Dienstag, 11.02.2014

Mal ehrlich: Ticken Sie noch richtig?

Fast jeder hat einen, aber merkt es nicht. Oder gibt seinen Spleen nicht gerne zu. Etwa: Niemals die erste Shampoo-Verpackung aus dem Verkaufsregal nehmen, sondern mindestens eine dahinter. Sich mehrmals umschauen, ob man auch wirklich nichts hat liegen lassen auf dem U-Bahn-Sitz. Oder: An den Socken riechen, bevor sie zur dreckigen Wäsche kommen ... Und wenn man sich dann doch mal bei einer angewöhnten Eigenart erwischt, fragt man sich: Geht es eigentlich nur mir so? Ein neues tumblr-Blog soll darauf nun Antworten geben. Auf WWW: "Spleen24" kann jeder seine schrägsten Macken anonym teilen - und herausfinden, ob es anderen auch so geht. Unter jedem Spleen-Eintrag lockt der erleichternde Button "ICH AUCH!"

Unter den aktuellen Top-Spleens ist zum Beispiel auch dieser:

Screenshot vom tumblr-Blog Spleen24; WDR/Spleen24
Mit 784 Gleichgesinnten derzeit auf Platz 3 in den ewigen Spleen-Charts

Täglich erreichen die Macher des tumblr-Blogs neue Einsendungen von Spleens, WWW: bei Facebook gibt es schon über 5400 Fans. "Bist nur Du bescheuert oder sind wir es alle zusammen?", fragt Bloggründer Christian Brandes, der schon die Seite WWW: "Schlecky Silberstein" zu einem skurrilen Netz-Sammelsurium gemacht hat. Er und seine mitbloggenden Kollegen schreiben über sich, sie seien "voller Spleens und würden selbst gern wissen, ob das noch normal ist."

Tipps für den Umgang mit Spleens gibt das Blog nicht. Sie wären leider nicht zu heilen, heißt es da nur. Und weiter: "Aber zieh' Dir einfach dieses geniale Faultier rein" - Heilung via Tier-Video...


Spleens heilen? "Geht leider nicht, sorry", heißt es im tumblr-Blog. Einziger Rat: "Zieh' Dir einfach dieses geniale Faultier rein"

Ach so, na gut, dann also raus damit. Auch der Autor dieses Digitalistan-Posts hat natürlich einen Spleen: Regelmäßig muss er sich am rechten Ohr kratzen, bevor er das Smartphone zum Telefonieren an den Kopf hält. Völlig normal, oder? Oder? Nicht? Jetzt drück' doch bitte mal jemand (verdammt nochmal) den "ICH AUCH!"-Button!

Danke!

Manche Spleens sind gar keine. Noch mal schauen, ob man was vergessen hat? Das ist doch sehr sinnvoll. Erstens verliert man nichts. Zweitens hat man keine Ungewissheit. Drittens, wenn mal was weg ist, weiß man, wo man es nicht verloren hat. Entscheidend ist die Frage: Warum tut man das? Wenn man eine sinnvolle Antwort hat, die auch keine Ausrede vor sich selbst ist, dann ist der Spleen keiner.

Da wundere ich mich eher über Menschen, die heute noch an Astrologie glauben. Die Horoskope stimmen meisten sogar, weil sie geschickt formuliert sind. Wenn ich in einer alten Schachtel eine alte Zeitung finde, dann schaue ich nach dem Horoskop, Sternzeichen egal. Es passt meistens auf den aktuellen Tag, nur durch die allgemein gültige Formulierung.

Manche Angewohnheiten sollte man entrümpeln, weil sie unglaublich viel Zeit fressen. Auch wenn es kein Spleen im engeren Sinn ist. Muss man jedes Kreuzworträtsel lösen, jede Sportschau gucken?

Bertram in Mainz am 11.02.14 16:57

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Montag, 10.02.2014

Neue Enthüllungsplattform gestartet

Als Edward Snowden im vergangenen Jahr ausgewählten Journalisten sein brisantes Material übergab, wusste er ganz genau: Die Enthüllungen würden eine Lawine lostreten. Er sollte Recht behalten. Seit Juni 2013 vergeht kaum eine Woche ohne Blog: neue Enthüllungen, wen die NSA alles belauscht und bespitzelt haben - und mit welch mitunter fragwürdigen Methoden das geschieht. Nichts scheint vor den amerikanischen Geheimdiensten sicher. Auch wenn sich manch einer einen größerem Paukenschlag gewünscht hätte: So weitermachen wie bisher kann die Blog: NSA wohl eher nicht mehr. Die Veröffentlichungen haben ihre Wirkung nicht verfehlt.

