Donnerstag, 14.08.2014

Millionen Apps - und alle haben dasselbe Logo

Heute habe ich mir WWW: SIMSme runtergeladen, den neuen Messenger der Deutschen Post, der ein Mix aus WhatsApp, Threema und Snapchat ist - WDR: und den die Welt deshalb selbstverständlich nicht braucht. Nachdem ich die App in meinen Messenger-Ordner auf das Smartphone geschoben habe, fiel mir etwas auf: Die haben ja alle dasselbe Logo!

Messenger-Apps; Rechte: WDR/Dennis Horn
"Komm, lass uns eine neue Messenger-App programmieren!" "Gern! Ich habe sogar schon eine Idee für ein Logo!"

Der erste Anbieter, der auf die Idee kommt, eine Messenger-App zu programmieren und ihr ein Logo ohne Sprechblase zu verpassen, bekommt einen Kreativitätsorden.

"Unnötig"?
Wieso ist denn eine sichere End-to-End-Verschlüsselung, Serverstandort Deutschland, Selbstzerstörung der Nachrichten und allein deutsches Datenschutzrecht "unnötig"? SIMSme könnte DIE Alternative zu Whatsapp, Threema und Co. werden - und wird hier als "unnötig" abgekanzelt. Da hab ich mir aus Digitalistan mehr erwartet, ehrlich gesagt!
Threema ist ein Rohrkrepierer mit ebenso unsicheren Datenschutzbestimmungen wie Whatsapp und Co.
Hier liefert ein deutscher Hersteller ein datenschutzrechtliches Paradies - und das wird als "unnötig" abgekanzelt?
Eine umfassende Beleuchtung der App wird damit wohl ein Wunschtraum für mich bleiben. Zwei Zeilen Kurzbericht auf der Startseite, ein knappes "unnötig" in Digitalistan... da ist doch schon klar, dass der WDR "SIMSme" keine Chance gibt. Sehr, sehr schade!

Johnny am 15.08.14 11:31

@Johnny-sorry aber hier muss man Herrn Horn Recht geben und eigendlich haette er noch staerker "draufhauen"koennen:Nix mit Datenschutz"in DE"-die serverdomain ist"www.sims.me"
Datenschutz a la MONTENEGRO!Die Post will zudem Zugriff auf das Telephonbuch(!)um dem Kunden anzeigen zu koennen..blah bla und natuerlich liest man es nicht und hasht es-womit?Kein Wort davon!MD5?SHA1?Verschluesseln mit AES256???Nicht TLS?Man kann also nur "hoffen"das da tatsechlich TLS verwendet wird und nicht SSL 2.0 oder 3.0.Dann "WOW"
selbstzerstoerung ROFL Noch besser:"Die Deutsche Post steht seit über 500 Jahren für einen sicheren und vertraulichen Transport von Informationen"=LUEGNEREmpfehle dazu die Lektüre von “Überwachtes Deutschland – Post- und Telefonüberwachung in der alten Bundesrepublik“, da bekommt man nochmal einen ganz anderen Blick auf den Transport von Informationen. Oder besser gesagt, dessen systematische Überwachung und die Kollaboration der Post in Vereinbarungen mit den ehemaligen Besatz

Robin am 15.08.14 15:55

Herr Horn-sie haben ja so Recht!DAS Ding braucht keiner!Abstuerze,keine Verbindung,Nachrichtenversand gestoert(doch md5 und daher haschkollisonen?)

Es geht weiter am 15.08.14 19:17

@Johnny: Die Formulierung "unnötig" schieben Sie mir unter - die findet sich im Blogeintrag nicht wieder ;). Dort steht, dass die Welt diese App nicht braucht. Die von Ihnen beschriebenen Eigenschaften sind zwar wünschenswert. Aber das ändert nichts an der Tatsache, dass wir alle mit Messengern schon gut versorgt sind. Die Deutsche Post wird es nicht schaffen, bestehenden Ökosystemen die Nutzer zu klauen. Deshalb halte ich SIMSme für eine Totgeburt. Ausführlicher schreibe ich dazu im 1LIVE-Nerd-Blog. Den Artikel habe ich gerade nachträglich oben verlinkt.

Dennis Horn am 15.08.14 21:35

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Donnerstag, 14.08.2014

Promis nassmachen

Facebook-Gründer Mark Zuckerberg kippt sich einen vollen Eimer Eiswasser über den Kopf. Angezogen! Und hinterher natürlich klatschnass!

