Mittwoch, 05.02.2014

Technologie kann so schön sein

Werbung funktioniert am besten, wenn sie emotional ist - und überraschend darf sie natürlich auch sein. Für Unternehmen, die Technologie herstellen und verkaufen wollen, ist es naturgemäß nicht so leicht, Emotionen zu transportieren. Klar, auf den ersten Blick ist Technik nun mal nicht sonderlich emotional. Trotzdem versuchen es die Großen der Branche immer wieder - und manchmal auch mit Erfolg.

Berühmtestes Beispiel dafür ist zweifellos Apple mit dem legendären "1984"-Spot, den das Unternehmen im Januar 1984 während des Superbowl gezeigt hat. Der Clip setzt bewusst auf die Emotionen. Das eigentliche Produkt ist nicht einmal zu sehen. Stattdessen: Die damalige Übermacht IBM als Big Brother und Apple als Heilsbringer. Der von Hollywood-Regisseur Ridley Scott aufwändig hergestellte Clip war Werbung für den Apple Macintosh, der damals neu auf den Markt kam. Der Spot hat seine Wirkung nicht verfehlt und gilt bis heute als einer der besten Werbespots aller Zeiten.


Mit diesem Spot "1984" wurde der Apple Macintosh angekündigt


Microsoft wirbt während Superbowl
Auch dieses Jahr haben einige IT-Unternehmen während des Superbowl Werbeclips gezeigt. Microsoft zum Beispiel. Überschrift: What is Technology - was ist Technologie? Man hört eine Computerstimme, die eine Reihe von Fragen stellt - und dann sehen wir, was Technologie alles kann: Menschen verbinden, Menschen helfen, Menschen heilen, Menschen gut tun. Wir sehen es - keiner sagt es.

Am Anfang und am Ende des rund eine Minute dauernden Spots taucht jemand auf, den hierzulande kaum einer kennt, in den USA aber praktisch jeder: Ex-NFL-Spieler WWW: Steve Gleason leidet an ALS (WWW: Amyotrophe Lateralsklerose), sitzt im Rollstuhl und kann nicht mehr selbst sprechen. Die Aufgabe übernimmt ein Rechner für ihn. Der Clip wendet sich stark an die Emotionen. Zwischendurch ist natürlich immer wieder mal Windows 8 zu sehen. Die Botschaft ist klar: Ohne die Fenster-Software gäbe es all den Fortschritt nicht, und es ginge allen weniger gut.


Was ist eigentlich Technologie? PR-Spot von Microsoft


Auch Apple sieht sich als Innovationsmotor
Auch Apple hat einen Spot gebaut, der versucht, die emotionale Seite von Technologie zu beleuchten. Wir sehen Menschen mit Prothesen, wir sehen Studenten im Hörsaal, eine Schulklasse beim Klassenausflug, Kinder im Kindergarten. Und auch hier: Roboter, Mode, Kunst, Musik, Medizin. Es gibt Parallelen zum Microsoft-Spot. Doch hier sind immer wieder Apple-Geräte zu sehen. Macs. iPhones. iPads. 1.24.14 ist das Video getauft - weil es am 24. Januar 2014 zum ersten Mal ausgestrahlt wurde. Eine kleine Hommage anlässlich Blog: 30 Jahre Apple Macintosh. Schön anzusehen - "eye candy", aber nichts, was haften bleibt.

Bis man erfährt, was das Besondere des Apple-Spots ist: Er ist ausschließlich mit dem iPhone gedreht worden. Das iPhone als Kamera. Man staunt, denn die Bilder haben eine hervorragende Qualität. Die Szenen wurden zudem alle an einem einzigen Tag gedreht. Allerdings nicht von einer Person, sondern von ganz vielen - Profis. Und die wurden zudem von einem Regisseur aus Los Angeles angeleitet. Das gedrehte Material wurde immer direkt nach Los Angeles geschickt, dort gesichtet - und dann wurden Anweisungen für Nachdrehs gegeben. Konferiert wurde per Facetime. Über 70 Stunden Videomaterial sind zusammengekommen. Das wurde dann letztlich auf eine Länge von 1:30 Minuten zusammengeschnitten. Es gibt sogar ein Making-of.


