollte ich mehrere Abos gleichzeitig abschließen? Warum soll ich für Downloads zahlen, wo ich doch schon ein Abo habe - mein Anbieter es aber nicht auf die Reihe bekommt, mir meine Lieblingsserie zur Verfügung zu stellen?

Kim Dotcoms sehr wahre Anleitung dazu, wie sich Piraterie im Netz stoppen lässt. Seine Plattform "Megaupload" war lange Zeit die beste Anlaufstelle, wenn es darum ging, an Musik, Filme und Serien zu kommen, ohne dafür zu zahlen.


Es fühlt sich so an, als steckten Film- und Fernsehmacher an derselben Stelle fest wie die Musikindustrie vor vielen Jahren: Ihre Kunden sind bereit zu zahlen, gehen auf die Suche nach legalen Angeboten - doch entweder, es gibt sie nicht, oder man wird monatelang hingehalten, während der Rest der Welt schon alles sehen kann. Wir schreiben das Jahr 2015. Es wäre möglich, Filme oder Serien zeitgleich weltweit zu veröffentlichen.

Der nach wie vor beste Appell übrigens ist der von "House-of-Cards"-Hauptdarsteller Kevin Spacey WWW: beim Edinburgh International Television Festival vor zwei Jahren: "Gib den Menschen was sie wollen, wann sie es wollen, in der Form, in der sie es wollen - zu einem vernünftigen Preis." Genau so ist es. Mehr möchte ich gar nicht.


Unsere Blogger Anita Horn und Dennis Horn sind weder verwandt noch verheiratet, aber umso besser vernetzt. Sie entdecken jede Woche digitale Perlen: spannende Webseiten, lustige Links und Angebote, die den Alltag bereichern - hier im Blog, jeden Dienstag in der WWW: WDR 5 LebensArt im Radio und einmal im Monat in der WDR: Servicezeit im WDR Fernsehen.

Solche Praktiken sollten allen zu denken geben, die meinen, das heutige restriktive Urheberrecht sei doch gerecht, weil die Abgaben den "armen Künstlern" zugute kommen. Wer kassiert, das sind die Rechteverwerter!

Solche Praktiken sollten allen zu denken geben, die meinen, wir sollten ARD, ZDF und die GEZ ganz abschaffen. Statt dessen freier Markt, der für uns Benutzer zusätzliche Restriktionen bringt: Verschlüsselung, noch mehr Werbung, teure Abo-Modelle, Verhinderung des Speicherns usw.

Solche Praktiken sollten allen zu denken geben, die sich von "kostenlosen" Angeboten locken lassen, die dann langfristig richtig kosten. Ich denke z.B. HD+ oder an Streamingdienste.

Freilich geht eine Veralberung auch offline. Man kann z.B. beliebte Songs auf verschiedene Alben (CDs) verteilen. Die muss man dann alle kaufen, obwohl man nur einen Teil des Inhalts will. Aber man hat wenigstens keinen Vertrag am Hals!

Bertram in Mainz am 28.02.15 22:05

Kommentieren



Die mit * gekennzeichneten Felder müssen ausgefüllt werden.


Angaben speichern (Cookie)?


Um Ihren Kommentar zu versenden, beantworten Sie bitte die folgende Frage:


Trackbacks zum Eintrag House of Gnarf

Zum Anfang dieses Eintrags

Montag, 23.02.2015

YouTube für die ganz Kleinen

Würden die Manager bei Google, Microsoft, Apple, Facebook und Co. ehrlich auf die Frage antworten, ab welchem Alter ihnen eigentlich User willkommen sind, müssten sie sagen: Uns sind alle willkommen. Zu jung gibt es für uns nicht. Doch zum Glück gibt es das Jugendschutzgesetz, das zumindest einige Grenzen setzt. Deshalb müssen sich die Anbieter schon ein bisschen anstrengen, um Jugendliche ködern zu dürfen. Facebook zum Beispiel hat sich da schon einiges einfallen lassen. Das WWW: offizielle Mindestalter ist 13, um sich bei Facebook registrieren zu dürfen. Überprüft aber sowieso niemand ernsthaft. Flunkern beim Alter - nicht erlaubt, aber geduldet. Bei Google und Youtube ist es genauso.