Mark Zuckerberg hat in seinem Video unter anderem Bill Gates nominiert. Der hat WWW: die Challenge angenommen - auf seine Weise.

Warum das Ganze? Die WWW: #icebucketchallenge ist schuld. WWW: Erfunden hat sie die amerikanische ALS Association und ihr Erfolgsrezept ist der Haufen Promis, der in den USA gerade mitmacht. Selbst WWW: Präsident Barack Obama war schon nominiert, WWW: hat aber gekniffen.

Die Regeln sind einfach: Prinzip Kettenbrief. Wie bei den WWW: Biernominierungen oder auch bei der so genannten "Cold Water Challenge". Kamera an, Eimer Eiswasser über den Kopf schütten und Nachfolger nominieren. Das Video wird im Netz gepostet und innerhalb von 24 Stunden müssen die Nominierten nachziehen.


US-Talkmaster Jimmy Fallon wurde unter anderem von Justin Timberlake nominiert und nominiert in seinem Video direkt mal die gesamte American-Football-Mannschaft der New York Jets.


Besonderer Trick der #icebucketchallenge: Drücken sich die Nominierten, müssen sie spenden - an den Erfinder, die WWW: ALS Association. Die Stiftung bekämpft die Nervenkrankheit WWW: Amyotrophe Lateralsklerose (ALS). Der Hinweis auf ALS und das Einsammeln von Spenden ist also das eigentliche Ziel der Aktion. Und es klappt. Laut der Stiftung sind bis jetzt WWW: vier Millionen Dollar zusammengekommen. Nützlicher Blödsinn!

"Nützlicher Blödsinn"? Ich würde eher sagen: "Gefährlicher" Blödsinn":

"Cold Water Challenge" endet tödlich
http://www1.wdr.de/themen/panorama/unfall-cold-water-challenge100.html

Jürgen am 15.08.14 12:42

Lieber Jürgen, grundsätzlich muss bei solchen Aktionen natürlich jeder selber entscheiden, ab wann man sich und andere in Gefahr bringt. Für mich spricht das aber nicht generell dagegen.

Katharina am 15.08.14 14:00

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Donnerstag, 14.08.2014

Tablets brauchen Shortcuts

Neulich habe ich gut gelacht, bei der Aussage von Tim Cook im Wall Street Journal, er erledige 80 bis 90 Prozent seiner Arbeit mit dem iPad. Das kann ich mir vorstellen. Als Apple-Chef browst man ein bisschen durchs Netz, schaut die ein oder andere Keynote an, führt ein paar Facetime-Gespräche und verbringt seine Zeit ansonsten damit, lauter E-Mails hin- und herzuschicken. Wäre das mein Job, käme ich sogar auf 100 Prozent.

Tim Cook; Rechte: picture-alliance/dpa/Asa Mathat/All Things Digital
Tim Cook ist stolz darauf, 80 bis 90 Prozent seiner Arbeit mit dem iPad zu stemmen - was aber auch daran liegen könnte, dass sich der CEO-Job so gut erledigen lässt.

Mein erstes Tablet hat es aus der Verpackung auf den Wohnzimmertisch und später in den Schrank geschafft und führt dort ein einsames und akkuentleertes Leben. Seit dem Kauf im Jahr 2010 frage ich mich als Normalnutzer, wie einige Menschen es schaffen, ernsthaft zu behaupten, man könne mit Tablet-Computern produktiv arbeiten.

Mir ist das Tablet für unterwegs zu groß und zum Arbeiten zu klein. Mir fehlt eine feste Tastatur, mir fehlt ein offenes Dateisystem, mir fehlt genug Speicherplatz, mir fehlen so viele Dinge, dass ich gar nicht weiß, wo ich anfangen soll. Das Tablet hat bei mir nie die berühmte Lücke gefüllt. Ich bin einfach bei Smartphone und Notebook geblieben.

Trotzdem hat mich Tim Cook mit seinen 80 bis 90 Prozent iPad nachdenklich gemacht. Woran liegt es, dass man für "richtige Arbeit" einen "richtigen Computer" braucht - und das Tablet kein Ersatz ist? Es gibt weitere Erklärungen: Microsoft fehlte eine haptische Tastatur - das Surface-Tablet hat sie eingebaut. Anderen fehlt Profisoftware zwischen all den Consumer-Apps. Und wieder andere sehen das schlechte Mobilfunk- und WLAN-Netz in Deutschland als Grund - wo Tablets doch stark auf die Cloud angewiesen sind.

