Mittwoch, 11.06.2014

Streetview aus dem All

Google befindet sich gerade auf Blog: Einkaufstour, baut Blog: selbstfahrende Autos und drängt in Blog: immer mehr Märkte ein. Jetzt hat der Medienkonzern, den viele immer noch unterschätzend als "Suchmaschine" bezeichnen, einen kleinen Anbieter für Aufnahmen aus dem All gekauft. Rund 500 Millionen Dollar bezahlt Google für das hoch-spezialisierte Unternehmen WWW: Skybox. In Zeiten von Instagram, Whatsapp, Beats und Co. eher eine kleine Summe. Doch Google hat damit eine Menge vor.

Hochaufgelöste Aufnahmen aus dem All; Rechte: Skybox
Skybox analysiert Fotos und Videos aus dem All

Detailreiche HD-Aufnahmen
Skybox ist auf die Analyse von Aufnahmen aus dem All spezialisiert. Das Unternehmen macht HD-Aufnahmen, sowohl Fotos wie bis zu 90 Sekunden lange Videos und stellt diese Aufnahmen Auftraggebern gegen entsprechende Bezahlung zur Verfügung. Die Auflösung ist wirklich enorm: Mühelos lassen sich Details erkennen. Die Aufnahmen lassen sich innerhalb kürzester Zeit erstellen. Skybox verspricht, auf diese Weise zum Beispiel die Auslastung eines Hafens oder die Bewegungen auf einem Flughafen zu analysieren - oder den Schädlingsbefall in der Landwirtschaft beobachten zu können. Ehrenvolle Einsatzgebiete.

Natürlich lässt sich mit den Aufnahmen aber auch wunderbar spionieren. Behörden und Geheimdienste brauchen solche Aufnahmen nicht, aber Unternehmen können auf diese Weise andere Unternehmen ausspionieren - oder sogar komplette Länder. Denn gegen Beobachtungen aus dem All kann man sich schwer wehren. Man kann noch so hohe Zäune aufstellen und Fotografieren-Verboten-Schilder aufstellen: Wer HD-Aufnahmen aus dem All machen kann, der sieht einfach mehr - und wird noch nicht einmal bemerkt, wenn er Fotos macht.


Skybox: HD-Videos aus dem All


Google wird seine Onlinekarten aufwerten
Das Ziel von Google ist klar: Google will seine Onlinedienste wie Google Earth und Google Maps aufwerten. Mit Skybox kann Google blitzschnell auf aktuelle Ereignisse reagieren und Aufnahmen aus dem All machen, um das eigene Bildmaterial zu aktualisieren. So lassen sich nach Naturkatastrophen innerhalb von wenigen Stunden neue Aufnahmen machen - und ins Netz stellen. Das kann durchaus sinnvoll und nützlich sein, etwa für Helfer vor Ort. Die hohe Bildauflösung bietet eine Menge Möglichkeiten. Aber selbstverständlich werden Google reichlich Möglichkeiten einfallen, wie sich das auch wirtschaftlich verwerten lässt.

Die Zeiten, in denen die Satellitenaufnahmen von Google Earth/Maps mehrere Jahre alt sind, dürften damit schon bald der Vergangenheit angehören. Google wird überall dort, wo es relevant ist, Updates machen können. Mit technisch brillanten Aufnahmen - eine Art Streetview aus dem All. Das wird vielen Datenschützern sicher nicht gefallen und eine neue Diskussion in Gang setzen. Gut möglich, dass Google in Deutschland aus dem All fotografierte Autos oder Rasenmäher verpixeln muss, damit der Nachbar nicht weiss, was vor der Garage steht oder über die Wiese rollt. Nutzen werden wir Deutschen den Onlinedienst aber garantiert.

Man sollte vielleicht noch erwähnen, dass dieses Unternehmen bisher gerade mal einen (von geplanten 24) Satelliten im Orbit hat und vor dem Aufkauf durch Google unmittelbar vor dem Ende stand. Das ist schon vielen Unternehmen aus diesem Bereich trotz (oder gerade wegen) grandioser Pläne so gegangen. Satelliten sind eine extrem teure Angelegenheit mit langen Planungs- und Entwicklungsphasen, wo sehr viel schief gehen kann und wenn einem dann vorher das Geld ausgeht, bevor man welches verdient oder der Markt sich ein ganz klein wenig anders entwickelt als man dachte, ist der Ofen ganz schnell aus.

Davon abgesehen: Klar will Google gerne selber Bilder machen können anstatt sie von anderen kaufen zu müssen, die dann die Hand aufhalten können, weil irgendwoher muß Google die Bilder ja kriegen.

joh am 12.06.14 11:39

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Dienstag, 10.06.2014

Günstig - aber gut?

