Dienstag, 05.08.2014

Google jetzt auch Hilfssheriff

Wer möchte da nicht erst mal begeistert in die Hände klatschen, besonders wenn man selbst Kinder hat: Dank Googles Mithilfe wurde ein 41-jähriger Mann aus Texas der Verbreitung von Kinderpornografie überführt. Der Mann hatte über Google Mail drei kinderpornografische Fotos verschickt - und so ein Alarmsystem bei Google getriggert. Denn Google Mail durchforstet automatisch alle eingehenden und ausgehenden E-Mails nach kriminellen Inhalten. Unbemerkt. Blitzschnell. Für Google nicht weiter ein Problem, da eingehende Mails sowieso durchforstet werden, spätestens, wenn man sie sich im Webmailer anschaut - damit passende Werbung angezeigt werden kann.

Google Mail Logo im Smartphone; Rechte: dpa/Picture Alliance
Google Mail hilft bei der Aufklärung von Straftaten


Fotos anhand des Fingerabdrucks erkennen
Fotos haben eine Art Fingerabdruck (Hashwert). Durch den Abgleich mit Foto-Datenbanken lassen sich bereits bekannte Fotos, etwa mit kinderpornografischem Inhalt, mühelos erkennen. Genau dieses Verfahren wurde im vorliegenden Fall angewendet: Der Mann verschickte Fotos, die den Behörden bereits bekannt waren. Google meldete den Mann den Behörden. Die Polizei durchsuchte daraufhin Rechner, Handy und Wohnung und stieß auf jede Menge weiteres Material. Wieder einer weniger! Würden alle Mail-Provider so vorgehen, hätten es Kriminelle und Konsumenten von solchen Inhalten deutlich schwerer.

Eigentlich eine wünschenswerte Situation. Und man fragt sich unweigerlich: Wieso machen nicht alle mit? Die Antwort ist ganz einfach: Weil es nicht erlaubt wäre. In Deutschland jedenfalls wäre es nicht gestattet, alle Mails verdacht- und anhaltslos zu durchsuchen und zu durchforsten. Das darf nur in gezielten Einzelfällen passieren, nämlich dann, wenn ein Verdacht vorliegt und die Staatsanwaltschaft oder Polizei ermittelt. Dann müssen Provider bei der Ermittlung behilflich sein und ggf. auch Mails durchsuchen, sofern technisch machbar.

Google-Logo im Auge; Rechte: dpa/Picture Alliance
Google sieht alles


Sollten Provider verlängerter Arm des Gesetzes sein?
In den USA sind Provider verpflichtet, solche Fälle zu melden, wenn sie ihnen auffallen. Sie sind allerdings nicht verpflichtet, proaktiv zu suchen. Google macht also mehr, als der Gesetzgeber verlangt. Moralisch verständlich, rechtlich aber bedenklich. Denn Google ist ein Provider und kein Hilfssheriff. Genau dazu macht sich Google aber - von ganz alleine. Problematisch ist das deswegen, weil nicht klar ist, wonach als nächstes proaktiv gesucht wird. Nach politischer Gesinnung? Sexueller Ausrichtung? Chronischen Krankheiten? Alles denkbar und auch technisch machbar. Die Frage ist: Wollen wir das?

Es macht einen entscheidenden Unterschied, ob jemand eine Person bei frischer Tat ertappt und der Polizei meldet. Oder ob grundsätzlich jeder überwacht wird. Der Zweck heiligt bekanntlich nicht die Mittel. Zweifellos ein moralisches Dilemma. Denn natürlich wollen wir, dass Kinderpornografie im Netz nichts verloren hat. Anbieter und Konsumenten sollen zu Recht Aufdeckung befürchten. Aber bitte nur die. Leider werden technische Maßnahmen immer auch missbraucht.

Dafür werden keine Mails durchsucht, Google dedupliziert alle Bilder (das heißt alle Bilder mit demselben Hashwert werden nur einmal abgespeichert, um Platz zu sparen, das machen Dropbox etc. übrigens genauso, das ist letztlich nur eine Art von Kompression). Dabei kann man das natürlich wunderbar mit einer Liste von Hashes von "verbotenen" Bildern vergleichen und Schwupps. Hätte der Kerl seine Anhänge verschlüsselt verschickt, wäre ihm das nicht passiert.

Google durchsucht und indiziert natürlich trotzdem alle Mails bei Gmail, schon immer. Deshalb bekommt man dann auch gleich bei Google die passende Werbung zu den Emails angezeigt. Finde ich zwar auch unmöglich (für Google selbst sind alle Emails genauso indiziert und im Volltext durchsuchbar wie der Rest des Internets), aber wenn man sowas für umsonst haben will, muß man wohl anders zahlen... wie bei allen Angeboten von Google.

Wer sich über sowas aufregt, der hat entweder keine Ahnung oder will nur Ahnungslose aufreizen.

joh am 5.08.14 16:37

eBay und HOOD arbeiten schon lange den Finanzämtern in Deutschland zu und benennen Transaktionen und Verkäufe und die Finanzämter profitieren davon.

heinzb aus nrw am 5.08.14 22:11

Wer in der heutigen Zeit der globalen Totalüberwachung durch die NSA noch ein Google GMail - Konto besitzt hat die Zeichen der Zeit eindeutig nicht erkannt. Aber der Durchschnittsbürger zahlt auch immer noch Rundfunkgebühren, wie lange noch?

