Dienstag, 17.06.2014

Gronkh - der König der Parallelwelt

Es dauert wohl nur noch gut zwei Wochen, dann wird der erfolgreichste YouTuber in Deutschland die Marke von drei Millionen Abonnenten durchbrechen. Drei Millionen Abonnenten. Es gibt Fernsehsendungen, die wünschen sich so viele Zuschauer. WWW: Gronkh hat sie. Seine Videos kommen zusammengerechnet auf mehr als eine Milliarde Abrufe, sein erfolgreichstes auf mehr als zehn Millionen Klicks. Das ist irre.


"Let's Play Minecraft" - in dieser Reihe hat Gronkh mittlerweile mehr als 1.000 Videos veröffentlicht, die nichts anderes zeigen als das Computerspiel plus Kommentar.

Man mag die Videos banal finden, den Kommentar für inhaltsleere Plapperei halten und das Zugucken für Zeitverschwendung. Aber Gronkh ist Kopf eines Massenphänomens: Millionen Nutzer verbringen Zeit damit, anderen beim Computerspielen zuzuschauen, nicht nur Teenies, die den Großteil ausmachen, sondern auch immer mehr Erwachsene. Mit WWW: "Twitch" gibt es mittlerweile sogar eine ganze Plattform, die Liveübertragungen von Computerspielen anbietet - vom Sport über die Strategie bis zum Egoshootern.

Diese Videos nennen sich Let's-play-Videos und könnten auch als eine neue Form der Sportberichterstattung bezeichnet werden, mit dem Unterschied: Die Sportler, also die Spieler, sind gleichzeitig die Kommentatoren. Gronkh ist damit nur in Deutschland der erfolgreichste YouTuber. Weltweit ist es WWW: PewDiePie aus Schweden mit über 27 Millionen Abonnenten - mehr als Justin Bieber und Lady Gaga zusammen. Er verdient angeblich über die Werbeeinblendungen bei YouTube mehr als 100.000 Euro im Monat.

Let's-play-Videos sind erstens Kaufberatung: Je mehr ich von dem Spiel sehe und davon, wie viel Spaß es macht, desto eher kaufe ich es auch. Let's-play-Videos sind zweitens Unterhaltung: YouTuber wie Gronkh und PewDiePie sind die Stars einer ganzen Generation. Let's-play-Videos sind drittens Ratgeber: Wer selbst spielt, kann sich bei Profis abgucken, wie er in den Computerspielen weiterkommt und besser wird.


"YouTube and the new news": Auf der re:publica in diesem Jahr ging es unter anderem darum, wie Deuschlands erfolgreichste YouTuber mit der Verantwortung umzugehen, eine komplette Generation mit ihren Videos zu beeinflussen.

Was aber einer der spannendsten Aspekte ist: Gronkh kommt wie WWW: Y-Titty und WWW: LeFloid auf beeindruckende Zugriffszahlen - außerhalb von YouTube sieht, hört oder liest man aber kaum etwas darüber. Was dort passiert, wirkt wie eine Parallelwelt, deren Köpfe gerade zu den Stars einer Generation heranwachsen: mit neuen Nachrichtensendungen, Ratgebervideos oder Comedyformate - nicht im Fernsehen, aber mit Millionen Fans.


Unsere Blogger Anita Horn und Dennis Horn sind weder verwandt noch verheiratet, aber umso besser vernetzt. Sie entdecken jede Woche digitale Perlen: spannende Webseiten, lustige Links und Angebote, die den Alltag bereichern - hier im Blog, jeden Dienstag in der WWW: WDR 5 LebensArt im Radio und einmal im Monat in der WDR: Servicezeit im WDR Fernsehen.

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Montag, 16.06.2014

Weltreise per Drohne

Eine kleine virtuelle Weltreise gefällig? Nicht etwa wie vor zehn Jahren per Google Earth oder vor sechs Jahren per Street View - sondern wie es sich fürs Jahr 2014 gehört per Drohne? Dann empfehle ich: WWW: TravelByDrone - eine Weltkarte voller Drohnenvideos.

TravelByDrone; Rechte: travelbydrone.com
Hinter der TravelByDrone steckt der Schweizer Drohnenfan Jan Hiersemenzel. Er wählt jedes einzelne Video auf der Weltkarte von Hand aus.

Pins auf der Karte zeigen die Orte, für die es Drohnenvideos gibt - über das Suchfeld könnt ihr auch direkt eingeben, welche Gegend, welche Sehenswürdigkeit oder welches Naturwunder ihr von oben sehen möchtet. Klickt ihr auf einen der Pins, öffnet sich das passende YouTube-Video dazu und nimmt euch mit auf die Reise.

