Montag, 10.02.2014

Neue Enthüllungsplattform gestartet

Als Edward Snowden im vergangenen Jahr ausgewählten Journalisten sein brisantes Material übergab, wusste er ganz genau: Die Enthüllungen würden eine Lawine lostreten. Er sollte Recht behalten. Seit Juni 2013 vergeht kaum eine Woche ohne Blog: neue Enthüllungen, wen die NSA alles belauscht und bespitzelt haben - und mit welch mitunter fragwürdigen Methoden das geschieht. Nichts scheint vor den amerikanischen Geheimdiensten sicher. Auch wenn sich manch einer einen größerem Paukenschlag gewünscht hätte: So weitermachen wie bisher kann die Blog: NSA wohl eher nicht mehr. Die Veröffentlichungen haben ihre Wirkung nicht verfehlt.

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Yes, we scan: DIe Enthüllungen haben das Ansehen der Politik beschädigt


Neue Plattform will unbequem sein
Das von Snowden enthüllte Material macht deutich: Es gibt eine Menge, was wir nicht wissen - aber vielleicht besser wissen sollten. Deshalb haben Snowden-Vertraute nun eine eigene Website gestartet. WWW: The Intercept soll fortführen, was mit den Enthüllungen von Edward Snowden begonnen hat: Brisantes Material soll journalistisch bewertet und aufbereitet werden. Eine neue Form von investigativem Journalismus, wenn man so möchte.

Die Gründer wollen in Zukunft deutlich mehr Dinge enthüllen, weitere Themen an die Öffentlichkeit zerren. Anfangs will sich The Intercept zwar noch auf weitere Enthüllungen der Snowden-Unterlagen konzentrieren, aber die Website beschränkt sich ausdrücklich nicht auf das NSA-Thema. Schließlich liegt vieles im Argen: Korruption, Erpressung, Justizmissbrauch, Verletzung bürgerlicher Freiheiten, soziale Ungleichheit - es gibt viele Themenfelder, mit denen Journalisten für Aufsehen sorgen können. Der Guardian-Journalist Greenwald verspricht "aggressiven und unabhängigen kontroversen Journalismus".

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The Intercept ist gestartet: Investigativer Journalismus 2.0


Nicht nur NSA-Themen
Heute ist die Website an den Start gegangen. Ihr aktuelles Thema: Für die Auswahl der WWW: Angriffsziele von Drohnen wurde häufig Material herangezogen, das aus den diversen Schnüffelprogrammen der NSA stammt. Die elektronische Überwachung führt also nicht nur dazu, dass konkrete Personen verdächtigt und beobachtet werden - sie führt auch dazu, dass Personen angegriffen werden. Was auch zum Tod Unschuldiger führt, wie die Website weiter schlussfolgert. Zudem gibt es neue Luftaufnahmen amerikanischer Geheimdienst-Zentralen.

Doch wozu ein neues Portal, wo es doch Wikileaks gibt? The Intercept hat zwei entscheidende Unterschiede zu Wikileaks. Das von Julian Assange ins Leben gerufene Portal hat zwar gelegentlich mit Journalisten zusammengearbeitet, aber nicht grundsätzlich. The Intercept aber hat genau hier den Schwerpunkt, und das ist ein großer Pluspunkt. Denn Journalisten können einordnen und filtern. Sie sorgen dafür, dass nicht alles ungehindert und ungefiltert an die Öffentlichkeit dringt. Sie können aber auch nachhaken und Druck machen, die Geschichte weiterdrehen.

Zum anderen ist The Intercept solide finanziert. Denn hinter dem Projekt steht der ehemalige eBay-Gründer Pierre Omidyar. Der Milliardär ist von dem Konzept überzeugt und versorgt das Projekt mit den nötigen finanziellen Mitteln. The Intercept den Geldhahn zuzudrehen durch windige Tricks, wie es bei Wikileaks gemacht wurde, wird hier nicht funktionieren. Ein spannendes Projekt.

Das"Material"das herangezogen wurde war mehr als zweifehaft und beinhaltete nicht konkrete Gespraechsinhalte-lediglich wer telephoniert mit wem und wo haelt er sich oefter auf.Lediglich Bewegungsprofile fuehrten also zu dem "go for kill".Kollateralschaeden wurden dabei billigend immer in Kauf genommen.

Robin am 11.02.14 6:50

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Montag, 10.02.2014

Angstmachen für die De-Mail

"So einfach wie E-Mail, so sicher wie Papierpost." So WWW: wirbt die Bundesregierung online für ihre Alternative zur E-Mail. Die De-Mail soll Kommunikation im Netz "verschlüsselt, geschützt und nachweisbar" machen. Das ist an sich gut gemeint. Schließlich ist die klassische E-Mail fürs Netz das, was fürs echte Leben die Postkarte ist. Das war schon klar, lange bevor der Überwachungsskandal ins Rollen gekommen ist.

