Dienstag, 19.08.2014

Heiter bis wolkig

Ich spreche nicht gerne über das Wetter, aber ich komme nicht mehr drum herum. Schließlich bestimmen spontane Starkregenfälle und Gewitter in letzter Zeit meinen gesamten Alltag: Komme ich trocken mit dem Rad zur Arbeit? Soll ich noch laufen gehen? Nehme ich abends in den Park besser eine lange Hose mit? Gut, dass es Wetter-Apps gibt. Dumm, dass nicht alle davon richtig liegen und vernünftig mit meinen Daten umgehen.

Neulich bin ich joggen gegangen. Meine Regenradar-App von WetterOnline sagte mir, die dunklen Wolken würden meine Laufstrecke nicht überqueren. So bin ich bei strahlendem Sonnenschein los - bis es nach ein paar Kilometern plötzlich Badewannen vom Himmel schüttete. Umdrehen brachte auf halber Strecke aber auch nichts. Also bin ich einsam und eisern die Runde zu Ende gelaufen und irgendwann triefend nass und durchgefroren nach Hause gekommen. Ähnliches ist mir vor wenigen Tagen auf dem Fahrrad passiert. Laut wetter.com sollte es nur stark bewölkt sein. Leider falsch.

Wetter-Apps; Rechte: WDR/Horn

Auf welchen Handy-Wetterdienst kann ich mich also verlassen? Die Kollegen von WWW: WDR2 haben dazu einen Test gemacht. Ich habe einfach eine Umfrage in meinem Freundeskreis gestartet. Selma und Franzi haben gleich drei Wetter-Apps auf ihren iPhones, um immer zu vergleichen. Sie nutzen wetter.com, wetter.de und die vorinstallierte WetterApp vom iPhone selbst. In der Prognose für die kommenden Tage unterscheiden sich die Angaben hier teils stark. Am aktuellen Tag nähern sich Temperatur und mögliches Niederschlagsrisiko immerhin ein wenig an. Simone nutzt nur die vorinstallierte iOS-App - ursprünglich von Yahoo ans iPhone übermittelt, mittlerweile direkt vom WeatherChannel übernommen. Allerdings stand sie wegen ihr schon Mal in Flipflops und T-Shirt auf der Arbeit und musste sich hinterher Socken und einen Pulli vom Hausmeister leihen. Fast zehn Grad Unterschied lagen zwischen angesagter und tatsächlicher Temperatur.

Wetter-Apps; Rechte: WDR/Horn

Ich habe noch die App Accuweather auf meinem Android-Handy ausprobiert. Allerdings leitet die mich für Details und Prognosen weiter auf eine Internetseite statt innerhalb der App zu bleiben. Das dauert zum Teil sehr lange. Zudem ist die Seite sehr unübersichtlich. Aber auf irgendeine Wetter-App muss ich mich doch verlassen können?

Wetter-Apps; Rechte: WDR/Horn

Nach einem Telefonat mit dem Deutschen Wetterdienst WWW: DWD wird mir einiges klarer: Weltweit wird an mehr als 11.000 offiziellen Bodenstationen kontinuierlich das Wetter registriert: Windrichtung und -geschwindigkeit, Luftdruck und -feuchtigkeit, Temperatur und vieles mehr. Diese Daten werden zu festgelegten Zeiten an die nationalen Wetterbehörden übermittelt und weltweit ausgetauscht. Allerdings sind rund 70 Prozent der Erde nun mal mit Wasser bedeckt. Dort gibt es keine festen Wetterstationen und die Meteorologen weichen auf Zusatzinformationen von Wetterbojen auf den Ozeanen sowie Messungen von Schiffen und Flugzeugen aus. Zudem steigen rund um den Globus jeden Tag etwa 1.400 Wetterballons bis zu 35 Kilometer hoch in die Atmosphäre und funken ihre Ergebnisse nach unten. All diese Daten müssen erst mal zusammenlaufen, ergänzt und weitergegeben werden. Interessant, was manche App-Anbieter dann daraus machen. Und selbst wenn ich mich per GPS orten lasse, sind offensichtlich noch längst nicht alle Wetterinfos in den Apps verfügbar.

Wetter-App, Rechte: WDR/Horn

Die Ortung mache ich aber eh lieber aus. Und dann beachte ich auch noch die Berechtigungen der Apps. Wer auch Wert auf den Datenschutz legt, sollte unbedingt beachten, dass laut WWW: Stiftung Warentest nur zwei Wetter-Apps unbedenklich sind: die auf iPhones vorinstallierte Wetter-App und die WetterOnline-App. Alle anderen sind in diesem Punkt kritisch. Sie senden Daten des Nutzers, die für die Funktion gar nicht notwendig sind. Die besten Vorhersagen bieten aber die Apps von WeatherPro und Wetter.info. Die Prognosen vonWetter.com, Wetter.de und WetterOnline sind laut Testbericht nur geringfügig schlechter.

Und wie finde ich nun raus, wie das Wetter wirklich wird? Zusätzlich zu den Apps sollte ich vielleicht mal wieder beobachten, wie sich Vögel und Vierbeiner so verhalten. Oder ich vertraue statt WWW: Tieren lieber den alten WWW: Bauernregeln. Aber am besten sind laut DWD immer noch der Blick aus dem Fenster und eine kleine Analyse der Wolken. So kann ich die nächsten zwei, drei Stunden ganz gut hervorsagen - wenn ich verstehe, was die weißen Büschel mir sagen wollen. Das gilt aber nur für die nähere Umgebung. Gerade sagt mir die aktuelle Lage: heiter bis wolkig. Und wie sieht es bei Euch so aus? Ach, ich packe den Schirm besser mal mit ein...

