Mittwoch, 02.04.2014

Wie ein Hügel zum Sinnbild für XP wurde

Am 8. April 2014 ist es so weit: Microsoft stellt den WWW: Support für sein populäres Betriebssystem Windows XP ein. Endgültig. Und woran erinnern sich die meisten Menschen, wenn sie an Windows XP denken? Richtig: Sie denken an das Foto, das als Startbild bei Windows XP zu sehen ist. Jenes Foto, das in der US-Version von Windows XP als "Bliss" (Wonne, Glück) in der Auswahl für Hintergrundbilder aufgelistet ist und in der deutschen Version mit "Grüne Idylle" wirklich zutreffend umschrieben ist.

Windows XP Desktop-Bild Bliss; Rechte: Microsoft
In Zukunft seltener zu sehen: Das Desktop-Bild "Bliss"


Keine Grafik, sondern ein Foto
Ich muss gestehen: Ich habe immer gedacht, es handelt sich dabei weniger um ein Foto als um eine Grafik, die am Computer entstanden ist. So viel sattes Grün auf der Wiese, so viel dunkles Blau am Himmel, dann diese kuscheligen weißen, vollen Wolken: Das ist irgendwie wie aus dem Bilderbuch, wie gemalt, ein bisschen Natur-Kitsch pur. Doch wie ich jetzt im WWW: Sydney Morning Herald erfahren durfte, handelt es sich bei dem berühmten XP-Hintergrund um keine Grafik, sondern um ein Foto. Sogar um ein Foto, das in keinster Weise tricktechnisch am Computer nachbearbeitet wurde, wie der Fotograf des Bildes stolz betont.

Generationen von XP-Benutzern haben das Foto nach dem Einschalten ihres Rechners als Desktop-Bild gesehen, denn die meisten verändern den Standardhintergrund nicht. Bliss dürfte eine Art Mona Lisa der PC-Industrie sein: Kein anderes Bild wurde häufiger angeschaut. Selbst heute kann man die grüne Idylle noch bestaunen: Auf der Webseite, die Microsoft betreibt, um uns über das nahende Supportende zu informieren, sehen wir "Grüne Idylle" oder "Bliss". Während die deutsche Version im Namen erklärt, was wir sehen, haben die Amerikaner sich für einen Namen entschieden, der beschreibt, was wir beim Betrachten fühlen (könnten). Ein interessanter kultureller Unterschied.


Charles O'Rear erklärt die Geschichte zum Windows-XP-Foto


Fotograf hat schlechte Konditionen ausgehandelt
Im entscheidenden Moment auf den Auslöser gedrückt hat der Berufsfotograf Charles O'Rear. Er hat die Aufnahme nach eigener Erinnerung 1996 gemacht. Zu sehen ist eine Landschaft im kalifornischen Weinanbaugebiet von Sonoma County in der Nähe von Napa, nördlich von San Francisco. Wir sehen einen ursprünglich für den Weinanbau genutzten Hügel, der damals wegen einer Pflanzenseuche mit üppigem Gras bedeckt war. Der heute 73-jährige O'Rear hat das Foto damals eher aus privaten Gründen gemacht, um einer Freundin zu zeigen, wie die Landschaft aussieht.

Später hat er das Foto bei der Fotoagentur WWW: Corbis eingestellt. Hier können Fotografen ihre Fotos verkaufen, etwa Zeitungen oder Zeitschriften zur Verwendung anbieten. Was man wissen muss: Corbis gehört dem Microsoft-Gründer Bill Gates. Er hat die Bildagentur gegründet. Als Windows XP in der Planung war, suchte man bei Microsoft nach einem passenden Foto - und hat die Aufnahme von O'Rear entdeckt. Ohne ihm zu sagen, was man mit dem Bild konkret vor hat, wurden ihm die Recht abgekauft.

