Mittwoch, 16.07.2014

Google+ verzichtet auf Klarnamen

Google hat überraschend eine eiserne Doktrin aufgegeben: Bislang mussten sich User bei Google+ mit ihrem Klarnamen anmelden. Darauf hat Google stets mit Nachdruck bestanden. Pseudonyme? Inakzeptabel. Anfangs waren sie überhaupt nicht erlaubt, seit 2012 werden sie unter bestimmten Umständen toleriert, etwa bei Künstlernamen, Produktnamen oder Marken. Doch wer einen Google+ Account mit Pseudonym wollte, der musste das bei Google extra beantragen. Tempi passati. Ab sofort kann sich jeder bei Google+ mit WWW: Pseudonym anmelden - ohne Wenn und Aber.

Google Plus Logo; Rechte: Google
Google+: Ab sofort sind hier auch Pseudonyme erlaubt


Paradigmenwechsel im Google-Reich
Ein Paradigmenwechsel. Das ist so, als ob ein Veganer plötzlich ins Steakhouse geht und einen großen Bogen um die Salattheke macht. Der riesige Konzern Google, die wertvollste Marke der Welt gibt seinen Widerstand auf. Das überrascht dann schon ein wenig. Plötzlich kann sich jeder "Max Mustermann" nennen, oder "Snoopy" oder "GoogleFreak". Alles erlaubt. Google entschuldigt sich sogar bei allen Usern, die jahrelang auf Google+ verzichten mussten, weil sie sich dem Klarnamenzwang nicht unterwerfen wollten.

Alle Gegner von Klarnamen - und davon gibt es reichlich - dürften sich angesichts dieser Nachricht freuen. Denn jetzt ist Facebook der einzige große Onlinedienst, der zumindest offiziell nach wie vor Blog: auf Klarnamen besteht. In Fachkreisem wird nun die Frage diskutiert: Was hat Google dazu getrieben, die bisherige Haltung aufzugeben? Wieso sind plötzlich Klarnamen erlaubt? Berechtigte Fragen, denn das erklärt Google selbst nicht sonderlich ausführlich.


Über die Motive wird gerätselt
Möglicherweise liegt es daran, dass Google an seinem sozialen Netzwerk so ein bisschen die Freude verloren hat. Es hat Zeiten gegeben, da wurde Google+ stärker gefördert. Mittlerweile gibt es kaum noch Innovationen. Auf der jüngsten Blog: Entwicklerkonferenz war Google+ kein Thema. Auf Klarnamen zu verzichten könnte ein Weg sein, mehr Nutzer ins Programm zu holen - ohne jeden Aufwand. Abgesehen davon: Seit einer Weile muss man ein Google+-Konto haben, um Youtube-Videos zu kommentieren. Viele Youtuber-Uer haben moniert, dass sie das nun mit Klarnamen müssen.

Abgesehen davon sieht das deutsche Telemediengesetz vor, dass Onlinedienste den Usern sogar zwingend das Recht einräumen müssen, sich anonym anmelden zu können. Das gilt war nicht europaweit, aber doch in Deutschland - und könnte womöglich eine EU-weite Regelung werden. Vielleicht hat auch das eine Rolle gespielt. Da aber sowieso nicht ernsthaft kontrolliert wurde, ob ein gewählter Klarname auch den Tatsachen entspricht, kann man sowieso darauf verzichten. So wie es jetzt, ist es deutlich ehrlicher.

Schade, eine große Chance ist vertan.
Damit wird Google+ wahrscheinlich das - im Vergleich zu anderen sozialen Netzwerken - hohe Diskussions-Niveau verlieren, wenn jetzt jeder Troll "unbekannt" loslegen darf.
Hoffentlich wird zumindest ein Filter nachgereicht, so dass man nur noch Beiträge von Klarname-Nutzern (oder sogar verifizierten Nutzern) zu sehen bekommt.

Jost aus Soest am 16.07.14 15:46

Nachdem mich Google ja praktisch gezwungen hatte, mich bei Google+ anzumelden, damit ich im Play-Store weiterhin lustig Kommentare absondern konnte, habe ich mich dann unter meinem Pseudonym - mit Artikel - angemeldet. Für Google wohl kein Problem. Einzig die Ansprache "Hallo Der, ..." nervt ein wenig. Aber ansonsten fühle ich mich wohl dabei. Und: Nein, wegen meines Pseudonyms spiele ich nicht gleich Elefant im Porzellanladen. Ich bin schon darauf bedacht, den guten Ruf meines Pseudonyms zu bewahren, schließlich bin ich damit schon mehr als 10 Jahre im Internet unterwegs.

