Samstag, 30.05.2015

Googles neues Foto-Universum

Beliebig viel Speicherplatz zum Nulltarif - das bietet Google jetzt tatsächlich jedem an. Wer mag, kann all seine Fotos bei WWW: Google Fotos hinterlegen. Ob mit Desktop, Tablet oder Smartphone ist egal. Für Android und iOS gibt es sogar eine Deluxe-App, die alles automatisch erledigt, wenn man möchte. Neue Aufnahmen werden sofort in die Cloud geschickt. Fotoaufnahmen und Videos. Niemand muss sich über Speicherlimits oder Kosten den Kopf zerbrechen. Es gibt kein Limit - und keine Kosten. Eine Einschränkung gibt es allerdings: 16 Megapixel Auflösung ist die Obergrenze bei Fotos, Full-HD die Obergrenze bei Videos.

Google Photos: Aufnahmen auf allen Geräten verfügbar; Rechte: Google
Google Fotos: Aufnahmen auf allen Geräten verfügbar

Bilder wiederfinden
Wer Fotos mit einer höheren Auflösung speichern möchte, kann das durchaus: Die Bilder werden dann allerdings im Google Drive gespeichert und vom zur Verfügung stehenden Speichervolumen abgezogen. Warum die Grenze bei 16 Megapixel liegt? Keiner weiß es so genau. In dieser Beziehung ist flickr weniger sparsam: Hier kann man Fotos in jeder beliebigen Auflösung speichern. Dem Benutzer steht 1 TB (1.000 GB) kostenlos zur Verfügung, unfassbar viel. Natürlich klingt "ohne Limit" großzügiger. Aber hier muss man eben aufpassen, weil die Aufnahmen nicht in voller Qualität archiviert werden. Für Schnappschüsse und die üblichen Aufnahmen mit dem Smartphone ist das aber in der Regel unerheblich.

Die Stärke von Google Fotos liegt sowieso woanders: Man kann hochgeladene Fotos sehr komfortabel durchsuchen. Google kennzeichnet die ins Archiv geladenen Aufnahmen automatisch mit Tags, mit Kennzeichnungen. Google Fotos kann zum Beispiel Fotos finden, auf denen ein Hund zu sehen ist, oder eine Berglandschaft, Lebensmittel, Personen oder ein Strand. Diese Unterscheidung gelingt Google keineswegs immer perfekt, aber doch erstaunlich häufig gut. Noch nie war es so einfach, bestimmte Fotos zu finden: Einfach Suchbegriff eingeben oder in den automatisch erzeugten Kategorien nachschlagen (etwa Aufnahmeort oder Bildinhalt). Außerdem kann der Benutzer natürlich auch selbst manuell Tags vergeben.


Google Fotos will mehr sein als nur ein Foto-Archiv


Bezahlt wird mit der eigenen Identität
Gespeicherte Fotos lassen sich aber auch optimieren. Oder es können Collagen, Animationen und Filme erstellt werden - auf Wunsch sogar mit Soundtrack. Google hat wirklich tief in die Trickkiste gegriffen, die angebotenen Funktionen haben durchaus Charme. Erst Recht, wenn man sich erst mal an die Bedienung und die vielen Funktionen gewöhnt hat.

Aber natürlich zahlt man seinen Preis für die kostenlose Dienstleistung. Man überlässt Google nicht nur seine Fotos, sondern liefert so ganz nebenbei auch eine Menge Informationen über die eigenen Lebensgewohnheiten. Was fotografiere ich besonders gerne, wo halte ich mich auf, welche Smartphones nutze ich, um die Fotos zu machen?

Abgesehen davon kann Google seine Algorithmen und Filter trainieren. Denn auch Software kann lernen: Umso mehr Fotos Google in Kategorien wie Strand, Berge, Landschaft, Personen, Lebensmittel, Party, Sport oder was auch immer unterteilen muss, desto besser klappt es. Und umso präzisere Unterscheidungen sind in Zukunft möglich. Davon wird zweifellos auch die Suchmaschine profitieren. Ich bin sicher, dass Google einen weitergehenden Plan hat - und die Suchmaschine im Bereich Bildersuche aufgepimpt werden soll.

