Donnerstag, 14.08.2014

Promis nassmachen

Facebook-Gründer Mark Zuckerberg kippt sich einen vollen Eimer Eiswasser über den Kopf. Angezogen! Und hinterher natürlich klatschnass!

Mark Zuckerberg hat in seinem Video unter anderem Bill Gates nominiert. Der hat WWW: die Challenge angenommen - auf seine Weise.

Warum das Ganze? Die WWW: #icebucketchallenge ist schuld. WWW: Erfunden hat sie die amerikanische ALS Association und ihr Erfolgsrezept ist der Haufen Promis, der in den USA gerade mitmacht. Selbst WWW: Präsident Barack Obama war schon nominiert, WWW: hat aber gekniffen.

Die Regeln sind einfach: Prinzip Kettenbrief. Wie bei den WWW: Biernominierungen oder auch bei der so genannten "Cold Water Challenge". Kamera an, Eimer Eiswasser über den Kopf schütten und Nachfolger nominieren. Das Video wird im Netz gepostet und innerhalb von 24 Stunden müssen die Nominierten nachziehen.


US-Talkmaster Jimmy Fallon wurde unter anderem von Justin Timberlake nominiert und nominiert in seinem Video direkt mal die gesamte American-Football-Mannschaft der New York Jets.


Besonderer Trick der #icebucketchallenge: Drücken sich die Nominierten, müssen sie spenden - an den Erfinder, die WWW: ALS Association. Die Stiftung bekämpft die Nervenkrankheit WWW: Amyotrophe Lateralsklerose (ALS). Der Hinweis auf ALS und das Einsammeln von Spenden ist also das eigentliche Ziel der Aktion. Und es klappt. Laut der Stiftung sind bis jetzt WWW: vier Millionen Dollar zusammengekommen. Nützlicher Blödsinn!

"Nützlicher Blödsinn"? Ich würde eher sagen: "Gefährlicher" Blödsinn":

"Cold Water Challenge" endet tödlich
http://www1.wdr.de/themen/panorama/unfall-cold-water-challenge100.html

Jürgen am 15.08.14 12:42

Lieber Jürgen, grundsätzlich muss bei solchen Aktionen natürlich jeder selber entscheiden, ab wann man sich und andere in Gefahr bringt. Für mich spricht das aber nicht generell dagegen.

Katharina am 15.08.14 14:00

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Donnerstag, 14.08.2014

Tablets brauchen Shortcuts

Neulich habe ich gut gelacht, bei der Aussage von Tim Cook im Wall Street Journal, er erledige 80 bis 90 Prozent seiner Arbeit mit dem iPad. Das kann ich mir vorstellen. Als Apple-Chef browst man ein bisschen durchs Netz, schaut die ein oder andere Keynote an, führt ein paar Facetime-Gespräche und verbringt seine Zeit ansonsten damit, lauter E-Mails hin- und herzuschicken. Wäre das mein Job, käme ich sogar auf 100 Prozent.

Tim Cook; Rechte: picture-alliance/dpa/Asa Mathat/All Things Digital
Tim Cook ist stolz darauf, 80 bis 90 Prozent seiner Arbeit mit dem iPad zu stemmen - was aber auch daran liegen könnte, dass sich der CEO-Job so gut erledigen lässt.

Mein erstes Tablet hat es aus der Verpackung auf den Wohnzimmertisch und später in den Schrank geschafft und führt dort ein einsames und akkuentleertes Leben. Seit dem Kauf im Jahr 2010 frage ich mich als Normalnutzer, wie einige Menschen es schaffen, ernsthaft zu behaupten, man könne mit Tablet-Computern produktiv arbeiten.

Mir ist das Tablet für unterwegs zu groß und zum Arbeiten zu klein. Mir fehlt eine feste Tastatur, mir fehlt ein offenes Dateisystem, mir fehlt genug Speicherplatz, mir fehlen so viele Dinge, dass ich gar nicht weiß, wo ich anfangen soll. Das Tablet hat bei mir nie die berühmte Lücke gefüllt. Ich bin einfach bei Smartphone und Notebook geblieben.

