Donnerstag, 27.11.2014

EU will Google an den Kragen

Schon seit vier Jahren beschäftigt sich die Wettbewerskommission der EU mit dem Suchmaschinenriesen Google. Der Grund: Immer wieder beschweren sich Wettbewerber darüber, dass Google sie in ihren Suchtreffern nicht hinreichend prominent aufführt. Klar, jeder landet gerne auf Platz 1. Das ist kostenlose Werbung. Am Donnerstag (27.11.14) wird im EU-Parlament sogar über eine ARD: Resolution gegen Google abgestimmt, die Google in die Schranken weisen soll.

Die Kritik lautet immer wieder gleich: Angeblich positioniere Google die eigenen Dienste deutlich prominenter als die der Konkurrenz. Gern zitiertes Beispiel: Wer "Karten" in die Suchmaschine Google eingibt, der bekommt auf Platz 1 einen Link auf den Online-Kartendienst Google Maps präsentiert. Andere Kartendienste hätten da das Nachsehen. Eine Resolution der EVP fordert nun eine Entflechtung von Google, damit die Suchmaschine die eigenen Angebote nicht (mehr) bevorzugt.

Google Logo mit Schatten von Personen davor; Rechte: dpa/Picture Alliance
Google soll künftiger weniger finden


Die Stärke von Google ist die Schwäche der anderen
Ich kann verstehen, wenn man sich Sorgen macht, dass eine Suchmaschine wie Google 90% aller Suchanfragen in Europa beantwortet. Daraus erwächst in der Tat eine entsprechende Verantwortung. Genauso klar und deutlich muss man allerdings auch sagen, dass Google kein Monopol hat. Es gibt Dutzende von Suchmaschinen. Der Markt ist offen. Jeder Internetbenutzer hat die Wahl, trotzdem wollen offensichtlich 90% der Europäer Google nutzen.

Sie entscheiden sich offensichtlich ganz bewusst für Google, sind mit dem angebotenen Service zufrieden. In den USA hat Google einen deutlich kleineren Marktanteil. Dort sind die Suchmaschinen von Bing und Yahoo aber auch erheblich besser als hier in Deutschland. Die Stärke von Google liegt also vor allem an der Schwäche der anderen. Europäische Suchmaschinen, die ähnlich gute Treffer produzieren, gibt es kaum. Der Erfolg in Europa ist also durchaus verdient. Google wendet keine Tricks an, um als Suchmaschine häufig besucht zu werden.

Google findet nicht, dass Google die wichtigste Suchmaschine ist; Rechte: WDR/Schieb
Google ist nicht eitel: Andere Suchmaschinen landen auf Platz 1


Das Problem mit Google liegt woanders
Die geforderte "Fairness" oder "Objektivität" ist bei Suchtreffern so eine Sache. Wie will man einen objektiven Maßstab für "fair" oder "relevant" definieren? Ich halte das für ausgeschlossen. Meine Bedürfnisse und Ansprüche können ganz andere sein als die von Blog: Kollege Dennis Horn, mal nur als Beispiel. Und man wird wohl kaum erreichen (oder erzwingen) können, dass Google seinen Suchalgorithmus offen legt. Das wäre so, als ob man von Coca Cola verlangt, die genaue Rezeptur für sein Brausegetränk zu publizieren.

Abgesehen davon platziert Google seine eigenen Dienste gar nicht immer ganz vorne. Wer zum Beispiel nach "Suchmaschine" sucht, bekommt Yahoo, Metager und Ixquick genannt, lange bevor Google selbst auftaucht. Wer nach "Onlinekarte" sucht, bekommt alles Mögliche präsentiert, aber nicht Google Maps. Auch der Begriff "Online Werbung" führt nicht ein einziges Mal auf die wichtigste Einnahmequelle von Google, den Anzeigen-Dienst AdWords. Man kann also nicht sagen, dass Google mit aller Macht und auffallend häufig eigene Produkte oder Dienste prominent platziert.

Ich will nicht bestreiten, dass Google eine ungeheure Verantwortung hat und dass man darauf achten muss, ob das US-Unternehmen seine Marktpoisition ausnutzt. Das machen Google, Apple und Co. aber auf völlig andere Weise: Indem sie im großen Stil Daten sammeln - und das völlig intransparent. Die Suchmaschine selbst, die macht eine gute Arbeit. Wer dort auftauchen möchte, kann Anzeigen schalten. Oder muss zusehen, dass sein Dienst so populär ist, dass er auf den ersten Plätzen auftaucht. Problematisch bleibt dagegen das intransparente Sammeln von Daten.

