Dienstag, 29.04.2014

Apps für Grillmeister

Wir messen mit ihnen den Puls, bekämpfen mit ihnen Heuschnupfen, bestimmen mit ihnen Baumarten oder nutzen sie für ein paar schnelle Wellness-Maßnahmen. Es gibt für alles eine App. Selbst fürs Grillen - und jetzt, wo die Grillsaison eröffnet ist und ich mich mit Smartphone an den Grill stellen konnte, wird es Zeit für einen schnellen Überblick.


Schritt eins: Wo grille ich überhaupt?

Grillplatz-Manager; Screenshot: Grillplatz-Manager Die wichtigste Frage, bevor es losgeht: Was mache ich, wenn pingelige Nachbarn über den herrlichen Grillduft bei mir zu Hause meckern - oder gar kein eigener Garten oder Balkon zur Hand ist? Dann packen wir den Grill einfach in den Kofferraum und werfen den Grillplatz-Manager WWW: (Android) an, der Grillplätze in der Umgebung findet.

Das Schöne an dieser App: Sie wächst ständig, weil auch andere Nutzer neu entdeckte Grillplätze direkt eintragen können - und je nachdem, wo ihr wohnt, muss sie auch noch wachsen, denn sie spuckt leider nicht in allen Regionen gute Grillplätze aus.


Schritt zwei: Welcher Grill sollte es sein?

Der 9,90-Euro-Alugrill? Der Premium-Kugelgrill? Die große Gasmaschine? Welcher Grilltyp bin ich? Selbst dafür gibt es eine App: den "Grilltyp-Test" (WWW: iOS/WWW: Website). Darin beantwortet ihr 20 Fragen, zum Beispiel: "Wie bereitest du dein Grillgut vor?" "Wie isst du dein Fleisch?" "Mit welchem Material arbeitest du am liebsten?"

Mein Testergebnis: 41 von 100 Punkten. Damit entspreche ich dem Grilltypen des Holzkohlegrillers, der auf dem richtigen Weg ist - aber mit dem an ein angemessen langes Grillvergnügen noch lange nicht zu denken sei. Na, danke.


Schritt drei: Wie bereite ich mein Fleisch zu?

Grillrezepte; Screenshot: Grillrezepte An dieser Stelle können wir uns vor Apps kaum noch retten, denn jetzt geht es um die Rezepte. Dafür gibt es Kandidaten wie die mit rund 4 Euro sehr teure, aber inhaltlich gute Werbeapp "Weber's on the Grill" (WWW: Android/WWW: iOS), aber auch solche wie "Grill-It!" WWW: (Android), "MyGrill" WWW: (iOS) und "Grill recipes" WWW: (Android). Einige dieser Apps bieten auch Zusatzfunktionen wie virtuelle Einkaufszettel für die Zutaten.

Meine Lieblingsapp "Grillrezepte" (WWW: Android/WWW: iOS) und hält mehr als 5.000 bereit, sortiert nach Regionen von den USA über die Provence bis zum Westerwald, nach Kategorien von Beilagen über Marinaden bis zum Wok oder Fleischsorten von Bison über Huhn bis Ziege. Selbst Vegetarier kommen gut weg.


Schritt vier: Wie lange bleibt das Fleisch liegen?

Eine der großen Herausforderungen beim Grillen: das Fleisch weder roh und kalt noch zu durchgeschmort auf den Teller zu verfrachten. Auch dazu gibt es die passenden Apps, wobei es hier oft erst einmal ausmessen heißt. Apps wie "Steak Timer" (WWW: Android/WWW: iOS), "BBQ Timer" WWW: (Android) oder "GrillTime" WWW: (iOS) fragen danach, wie groß und dick das Fleisch ist, ob's englisch, medium oder durch sein soll - und spucken den Zeitpunkt aus, es vom Grill zu nehmen. Wobei dieses Versprechen in der Praxis oft ein Reinfall ist.

