Donnerstag, 05.06.2014

Der Feind im Netz heißt NSA

Wenn Edward Snowden eins geschafft hat, dann wohl, dass wir das Internet heute mit anderen Augen sehen. Mir zumindest geht es so. Ich sehe das Internet heute mit anderen Augen - und leider auch die Politik, die in dieser Sache komplett versagt hat und immer noch versagt. Vor genau einem Jahr ist Snowden an die Öffentlichkeit gegangen und hat Einblicke in den gigantischen Blog: Schüffelapparat der USA geliefert. Seitdem werden wir Woche für Woche mit neuen Erkenntnissen schockiert. Mittlerweile ist klar: Es ist alles denkbar - und die Wirklichkeit noch viel schlimmer.

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Yes, we scan: Obama als Filmplakat à la "Das Leben der anderen"


Range ermittelt nur wegen Merkel-Handy
Vermutlich kennen wir selbst heute noch nur die Spitze des Eisbergs. Andernfalls würden sich die Verantwortlichen wohl nicht so still verhalten. Es gab auch vor Edward Snowden schon Mahner, die uns vor einer Totalüberwachung im Netz gewarnt hatten. Doch die hat man lange nicht ernst genommen. Höchstens in Hollywood, wo solche Allmachtsphantasien für spannende Filme taugen. Doch die Wirklichkeit ist härter als Hollywood. Was sich NSA und andere Geheimdienste leisten, nämlich Rechtsbruch im großen Stil, Tag für Tag, in Millionen Fällen, das sprengt einfach alles.

Praktisch jeder, der regelmäßig online geht oder ein Mobilgerät benutzt, ist Opfer der NSA-Spähaktionen. Jeder. Tag für Tag. Doch das veranlasst unsere Politik nicht, sich gegen diesen massenhaften Rechtsbruch durch befreundete Nationen zu stemmen. Selbst aufrichtige Empörung ist zu viel verlangt. Nur das Belauschen des Kanzlerinnen-Handys ist ein Thema. Generalbundesanwalt Range jedenfalls ermittelt nur in einem einzigen Fall: Weil die ARD: NSA das Kanzlerinnen-Handy abgehört hat. Mehr nicht. Die Millionen anderen Rechtsverstöße, die täglich passieren, spielen keine Rolle.


Generalbundesanwalt Range begründet Ermittlungen in der Abhör-Affäre

Das Recht auf Privatsphäre ist aufgehoben
Die Botschaft aus Berlin scheint klar: Wir scheren uns nicht darum, dass massenhaft Rechtsbruch begangen wird. Wir schützen Euch nicht. Insgeheim finden wir das alles sogar klasse - solange das Kanzlerinnen-Handy nur tabu bleibt. Wie sonst sollte man diese Un-Kommunikation der Regierung in Sachen NSA verstehen? Die Opposition versucht immerhin, die Affäre dem Vergessen zu entreißen und ein wenig Licht in die Angelegenheit zu bringen. Das ist zwar auch nicht genug - aber immerhin.

Irgendwie wird aber wohl erwartet, dass wir uns an die Totalüberwachung gewöhnen sollen. Ich will mich aber nicht daran gewöhnen. Im Gegenteil. Dass die Überwachung außerdem gar nichts bringt - jedenfalls bleiben die Betreiber der Überwachung jeden Beweis schuldig, dass dadurch irgendwelche nützlichen Erkennitsse gewonnen werden -, ist ebenfalls klar. Schlimmer noch: Man muss davon ausgehen, dass die Erkenntnisse der NSA zum Beispiel für Drohnen-Angriffe genutzt werden. Wer weiß, wofür sonst noch alles. Wer hier schweigt, macht insgeheim mit.

Die Welt in online und offline zu unterteilen, was immer wieder und auch gerne gemacht wird, ist ein riesiger Fehler. Es gibt nicht zwei Welten. Es gibt nur eine. Die Online-Welt ist Teil des "echten" Lebens, begleitet uns heute rund um die Uhr. Wenn sich Geheimdienste da mit brachialer Gewalt reindrängen, dann geht uns das alle an. Es verändert uns. Keine Privatsphäre mehr zu haben, das ist nicht nur deprimierend - es ist eine dauerhafte Verletzung der Menschenrechte.

Ja, alles für den Antichrist,
die Auskundschaftung durch NSA & Co. ist nur eine Vorstufe.
Als nächstes - so planen die Illuminaten, wirklich! - muss jeder Mensch einen Chip an der rechten Hand (mit einer Spritze) implantieren lassen um vollständig kontrolliert zu werden. Das geschieht natürlich zu unseren Vorteil, wie man uns sagen wird...

