Sonntag, 23.03.2014

25 Jahre WWW | 2006: Twitter gegründet

Kurze Statusmeldungen an viele verschicken können - mobil. Das war 2006 die Idee von Jack Dorsey, Softwareentwickler. Zusammen mit seinen Kollegen Biz Stone und Evan Williams programmierte er "Twitter". Innerhalb von 14 Tagen, heißt es. Und das war er, der erste Tweet überhaupt:

Dass hinter dieser Idee mehr steckte, wurde dem Trio um Dorsay schnell klar. Ein Jahr nach dem ersten Tweet machten sie sich selbständig, um weiter an ihrer Microblogging-Software zu arbeiten. Um Twitter von unterwegs nutzen zu können, brauchte man ein Mobiltelefon. Per SMS ließen sich die auf 140 Zeichen begrenzten Tweets, Twitter-Kurznachrichten, absetzen und empfangen - zumindest theoretisch. Nicht in jedem Land klappte etwa das Empfangen von Twitter-Nachrichten via SMS (auf 160 Zeichen begrenzt). Zuerst musste man dafür Handy und Twitteraccount verbinden. Wer damals keinen Mobilfunkvertrag mit Inklusiv-SMS hatte, musste auch für jede SMS aka jeden Tweet blechen. Um per SMS nicht nur zu tweeten, sondern auch Direktnachrichten zu senden, anderen Twitterern zu folgen oder sie zu entfolgen, gab es Kurzbefehle. Ein @ am Anfang eines Tweets bedeutete etwa, auf den Tweet eines anderen zu antworten, Follow/leave, die News eines anderen Users zu abonnieren oder nicht mehr zu erhalten. WWW: Hashtags tauchten im Twitter-Universum erst 2007 auf. SMS in Verbindung mit Twitter-Kommunikationscodes - das war alles schon sehr nerdig damals, die zugehörige Website sah 2006 so aus:

Twitter-Screenshot von 2006, Quelle: ipadtreat.com Eine einfache Frage: Was tust du gerade? (2006)

Zum ersten Mal konnte man via Handy mit Bekannten und Unbekannten gleichzeitig kommunizieren, international, und ein bisschen wie in einer verschworenen Gemeinschaft. Einfacher wurde es für Nutzer mit einem internetfähigen Handy, sie konnten von unterwegs auf die mobile Seite von Twitter zurückgreifen. Mit den Smartphones kamen dann schnell verschiedene Apps, über die man Twitter seitdem noch viel besser bedienen konnte. Seit August 2011 kann man via App oder Desktop-Version auch Bilder twittern, vorher hatten das externe Dienste übernommen - unter teils WWW: fragwürdigen Bedingungen.

Smartphone mit Twitter-App; Rechte: WDR/Moog Twitter-App heute

Banal, platt, überflüssig? Nicht jeder war von dem Nutzen dieses Dienstes gleich hingerissen. Unbestritten aber spielte Twitter sowohl bei popkulturellen wie auch bei politischen Ereignissen eine große Rolle. Barack Obama, damals noch WWW: US-Präsidentschaftskandidat, nutzte den Dienst 2008 intensiv für seinen Wahlkampf, Nicht-Prominente WWW: twitterten von Ereignissen, schneller als jedes Medium berichten konnte, WWW: unvorsichtige Politiker verrieten Noch-Geheimnisse und Revolutionäre des Arabischen Frühlings organisierten sich via Netzwerk und berichteten unmittelbar - in 140 Zeichen und mit Bildern. Die meisten Follower haben im Netzwerk neben WWW: Barack Obama primär Popstars - ein Indiz dafür, dass ein Großteil der Twitter-User vor allem jung Fan ist, siehe WWW: @katyperry, WWW: @justinbieber oder WWW: @ladygaga.