Kann dem Beitrag durchaus zustimmen. Selbst wenn, wie bereits im Text erwähnt, der eigene Kartendienst als erster auftaucht - man begibt sich ja nun mal auf die Seite eines Konzernes (Google), welcher dem Wettbewerb unterliegt. Man kann ja auch woanders suchen. Um das Beispiel in die offline-Welt zu übertragen: Gehe nach Karstadt in die Sportabteilung und frage nach einer Kaffeemaschine. Der Verkäufer wird einen dann in die Haushaltsabteilung Karstadts schicken, und eben nun mal nicht nach Kaufhof, Mediamarkt, Saturn, etc. Klar dass hier der eigene Dienst zuerst angeboten wird!
Sorgen bereitet mir nur die Werbung, welche oberhalb der Suchergebnisse agegeben wird. Soweit nichts schlimmes, sofern sie denn gekennzeichnet wird. Sollten jedoch tatsächlich Firmen Google Geld zuschieben, um ihre Seiten bei Google (oder anderen!) möglichst oben als Ergebnis anzuzeigen, dann muss dagegen natürlich angegangen werden - das könnte durchaus Bestechung und Korruption bedeuten meiner Meinung nach.

Chris26 am 29.11.14 1:50

Wie eine Suchmaschine mit ca. 90 % Marktanteil Deutschland von der Qualität beurteilen? Wenn bei der Suche nach „Suchmaschine“ nicht GOOGLE, als Erstes präsentiert wird?
Sie haben bestimmt ein Fehler im Suchalgorithmus entdeckt und sollten Google informieren, dass es falsche Ergebnisse liefert. Vielleicht liegt es daran das im Duden „googeln“ steht? Da fehlt dann wohl noch „bingen“ - „yahoohlen“ - „yandexeln“ - baidulen.
Wir finden nicht das was wir wollen, sondern das was wir finden sollen!
Das Google hat nur seinen Aktionären gegenüber Verantwortung.

Der Letzte User am 29.11.14 5:04

Sorry, der Browser hat "gehakt" Wenn möglich bitte die Mehrfach-Posts löschen. Danke

Der Letzte User am 29.11.14 5:09

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Dienstag, 25.11.2014

Märchen 2.0

Als ich neulich zum Babysitten bei einer Freundin war, wurde mir plötzlich ganz anders. "Kannst Du mir ein Märchen erzählen?" Ähm. Klar. Es war einmal eine schöne Prinzessin, die lies ihr Haar hinunter. Da kam der böse Wolf und verdammte sie zum Erbsenzählen.

Märchen-App Dornröschen; Rechte: Fischerverlage

Natürlich habe ich das so nicht erzählt, aber um Aschenputtel komplett zusammen zu bekommen, musste ich schon schwer überlegen. Irgendwie hat zwar gefühlt jeder ein dickes Märchenbuch mit einer Sammlung der Gebrüder Grimm zu Hause stehen, aber das wohl eher aus Nostalgie-Gründen. Ein Märchen frei aus dem Kopf erzählen, das können nicht mehr viele. Das ergab meine Feldstudie im Freundeskreis. Die, die bereits Eltern sind, haben eindeutig besser abgeschnitten, aber auch dort bin ich auf große Wissenslücken gestoßen. Wieso also nicht moderne Märchen erzählen - also alte Geschichten in digitaler Form? Es gibt schließlich 1001 Märchen-Apps.

Märchen-Apps Collage; Rechte: itunes

Dumm nur, dass viele von ihnen nicht besonders kindgerecht sind. Die einen haben eine so kleine Schrift, dass Schulanfänger in der Bleiwüste keine Chance haben, die anderen haben nicht ein einziges bunes Bild (außer das Start-Symbol) und die Vorlese-Stimmen - soweit es auch mal Audio-Dateien gibt - sind so blechern und unemotional, dass es eher nach Horrorfilm als nach Kindermärchen klingt. Zudem kommen häufig Werbebanner durch das Display gelaufen, auf die Kinderfinger gerne mal unkontrolliert klicken könnten. Die Gratis-Apps lassen also oft zu wünschen übrig.