Nur eine dieser Apps, iGrill (WWW: Android/WWW: iOS), funktioniert über ein Zusatzthermometer, das ich mir auf der einen Seite ans Smartphone stecke - und auf der anderen Seite ins Fleisch. Nach dem Grillen kann ich dieses Thermometer in der Küche weiter nutzen.


Schritt fünf: Wie perfektioniere ich meinen Job am Grill?

Grillmeister; Screenshot: Grillmeister "Grillmeister" WWW: (iOS) ist eine der verrücktesten Apps: ein virtueller Grill, auf den ihr virtuelles Grillgut legen und die Glut darunter mit einem leichten Pusten ins Mikrofon virtuell anfachen könnt. Das ist auf den ersten Blick virtueller Unsinn, den ihr höchstens bei schlechtem Wetter als Grillersatz nutzen könnt. Auf den zweiten Blick könnt ihr die App aber nutzen, um euer Fleisch auf dem virtuellen Grill so anzuordnen wie in echt - und euch darüber besser zu merken, welches Stück wem gehört.

Wenn ihr euren Job am Grill ernsthaft perfektionieren möchtet, könnte "How to be a grillmaster" WWW: (Android) die App eurer Wahl sein. Darin findet ihr eine ganze Reihe wertvoller Tipps, von denen einer ja heißen müsste: Wer Profi ist, grillt ohne App. Aber auf dem Weg dorthin ist die eine oder andere schon ziemlich hilfreich - wenn ich darüber nicht vergesse, mein Fleisch umzudrehen, wenn's brennt.


Unsere Blogger Anita Horn und Dennis Horn sind weder verwandt noch verheiratet, aber umso besser vernetzt. Sie entdecken jede Woche digitale Perlen: spannende Webseiten, lustige Links und Angebote, die den Alltag bereichern - hier im Blog, jeden Dienstag in der WWW: WDR 5 LebensArt im Radio und einmal im Monat in der WDR: Servicezeit im WDR Fernsehen.

Ein wunderbarer Beitrag, vielen Dank, Herr Horn! Das werd' ich gleich mal teilen.

Jetzt brauche ich nur noch ein Smartphone... ;-)

Sven Kalbitzer am 29.04.14 12:53

@Sven Kalbitzer: Schaffen Sie sich bloß nicht fürs Grillen extra eins an - das wäre übertrieben ;).

Dennis Horn am 29.04.14 13:00


Zwei Hinweise ganz ohne App:
Kein Grillgut mit Nitritpökelsalz braten oder grillen! Sonst entstehen Nitrosamine, sind krebserregend!

Kein Fett in die Glut tropfen lassen! Die Verbrennungsprodukte sind schädlich, enthalten z.B. die berüchtigten polyzyklischen aromatischen Kohlenwasserstoffe. "Aromatisch" ist hier eine rein chemische Bezeichnung.

Warum muss es immer Fleisch sein? Es gibt vegetarische Grillwürste! Vegetarier sind im Artikel immerhin mit einem kurzen Satz erwähnt. Ja, die gibt es!

Bertram in Mainz am 29.04.14 14:54

Kommentieren



Die mit * gekennzeichneten Felder müssen ausgefüllt werden.


Angaben speichern (Cookie)?


Um Ihren Kommentar zu versenden, beantworten Sie bitte die folgende Frage:


Trackbacks zum Eintrag Apps für Grillmeister

Zum Anfang dieses Eintrags

Montag, 28.04.2014

Komplettüberwachung dank Vorratsdatenspeicherung

Wenn der Staat Daten über uns alle auf Vorrat speichert, unabhängig davon, ob wir verdächtig sind oder nicht, dann wird das Vorratsdatenspeicherung (VDS) genannt. Für Blog: viele Deutsche kein Problem. Dabei werden diverse, auf den ersten Blick eher unverdächtig wirkende Dinge erfasst und gespeichert, etwa der aktuelle Aufenthaltsort von uns allen, wann wir E-Mails verschicken und an wen, wann und wo wir online gehen oder SMS verschickt haben. Jede Menge persönlicher Daten, die da aufgehäuft werden. Wer sie intelligent auswertet, bekommt ein perfektes Bewegungsprofil.