Tablet und Tastatur; Rechte: picture-alliance/dpa/Maxppp/Riccardo Antimiani/Eidon
Das Tablet macht die Tastatur überflüssig - und Shortcuts werden von User-Experience-Designern mit begraben. Doch gerade sie könnten Tablets für Profis interessant machen.

Ich glaube ja, es gibt noch einen weiteren Grund, den Francis Tseng gerade in seinem Artikel WWW: "The Invisible Interface" gut auf den Punkt bringt: Grafiker, Programmierer, Webdesigner und alle anderen, die Profisoftware von Photoshop bis Office einsetzen, pfeifen auf Touchscreens, Gestensteuerung, Spracherkennung und Eye-Tracking. Keins dieser modernen Systeme konnte bisher eine Form der Steuerung verbannen, die jeder Profi an der Tastatur in- und auswendig kennt: den guten, alten Shortcut.

Heute wirken Shortcuts veraltet. Wenn es um Websites und Apps geht, dann kümmern sich User-Experience-Designer darum, dass alles schön intuitiv und nutzerfreundlich funktioniert. Und tatsächlich: Shortcuts, bei denen [Strg]+[C] und [Strg]+[V] ja noch zu den einfachen Befehlen gehören, sind weder intuitiv noch nutzerfreundlich. Wer in Photoshop Bilder fürs Netz speichern möchte, nutzt dafür zum Beispiel den Shortcut [Shift]+[Strg]+[Alt]+[S]. Das ist irre. Shortcuts muss man lernen wie Vokabeln.

Gleichzeitig funktionieren sie aber wie Abkürzungen: Wie viel einfacher könnte es sein, einen Shortcut einzusetzen, statt am Tablet ein Wort zu markieren, im Anschluss Beginn und Ende der Markierung auf den gewünschten Textabschnitt einzustellen, dann auf "Kopieren" zu tippen, dann die App zu wechseln, dann etwas länger auf die gewünschte Stelle zu tippen und dann auf "Einfügen" zu tippen. Das ist doch maximal umständlich!

iPhone; Rechte: picture-alliance/dpa/Franziska Gabbert
Wer ein iPhone nutzt und schüttelt, löst damit eine Art Shortcut aus - und ruft die Rückgängig-Funktion auf.

Es gibt sogar schon eine Art Shortcut am Tablet. Natürlich ohne Tasten, aber mit einem ganz ähnlichen Effekt: Wer sich unter iOS vertippt hat oder versehentlich Text gelöscht hat, schüttelt einfach kurz das Gerät und macht dadurch die letzte Aktion rückgängig. Das ist nichts anderes als ein Shortcut. Wie bei einer Tastenkombination merke ich mir eine kurze Muskelbewegung - und Muskeln sind extrem gut darin, sich Dinge zu merken.

Wie wäre es, einfach mehr Funktionen dieser Art zu erfinden? Es würde noch nicht einmal die Apps komplizierter machen. Ich könnte mir da so viel vorstellen: ein, zwei, drei Funktionstasten an der Hülle des Tablets. Vielleicht in Verbindung mit Gesten- und Sprachsteuerung. Und schon würden all die Standardaufgaben, die bei der produktiven Arbeit am Tablet so nerven, wesentlich schneller von der Hand gehen.

Danke!

Kuno am 14.08.14 19:54

Stimmt zwar alles, aber ohne Tastatur gibt es nur zunehmend unentdeckbare Gesten, die man noch dazu auch zufällig auslösen kann, und dann gar nicht weiß, was los ist. Die Foto-App beim Moto G ist da ein gutes Beispiel: Zum Zoomen wischt man mit einem Finger rauf/runter, für das Menü wischt man von links in das Display, für die Galerie von rechts... das findet man bestenfalls zufällig.

Ein paar Shortcuts bei einer angeschlossenen BT-Tastatur gibt es zumindest bei iOS. Mit einem iPad und Tastatur kann schon schon halbwegs zurecht kommen, wenn man nicht gerade Photoshop braucht. Allein die üblichen Kombinationen zum wortweisen Cursor-Bewegen, markieren, copy&paste, Undo usw. sind da schon ein Segen. Und Apps können auch eigene Shortcuts definieren (tun aber nur sehr wenige, weil man sie anders als bei einer Menüleiste halt niemals findet).

Aber ja, zum richtig angestrengten Arbeiten nimmt man besser ein Arbeitsgerät. Einen Baum fällt man ja auch nicht mit einem Obstmesser.

joh am 14.08.14 23:03

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