Stefan C. am 5.06.14 21:07

Leider muß ich den obrigen Aussagen widersprechen. Recht ist bekannterweise immer der kodifizierte Wille der Machthaber, und die sind seit dem 8.5.1945 in Deutschland immer noch die Besatzungsmächte, denn in Abwesenheit von Souveränität, Verfassung und Friedensvertrag - wir befinden uns im Zustand einer Kapitulation der Teilstreifkräft - und sind Feindstaat gemäßt Charta der UN. Lesen Sie deshalb einmal das Grundgesetz, Zitat: Der Bund trägt die Kosten der Besatzung (sic!) - und, viel wichtiger: Die Beschlüsse und Erlasse der Besatzungsmöchte stehen OBERHALB des Grundgesetzes. Die Konsequenz daraus ist: Es wird kein deutsches Recht gebrochen, weil deutsches Recht nicht gilt. Deutschland bezahlt (im Moment) sogar die amerikanischen Abhöranlagen. Deutschland kann und darf sich nicht auflehnen. Und kein Staatsanwalt kann amerikanische Einrichtungen in Deutschland betreten. Er darf höchstens eine Protestnote überreichen - vor der Tür. Und genau dies will niemand sagen-

Jupps Hund am 7.06.14 17:32

Ach Gottchen - immer noch diese Empörung! Wir haben hier Altersarmut, Kinderarmut, zunehmende Kriminalität, Mangel an gut bezahlten Arbeitsplätzen, Tausende an Aufstockern dank unzumutbarer Niedriglöhne,
Großstädte mit zunehmender Verwahrlosung und immer mehr kiffende
Jugendliche - aber der aufgeschreckte Michel gerät immer weiter in Panik wegen der jahrelangen Überwachung durch Amerika! Erstens: Diese gibt es bereits nicht erst seit Snowden! Zweitens: Wir dürften auch einen BND haben, der nicht nur zum Däumchendrehen da ist! Drittens: Wenn man ein langweiliger Steuerzahler ist, hat man nichts zu befürchten - höchstens dass der der Abhörende dabei einschläft! Viertes: Wir verdanken diesem Abhören durchaus auch unsere bisherige Sicherheit vor islamischen Terroranschlägen. Denn Amerika als gebranntes Kind kann die salafistische Gefahr viel besser einschätzen, wie wir gutgläubigen Michels...

Maria A. am 10.06.14 23:16

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Dienstag, 03.06.2014

Google-Urteil: Angriff auf die Pressefreiheit?

Das Urteil des Europäischen Gerichtshofs vergangene Woche hat hohe Wellen geschlagen. Die meisten Kommentatoren (in Deutschland, in den USA sieht die Sache völlig anders aus) bejubeln, dass User nun mehr Möglichkeiten haben, über ihre persönlichen Daten zu bestimmen. Digitalistan-Blogger Alex unternimmt ganz praktisch den Versuch, Links entfernen zu lassen - und Blog: dokumentiert hier das Vorgehen. Denn noch ist es alles andere als Einfach, das neue Recht auch für sich zu nutzen.

Das Urteil gut zu finden, den Reflex kann ich verstehen. Wer keinen so tiefen Einblick in die Sache wagt, der kann tatsächlich zum Schluss kommen, das Urteil wäre ein Erfolg auf ganzer Linie. Für den Spanier, der gegen Google geklagt hat, ist es zweifellos einer. Aber ist es deswegen auch ein Erfolg für uns alle?

Google-Zentrale in Hamburg; Rechte: WDR/Schieb
Google-Zentrale in Hamburg: Hier geht jetzt viel Post ein


Kritik an Urteil nimmt zu
Ich bin da skeptisch. Zum einen, weil Google künftig nicht mehr das tut, wofür Google eigentlich da sein sollte: Möglichst alle Informationen finden, die im Netz verfügbar sind. Google wird Blog: künstlich blind gemacht, das finde ich definitiv den falschen Weg. So sehr ich verstehen kann, wenn es Informationen oder Daten gibt, die man in einem Suchergebnis nicht sehen möchte: Der Suchmaschine das Hinschauen zu verbieten ist falsch. Übrigens müsste künftig nicht nur Google, auch Yahoo und andere Suchmaschinen müssten in Zukunft inhaltlich beschnitten werden, ebenso soziale Netzwerke wie Facebook, Twitter und Co.

Mittlerweile mehrt sich die Kritik am Urteil. Die meisten Experten halten es für technisch ARD: kaum umsetzbar, Verweise auf Antrag zu löschen. Nicht, weil es Google selbst für unüberwindbare Hürden stellen würde, einen einzelnen Link zu entfernen - das ist technisch kein Problem -, sondern weil es so viele weitere Linklisten gibt, in anderen Suchmaschinen, in sozialen Netzwerken und überhaupt. Suchmaschinen wie Google müssten auch alle diese "Echos" vernachlässigen und unterdrücken, soll das Urteil strikt umgesetzt werden. Schon befürchten manche, Google könnte einen Hinweis über das Suchergebnis stellen: "Google musste 5 Fundstellen unterdrücken". So etwas macht besonders neugierig.