Wie aussagekräftig Vorratsdaten sind, das beweist die wirklich beeindruckende WWW: Visualisierung von OpenDataCity. Hier werden die VDS-Daten eines Schweizer Politikers analysiert. Man kann ganz genau sehen, bis auf die Hausnummer genau, wann und wo WWW: Balthasar Glättli gewesen ist, mit wem er E-Mails ausgetauscht, wann er Twitter-Nachrichten abgesetzt oder SMS verschickt hat. Ein lückenloses Bewegungsprofil des ersten Halbjahrs 2013. Ein Traum für jeden Fahnder, ein Albtraum für jeden Datenschützer. Auch die Metadaten von E-Mails werden erfasst und ausgewertet. So wie es die Vorratsdatenspeicherung halt vorsieht. Die Daten werden, je nach EU-Land, zwischen sechs und 24 Monate gespeichert.


Ein Informationsangebot von WWW: OpenDataCity

Gefahren der VDS nicht hinreichend klar
Die Visualisierung von OpenDataCity macht deutlich, wie aussagekräftig solche Daten sind. Doch fragt man die Menschen auf der Straße, ob sie etwas gegen Vorratsdatenspeicherung einzuwenden haben, zucken die meisten nur mit den Schultern. Viele finden den Gedanken gut, möglichst viele Daten parat zu haben, um Kriminelle zu verfolgen. Das ist zweifellos ein verlockender Gedanke und hier und da wohl auch mal sinnvoll. Wer sich jedoch intensiver mit der Thematik beschäftigt, kommt früher oder später zu dem Schluss: Der Schaden ist weitaus schlimmer als der Nutzen. Die Visualisierung von OpenDataCity soll helfen, sich besser vorstellen zu können, was mit den angehäuften Daten angestellt werden kann - und welche Erkenntnisse der Staat durch die VDS über jeden einzelnen seiner Bürger ziehen kann.

Juristen zumindest erkennen die Problematik. So hat der Europäische Gerichtshof (EuGH), der Anfang April die ARD: Vorratsdatenspeicherung gerade erst für unzulässig erklärt hat. Die verdacht- und anlasslose Massenspeicherung von Daten ist laut EuGH unangemessen. Zu demselben Urteil ist auch das Bundesverfassungsgericht im März 2010 gekommen: Demnach ist die WWW: konkrete Ausgestaltung der Vorratsdatenspeicherung nicht verfassungsgemäß. Ausnahmslos alle Bürger potenziell zu verdächtigen ist laut Ansicht der Richter problematisch genug, doch darüber hinaus sind die Daten nicht ausreichend vor Missbrauch geschützt.

Lupe mit Daten; Rechte: dpa/Picture Alliance
Bei der Vorratsdatenspeicherung werden jede Menge Daten erfasst


VDS nicht hinreichend klar
Trotzdem steht die WWW: VDS im Koaltionsvertrag. Selbst nach dem Urteil des EuGH wollten einige Politiker an der VDS festhalten. Mittlerweile ist in dieser Sache aber erst mal Ruhe eingekehrt. Das Ganze wird auf EU-Ebene weiterlaufen, denn solange der EuGH die aktuelle Gesetzeslage für unwirksam hält, können die einzelnen Länder sowieso nichts machen. Aber dass Vernunft einkehrt und von der anlasslosen Speicherung so vieler Daten Abstand genommen wird, davon sind wir leider noch meilenwelt entfernt. Das zeigt auch die WWW: Diskussion auf Phoenix: In der Runde habe ich mit Konstantin von Notz, André Schulz und Thomas Jarzombek unter anderem über die Folgen der VDS diskutiert.

denke manchmal, so seltsam es klingt, wäre es besser man wüsste nicht soviel darüber bescheid. Ändern werden wir als Ottonormalos da sowieso n ichts, nur mit dem Wissen darüber ist das ungezwungene Kommunizieren in Gefahr.

