Donnerstag, 21.03.2013
Linklounge 13/12: Kirschblüten gegen die Winter-Depression
Nach ihrer aktuellen Klick-Empfehlung gefragt, geben vier Digitalistan-Bewohner in dieser Woche 19 unterschiedliche Antworten. Dazu gehört eine völlig missratene, aber um so lesenswertere Vorausschau, ein ausgesprochen sehenswerter Gang zurück und ein Klick als Fluchthilfe aus diesem Frühling, der seinen Namen nicht verdient.
Der Bau eines Containerschiffs der so genannten "Triple-E-Klasse" dauert viele Monate. In diesem Zeitraffer-Video schrumpft die Bauzeit auf 76 Sekunden. Der beeindruckende Stahlkoloss wurde im vergangenen Jahr in einer koreanischen Werft gebaut und ist mit einer Länge von 400 Metern und einem Ladevolumen von 18.000 Containern das derzeit größte Containerschiff der Welt.
Und nicht nur für Schiffsbauer, Kapitäne und Leichtmatrosen ist auch die zum Schiffsneubau gehörende Projektseite "
thelargestship.com" einen Klick wert.
Da einen das Wetter derzeit ja leider dazu zwingt, seine Freizeit eher auf der Couch als draußen im Frühling zu verbringen, noch eine (englische) Leseempfehlung:
Vor 25 Jahren widmete sich die Los Angeles Times in ihrem wöchentlichen Magazin der Zukunft und prognostizierte, wie die Menschen wohl im Jahr 2013 leben werden: Unter anderem unterstützt von kleinen, durchs Eigenheim surrenden Robotern und mit sich selbst steuernden Autos in der Garage. Zukunftsprognosen, glaube ich, haben viel mit Kaffeesatzleserei zu tun.
David Ohrndorf
Minus und Minus gibt Plus. Zweimal Licht ausschalten bedeutet meistens "Licht an". Und rückwärts gehen filmen und das dann rückwärts abspielen? Messe Kopp ist rückwärts durch die Stadt gegangen, hat das gefilmt und lässt den Film nun auf Youtube rückwärts ablaufen - genug erklärt, hier der tolle Film:
Auf
rechtesland.de soll ein Atlas über regionale Aktivitäten von Neonazis entstehen. Das ganze ist ein Crowdfunding-Projekt einer Antifa-Initiative (
6.000 Euro sind zusammen gekommen) und gerade diese Woche in einer ersten Beta-Version online gegangen. Ich glaube, das ist eine gute Sache, allerdings gibt es bisher noch nicht besonders viele Daten auf der Karte. Die Macher haben aber angekündigt nachzulegen und rufen auch alle Nutzer auf, selbst regionale Aktivitäten einzutragen. Der Link kommt auf Wiedervorlage.
Seit
Kim Jong-Il Looking at Things stoße ich jede Woche auf wundervolle neue Mottoblogs. Meine Highlights in dieser Woche:
"Thumbs & Ammo". Die Macher dieses Blogs sind der Meinung: Echte Männer brauchen keine Waffen, sondern eine positive "can do attitude". Deshalb haben sie sich Kinoplakate und Filmausschnitte vorgeknöpft und aus allen Bildern die Waffen rausretuschiert. Was übrig bleibt: lauter harte Kerle, die den Daumen hoch halten. Außerdem:
"Journos Interview Sources": ein Mottoblog über saudi-arabische Zeitungen, die aus unerfindlichen Gründen laufend Bilder ihrer Reporter zusammen mit deren Quellen abdrucken. Herrlich!
Eins der Riesenthemen in dieser Woche:
das gelöschte Facebook-Posting von Jürgen Domian. René Walter schreibt darüber bei Nerdcore: "Nun könnte man sich über die 'Zensur' aufregen oder aber schulterzuckend meinen, dass Facebook eine privat finanzierte Plattform ist, die mit Hausrecht agiert und 'zensieren' kann, was sie will. Beides ist leider nicht so einfach." Richtig.
"Facebooks Geschichte politischer 'Zensur'" ist der schlaueste Text, den ich dazu gelesen habe.
Zum Schluss: "Emma, Le Trèfle". Wer erkennt sich wieder ;-)?
Ja, inzwischen hat gefühlt
fast jeder ein Smartphone. Weil ich nicht zu Kulturpessimismus neige, halte ich das allein zunächst nicht für schlimm. Nervig wird es zum Beispiel auf Konzerten, wenn Besucher aller Altersklassen ihr Gerät als Taschenlampe, pardon: Kamera, benutzen. Schlimmer ist es aber, wenn an Unfallstellen Gaffer Opfer filmen und am Ende womöglich lieber posten statt zu helfen. Der
Beitrag von Pirkko Gohlke dazu ist bitter, überrascht aber eigentlich nicht, oder? - Ups.
