Dienstag, 28.04.2015

Google reicht Verlegern einen Strohhalm

Über die zunächst für drei Jahre finanzierte digitale Nachrichteninitiative kann Google mit lächerlichen 50 Millionen Euro pro Jahr das milliardenschwere Geschäftsmodell von Google News absichern. Neben der „Frankfurter Allgemeinen und der „Zeit" beteiligen sich weitere sechs europäische Zeitungen und mehrere Branchenverbände an der Initiative.


Zeitungen; Rechte: WDR/Peter Welchering
Zeitungen bei News-Initiative

Google ist dabei in erster Linie daran interessiert, sich als freundlicher Geldgeber für Verleger und Journalisten in Szene zu setzen. Der Konzern setzt darauf, dass bei so viel Mildtätigkeit, auch die Berichterstattung über das von der EU-Kommission betriebene Verfahren wegen Wettbewerbsbehinderung etwas milder ablaufen wird.


Recht auf Pressefreiheit; Rechte: WDR/Peter Welchering
Pressefreiheit: Vom Gesetz gesichert und vorgeschrieben

Die Zeitungsverleger nehmen die Brosamen vom Tisch der Mächtigen aus dem Silicon Valley gern, weil sie mit ihrem völlig untauglichen Leistungsschutzrecht gescheitert sind und damit keine nennenswerten Einnahmen generieren konnten. Außerdem hoffen sie, einen starken Verbündeten an ihrer Seite zu haben, der ihnen den Weg in die digitale Zukunft ihrer Zeitungen zeigt.

Verlegerischer Offenbarungseid

Denn den finden sie aus eigener Kraft nicht, weil sie mit dem Rücken zur Zukunft stehen. Im Bundesverband Deutscher Zeitungsverleger konnte man sich ja nicht einmal auf ein gemeinsames Bezahlmodell für Zeitungen im Internet einigen. Lieber kannibalisierten sie ihre Print-Produkte durch Kostenlos-Angebote im Netz.

Nachrichten Online-Angebote; Rechte: WDR/Peter Welchering
Kannibalisierung der Print-Produkte im Netz

Statt eine zukunftsfähige Digitalstrategie zu entwickeln, springen sie auf jeden angeblichen Online-Trend auf und haben damit Milliarden versenkt. Ihre Renditen sind während der vergangenen Jahre weggeschmolzen, was nicht wenige Verlagshäuser veranlasst hat, lieber auf das Modell des kostensenkenden Barfuss-Journalisten zu setzen.

Job-Angst lässt Journalisten mitmachen

Beide strategischen Ansätze sind erfolglos geblieben. Deshalb machen sich die Verleger auf, neue Geldquellen zu erschließen. Und die hauptamtlichen Funktionäre in den Journalistenverbänden machen kräftig mit. Denn wenn bestimmte Geschäftsmodelle im Journalismus nicht mehr funktionieren, haben nicht nur die Verleger Schaden zu beklagen, sondern die Verbandsfunktionäre den Verlust ihrer Arbeitsplätze.

Deshalb greifen sie nach dem Strohhalm, den Google ihnen reicht. Dass sie damit mit einem Monopolisten gemeinsame Sache machen, dessen Geschäftsinteressen sich gerade nicht mit Meinungs- und Medienfreiheit decken, sondern eher Big-Data-gestützte Meinungstrends implementieren wollen, darf im totalen Kampf des Strukturwandels doch nun wirklich niemanden interessieren - oder?

"Lächerliche 50 Millionen Euro"? Das steht im Blog eines Senders, dessen Intendant wegen einer "lächerlichen" 100 Millionen Euro Lücke bis 2020, nur noch auf Wiederholungen setzt und die beliebteste Sendung, die Lokalzeit, zusammenstreicht? Sind schon witzige Menschen, die beim WDR arbeiten...

Peter Lustig am 28.04.15 21:30

Und der Artikel kommt vom WDR. Wo der Leser kaum noch Artikel kommentieren darf und wenn sind es nur Themen die sich kaum lohnen zu kommentieren, der sich aber gleichzeitig über die Rundfunkgebühren finanzieren lässt. Es soll ja Kollegen geben die es nicht so gut haben und auch schauen müssen das ihre Artikel verkauft werden und auf die Leser somit angewiesen sind.