Grimm´s Märchen-App; Rechte: Play Store

Anders sieht es bei kostenpflichten Märchen aus. Meist kommen sie als einzelne Geschichte daher, wie zum Beispiel bei der interaktiven Dornröschen- App. Man muss mit 4,49 Euro zwar tief in die Tasche greifen, dafür kann ich mit animierten Bildern, Vorlese- und Spiel-Optionen von meinem lückenhaften Wissen ablenken. Die gute Dame, die aus den Lautsprechern schallt, klingt dabei freundlich und kompetent, auch wenn sie Mutti oder Omi sicher nicht ersetzt. Von mir befragte Eltern sagen hierzu, dass solche Apps für unterwegs, also im Zug, beim Arzt im Wartezimmer oder abends, wenn man mal kurz die Spülmaschine einräumen muss, durchaus okay sind - vor allem wenn die Kinder noch nicht selbst lesen können. Aber auf Dauer sind Bücher dann doch die schönere Alternative.

Grimm´s Märchen-Apps; Rechte: Play Store

Und wenn kein Buch da ist, denke ich mir ab sofort meine eigenen Märchen aus. Die Bilder dazu entstehen ja bekanntlich eh im Kopf. Hauptsache das Ende ist Original. Und das kann ja wohl jedes Kind. "Und wenn sie nicht gestorben sind, dann leben sie noch heute."

Unsere Blogger Anita Horn und Dennis Horn sind weder verwandt noch verheiratet, aber umso besser vernetzt. Sie entdecken jede Woche digitale Perlen: spannende Webseiten, lustige Links und Angebote, die den Alltag bereichern - hier im Blog und jeden Dienstag in der WWW: WDR5 LebensArt im Radio.

Nabend Frau Horn,
ich hab nun seit sechs Wochen einen kleinen Jungen.
Den interessiert die "richtige" Version von Rotkäppchen noch überhaupt nicht.
Wohl aber der Klang meiner Stimme und meine körperliche Nähe.
Und das ist nichts, von dem man sich mit 4,49 EUR freikaufen kann.
Und, zugegebenerweise, von dem ich mich auch nicht für ein Mehrfaches der Summe abhalten lassen würde.

Es gibt Dinge, die auch mit höchstem Einsatz einfach nicht digital zu bewältigen sind.
Und das ist sicher auch gut so.

Keine Kritik also, sondern nur eine persöhnliche Erfahrung.

Gert am 25.11.14 20:08

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Montag, 24.11.2014

Dialog auf Augenhöhe

Wie einige andere Online-Angebote auch werden wir die Kommentierbarkeit unserer Beiträge verändern. Ziel ist es dabei, hochwertigere Auseinandersetzungen auf Sachebene zu erreichen. Es geht nicht darum, den Dialog mit dem Nutzer einzuschränken, es geht darum ihn zu ermöglichen. Heute ist es oft so, dass Trolle und Wutbürger, Rechtspopulisten, Linkspopulisten, Salafisten, Antiislamisten, Hooligans, Verschwörungstheoretiker oder GEZ-Hasser die zahlreichen Kommentierungsmöglichkeiten im WDR.de-Angebot so nutzen wie betrunkene Karnevalisten dunkle Hauseingänge: für unappetitliche Ausscheidungen.

Wenn alle Beiträge kommentiert werden können, dann schreiben Leute ihre Parolen unter alle möglichen Beiträge, die mit ihrem Thema gar nichts zu tun haben, betreiben eine Art Kommentar-Spam. Das alles müssen unsere Redakteure prüfen und dann entweder stehen lassen, freischalten oder löschen. Wer über Stunden beleidigenden Müll weggelöscht hat, der weiß, dass es hier nicht um einen Dialog auf Augenhöhe geht. Das ist die digitale Müllabfuhr - und nicht unser Auftrag. WDR.de ist keine Plattform zur individuellen Triebabfuhr, sondern ein journalistisches Produkt. Zu unserem Verständnis von Journalismus gehört der Dialog mit dem Nutzer - auf Augenhöhe.

Wir wissen, dass zu nahezu jedem Thema mehr Experten vor dem Monitor sitzen als in unseren Redaktionen. Am Input und Feedback dieser Nutzer sind wir hochgradig interessiert. Die beteiligen sich aber nicht an Blame-Chats, schreiben nicht in einen Thread, der vor Gemeinheiten und sachfremder Tiraden trieft. Deshalb wollen wir das Feedback künftig anders organisieren, besser dosieren, dafür aber auch besser begleiten. Wir wollen, dass unsere Autoren in den Dialog mit kritischen Nutzern eintreten und unsere Berichterstattung dadurch noch besser wird. Was bei uns steht, das stimmt - so lautet jedenfalls unser Ziel. Und wenn einem Nutzer dennoch etwas Falsches bei uns auffällt, dann prüfen wir das und ändern es sichtbar, wenn wir uns vertan haben.