Doch den Anspruch erfüllt die De-Mail nicht. Sicherheitsexperten zerreißen sie in der Luft. De-Mails seien nicht sicherer. Sie seien ganz im Gegenteil ein gutes Angriffsziel für Kriminelle, inkompatibel mit dem Rest der Netzwelt, voll von rechtlichen Risiken und vor allem: ohne eine saubere Ende-zu-Ende-Verschlüsselung so konstruiert, dass auch sie auf dem Versandweg geöffnet und mitgelesen werden könnten.


"Bullshit made in Germany": Beim Jahrestreffen des Chaos Computer Clubs nimmt der Sicherheitsexperte Linus Neumann die De-Mail auseinander.

39 Cent soll der Versand einer De-Mail kosten. Wie also verkauft man ein Produkt, das nicht hält, was es verspricht - mit dem sich aber immerhin gutes Geld verdienen lässt? Die Lösung bei GMX und WEB.DE lautet offenbar: Angst machen. Torsten Kleinz hat WWW: in seinem Blog E-Mails veröffentlicht, die er von WEB.DE bekommen hat.

"E-Mail-Adressen aus Vor- und Nachnamen, wie die Ihre, sind bei WEB.DE immer seltener verfügbar. Noch drastischer gilt das für die neuen, derzeit kostenlosen De-Mail-Adressen, denn eine De-Mail-Adresse besteht immer zwingend aus dem Namen, der im Personalausweis steht. Daher sind schon jetzt über 1.000.000 (Million) sehr gefragter De-Mail-Adressen vergeben."
"Auf unsere letzte Nachricht haben wir bis heute keine Identifikationsanfrage von Ihnen erhalten. Ihre De-Mail-Adresse mussten wir daher zur Löschung und anschließenden Freigabe vorbereiten."
"Eröffnung Kulanzfall. [...] Aufgrund mehrerer Anfragen werden einige, vorreservierte De-Mail-Adressen noch für kurze Zeit reserviert bleiben. Im Anschluss an diese kurze Kulanzzeit werden die De-Mail-Adressen wieder freigegeben."

Ähnlich läuft es bei GMX. Auch hier scheint Angstmachen zur Strategie zu gehören.


Der Eigentümer von WEB.DE und GMX ist 1&1 und antwortet auf unsere Frage, warum hier unter anderem der Eindruck erweckt wird, man hätte aktiv einen De-Mail-Zugang beantragt: "Die Werbemail richtet sich an Nutzer, die sich im Beantragungsprozess zu Ihrem De-Mail-Postfach befinden und diesen unterbrochen haben." Ich vermute ja, den Empfängern dieser Werbemails wird ein solcher "Beantragungsprozess" neu sein.

Angenommen, die De-Mail wäre kein solch großes De-Bakel: Dank solcher "Werbung" wüsste ich dann zumindest zuverlässig, welchen Anbietern ich meine Hochsicherheitspost im Netz nicht überlassen würde.

Auch ich habe von meinem E-Mail-Anbieter (web.de) solche Werbemails bekommen. Und ich habe garantiert niemals einen "Beantragungsprozess" für eine De-Mail-Adresse gestartet. Anscheinend genügt web.de also das Vorhandensein eines normalen E-Mail-Kontos für diese Behauptung.

Meine Konsequenzen habe ich jedenfalls gezogen: Ich migriere meinen Mailverkehr gerade von web.de weg zu seriösen Anbietern - nämlich solchen, die De-Mail nicht anbieten und erst recht keine Werbung dafür machen.

D.M. aus DO am 10.02.14 13:45

Vielleicht ein wenig abwegig, aber immer wieder lustig finde ich in diesem Zusammenhang, dass emails, besonders von englischsprachigen Unternehmen, in ihrer 'corporate'-Signatur unten ein längliches Blabla enthalten à la 'This email is strictly confidential...' (zu deutsch: 'Diese email ist streng vertraulich...'). Weiterhin wird mit angeblichen drakonischen Strafen gedroht wenn man diese Anweisung missachtet..

Im Artikel richtig erwähnt, eine email ist wie eine Postkarte und kann von jedem Serverbesitzer, durch den die email geleitet wird, mitgelesen werden! Das habe selbst ich bereits in der Pionierzeit des Internets Mitte der 1990er Jahr gelernt, auch ohne Snowden und NSA!!

Es scheint aber ein wenig in Vergessenheit geraten zu sein. Vertrauliche Dokumente schickt man ausschließlich auf Papier, mit Einschreiben, Sendungsverfolgung und Rückschein - Ende der Diskussion.