Dominik am 16.07.14 22:34

Lieber Jost,

hohes Diskussionsniveau? Gibt es ein zweites Google+? Das Klarnamengebot bei google war so leicht zu umgehen, dass das Niveau dort jedem anderen Netzwerk gleich war. Sie träumen sich da eine Siedlungskontrollettimentalität zusammen. Fernab jeglicher Wirklichkeit.
Und für google selbst wird sich da nix ändern. Nur Schau nach außen. Die werden weiterhin jeden Nutzer identifizieren. Im Interesse einer gläsernen Welt und der damit verbunden Einnahmen durch Daten.
Sie könne also, lieber Jost, immer ihre Meinung unter Klarnamen posten, natürlich nur solange sie keine eigene Meinung haben, andernfalls sind Sie schnell in einer Kartei. Denn da, wo Sie sich bewegen, gibt es keine Meinungsfreiheit, nur potentielle Täter, gegen die man vorgehen muss.

Jürgen am 16.07.14 23:49

Kommentieren



Die mit * gekennzeichneten Felder müssen ausgefüllt werden.


Angaben speichern (Cookie)?


Um Ihren Kommentar zu versenden, beantworten Sie bitte die folgende Frage:


Trackbacks zum Eintrag Google+ verzichtet auf Klarnamen

Zum Anfang dieses Eintrags

Mittwoch, 16.07.2014

Jazz and rain

Für solche Ideen liebe ich das Internet: Auf der Website WWW: "Jazz and rain" hört ihr das sanfte, angenehme Plätschern des Regens und könnt dazu Jazzmusik starten - um konzentrierter zu arbeiten, euch an einem anstrengenden Tag eine kleine Pause zu geben oder abends besser runterzukommen und einzuschlafen.

Jazz and rain; Rechte: jazzandrain.com
Jazz and rain: Im Hintergrund plätschert der Regen, im Vordergrund der Jazz.

Die Macher hinter "Jazz and rain" wollen damit natürlich vor allem Geld verdienen und suchen auf der Website auch offen nach Werbekunden - aber das stört ja nicht weiter, sobald die Musik läuft und ihr die Augen schließen könnt.

Kommentieren



Die mit * gekennzeichneten Felder müssen ausgefüllt werden.


Angaben speichern (Cookie)?


Um Ihren Kommentar zu versenden, beantworten Sie bitte die folgende Frage:


Trackbacks zum Eintrag Jazz and rain

Zum Anfang dieses Eintrags

Dienstag, 15.07.2014

GCQH: Propaganda im 21. Jahrhundert

Dass Geheimdienste ihren Rüssel überall reinstecken, ohne Not auch Freunde ausspionieren, das ist mittlerweile hinreichend bekannt. Doch jetzt gibt es einen ersten Beleg dafür, dass Geheimdienste wie NSA und GCHQ darüber hinaus auch gezielt WWW: Onlinedienste manipulieren. Man kennt das aus Hollywood-Filmen: Da sind Geheimdienstler gewöhnlich auch nicht nur damit beschäftigt, den Gegner auszuspionieren - sie jubeln dem Bösewicht auch gerne schon mal was unter. Und der muss am Ende dafür bluten. In der Realität ist es offensichtlich genauso.

GCQH; Rechte: dpa/Picture Alliance
GCQH: Der britische Geheimdienst manipuliert offenbar


GCQH greift aktiv in die Onlinewelt ein
Hollywood übertreibt kein bisschen: Dank Edward Snowden wissen wir jetzt, dass der britische Geheimdienst GCQH nicht nur ungeniert das Internet abhört, sondern auch gezielt Online-Abstimmungen manipuliert und Klickzahlen frisiert. Die Briten verfügen laut WWW: The Intercept über spezielle Software, um solche Manipulationen durchzuführen. Außerdem kann der GCHQ auch Inhalte von Videoplattformen zensieren und sogar das Netz mit Propaganda fluten. Der Snowden-Vertraute Glenn Greewald beschreibt die Möglichkeiten der GCHQ-Software bis ins Detail. Eine genaue Beschreibung findet sich WWW: hier.

