Dienstag, 28.01.2014

NSA: Smartphone als vorderste Front

Moral? Ethik? Selbstreflexion? Sucht man bei der NSA alles vergebens. Was technisch gemacht werden kann, das wird auch gemacht. Ohne Rücksicht auf Verluste. Niemand dürfte sich also darüber wundern, dass NSA und britischer Geheimdienst GCHQ auch beobachten, welche Apps wir nutzen und ungeniert alle dort anfallenden Daten abgreifen. Ob es sinnvoll ist oder nicht, diese Frage stellt sich keiner der 40.000 Mitarbeiter bei der NSA. Und falls sich doch mal einer die Frage stellt, wird ihm ganz schnell der Stuhl vor die Tür gestellt. Vermutlich noch, bevor die Frage in seinem Bewusstsein überhaupt angekommen ist.

App Angry Birds auf Smartphone; Rechte: dpa/Picture Alliance
Selbst Apps wie Angry Birds werden von der NSA abgehört


Überwachtung total: Auch Apps ausspioniert
Von der Schreckensvision eines WWW: Minority Report sind wir nicht mehr weit entfernt. Ich bin mir nicht mal sicher, ob wir diese Vision nicht mehr oder weniger bereits übertroffen haben. Schließlich wollen die Geheimdienste keine bereits erfolgten Straftaten aufklären, dafür sind schließlich Strafverfolgungsbehörden zuständig, sondern Straftaten verhindern. Noch konkreter: Man will wissen, wer sich feindlich verhält - oder auffällig. Was auch immer das zu bedeuten hat. Die Datensammelwut ist schon krankhaft. Und niemand von den Verantwortlichen stellt sich die Frage, welche Gefahren ein derart gigantischer Datenberg mit sich bringt. Die Gefahr von fehlerhaften Rückschlüssen etwa, von der Gefahr eines Überwachungsstaates mal ganz abgesehen.

Wie wir ARD: jetzt erfahren müssen, und zwar nicht zuletzt dank des unermüdlichen WWW: Guardian, überwachen NSA und GCHQ auch, welche Apps wir benutzen und greifen Daten ab, die diese Apps sammeln: Alter, Geschlecht, Aufenthaltsort, Punktestand - kennt die NSA alles. Die Schlapphüte bekommen also mit, wenn meine Tochter Angry Birds oder Cut the Rope spielt. Wer weiß: Vielleicht lässt sich erahnen, welches Aggressionspotenzial ihnen innewohnt. Es ist übrigens nicht so, dass Apple oder die App-Betreiber die Daten mit der NSA teilen würden. Nein, die NSA belauscht bekanntlich nahezu den kompletten Datenverkehr und kann mithören, wenn die Apps diese Daten - leider in der Regel unverschlüsselt - an die App-Betreiber schicken. Schon haben NSA und GCHQ wieder ein paar Daten mehr im Körbchen.

NSA-Logo im Auge einer Frau; Rechte: dpa/Picture Alliance
Die NSA sieht alles


Ein bisschen mehr Transparenz: Kein Grund zum Jubel
Immerhin: Amerikanische Onlinedienste wie Google, Yahoo, Microsoft oder Apple dürfen ab sofort wenigstens ein ARD: bisschen Transparenz anbieten. Sie dürfen ihren Mitgliedern berichten, wie oft Geheimdienste und Behörden sie zur Herausgabe von Daten gezwungen haben. Allzu detailreich sind diese Informationen dann aber nicht: So dürfen die Onlinedienste weder die genaue Zahl der Fälle nennen, noch genau Auskunft darüber geben, welcher Dienst, welche Behörde oder welches Gericht sich bedient hat. Auch die genaue Zahl der Fälle darf nicht genannt werden, sondern bestenfalls in 250er oder 1000er-Schritten. Und das Ganze auch nur zeitverzögert - sechs bis zwölf Monate nach dem eigentlichen Datenabgriff.

Zugegeben: Das ist eine deutliche Verbesserung zur bisherigen Praktik, wo nichts, aber rein gar nichts gesagt werden durfte, nicht mal, ob überhaupt Anfragen vorliegen. Da darf man sich zumindest ein bisschen freuen, denn den Onlinediensten wird daran gelegen sein, diese Zahlen zu kommunizieren. Sie müssen verlorengeganges Vertrauen zurückgewinnen. Nicht einfach. Vor allem deshalb nicht, weil die Behörden weiterhin alles zu sammeln scheinen. Und wie viele App-Daten gesammelt werden, das erfährt man nirgendwo.

