Freitag, 26.06.2015

Serendipity-Effekt: Mehr Wissen durch Zufall

Kennt Ihr das Phänomen auch? Ihr begebt Euch ins Web, weil Ihr irgendetwas wissen wollt. Los geht die Wissensreise in der Suchmaschine Eurer Wahl. Begriff eingetippt. Suchergebnisse angeschaut. Die ersten Trefferseiten untersucht. Und dabei hier was Spannendes gefunden, dort was Interessantes gelesen - und vielleicht am Ende auf noch einer anderen Webseite gelandet, die mit dem ursprünglichen Thema rein gar nichts mehr zu tun hat. Hat sich einfach so ergeben. Von Webseite zu Webseite gehangelt, von Thema zu Thema. Unterwegs auf Forschungstour durch die Untiefen des World Wide Web.

Frau surft im Web: Zufällig Wissen entdecken; Rechte; dpa/Picture Alliance
Frau surft im Web: Zufällig Wissen entdecken


Serendipität: Den Horizont erweitern
Per Zufall schlauer werden. Wer hätte gedacht, dass Wissenschaftler für so etwas tatsächlich einen Namen haben? Beim Stöbern im Netz etwas Spannendes zu entdecken, wonach man eigentlich gar nicht gesucht hat, das wird Serendipity-Effekt genannt. Oder Serindipität. Laut Wikipedia "eine zufällige Beobachtung von etwas ursprünglich nicht Gesuchtem, das sich als neue und überraschende Entdeckung erweist." Doch, so etwas gibt es im Netz ständig. Egal, ob man nach einer konkreten Information sucht, etwa die Einwohnerzahl von Paris und dann in der Beschreibung eines entzückenden Restaurants hängen bleibt.

Oder ob man in sozialen Netzwerken stöbert, weil man den Geburtstag einer Person nachgucken wollte und plötzlich über die Freunde der Freunde bei einem alten Bekannten landet, den man eigentlich schon lange aus den Augen verloren hat. Die hochgradige Vernetzung des Wissens heutzutage fördert die Serendipität. Die Wahrscheinlichkeit, beim Info-Ausflug auf etwas zu stoßen, wonach man eigentlich gar nicht gesucht hat, nimmt enorm zu.

Ceylon (Sri Lanka) ist der Namenspate für den Effekt; Rechte: dpa/Picture Alliance
Ceylon (Sri Lanka) ist der Namenspate für den Effekt


Serendipität: Den Horizont erweitern
Der Begriff Serendipity selbst ist keine Erfindung des Internet-Zeitalters. Zum ersten Mal hat ihn der britische Autor Horace Walpole (1717-1797) verwendet in einem Brief vom 28. Januar 1754 an seinen in Florenz lebenden Freund Horace Mann. Serendip (arabisch ‏سرنديب‎) ist eine alte, von arabischen Händlern geprägte Bezeichnung für Ceylon, das heutige Sri Lanka. Erst später hat auch die Wissenschaft Gebrauch von dem Begriff gemacht. Der amerikanische Soziologe Robert K. Merton (1910-2003) hat den Begriff zum ersten Mal 1945 in seinem Werk "The Travels and Adventures of Serendipity" verwendet.

Mehr zu wissen ist immer gut. Ich kenne den Serendipity-Effekt aus eigener Erfahrung. Die Frage ist allerdings, welchen Preis man für den ungewollten Erkenntnisgewinn bezahlt. Denn allzu oft verplempert man doch recht viel Zeit dabei, im Web oder in den sozialen Netzwerken zu stöbern. Gut möglich, dass man am Ende mehr weiß - gelegentlich. Aber das, was man eigentlich wissen wollte, das bleibt oft auf der Strecke.

