Dienstag, 15.04.2014

Die Liebe von nebenan

Love me, Tinder, love me sweet... So könnte das Elvis-Lied in der Version 2.0 klingen. Die App Tinder scheint gerade der Dating-Trend schlechthin zu sein. Unzählige meiner Freunde und Bekannte sind dort angemeldet und flirten, was die Tasten hergeben. Deshalb wollte ich es genauer wissen: wieso steht Tinder bei Singles so hoch im Kurs und was ist anders als bei anderen Dating-Portalen? Ein kleiner Selbstversuch...

Tinder ist Englisch und bedeutet Zunder. Zunder ist ein leicht brennbaren Material zum Entfachen eines Feuers. Ob die App dem Namen standhalten kann? Jasmin sagt ja. Sie ist frisch verliebt und strahlt über beide Ohren. Jan sagt eher nein. Er hatte ein Treffen, ist aber skeptisch.

Tinder Suche; Rechte: WDR/Horn

Tinder sucht seit September 2013 mögliche Partner - ob für Freizeit oder Liebe - im näheren Umkreis, per GPS. Eine große Sicherheitslücke in Sachen Ortung ist mittlerweile angeblich behoben. Zusätzlich kann man den Suchradius in den Einstellungen selbst auf einen Kilometer minimieren. So kommt man also tatsächlich an neue Kontakte direkt um die Ecke. Und weil Tinder nur mit Facebook-Anmeldung läuft und das persönliche Facebook-Profil die Grundlage für die Partner-Suche bildet, gibt es häufig auch Gemeinsamkeiten wie gleiche Hobbys, gemeinsame Freunde oder die selben Lieblingsfilme - je nachdem, welche Angaben man bei Facebook veröffentlicht und freigegeben hat.

Tinder Nutzungsbedingungen; Rechte: WDR/Horn

Meine größte Sorge bei der Anmeldung ist, dass am Ende doch was von Tinder in meinem Namen auf Facebook gepostet wird, die App in meinen "Interessen" auftaucht oder mein Gesicht als Tinder-Werbung auf der Seite erscheint. Dazu kam es zum Glück wirklich nicht, allerdings habe ich direkt drei Nachrichten von echten Freunden aus dem wahren Leben per Facebook bekommen: "Wie, du bist jetzt auch bei Tinder?" Herzstillstand! Aber klar, wenn man sich durch das Single-Angebot in der eigenen Stadt klickt, sieht man eben auch schon mal bekannte Gesichter. Wer heimlich flirten oder sogar fremdgehen will, ist bei Tinder auf jeden Fall falsch.

Ich lasse mir also Männer zwischen 32 und 41 Jahren anzeigen und klicke mich durch. Ganz schön oberflächlich irgendwie. Gefällt mir der Mann auf dem Foto nicht, drücke ich das rote X, möchte ich mehr wissen, drücke ich das Info-i. Innerhalb von 30 Sekunden habe ich gefühlt einen ganzen Supermarkt mit Männern von A-Z durchgesehen. Finde ich jemanden gut, bekommt er das Herz-Symbol. Und wenn er mich auch gut findet und sein digitales Herz vergibt, bekommen wir beide ein Match angezeigt und können anfangen zu schreiben.

Tinder Interesse; Rechte: WDR/Horn

Für mich gilt also: statt mir im wahren Leben einen Korb einzufangen, bekomme ich hier Absagen und Desinteresse bei Tinder nur durch Abwesenheit eines "Matches" zu spüren. Verkraftbar. Aber Ersatz ist schnell gefunden. Über 10 Millionen Leute nutzen Tinder. Tendenz steigend. Warum? Das möchte ich von Jan, 39 Jahre, aus Düsseldorf wissen. Ich habe ihm ein Herz geschickt, er hat mich zurück geherzt und wir haben uns getroffen. Natürlich habe ich ihm geschrieben, dass ich einen Selbstversuch für den WDR mache. Jan ist erst seit zwei Wochen bei Tinder, ein Freund hat ihn darauf gebracht. Jobmäßig kommt er nicht viel raus und hat auch keine Lust jedes Wochenende auf überfüllten Partys rumzuhängen. So kann man sich aus der Deckung heraus umgucken, sagt er. Denn eigentlich ist er schüchtern, eine Frau ansprechen würde er im wahren Leben nicht. Über Tinder vertreibt er sich aber abends eher die Zeit, eigentlich rein egoistisch, statt fernzusehen. Marktwert testen, kommunizieren, und wenn es nicht passt auch schnell wieder schweigen. "Eine Frau habe ich neulich getroffen, auf einen Drink. Das war nett, aber mehr auch nicht." Die große Liebe? Hat er so noch nicht gefunden.