Und noch so ein Ärgerthema: Der Frühling scheint unendlich fern. Was bleibt einem anderes übrig, als in die Ferne zu schweifen, zum Beispiel, um die
japanische Kirschblüte zu bestaunen. Bereits am 16. März verkündete das japanische Wetteramt den Beginn des
Naturschauspiels - und damit außergewöhnlich früh. Und hier mehr gegen Frühlingsdepressionen:
Comedy I: Nachdem Disney für
"Paperman" den diesjährigen Oscar für den besten animierten Kurzfilm gewann, ist nun ein Clip mit dem "wirklichen Ende" aufgetaucht. Der stammt zwar nicht von Disney, ist aber eine gelungene Parodie der Comedysite Collegehumor.com.
Comedy II: Wenn das Internet eine Party wäre, wie wär' die dann so? Oder ist die etwa schon längst gelaufen? Mir gefällt's:
"Leseempfehlung: WWW: Vor 25 Jahren widmete sich die Los Angeles Times in ihrem wöchentlichen Magazin der Zukunft und prognostizierte, wie die Menschen wohl im Jahr 2013 leben werden:" Nachdem ich in meinem Scriptblocker insgesamt acht verschiedene Sites nach und nach erlaubt habe, bekomme ich IMMER NOCH keinen Inhalt angezeigt! Was soll dieser Mist? Warum lässt man den Besucher der Seite nicht gleich Bestellformulare für Handytarife und Uralubsreisen ausfüllen und sich PIN und TANs für Girokonto und Kreditkarte geben? Crap!
Herbert Kaiser am 25.03.13 12:02
Hallo Herr Kaiser, ich nutze auf der Seite der L.A. Times keine Scriptblogger (warum auch bei einer seriösen Anbieter-Homepage?) und bin beim Aufruf der Seite weder mit Bestellformularen noch mit sonstigem gequält worden.
Stefan Domke am 25.03.13 12:14
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Donnerstag, 21.03.2013
"Google Keep" it simple
So praktisch Smartphones und Tablets auch sein mögen - als Notizzettel taugen sie nicht besonders. Denn die in den Geräten eingebauten Notiz-Funktionen sind in der Regel gut versteckt und auch wenig praktisch. Macht man sich eine Notiz, kann man sie auch nur in dem Gerät nachschauen, in dem man die Notiz gemacht hat, nicht woanders. Das will Google mit
Google Keep ändern. Google Keep ist eine Art Online-Notizblog, in dem man - laut
Firmenblog - all seine Gedanken festhalten soll.
Google Keep: Virtueller Notizzettel - als App oder Web-Frontend
Notizen landen in der Cloud und sind von überall abrufbar
Es gibt ein
Web-Frontend und eine
App für Android-Geräte. iOS, Windows Phone und Blackberry fehlen bislang, darüber wird auch kein Wort verloren. Daten und Notizen werden im Google Drive gespeichert, dem Online-Laufwerk für Google-User. Klar, dass man ein Google-Konto braucht, um sich Notizen zu machen. Die Bedienoberfläche von Keep ist minimalistisch und angenehm übersichtlich: Man kann was aufschreiben, ein Foto hoch laden, den Notizen eine Farbe zuweisen, auch eine Sprachnotiz hoch zu laden ist möglich, zumindest mit der Android-App. Diese Sprachnotizen sollen auf Wunsch sogar in Text umgewandelt werden können, klappt aber bislang zumindest bei längeren Textpassagen nicht wirklich.
Wer mag, kann noch Kategorien einrichten. Damit ist die Featureliste auch schon am Ende. Das Praktische an Google Keep ist, dass man einmal gespeicherte Notizen von überall abrufen kann - ein echter Pluspunkt. Wer sich erst einmal auf das Konzept einlässt, Notizen in der Cloud zu speichern, wird das schnell zu schätzen wissen. Natürlich verbunden mit dem üblichen Magengrummeln, das bei vielen entsteht, wenn persönliche Daten eben in der Cloud landen... Aber das muss jeder für sich entscheiden.
Schon lange dabei: Evernote ist ein bewährter und populärer Online-Notizdienst
Keine Gefahr für Evernote und Onenote
Notizen in der Cloud speichern - das habe ich doch schon mal gehört!? Richtig: Das Ganze ist ein alter Hut. Solche Onlinedienste gibt es schon lange. Besonders gut macht das
Evernote, aber auch Microsofts
Onenote ist populär. Im Vergleich zu diesen bereits etablierten Online-Notizzetteln kann Google Keep nicht mithalten, zumindest nicht in Sachen Funktionsumfang. So lassen sich in Keep weder Tags vergeben, um große Zettelmengen zu ordnen, noch beherrscht Keep so schicke Extras wie Texterkennung (OCR) in Bilddateien, was bei Evernote selbstverständlich ist. Auch können Evernote-Nutzer sich an Dinge erinnern lassen oder gemeinsam mit Freunden oder Kollegen an Projekten arbeiten.