So funktioniert Propaganda im 21. Jahrhundert: Die Mächtigen manipulieren die Medien - weltweit. Gezielt etwas zu manipulieren und zu verfälschen, das ist noch eine Spur härter, noch unmoralischer als andere zu belauschen. Offensichtlich können uns die Geheimdienste also sogar täuschen - und machen von dieser Möglichkeit auch Gebrauch. Dass jetzt der britische Geheimdienst dabei erwischt wurde, setzt der NSA keinen Heiligenschein auf - die Amerikaner wurden bislang nur noch nicht ertappt.

GCHQ manipuliert Online-Votings; Rechte: The Intercept
Der GCQH kann Online-Votings manipulieren


Völliger Dammbruch in Sachen Moral
Man darf getrost davon ausgehen, dass die NSA über mindestens dieselben technischen Möglichkeiten verfügt wie die Briten. Da moralische oder juristische Bedenken in der Schnüffelbehörde der USA (und leider auch in großen Teilen der Regierung) nicht die geringste Rolle spielen, dürfte es ähnliche Eskapaden auch dort geben.

Schlimm genug, dass sich die USA querstellen und jede Kritik an sich abprallen lassen. Nun gibt es aber genügend Belege, dass auch die Briten mitmachen - und die wohnen praktisch um die Ecke, leben mit uns unter einem Dach. Da sollte mal ein ernstes Wörtchen gesprochen werden. Die EU ist aufgefordert, solche Schnüffeleien und vor allem Manipulationen zu untersagen und zu unterbinden.

Ich kann nur den Wunsch nach einer deutschen Ethik-Kommission wiederholen, die aus honorigen, anerkannten, aber am besten parteilosen Personen bestehen sollte und welche dann moralische und ethische Standards einer Gesellschaft festlegen, die von unserer Politik umgesetzt werden müssen.
Da Deutschland in der EU großen Einfluß hat, wird eine solche Einrichtung auch international Beachtung finden. Sogar über die EU hinaus.

Es gibt schließlich auch in den USA eine sehr große Anzahl Leute, denen die jetzige Entwicklung entschieden gegen den Strich geht.
Nur wird man da automatisch als Vaterlandsverräter stigmatisiert, wenn man sich der Gier nach Geld und Macht in der herrschenden Riege entgegenstellt.

Geben wir der Welt doch mal ein Lehrstück in Sachen Demokratie und Menschenrechten.
Daß man dabei ohne die Unterstützung der jetzigen Bundesregierung (respektive regierenden Parteien) auskommen muß, versteht sich nach deren Vorgehensweise der letzten Jahre wohl von selbst.

Gert am 15.07.14 20:30

@Gert-leider wuerde so etwas ohne jegliche Wirkung bleiben,genauso wie der sogenannte NSA Untersuchungsausschuss.So etwas sind immer nur reine Showveranstaltungen,ohne jegliche bleibende Wirkung.Btw. lies einfach mal die Stellungnahmen der Sachverstaendigen dort(NSA Untersuchungs Auschuss)durch.Teilweise kommt das deiner Idee schon recht nahe,denn abgesehen von rein technischen Ratschlaegen gehen die auch auf andere Dinge ein.Tatsache aber ist,du wirst keine kritische Masse zusammenbringen um deine Ideen durchsetzen zu koennen,denn die Masse hat ihr "Soma"(Fussball,Gadgets a la iPups5 etc.)und ist damit ausreichend ruhig gestellt.

Robin am 16.07.14 7:30

Kommentieren



Die mit * gekennzeichneten Felder müssen ausgefüllt werden.


Angaben speichern (Cookie)?


Um Ihren Kommentar zu versenden, beantworten Sie bitte die folgende Frage:


Trackbacks zum Eintrag GCQH: Propaganda im 21. Jahrhundert

Zum Anfang dieses Eintrags

 
 

September 2014

Mo Di Mi Do Fr Sa So
1 2 3 4 5 6 7
8 9 10 11 12 13 14
15 16 17 18 19 20 21
22 23 24 25 26 27 28
29 30

Über das Blog

Digitalistan: Heimatkundliches aus dem Land der Einsen und Nullen

Suche im Blog

Aktuelle Einträge

Autoren

Blogregeln und Glossar

Newsreader-Feeds (XML/RSS)


Permanente URL dieser Seite: http://wdrblog.de/digitalistan/