Tinder Match; Rechte: WDR/Horn

Im Gegensatz zu Jasmin aus Köln. Die 33-jährige Unternehmensberaterin hat ebenfalls auf Empfehlung eines Freundes Tinder installiert. Ein paar Wochen und ein Treffen mit Mario, 34 Jahre, später war die Sachen geritzt: sie verliebte sich, er verliebte sich, und die beiden sind vom ersten Tag an ein Paar, das nur 400 Meter auseinander wohnt. Jasmin glaubt, dass das oberflächliche Tinder-System sogar von Vorteil ist. Bei anderen Portalen gibt es zu viele Infos und damit auch zu viele Gründe, jemanden wieder auszuschließen. Bei Tinder erfährt man nur Name, Alter und Entfernung des Wohnorts. Ein bisschen wie im wahren Leben - wo man jemanden sieht, das Alter schätzen kann und auf durch Aufenthaltsort schließen kann, dass er aus der Ecke kommt. Die ein oder andere nervige oder anstößige Mail hat Jasmin zwar auch bekommen, aber das kommt in jedem Portal vor, weiß sie aus Erfahrung. Ansonsten treffen sich bei Tinder viele gleichgesinnte, spontane Leute. Willig die Liebe des Lebens zu finden. So wie die zwei.

Neben Tinder gibt es natürlich auch Portale für spezielle Zielgruppen. Singles mit Kindern können bei Moms-Dads-Kids flirten. Wer nicht auf Massenagebote steht, kann beim Single-Blog "WWW: Im Gegenteil" mitmachen. Hier werden gerade Mal ein dutzend Leute vorgestellt - die dafür sehr liebevoll und persönlich.

Wer sich übrigens verliebt und doch weiter auseinander wohnt, kein Problem. Vor einiger Zeit hat sich ein Paar aus New York und Bangladesch per WWW: Videostream offiziell trauen lassen. Und sollte es doch schief gehen mit der digitalen Liebe, gibt es zum Glück auch Online-Scheidungsportale. Dank GPS bestimmt auch direkt um die Ecke.

Unsere Blogger Anita Horn und Dennis Horn sind weder verwandt noch verheiratet, aber umso besser vernetzt. Sie entdecken jede Woche digitale Perlen: spannende Webseiten, lustige Links und Angebote, die den Alltag bereichern - hier im Blog und jeden Donnerstag in der WWW: WDR5 LebensArt im Radio.

Ist ja so eine Sache. So modern. Also die Gefühlsduselei. Knapp 100 Jahre am Markt, Immo- Haie freut es, aber international ist die Sache noch immer pragmatisch gelöst. Man/ frau wird zugeteilt und fertig.Macht das Finanzerb- Gesindel doch auch noch heute so. Ehengattenspitting, das Stichwort dazu. Von Bayern nicht zu reden.
Aber wenn wer beim WDR ist oder war hat man/ frau natürlich reichlich Zeit für Mätzchen.
Vgl. auch Breuckmann, Manni, der. Übles WM Video in der Pipeline, der Frührentner. Gut dabei: dem läuft keine Lady ob des Werkes zu.
Und ich keiner WDR Dame, nie!

Lieblicher Lauscher am 15.04.14 23:16


Kennenlernen per Zufall ist Mist! Deshalb ist eine solche Neuerung zu begrüßen. Ob das jetzt das Richtige ist, ist nicht mal so wichtig. Entscheidend ist, dass endlich das Thema aus dem Tabu raus kommt. Für viele Menschen gibt es gar keine normale Gelegenheit, weil die Umgebung statistisch untypisch ist.

Eigentlich ginge es ganz ohne Technik. Man bräuchte nur ein Kennzeichen, dass derjenige auf Partnersuche ist. Ein Fingerring oder ein Anhänger, Farbe codiert Details? Dann dürfte derjenige jederzeit darauf angesprochen werden, ohne Spott.

Es gibt für alles Kennzeichen, Aufkleber usw. Jedes Hobby, jede Partei hat ihre Logos. Für Verheiratete gibt es den Ehering. Für Partnersuchende gibt es nichts. Partnervermittlung ist immer noch durchsetzt von "schwarzen Schafen". Da ist Handlungsbedarf!

