Dienstag, 02.12.2014

Mit dem selbstfahrenden Auto über die Autobahn

Es ist ein alter Traum: Ihr steigt in euer Auto, gebt ins Navi ein, wohin ihr möchtet - und das war's. Fahren müsst ihr selbst nicht mehr. Auf deutschen Straßen sind die ersten selbstfahrenden Autos schon unterwegs. Und ich durfte in einem davon Platz nehmen.

Fahrt im selbstfahrenden Auto; Rechte: WDR
Für die Servicezeit-Reportage "Smarte neue Welt" (Freitag, 5. Dezember 2014, 18.20 Uhr, WDR Fernsehen) habe ich mich vom selbstfahrenden Auto über die Autobahn bei München fahren lassen.

Automobilhersteller wie Mercedes-Benz arbeiten am selbstfahrenden Auto. Blog: Ford testet in Aachen das vernetzte Auto. Googles Sensoren kommen mit Baustellen, Fußgängern, Radfahrern und Bahnübergängen zurecht. Und BMW nutzt die Autobahnen rund um München als Teststrecke. Nicht mit neu gebauten und futuristisch anmutenden Science-Fiction-Autos wie bei Google, sondern mit ganz normalen, aber hochgerüsteten Autos.

Viele der Komponenten darin kennen wir heute auch schon: Warnsysteme mit Sensoren zum Beispiel. Oder den Tempomaten, den ich auf der Autobahn auf Tempo 100 stellen kann und dann nicht mehr selbst Gas geben muss. Beim selbstfahrenden Auto kommt eine Armada weiterer Sensoren dazu, außerdem eine extrem genaue Karte - viel genauer, als wir sie aus dem Navi kennen. Die Ingenieure in München haben dafür eine Strecke von ihrem Testgelände bis zum Flughafen neu kartieren lassen.

Sobald ich mich auf einem dieser bis ins Detail erfassten Autobahnabschnitte befinde, kann ich einen Knopf am Lenkrad betätigen - und schon übernimmt das Auto die Fahrt.


Autonomes Fahren findet in Deutschland eher auf der Autobahn statt. Google dagegen arbeitet an einer Automatisierung für den Stadtverkehr.

Es ist nicht so, als könnte ich währenddessen einfach die Hände vom Lenkrad nehmen. Das selbstfahrende Auto ist noch immer ein Prototyp. Vor der Fahrt auf der Autobahn hat mir einer der Ingenieure auf der Rollbahn eines ehemaligen Flughafens gezeigt, wie ich reagieren muss, wenn das Auto einmal zickt. Sobald es in die falsche Richtung lenkt oder plötzlich schneller oder langsamer wird, kann ich die Hände schnell zum Lenkrad nehmen und das einmal kurz rumreißen - schon geht der Computer wieder aus.

Tatsächlich hatte ich Angst vor einem solchen Moment. Was passiert, wenn das Auto falsch reagiert - und es selbst der Notfallknopf in der Mittelkonsole nicht mehr tut?

Dieser Moment trat allerdings nicht ein, und zu meiner Überraschung ist meine Angst sehr schnell verschwunden. Das selbstfahrende Auto hat sich für mich in Betrieb nicht mehr groß nach einem Prototypen angefühlt. Ein einziger Kontrollmonitor war darin noch angebracht. Ansonsten wirkte es, wie ein Auto eben wirkt - selbst die Automation ließ sich völlig selbstverständlich steuern. Wir haben die Strecke vom Testgelände zum Flughafen und zurück zweimal absolviert - schon auf der zweiten Fahrt hatte ich vergessen, worin ich da eigentlich sitze. Bis der Ingenieur auf dem Beifahrersitz plötzlich sagte: "Sie denken schon noch daran, auch auf die Straße zu achten!?"

Fahrt im selbstfahrenden Auto; Rechte: WDR
Hände weg vom Steuer! - Vom Spurwechsel übers Autobahnkreuz bis zum Abbremsen, wenn es mal enger wurde, hat mich das selbstfahrende Auto sicher zum Münchener Flughafen und zurückgebracht.

Gleichzeitig hat man dem Auto deutlich angemerkt, wo es noch hakt. Das war vor allem in Momenten der Fall, die hoch menschlich sind. Dazu gehört zum Beispiel die Auffahrt auf die Autobahn. Dabei entscheiden wir manchmal aus dem Bauch heraus, ob wir uns einfädeln oder nicht - abhängig von Fragen wie: Welches Auto ist da jetzt hinter uns? Fährt da ein Sportwagen oder ein Laster? Und wie ist der Gesichtsausdruck des Fahrers? Wird der jetzt wohl noch Gas geben - oder nicht? Um solche Fragen beantworten zu können, müsste die Künstliche Intelligenz wesentlich weiter sein als heute.

