Donnerstag, 07.08.2014

Verkaufen wir unsere Daten doch einfach selbst!

Man sagt ja so schön: Daten sind das neue Öl. Sie sind zu wertvoll, um die Kontrolle darüber abzugeben - und trotzdem tun wir das jeden Tag. Vor allem persönliche Daten liegen auf den Servern unzähliger Anbieter vom sozialen Netzwerk über den Clouddienst unseres Vertrauens bis zu lauter Onlineshops.

Datenübersicht; Rechte: WDR/Dennis Horn, citizenme
citizenme gibt euch einen Überblick über euren Auftritt in den sozialen Netzwerken - vorausgesetzt, ihr gebt der App den Zugriff auf diese Daten.

Ein Anfang könnte sein, sich einen Überblick darüber zu verschaffen, welcher Dienst welche Daten von euch gespeichert hat. Das ist schwer genug, aber natürlich gibt es mittlerweile auch dafür die passenden Anbieter. WWW: citizenme zum Beispiel ist eine App, die euch über die Nutzungsbedingungen einzelner Onlinedienste informiert und aus euren Profilen eure politische Einstellung oder euer Verhalten in Stresssituationen rauslesen kann - um anzuzeigen, was auch Datenhändler über euch wissen könnten.

Die Macher von citizenme WWW: haben der österreichischen Futurezone verraten, dass sie noch wesentlich mehr planen: Die App soll euch in Zukunft selbst zu Datenhändlern machen, ähnlich wie es auch das deutsche Start-up Data Fairplay plant. Das schreibt WWW: auf seiner Website: "Unternehmen geben viele Millionen Euro aus, um Daten von potentiellen Kunden zu bekommen. Unter anderem kaufen sie diese Daten über Umwege von sogenannten Datenhändlern. Wieso nicht direkt von dir?"

citizenme und Data Fairplay sind nicht die einzigen Anbieter, die an solchen Diensten arbeiten: Sie wollen so viele Daten wie möglich über uns sammeln, zusammengeklaubt aus euren Profilen in sozialen Netzwerken, aber über Gesundheitsapps oder die Standortinformationen eures Smartphones. Diese Daten sollt ihr dann selbst kontrollieren und an Werbetreibende verkaufen können. Die Anbieter streichen dafür eine kleine Provision ein - fertig ist das Geschäftsmodell.

Puzzle; Rechte: WDR/Dennis Horn
Was im Moment an Daten über uns gespeichert ist, gleicht einem Puzzle - statt einem sicheren Safe, über den wir selbst kontrollieren können, wer welche Daten daraus entnehmen und nutzen kann.

Mich überzeugen solche Angebote nicht. Sie machen mir eher mehr Sorgen. Schließlich funktionieren sie nicht, ohne dass ich ihnen umfangreichen Zugriff auf meine Daten gebe. Meine Daten laufen damit noch zentraler zusammen als bisher schon. Die paar Euro, die dafür dann rumkommen, sind für mich kein wirklicher Gewinn.

Der Gründer von citizenme hat aber trotzdem recht, wenn er der Futurezone sagt, es habe sich "eine unethische Kultur des Datensammelns entwickelt, die auch der Werbung geschadet hat" und sich wünscht, dass "Konsumenten ihre Daten selbst kontrollieren und selbst bestimmen können, welche Daten sie mit wem teilen".

Eine Idee hinter citizenme und Data Fairplay gefällt mir deshalb auch: die Idee des Datensafes. Die Möglichkeit, Geburtsdaten, Pulsmessungen oder Kreditkartennummern an einem Ort verwalten zu können - und den Anbietern nur noch über eine Schnittstelle Zugriff darauf zu gewähren. Nur darf ein solcher Datensafe natürlich nicht bei einem weiteren kommerziellen Anbieter liegen. Und so glaube ich nicht, dass sich die Idee, die Nutzer selbst zu Datenhändlern zu machen, am Ende durchsetzen wird.

Buchtipp (Thriller) zum Thema: Elsberg, Marc "ZERO - Sie wissen, was du tust"

EinLeser am 7.08.14 11:03

@Horn-wo bitte ist die Logik:"Die Möglichkeit, Geburtsdaten, Pulsmessungen oder Kreditkartennummern an einem Ort verwalten zu können - und den Anbietern nur noch über eine Schnittstelle Zugriff darauf zu gewähren."?Ob ich die Daten per Hand auf einer website eingebe-die per sql-injection angreifbar ist(wie bei diesem angeblichen Abgreifen von 1.2mia Daten),oder via eines adservice und zwang zu js mich angreift ist doch egal-meine Daten hat der black hat cracker!Zudem-alles in einer datenbank zusammengefasst im Netz erinnert mich stark an den Unfug mit der"Gesundheitskarte".Merke_alles was vom Internet aus zugeanglich ist-kann und wird gecrackt!Btw. so eine meldung heatte ich vom Postillion,oder der Titanic erwartet-aber in Echt?