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Freitag, 29.05.2015

Eine Schriftart aus Instagram-Fotos

Das nenne ich mal eine innovative Schriftart: Die Website WWW: "Type to Design" wandelt den Text, den ihr darauf eingebt, in Instagram-Bilder um, die aus den jeweiligen Buchstaben bestehen. Der Text kann noch so grausig sein: Das Ergebnis sieht immer schick aus. Die fertigen Werke könnt ihr euch runterladen oder einen Link dazu rumschicken.

Type to Design; Rechte: 36 Days of Type
"Willkommen in Digitalistan!"

Nebenbei zeigt diese Idee wieder einmal, wie es ums deutsche Urheberrecht bestellt ist: Die Ergebnisse dürft ihr nur für private Zwecke einsetzen und nicht neu veröffentlichen, also zum Beispiel bei Facebook posten. In Deutschland wäre es also wohl nicht einmal möglich, eine solche Website überhaupt an den Start zu bringen.

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Donnerstag, 28.05.2015

Pappbrillen, Datenschutz und Foto-Archiv

Einen gewissen Sinn für Humor haben die bei Google schon. Sie Blog: verlosen die Tickets zu ihrer wichtigsten Veranstaltung Google I/O, weil mehr Entwickler kommen wollen als möglich ist. Trotzdem kostet jedes Ticket 900 Dollar. Wer nun tatsächlich nach San Francisco kommen durfte, dem wird aber einiges geboten. Zum Beispiel echte Nerd-Atmosphäre. Die Hundertschaften von wartenden Entwicklern, die Einlass zur Eröffnungsrede der zweitätigen Konferenz begehren, wurden mit "Pong"-Spielen abgelenkt. Der Spieleklassiker wurde auf riesige Leinwände projeziert. Den Besuchern hat es gefallen. So wie die Tatsache, dass Google eine Neuauflage seines Verkaufsschlagers Project Cardboard angekündigt hat. Hardware aus Pappmasché - für 18 Dollar.

Verkaufsschlager Google Cardboard; Rechte: Google
Verkaufsschlager Google Cardboard

Mit einer Pappbrille die Welt erobern
Googles WWW: Project Cardboard ist eine Art Bausatz. Man faltet das Pappgestell zusammen und hat dann eine Art 3D-Brille zum Aufsetzen. Die kommt ohne Technik aus, weil man nämlich sein Smartphone reinsteckt - und das präsentiert einem dann die virtuelle Welt in 3D. Passende Software liefert Google mit. Hübsche Idee: Über eine Million Mal hat sich Project Cardboard verkauft (und war damit deutlich erfolgreicher als das Blog: Vorzeigeprojekt Google Glass). Doch weil Smartphones immer größer werden, musste ein neues Cardboard her. Das neue Modell verkraftet auch Smartphones mit sechs Zoll Display. Außerdem wird nun auch iOS unterstützt, die böse Konkurrenz.

Das Ganze ist mehr als Spielerei. Zum einen macht Google damit Facebook eine lange Nase, das für das Virtual Reality Headset Ocolus Rift rund 1500 Dollar verlangen will. Zum anderen will Google damit von der Schlappe mit seiner Datenbrille ablenken. Vor allem aber stößt man Türen zu neuen Märkten auf. Google will die Papp-Brille nämlich tatsächlich in die Schulen bringen. Teuer ist die Brille schließlich nicht. Mit einer neuen Software namens WWW: Google Expeditions will Google es schaffen, dass Schüler sozusagen virtuelle 3D-Ausflüge in fremde Welten unternehmen. Die Brillen von Schülern und Lehrern sollen synchronisiert werden. Eine ausgefallene Idee, muss ich wirklich sagen, die es wert wird, weiter verfolgt zu werden.

Neues Android mit mehr Datenschutz
Neugierig waren die Entwickler aber natürlich vor allem auf die neue Android-Version, die Android M getauft wurde. Wichtige Neuerung: Endlich können auch Android-Nutzer besser kontrollieren, welche Daten einzelne Apps nutzen dürfen. Das war bei Android bislang eher umständlich oder gar nicht möglich, weshalb viele Android-User Extra-Apps nutzen, um ihre Daten zu schützen und die Einstellungen zu kontrollieren. Künftig soll es so einfach sein wie bei iOS - es wird aber auch wirklich Zeit.