Markus am 29.04.15 6:36

Lieber Markus, ich finde dieses Thema schon wichtig. Viele Journalisten arbeiten prekär. Sie müssen sich selber versichern, sie müssen sich alleine um ihre Altersvorsorge kümmern. Kurzum, den Verlegern geht es nicht gut. Dennoch ist Deutschland das Land der Ideen. Man muss unglaubliche Ideen entwickeln, um weiteren Unheil abwenden zu können. "Wir brauchen Ideen, Innovationen und Gründergeist." Ideen und Innovationen mögen vorhanden sein. Der Gründergeist? Derzeit nicht verfügbar!

LiFe am 29.04.15 8:31

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Dienstag, 28.04.2015

Jetzt auch Video-Chats mit Facebook

So langsam wird klar, wieso Facebook seinen Messenger aus der Facebook-App gelöst und zu einer eigenständigen App gemacht hat. Der Messenger bekommt immer mehr zu tun. Ab sofort ist es möglich, seine Kontakte mit dem Facebook Messenger auch per Video anzurufen. Dabei spielt es keine Rolle, ob man iOS oder Android benutzt - der Video-Chat funktioniert plattformübergreifend und ist kostenlos.

Allerdings startet Facebook mit der neuen Funktion zunächst nur in 18 Ländern. Deutschland ist nicht dabei, dafür Länder wie USA, Frankreich, Belgien oder Polen. Wieso Deutschland beim Launch übergangen wurde, erfährt man auf der WWW: Seite mit der offiziellen Ankündigung leider nicht.

Facebook Messenger: Jetzt auch mit Video-Call; Rechte: Facebook
Facebook Messenger: Jetzt auch mit Video-Call


Facebook macht derzeit allen Konkurrenz
Facebook hat seinen Messenger damit um eine weitere starke Funktion ergänzt. Der Messenger wird zur eigenen Kommunikationszentrale ausgebaut. Und mehr als das: Erst vor kurzem hat Facebook eine Blog: Bezahlfunktion im Messenger eingeführt. Die spielt derzeit noch keine sonderlich große Rolle, doch die Videofunktion wird garantiert genutzt. Mehr als 600 Millionen Menschen weltweit verwenden den Facebook Messenger. Damit ist die App ab sofort eine erhebliche Konkurrenz für Skype von Microsoft und Facetime von Apple.

Berücksichtigt man dann noch, dass auch Whatsapp und Instagram zu Facebook gehören, wird deutlich, wohin die Reise geht: Mark Zuckerbergs Unternehmen kontrolliert immer größere Teile der weltweiten Kommunikation. Das ist nicht nur für Apple, Google und Microsoft bedenklich, sondern auch für uns. Schon jetzt versucht Facebook, seine Macht zu missbrauchen: Das Onlineprojekt internet.org zum Beispiel, das Menschen in ärmeren und entlegeneren Gegenden kostenlos oder kostengünstig im Internet versorgen soll, präsentiert nur von Blog: Facebook ausgewählte Onlinedienste und Webseiten.


Facebook erklärt Video Calls im Messenger in einem PR-Video


Videos im Focus
Vermutlich will Facebook mit der neuen Video-Chat-Funktion auch die Akzeptanz von Videos weiter ausbauen. Denn Videos sind derzeit das große Thema bei Facebook. Bei Facebook hochgeladene Videos werden per Auto-Play in der Timeline direkt angespielt (ohne Ton). Das erhöht die Aufmerksamkeit und die Wahrscheinlichkeit, dass die User neugierig auf das Video klicken. Ein weiterer Vorteil für Facebook: Zu YouTube geht man nur, wenn man sich Videos anschauen will. Im Facebook-Universum gibt es jede Menge Inhalte - und eben auch verstärkt Videos.

Die Zeiten, in denen man die Abenddämmerung für Facebook vorhergesehen hat, sind wohl vorbei. Facebook hat sich konsequent auf den Mobilmarkt gestürzt und mit der Multi-App-Strategie durchaus Erfolg. So wie man bei Google heute nicht mehr nur von einer Suchmaschine sprechen sollte, ist auch Facebook nicht mehr nur ein Soziales Netzwerk. Facebook ist längst größer - und mächtiger. Auf Selbstbeschränkungen darf niemand hoffen. Die amerikanischen Unternehmen machen, was möglich ist - und was wir ihnen erlauben.