Ein solches System MUSS zerstört werden.
Da wird unsere Freiheit verteidigt! Da, und nur da!
Und nicht am Hindukusch.

Aber wir sind von dummen, opportunistischen Politikern umgeben, die um den Preis einer gewonnenen Legislaturperiode nicht nur die Zukunft unseres Landes, sondern die der ganzen Menschheit opfern.
Wo Stallgeruch, bierseliger Provinzidealismus und Käuflichkeit mehr zählen als Weitblick und eine Arbeit, deren Früchte erst andere Generationen ernten können.

Die Masse merkts eh erst dann, wenn die eigenen Lebensfunktionen abgeschaltet werden, weil sie ihr Kreuz nicht regelkonform am Wahlzettel hinterlassen oder einfach nicht genug konsumiert hat.

Wir brauchen dringend eine Ethikkommission, in der eine überschaubare Zahl aller möglichen Leute mit Verstand einen Fahrplan aufstellen....nur niemand aus der Politik.
Zu was nämlich der Proporz führt, sieht man u.a. auch am WDR.
Hilft nicht weiter.

Ich freue mich schon auf die zu erwartenden Dämlichkeitspostings im Anschluß.

Gert am 28.01.14 14:06

Stimme 200 % -ig zu.

contra am 28.01.14 15:38

Deswegen haben die Wolkenkuckucksheimer auch das Rauchen in den Gaststätten verboten, damit konspirative Zusammenkünfte erschwert werden. Zum Ausgleich darf sich ONU in seiner verqualmten Bude via Facebook und Twitter austauschen und zwischendurch ein bisschen Angry Birds zocken. Clever, einfach clever.

Dominik am 28.01.14 16:31

Danke für die Zustimmung.
Ich bin aber trotzdem ein bischen enttäuscht, weil die üblichen Flame-Postings auf meinen Erstbeitrag ausgeblieben sind.
Es hat auch noch niemand gepostet, daß er nichts zu verbergen hätte oder das alles ein alter Hut sei, der ihm persönlich schon lange bekannt wäre.

Leider sind es gerade diese Leute, auf deren zahlenmäßige Mehrheit sich unsere Politiker regelmäßig stützen und als Legitimation für ihr Tun benutzen und dann auch Sachen wie die EU, den EUR, sämtliche Bankenrettungen und Kriegseinsätze durchpeitschen.
Merkwürdigerweise auch zum Unmut gerade der Leute, die die handelnde Regierung mit ihrer Stimme überhaupt erst in diese Position gehievt hat.
So ein Handeln ist für mich nicht nachzuvollziehen.

Was bei der hier besprochenen Überwachung aber drängt, ist, daß sie sich, einmal installiert, fast nicht mehr zurücknehmen läßt.

Da tut Handeln not.

Gert am 28.01.14 18:13

@Gert am 28.01.14 18:13-dein Schlussatz ist leider Falsch,da dies bereits alles laengst installiert ist!Auch die Vermutung in deinem Eingangsposting das das Poliische Handeln nur kurzfristigem Denken zu verdanken sei ist Grundfalsch:Dahinter steht eine langfristige Strategie!Es existieren seit Jahrzehnten Vertraege die es den USA erlauben in Deutschland zu spionieren.Im uebrigen arbeiten"unsere"(BND\BKA\Verfassungs Schutz)doch dem NSA zu und sind nur technisch nicht derart hochgeruestet!Auch Gladio schon vergessen?Spaetestens seitdem James Halls Akten mit Panzerwagen aus der Gauck Behoerde abgeholt wurden musste der verschlafenste Regierungsmitarbeiter wissen was die NSA in Deutschland treibt.Frueher ging es um die Absicherung gegen den Osten-seit den 90gern geht es darum das die Oligarchie sich vor den kommenden Aufstaenden wappnen will!Problem ist-die "puppet master"haben eine langfrist Strategie und einen langen Atem,die Oeffentlichkeit jedoch denkt nur klein klein und nicht langfri

Robin am 29.01.14 8:44

@Robin....ja, und jetzt?
Nur ein Statement? Keine eigene Meinung? Keinen eigenen Plan? Nicht mal eine Idee?
Wie willst Du denn Deinem Land nützen?
Was hast Du bisher unternommen, damit es anders wird?
Wie positionierst Du Dich selber in dieser Angelegenheit?
Und.....was für einen Wert mißt Du Deinem Posting selbst zu, wenn Du es Dir noch ein paarmal durchliest?
Sorry, aber solche destruktiven Texte wie der Deine füllen das Internet zuhauf nur mit Leere.
Davon mal ab, daß Du Sachen aus meinem Posting rauszulesen versuchst, die da nicht drinstehen.