Außerdem will Google seinen bislang völlig unbedeutenden Bezahldienst Pay ausbauen. 700.000 Shops in den USA sollen Android Pay unterstützen. Ein Angriff auf Apple Pay. Darüber hinaus führt Google mit Android M die systemweite Unterstützung der Identifizierung per Fingerabdruck ein, zumindest bei allen Geräten, die das unterstützen. Eine lange Liste von "We too". Google eifert bei Android in vielerlei Hinsicht Apple nach. Besonders innovativ ist das nicht.

Wirklich interessant hingegen ist der neue Fotodienst WWW: Google Photo. Hier können User - mit einer entsprechenden App, die es auch für iOS gibt - unendlich viele Fotos und Videos hochladen. Fotos mit bis zu 16 Megapixel Auflösung und Video in Full-HD. Es gibt kein Speicherlimit. Eine Kampfansage an alle Online-Fotodienste, auch an flickr, wo auch schon sagenhafte 1 TB für jeden User gratis zur Verfügung stehen. Das macht deutlich: Google will unbedingt alle Daten haben.


Fotos bis zu 16 Megapixel? Das wäre eine unzeitgemässe Begrenzung, selbst Kompakte haben doch heutzutage gerne mal 20+ Megapixel Auflösung, von modernen DSLRs ganz zu schweigen.

Potentieller Interessent am 29.05.15 11:54

Wenn ich das grad richtig sehe, ist "Google Foto" mit "Google Drive" verknüpft. Dort hat man dann eine Speicherkapazität (aktuell wohl 15 GB kostenlos), die auch für die Fotos und Filme zählen. ABER bei Fotos werden erst Fotos mit Auflösungen über 2048x2048 Pixel gezählt, alle Fotos darunter sind daher quasi frei und damit hat man dann einen "unbegrenzten" Speicher für Fotos bis zu dieser Auflösung. Von 16 Megapixeln steht da so nichts.

Pyro am 29.05.15 12:27

Auf Fotos können Neue Ideen entdeckt werden, für die, der die Aufnahmen gemacht hat keinen Blick hatte.

LiFe am 29.05.15 12:33

Die Fotos werden ja automatisch kategorisiert und sonstwie inhaltlich ausgewertet, was für Google natürlich ein gefundenes Fressen ist. Naja, wer unbegrenzten Speicherplatz kostenlos haben will, wird mit irgendwas anderem bezahlen müssen, das ist immer so.

Faszinierend ist das aber auf jeden Fall: Mit solchen Datenmengen, noch dazu verknüpfbar mit anderen Daten des Users, kann man verdammt viel lernen und experimentieren. Das ist eine ideale Grundlage für Forschung und Entwicklung in dieser Hinsicht. Erinnert mich immer ein wenig an die ersten, die systematisch Leichen seziert haben, um mehr über den menschlichen Körper zu lernen: Das war damals so verrufen, dass sie es teilweise nachts unter der Bettdecke tun mussten, aber getan haben sie es trotzdem.

joh am 29.05.15 14:31


Das Cardboard müsste aber die kurze Entfernung zum Smartphone optisch so "übersetzen", dass man subjektiv in die Ferne schaut. Sind da also zwei Linsen drin? Ja, so ist es:
http://de.wikipedia.org/wiki/Google_Cardboard

Bertram in Mainz am 29.05.15 23:16

Wer immer in die Ferne schaut, verpasst das Gegenüber.

Wie sind eigentlich Menschen vor zehn Jahren ohne Dauerfotos und Dauerfilmerei ausgekommen? Ich denke, sehr gut.

Wer sich ständig fotografiert, hat Angst vor dem Tod. Er wird trotzdem erfolgen. Wahrscheinlich mit dem letzten Selfie oder wie sich diese Scheiße schimpft.

Cord am 5.06.15 19:05

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