Was ist daran neu? ich habe das früher immer mit den guten alten Lexikas gemacht (den analogen, ältere Semester werden sich noch erinnern): irgendwo aufgeschlagen (oder etwas nachschlagen wollen), und dann von Verweis zu Verweis gesprungen... Und was lernen wir daraus? Alles schon mal da gewesen, und unter der Sonne gibt es nur äußerst selten was wirklich Neues...)

leuko am 27.06.15 18:45

Eugen Roth, Das Hilfsbuch

Ein Mensch, nicht wissend von „Mormone“
Schaut deshalb nach im Lexikone
Und hätt es dort auch rasch gefunden –
jedoch er weiß, nach drei, vier Stunden
Von den Mormonen keine Silbe –
Dafür fast alles von der Milbe,
von Mississippi, Mohr und Maus:
Im ganzen „M“ kennt er sich aus.
Auch was ihn sonst gekümmert nie,
Physik zum Beispiel und Chemie,
Liest er jetzt nach, es fesselt ihn:
Was ist das: Monochloramin?
„Such unter Hydrazin“, steht da.
Schon greift der Mensch zum Bande „H“
Und schlägt so eine neue Brücke
Zu ungeahntem Wissensglücke.
Jäh fällt ihm ein bei den Hormonen
Er sucht ja eigentlich: Mormonen!
Er blättert müd und überwacht:
Mann, Morpheus, Mohn und Mitternacht.
Hätt weiter noch geschmökert gern,
Kam bloß noch bis zum Morgenstern
Und da verneigte er sich tief
Noch vor dem Dichter – und – entschlief.

sternenfahrer am 27.06.15 19:23

@ leuko am 27.06.15 18:45 Wer früher in Lexika geblättert hatte oder gerne viel las, dem wurden positive Eigenschaften zugeschrieben. Wer das gleiche nur online tätigt, der ist Computersüchtig, noch schlimmer, er verplempert seine Zeit.

LiFe am 27.06.15 21:52

Auserdem ist wenn sich durch Netz hangelt keine Zeit für Pornos!

Martin Däniken am 28.06.15 3:44

Serendipität: "Die Gabe, zufällig glückliche und unerwartete Entdeckungen zu machen."
Ich war nicht glücklich, per Zufall zu finden, woran meine Großmama gestorben ist, auf der anderen Seite findet man endlich einen Abschluss, den die Ärzte nicht geben konnten.
Das Phänomen der Serendipität entsteht doch nur durch die witzigen Suchmaschinen. Womit man hier konfrontiert wird, ist einfach nur herrlich. Wird eine Suche nicht explizit detailliert, kommen die verrücktesten Links im Angebot. Für mich ist daher Serendipität keine Gabe im Internet sondern die persönliche Entscheidung einen Link anzuklicken.

Susanne am 28.06.15 18:27

Ich kenn das auch ganz praktisch:

Ich such was im Keller und finde Sachen, die ich vor zwei Wochen gebraucht hätte.

Ostwestfale am 29.06.15 10:10

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Freitag, 26.06.2015

Leckere Häkelhüte

Viel verrückter geht's nicht mehr: Der Australier Phil Ferguson häkelt Hüte in Form von Lebensmitteln - und stellt die Fotos davon in seinen Instagram-Account.


Phil Ferguson heißt als Hüte-Häkel-Künstler "ChiliPhilly" und gewährt WWW: auf seiner eigenen Facebook-Seite mehr Einblicke in seine Kunst.

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Donnerstag, 25.06.2015

Aufpassen beim Knipsen

Es gibt Dinge, die kann ich beim besten Willen nicht nachvollziehen. Wie zum Beispiel die Tatsache, dass es in einigen Ländern Europas - darunter Frankreich und Italien - nicht erlaubt ist, öffentlich zugängliche Gebäude zu fotografieren, ohne den Architekten um Erlaubnis zu fragen. Zumindest, wenn die Fotos kommerziell verwertet werden sollen. In Frankreich, Italien und einigen anderen EU-Ländern ist es nämlich wirklich so, dass das Urheberrecht auch auf Gebäude und Skulpturen angewendet wird. Sofern der Architekt oder Künstler noch lebt oder vor weniger als 70 Jahren verstorben ist, muss man hier mächtig aufpassen.

