Montag, 09.03.2015

PGP-Turbo für die De-Mail

Ich habe ein Blog: De-Mail-Postfach, schon aus Blog: beruflichem Interesse. Aber benutzt habe ich es bislang - 0 Mal. In einem Wort: Nie. Warum? Weil es kaum Gelegenheit gibt, die Deutschland-Mail zu benutzen. Und weil ich, wie die meisten Menschen, skeptisch bin, was die Sicherheit anbelangt. Denn bislang war es nicht möglich, den Datenverkehr sicher zu verschlüsseln. Die sogenannte Ende-zu-Ende-Verschlüsselung, die alle Experten einstimmig fordern, wurde bei der De-Mail bislang nicht angeboten. Warum? Ganz klar: Damit Geheimdienste und Behörden im Zweifel alles mitlesen können.

Die De-Mail: Bislang eher ein Flop; Rechte: dpa/Picture Alliance
Die De-Mail: Bislang eher ein Flop


Ende-zu-Ende-Verschlüsselung kommt
Das macht eine angeblich "sichere" E-Mail natürlich zu einem Witz. Denn eine E-Mail, deren wichtigstes Verkaufsargument "Sicherheit" sein soll, die aber das eingebaute Feature hat, dass der Staat alles mitlesen kann, wenn er nur will, ist eben vor allem eins nicht: sicher. Das musste wohl auch die Betreiber von De-Mail erkennen. Denn sie greifen die wichtigste und am häufigsten zu hörende Kritik nun tatsächlich auf und führen ab April eine Ende-zu-Ende-Verschlüsselung bei De-Mail ein.

Private User, Unternehmen und Ämter können dann per De-Mail künftig leichter vertrauliche Inhalte Blog: per PGP Ende-zu-Ende schützen. Bislang können die Server dazwischen die Daten unverschlüsselt lesen. In Zukunft nicht mehr, das haben die De-Mail-Anbieter Deutsche Telekom, United Internet (1&1, GMX und Web.de) sowie Francotyp-Postalia jetzt angekündigt. Die Betreiber wollten wohl nicht mehr länger zusehen: Ein wirtschaftlicher Erfolg ist das aufwändig vermarktete Produkt De-Mail nämlich bislang nicht gerade.

demail2_512.jpg


Ohne Vertrauen wird es trotzdem nichts
Aber was bedeutet das konkret? Die Daten werden jetzt nicht mehr nur bei der Kommuikation zwischen meinem PC und dem Server verschlüsselt, sondern zwischen Sender und Empfänger. Mit einem geheimen Schlüssel, den die Mail-Betreiber nicht kennen. Das macht ein Abhören der Daten deutlich schwieriger bis unmöglich, je nach verwendetem Schlüssel. Zum Einsatz kommt das populäre Pretty Good Privacy (PGP). Konkret setzen die De-Macher die offene Erweiterung "Mailvelope" ein, die allerdings nur unter den Webbrowsern Firefox und Google Chrome läuft.

Wird das De-Mail aus der Versenkung holen? Ich denke nein. Dass nun konsequent die PGP-Verschlüsselung verwendet werden kann, ist gut. Aber: Sie ist nicht Standard. Man muss sich als Benutzer selbst drum kümmern, dass sie zum Einsatz kommt. Doch was wohl viel tragischer ist: Der Schritt kommt viel zu spät. Das Vertrauen ist eigentlich längst verspielt. Die meisten können sowieso nicht wirklich beurteilen, wie De-Mail technisch funktioniert. Sie hören aber von Politikern, die die Vorratsdatenspeicherung wieder einführen wollen und auch, dass die Verschlüsselung generell gelockert werden soll. Sie gehen also sowieso davon aus, dass der Staat alles mitliest und mithört. Warum dann also den Aufwand betreiben und eine De-Mail einrichten?

Beurteilen können wir im Grunde doch gar nichts - als "normale" User, wer kann wo was mitlesen. Die Geheimdienste, von denen immer die Rede ist, und die ganzen übrigen Geheimdienste, denn schliesslich hat ja jedes Land einen. Oder lesen Google und Co, die doch eh schon alles speichern, auch alles mit, damit sie uns ihren Müll verkaufen können.
Ja, der Herr Schieb hat recht - wir wissen nicht wer wann was mitliest speichert oder auswertet - also müssen wir davon ausgehen, das es immer getan wird!