Robin am 7.08.14 14:41

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Mittwoch, 06.08.2014

Apple vs. Samsung: Ein bisschen Frieden

Wenn es zwei Streithähne in der IT-Branche gibt, dann sind es Apple und Samsung. Die beiden Hersteller werfen sich gegenseitig Ideenklau vor und überziehen sich überall in der Welt mit Patentklagen. Über 50 Patentstreitigkeiten innerhalb der vergangenen drei Jahre: Da kommt einiges zusammen. Die Unternehmen klagen dabei nicht nur in den USA, sondern auch im Rest der Welt, unter anderem auch bei uns in Deutschland. Überall gelten andere Spielregeln - das will man ausnutzen.

Tablets von Apple und Samsung; Rechte: dpa/Picture Alliance
Apple und Samsung: Wer hat bei wem abgeschaut?


Zermürbende Streitereien
Doch diese Patentstreitigkeiten sind zermürbend und unfassbar teuer. Es geht immer gleich um hohe Millionenbeträge, manchmal sogar um Milliarden. Entsprechend hoch sind die Honorare von Anwälten und Gebühren vor Gericht. Wer wohl die ganzen Kosten bezahlen muss? Richtig: Es sind am Ende die Käufer der sündhaft teuren Smartphones und Tablets, die die Zeche bezahlen. Die Kosten für die Streitereien sind quasi eingepreist. Und die Kunden ärgern sich, denn mitunter werden in einzelnen Ländern sogar Verkaufsverbote ausgesprochen.

Jetzt haben sich Apple und Samsung darauf geeinigt, die Streitereien außerhalb der USA beizulegen. Ein bisschen Frieden, sozusagen. Was zu klären ist, wer welche Designs oder Technologien "übernommen" hat, das soll nun ausschließlich in den USA geklärt werden. Was einen eindeutigen Vorteil für Apple bedeutet, da Apple eine amerikanische Firma ist, während Samsung aus Südkorea kommt.

Smartphones von Samsung und Apple; Rechte: dpa/Picture Alliance
Sehen sich recht ähnlich: iPhone und Samsung Galaxy


Apple und Samsung sollten kooperieren
Pikant: Die meisten Streitereien ziehen sich über Jahre hin. Bis endgültig geklärt ist, ob und wer Lizenzen zahlen muss, sind die Geräte längst vom Markt verschwunden. Der Markt ist einfach zu schnelllebig. Geld verdienen beide Unternehmen genug. Es geht also eher darum, den Wettbewerber zu behindern, den Verkauf der Geräte zu erschweren oder in einzelnen Märkten sogar zu verhindern. Business is War. Geschäftswelt ist Krieg. Das nehmen Apple und Samsung allzu wörtlich - und geklagt hat vor allem Apple.

Irgendwann weiß niemand mehr, womit alles eigentlich begonnen hat. Deswegen ist es gut, wenn sich die beiden Streithähne an einen Tisch setzen und in aller Ruhe klären, wer an wen Lizenzgebühren zahlen muss. Abgesehen davon wäre es wünschenswert, wenn mehr kooperiert würde. Etwa im Interesse der Umwelt: Warum muss immer noch jedes Gerät, jeder Hersteller einen eigenen Standard für Ladegeräte haben? Absolut anachronistisch. Die Unternehmen sollten mehr Energie in solche Projekte investieren - davon hätten alle etwas.

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Mittwoch, 06.08.2014

Wir brauchen eine private Öffentlichkeit!

Am 20. Juni hat eine Schülerin aus den USA einen Fehler gemacht. Es könnte sein, dass ihr in den vergangenen Wochen im Netz auch auf ihr Selfie aus dem Konzentrationslager Auschwitz gestoßen seid. Das Foto ging um die Welt - inklusive Name und Nutzername der Schülerin. Sie hat dafür einen veritablen Shitstorm geerntet.

Selfie im Konzentrationslager Auschwitz; Rechte: Twitter/privat
Eine Schülerin weltweit für dieses Selfie bloßzustellen - ist das der richtige Weg?