obama.png
Yes, we scan: DIe Enthüllungen haben das Ansehen der Politik beschädigt


Neue Plattform will unbequem sein
Das von Snowden enthüllte Material macht deutich: Es gibt eine Menge, was wir nicht wissen - aber vielleicht besser wissen sollten. Deshalb haben Snowden-Vertraute nun eine eigene Website gestartet. WWW: The Intercept soll fortführen, was mit den Enthüllungen von Edward Snowden begonnen hat: Brisantes Material soll journalistisch bewertet und aufbereitet werden. Eine neue Form von investigativem Journalismus, wenn man so möchte.

Die Gründer wollen in Zukunft deutlich mehr Dinge enthüllen, weitere Themen an die Öffentlichkeit zerren. Anfangs will sich The Intercept zwar noch auf weitere Enthüllungen der Snowden-Unterlagen konzentrieren, aber die Website beschränkt sich ausdrücklich nicht auf das NSA-Thema. Schließlich liegt vieles im Argen: Korruption, Erpressung, Justizmissbrauch, Verletzung bürgerlicher Freiheiten, soziale Ungleichheit - es gibt viele Themenfelder, mit denen Journalisten für Aufsehen sorgen können. Der Guardian-Journalist Greenwald verspricht "aggressiven und unabhängigen kontroversen Journalismus".

theintercept.png
The Intercept ist gestartet: Investigativer Journalismus 2.0


Nicht nur NSA-Themen
Heute ist die Website an den Start gegangen. Ihr aktuelles Thema: Für die Auswahl der WWW: Angriffsziele von Drohnen wurde häufig Material herangezogen, das aus den diversen Schnüffelprogrammen der NSA stammt. Die elektronische Überwachung führt also nicht nur dazu, dass konkrete Personen verdächtigt und beobachtet werden - sie führt auch dazu, dass Personen angegriffen werden. Was auch zum Tod Unschuldiger führt, wie die Website weiter schlussfolgert. Zudem gibt es neue Luftaufnahmen amerikanischer Geheimdienst-Zentralen.

Doch wozu ein neues Portal, wo es doch Wikileaks gibt? The Intercept hat zwei entscheidende Unterschiede zu Wikileaks. Das von Julian Assange ins Leben gerufene Portal hat zwar gelegentlich mit Journalisten zusammengearbeitet, aber nicht grundsätzlich. The Intercept aber hat genau hier den Schwerpunkt, und das ist ein großer Pluspunkt. Denn Journalisten können einordnen und filtern. Sie sorgen dafür, dass nicht alles ungehindert und ungefiltert an die Öffentlichkeit dringt. Sie können aber auch nachhaken und Druck machen, die Geschichte weiterdrehen.

Zum anderen ist The Intercept solide finanziert. Denn hinter dem Projekt steht der ehemalige eBay-Gründer Pierre Omidyar. Der Milliardär ist von dem Konzept überzeugt und versorgt das Projekt mit den nötigen finanziellen Mitteln. The Intercept den Geldhahn zuzudrehen durch windige Tricks, wie es bei Wikileaks gemacht wurde, wird hier nicht funktionieren. Ein spannendes Projekt.

Das"Material"das herangezogen wurde war mehr als zweifehaft und beinhaltete nicht konkrete Gespraechsinhalte-lediglich wer telephoniert mit wem und wo haelt er sich oefter auf.Lediglich Bewegungsprofile fuehrten also zu dem "go for kill".Kollateralschaeden wurden dabei billigend immer in Kauf genommen.

Robin am 11.02.14 6:50

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Montag, 10.02.2014

Angstmachen für die De-Mail

"So einfach wie E-Mail, so sicher wie Papierpost." So WWW: wirbt die Bundesregierung online für ihre Alternative zur E-Mail. Die De-Mail soll Kommunikation im Netz "verschlüsselt, geschützt und nachweisbar" machen. Das ist an sich gut gemeint. Schließlich ist die klassische E-Mail fürs Netz das, was fürs echte Leben die Postkarte ist. Das war schon klar, lange bevor der Überwachungsskandal ins Rollen gekommen ist.