YouTube Kids: Spezielle App für Kids unter 13 Jahren; Rechte: Google
YouTube Kids: Spezielle App für Kinder und Jugendliche


Eine eigene App soll Inhalte filtern
Doch nun wagt sich Google aus der Deckung: Mit einem neuen Angebot namens YouTube Kids spricht der Onlinedienst gezielt die ganz junge Klientel an. Eine App speziell für Kinder, die es kostenlos für Android und iOS gibt, bislang allerdings nur in den USA. Die Idee: Junge Youtube-Nutzer sollen vor unangemessenen Videoinhalten und unpassender Werbung geschützt werden. Bevor besorgte Eltern auf die Idee kommen, vielleicht doch mal WWW: Kika einzuschalten, sollen sie dem Nachwuchs lieber ein Tablet mit YouTube Kids in die Hände drücken, so das Kalkül des Onlineriesen.

Die App zaubert natürlich keine pädagogisch wertvollen Inhalte herbei, sondern blockt bestenfalls schädliche Angebote. YouTube Kids bietet Zugriff auf redaktionell ausgewählte Videos, Kanäle und Playlists, die für den Nachwuchs als geeignet eingestuft wurden, etwa Sendungen der Sesamstraße oder Episoden aus Talking Tom. Die Benutzerführung der App orientiert sich an den Bedürfnissen junger Nutzer, etwa mit extragroßen Bedienelementen. Videos starten außerdem direkt im Vollbild-Modus. Nach unpassenden Begriffen zu suchen, ist in YouTube Kids nicht möglich. Außerdem können Eltern die Nutzungszeit einschränken, also festlegen, wie lange und wie viel der Nachwuchs in Youtube konsumieren darf. Alles zwischen 0 und 120 Minuten ist möglich.


Verlockung der Youtube-Nutzung nimmt zu
Ist das jetzt ein Knaller, der Eltern in Entzücken versetzen soll? Mitnichten. YouTube Kids richtet sich erkennbar nicht an Jugendliche (die sollen bitte schön auch weiterhin das normale Youtube benutzen), sondern primär an Kinder. Motto: Je jünger, desto besser. Vordergründig geht es darum, eine App anzubieten, die Kinder vor unangemessenen Inhalten bewahrt. So was kommt bei Eltern immer gut an. Doch in Wahrheit geht es wohl eher darum, junge Menschen an Youtube zu gewöhnen, noch bevor sie lesen können. Du willst wissen, wie die Welt funktioniert? YouTube weiß Bescheid. Wer kommt nur auf die verrückte Idee, 120 Minuten in der YouTube-Bilderflut für angemessen zu halten?

Grundsätzlich ist es natürlich nicht verkehrt, eine App zu haben, die nur ein bestimmtes Spektrum der Inhalte zeigt und einfach bedienbar ist. Auch dass die Nutzungszeit einstellbar ist, erscheint auf den ersten Blick sinnvoll. Problematisch dürfte allerdings sein, dass nun die Hemmungen vieler Eltern fallen, ihre Kinder unbeaufsichtigt YouTube nutzen zu lassen, da ja alles wunderbar geregelt ist. Keine schädlichen Inhalte, die Zeit ist befristet. Wunderbar. Wie bequem.

Die Nutzungszeit dürfte unterm Strich dramatisch zunehmen. Unter diesem Aspekt ist YouTube Kids eher schädlich als nützlich.

Da Netflix und Watchever ähnliche Angebote haben, die auch in Deutschland verfügbar sind, verstehe ich die Kritik nicht. Bzw. das einseitige daran. Genauso könnten Sie dem Kika vorwerfen, die Kinder in die ARD zu locken, in der dann das Nachmittagsprogramm des Ersten wartet.

Robert am 24.02.15 8:22

Also ob die Eltern ihre Kids jetzt vor der Konsole, dem TV oder vor YT abstellen - es ist und bleibt das gleiche Problem.

Aber erstmal schön auf YT rumbashen, modern ist böse. Immer.

Genau wie damals Bücher, dann das Radio, dann der Fernseher, dann der Heimcomputer, dann die Konsole - alle paar Jahre das gleiche Blahblah und das immer vom Vorgängemedium.

Watashi am 24.02.15 8:50

Also ob die Eltern ihre Kids jetzt vor der Konsole, dem TV oder vor YT abstellen - es ist und bleibt das gleiche Problem.

Aber erstmal schön auf YT rumbashen, modern ist böse. Immer.