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Dienstag, 28.04.2015

Nach der Challenge ist vor der Challenge

Tag 1: Mobilität im Handgelenk. Tag 2: Fingerkraft. Tag 3: Dehnung. Tag 4: Ellbogenkontrolle. Die Handstand-Challenge im Internet hat mich gepackt! Stück für Stück lerne ich per YouTube-Video eine neue Übung kennen, um bald einen freien Handstand zu schaffen. Ob vor der Arbeit, nachmittags im Park oder vor dem Schlafengehen. Ein paar Minuten ist dafür immer Zeit.

Handstand-Challenge: Rechte: WDR; Horn; Gymnastic Bodies

Und weil jeder Fotos und Videos von seinem eigenen Training auf die Facebook-Seite postet, platze ich fast vor Motivation, genauso gut oder noch ein Stückchen besser als die anderen Teilnehmer zu werden. Über 87.000 Likes hat die Seite bei Facebook. Einer ist von mir.

Burpee-Challenge; Rechte: WDR; Horn; Tim de Trainer

Auch in jeglicher Wettbewerbs-Form vertreten sind die Burpee-Challenges im Netz. Hockstrecksprünge für alle, aber bitte noch mehr, noch schneller, noch ausgefallener. Jeder will die anderen übertrumpfen. Der Spieltrieb der Generation wird durch Challenges befriedigt. Und das Bedürfnis zu zeigen, was man kann. Wieso sollte das schlecht sein, solange es dafür sorgt, dass wir uns mehr bewegen und gegenseitig anfeuern? Das finden auch Andrea und Marina aus Köln. Sie haben ihre eigene Challenge via WhatsApp-Gruppe ins Leben gerufen, um gemeinsam mit mehreren Freunden zu "planken".

Plank-Challenge; Rechte: WDR/Horn

Planks sind Unterarmstütz-Übungen. Ganz ohne aktive Bewegung. Schwitzen kann man dabei trotzdem. Man legt die Unterarme auf dem Boden ab, im Zweifel auch mitten in der Fußgängerzone. Marina erklärt, dass man Rücken, Bauch und Po anspannen soll und diese Position dann solange hält wie man kann. Anfangs sind das vielleicht nur 20 Sekunden. Am Ende können es durchaus drei, vier Minuten sein. Andrea empfiehlt deshalb, sich eine Zeitschrift bereitzulegen. So nutzt man die Zeit perfekt aus. Und natürlich darf man das Atmen und das Lächeln nicht vergessen. Am Ende schickt man die Beweisfotos noch in der Gruppe rum, damit alle wissen, dass sie jetzt dran sind. Nach der Challenge ist vor der Challenge.

7-Rheinbrücken-Challenge; Rechte: WDR/Horn; Thomas Wimmer

Trailrunner Thomas aus Köln hat deshalb immer neue Ideen, damit es spannend bleibt und möglichst viele Leute mitmachen. Er hat die "7-Rheinbrücken-Challenge" ins Leben gerufen. Das Ziel: alle sieben Kölner Rheinbrücken zu laufen - im Slalom, so oft wie möglich pro Quartal. Oder so schnell wie möglich. Es gibt aber auch Sonderwertungen wie die weiteste Anreise (aktuell Bayern), die schönste Fotodoku, die größte Gruppe (aktuell sechs Läufer aus Siegen). Und Spaß-Wettbewerbe wie "pro Brücke ein anderen Keks essen" oder "pro Brücke ein anderer Laufschuh". Natürlich alles mit Beweisbild. direkt live von der Brücke oder danach von Zuhause aus. 27 Kilometer lang ist die große Strecke mit 12 Seitenwechseln am Rhein. Man kann aber natürlich auch nur Teilstücke laufen. Alleine, mit Freunden, gegen andere Challenger. Das ist auf jeden Fall mein nächstes Ziel. Vielleicht mit dem ein oder anderen Handstand oder Burpee zwischendurch. Es gibt glaube ich keine Challenge, die es nicht gibt. Und ich find´s gut.


Unsere Blogger Anita Horn und Dennis Horn sind weder verwandt noch verheiratet, aber umso besser vernetzt. Sie entdecken jede Woche digitale Perlen: spannende Webseiten, lustige Links und Angebote, die den Alltag bereichern - hier im Blog und jeden Dienstag in der WWW: WDR5 LebensArt im Radio.

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