Die Ingenieure in München sagen: Das selbstfahrende Auto wird kein großer Wurf, sondern kommt Schritt für Schritt, erst einmal teilautomatisiert, in den kommenden 10 bis 15 Jahren zum Beispiel mit immer besseren und intelligenteren Assistenzsystemen.

Das komplett automatisierte Auto dagegen sei eher eine Sache von 20 bis 30 Jahren. Schließlich sind die schwierigsten Fragen noch offen. Wer trägt zum Beispiel die Verantwortung bei Unfällen? Der Fahrer, obwohl er nicht gelenkt hat? Der Hersteller, obwohl ihm kein Fehler nachgewiesen werden kann? Und wie verhält sich das Auto, wenn ein Unfall unausweichlich ist? Von links läuft ein Kind auf die Straße, von rechts eine Oma - wie reagiert man nun, wenn die Zeit nicht mehr reicht, um zu bremsen?

Das selbstfahrende Auto fühlt sich schon so weit an, dass wir uns über solche Fragen langsam Gedanken machen sollten.


Unsere Blogger Anita Horn und Dennis Horn sind weder verwandt noch verheiratet, aber umso besser vernetzt. Sie entdecken jede Woche digitale Perlen: spannende Webseiten, lustige Links und Angebote, die den Alltag bereichern - hier im Blog, jeden Dienstag in der WWW: WDR 5 LebensArt im Radio und einmal im Monat in der WDR: Servicezeit im WDR Fernsehen.

Was macht eigentlich so ein Auto in einer Baustelle wo die Spuren verlegt wurden?

Sven am 3.12.14 15:51

@Sven: Es gibt unterschiedliche Ansätze der verschiedenen Hersteller. Einer wäre: Das Auto erkennt eine Baustelle wie alle anderen Hindernisse auch dank Kameras und Sensoren - und steuert dann einfach um die Baustelle herum. Es gibt aber auch die Idee, alle Baustellen mit Kommunikationstechnik auszurüsten und die Autos dann zu warnen, sobald sie auf die Baustelle zusteuern.

Dennis Horn am 3.12.14 21:56

Ob sich der Autofahrer so seine "Freiheit"nehmen lassen will-z.B im Stau stehen?!

Martin Däniken am 9.12.14 15:27

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Montag, 01.12.2014

Digitale Entgiftung

Letztens in meinem E-Mail-Postfach: "Betreff: Abschalten und Aufladen - Digital Detox-Events jetzt auch in Deutschland." Digital-Was-Events? Ich bin vergiftet? 😳😳😳 Das muss ich genauer wissen.

Laut WWW: Oxford Dictionary ist Digital Detox der zeitlich beschränkte Verzicht auf elektronische Geräte, um Stress zu reduzieren oder sich auf die soziale Interaktion in der körperlichen Welt zu fokussieren.

Aha! Und weil alleine zu verzichten anscheinend schwieriger ist als gemeinsam, gibt es dafür Camps. Selbsthilfegruppen für digitale Opfer sozusagen. Im Silicon Valley, dem Ursprung allen digitalen Übels, natürlich WWW: schon lange bekannt - jetzt gibt's sie aber WWW: auch in Deutschland: "Offline Retreats", bei denen es zum Beispiel um "nachhaltige Kommunikation", "Superfood" im digitalen Arbeitsalltag und Yoga zur Entspannung geht. Ergebnis? Jede Menge glückliche Entgifter mit ein paar Hundert Euro weniger in der Tasche!

Forbes-Video über Digital Detox im Camp Grounded

Auf der Internetseite WWW: eines Digital-Detox-Anbieters werde ich gefragt: "[...] wann haben Sie zum letzten Mal einen Brief geschrieben? Einen wunderschönen Ausblick genossen, ohne sofort die Handykamera zu zücken? Wann haben Sie zum letzten Mal bewusst etwas erlebt? Ungefiltert und mit allen Sinnen?"

So langsam werde ich unruhig. Ich setze doch auch keinen Kessel aufs Feuer, um ein warmes Bad zu nehmen oder benutze mit all' meinen Nachbarn ein Plumpsklo im Hof - nur um mich mal wieder so richtig zu spüren. Trotzdem bilde ich mir ein, sehr bewusst zu leben und habe auch den Großteil meiner Zeit das Gefühl, all' meine Sinne ganz gut beisammenzuhaben.