Es soll hier gar nicht darum gehen, ob Konzentrationslager die richtigen Orte für Selfies sind. Das sind sie nicht. Aber eine Suche bei Google, Facebook, Twitter oder Instagram zeigt, dass die Schülerin nicht allein ist. Und es gibt noch eine ganze Reihe weiterer Orte und Gelegenheiten, an denen man sich stören kann: von Selfies bei Beerdigungen bis zum Selfie, WWW: das US-Präsident Obama mit den Regierungschefs von Großbritannien und Dänemark auf der Trauerfeier für Nelson Mandela geschossen hat.

Was mich stört: dass zwischen Barack Obama und der Schülerin in Auschwitz kein Unterschied gemacht wird. Dass immer öfter Privatpersonen wegen einzelner Tweets oder Statusmeldungen in die Öffentlichkeit gezerrt werden. Da ernten dann Nutzer ihre Shitstorms, die damit nicht umgehen können und wohl für viele Jahre daran knabbern werden. Ob das noch verhältnismäßig für ein einzelnes falsches Posting ist?

Wenn wir in Deutschland über Privatsphäre diskutieren, dann meistens schwarz-weiß: Privat ist, was nicht öffentlich ist - und öffentlich ist, was nicht privat ist. Datenschutz gegen Sorglosigkeit. Privatsphäre gegen maximale Öffentlichkeit. Dazwischen gibt es keinen Raum mehr. Mitglieder sozialer Netzwerke ernten von anderen Mitgliedern Verständnis. Von der Sorte Mensch aber, die Facebook "Fratzenbuch" nennen, werden sie abgekanzelt, verbunden mit dem Vorwurf, sich zu Sklaven zu machen.

Speaker's Corner; Rechte: picture-alliance/godong/Philippe Lissac
Wie öffentlich ist eine öffentliche Statusmeldung bei Facebook? So öffentlich wie ein Auftritt am Speaker's Corner? So öffentlich wie eine einfache Unterhaltung im Park?

Zu differenzieren, ist nicht so unser Ding, und so läuft es eben auch, wenn es um Fotos, Statusmeldungen, Tweets und Selfies geht: Sie werden für jeden sichtbar im sozialen Netzwerk gepostet, also darf sie auch jeder nutzen. "Ist doch öffentlich", sagen vor allem wir Journalisten oft - und meinen: "öffentlich genug, um eine Story draus zu machen."

Viele Artikel in Onlinemedien funktionieren mittlerweile so: Da setzen sich Redakteure hin, suchen Tweets zu einem aktuell viel diskutierten Thema raus, und fertig ist der WWW: So-WWW: diskutiert-WWW: das-WWW: Netz-WWW: über-WWW: xyz-WWW: Artikel. Es gibt sogar fertige Tools, mit denen sich Inhalte aus sozialen Netzwerken einfach per Mausklick in die Artikel ziehen lassen. Eine Diskussion darüber, ob es einen Unterschied zwischen Tweets zum Beispiel des Regierungssprechers oder einfacher Nutzer gibt, ist dagegen selten.

Es gibt Nutzer, denen diese plötzliche Öffentlichkeit nicht gefällt. Als im März die englische Variante der WWW: #aufschrei-Diskussion unter dem Hashtag WWW: #yesallwomen ins Rollen kam, haben sich einige der Teilnehmerinnen WWW: darüber beschwert, dass ihre Tweets öffentlich gemacht wurden, ohne dass man sie vorher gefragt hat. Sachlich gesehen gibt es daran nichts auszusetzen - ethisch gesehen vielleicht doch.

Facebook; Rechte: picture-alliamce/empics/The Canadian Press/Sean Kilpatrick
Facebook bietet alle Möglichkeiten, die Privatsphäre für die eigenen Beiträge genau einzustellen. Aber liegt die Verantwortung nur bei Facebook und den Urhebern - oder auch bei Medien und Nutzern, die auf die Inhalte zugreifen und sie teilen?

Es heißt immer: Teile nichts bei Facebook oder Twitter, was du nicht auch in aller Öffentlichkeit sagen würdest. Welche Öffentlichkeit ist denn damit gemeint? Die einer Fernsehansprache, bei der das ganze Volk zuhört? Die einer Kanzel, über die ich ein paar Hundert Menschen erreiche? Die einer Unterhaltung im Restaurant mit ein paar weiteren Dutzend Gästen? Oder die eines vertraulichen, aber öffentlichen Gesprächs zwischen zwei Menschen auf einer Parkbank? Gar nicht so einfach zu beantworten.