Robert B. am 15.03.15 13:36

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Sonntag, 08.03.2015

Politiker ohne E-Mail-Account

Sollten Politiker heute mit den so genannten "neuen Medien" vertraut sein? Ich denke schon. Schließlich ist das Internet heute in allen Belangen unseres Lebens ein wichtiges Medium und Instrument. Von einem Internet-Beauftragten des US-Kongresses, der das Mail-Verhalten der Ex-Außenministerin Hillary Clinton unter die Lupe nehmen will, die in ihrer Amtszeit nahezu ausschließlich ihren privaten E-Mail-Account benutzt haben soll, kann man wohl erst recht erwarten, dass er sich mit der Materie auskennt.

Doch weit gefehlt: Der Republikaner Lindsey Graham gibt in einem Interview mit dem US-Sender NBC unumwunden zu - obwohl vielleicht ein bisschen überrumpelt -, in seinem ganzen Leben noch keine E-Mail geschrieben zu haben. Gleichzeitig echauffiert er sich aber WWW: in einem Ausschuss über die Praktiken der Ex-Außenministerin.


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Sonntag, 08.03.2015

Meine App macht das schon

Es gibt mittlerweile Apps für jeden Zweck. Nicht nur auf dem Smartphone oder Tablet, sondern auch im Web. Und dabei geht es längst nicht mehr nur darum, Informationen aus dem Netz zu holen und anzuzeigen. Viele Apps gehen schon deutlich weiter: Wenn wir es wollen (und zulassen), dann überwachen und kontrollieren die Apps auch unseren Alltag.

Mit dem Onlinedienst IFTTT zum Beispiel, den wir hier in Blog: Digitalistan schon mehrfach vorgestellt haben, lassen sich mühelos Prozesse automatisieren, etwa automatisch E-Mails verschicken, Twitter-Nachrichten absetzen oder in Abhängigkeit von anderen Ereignissen auch schon mal Glühbirnen zu Hause an- oder abschalten. Apps greifen in unser Leben ein. Selbst die Geburtstagskerze WWW: kann man von einer App ausblasen lassen.

DoButton: Alles Mögliche automatisiert erledigen - per Knopfdruck; Rechte: IF
Per Knopfdruck Dinge erledigen


Wenn alles automatisiert wird
Aber wollen wir das? Wollen wir alles delegieren - und schaffen wir das überhaupt? Wer in der einen App die automatische Beleuchtung regelt und in der anderen die Temperatur zu Hause, in wieder einer anderen die Kommunikation organisiert oder vielleicht sogar die Einkäufe regelt, der wird früher oder später den Überblick verlieren. Garantiert. Denn die Daten sind weder zentral gespeichert noch werden sie zentral verwaltet oder administriert. Das Ergebnis: Obwohl wir es uns gerne etwas komfortabler machen wollen, werden die Dinge komplizierter. Spätestens dann, wenn wir die Abläufe ändern wollen, die wir einmal eingestellt haben.

Wer einmal mit Blog: Philips Hue experimentiert hat, weiß, was ich meine: Wann die Hue-Lampe im Wohnzimmer anspringt und in welcher Farbe sie leuchtet, lässt sich alles in der App einstellen. Zum Beispiel, wenn wir nach Hause kommen. Oder beim Eintreffen einer E-Mail. Aber irgendwann mag man das nicht mehr, findet es vielleicht albern, dass die Stehlampe bei jeder eintrudelnden Mail blinkt. Aber wo soll man das ändern? In der Hue-App? In IFTTT? Sogar noch woanders? Die Dinge verselbständigen sich.


Zu faul die Geburtstagskerzen auszublasen? Macht nichts: Gibt's eine App für...


Apps reden mit Apps
Für jede Zweck und Bedarf eine App, die alles regelt: Das erzeugt nicht nur Trägheit, sondern vor allem auch Abhängigkeit. Wenn die lieb gewonnenen Prozesse nicht mehr funktionieren, wissen wir nicht, was wir tun sollen. Ich weiß: Dieses Argument kommt immer wieder. Können wir noch selbst-denkend durch eine fremde Stadt fahren, wenn wir gewohnt sind, dass uns ein Navigationssystem lenkt? Ein bisschen verlernt man es schon. Deshalb sollte man in jedem Einzelfall abwägen, wie groß die Gefahr der Abhängigkeit ist.