Heute ärgert sich der Fotograf, damals keinen besseren Tarif ausgehandelt zu haben. "Hätte ich für jedes Mal, wenn dieses Foto angesehen wird, nur den Bruchteil eines Cents erhalten, wäre ich ein gemachter Mann", erklärt er. Wieviel er genau für das Foto bekommen hat, verrät er hingegen nicht.

Wer die Stelle mal besuchen möchte: Bitte sehr - dank WWW: Google Maps heute kein Problem. Aber sie sieht dort deutlich weniger idyllisch aus als in Windows XP.

Und ich dachte immer, das sei der Hügel im Teletubbie Land :0))

Elsa am 2.04.14 13:41

Damals hat man diesen Desktophintergrung mit der grünen Idylle nicht verändert damit jeder in der Bekanntschaft sehen konnte man hatte nach 98 SE ein Windows XP auf dem PC. Das machte am Anfang schon etwas her. Die letzten Jahre wurde die grüne Idylle dann doch ersetzt man konnte sie nicht mehr sehen. Jetzt wo sie bald nicht mehr da ist wird sie manchem fehlen.

MG am 2.04.14 20:46

Kommentieren



Die mit * gekennzeichneten Felder müssen ausgefüllt werden.


Angaben speichern (Cookie)?


Um Ihren Kommentar zu versenden, beantworten Sie bitte die folgende Frage:


Trackbacks zum Eintrag Wie ein Hügel zum Sinnbild für XP wurde

Zum Anfang dieses Eintrags

Montag, 31.03.2014

25 Jahre WWW | 2014: Kommunikation hat sich verändert

Eines hat Tim Berners-Lee mit der Blog: Erfindung des World Wide Web ganz sicher erreicht: Die Art und Weise, wie wir miteinander kommunizieren, hat sich dramatisch verändert. Keine Frage: Es gab auch vor dem WWW schon E-Mail und Chats. Doch ohne das WWW hätte das Internet nicht diesen enormen Ansturm erlebt - und es hätten sich auch nicht die vielen interessanten Arten der Kommunikation entwickelt, die fast alle im Web angefangen haben und später in den Mobilgeräten gelandet sind.

whats_520x288.jpg
Whatsapp: Über zehn Milliarden Nachrichten pro Tag


Whatsapp ist Redkordhalter
Als der am schnellsten wachsende Internetdienst der Geschichte gilt Whatsapp. Der erste 2009 gegründete Nachrichtendienst, der ausschließlich auf Smartphones funktioniert, weil die Handynummer Bestandtteil des Whatsapp-Kontos ist, konnte bereits Anfang 2014 über 450 Millionen Mitglieder vorweisen. Anders als andere rasant wachsende Onlinedienste konnte Whatsapp mit diesen Mitgliedern sogar Geld verdienen: Die Mehrheit Blog: bezahlt etwa einen Dollar im Jahr dafür, dass übers Internet kostenlos ihre Nachrichten verschickt werden.

Ein einträgliches Geschäft. Aber wichtiger noch: Vor allem junge Menschen nutzen bevorzugt den Messenger-Dienst und kehren sozialen Netzwerken wie Facebook den Rücken. Denn bei Whatsapp läuft alles diskreter ab. Da können die Eltern nicht sehen, was man mit Freunden austauscht. Mehr Privatsphäre also, das erklärt den Ansturm auf Whatsapp. Das hat auch Facebook erkannt und für den Messenger-Dienst Anfang 2014 für die unglaubliche Summe von 19 Milliarden Dollar gekauft. Die größte Transaktion in der Geschichte der IT-Branche.

Threema; Rechte: Threema
Der bekannteste unter den sicheren Messengern: Threema aus der Schweiz.