Making-of: So ist der Apple-Spot entstanden


Der virale Effekt
Als Apple seinen legendären "1984"-Spot gedreht hat, gab es noch kein Youtube. Der Spot musste gleich beim ersten Mal wirken. Im Fernsehen. Heutige Spots verbreiten sich im Netz, wenn sie gut gemacht sind. Dazu müssen sie aber den entscheidenden Reflex auslösen: Hey, Du willst doch bestimmt, dass Deine Freunde den Clip auch sehen - also liken, sharen, empfehlen. Und schon sehen ihn ein paar Millionen Menschen mehr. Microsoft und Apple ist das mit den beiden neuen Spots durchaus gelungen.

Natürlich sind die Spots, das muss man ja auch mal klar sagen, total verlogen. Zumindest zeigen sie nur die schönen Seiten von Technologie. Die gibt es, das will niemand in Abrede stellen. Aber Technologie bringt auch viele Nachteile mit sich, sogar Unheil. Man denke an Drohnen, an Umweltverschmutzung, an NSA-Überwachung oder bewegungsfaule Jugendliche, um nur einige Beispiele zu nennen. Das ist auch Technologie - fehlt aber in den bunten Spots.

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Mittwoch, 05.02.2014

Alte Fotos digitalisieren

Als ich die digitale Biblikothek WWW: Europeana1914-1918 entdeckt habe, war für mich sofort klar: das will ich auch machen. Die Internetseite ist eine wahre Schatztruhe an Erinnerungen. Zehntausende alte Dokumente, Bücher, Briefe und Fotos aus der Zeit der Ersten Weltkrieges wurden hier zusammen gesammelt und digitalisiert. Egal ob vergilbt, verblasst oder zerknittert - die Bilder erscheinen in neuem Glanz und ich kann mich einfach durch das Archiv klicken. Wie ich sowas zu Hause mit meinen eigenen Fotos machen kann, hat mir Fotograf Tilman Schenk gezeigt.

Mit ein paar alten Kinderfotos von mir kreuze ich bei Tilman auf. Negative habe ich keine mehr. Nur noch die Bilder, leicht in die Jahre gekommen. Und die möchte ich gerne ohne großen Aufwand und günstig digitalisieren. Nur wie?

Kinderfoto: Rechte: WDR/Horn

Scannen
Tilman rät mir, die Fotos einzuscannen. Dafür brauche ich kein besonderes Programm, weil der Scanner im Normalfall eine vorinstallierte Software mitbringt. Ich muss mein Foto also einfach nur noch positionieren und einmal klicken, schon sehe ich die Vorschau auf meinen Computer. Am besten speichere ich das digitale Bild als jpg oder mit noch besserer Qualität als tif-Datei. Und weil ich eine ganze Kiste voller Fotos habe, lege ich gleich mehrere Bilder auf. Dann muss ich sie hinterher nur noch zuschneiden und abspeichern. Vorteil beim Scannen ist, dass das Foto durch die Klappe flach auf die Scanner-Oberfläche gedrückt und ohne perspektivische Verzerrung digitalisiert wird.

Nachbearbeiten
Nachbearbeiten kann man mit kostenlosen Fotoprogrammen und zum Teil auch online. So kann man vergilbte Bilder wieder verschönern und sie fast wie neu aussehen lassen. Mein Kindergartenbild hat zum Beispiel einen deutlichen Blaustich. Tilman hilft nach, zieht mit einem Programm etwas Gelb ins Bild, erhöht die Kontraste und fertig ist das Werk.

Abfotografieren
Auch ohne Scanner kann man Fotos digitalisieren. Und zwar mit einer Spiegelreflex-, Digital- oder Handykamera. Bei meinen ersten Versuchen ist mein Kinderkopf allerdings ziemlich überdimensional, weil ich zu schräg fotografiert habe. Tilman rät deshalb, sich ein kleines Miniset einzurichten. Alles was wir brauchen: ein Stativ oder Bücher, um das Handy fest zu positionieren, Klebestreifen und eine Schreibtischlampe.

Ich suche mir eine freie Stelle an der Wand und befestige ein Stück doppeltes Klebeband. Daran hefte ich ab jetzt nacheinander alle Bilder, die ich digitalisieren möchte. Damit die Bilder nicht verwackeln, sollte die Kamera auf einem Stativ stehen oder das Handy wie in einer Schraubzwinge zwischen ein paar Büchern eingeklemmt sein. Objektiv frontal auf das Foto richten, Auslöser drücken, fertig.