Genau wie damals Bücher, dann das Radio, dann der Fernseher, dann der Heimcomputer, dann die Konsole - alle paar Jahre das gleiche Blahblah und das immer vom Vorgängemedium.

Watashi am 24.02.15 8:52

Wenn man schon mal dabei ist: Da könnte man kleinen Kindern doch gleich auch Schnaps, Heroin und Crystal Meth zu probieren geben, damit sie sich schon mal daran gewöhnen.

Suchtfrei. am 24.02.15 14:58

@Suchtfrei: Nicht immer alles nachplappern, lieber mal selber reflekieren. Zu wie vielen 1.000 Todesfällen hat denn Videokonsum geführt? Zählt zu Videokonsum auch das stumpfe Sitzen vorm Fernseher? Wie definieren Sie Sucht? Wie viele Stunden verbringen Sie am Tag vor TV und Radio?

Und: Wo ist nun der Unterschied? Wo ist der Unterschied, ob der Content auf einem PC-Monitor zu sehen ist oder auf einem TV-Monitor? Ja, stimmt, der Fernseher ist meist größer als der PC-Monitor. Ja, stimmt, je nach TV-Kanal laufen 5 Minuten Werbung auf 15 Minuten Sendung.

Aber das Internet ist ja sooooooooo böse

Watashi am 24.02.15 19:28

Ich habe die vage Vermutung das keiner der bisherigen Kommentatoren Kinder hat oder schon volljährig ist.

Werner am 25.02.15 2:53

Es sind nicht die Medien, die böse sind, sondern immer die Menschen, die damit böse Dinge tun! Ich weiß gar nicht, warum sich Watashi so echauffiert. Herr Schieb meint doch bloß, dass es manche Eltern Dank eines solchen Angebots nicht mehr als wichtig erachten, darauf ein Auge zu haben, was ihr Nachwuchs im Netz eigentlich so macht. Nun, solche Leute gibt es immer, egal, welche Angebote es gibt. Es bleibt doch jedem überlassen, wie er/sie mit solchen Dingen umgeht. Ich denke, wenn man mit seinem Nachwuchs gemeinsam auf Youtube guckt, ist daran nichts verwerfliches. Man muss immer bedenken: Kinder machen Dinge nach. Bin ich ein Youtube-Junkie, wird es oft auch der Nachwuchs!

Britta am 25.02.15 11:51

Kommentieren



Die mit * gekennzeichneten Felder müssen ausgefüllt werden.


Angaben speichern (Cookie)?


Um Ihren Kommentar zu versenden, beantworten Sie bitte die folgende Frage:


Trackbacks zum Eintrag YouTube für die ganz Kleinen

Zum Anfang dieses Eintrags

Montag, 23.02.2015

SehLAN statt WLAN

Solche Experimente liebe ich: Charles Lohr hat eine LED an ein WLAN-Funkmodul angeschlossen und so programmiert, dass sie ihre Farbe ändert, je nachdem, wie stark das Funksignal an einzelnen Stellen im Raum ist. Manchmal reichen nur ein paar Millimeter - und schon ändert die LED ihre Farbe von sattem Rot in tiefes Blau.


Eine LED und ein kleines Funkmodul reichen - schon wird ein SehLAN aus dem WLAN.

Mit Kamera und entsprechender Software lassen sich ganze Räume vermessen. Wer sich nicht das komplette, fast sieben Minuten lange Video geben möchte, findet WWW: bei imgur eine gute Zusammenfassung mit animierten GIFs. In den Videoinfos WWW: bei YouTube findet ihr außerdem die Github-Links, mit denen ihr selbst weiterbasteln könnt.

Kommentieren



Die mit * gekennzeichneten Felder müssen ausgefüllt werden.


Angaben speichern (Cookie)?


Um Ihren Kommentar zu versenden, beantworten Sie bitte die folgende Frage:


Trackbacks zum Eintrag SehLAN statt WLAN

Zum Anfang dieses Eintrags

 
 

Mai 2015

Mo Di Mi Do Fr Sa So
1 2 3
4 5 6 7 8 9 10
11 12 13 14 15 16 17
18 19 20 21 22 23 24
25 26 27 28 29 30 31

Über das Blog

Digitalistan: Heimatkundliches aus dem Land der Einsen und Nullen

Suche im Blog

Aktuelle Einträge

Autoren

Blogregeln und Glossar

Newsreader-Feeds (XML/RSS)


Permanente URL dieser Seite: http://wdrblog.de/digitalistan/