Trotzdem hat mich Tim Cook mit seinen 80 bis 90 Prozent iPad nachdenklich gemacht. Woran liegt es, dass man für "richtige Arbeit" einen "richtigen Computer" braucht - und das Tablet kein Ersatz ist? Es gibt weitere Erklärungen: Microsoft fehlte eine haptische Tastatur - das Surface-Tablet hat sie eingebaut. Anderen fehlt Profisoftware zwischen all den Consumer-Apps. Und wieder andere sehen das schlechte Mobilfunk- und WLAN-Netz in Deutschland als Grund - wo Tablets doch stark auf die Cloud angewiesen sind.

Tablet und Tastatur; Rechte: picture-alliance/dpa/Maxppp/Riccardo Antimiani/Eidon
Das Tablet macht die Tastatur überflüssig - und Shortcuts werden von User-Experience-Designern mit begraben. Doch gerade sie könnten Tablets für Profis interessant machen.

Ich glaube ja, es gibt noch einen weiteren Grund, den Francis Tseng gerade in seinem Artikel WWW: "The Invisible Interface" gut auf den Punkt bringt: Grafiker, Programmierer, Webdesigner und alle anderen, die Profisoftware von Photoshop bis Office einsetzen, pfeifen auf Touchscreens, Gestensteuerung, Spracherkennung und Eye-Tracking. Keins dieser modernen Systeme konnte bisher eine Form der Steuerung verbannen, die jeder Profi an der Tastatur in- und auswendig kennt: den guten, alten Shortcut.

Heute wirken Shortcuts veraltet. Wenn es um Websites und Apps geht, dann kümmern sich User-Experience-Designer darum, dass alles schön intuitiv und nutzerfreundlich funktioniert. Und tatsächlich: Shortcuts, bei denen [Strg]+[C] und [Strg]+[V] ja noch zu den einfachen Befehlen gehören, sind weder intuitiv noch nutzerfreundlich. Wer in Photoshop Bilder fürs Netz speichern möchte, nutzt dafür zum Beispiel den Shortcut [Shift]+[Strg]+[Alt]+[S]. Das ist irre. Shortcuts muss man lernen wie Vokabeln.

Gleichzeitig funktionieren sie aber wie Abkürzungen: Wie viel einfacher könnte es sein, einen Shortcut einzusetzen, statt am Tablet ein Wort zu markieren, im Anschluss Beginn und Ende der Markierung auf den gewünschten Textabschnitt einzustellen, dann auf "Kopieren" zu tippen, dann die App zu wechseln, dann etwas länger auf die gewünschte Stelle zu tippen und dann auf "Einfügen" zu tippen. Das ist doch maximal umständlich!

iPhone; Rechte: picture-alliance/dpa/Franziska Gabbert
Wer ein iPhone nutzt und schüttelt, löst damit eine Art Shortcut aus - und ruft die Rückgängig-Funktion auf.

Es gibt sogar schon eine Art Shortcut am Tablet. Natürlich ohne Tasten, aber mit einem ganz ähnlichen Effekt: Wer sich unter iOS vertippt hat oder versehentlich Text gelöscht hat, schüttelt einfach kurz das Gerät und macht dadurch die letzte Aktion rückgängig. Das ist nichts anderes als ein Shortcut. Wie bei einer Tastenkombination merke ich mir eine kurze Muskelbewegung - und Muskeln sind extrem gut darin, sich Dinge zu merken.

Wie wäre es, einfach mehr Funktionen dieser Art zu erfinden? Es würde noch nicht einmal die Apps komplizierter machen. Ich könnte mir da so viel vorstellen: ein, zwei, drei Funktionstasten an der Hülle des Tablets. Vielleicht in Verbindung mit Gesten- und Sprachsteuerung. Und schon würden all die Standardaufgaben, die bei der produktiven Arbeit am Tablet so nerven, wesentlich schneller von der Hand gehen.

Danke!

Kuno am 14.08.14 19:54

Stimmt zwar alles, aber ohne Tastatur gibt es nur zunehmend unentdeckbare Gesten, die man noch dazu auch zufällig auslösen kann, und dann gar nicht weiß, was los ist. Die Foto-App beim Moto G ist da ein gutes Beispiel: Zum Zoomen wischt man mit einem Finger rauf/runter, für das Menü wischt man von links in das Display, für die Galerie von rechts... das findet man bestenfalls zufällig.