Sind einige beeindruckende Videos dabei, ganz bestimmt. aber wenn wir über den Schutz der Privatsphäre reden, hier werden Wohnhäuser und Bürogebäude abgeflogen und gefilmt, man kann z.T. jedes Detail auf dem Schreibtisch erkennen, vielleicht sogar über die Schulter am Bildschirm mitlesen. Und im zigten Stock macht man sich eigentlich keine Gedanken mehr über Spanner... Ganz abgesehen davon ist das zumindest in der Stadt ja auch ein gewisses Risiko, wenn da so ne Drohne rumflattert...

dobby.s am 17.06.14 7:32

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Sonntag, 15.06.2014

Present Shock: Wenn alles jetzt passiert

Gerade lese ich ein Buch, das ich wirklich intelligent finde: WWW: Present Shock. Darin beschäftigt sich der New Yorker Medientheoretiker Douglas Rushkoff (dem wir Begriffe wie "Digital Native" oder "Virales Marketing" zu verdanken haben) auf unterhaltsame Weise mit dem zunehmenden Tempo, in dem Informationen heute auf uns einprasseln - und fragt sich, wie uns das verändert beziehungsweise bereits verändert hat. "Wenn alles jetzt passiert" lautet die Unterzeile seines Buchs.

Rushkoff spricht in diesem Zusammenhang von einem Gegenwarts-Schock und meint damit: In nahezu allen Lebensbereichen gibt es eine Fixierung auf das Jetzt. Die digitalen Medien seien daran nicht (alleine) schuld, aber sie beschleunigten diesen Effekt noch. Wir twittern, posten, mailen - und allzu oft geht es nur darum, was wir gerade tun. Wir teilen allen anderen mit, wo wir gerade sind, was wir essen oder was wir uns anschauen. Und im nächsten Moment ist es auch schon wieder vergessen. Oder halt: Es ist noch gespeichert, aber nicht mehr wichtig, denn es trommeln ja längst bereits wieder neue Status-Updates ein. Was zu kurz kommt: Warum machen wir das - oder wohin führt es?



Wir haben den Augenblick verloren
Wir haben den Augenblick verloren, meint Rushkoff. Anstatt einen Moment zu genießen, machen wir Aufnahmen mit dem Smartphone und stellen die Bilder online - und Menschen in aller Welt sehen sich diese Bilder womöglich direkt an, anstatt sich wiederum mit ihrer Realität zu beschäftigen. Nur ein Beispiel, das aber für einen radikalen Umbruch steht, für eine ganz neue Definition von Raum und Zeit. In jedem Moment passiert so viel, meinen wir, weil wir mit Informationen überschüttet werden.

Wer - wie ich - gerne twittert und auch regelmäßig auf Facebook präsent ist, der kommt beim Lesen ins Grübeln: Richten wir mit dieser Fixiertheit auf uns und das Jetzt womöglich einen größeren Schaden an als nur unsere Zeit zu verplempern? Genau das befürchtet Rushkoff. Er begründet seine Befürchtungen ausführlich. Sein Buch ist in fünf Abschnitte unterteilt. In jedem beschäftigt sich Rushkoff mit einem charakteristischen Merkmal des Gegenwartsschocks. "Narrativer Kollaps" stellt die Frage, wie sich Geschichten erzählen lassen sollen, wenn wir nicht mehr gewohnt sind, einem linearen Handlungsstrang zu folgen - wozu das Internet in der Tat geradezu einlädt. Die Folgen könnten erheblich sein.


Rushkoff bei TED


Digitale Medien verstärken einen Trend
Interessant auch das, was Rushkoff "Digiphrenie" nennt: Die digitalen Medien geben uns die Möglichkeit, mit Leichtigkeit an mehreren Orten gleichzeitig präsent zu sein. Alles versinkt im Hier und Jetzt. Wir können mailen, chatten, skypen, wir können Fotos posten und Videos von Freunden anschauen, wir können Liveticker im Web verfolgen und dabei im Zug sitzen. Alle anderen, die wiederum uns dabei verfolgen, haben keinen blassen Schimmer, wie es uns gerade tatsächlich geht. Die digitalen Medien machen es möglich: Wir können jederzeit überall sein. Niemand prüft den Gehalt der Informationen im Netz. Twitter-Nachrichten bilden alles ab, ob Banalität oder wichtiges Ereignis. Es gibt keine Filter.

Der Medienwissenschaftler Rushkoff untersucht in seinem Buch "Present Shock" die Folgen der Echtzeit und wie wir Menschen darauf reagieren. Und das oft genug mit einem Augenzwinkern: "Ältere Twitternachrichten zu lesen ist so, als würde man die ganze Nacht aufbleiben, um die Börsenkurse von gestern zu studieren." Ist was dran, auch wenn das nicht generell zutrifft. Ein lesenswertes Buch, geistreiche Gedanken, anschauliche Beispiele, unterhaltsam zu lesen. Rushkoff regt zum Innehalten und Nachdenken an, ohne die Entwicklungen an sich zu verteufeln - und das lohnt sich.

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