Wassertrinker am 5.08.14 22:16

Nun weiss selbst der letzte dumme Paedokriminelle das er beim Versenden von Bildern via gMail das Bild nur einmal vorher mit einem Bildbearbeitungsprogramm nacharbeiten muss(Aufloesung oder Groesse aendern=anderer hashwert)um dies dann ganz offen versenden zu koennen,ohne das mit einem Packprogramm zu komprimieren und\oder zu verschluesseln.

Na toll am 6.08.14 8:00

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Dienstag, 05.08.2014

Festival-Apps im Test

Wenn ich auf ein Konzert, Festival oder auch nur an einen überfüllten See gehe, denke ich ganz oft, dass ich mich nur einmal kurz umdrehe und dann bestimmt all meine Leute verschwunden sind. Weil ja niemand festgewachsen ist, sondern sich mit der Masse oder aus eigenem Willen auch mal vom Fleck bewegt. Bisher war das Wiederfinden oft eine Herausforderung. Aber das geht jetzt alles leichter...

"Wo stehst du? Waaaas? Ich versteh dich nicht! An welchem Baum?" So oder ähnlich klingen oft meine Freunde-Wiederfind-Gespräche. Wenn man überhaupt Empfang hat. Einfacher ist es da mit Ortungsdiensten, ob nun über die Standortvermittlung bei What´s App oder ein anderes Handyprogramm. Mit dem Tentfinder für iPhones (0,89 Euro) kann ich zum Beispiel verschiedene Standorte speichern.

Festival-Apps: Rechte: WDR/Horn

Ich schmeiße einfach das GPS an, speichere und benenne den Ort und gehe, wohin ich will. Wenn ich dorthin zurück möchte, drücke ich "wiederfinden" und schon zeigt mir die blaue Nadel auf dem Satellitenbild an, ob ich mich auf dem richtigen Weg befinde. Eine Sprachnavigation gibt es zwar nicht, aber die würde ich im Zweifel ja eh nicht hören. So kann ich nicht nur den letzten Treffpunkt mit meinen Freunden festhalten, sondern auch die nächsten Örtlichkeiten, den Würstchenstand oder den Ausgang.

Um nicht nur einen Standort zu speichern, sondern zu sehen, wo alle meine Freunde sind, müssen nur alle die Gratis-App "Joined" installiert haben und sich einloggen. Und schon sehe ich, dass Peter auf dem Dixi ist, Maren gerade am Zeltplatz und Julia offensichtlich Getränke holt. Wer unentdeckt bleiben will, macht die App einfach aus. Solche und ähnliche Apps gibt es mittlerweile zahlreiche.

Festival-Apps: Rechte: WDR/Horn

Gleiches gilt für Dezibel-Mess-Apps. Um zu wissen, wie laut die Band gerade durch die Boxen dröhnt, kann ich z.B. mit "Decibel 10th" die Lautstärke prüfen. Allerdings schlägt der Zeiger schon bei einem normalen Gespräch bei 80dB aus. Ab 85 dB gilt im Beruf bereits Gehörschutzpflicht. Ab diesem Bereich ist die Anzeige in der App zwar rot markiert, aber es gibt keinerlei Alarm bei gefährlicher Lautstärke. Konzerte überschreiten zudem locker 110 Dezibel - die Grenze, an der die Anzeige der App endet. Bringt mir also nichts. Ich benutze einfach weiterhin auf jedem Konzert Ohrstöpsel.

Als ich gesehen habe, dass es Promille-Mess-Apps gibt, wollte ich auch hier wissen, wie und ob sie funktionieren. Mit "Intellidrink" für 1,79 Euro war meine Meinung dazu schnell klar. Ich kann mir ein Profil erstellen: Alter, Größe, Gewicht, wie viel habe ich gegessen. Dann klicke ich mein favorisiertes Getränk an. Die App kennt den Alkoholgehalt von Bier und anderen Getränken, berechnet dann je nach Angaben meinen Promille-Status für den kommenden Zeitraum.

Festival-Apps: Rechte: WDR/Horn

Allerdings ist die Berechnung ziemlich ungenau, wie ein Vergleichstest beim Pusten zeigt. Und wenn ich mal schneller oder langsamer trinke oder das Getränk wechsle, muss ich alles eintippen und speichern. Erstens habe ich bei einem Konzert aber besseres zu tun und zweitens investiere ich die 1,79 Euro lieber in mein nächstes Erfrischungsgetränk. Einer Promille-App sollte man niemals trauen.

Dann doch lieber eine Wasser-Erinnerungs-App wie WaterIn. Damit kann ich mich selbst dazu ermahnen, immer wieder reichlich Wasser zu trinken. Funktioniert auch prima im Büro und beim Sport. Wenn man jetzt noch eine wasserfeste Handyhülle hat, kann eigentlich nichts mehr schief gehen. Mein Tipp: Ersatzakku mitnehmen und das Handy in der Hülle an der Kleidung festmachen. Wenn es nämlich irgendwo auf dem Boden rumfliegt, bringt die beste Ortungs-Apps nichts, um seine Freunde wiederzufinden.