"Off ins echte Leben"

Aber es wird noch besser - mit der Aufforderung: "off ins echte Leben"! Hallo? Wer sagt denn bitte, dass nur "offline" echtes Leben stattfindet? Und was hat ein Tag an der frischen Luft oder mit lieben Freunden im Café damit zu tun, sein Smartphone nicht zu benutzen. Zur Erinnerung: Das ist dieser kleine viereckige Kasten, der in die Hosentasche passt. Wie dafür gemacht, mit ihm "raus in die Welt" zu gehen!

Ich bestreite ja nicht, dass alle Möglichkeiten, die sich uns bieten, auch Gefahren beinhalten, denen man sich bewusst sein sollte. Ich bestreite auch nicht, dass solche "Entgiftungs-Events" Spaß machen können. Dass man dort sicher nette Leute kennenlernt und Erfahrungen macht, die einen persönlich weiter bringen.

Aber warum zieht man es dann nicht gleich so auf, wie es zum Beispiel WWW: dieser amerikanische Anbieter tut. Als Camp gegen das Erwachsensein. Eine Art Ferienlager für Große, zu dem es unter anderem auch gehört, ohne digitale Kommunikationsmedien auszukommen. Weil sie eben ein großer Teil der Arbeitswelt sind, von der man sich dort freimachen soll! Von mir aus! Wer dafür ein paar Hundert Dollar ausgeben will. Ist doch prima! Aber diese sektenartige Verschwörung gegen die "digitalen Ungeheuer" nervt mich einfach tierisch - reine Geldmacherei!

Ich glaube auch, dass die ganzen Computerhocker, die in Blogs, Foren und Kommentarbereichen zu Artikeln sich immer über alles ereifern, so eine digitale Entgiftung (und überhaupt mal ein wenig Bewegung und "draußen") viel besser gebrauchen könnten als ausgerechnet Smartphonebenutzer... die das Ding nämlich vielleicht häufig benutzen, aber das halt überall und nur nebenher und nicht als Hauptsache nächtelang vor dem Schreibtisch kauernd.

Naja, aber die Smartphonebenutzer schreiben hier schon deshalb keine Kommentare, weil "Digitalistan" auf Smartphones immer noch schrecklich zu benutzen ist...

joh am 2.12.14 12:32


Diese digitale Variante ist einfach die Fortsetzung dessen, was wir aus der normalen Welt kennen. Entlarven wir solche Ratschläge als das, was sie sind: Ein paar besonders laute Stimmen im großen Geschrei der Werbung. Und alle schreien: "Kauf mich! Kauf mich!" Jetzt sind eben die digitalen Themen dran.

Früher mussten wir die Kindheit umgraben. Da hatte die Mutter alles falsch gemacht. Später waren dann die Väter an allem schuld. Oder der Kapitalismus, der Konsumterror, die patriarchalische Männergesellschaft, die falsche Einstellung zu sich selbst, mangelndes positives Denken, nicht auf den eigenen Körper gehört, mangelnde Durchsetzung, falsche Verarbeitung von Stress usw.

Es hat seine Grunde, weswegen ich auf Psychologisches nicht gut zu sprechen bin.

Bertram in Mainz am 3.12.14 21:47

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Montag, 01.12.2014

Packende Panorama-Ansichten

Ich bin ein Fan von Panorama-Ansichten. So etwas gibt es nur am Computer, dass man sich mit der Maus in der Hand im wahrsten Sinne des Wortes umschauen kann - um die eigene Achse drehend. Jetzt habe ich WWW: ein Webangebot entdeckt, das wirklich faszinierende Panorama-Aufnahmen zu bieten hat. Ob Moskau, das Taj Mahal in Indien, die Chinesische Mauer, Schloss Neuschwanstein oder die Pyramiden von Gizeh: All diese Orte kann man virtuell besuchen und packende, teilweise atemberaubende Aufnahmen bestaunen.

airpano.png
Airpano: Atemberaubende Rundumansichten aus aller Welt

Hier gibt es Hunderte virtueller Touren mit 360-Grad-Aufnahmen aus der Luft. Ihr könnt mit Maus und Tastatur über die jeweilige Sehenswürdigkeit oder Landschaft fliegen, fast so als säße man selbst in einem Helikopter. Hinter dem wirklich tollen Projekt steckt eine Gruppe russischer Fotografen, die keine kommerziellen Ziele verfolgt. Über die Grachten von Amsterdam, den Grand Canyon oder die malerische Landschaft von Island zu schweben, ohne dabei den Schreibtisch zu verlassen, das macht einfach Spaß. Welche Ansicht findet Ihr am besten?

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