All das gibt es bei Google Keep nicht. Noch nicht, kann ja noch kommen. Aber macht das Google Keep gleich zu einem schlechten Notiz-Dienst? Sicher nicht. Geschätzt und gefühlt 99,5% aller User verwenden bislang gar keine Online-Notizdienste. Der Markt ist also riesig. Und viele von uns brauchen ohnehin nur wenige Funktionen. Da kommt Google Keep vielleicht gerade richtig, um so einen Online-Notizdienst mal auszuprobieren, um gewissermaßen auf den Geschmack zu kommen. Davon können die Vorreiter Evernote und Onenote sogar profitieren.
Werbevideo von Google: Wie das Onlinenotizbuch Keep funktioniert
"Geschätzt und gefühlt 99,5% aller User verwenden bislang gar keine Online-Notizdienste. Der Markt ist also riesig." Wie man von der Aussage im ersten Satz auf Einschätzung im zweiten kommt, verschließt sich mir völlig. Wenn fast alle User keinen Online-Notizdienst nutzen, liegt das vermutlich eher daran, das fast überhaupt kein Bedarf daran besteht. Daraus dann einen "riesigen Markt" zu konstruieren, klappt nur, wenn man gewohnt, ständig allen Hypes hinterher zu hecheln und plötzlich Dinge dringend zu benötigen, nur weil jemand anders sagt, dass man das jetzt so braucht.
Herbert Kaiser am 22.03.13 10:50
Vielleicht zahlt ja Google auch Geld an den WDR?
Facebook scheint das ja schon zu tun, sooft wie es Werbeeinblendungen in Sendungen des WDR gibt...
ralf am 28.03.13 18:46
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Mittwoch, 20.03.2013
Oster-Apps im Test
Das perfekte Osterei zu kochen, das ist mein Plan. Und weil mir das mit Eierkocher und einfacher Eieruhr nie gelingt, versuche ich es diesmal mit vier Gratis-Apps.
Meine Testobjekte: vier rohe Eier. Eins für jede App. App 1 namens "
Ei kochen" möchte zuerst von mir wissen, wie mein Ei-Inneres werden soll. Ich möchte es kernweich haben. Dann kann ich auf einer Skala die Größe angeben und in einem dritten Schritt noch die Ei-Temperatur. In meinem Fall lag das Ei in der kühlen Vorratskammer, also schätze ich es auf 14 Grad und bekomme eine Kochzeit von 07:03 Minuten angezeigt. App 2 heißt "
Mein perfektes Ei". Hier soll ich zusätzlich die Höhe über Null angeben. Je höher, desto länger die Kochzeit, diesmal 04:26 Minuten für das angeblich gleiche Ergebnis. App 3 namens "
Perfekt gekochtes Ei" will die wenigsten Angaben: gewünschte Konsistenz und Ei-Größe von M bis XL. Hier die empfohlene Kochzeit: 04:36 Minuten. App 4 "
CookEgg" inklusive Höhenangabe empfiehlt mir 05:54 Minuten. Ich werfe die Eier also alle gleichzeitig in kochendes Wasser. Das letzte Ei verlässt den Topf und ich mache den Seh- und Esstest.
Es ist eindeutig: App 1 hat gewonnen - mit dem bekannten 7-Minuten-Ei. Übrigens sollen Eier zu Ostern traditionell eigentlich hart gekocht sein. Vor Ostern ist ja vierzig Tage lang Fastenzeit. Wenn man die ganz streng einhält, darf man nicht nur kein Fleisch essen, sondern auch keine Eier. Sie sind ja quasi flüssiges Fleisch. Im Mittelalter hat man das Fasten sehr ernst genommen. Weil man also 40 Tage lang keine Eier gegessen hat, die Hühner im Stall aber trotzdem Eier gelegt haben und sie zum Wegwerfen zu wertvoll waren, musste man sie eben hart kochen, damit sie haltbar blieben. Gut, dass wir nicht mehr im Mittelalter leben. Ich mag meine Eier cremig.
Die fertig gekochten Eier bekommen jetzt noch einen Anstrich. Allerdings auch per
App. Ganz ohne mir die Finger mit Farbe schmutzig zu machen, kann ich die digitale Ei-Vorlage mit allen erdenklichen Farben bemalen. Meine Finger ersetzen den Pinsel. Erst gibt es eine Grundfarbe, dann folgen künstlerisch mehr oder weniger wertvolle bunte Striche und Punkte. Das fertig bemalte Ei kann ich dann inklusive Grußworte versenden.