In Frankreich dürfen nicht alle Gebäude fotografiert werden, der Eiffelturm aber schon; Rechte: dpa/Picture Alliance
Vorsicht beim Fotografieren von Gebäuden in Frankreich


Urheberrecht gilt in einigen Ländern auch für Gebäude
Den Eiffelturm darf man fotografieren, weil Gustave Eiffel 1923 verstorben ist. Doch die Lichtkunst, die nachts am Eiffelturm blitzt, funkelt und blinkt, die ist in Frankreich urheberrechtlich geschützt und darf deshalb nicht ohne Weiteres fotografiert oder gefilmt werden. Zumindest nicht für kommerzielle Projekte. Und hier ist das Problem: Wer mit dem Smartphone eine Aufnahme macht und das Foto oder Video bei Facebook postet, der überträgt Facebook reichlich Nutzungsrechte, auch die der kommerziellen Verwertung. Das könnte zur Stolperfalle werden - und mühelos mehrere hundert Euro Lizenz zuzüglich Abmahnkosten verursachen.

Was sagt einem da der gesunde Menschenverstand? Richtig: Derartige Gesetze gehören in den Orkus. Hat sich auch WWW: Julia Reda gedacht, Mitglied des Europäischen Parlaments. Sie wollte sich dafür einsetzen, dass in ganz Europa das Recht der WWW: Panoramafreiheit gilt - wie bei uns in Deutschland. Das sieht vor, dass urheberrechtlich geschützte Werke frei fotofrafiert werden dürfen, wenn sie von öffentlichen Wegen aus frei einsehbar und erkennbar sind. Das entspricht dem gesunden Menschenverstand, würde ich sagen. Denn wie sollte man von ganz normalen Menschen erwarten können, dass sie bei Aufnahmen in der Öffentlichkeit aufpassen, ob sie eine Skulptur oder ein junges Gebäude im Bildausschnitt haben?

No Photos: Nicht alle Gebäude dürfen in Europa fotografiert werden; Rechte: dpa/Picture Alliance
No Photos: Nicht alle Gebäude dürfen in Europa fotografiert werden


Urheberrecht gilt in einigen Ländern auch für Gebäude
Doch die Politik funktioniert anders. Plötzlich steht nicht der übertrieben wirkende Urheberschutz, sondern die Panoramafreiheit auf dem Prüfstand. Am 9. Juli will das EU-Parlament darüber verhandeln, ob die Panoramafreiheit nicht besser abgeschafft wird - in ganz Europa. Also ziemlich genau das Gegenteil dessen, was vernünftig wäre. Erst Recht im Zeitalter von Smartphones und Social Media, in denen es praktisch unvermeidlich ist, dass Gebäude oder Kunstwerke mit auf einem Bild zu sehen sind - und im Netz landen.

Mittlerweile wurde eine WWW: Online-Petition Save the Freedom of Photography gestartet. Sie soll verhindern, dass die Panoramafreiheit weiter eingeschränkt wird. Anderenfalls müssten wohl schon bald Apps entwickelt werden, die einen warnen, wenn man beim Fotografieren irgendetwas im Hintergrund sieht, was urheberrechtlich geschützt ist. Sowie Apps, die nicht störende Personen im Vordergrund wegretuschieren, sondern - im Gegenteil - Gebäude oder Skulpturen verschwinden lassen. Denn Abmahn-Anwälte gibt es genügend. Leider.

Also ist es für Google-Freund Jörg Schieb damit beschlossene Sache, dass eben z.B. Google mit den unentgeltlichen Gebäudeaufnahmen in StreetView kommerziell richtig Asche machen darf, während Klein-Erna für jeden Furz im Netz Abmahnungen bekommt?? Einfach und plump "Nö!"-Petitionen stricken, funzt hier nicht, da die Diskussionen und strittigen Fragen über StreetView weder beendet noch beantwortet wurden.

vaikl am 25.06.15 17:57

Den Eiffelturm darf man fotografieren, weil Gustave Eiffel 1923 verstorben ist. Im Prinzip müsste nur jemand auf die Idee kommen und den Eiffelturm kaufen und hop kann er sein Urheberrecht geltend machen. Pourquoi non?