Bei Dingen, die unser privatestes Leben betreffen, sollte es jedenfalls aufhören. Wir werden heute schon von Social Networks darauf hingewiesen, wenn jemand Geburtstag hat. Es reicht, mit der Person verbunden zu sein. Ob gut befreundet oder locker verbunden - das spielt keine Rolle. Künftig könnten Apps automatisch zum Geburtstag gratulieren - und umgekehrt könnten Apps und Agenten des Geburtstagskinds sich ebenso automatisch und artig bedanken. Apps reden mit Apps, basierend auf Daten, die aus den sozialen Netzwerken kommen.

Möchte ich nicht. Und Ihr?

Leider sind in meinem Kommentar Fehler gewesen, und 2x sollte er übrigens auch nicht veröffentlicht werden - tut mir leid - hier ist die berichtigte Fassung: xxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxx
Schon jeder und jede, der und die auch nur 1 Stunde Bahn oder Bus fährt, kann erkennen, dass das Nutzen eines Schmachtfons nichts anderes ist als eine schwere Suchterkrankung, welche auf dem besten Wege ist, eine schlimme Volksseuche zu werden, die zu allen anderen Übeln auch bereits dabei ist, die (zwischen-)menschliche Kommunikation ebenso zu zerstören wie alle Anstands- und Höflichkeitsregeln. Deswegen kann es nicht darum gehen, welche sog. "Apps" schädlich sind oder nicht. Denn diese Diskussion verschleiert die Wahrheit und verhindert die einzig richtige Wahrnehmung des Schmachtfons als das, was es ist: Ein Suchtmittel. Genauso gut könnte man mit einem Alkoholiker darüber diskutieren, ob er statt des schädlichen Korn nicht doch besser den nicht schädlichen Jägermeister trinken sollte!

Suchtfrei. am 8.03.15 18:45


Wer kontrolliert alle diese digitalen Heinzelmännchen? Wer die programmiert, hat die Macht! Wer die Macht über Programme und Daten hat, der hat auch Macht über die Person.

Es wird immer Computerfreaks geben, die sich die digitalen Heinzelmännchen zu sinnvollen Dienern machen. Im Normalfall wird es umgekehrt sein. Der Normalo kümmert sich um nichts. Im schlimmsten Fall lässt er sich treiben von den "Vorschlägen", die der vermeintliche Diener macht.

Die meisten dieser Heinzelmännchen sind programmiert von Leuten, die uns etwas verkaufen wollen. Es sind gar nicht unsere Heinzelmännchen! Es sind die Heinzelmännchen der Verkäufer! Sie haben die Aufgabe, Daten über uns zu sammeln und trickreich etwas zu verkaufen, das wir sonst nicht gekauft hätten.

Ist das eine zu negative Sicht? Es kommt darauf an. Wenn wir uns von Werbung einlullen lassen, hat der Andere Macht über uns. Das gilt genauso für Radio, Fernsehen oder Post.

Vorsicht, es naht das "Internet der Dinge"! Dann wird es richtig ernst!

Bertram in Mainz am 8.03.15 20:30

Danke für die Warnung!

Ich hab gleich mal die WDR-APP gelöscht!

Jetzt geht's mit viel besser - ich kann endlich wieder selbst denken und frei Atmen!

Jetzt aber mal echt: Wer nicht merkt, dass die Kerzen-Ausblas-App eine Scherz-App ist, ähnlich der ganzen Furz-Apps, der glaubt auch noch an den Weihnachtsmann!

Und Ob ich die Temperatur am Thermostat, der Heizungssteuerung einstelle oder eben an der App - wen juckt das?

Die Apps und die Smartphones sind nicht so erfolgreich, weil sie Dinge verkomplizieren, sondern eben auch vereinfachen! Ob das immer gelingt, kann man im Einzelfall diskutieren.

Aber generell jeden Nutzer solcher Geräte und Apps als blökende Schafe hinzustellen, finde ich wirklich sportlich. Das impliziert nämlich, dass die Leute zu blöd sind, zu entscheiden, ob, was und wann sie etwas nutzen!

Mit dem sinnvollen Benutzen von Geräten, Diensten und Medien ist es halt wie mit allem anderen: Sie machen die Schlauen schlauer und die Dummen dümmer...

Mark Allelein am 9.03.15 17:11

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