Wir sind jederzeit mit jedem Menschen auf der Welt verbunden, wenn wir ein paar Tasten drücken. Aber das Kennenlernen funktioniert immer noch mit (echtem oder arrangiertem) Zufall. So ein Unsinn!

Bertram in Mainz am 18.04.14 0:17

also ich lasse den lieben Gott walten und schalten (auch) in dieser Hinsicht, in diesem Zusammenhang. Schickt er mir ein weibliches Wesen - und nicht etwa "läuft mir eine per Zufall über den Weg" - dann übernimmt der Herr auch die Verantwortung wenn´s nicht passt und klappt oder gar "Sünde" ist und ich wasche meine Seele in Unschuld.

Volkmann am 20.04.14 21:51

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Donnerstag, 10.04.2014

Sicherheits-Gau im Netz: Herzbluten aus NRW

Viren, Würmer und Trojaner, die besonders viel Schaden anrichten, bekommen in der Regel einen schicken, wohlklingenden Namen verpasst. So kann man sich die Schädlinge besser merken und vor allem besser darüber sprechen. Dann weiß jeder, was gemeint ist. Auch die folgenreiche Sicherheitslücke in OpenSSL, die jetzt so viel ARD: Wirbel verursacht, hat einen gut einprägsamen Namen verpasst bekommen: WDR: Heartbleed. Herzbluten. Passt wie Faust aufs Auge.

Logo von Heartbleed; Rechte: heartbleed.com
Logo des Sicherheits-GAUs: Herzbluten


Programmierer des Heartbleed-Irrtums aus NRW
Aber irgend jemand muss dafür verantwortlich sein. Eine Sicherheitslücke ist schließlich kein Naturereignis, auch keine Abnutzungserscheinung von betagter Software, sondern eine von Anfang an fehlerhafte Programmierung. Jede Sicherheitslücke hat also gewissermaßen einen Autor. Einen Verursacher. Einen Programmierer, der den Code geschrieben hat. Im Fall von WWW: Heartbleed ist es nachweisbar ein Deutscher. Bei OpenSource-Software wie OpenSSL wird genau dokumentiert, wer, wann, was programmiert hat. Deshalb lässt sich auch genau sagen, wer die entsprechenden Programmzellen codiert hat, die jetzt für so viel Wirbel sorgen. Hier ist der WWW: Programmcode öffentlich einzusehen.

Um es klar zu sagen: In der Haut des Betreffenden möchte ich jetzt gerade nicht stecken. Aber er ist längst identifiziert: Der Programmierer mit dem Vornamen Robin wohnte seinerzeit in Münster. Sein Name geistert also bereits durchs Netz - und er muss auch schon reichlich Spott und Häme einstecken. Doch damit nicht genug: Ein Hacker behauptet nun sogar, der fehlerhafte Code könnte mit Absicht entstanden sein, um eine sogenannte "Backdoor" aufzumachen, eine gezielt programmierte Hintertür, etwa für Geheimdienste, Polizei - oder eben Kriminelle.


Hier steckt der Wurm drin: Der Programmcode von Heartbleed


Urheber von Heartbleed wehrt sich öffentlich
Der Autor der so folgenreichen OpenSSL-Zeilen erklärte allerdings bereits öffentlich, das sei WWW: Humbug. Er habe offensichtlich etwas übersehen. Letztlich wird sich nie wirklich nachweisen lassen, ob das Leck absichtlich oder versehentlich entstanden ist. Der Bug selbst ist vergleichsweise simpel. So etwas kann man wirklich leicht übersehen, das weiß jeder, der selbst programmiert. Schließlich hat auch sonst niemand das Problem entdeckt. Programmcoder in OpenSource-Projekten werden von vielen Leuten angeschaut und geprüft. Keiner hat ein Leck gesehen.

Heartbleed ist in jeder Hinsicht ein Gau. Denn bislang galten per SSL verschlüsselte Datenverbindungen als nahezu absolut sicher. Jeder hat darauf vertraut. Ein so gravierendes Problem erschüttert das Vertrauen bis in die Grundfeste. Es wird eine Weile dauern, bis sich das Internet von diesem Schock erholt hat - vor allem, weil nicht klar ist, wer dieses Leck bereits ausgenutzt hat. Die WWW: NSA steht bereits in Verdacht. Vor allem aber müssen neue Lösungen her, um Sicherheit im Netz zu gewährleisten. Neue Konzepte, die überzeugen und wirklich dauerhaft funktionieren.