Wie gesagt: Wir wollen nicht weniger Dialog mit unseren Nutzern, sondern mehr und zwar auf Augenhöhe. Diese Augenhöhe kriegen wir aber nicht hin, wenn bei WDR.de weiter alles kommentierbar bleibt.

Mehr zum Thema:
Blog: Blogeintrag von Dennis Horn: Kein Kommentar ist auch keine Lösung

Ihr Kommentar zu diesem Thema ist an Laecherlichkeit kaum noch zu ueberbieten.Offensichtlich haben Sie ihren Auftrag nicht verstanden.Liegt wohl daran das man in Deutschland unter Demokratie versteht-alles unliebsame zu verbieten,oder wenigstens zu verstecken.Herr Horn hat es immerhin verstanden das "Aus den Augen,aus dem Sinn"eben nicht sinnvoll ist!

Offensichtlich nichts verstanden! am 24.11.14 23:05

Mir scheint, es sind Kommentare wie der Ihre, die meist der Grund für das Verschwinden der Kommentarfunktion sind. Den kann man zwar unter "Protest-Troll" abhaken und stehenlassen, so richtig konstruktiv ist der aber nicht. Ihre Kritik kann man auch wesentlich höflicher an den Mann bringen.

Zum Thema: Mit Verlaub, aber "digitale Müllabfuhr" ist doch genau der Aufrag der Moderatoren. Nur, dass dazu eben auch die Entscheidung gehört, was denn nun "Müll" ist. Das Problem fängt dann an, wenn es mehr Moderatoren als Journalisten braucht. Dann sollte man sich wirklich ernsthaft Gedanken darüber machen, ob der WDR denn noch ein Rundfunksender ist, oder eher zu einem Forum mit Fernseh- und Radioanschluss verkommt. Ich denke, dass genau hier das Problem ist: die Qualität der Kommentare sorgt dafür, dass die Moderatoren nicht mehr hinterherkommen und aus Überforderung lieber die Kommentare abschalten. Denen, die Moderation mit Zensur verwechseln, sei (Anm. d. Red.: link gelöscht)

@Offensichtlich am 25.11.14 10:11

Kommentare zu prüfen, bevor sie (nicht) veröffentlicht werden, halte ich für vollkommen normal. Das handhabe ich in meinem Blog von Anfang an so. Wer sich die Mühe macht, seine Gedanken, Recherchen usw. öffentlich ins Netz zu stellen, hat auch ein Recht, solche "Kommentare" gar nicht erst zu veröffentlichen, die unter die Gürtellinie gehen.

Man könnte es ein Stück damit vergleichen, dass niemand Menschen in seine Wohnung lässt, die einem schaden wollen oder könnten.

Gerhard Hallstein am 25.11.14 11:00

Mir scheint da hat jemand den Unterschied zwischen einem_privaten_blog und den Kommentarfunktionen eines Oeffenlich Rechtlichen Senders,oder Online Zeitungen wie Die Zeit nicht wirklich verstanden.@25.11.14 10:11-ach ja?Ein Kommentar wie der Erste"die meist der Grund für das Verschwinden der Kommentarfunktion sind."?Wow!

@Gerhard Hallstein am 25.11.14 16:04

Ein nicht sehr hilfreicher Beitrag zum Thema von Ihnen, Herr Moll.
Meine Mutter sagte früher immer: "Wenn ich Geld hätte wie nicht, dann würde ich hierhin oder dorthin fahren!"

Irgendwie haben Sie das nur mit anderen Worten formuliert.
Wo ist denn jetzt der weitergehende Lösungsansatz zu dem Problem, daß Ihr Kollege Herr Horn ja auch schon angerissen hat?

Die Mehrzahl der User steht doch hinter der Idee, bei einem guten Angebot auch nützliche Kommentare abzulassen.
Aber je mehr das Ventil der Meinungsäußerungsmöglichkeiten zugedreht wird, desto höher steigt der Druck im System.

Ich wüßte nicht, wie das zu regeln sein soll.

Herr Säuerlich am 25.11.14 19:37

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