Ein paar Shortcuts bei einer angeschlossenen BT-Tastatur gibt es zumindest bei iOS. Mit einem iPad und Tastatur kann schon schon halbwegs zurecht kommen, wenn man nicht gerade Photoshop braucht. Allein die üblichen Kombinationen zum wortweisen Cursor-Bewegen, markieren, copy&paste, Undo usw. sind da schon ein Segen. Und Apps können auch eigene Shortcuts definieren (tun aber nur sehr wenige, weil man sie anders als bei einer Menüleiste halt niemals findet).

Aber ja, zum richtig angestrengten Arbeiten nimmt man besser ein Arbeitsgerät. Einen Baum fällt man ja auch nicht mit einem Obstmesser.

joh am 14.08.14 23:03

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Donnerstag, 14.08.2014

Der Roboter, den alle lieben

Ach, wie niedlich. Alle Welt berichtet gerade von dem WWW: süßesten Tramper der Welt, dem WWW: Roboter auf Tramptour, der einmal komplett Kanada durchreist - von Osten nach Westen. 4500 Kilometer soll die Blechkiste mit Hilfe freundlicher, hilfsbereiter Menschen zurücklegen - und der reiselustige Hitchbot hat es auch fast schon geschafft. Klingt aufregend. Auch Digitalistan-Blogger WDR: Dennis Horn hat über den Trip bereits geschrieben. Der erste Roboter, der trampt - und alles wird medial begleitet, auf der WWW: Webseite, auf WWW: Facebook, WWW: Instagram und natürlich auch auf WWW: Twitter. Ein mediales Spektakel.

Hitchbot auf Reisen; Rechte: Instagram.com/hitchbot
Der Hitbot kommt ganz schön rum - und bei den Leuten gut an


So eine Art Robbenbaby
Doch immer, wenn sich die Medien im Einklang auf ein Thema stürzen, werde ich skeptisch. Ich stelle mir dann die Frage nach dem: Warum? Klar, so ein trampender Robotor ist ungeheuer niedlich. Hitchbit ist so eine Art Robbenbaby des 21. Jahrhunderts. Der Beschützerinstinkt wird aktiviert, der Mutterinstinkt in Gang gebracht - darauf zielt das Experiment letztlich auch ab. Alle rufen"ach wie süß", ohne sich zu überlegen, was da eigentlich vor ihnen steht oder neben ihnen sitzt. Die Verpackung gewinnt, verdeckt alles andere. So etwas wie einen trampenden Roboter hat es halt noch nicht gegeben. Die Geschichte erzählt sich schön und tut niemandem weh. Außerdem gibt es wunderbare Bilder und Anekdötchen frei Haus. Perfektes Medienfutter also.

Der trampende Roboter Hitchbot: Angeblich alles nur ein Experiment, ein Kunstprojekt, das der Kommunikationswissenschaftler David Harris Smith von der McMaster Universität in Hamilton und die Deutsche WWW: Frauke Zeller gemeinsam entwickelt haben. Viel wissen wir über die genauen Hintergründe allerdings nicht. Die meisten faszinieren sich nur für das Aussehen des mobilen Robotors und dafür, wie die Menschen auf diese neue Art von Hightech reagieren. Ist ja auch interesant - aber ist es wirklich das Wesentliche der Geschichte? Ich denke: Nein.

WWW: hitchBOT from WWW: hitchBOT on WWW: Vimeo.


Google und Co. profitieren von Hitchbot
Dass im Inneren von Hitchbot ein Android-Tablet werkelt, ist bekannt. Gut möglich also, dass hinter dem Projekt Google als Sponsor steckt. Es wäre nicht das erste Mal, dass eine Geschichte sich viral verbreitet - und später stellt sich heraus: Alles von großer Hand geplant, alles bis ins Detail gesteuert, alles von der Industrie finanziert. Das wäre auch in diesem Fall gut möglich. Denn für Google ist Hitchbot äußerst interessant. Schließlich investiert Google im großen Stil in Drohnen, in Blog: selbstfahrende Autos und in Roboter.

Ganz sicher will das Unternehmen wissen, wie Menschen auf solcherlei Technik reagieren. Ob die Zeit reif ist für Robotor im Alltag. Denn aus Jux und Dollerei hat Google ganz sicher nicht in Roboter-Technologie investiert. Irgendwann müssen sich die Investitionen rentieren. Die Sympathiekampagne à la Hitchbot könnte der Türöffner sein für künftige Roboter-Projekte jeder Art. Mich würde es daher überhaupt nicht wundern, wenn am Ende rauskommt: Google steckt dahinter.


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