Ob mancher Deutscher erst in Zusammenhang mit WWW: #aufschrei und dem davon ausgelösten Medienecho von Twitter erfahren hat? Ausgangspunkt waren Ende Januar 2013 Sexismus-Vorwürfe einer Journalistin gegen Rainer Brüderle, Twitter-Nutzerinnen reagierten darauf mit Schilderungen von persönlichen Erlebnissen zum Thema Alltagssexismus. Anne Wizorek (WWW: @marthadear war es dann, die dem ganzen das Hashtag #aufschrei gab, das sich schnell verbreitete. #Aufschrei ist das erste preisgekrönte Hashtag überhaupt.

Gefloppt ist dagegen die Mitte April 2013 veröffentlichte Musik-App #Music. Nutzer sollten damit auf Basis von Netzwerkaktivitäten und Twitter-Trends auf neue Musik und Künstler stoßen. Nach umjubeltem Start verlor sich die App schon bald in der Bedeutungslosigkeit. Ende Oktober kamen dann auch WWW: erste Gerüchte über die Abschaltung von #Music auf. Noch (Stand März 2014) gibt es sie.

Inzwischen ist Twitter in der Wallstreet angekommen. Obwohl sich CEO Dick Costolo WWW: seit 2010 genau darum bemüht, kommentierten WWW: Finanzexperten den Twitter-Börsengang im November 2013 so: "Das Geschäftsmodell ist noch nicht so klar." Immerhin, man hielt Twitter dennoch für wertvoll, sehr wertvoll - 35 Milliarden Dollar in Zahlen. Und das, obwohl das Unternehmen bisher nur Verluste einfuhr. Tweets sind für Nutzer kostenlos, der Betrieb von Serverparks aber keineswegs. Der Einbruch kam dann mit der Verkündigung der ersten Quartalszahlen Anfang Februar 2014,
WWW: 241 Millionen monatliche Twitter-Nutzer, also nur 30 Prozent Zuwachs im ersten Vierteljahr nach dem Börsenstart - zwischen 2011 und 2013 hatte sich die Nutzerzahl verdoppelt. Die Aktie fiel um mehr als 15 Prozent, bedeutet 600 Millionen Dollar Verlust für das Unternehmen. Puh.

25 Jahre WWW: Das ist Grund zum Feiern. Wir bringen hier in Digitalistan jeden Tag einen kurzen Eintrag mit Geschichten, Anekdoten und Hintergründen zur Entwicklung des World Wide Web. Jeden Tag ein anderes Jahr. Blog: Hier gibt's die Übersicht: 25 Jahre WWW.

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Samstag, 22.03.2014

25 Jahre WWW | 2005: Youtube sorgt für Webvideos

Als Tim Berners-Lee sich Blog: 1989 das World Wide Web ausgedacht hat, war an Videos im Netz nicht zu denken. Das hätten die damals üblichen Bandbreiten nicht mal im Traum zugelassen. Doch über die Jahre sind die Internetleitungen Blog: immer schneller geworden - und auch für Privatleute bezahlbar.

2005 war es dann so weit: Mit Youtube ist das erste große Videoportal gestartet. Zum ersten Mal konnten Menschen kostenlos ihre eigenen Videos ins Netz laden und anderen zeigen. Youtube ist ein Wortspiel aus "You" (Du) und "Tube" (Röhre, Bildschirm). Youtube bedeutet also so viel wie "Du sendest". Die Idee hat sofort begeistert. Auch wenn die Bildqualität damals noch eher grottig war, wie das Anfang 2005 auch auf Youtube kursierende Blog: Numa-Numa-Video zeigt: Bewegtbilder im Netz war von Anfang an das große Ding.