Aber wirklich Spaß bringt die Mal-App nicht, auch wenn sie gratis ist. Da bemale ich doch lieber echte Eier. Schließlich ist auch das eine alte Tradition. Besonders die Eier, die in der letzten Woche vor Ostern gesammelt wurden - man durfte sie ja nicht essen - sollten etwas Besonderes sein. Deshalb wurden sie geweiht und bemalt. Außerdem konnte man die gekochten Eier so auch besser von den frischen unterscheiden.
Eine weitere App macht das
Räppeln ohne Ratsche möglich. Karfreitag wird traditionell in vielen Gegenden mit einer Holzratsche laut geklappert - also geräppelt. So wurden die Leute damals am Karfreitag, dem "stillen Freitag" in die Messe gerufen. Die Kirchenglocken durften an diesem Tag nicht läuten. Um virtuell Krach zu machen, muss man das Handy wild durch die Luft bewegen, so dass die Ratsche anfängt sich zu bewegen. Allerdings ist der Sound sehr blechern und ziemlich nervtötend. Und ich würde früher oder später bestimmt mein Handy fallen lassen. Also weg mit der Räppel-App.
Gut finde ich die
Rezept- und Deko-App für Ostern. Hier gibt es über 100 Rezepte vom Brunch bis zum Abendessen. Die nötigen Zutaten kann man mit einem Klick dem Einkaufszettel zufügen. So muss man nicht noch alles abschreiben, um im Supermarkt festzustellen, dass man den Zettel zu Hause vergessen hat. Egal ob Fischgerichte, Torten oder herzhafte Häppchen - für alle Anlässe gibt es zusätzlich tolle Deko-Ideen mit nützlichen Fotos. So wird Ostern garantiert ei-nmalig. Und wer genau im Blick haben möchte wie viele Eier und Kuchenstücke er noch essen darf, der kann sich mit einer
Kalorien-App helfen.
Hier noch was für Spielkinder: In der
Bubble Blast Easter-App fallen bunte Eier vom Handy-Himmel. Mit den Fingern muss man sie treffen und zerschmettern. Ebenfalls kaputt hauen kann man die Eier mit der
Smash-App. Und für einen Euro gibt es noch die virtuelle
Eiersuch-App. Alle drei Apps sind allerdings Geschmackssache.
Dass Eier in jeglicher Form gerade voll in
Mode sind, hat kürzlich die Sängerin Nil Karaibrahimgil auf der türkischen Fashion Week bewiesen. Wer trotzdem keine Lust auf Eiersuchen hat, der kann es ja mal mit
Geocaching versuchen. Eine Online-Community versteckt hier in mittlerweile vielen Städten geheime Nachrichten oder andere Kleinigkeiten. Mit GPS kommt man den Sachen auf die Spur.
Unsere Blogger Anita Horn und Dennis Horn sind weder verwandt noch verheiratet, aber umso besser vernetzt. Sie entdecken jede Woche digitale Perlen: spannende Webseiten, lustige Links und Angebote, die den Alltag bereichern - hier im Blog und jeden Donnerstag in der
WDR5 LebensArt im Radio.
Die Apps müssen nun antreten gegen das bekannte Verfahren der Intervall-Halbierung. Das konvergiert schon mit wenigen Schritten, die allerdings nur nacheinander möglich sind. Zu wenig gibt Matsch. Fangen wir also mal mit 4 Minuten an. Nach oben ist es nicht so kritisch, also z.B. 10 Minuten. Nächster Schritt: (4+10)/2= 7 Minuten. Wenn zu viel bzw. zu wenig, wäre der nächste Wert 5,5 bzw. 8,5 Minuten, ggf. runden. In diesem Fall hätten wir die 7 Minuten schon mit dem ersten Folgeschritt. Ein Ausmessen des Versuchsaufwands mit der Stoppuhr lohnt sich nicht, der Versuch ist ja nur einmalig. Man könnte allerdings iterativ mit Schritten von -0,5 bzw. +0,5 Minuten experimentieren ;-)
Bertram in Mainz am 20.03.13 14:49
Bild 4 schaffe ich in der Mikrowelle mit 700W in 43 Sekunden. Aber mir zahlt ja auch nicht der WDR den Strom, Wasser in Dorfangermasse zu verdunsten, nur weil ich'n Ei ohne Apple essen will. Aber Ranga Y. könnte ja mal filmen kommen. (Gegen Gebühr bei meiner EiGebZentr)
Pragmaticus am 21.03.13 0:39
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