Jörg am 28.04.14 18:31

@Jörg-denkst du immer so verquast?"Ändern werden wir als Ottonormalos da sowieso nichts, nur mit dem Wissen darüber ist das ungezwungene Kommunizieren in Gefahr."Es aendert sich nichts-weil ihr "Otto normalos"den Hintern nicht hochbekommt!1mio auf der Strasse und schon bewegt sich selbst Angie!Im uebrigen ist die ungezwungene Kommmunikation durch das Abschnorcheln derselben durch die geheimdienste in Gefahr.Merke:Nichtwissen ist Ohnmacht-Wissen KANN Macht verleihen!

Ach je am 29.04.14 0:42


Das Schlimmste wäre, wenn wir uns an die Überwachung gewöhnen würden. Da fällt mir der Satz ein: "Die glücklichen Sklaven sind die größten Feinde der Freiheit." Man kann den Satz ausdehnen auf die "gleichgültigen Sklaven".

Die VDS wird kommen, weil die Befürworter einfach dauerhaft bohren, die Gegner sich nicht wirklich für ihr Anliegen einsetzen. Sabine Leutheusser-Schnarrenberger, Gegnerin der VDS, ist weg. Das Thema Datenschutz verschwindet einfach. Würde der Wähler auf dieses Thema reagieren, sähe das ganz anders aus.

Bertram in Mainz am 29.04.14 1:01

Es wird wohl wieder auf einen Paukenschlag hinauslaufen.

Die Grundlage dazu wird ja von unserer Politik in vorauseilendem Gehorsam vor dem großen amerikanischen Bruder gerade gelegt.
Nicht merkend, daß sie dann selbst die nächsten auf der Liste sind.
Aber besonders helle waren deutsche Regierungen in den letzten 100 Jahren noch nie.
Da braucht es ab und zu mal einen Knall, der die Rentenansprüche begrenzt, die Verkehrsdichte auf den Straßen verringert und auch endlich die Preise für Baugrundstücke in Deutschland wieder senkt.

Eine irgendwie politisch motivierte Bewegung, die uns aus diesem menschenrechtlich und ethisch verwerflichen Loch von Überwachung, Extrem-Amerikanismus und Turbokapitalismus herausholt, sehe ich bis zum Horizont nicht. Von woher sollte die auch kommen?
Dann muß es eben unter Schmerzen gehen.

Wer aber hinterher behauptet, er hätte von allem nichts gewußt, kann dann auch gleich in die Geschlossene eingewiesen werden.
Ich jedenfalls habe dieses Land aufgegeben.

Gert am 29.04.14 1:51

Kommentieren



Die mit * gekennzeichneten Felder müssen ausgefüllt werden.


Angaben speichern (Cookie)?


Um Ihren Kommentar zu versenden, beantworten Sie bitte die folgende Frage:


Trackbacks zum Eintrag Komplettüberwachung dank Vorratsdatenspeicherung

Zum Anfang dieses Eintrags

Sonntag, 27.04.2014

Es droht das Zwei-Klassen-Internet

Die WWW: Federal Communications Commission (FCC) ist eine US-Behörde mit reichlich Macht. Denn die Kommission legt (unter anderem) die Spielregeln fürs Internet fest. Zwar gelten die Entscheidungen der FCC grundsätzlich nur für die USA, doch sie sind weltweit richtungsweisend. Deshalb kann es einen nicht kalt lassen, wenn die Behörde nun ernsthaft eine WWW: Aushöhlung der Netzneutralität ins Auge fasst. Dass die FCC überhaupt darüber nachdenkt, ist ein Erfolg der Lobbyarbeit der amerikanischen Internet-Anbieter.