Alernativen zu Whatsapp werden populärer
Einige User haben Whatsapp danach den Rücken gekehrt, denn längst nicht alle wollen ihre Daten dem Facebook-Konzern anvertrauen. Abgesehen davon hat auch der 2013 begonnene Blog: NSA-Skandal das Vertrauen gegenüber amerikanischen Onlinediensten verringert. Deshalb verwenden mittlerweile viele Blog: Alternativen zu Whatsapp. Apps, die ähnlich funktionieren, aber mit den Daten der Benutzer vertrauensvoller umgehen und darüber hinaus auch mehr Wert auf Verschlüsselung legen.

Doch auch, wenn die Alternativen immer beliebter werden und es mit Blog: Snapchat durchaus interessante Variationen gibt: Dem Erfolg von Whatsapp insgesamt tut das keinen Abbruch. Whatsapp ist und bleibt die beliebteste Art und Weise der modernen, mobilen Kommunikation. Nachdem Facebook im März 2014 nun auch noch einen WDR: Anbieter von Datenbrillen gekauft hat, dürfte klar sein, wohin die Reise in nächsten Monaten und Jahren geht: Große Anbieter wie Google, Facebook und auch Microsoft setzen verstärkt auf Blog: Virtual und Augmented Reality. Das Web wird noch präsenter, noch stärker in den Alltag integriert.


Die Zukunft von Augmented Reality und WWW

25 Jahre WWW: Das ist Grund zum Feiern. Wir bringen hier in Digitalistan jeden Tag einen kurzen Eintrag mit Geschichten, Anekdoten und Hintergründen zur Entwicklung des World Wide Web. Jeden Tag ein anderes Jahr. Blog: Hier gibt's die Übersicht: 25 Jahre WWW.

"Die Mehrheit bezahlt etwa einen Dollar im Jahr dafür, dass übers Internet kostenlos ihre Nachrichten verschickt werden."
Wenn ich einen Dollar für etwas bezahle, ist es nicht kostenlos.
Das nur am Rande....

Kai Simon am 2.04.14 19:56

Kommentieren



Die mit * gekennzeichneten Felder müssen ausgefüllt werden.


Angaben speichern (Cookie)?


Um Ihren Kommentar zu versenden, beantworten Sie bitte die folgende Frage:


Trackbacks zum Eintrag 25 Jahre WWW | 2014: Kommunikation hat sich verändert

Zum Anfang dieses Eintrags

Montag, 31.03.2014

Virtuelle Wohn(t)räume

Blumen aus Wollfäden, einfach an die Wand geklebt. Braun-weiße Äste im Kronleuchter und Holzstühle, umfunktioniert zu Zeitungshaltern und Bücherregale aus Büchern. Diese Ideen habe ich mir direkt mal geborgt und in meinen eigenen vier Wänden umgesetzt.

In Sachen Inneneinrichtung ist bei mir eine Menge Luft nach oben. Ich wohne eher nach dem Tetris-Prinzip: wo Platz ist, quetsche ich noch etwas Praktisches hin. Einmal im Jahr wälze ich dann schwere Kataloge, wandere Stunden lang durch Möbelhäuser und lasse am Ende doch alles wie es ist. Bis ich das entdeckt habe:

Minza will Sommer; Rechte: WDR/Horn

Auf "solebich.de" kann ich zeigen, wie ich lebe und wie ich bin. Communities rund um die Themen wohnen, renovieren und gärtnern boomen. Hobby-Inneneinrichter und auch professionelle Wohn-Zimmerer teilen ihre Ideen kostenlos mit anderen Mitgliedern, stellen Fotos ihrer Lieblingsecken online und machen ihre vier Wände zum virtuellen Showroom. Und wer wie ich eine „Problemzone" zwischen Kleiderhaken und Küchenplatte hat, stellt auch gerne Fotos davon online.

Ich habe mich getraut, meine völlig stillose Fernseh-Ecke zu posten. Darin enthalten ein aufblasbarer Affe - ein altes Geburtstagsgeschenk - der jedem Gast freundlich zuwinkt, eine eigentlich schöne Lampe, die etwas verloren vor sich her leuchtet und ein CD-Player, platziert auf einem Sitzsack, damit der Nachbar unter mir nicht jede Note mithören muss. Da geht noch was, hofft die Ästhetin in mir.