Und, ganz streng genommen, ist nicht die NSA unser Problem, sondern mehrheitlich die Leute in unserem Land, die sich so verhalten wie Du.
Zusammen mit unserem Mehrheitswahlsystem konnte so der jetzige Zustand doch überhaupt erst erreicht werden.

Es gäbe genug Bürger hier, die solchen Bespitzelungsmethoden längst Paroli geboten hätten, wenn sie nicht von einer Überzahl Desinteressierter und Couchpotatoes permanent überstimmt würden.


Gert am 29.01.14 11:28

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Dienstag, 28.01.2014

Die Petitionen-Schwemme

Wer wissen will, was eine Petition ist, WWW: schlägt bei Wikipedia nach: eine Bittschrift, ein Ersuchen, eine Beschwerde an ein zuständige Stelle. Ein überaus sinnvolles Instrument, um sich als Bürger oder Konsument zur Wehr zu setzen - zumindest wenn verantwortungsvoll eingesetzt. Das gilt natürlich grundsätzlich auch für Onlinepetitionen. Sie sind die moderne Variante der Petition. Dank Internet lassen sich Unterschriften bequemer als früher einsammeln. Und im Internet kann man auch einfacher ein großes Publikum erreichen, dank Schneeballeffekt.

Onlinepetition gegen Markus Lanz; Rechte: openpetition.de
Online-Petition gegen Markus Lanz: Raus aus meinen Gebühren


Online ist schnell etwas unterschrieben
Es gibt aber auch ein paar Nachteile. Ob man seine Unterschrift unter eine Petition setzt, die zum Beispiel in der Fußgängerzone ausliegt, überlegt man sich in der Regel recht gut. So eine Unterschrift, das ist schon was. Nach meinem Gefühl ist eine Onlinepetition deutlich schneller unterschrieben. Oder besser unterklickt. Denn viel mehr ist bei einer Onlinepetition nicht nötig. Die Hürden sind einfach weniger hoch. Das Internet gewährt Anonymität, wenn man möchte. Viele unterschreiben eine Onlinepetition nur mit ihrem Nickname. Kein Klarname, keine Adresse, einfach mit der Online-Identität.

Bei WWW: OpenPetition.de ist das durchaus möglich - und das ist dann eben nicht dasselbe. So kommen mal eben 227.000 Unterstützer für eine Onlinepetition WWW: Raus mit Markus Lanz aus meinen Rundfunkgebühren zusammen. 227.000, das klingt viel. Die Zahl ist auch durchaus beeindruckend. Aber: Sie sagt letztlich nicht viel aus. Die Mehrheit schaut Lanz nicht, viele kennen ihn vermutlich nicht einmal. Auch ich sehe Markus Lanz nicht gerne. Deshalb habe ich auch nicht mitbekommen, wie er Sahra Wagenknecht in seiner Sendung angegangen ist. Dank Internet konnte WWW: ich das immerhin nachholen.


ZDF-Sendung Markus Lanz: Diese Sendung hat die Onlinepetition ins Rollen gebracht


Petitionen sollten kein Abstimmungstool sein
Aber ob ein einzelner Fehltritt eine derartige Petition rechtfertigt? Wohl eher nicht. Kaum jemand würde sich mit einem vergleichbar unwichtigen Anliegen in die Fußgängerzone wagen. Aber online kann man es ja mal probieren - und sicher sein, dass es hinreichend Menschen gibt, die da mitmachen. So wird aus einer Petition eine Abstimmung mit Unterhaltungsfaktor. Das entwertet die vielen ernsthaften und wichtigen Petitionen, die mittlerweile online abgewickelt werden.