DSL-Kabel mit Knoten; Rechte: dpa/Picture Alliance
Die Tempobremse für DSL-Anschlüsse ist noch nicht da


Wegfall der Netzneutralität hätte Folgen
In Europa war die Netzneutralität bis vor kurzem auch in Gefahr. Doch das EU-Parlament war zum Glück schlau genug, die möglichen Folgen einer Aushöhlung zu erkennen - und hat die Blog: Netzneutralität kurzerhand dauerhaft gestärkt. Das sah nach einem Etappensieg für die Konsumenten aus. Doch wenn nun die FCC hingeht und die Netzneutralität in den USA aufweicht, quasi im Mutterland des Internet, dann wird das die Diskussionen auch hierzulande wieder entfachen. So viel steht fest.

Was nach reiner Bürokratie klingt, hat möglicherweise enorme Auswirkungen für uns alle. Denn wie wichtig WWW: Netzneutralität ist, merken wir erst, wenn sie nicht mehr da ist. Bislang ist Netzneutralität im Netz ein eisernes Gesetz. Alle Datenpakete müssen gleichwertig behandelt werden, unabhängig von Absender, Inhalt oder Empfänger. Die E-Mail wird genauso schnell transportiert wie der Video-Livestream. Auch ob Google oder ein kleiner Blogger Daten ins Netz schickt, spielt keine Rolle. Alles wird genauso schnell transportiert. Nur so ist sichergestellt, dass Blogger genauso zuverlässig im Web präsent sind wie die Nachrichtenportale von Zeitungen, Zeitschriften oder Sendern. Doch genau dieses Prinzip wackelt gerade - und damit das gesamte Fundament des Internet.


Save the Internet: Die Netzneutralität in Gefahr


Das Zwei-Klassen-Internet
Die Telekommunikationsriesen wollen, dass künftig bestimmte Daten bevorzugt transportiert werden, etwa Live-Streams - gegen entsprechende Bezahlung. Die DSL-Anbieter kassieren dann doppelt. Sie bekommen zum einen Geld von ihren Kunden für den DSL-Anschluss, sie lassen sich aber zum anderen von den Unternehmen bezahlen, die Premium-Daten ins Netz pumpen. Ein Zwei-Klassen-Internet: Daten erster Klasse werden schneller und bevorzugt transportiert. Die Großen der Branche können sich diese Vorzugsbehandlung mühelos leisten, während es die kleinen Anbieter nicht bezahlen können (oder wollen). Damit werden zwangsweise alle anderen langsamer. Eine Wettbewerbsverzerrung.

Gleichzeitig wird das Internet teurer. Denn natürlich legen die Großen der Branche, die für den schnelleren Datentransport bezahlen, die Kosten um. Am Ende zahlt immer der Verbraucher. Video on Demand zum Beispiel wird garantiert teurer werden. Neben den Ausleihkosten zahlt man dann auch noch für den Datenturbo. Denn Videostreams sollten Premiumdaten sein, die schnell und zuverlässig transportiert werden. Sicher wird sich die Branche ähnlich einfallsreich getaufte Aufschläge einfallen lassen wie die Flugindustrie. Statt Kerosin-Zuschlag gibt es dann eine "Datenqualitätsgebühr". Beim Musik-Streaming könnte es genauso kommen.


Das Sterben der kleinen Start-Ups
Und selbst wenn nicht extra kassiert wird: Einzelne Dienste könnten und werden bevorzugt werden. Der Video- oder Musik-Stream aus dem eigenen Konzern oder von befreundeten Onlinediensten wird dann bevorzugt, ruckelfrei übertragen. Die Daten der keinen Start-Ups hingegen erfahren keine Sonderbehandlung, kommen möglicherweise weniger schnell beim Empfänger an - es ruckelt, es nervt. Man hält die kleineren Dienste für schlechter und verabschiedet sich wieder. Kritiker befürchten, eine Aushöhlung der Netzneutralität könnte ein Sterben der Start-Ups nach sich ziehen. Ein durchaus denkbares Szenario.