Chris26 am 11.02.14 6:34

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Sonntag, 09.02.2014

Ausgeflogen - Flappy Bird verschwunden

Kaum jemand kennt den Vietnamesen Nguyen Ha Dong, seine Schöpfung ist dafür umso bekannter: Rund 50 Millionen Mal wurde Gongs Game-App WWW: Flappy Bird innerhalb kürzester Zeit auf Smartphones und Tablets geladen. Eins der erfolgreichsten Spiele aller Zeiten, zumindest auf dem Smartphone. Rund 50.000 Dollar soll der Entwickler damit verdienen - am Tag, wohlgemerkt. So viel bringen die kleinen Werbeinseln wohl ein, die in dem WDR: kostenlos erhältlichen Spiel mit Retro-Charme eingeblendet werden, das Blog: Digitalistan-Blogger Alex Nieschwietz erst vor wenigen Tage hier vorgestellt hat.

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Flappy Bird: Derzeit der Renner auf dem Smartphone


Entwickler zieht den Stecker - wegen Überlastung?
Da sollte man meinen, dass sich so ein Entwickler ein Loch in den Bauch freut, die Werbeeinnahmen einstreicht und über ein Sequel nachdenkt. Nicht so Nguyen Ha Dong. Der WWW: twitterte Samstagnacht, dass ihm der ganze Rummel zu viel werde und Flappy Bird deshalb Sonntagabend, 18.00 Uhr, aus dem App-Store verschwinden soll. Ersatzlos. Ohne Wenn und Aber. Auch könne man das Spiel nicht kaufen. Oder ihn umstimmen. Die Entscheidung sei gefallen - Spiele entwickle er aber trotzdem weiter, erklärte Dong WWW: per Twitter.

Die Fangemeinde ist geschockt, stottert und stammelt in den sozialen Netzwerken und sucht nach Erklärungen. Ein überaus plötzlicher Exodus für ein Spiel, das gerade Millionen Menschen weltweit begeistert. Unter dem Hashtag WWW: #dontdeleteflappybird drückt die Fangemeinde ihren Kummer aus, losgetreten von WWW: @SaveFlappyBird. Das Ziel: Flappy Bird doch noch zu retten. Eine Art Online-Petition. Denn Gerüchten zufolge könnte sich Flappy-Bird-Erfinder Gong doch noch überreden lassen, weiterzumachen - aber nur, wenn die Initiative wenigstens 100.000 Retweets erhält.


Machen andere Spielehersteller Druck?
Schon schießen die Spekulationen ins Kraut, was Dong dazu veranlasst haben könnte, den Stecker zu ziehen. Dass jemand den Ruhm nicht erträgt, keine Anfragen haben will und sich möglicherweise noch nicht mal was aus den großen Beträgen macht, die er nun plötzlich verdient - das kann sich in der westlichen Welt schlichtweg niemand vorstellen. Schließlich suggerieren nicht enden wollende Casting-Sendungen das genaue Gegenteil: Nicht jeder hat das Zeug zum Star, aber jeder will einer werden.

Möglicherweise gibt es aber auch ganz andere Gründe. Möglicherweise, und das wird kolportiert, haben große Unternehmen wie Nintendo Dong persönlich und den kleinen Spielevertreiber .Gear abgemahnt, weil Flappy Bird an Mario Brothers erinnert. So etwas wäre denkbar, ist aber noch nicht offiziell bestätigt. Es wäre ein typischer Reflex: Wenn jemand anders erfolgreich ist, dann will man einen Teil vom Kuchen abhaben. Klar, dass sich eine Einzelperson - Flappy Bird wurde nur von einer einzigen Person entwickelt, in nicht mal drei Tagen Arbeit - dagegen nicht wehren kann und nicht wehren will.

Vielleicht ist aber alles auch nur eine sehr clevere PR-Strategie. Denn wenn nun plötzlich alle die flappenden Vögel retten wollen - eine bessere PR und mehr Aufmerksamkeit gibt es wohl nicht.

Update (10.02.14): Offensichtlich hat Dong Ernst gemacht. Ich habe Play Store und App-Store nach der App "Flappy Bird" durchsucht - und sie ist nicht mehr da. Das Kultspiel ist offensichtlich tatsächlich verschwunden. Spielen kann man es aber noch, wenn man es vorher geladen hat.

Ex-odus oder Ex-itus?
Ein Exodus wäre ja nicht so schlimm ;-)

Bertram in Mainz am 9.02.14 18:37

Alles Spekulatius! Sichere Quellen bestätigen allerdings, dass die Flugrichtung nach rechts, quasi ostwärts, dem Gauck nicht behagt. Und so nahmen die Dinge ihren Lauf, ist halt Ost- Diplomatie der kruden Art. Die behandelt aber der DLF. Noch Fragen?

EinLogger am 9.02.14 23:03

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