Comedian Dieter Nuhr sieht das wohl ähnlich und wollte eine Onlinepetition gegen Onlinepetitionen starten. Motto: "Gegen digitales Mobbing, binäre Erregung und Onlinepetitionswahn". Allerdings wurde diese Onlinepetition merkwürdigerweise schon wenige Stunden später wieder von der Plattform openPetition entfernt. Angeblich aus formalen Gründen. Klingt nach Spielverderberei. Doch wem hätte man denn das Ergebnis der Onlinepetition zustellen sollen? Eben! Unterm Strich hat Nuhr aber definitiv Recht: Petitionen sollten dafür eingesetzt werden, wofür sie gedacht sind - für ernsthafte Anliegen.

Mal wieder zu kurz gesprungen:"Unterm Strich hat Nuhr aber definitiv Recht: Petitionen sollten dafür eingesetzt werden, wofür sie gedacht sind - für ernsthafte Anliegen."dies Anliegen ist genauer betrachtet durchaus ernst zu nehmen.Kann "man"aber nicht wissen wenn:"Auch ich sehe Markus Lanz nicht gerne. Deshalb habe ich auch nicht mitbekommen, wie er Sahra Wagenknecht in seiner Sendung angegangen ist."man etwas fast nie sieht!Lanz ist eines der uebelsten Beispiele wie Oeffentlich rechtliches Fernsehen heutzutage agiert-als Verlautbarungs und Hofberichterstattungsinstrument der etablierten Parteien und Machthaber und dies von UNSEREN Gebuehren,die ZWANGSWEISE erhoben werden!Haben sie etwa jemals etwas Vergleichbares von Gregor Gysi erlebt-wie es Lanz regelmaessig macht bei seinen sogenannten Diskussionen?Lanz ist ein armes kleines Wuerstchen und ein "Angstbeisser".Warum also sollte ich diesem kleinkariertem Etwas seinen luxurioesen Unterhalt finanzieren?

Robin am 29.01.14 10:31

Mal gemach, habe extra wegen der Besetzung das ZDF mit Lanz eingeschaltet, was ich letztmalig bei der EURO 2012 sah. Den Lanz mit seinen volkstümlich- bedepperten Fußballlaberköppen, die eine Niederlage gegen Italien nicht verdaut hatten. Fazit: 2* sehen, zweifach Müll = 1 Klarnamenunterschrift in der Petionssache.
Denn der Kollege Schmickler, der heute im Podcast
gegen Petitionen wetterte, macht zwar feines Kabarett, bewirkt aber nichts. Gar nichts. Der ist kein Hildebrandt. Behauptet, statt Internet liest er lieber Zeitung. Ich vermute deutsche Blätter? Aus Köln? Ist kein großes Statement vom WDR. AUFHÖREN, SCHMICKLER!

petit Sohn am 29.01.14 22:14

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Freitag, 24.01.2014

Singende Puppen im Weltall

Nicht nur ich saß fasziniert vor dem Videoclip, als der kanadische WWW: Astronaut Chris Hadfield WWW: im Mai 2013 mit seiner Gitarre durch die ISS-Raumstation schwebte und "Space Oddity" von David Bowie coverte. Über 20 Millionen Mal wurde das Video seitdem abgerufen.

Zwei Internetvideostars, die ebenfalls Millionen Menschen mit Ihren Videos erreichen, haben nun WWW: ein Mashup des Hadfield-Hits veröffentlicht. Aus dem Gesangs-Solo wird dank der WWW: Handpuppen Glove&Boots ein sehr sympathisches Trio.

Und was machte Chris Hadfield, als er das Mashup im Netz entdeckte? Schließlich handelt es sich juristisch betrachtet um eine Urheberrechtsverletzung. Er teilte es über die sozialen Netzwerke mit seinen Fans. :-)
Die im Video zu sehenden Experimente von Chris Hadfield sind übrigens ebenfalls sehr sehenswert und WWW: im Youtube-Channel des Kanadiers zusammengestellt. Eines meiner Highlights: Was passiert, WWW: wenn ein nasser Lappen in der Schwerelosigkeit ausgewrungen wird.

Natürlich kann ich in diesem Beitrag das wohl wichtigste Werk von Glove&Boots nicht unerwähnt lasseb: Ihren höchst amüsanten, dennoch völlig ernst gemeinten Appell gegen die Unsitte vertikal gefilmter Handyvideos:

[Zumindest für iPhone-Besitzer gibt es aber inzwischen Hilfe WWW: in Form einer App, die das schlimmste verhindert.]

jawoll!!!

michel am 25.01.14 14:22

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