Ein Aufweichen der Netzneutralität hat also erhebliche Folgen: a) Das Internet wird teurer. b) Das Gleichheitsprinzip fällt weg. Und c) Die Auswahl wird kleiner, weil Startups es schwerer haben. Eigentlich nichts, was man sich als Internetbenutzer wünschen kann.

Wenn diese unsere feige, devote und medienverblödete Gesellschaft sich hemmungslos den menschenverachtenden Richtlinien des Turbo-Kapitalimus unterwirft, darf sie sich nicht wundern - und erst recht nicht beschweren, wenn nimmersatte Geldgeier das für ihre niederträchtigen Ziele ausnutzen.
Nicht Politiker haben das Sagen - sie sind nur erbärmliche, koruppte Marionetten. Das Sagen haben die Monopolisten und für diesen Abschaum ist Menschlichkeit ein Schimpfwort!

spacedrummer am 27.04.14 12:54

Leider gibt es das 2-Klassen Internet schon seit langem. Ich wohne seit ca. 18 Jahren 2ter Klasse. 768kB/s sind bei uns nur möglich. Was soll ich also dazu sagen? Stöhnen die anderen nur auf hohem Niveau?
Man sollte erstmal flächendeckend ausbauen. Deutschland hinkt da ziemlich hinterher. Der Rückstand ist beachtlich. Aber es passiert nichts.

Martin am 27.04.14 13:50

Lieber spacedrummer, Deine so "feige und verblödete Gesellschaft" ist entweder eine ganz andere als meine - die ist nämlich ziemlich clever und medienaffin. Dann such Dir bitte bessere Gesellschaft.

Oder Dein Zynismus und Deine verächtlich Grundeinstellung verstellen Dir den richtigen Blick. Europa hat die Netzneutralität soeben gestärkt. Auch nicht in Ordnung? Dann kann Dir keiner mehr helfen.

@Martin: Wenn ich es richtig verstehe, geht es hier nicht um den reinen Up- oder Downstream. Da konnte man sich ja seit Jahren verschiedene Tarife und Leitungen buchen. Es geht um den Datentransport im Netz.

Sven Kalbitzer am 27.04.14 15:19

@Martin: Ja, die geringe Geschwindigkeit ist ein Problem, das dringend beseitigt werden muss, vor allem auch auf dem Land, hat aber nichts mit Netzneutralität zu tun.

Mit der gesicherten Netzneutralität hier in Europa bietet sich vielleicht auch eine große Chance. Im Moment dominieren US-Firmen das Internet. Wenn sich da drüben Start-ups nicht mehr lohnen wegen 2-Klassen-Netz, dann bietet sich vielleicht in Europa eine Chance. Fragt sich nur, ob unsere Wirtschaftspolitiker jetzt den Schuss hören und die nötigen Rahmenbedingungen schaffen und sichern. Wer weiß, vielleicht stehen dann die USA in ein paar Jahren als Netz-Entwicklungsland da?

Netzbürger am 27.04.14 17:22

"Eisernes Gesetz", bla. Vielleicht für irgendwelche ahnungslosen Aktivisten-Freaks, aber nicht für die Internet-Industrie. Dienste-Priorisierung per Protokoll und Routing gibt es bei Providern und Backbone-Anbietern schon seit Ewigkeiten. Verteiltes Streaming ala Akamai ist mit teuer zugekauften Serverzentren und Extra-Hardware auch kein Tabu. Das alles ist der bequeme Endsurfer gewohnt, bezahlt es aber nicht, zumindest nicht wissentlich.