Beleuchten
Da in Tilmans Wohnzimmer Licht durch ein schräges Fenster auf die Wand einfällt, hängt man die Lichtquelle am besten zu oder gleicht durch eine Schreibtischlampe die Beleuchtung aus. Wichtig ist auch, dass ein Blitz möglichst indirekt auf das Bild gerichtet wird. Ich blitze also probeweise an die Decke und schwäche den Blitz mit einem weißen Stück Papier ab, damit ich keinen großen hellen Farbknall auf dem Bild habe. Beim Handy lasse ich den Blitz ganz aus, der ist mir zu unflexibel.

Foto-App; Rechte: WDR/picscanner

Apps und mehr
Natürlich gibt es auch diverse Apps, mit denen man Bilder digitalisieren und archivieren kann. Für Android zum Beispiel den DSTV FotoScanner, für das iPhone den PicScanner und den CamScanner für beide Betriebssysteme. Wie man übrigens Videos und Dias richtig digitalisiert, weiß Kollege WDR: Stefan Domke, der für WDR: WDR Digit , das Archiv des analogen Alltags, tausende Bilder und Filme digitalisiert hat. Und ARD: Europeana zeigt sehr eindrucksvoll, wie die Ergebnisse hinterher aussehen können.

Familienfoto; Rechte: WDR/europeana.eu

Archivieren
Nach einer knappen Stunde Studio-Einrichtung und Rumprobieren habe ich eine ganze Reihe alter Kinderfotos eingescannt, abfotografiert und in einer Datencloud archiviert. So kann ich sie mit Familie und Freunden teilen und zu gegebenen Anlässen auch einfach schnell ausdrucken.

Unsere Blogger Anita Horn und Dennis Horn sind weder verwandt noch verheiratet, aber umso besser vernetzt. Sie entdecken jede Woche digitale Perlen: spannende Webseiten, lustige Links und Angebote, die den Alltag bereichern - hier im Blog und jeden Donnerstag in der WWW: WDR5 LebensArt im Radio.

Man sollte auch mit dem Selbstauslöser experimentieren, der einige Sekunden verzögert auslöst. Beim Drücken wackelt man zwangsläufig ein bisschen. Beim kurzen Xenon-Blitz verhindert die kurze Belichtungszeit das Verwackeln. Das Problem haben auch Digital-Mikroskope. Drücken ohne Wackeln geht kaum. Am besten immer mehr als ein Foto machen. Löschen kann man immer noch.

Es gilt die Logik wie beim alten Tonbandgerät: Fehler in der Aufnahme sind irreparabel. Was dann kommt ist nicht so wichtig. Anhören kann man auch mal mit einem einfachen Lautsprecher. Noch mal besser wiedergeben geht immer, noch mal aufnehmen meistens nicht.

Bertram in Mainz am 6.02.14 20:53

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Dienstag, 04.02.2014

Facebook erfindet sich neu - mit "Paper"

Das nenne ich einen Volltreffer: Facebook hat seine neue App "Paper" jetzt offiziell an den Start gebracht. Ich nehme es einmal vorweg: Es ist eine der interessantesten Apps überhaupt - und wohl die beste, die das soziale Netzwerk selbst veröffentlicht hat. Sie ist nichts anderes als die größte Konkurrenz für die bisherige klassische Facebook-App.

Groß angekündigt wurde Paper vor ein paar Tagen als Reader-App. Die bekannteste dieser Gattung ist WWW: Flipboard. Damit könnt ihr euch einen persönlichen Nachrichtenstrom zusammenstellen. Dieser Mix aus klassischen Medien, Blogs und sozialen Netzwerken wird euch anschließend aufbereitet wie ein schickes Magazin.

Paper-App; Rechte: Facebook
Facebook plus Nachrichtenartikel gleich Paper. Wie genau die App funktioniert, erklärt euch eine freundliche Damenstimme zu Beginn - so dass Paper im Anschluss völlig selbsterklärend ist.

Paper funktioniert ganz ähnlich wie die klassischen Reader-Apps: Zusätzlich zu den Facebook-Inhalten bucht ihr Kanäle wie Nachrichten, Technik oder Sport hinzu. Danach könnt ihr zwischen dem Newsfeed mit den Beiträgen eurer Facebook-Freunde und den weiteren Kanälen hin- und herwischen. Letztere könnten übrigens inhaltlich noch besser zusammengestellt sein. Richtig brauchbar fände ich diese Kanäle zum Beispiel erst, wenn ich sie mir zusätzlich personalisieren könnte.