Doch den Anspruch erfüllt die De-Mail nicht. Sicherheitsexperten zerreißen sie in der Luft. De-Mails seien nicht sicherer. Sie seien ganz im Gegenteil ein gutes Angriffsziel für Kriminelle, inkompatibel mit dem Rest der Netzwelt, voll von rechtlichen Risiken und vor allem: ohne eine saubere Ende-zu-Ende-Verschlüsselung so konstruiert, dass auch sie auf dem Versandweg geöffnet und mitgelesen werden könnten.


"Bullshit made in Germany": Beim Jahrestreffen des Chaos Computer Clubs nimmt der Sicherheitsexperte Linus Neumann die De-Mail auseinander.

39 Cent soll der Versand einer De-Mail kosten. Wie also verkauft man ein Produkt, das nicht hält, was es verspricht - mit dem sich aber immerhin gutes Geld verdienen lässt? Die Lösung bei GMX und WEB.DE lautet offenbar: Angst machen. Torsten Kleinz hat WWW: in seinem Blog E-Mails veröffentlicht, die er von WEB.DE bekommen hat.

"E-Mail-Adressen aus Vor- und Nachnamen, wie die Ihre, sind bei WEB.DE immer seltener verfügbar. Noch drastischer gilt das für die neuen, derzeit kostenlosen De-Mail-Adressen, denn eine De-Mail-Adresse besteht immer zwingend aus dem Namen, der im Personalausweis steht. Daher sind schon jetzt über 1.000.000 (Million) sehr gefragter De-Mail-Adressen vergeben."
"Auf unsere letzte Nachricht haben wir bis heute keine Identifikationsanfrage von Ihnen erhalten. Ihre De-Mail-Adresse mussten wir daher zur Löschung und anschließenden Freigabe vorbereiten."
"Eröffnung Kulanzfall. [...] Aufgrund mehrerer Anfragen werden einige, vorreservierte De-Mail-Adressen noch für kurze Zeit reserviert bleiben. Im Anschluss an diese kurze Kulanzzeit werden die De-Mail-Adressen wieder freigegeben."

Ähnlich läuft es bei GMX. Auch hier scheint Angstmachen zur Strategie zu gehören.


Der Eigentümer von WEB.DE und GMX ist 1&1 und antwortet auf unsere Frage, warum hier unter anderem der Eindruck erweckt wird, man hätte aktiv einen De-Mail-Zugang beantragt: "Die Werbemail richtet sich an Nutzer, die sich im Beantragungsprozess zu Ihrem De-Mail-Postfach befinden und diesen unterbrochen haben." Ich vermute ja, den Empfängern dieser Werbemails wird ein solcher "Beantragungsprozess" neu sein.

Angenommen, die De-Mail wäre kein solch großes De-Bakel: Dank solcher "Werbung" wüsste ich dann zumindest zuverlässig, welchen Anbietern ich meine Hochsicherheitspost im Netz nicht überlassen würde.

Auch ich habe von meinem E-Mail-Anbieter (web.de) solche Werbemails bekommen. Und ich habe garantiert niemals einen "Beantragungsprozess" für eine De-Mail-Adresse gestartet. Anscheinend genügt web.de also das Vorhandensein eines normalen E-Mail-Kontos für diese Behauptung.

Meine Konsequenzen habe ich jedenfalls gezogen: Ich migriere meinen Mailverkehr gerade von web.de weg zu seriösen Anbietern - nämlich solchen, die De-Mail nicht anbieten und erst recht keine Werbung dafür machen.

D.M. aus DO am 10.02.14 13:45

Vielleicht ein wenig abwegig, aber immer wieder lustig finde ich in diesem Zusammenhang, dass emails, besonders von englischsprachigen Unternehmen, in ihrer 'corporate'-Signatur unten ein längliches Blabla enthalten à la 'This email is strictly confidential...' (zu deutsch: 'Diese email ist streng vertraulich...'). Weiterhin wird mit angeblichen drakonischen Strafen gedroht wenn man diese Anweisung missachtet..

Im Artikel richtig erwähnt, eine email ist wie eine Postkarte und kann von jedem Serverbesitzer, durch den die email geleitet wird, mitgelesen werden! Das habe selbst ich bereits in der Pionierzeit des Internets Mitte der 1990er Jahr gelernt, auch ohne Snowden und NSA!!

Es scheint aber ein wenig in Vergessenheit geraten zu sein. Vertrauliche Dokumente schickt man ausschließlich auf Papier, mit Einschreiben, Sendungsverfolgung und Rückschein - Ende der Diskussion.

Chris26 am 11.02.14 6:34

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