"Der Hacker" (bekannt als Fefe) unterstellt die unterstellte Absicht nicht.

oskar am 10.04.14 21:09

"Das Internet" ist nicht geschockt. Eher seine Nutzer, und von denen eher die unbedarften. Nach all den Jahren mit diesem "Monster Internet" muss einem doch klar sein, dass immer was passieren kann. Kurz: Murphy! Oder: Expect the unexpected. Besonnen bleiben, Systeme sichern, vom Netz nehmen oder abschalten, dass ist das Gebot der Stunde. Alleine die Informationsbeschaffung war mühseelig. Bis mal klar war, das AVM nicht betroffen ist, bis Synology heute das Update rausgerückt hat. Zig URLs gecheckt um zu sehen, wo Passwörter geändert werden sollten, wo Zertifikate vielleicht abhanden gekommen sind. Ständiges Abwägen, was in den sicherheitskritischen Bereich gehört (Bank, PayPal, Amazon) und was nicht (Login bei der Tagesschau). Dieser Lücke verdanke ich eine innere Reinigung. Wurde mal wieder Zeit. Da brauche ich keine neuen Konzepte, viel mehr sollte man sich das K.I.S.S.-Prinzip zu Herzen nehmen. Hach, heartbleed - zu Herzen nehmen - passt wie Faust aufs Auge.

Dominik am 11.04.14 0:22

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Donnerstag, 10.04.2014

SSL-Test: Sicher oder nicht?

Was für ein Gau: Normalerweise gehen wir davon aus, dass Daten, die wir über eine verschlüsselte Verbindung im Internet übertragen, nicht abgehört werden können. Moderne Schlüssel gelten als nahezu unknackbar. Doch jetzt wissen wir: OpenSSL hat ein gravierendes Sicherheitsproblem. In der nahezu überall verwendeten Bibliothek OpenSSL gibt es ein Sicherheitsleck. Wer es ausnutzt, kann sich in Server einklinken und Daten auslesen - auch sensible Daten wie Zugangsdaten, Passwörter oder andere vertrauliche Daten.

Doch woher soll man wissen, ob ein Onlinedienst, ein Server das Sicherheitsleck überhaupt hat und ob es bereits gestopft wurde? Mit WWW: diesem Onlinetest eines italienischen Programmierers ist das jetzt möglich. Einfach die URL oder den Hostnamen der Webseite eingeben - und wenige Sekunden später weiß man Bescheid, ob das Sicherheitsproblem besteht oder gelöst wurde. Wer mit Chrome surft, kann die praktische WWW: Erweiterung Chromebleed laden - und wird dann automatisch gewarnt, wenn er auf einer unsicheren Webseite landet. Die Eingabe von sensiblen Daten verbietet sich dann dort.

Screenshot Heartbleed Test; Rechte: WDR
Dieser Onlinedienst überprüft, ob eine Website bereits sicher ist

im Zuge der Aufdeckung des Diebstahls der Passwörter für e-mail-Adressen habe ich mein Passwort bei der Telekom geändert. Die Änderung wurde von der Telekom auch bestätigt. Ein Versuch am gleichen Tag, meine e-mails mit dem neuen Passwort abzurufen endete positiv. Am nächsten Tag konnte ich e-mails nur mit meinem alten Passwort abrufen.

Eine wiederholte Änderung mit Bestätigung durch die Telekom und der Versuch am gleichen Tag endete wiederum mit positivem Ergebnis. Am nächsten Tag aber konnte ich die e-mails wieder nur mit dem alten Passwort abrufen. Das neue Passwort wurde als nicht richtig abgelehnt.

Ich habe die Telekom aufgefordert, hierzu Stellung zu nehmen. Eine Antwort steht noch aus.

Die Nutzer des Internets werden aufgefordert ihre Passwörter regelmäßig zu ändern. Dieses Bemühen wird aber - in meinem Fall - durch die Telekom unterlaufen und ad absurdum geführt.

Was soll ich noch unternehmen?

Heinz Schröder am 10.04.14 19:30

Achherrje. Vielen Dank für die Infos, Herr Schieb!

Sven Kalbitzer am 10.04.14 19:36

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