Pressefreiheit gefährdet
Doch es gibt auch Kritik von Juristen. Manche sehen sogar die WWW: Pressefreiheit durch das Urteil gefährdet. Die Argumentation ist schlüssig: Letztlich macht Google das, was ein Drucker oder ein Kioskbesitzer macht: Google sorgt für Verbreitung von publizistischen Inhalten. Online. Transporteure und Informationsvermittler von gedruckten Werken können sich mühelos auf die Pressefreiheit berufen - Google offensichtlich nicht.

Eine Frage, die sich ebenfalls stellt: Was machen mit dem Urteil des EuGH? In dem WWW: Urteil steht unter anderem der volle Name des klagenden Spaniers. Darf und soll dieses Urteil von Google (und anderen Suchmaschinen) indexiert werden? Oder wären damit nicht die Persönlichkeitsrechte verletzt? Denn durch das Urteil kennt jetzt ganz Europa die Geschichte seiner Zwangsversteigerung - und kann es jederzeit googeln, auch nachdem der eigentliche Link, um den es ursprünglich ging, getilgt wurde. Ein Treppenwitz.


Google-Chef Eric Schmidt über das EuGH-Urteil (ab 1:05:00)

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Dienstag, 03.06.2014

Ein Vorschlag für den nächsten Urlaub

Wie ich das kenne, läuft es so: Freunde fahren in den Urlaub, schießen mit Smartphone oder Digitalkamera WWW: einen Haufen schlimmer Fotos, kommen zurück, sortieren aus, und am Ende bleiben 984 Fotos übrig, die dann beim gemütlichen Fotoabend präsentiert werden. Für dieses Klischee gibt es im Deutschen ein eigenes Wort: Langeweile!

Zuletzt haben mich aber zwei Freunde überrascht. Sie haben in ihrem Urlaub in Kroatien keine Fotos mehr geschossen, sondern nur noch Videos aufgenommen: per Smartphone und per Actioncam. Aus dem Material haben sie im Anschluss ein vier Minuten langes Video geschnitten. Das haben wir uns beim Grillen zusammen angesehen - und das war's. Kein nerviger Fotoabend, kein unterdrücktes Gähnen, nur gute Laune.


Urlaub auf Hawaii, festgehalten mit der Actioncam. YouTube ist voll von Urlaubsvideos wie diesem.

Beim Blick in YouTube ist mir aufgefallen, wie unglaublich viele dieser Urlaubsvideos es mittlerweile gibt, aufgenommen vor allem WWW: mit der GoPro, zum Teil auch WWW: mit Actioncams von Rollei. Es war ja auch noch nie einfacher, Videos zu produzieren als heute, in Zeiten preiswerter Kameras und Software wie dem Windows Movie Maker oder iMovie.

Ein Vorschlag für den nächsten Urlaub: Lasst uns die Fotokameras abschalten. Lasst uns aufhören, Freunde zu langweilen. Lasst uns Videos aufnehmen und kleine Kunstwerke daraus basteln.


Mehr zum Thema
WDR: Actioncams: Spektakulär für alle [Servicezeit]


Unsere Blogger Anita Horn und Dennis Horn sind weder verwandt noch verheiratet, aber umso besser vernetzt. Sie entdecken jede Woche digitale Perlen: spannende Webseiten, lustige Links und Angebote, die den Alltag bereichern - hier im Blog, jeden Dienstag in der WWW: WDR 5 LebensArt im Radio und einmal im Monat in der WDR: Servicezeit im WDR Fernsehen.

... Oder lasst uns neue Freunde suchen!? - Wenn ich aus meinem Urlaub (bei dem meine SLR und 2 Objektive nie fehlen!) zurückkomme, freuen sich meine Freunde immer über Fotos.
Ob ich sie bei einem gemeinsamen Kaffee auf meinem Fernseher oder Tablet präsentiere, oder per dropbox an meine Freunde per email sende, Reaktionen waren bei mir bis jetzt nie negativ.

Chris26 am 4.06.14 10:22

an Chris26: Dann sind deine Freunde vielleicht nur höflich. Und wenn Freunde bei den Fotos wenigstens noch aussortieren, hat man Glück gehabt.Ich habe welche, die zeigen einfach jedes Foto, dass sie geschossen haben. Da sieht man dann auch noch das gleiche Foto gleich mehrere Male. Oder es werden fast 1000 Fotos auf Facebook hochgeladen und nachher gefragt, wie man sie fand. Ich habe dann immer die Ausrede, dass es unterwegs zu lange gedauert hat, bis die geladen haben. Und ein Like gibt es von mir davon nicht. Urlaubsfotos sind nur interessant für die, die dabei waren. Früher gab es die wenigstens nur von ein paar Langweilern auf Dia-Abenden, denen man mit Ausreden ganz gut fernbleiben konnte. Heute schießt fast jeder, was das Zeug hält und verteilt es anschließend großzügig, es kostet ja nichts mehr.

Frank am 5.06.14 9:35

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