Fernse-Ecke; Rechte: WDR/Horn

Es dauert nicht lange, bis Userin Minza Will Sommer sich meldet. Sie schreibt:

"Huhu, ich mache mal den Anfang und muss erstmal fragen: Hast Du ein Bild mit mehr vom Drumrum? Smile Was ist das Schwarze links im Bild? Ein Schrank? Was jetzt schon klar ist: Die Eselmarionette braucht einen Ehrenplatz → ♥ !"

Ein erster Versuch der Schadensbegrenzung. Neugierig klicke ich mich durch ihr Profil und ihre Fotos und schöpfe Hoffnung. Eine Kölnerin will mir helfen. Ich gehe auf´s Ganze und frage Minza, ob ich mir ihre Wohnung mal ansehen darf, ihre Fotos gefallen mir sehr. Und Maren, wie Minza im wahren Leben heißt, sagt sofort zu. Mit frisch geschnibbelten Gemüsesticks und Minzdipp empfängt sie mich in ihrer Wohnung und ich erkenne auch direkt einige Ecken wieder. Wir plaudern, ich gucke mich um und habe einen richtig tollen Nachmittag. Mit vielen neuen Ideen gehe ich wieder nach Hause.

Entstanden ist die Community im Jahr 2007. Innenarchitektin Nicole Maalouf ist zusammen mit ihrem Freund Daniel Eichhorn nach Paris gegangen, um dort zu arbeiten. Freunde fragten, wie sie denn dort so leben. Sie eröffneten eine Plattform, um Bilder auszutauschen und anderen Menschen in die Wohnung luken zu können. Nach und nach kamen immer mehr Interessierte hinzu, mittlerweile besuchen jeden Monat etwa 400.000 NutzerInnen die Seite. Es gibt natürliche noch andere Seiten wie Domistil und Coolhomes. Aber für meinen Geschmack ist solebich.de die schönste Ideen-Börse für Wohnideen im Netz. Zusammen mit Minza fotografiere ich zum Abschied noch schnell ihren Garten. Der braucht, so Maren, noch etwas frischen Wind und sie hofft auf Tipps aus der virtuellen Wohn-Gemeinschaft.

Garten; Rechte: WDR/Horn

Es gibt nämlich nicht nur die Rubrik "Wohnen", sondern auch "WWW: Garten", "Kochen" und "Unterwegs". Hier schließe ich mich direkt mal an und poste zu Hause ein Urlaubsfoto aus Venezuela. Um wenigstens ein bisschen Lob zu bekommen. Hat funktioniert.

Unsere Blogger Anita Horn und Dennis Horn sind weder verwandt noch verheiratet, aber umso besser vernetzt. Sie entdecken jede Woche digitale Perlen: spannende Webseiten, lustige Links und Angebote, die den Alltag bereichern - hier im Blog und jeden Donnerstag in der WWW: WDR5 LebensArt im Radio.

Kommentieren



Die mit * gekennzeichneten Felder müssen ausgefüllt werden.


Angaben speichern (Cookie)?


Um Ihren Kommentar zu versenden, beantworten Sie bitte die folgende Frage:


Trackbacks zum Eintrag Virtuelle Wohn(t)räume

Zum Anfang dieses Eintrags

Juli 2014

Mo Di Mi Do Fr Sa So
1 2 3 4 5 6
7 8 9 10 11 12 13
14 15 16 17 18 19 20
21 22 23 24 25 26 27
28 29 30 31

Über das Blog

Digitalistan: Heimatkundliches aus dem Land der Einsen und Nullen

Suche im Blog

Aktuelle Einträge

Autoren

Blogregeln und Glossar

Newsreader-Feeds (XML/RSS)


Permanente URL dieser Seite: http://wdrblog.de/digitalistan/