Ich hatte lange gedacht: lieber mehr zahlen und dafür "was Gutes" haben. Egal ob Kleidung, Kosmetik oder Kulinarisches. Dabei kann ich für weniger Geld oft identische Produkte bekommen, weil sie vom selben Hersteller kommen und lediglich anders heißen. Das wollte ich genauer wissen.

Wenn ich Geld sparen wollte, habe ich bisher einen Discounter angesteuert und die dortigen "Kopien" meiner Lieblingsprodukte gekauft. Um dann häufig festzustellen, dass ich gleichzeitig an der Qualität spare. Um das zu vermeiden, musste halt doch das Portemonnaie dran glauben. Dachte ich. Bis die App "Markendetektive" in mein Leben trat. Für 0,89 Euro (Apple und Android) habe ich sie mir runtergeladen und direkt im Supermarkt meines Vertrauens ausprobiert.
Ich habe alles mit dem integrierten Barcode-Scanner abgescannt, was mir in die Finger kam, bevor es im Einkaufskorb gelandet ist - oder auch nicht. Die Blicke der Supermarktmitarbeiter und der anderen Kunden straften mich mit Skepsis. Was macht die da bloß? Ich habe schon extra Ton und Blitz ausgestellt, um nicht allzu sehr aufzufallen. Und dann folgten meine ungläubigen Blicke. Meinen Lieblingstee gibt es vom selben Hersteller unter einem anderen Namen in einem anderen Supermarkt für ein Drittel weniger. Bei meinem Verbrauch eine Menge Kohle.

Tee; Rechte: WDR/Horn

Dann finde ich raus, dass hinter einem günstigen Milchreis die Marke mit dem Weekend-Feeling und hinter einem Billig-O-Saft der Produzent steckt, der seinen Orangen laut einer uralt-Werbung aus den 80er Jahren einen Extra-Monat Sonne gönnt. Jetzt bin ich angefixt und steuere das Süßigkeitenregal an. Meine 200-Gramm-Packung Joghurt-Weingummis für 0,99 Euro wird sofort erkannt: Es gibt die Früchtchen für den gleichen Preis in doppelter Menge im Supermarkt 500 Meter weiter. Und zwar nicht nur mit ähnlichen Zutaten, sondern exakt den selben. Denn sie stammen von der Tochterfirma meiner Markenfirma. Ein Geschmackstest beider Sorten zeigt mir: null Unterschied. Außer im Preis. Und auch meine Kekse mit Schokoladenseite gibt es doppelt. Das Original mit Markennamen kostet 1,49 Euro, das Pendant nur 0,69 Euro. Und auch hier: Herstellung in der gleichen Fabrik mit den selben Inhaltsstoffen.

Markendetektiv; Rechte: WDR/Horn/Schneider

Warum tun Hersteller so etwas, frage ich mich - und die Frau, die sich damit auskennt. WWW: Martina Schneider aus Arnsberg ist Lebensmitteltechnologin und Food-Journalistin und hat den Markenvergleich in ihrem Buch "Welche Marke steckt dahinter" schriftlich festgehalten. Schon vor zehn Jahren erschien die erste Auflage. Für die Neuauflage 2013 testete sie rund 300 Produkte und sagt, dass es mittlerweile fast eine Ausnahme ist, wenn Markenhersteller nicht auch ein No-Name-Produkt verkaufen. Grund sei der Discounter-Boom. Den Markenherstellern bleibe nicht viel anderes übrig, um Absatz zu machen. Auf Grundlage ihrer Erkenntnisse ist die App Markendetektive entwickelt worden.

Handyscanner; Rechte: WDR/Horn

Die Welt der Marken: Wenn ich mehr wissen möchte, kann ich auf der Internetseite WWW: Wer-zu-Wem nachlesen, wer hinter welchen No-Name-Produkten steckt, welche Marke zu wem gehört und mir das Firmenprofil genau ansehen - wie viele Mitarbeiter, Firmensitz, Stammkapital. Und ich kann in einem Quiz testen, wie gut ich über deutsche Marken bescheid weiß. Wo wird zum Beispiel meine Marken-Waschmaschine produziert und stammt diese kleine italienische Nougatkugel zum Kaffee aus Italien oder Hessen? Auch zu Internetfirmen, Hotelketten und Hochschulen kann man Nachforschungen anstellen, wer zu wem gehört.

Ich habe also noch viel zu tun, denn alle Produkte konnte ich noch nicht zuordnen. Ich fühle mich zwar ein bisschen verloren mit dieser schier endlosen Produktvielfalt. Wer gehört denn nun zu wem? Aber immerhin weiß ich eine Sache sicher: Meine Schokolade, die gehört zu mir. Am liebsten von allen Marken auf einmal.