Die ersten Jahre von Youtube in der Rückschau


Nach gerade mal 18 Monaten 1,3 Mrd. Dollar wert
Offiziell gestartet ist Youtube mit der eigenen Domain am 14. Februar 2005. Google hat davon Wind bekommen und bereits wenige Tage vorher, noch im Januar 2005, den Onlinedienst Google Video gestartet. Doch von Anfang an haben sich die Leute für Youtube entschieden - und gegen Google Video. Deshalb hat Google im Oktober 2006 Youtube gekauft - für damals unglaubliche 1,31 Milliarden Dollar. Die drei Youtube-Gründer waren plötzlich reich, Youtube gehörte ab da zu Google und Google Video wurde wenig später eingestellt. Heute ist Youtube eine Institution, die Plattform für Videos im Netz. Jede einzelne Minute laden die User über 100 Stunden Videomaterial hoch.

Während man anfangs Videos in eher schlechter Bildqualität zu sehen bekam, dominieren heute Videos in HD-Qualität. Selbst das neue Videoformat 4k, das eine abermals vierfach höhere Auflösung erlaubt, wird von Youtube schon eine ganze Weile unterstützt. Ein Erfolgsrezept von Google war von Anfang an, dass man Videos nicht nur auf der Youtube-Seite anschauen, sondern auch in andere Webseiten integrieren (embedden) kann, so wie in diesem Blog hier. Die Videos liegen bei Youtube - und können in der Seite abgespielt werden, ohne Youtube selbst besuchen zu müssen.


Das musikalische Jahr 2013 in der Rückschau

Eigener Sender und auf dem Fernseher
Heute ist Youtube mehr als nur ein Videoportal - Youtube verdient richtig Geld, durch Werbeeinblendungen auf der Portalseite sowie kurzen Videoclips vor den eigentlichen Videos. Viele Künstler können damit bereits ganz gutes Geld verdienen, zumindest wenn sie mit ihren Werken (Videos) eine große Reichweite erzielen. Längst hat Youtube damit begonnen, auch Blog: selbst Inhalte herzustellen. Eigene kleine Fernsehsendungen zu relevanten Themengebieten wie Sport, Entertainment, Mode oder Fitness.

Aber damit ist noch längst nicht das Ende der Fahnenstange erreicht. Google will mit Youtube in die Wohnzimmer. Viele Smart-TVs bieten mittlerweile die Möglichkeit, Youtube-Videos abzuspielen. Und mit Erweiterungen wie Blog: Chromecast lässt sich jeder Fernseher im Handumdrehen Youtube-tauglich machen. Das Ziel ist klar: Mit anspruchsvollen Formaten Geld zu verdienen. Auch bezahlte Leihvideos werden bei Youtube schon bald üblich sein. Die Reichweite hat Google mittlerweile - jetzt wird kassiert. Doch ein Verdienst bleibt: Youtube hat das World Wide Web um Video bereichert.

chromecast.jpg
Chromecast: Wie einen USB-Stick auf die HDMI-Buchse stecken - fertig


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womit denn mal wieder bewiesen wäre, dass der Affe vom Mensch abstammt - Youtube, Facebook usw. - dabei ist der Deutsche ein Vorzeigeaffe!

Gehlen am 23.03.14 10:58

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Freitag, 21.03.2014

25 Jahre WWW | 2004: Facebook, Numanuma und Google Maps

Vor genau zehn Jahren hatte ein Student eine gute Idee und - noch wichtiger - den entschlossenen Willen, mit dieser Idee auch erfolgreich zu sein. Heute ist dieser Student Milliardär. Mark Zuckerberg gilt als Vater des "I like"-Buttons und hat das soziale Netzwerk Facebook aus der Taufe gehoben. Am 4. Februar 2004 ist Facebook offiziell gestartet - nicht unbedingt das erste soziale Netzwerk. Blog: Friendster und Myspace gab es da schon. Aber Facebook wurde geschickter vermarktet und entschlossener weiterentwickelt. Heute gilt Facebook mit seinen rund 1,2 Milliarden Mitgliedern weltweit als größtes soziales Netzwerk überhaupt.