Aufschluss könnte zum Beispiel die Zahl der Freunde oder Follower geben: Wer auf eine Handvoll Follower kommt, hat es auch bei Einsatz eines Hashtags verdient, gefragt zu werden. Wer es auf ein paar Tausend Follower bringt, ist Öffentlichkeit dagegen schon gewöhnt - und kommt auch eher darauf klar, in den Medien zitiert zu werden.

Es gibt im "echten Leben" dort draußen ein paar gesellschaftliche Konventionen, die Anil Dash in seinem Artikel WWW: "What Is Public?" aufzählt, der mich auch auf die Idee zu diesem Blogbeitrag hier gebracht hat. Er schreibt: "Wir verlassen uns auf eine Reihe von sozialen Vereinbarungen, die es möglich machen, uns in der Öffentlichkeit und in halb-öffentlichen Räumen zu bewegen. Wenn wir uns mit einem Freund bei einem Kaffee über unseren Chef auslassen, vertrauen wir auch darauf, dass kein Kamerateam das Kaffeehaus stürmt und die Unterhaltung landesweit im Fernsehen überträgt."

Soziale Netzwerke funktionieren wie Katalysatoren, die Milliarden Menschen weltweit zu potenziellen Personen des öffentlichen Lebens machen. Wir können uns diesen Raum zwischen Privatheit und Öffentlichkeit zurückholen, indem wir all die gesellschaftlichen Konventionen, die wir längst kennen, auch aufs Netz übertragen. Was wir brauchen, ist eine private Öffentlichkeit - und Menschen, die sie respektieren.

Nicht alles was hinkt ist ein guter Vergleich-"soziale Netzwerke"im Internet sind weder soziale Netzwerke,geschweige denn mit einem privaten Kaffehausbesuch zu vergleichen.Diese "netzwerke"sind nichts anderes als riesige Monitore auf denen sich exhibitionistische Selbsdarsteller nakich machen,um dort verzweifelt nach Anerkennung zu betteln.Warum sich aber jemand ueber einen harmlosen Erinnerungs Schnappschuss aus Auschwitz,oder bei Mandelas Beerdigung aufregen kann,das erschliesst sich mir beim besten Willen nicht.Nach der Beerdigung meiner Grossmutter haben wir bspw. auf ihren Wunsch hin froehlich gefeiert.Auch auf meiner Beerdigung wird Pflicht sein,wie im alten NewOrleans-auf dem Hinweg darf getrauert werden-auf dem Rueckweg aber geht bitte die Post ab und es wird gerockt!

Robin am 6.08.14 12:32

Wenn ich meine Meinung in sozialen Netzwerken öffentlich zugänglich mache, ist das so, als würde ich sie an ein schwarzes Brett heften. Ich mache es möglich, dass das jeder liest, der es entdeckt und ich habe keinen Einfluss darauf, wer das liest und wie viele Personen es sind. Ich mache es möglich, dass diese Personen sich eine eigene Meinung zu meiner bilden und sie auch sagen. Das dürfen sie. Das weiß ich. Wenn ich das nicht möchte, gibt es nur eine Möglichkeit, dieses hundertprozentig zu verhindern: Ich hefte nichts ans schwarze Brett.

Britta am 7.08.14 7:38

Ich finde, Britta hat das sehr schön auf den Punkt gebracht. Die sog. „Sozialen Netze“ erfüllen ja mehrere Funktionen: Sie sind ein Vehikel zum Geldverdienen und Werben, sie dienen der umfassenden Ausforschung der dort angemeldeten Kunden, und sie werden von eben diesen Kunden als „soziales Netz“ wahrgenommen. Sie ermöglichen es zudem jedermann, sich an die weltweite Öffentlichkeit zu wenden, was in dem vorliegenden Fall passiert ist. Von daher habe ich nie verstanden, dass man bereits 13jährigen (die noch nicht einmal strafmündig sind) eine solche Verantwortung zumutet. Jeder ist für sein Handeln verantwortlich. Wir brauchen keine neue Ethik im Sinne einer „privaten Öffentlichkeit“; die Begriffe „privat“ und „öffentlich“ schließen sich zudem gegenseitig aus. Was wir brauchen, ist vielmehr Aufklärung im Kant’schen Sinne: den „Ausgang ... aus der selbstverschuldeten Unmündigkeit“. Am Ende kann man niemanden vor sich selber schützen.