LiFe am 25.06.15 20:04


Der Kampf ums Urheberrecht ist ein reiner Machtkampf der Lobbyisten. Die weinerlichen Sprüche vom "armen Künstler" können wir vergessen. Zumal der "arme Künstler" (oder der Architekt) sein Urheberrecht an mächtige Konzerne abgetreten hat. Wenn wir uns nicht wehren, nimmt man uns immer mehr Rechte einfach weg. Der Normalbürger wird gar nicht gefragt, und er interessiert sich auch nicht dafür. Verbraucherberatung war früher bissiger, kritischer. Heute erklärt man uns bloß noch, wo wir aufpassen müssen.

Hoffen wir in diesem Fall jetzt, dass Berufsverbände z.B. der Fotografen das Schlimmste verhindern. Dass der Normalbürger sich doch noch wehrt, darauf hoffe ich nicht mehr. Julia Reda ist für die Piratenpartei im Parlament. Warum hat die trotz wichtiger Themen nicht bessere Umfragewerte?

Bertram in Mainz am 25.06.15 22:29

Kreativität scheint zu verkümmern. So gesehen, wenn das Urheberrecht auf Gebäude und Skulpturen angewendet wird, dann wittere ich mögliche Einnahmen. Hm, es werden soooo viele Fotos gemacht und soooo viele verschickt. Vielleichtet wartet jemand auf die richtige Aufnahme, die ein Gebäude, das zufällig Ähnlichkeit mit einem urheberrechtlich geschützten zeigt und endlich könnte dieser jemand den ahnungslosen Besitzer ausfindig machen, um ihn wegen PLAGIAT zu belangen!

LiFe am 26.06.15 0:51

Was ich auch noch nicht so recht verstehe. Wenn ich ein Foto auf Facebook hochlade stimme ich ja (angeblich, hab eben nicht nachgelesen) laut den agb zu, dass das Fotos von fb auch kommerziell genutzt werden darf. Schon und gut, (mal ganz abgesehen dass ich mich frage ob so eine Klausel überhaupt zulässig ist aber dann kommt vermutlich eh "du musst fb ja nicht nutzen wenn du das nicht willst) aber wieso kann ich als Nutzer anscheinend abgemahnt werden wenn fb die Fotos kommerziell nutzen möchte und nicht ich?

Vermutlich läuft nur darauf hinaus, das fb sich ja wehren könnte....

Daniel am 26.06.15 9:16

Tagsüber darf der Eiffelturm wohl fotografiert werden, urheberrechtlich geschützt ist die Nachtbeleuchtung.

Benno Kurze am 26.06.15 9:36

@vaikl: So richtig verstehe ich den Kommentar nicht. Es ist richtig, dass ich Google Streetview für ein legitimes und gutes Onlineprojekt halte und die Kritik daran nicht nachvollziehen kann, im Gegenteil. Konsequenterweise bin ich daher FÜR Panoramaschutz in Europa. Also wäre Klein-Erna geschützt, nicht gebeutelt.

jörg schieb am 26.06.15 14:07

Als Hobbyfotograf bin ich viel in Europa unterwegs und wundere mich, welche Ideen den Bürokratenhirnen entsprungen ist.

Die Panoramafreiheit ist doch die optimale Regelung, alles was von öffentlichem Grund fotografiert werden kann ist in Ordnung.

So wird eindeutig derjenige in die Pflicht genommen, aktiv zu werden der wünscht, dass sein Eigentum nicht fotografiert wird, z. B Zaun, Sichtschutz etc und muss nach Verursacherprinzip die Kosten tragen.

Die neue Regel schafft nur Unsicherheit und "juristische Opfer" in Form harmloser Touristen.

Gibt es künftig für jeden Reiseführer einen zweiten Band mit tabellarischer Auflistung, was fotografiert werden darf?

Was ist mit Künstlern, die bewußt ihr Kunstwerk verbreitet sehen WOLLEN?

Wuppertal bekommt 2016 neue Schwebebahnwagen. Wäre das Design der Wagen geschützt, dürfte ein millionenfach fotografiertes techn. Denkmal nicht mehr fotografiert werden?

Bei der Überregulierung wundert man sich dann über EU und Politikverdrossenheit!
mfg

J. K. aus Wuppertal am 8.07.15 19:22

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