Unsere Blogger Anita Horn und Dennis Horn sind weder verwandt noch verheiratet, aber umso besser vernetzt. Sie entdecken jede Woche digitale Perlen: spannende Webseiten, lustige Links und Angebote, die den Alltag bereichern - hier im Blog und jeden Donnerstag in der WWW: WDR5 LebensArt im Radio.

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Montag, 09.06.2014

Maschine besteht den Turing-Test

Als ich in meiner Jugend die ersten Bücher über Computer und künstliche Intelligenz (KI) gelesen verschlungen habe, bin ich immer wieder über einen bestimmten Begriff gestoplert: Turing Test. Eine faszinierende Sache. Im Jahr 1950 hat der britische Mathematiker und Informatiker Alan Turing einen Test vorgeschlagen, um künstliche Intelligenz nachzuweisen. Denn was soll man darunter verstehen - künstliche Intelligenz? Wann ist ein Computer, wann ist eine Software "intelligent"? Das ist eine Frage der Beurteilung, lässt sich also nicht objektiv bestimmen.

Rechenmaschine Alan Turing; Rechte: dpa/Picture Alliance
Rechenmaschine von Alan Turing aus dem zweiten Weltkrieg


Schlau genug - oder nicht?
Deshalb der Test: Wenn sich ein Computerprogramm in einer künstlichen Konversation derart gut behauptet, dass viele Menschen meinen, mit einem anderen Menschen zu sprechen und nicht mit einem Computer, dann gilt der Test als bestanden. Der Test selbst dauert fünf Minuten. Ein echter Mensch stellt dem Programm Fragen. Die Maschine muss antworten. Natürlich sitzen die Tester dem Probanden nicht gegenüber, das wäre zu einfach. Die Tester sehen die Probanden nicht, sie unterhalten sich wie in einem Chat über Bildschirm und Tastatur.

Wenn mindestens 30% der Tester meinen, das Gegenüber sei ein Mensch und keine Maschine, gilt der Turing-Test als bestanden. Nur ein Drittel also - bislang ist das aber keiner einzigen Software gelungen. 64 Jahre lang nicht. Jetzt hat es geklappt: An der University of Reading wurde jetzt, am 60. Todestag von Alan Turing, an fünf Supercomputern der WWW: Turing-Test vollzogen. Bestanden hat den Test "Eugene", eine Entwicklung aus Russland. 33% der Tester hielten die Software für schlau genug, ein 13 Jähriger Junge zu sein.


Eliza: Simulierter Psychologe


Plaudern mit dem Psychologen
Das ist ein klarer Durchbruch. Denn die Intelligenz, Schlagfertigkeit und Individualität eines Menschen nachzuahmen, das ist alles andere als einfach. Aus Filmen wie "2001 Odyssee im Weltraum" oder Fernsehserien wie "Star Treck" kennen wir Computer, die auf jede Frage schlau reagieren. Aber wie schwierig das ist, weiß jeder, der schon mal versucht hat, mit Apples Siri eine auch nur einigermaßen komplexe Konverssation zu führen. Mehr als das Bellen von Anweisungen wie "Ruf meine Frau an" versteht Siri nicht.

Aber das wird sich in Zukunft ändern. Das beweist die aktuelle Entwicklung. Software ist heute in der Lage, immerhin als 13-Jähriger durchzugehen. Unglaublich. Auch der Informatiker Joseph Weizenbaum wollte mal eine Software entwickeln, mit der man sich unterhalten kann. Heraus kam WWW: Eliza, eine Art Online-Psychologe. Programmiert im Jahr 1968, stellt die Maschine dem Menschen vor der Tastatur Fragen, so ähnlich wie ein Psychologe. In gewisser Weise auch eine Art Turin-Test. Diesen hätte Eliza allerdings nie bestanden.

Wer mal mit Eliza plaudern möchte: WWW: Nur zu - hier geht das.

Das Problem ist, dass viele Entwickler sogenannter "intelligenter" Systeme vom Turingtest noch nicht gehoert haben. Wenn immer ich eine Servicehotline anrufe und ein Computer mich bittet, mein Problem zu beschreiben, weiss ich, dass ich verloren habe. Und selbst ohne Spracherkennung bei Hilfsangeboten online - "ask your question here" funktioniert nie. Am Telefon rufe ich inzwischen "Alan Turing" in den Hoerer. Natuerlich versteht der Computer das nicht, aber nach drei Versuchen werde ich mit einem Callcenter und einem richtigen Menschen verbunden - gewonnen !

Inglaterra am 9.06.14 17:47

Die "Rechenmaschine" sieht aber verdächtig nach einer Enigma aus. Turing arbeitete erfolgreich mit anderen Mathematikern etc. daran, diese deutsche Chiffriermaschine zu knacken. Lesenswert dazu ist der entspr. Wikipedia-Beitrag.

Tofo am 9.06.14 22:19

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