Facebook kann es sich ohne weiteres leisten, Unternehmen wie Instagram oder Whatsapp zu kaufen. Für Instagram hat Facebook eine Milliarde Dollar und für Whatsapp sogar 19 Milliarden Dollar hingeblättert. So will Facebook auf der Höhe der Zeit bleiben. Eins ist Facebook aber über die Jahre ganz sicher gelungen: Den Zorn jedes Datenschützers oder an Datenschutz interessieren User auf diesem Planeten auf sich zu ziehen. Denn kein anderes Unternehmen schlachtet Userdaten vergleichbar konsequent aus. Doch Facebook ist mehr als nur ein Onlinedienst. Facebook ist heute auch im Web überall präsent: Die blauen Knöpfe zum Teilen finden sich überall. Facebook hat das Gesicht des Web verändert.

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Facebook beim Börsengang im August 2012


Numa Numa wird zum globalen Hit
Wenn es ein Beispiel für die zunehmende Vernetzung der User gibt, eine Vernetzung, die mit dem Start des World Wide Web im Jahr 2004 begonnen hat, dann ist es das Video des 18-jährigen Schülers Gary Brolsma. Der hat sich im Dezember 2004 in seinem Zimmer vor die Webcam gesetzt und dabei gefilmt, wie er zum in den USA eigentlich nicht sonderlich bekannten Song WWW: Dragostea din tei der moldavischen Popgruppe O-Zone Numa Numa gesungen hat - oder besser: So getan hat, als würde er singen. Eine Art Anti-Karaoke, aber äußerst eindrucksvoll.

Gary Brolsmas Video ging um die Welt, damals noch ganz ohne die Hilfe von Facebook. Hätte es damals schon Facebook gegeben, wäre die Erfolgswelle vermutlich noch höher gewesen. Über Nacht wurde das Youtube-Video zum weltweiten Hit. Über die Jahre über 800 Millionen Mal angeklickt und unzählige Male parodiert, hat es Brolsma mit seiner Youtube-Nummer auch ins Fernsehen geschafft. Brolsma wurde in unzählige Sendungen und Talkshows eingeladen. Spätestens nach diesem Erfolg war klar: Youtube ist in der Lage, praktisch über Nacht jemandem zum Star zu machen und zu Prominenz zu verhelfen.


Numa Numa: Gary Brolsmas Video geht um die Welt


Startschuss für Google Maps
Onlinekarten wie die von WWW: Google Maps erscheinen uns heute selbstverständlich. Aber auch die gibt es gerade mal seit zehn Jahren. In 2004 haben die dänischen Brüder Lars Rasmussen und Jens Rasmussen damit begonnen, eine Onlinekarte von der Welt zu programmieren. Mit der Möglichkeit, nicht nur den Kartenausschnitt frei zu bestimmen, sondern auch Routen zu berechnen oder die Karten nach Herzenzlust zu ergänzen. Das Grundkonzept für Google Maps. Google hat das Unternehmen 2004 gekauft und ist im Februar 2005 mit Google Maps als Service gestartet.

Heute bildet Google Maps nahezu die ganze Welt in Onlinekarten ab. Man kann Routen berechnen lassen, egal ob man zu Fuß, mit dem Auto oder Fahrrad unterwegs ist - oder mit öffentlichen Verkehrsmitteln. Google-Karten können kostenlos in anderen Webseiten integriert werden, was die Popularität der Onlinekarte enorm gesteigert hat. Als Google Maps vorgestellt wurde, konnte man zum ersten Mal kostenlos auf derart viel Kartenmaterial zugreifen. Heute gibt es sogar WWW: Google Maps für Mond und WWW: Mars.


Google bietet Karten von Mond und Mars

25 Jahre WWW: Das ist Grund zum Feiern. Wir bringen hier in Digitalistan jeden Tag einen kurzen Eintrag mit Geschichten, Anekdoten und Hintergründen zur Entwicklung des World Wide Web. Jeden Tag ein anderes Jahr. Blog: Hier gibt's die Übersicht: 25 Jahre WWW.

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