An Facebook erinnert hier nichts mehr

Paper erinnert erst einmal überhaupt nicht an das große soziale Netzwerk. Beim Scrollen durch die Beiträge meiner Freunde habe ich das Gefühl, ich wäre woanders unterwegs: keine Textwüste, kein Durcheinander, kein Blauweiß - stattdessen große schöne Fotos oben und die Inhalte als Kacheln zum Durchscrollen unten. Sobald ihr auf eine dieser Kacheln klickt, wird sie groß - inklusive Gefällt-mir-Daumen, Kommentarfunktion und der Möglichkeit, den Beitrag zu teilen.

Richtig schön wird es, wenn ihr Fotos und Links öffnet: Im Querformat geschossene Fotos werden in der Paper-App zu Panoramabildern, die ihr erkunden könnt, indem ihr euer iPhone einfach nach rechts und links bewegt. Ein Klick auf einen Link lässt einen Beitrag wie Papier umklappen und die Website dahinter erscheinen. Überhaupt: Die App ist schnell und flüssig - mit viel Liebe zum Detail, zu Grafik, Animation und Benutzerführung.

Paper-App; Rechte: Facebook
Paper sieht besser aus als die klassische Facebook-App, beschränkt sich aber nicht nur auf die Darstellung: Auch alle wichtigen Funktionen des Originals sind vorhanden.

Auch alle zentralen Facebook-Funktionen sind in Paper enthalten: Ihr könnt über die App neue Freundschaftsanfragen bearbeiten, Nachrichten beantworten oder Benachrichtigungen abfragen. Auch neue Beiträge lassen sich über Paper erstellen. Selbst Konto- und Privatsphäre-Einstellungen und den Code-Generator für die Zwei-Faktor-Authentifizierung hat Facebook mit in die App eingebaut.

Paper - die neue und bessere Facebook-App

Paper ist also nicht nur eine einfache Reader-App. Es geht auch gar nicht zentral um die Inhalte, die ihr euch jetzt neu dazubuchen könnt. Es geht um das, was Facebook bisher nie geschafft hat: eine ordentliche App herzustellen, die nicht einfach das Facebook kopiert, das wir vom Desktop kennen, sondern eine, die auch wirklich fürs Smartphone gebaut wurde. Das ist jetzt, nach vielen Jahren, endlich gelungen: Facebook hat sich neu erfunden.

Es ist ein bisschen verrückt, aber Paper ist ein echter Facebook-Killer - und das aus dem Hause Facebook, wer hätte das gedacht. Nach ein paar Stunden mit der App habe ich tatsächlich meinen Homescreen auf dem iPhone umgeräumt und die klassische Facebook-App zur Seite geschoben, um Platz für Paper zu machen.

Die Frage ist nur: Sieht die Masse der Nutzer das auch so? Da bin ich unentschlossen. Ich kann mir schon vorstellen, dass viele Facebook-Nutzer Probleme damit hätten, sich den klassischen Newsfeed abzugewöhnen. Trotzdem: Paper ist eine Punktlandung zum Geburtstag, die zeigt, dass wir Facebook noch lange nicht abschreiben dürfen. Das Argument, das Netzwerk verschlafe das mobile Zeitalter, ist jetzt auf jeden Fall hinfällig.

Wenn ihr Paper selbst testen möchtet: Es gibt die App bisher nur als Testballon fürs iPhone - und nur WWW: in der US-Version des iTunes Stores. Wie ihr von Deutschland aus rankommt, WWW: haben die Kollegen von t3n in einem Artikel zusammengefasst.

Etwas anderes interessiert diese vollidiotischen Facebook-Sklaven ja auch nicht - neue Apps, viele "Freunde" in der "social community" und das nächste exhibitionistische Event - nur das interessiert diese mediengesteuerten Affen.
Das dieses Land seiner demokratischen Freiheit beraubt wird, seine Werte und seine Kultur aufgeweicht werden - das interessiert doch keine Facebook-User!

spacedrummer am 5.02.14 9:53

@Dennis Horn: Interessiert mich nicht.
@Artikel: Gefällt mir!

Facebook-User am 11.02.14 7:54

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