Unsere Blogger Anita Horn und Dennis Horn sind weder verwandt noch verheiratet, aber umso besser vernetzt. Sie entdecken jede Woche digitale Perlen: spannende Webseiten, lustige Links und Angebote, die den Alltag bereichern - hier im Blog und jeden Dienstag in der WWW: WDR5 LebensArt im Radio.

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Dienstag, 05.08.2014

Ernüchterung statt Goldrausch im App Store

Der App Store von Apple war jahrelang ein Versprechen: ein digitaler Wilder Westen, der jedem unabhängigen Programmierer die Chance bot, das große Geld zu machen. Es gibt diese Geschichten immer wieder: wenn es Apps wie Flappy Bird von einem auf den anderen Tag zum Hype schaffen. Doch der Goldrausch scheint zu Ende zu gehen - unter den Machern vieler Apps macht sich gerade viel eher Ernüchterung breit.

Tetra; Rechte: Chad Etzel
"Anspruchsvolle Spielidee, tolles Design, angemessener Preis für die Vollversion und stundenlanger Spielspaß", schreibt einer der Nutzer im App Store über Tetra. Mit diesem Spiel hat der Programmierer Chad Etzel bisher rund 260 Dollar verdient.

Es gibt eine Reihe unabhängiger Programmierer, die gerade ihre Einnahmen aus dem App Store offenlegen. Dazu gehört WWW: zum Beispiel Chad Etzel, der neben seinem Job bei Twitter drei Spiele programmiert hat, die sogar Spaß machen: WWW: Tetra, WWW: WordGrid und WWW: Letters. Alle drei Spiele sind in Nächten und an Wochenenden entstanden, zusammengerechnet ist laut Etzel die Arbeitszeit von einem Jahr dafür draufgegangen.

Die Einnahmen allerdings sind enttäuschend: 261,23 Dollar für Tetra, 180,74 Dollar für WordGrid, 56,89 Dollar für Letters. Das macht umgerechnet rund 370 Euro. Das meiste Geld davon sei in den ein bis zwei Wochen nach der Veröffentlichung im App Store reingekommen. Danach seien die Zahlen in den Keller gegangen.

Wirklich traurig wird es aber auf der Ausgabenseite: Etzel hat fast 520 Euro in Werbung bei Facebook und Twitter investiert, damit überhaupt jemand auf die Downloads stößt. Für die Entwicklung hat er ein iPad mini und einen iPod touch angeschafft. Geht man von den preiswertesten Versionen dieser Geräte aus, stehen den 370 Euro Einnahmen umgerechnet rund 1.000 Euro Ausgaben gegenüber. "Ich weiß nicht, wie man es im App Store heute zu etwas bringen kann - außer, man gewinnt im Lotto", schreibt Etzel.

App Store; Rechte: WDR/Dennis Horn
Wie sehr sorgt Apple mit seinen Empfehlungen und Download-Hitlisten dafür, dass die Zeiten für unabhängige Programmierer schwerer werden?

Auch Jared Sinclair, der mit WWW: Unread einen beliebten RSS-Reader programmiert hat, WWW: ist enttäuscht: Er kommt auf den Monat runtergerechnet auf Einnahmen von umgerechnet 1.300 Euro. Für einen Job, der vermutlich ein bisschen mehr Aufwand schluckt als eine 40-Stunden-Woche ist auch das ernüchternd. Und so wie Etzel und Sinclar geht es offenbar WWW: einer WWW: ganzen WWW: Reihe WWW: Programmierern.

WWW: Marco Ament gibt Apple die Schuld daran. Er glaubt, dass kaum neue überraschende Apps entstehen und viele alte verwaisen, weil Empfehlungen und Download-Hitlisten den App Store dominieren: "0,02 Prozent der Apps stehen so weit über allen anderen, dass das komplette Ökosystem darauf ausgelegt ist, die Apps für eine Topplatzierung zu programmieren - eine Platzierung, die 99,98 Prozent dieser Apps aber nie erreichen." Ergebnis seien Apps voller Spam, Langeweile und geklauten Ideen.

Vielleicht erlebt der App Store genauso wie der Google Play Store aber auch nur, was das World Wide Web schon Anfang der 2000er durchgemacht hat: Irgendwann geht der Goldrausch vorbei, und wie in jedem Wirtschaftszweig wächst die Schere zwischen großen Unternehmen und kleinen One-Man-Shows. Auch das Web war einmal wie der Wilde Westen, ein großes Versprechen voll von Start-up-Storys aus den Garagen im Silicon Valley. Übrig geblieben sind heute vor allem große Konzerne wie Google, Facebook und Amazon - oder reiche Investoren, die in Start-ups investieren.

Die Pionierjahre, in denen man als einfacher Programmierer mit wenigen Mitteln einen Überraschungshit landen konnte, sind bis auf wenige Ausnahmen wohl einfach vorbei.

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