Gebührenzahler am 7.08.14 10:13

Das Problem mit dem Vergleich mit einem "schwarzen Brett" ist doch einfach, dass bei einem wirklichen schwarzen Brett nur die das lesen können, die dort zufällig vorbeikommen und nicht die ganze Welt. Das ist genauso wie mit Autokennzeichen: Die kann auch jeder lesen. Wenn man nun aber die gescannten Kennzeichen des Mautsystems in eine Datenbank packen und das veröffentlichen würde, wäre das nicht mehr dasselbe.

Diesen Unterschied zwischen "Öffentlichkeit" und "maschinell erschlossene weltweit durchsuchbare Öffentlichkeit" kapieren aber viele Leute nicht, wie man ja schon bei dem "Recht auf Vergessen" sehr schön sehen kann. Bloß weil irgendwas nicht direkt privat ist, heißt das nicht, dass "öffentliche" Dinge gleich global öffentlich und mit Personen verknüpft sein können, ohne dass daraus dann etwas ganz anderes würde. Vordigitale Öffentlichkeit war immer eine praktisch sehr eingeschränkte Öffentlichkeit.

joh am 7.08.14 12:13

@joh-unklar was du sagen wolltest?Dein Vergleich mit den Autokennzeichen ist merkwuerdig-weder scannen die Autobesitzer ihre Kennzeichen selbst,noch speichern sie diese in einer Datenbank.Das macht in DE"big brother".Das ist bei den"sozialen Netzwerken"voellig anders-da speichern die Leute ihre Daten selber ein und finden es dann auch noch toll wenn sie am Ende eines Jahres sich daraus ein Jahrbuch erstellen koennen. War da nicht erst vor kurzem so ein merkwuerdiger blogpost von Herrn\Frau(?) Horn,was das betrifft?Das ihre Daten aber gespeichert,verknuepft und verkauft werden-das nicken alle beim erstellen eines accounts ab."Das Recht auf Vergessen"ist ein voellig wirres Fehlurteil und eine verdeckte Zensur in der Hand einzelner.Kann nur hoffen das bald jemand crawler schreibt die alle Suchmaschinen und die wikipedia nach deratigem abgrast um dies dann-ausserhalb der Reichweite der EU Jurisdiction zu veroeffentlichen.

Robin am 8.08.14 9:11

Man hänge mal ein Nacktfoto von sich am schwarzen Brett im örtlichen Supermarkt aus – ich bin sicher, dass das nach einem Tag nicht nur die wissen, die dort zufällig vorbeikommen. An der „privaten Öffentlichkeit“ missfällt mir die Auslieferung an die Bewertung durch andere. Nicht ich entscheide dann mehr, was mit meinen Äußerungen passiert. Bekanntheit kann sich auch ändern, siehe die veröffentlichten Chats eines noch unbekannten Edward Snowden (http://arstechnica.com/tech-policy/2013/06/exclusive-in-2009-ed-snowden-said-leakers-should-be-shot-then-he-became-one/). Sind diese Chats relevant für die Bewertung der Snowden’schen Infos? Wer will das bewerten? Es ist doch klar, dass jede Veröffentlichung später gegen einen verwendet werden KANN. Wir sollten gerade jetzt, wo sich toll gewordene Firmen/Regierungen unserer Daten bemächtigen, nicht anfangen, Privatheit umzudefinieren, um unbedacht Handelnde ihrer ureigenen Verantwortung zu entziehen. Ausreichend klare Definitionen haben wir.

Gebührenzahler am 8.08.14 10:26

@Robin: Man muß gar nicht außerhalb der EU sein, um "gelöschte" Links zu veröffentlichen. Man kann sie hier veröffentlichen, jeder darf drauf verlinken und die Seiten sind ja auch noch da. Es geht in diesem Urteil doch gar nicht um das Veröffentlichen, sondern um das grenzenlose Auswerten der Öffentlichkeit.

Die Seiten, auf denen der eigene Name steht, scannt und indiziert man ja auch nicht selbst. Google tut das viel mehr, genauso wie Toll Collect alle Kennzeichen scannt. Ist es Zensur, dass diese Daten nicht für jeden durchsuchbar sind? Sind doch öffentliche Daten, jeder kann doch sehen, wo Sie fahren.

Digitale, maschinell ausgewertete Öffentlichkeit ist nicht einfach nur "Öffentlichkeit". Ohne konkrete Regelungen, die dem Einzelnen eine Kontrolle über Daten zu seiner Person geben, ist das eine grenzenlose Totalüberwachung der Öffentlichkeit.

joh am 8.08.14 11:37

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