Dass die Industrie nun nach Jahrzehnten der Lau-Nutzung bei den begehrten und für die Allgemeinheit nutzlosen Freizeittätigkeiten Video-/Musik-Lurking die Hand aufhält, ist genauso konsequent wie logisch und macht ein weiteres mal darauf aufmerksam, dass das Internet keine kommunistisch-soziale Erfindung von Altruisten war.

vaikl am 28.04.14 0:00

Die Leute erkennen nicht den waren Sinn der Sache. Sicher ist es für die Firmen lukrativ, sich die Überholspur zu sichern und so zumindest Markteintrittsbarrieren zu schaffen. Dies ist beim Handwerk über den Meisterzwang nicht anders. Der Haken ist nur - wenn ich Daten priorisieren will, dann muß ich sie auch erkennen können. Hierzu benötige ich eine flächendeckende Infrastrukur, die dies kann. Damit haben wir, durch die Hintertür, eine Zensuremthode geschaffen, die völlig intransparent ist. Nachdem die Suchmaschinen kommentarlos, je nach Land, Daten filtern, können so Daten völlig verschwinden - natürlich bis auf den dokumentierten Zugriffsversuch darauf. Darum geht es, und deshalb ist der Staat auch so still. Heute mögen Filme schneller kommen, morgen kommen "Meinungen" dann nicht mehr. Und damit ist wieder alles schön gleichgeschaltet und hört auf die, denen die Medien gehören.

Jupps Hund am 28.04.14 11:42

Ja, mir scheint auch die Authentizität der Informationen, die über das Internet kommen, zunehmend höchst unsicher.
Nachdem ich schon selbst von konkreten Mogelversuchen bei Wikipediaartikeln (über ein Unternehmen) Wind bekommen habe und in Gästebüchern zunehmend Schreiber treffe, die so penetrant hanebüchene Meinungen über politische Vorgänge gebetsmühlenartig wiederholen, daß man da wirklich von Auftragsschreibern sprechen muß, glaube ich dem Internet erst mal fast gar nichts mehr.
Es ist auch nicht allein die Verfälschung von Tatsachen, sondern wie schon hier erwähnt, die Selektion, mit der man gezielt ein Bild hervorrufen möchte.
Gerade aktuell zu lesen in den verfälschenden Berichten über die Ukraine.
Alles, was da zu sehen ist, kann man nicht mehr im Mindesten ernst nehmen.

Aber während bei einer Zeitung ein Verlag, ein Verleger oder wenigstens Redakteur verantwortlich und bekannt ist, kommen solche Meldungen zunehmend aus einer nebulösen, unnachprüfbaren Wolke.

Gert am 28.04.14 12:37

@Gert: Sorry, aber auch Journalisten und Verleger müssen heute die Marktmacht Auflage bedienen und haben demnach ein eher zurückgestelltes Interesse an höchstmöglicher Objektivität, wenn ich da nur mal an das Geschmiere über Ex-Bundespräsi Wulff erinnern darf, gelle?
@Jupps Hund: Eine Inhaltserkennung war im Internet schon immer anhand der verwendeten, definierten Protokolle möglich und das sollte von Anbeginn an auch so sein. Da braucht es also keine "Überholspur". Und wenn der gemeine Netzuser sich nur an dem orientiert, was die Masse der Lemminge nutzt, dann genügt es halt schon, nur FB Und/oder Twitter lahmzulegen.

vaikl am 28.04.14 14:52

Kommentieren



Die mit * gekennzeichneten Felder müssen ausgefüllt werden.


Angaben speichern (Cookie)?


Um Ihren Kommentar zu versenden, beantworten Sie bitte die folgende Frage:


Trackbacks zum Eintrag Es droht das Zwei-Klassen-Internet

Zum Anfang dieses Eintrags

August 2014

Mo Di Mi Do Fr Sa So
1 2 3
4 5 6 7 8 9 10
11 12 13 14 15 16 17
18 19 20 21 22 23 24
25 26 27 28 29 30 31

Über das Blog

Digitalistan: Heimatkundliches aus dem Land der Einsen und Nullen

Suche im Blog

Aktuelle Einträge

Autoren

Blogregeln und Glossar

Newsreader-Feeds (XML/RSS)


Permanente URL dieser Seite: http://wdrblog.de/digitalistan/