Unsere Blogger Anita Horn und Dennis Horn sind weder verwandt noch verheiratet, aber umso besser vernetzt. Sie entdecken jede Woche digitale Perlen: spannende Webseiten, lustige Links und Angebote, die den Alltag bereichern - hier im Blog und jeden Dienstag in der WWW: WDR5 LebensArt im Radio.

...schade, dass immer nur das Häufigste getestet wird. yr.no ist für mich sehr zuverlässig. Ansonsten: Wolkenstudium, auch fein.

Thermometer am 20.08.14 8:44

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Montag, 18.08.2014

Aufbruch ins Neuland

Wenn Politiker sich mit der Wirklichkeit beschäftigen, dann müssen griffige Bezeichnungen her. Die Digitale Agenda ist ein schönes Beispiel dafür: Unter diesem Begriff kann man sich so ziemlich alles vorstellen. Immerhin kommt das Stichwort "Digital" drin vor - und das lässt hoffen. Die Erwartungen sind hoch. Bundesinnenminister Thomas de Maizière (CDU), Wirtschaftsminister Sigmar Gabriel (SPD) und der Bundesminister für Verkehr und digitale Infrastruktur Alexander Dobrindt (CSU) sind die verantwortlichen Minister - und tüfteln gemeinsam am Internet der Zukunft. Im März haben sie erste Eckpunkte der Digitalen Agenda präsentiert. Doch jetzt wird es konkret.

Glasfaser; Rechte: dpa/Picure Alliance
Der Netzausbau muss vorangehen


Steuergelder für Breitbandausbau
Das ist auch dringend nötig, denn es zwickt an allen Ecken und Enden. Höchste Priorität hat vor allem ein richtig schnelles Internet. Deutlich schneller als jetzt - und das nicht nur in Ballungsgebieten. Offizielles Ziel der Regierung: Eine flächendeckende Versorgung mit 50 Megabit pro Sekunde. Von einem solchen Internetempo können derzeit viele nur träumen. Und weil es sich für Provider nicht lohnt, jeden "Bauernhof mit Internet zu versorgen", wie die Provider selbst gerne spöttisch sagen, müssen staatliche Hilfen her - Finanzspritzen.

Wenn Deutschland nicht weiter im Mittelfeld mitspielen will (und das tun wir derzeit), muss das Netz intensiv ausgebaut werden und zwar schleunigst. Das kostet allerdings Unsummen. Schon fordert die Telekom WWW: Milliarden aus dem Staatshaushalt für den Breitbandausbau. Aber mit Geld allein ist es nicht getan. Es braucht auch gute Ideen. Etwa, wie der Ausbau schnell und kostengünstig erfolgen kann. Deshalb sollen bei Tiefbauarbeiten automatisch Leerrohre verlegt werden. Aber auch Oberlandleitungen und Funknetzwerke sollen zum Einsatz kommen.

Längst sind noch nicht alle Haushalte mit schnellem Internet versorgt; Rechte: dpa/Picure Alliance


Deutschland als sicherer IT-Standort
Ein anderer wichiger Aspekt der Digitalen Agenda ist der Datenschutz. Thomas de Maizière hat in der WWW: FAZ erklärt, dass er Deutschland zum sichersten IT-Standort der Welt machen will. Mit strengem Datenschutz und strikten Spielregeln. US-Konzerne sollen keine Schlupflöcher mehr haben, sich nicht mehr auf europäisches oder amerikanisches Datenschutzrecht beziehen können, wenn ihnen das deutschen Datenschutzrecht nicht passt. Außerdem soll es branchenweite Standards für IT-Sicherheit geben.

Ein guter Ansatz, das könnte tatsächlich ein Wettbewerbsvorteil sein. Schließlich hat das Vertrauen in Cloud-Dienste durch die NSA-Schnüffeleien weltweit Schaden genommen. Wenn Daten in Deutschland genau so sicher sind wie Geldeinlagen in der Schweiz (es waren), wären das gute Gründe, Daten in Deutschland zu speichern und zu verarbeiten. Abgesehen davon profitieren alle Nutzer von besserem Datenschutz.


Hohe Erwartungen
Wichtig wäre aber auch, eine andere Haltung zu den neuen Medien zu entwickeln. Bei jüngeren Menschen ist das längst der Fall - nun sollten alle mitmachen. Wer in Sachen IT-Technologie führend sein will, der muss auch gute Ideen zulassen - und fördern. Gründer müssen es leichter haben, sie brauchen finanzielle und moralische Unterstützung und weniger Bedenkenträger.

Die Erwartungen an die Digitale Agenda sind riesig. Immerhin bezeichnet der Koalitionsvertrag die Digitalisierung als eine der großen Zukunftsaufgaben, neben Energiewende und demografischem Wandel. Es wird auch allerhöchste Zeit, dass die Politik die Bedeutung des Internet erkennt und würdigt. Mit Kleckern kommen wir nicht mehr weiter, jetzt muss geklotzt werden. Mittwoch wissen wir mehr, wenn die konkreten Pläne vorgestellt werden.

"Bauernhoefe"sind laengst in der Neuzeit angekommen und auf eine schnelle Anbindung angewiesen.wobei-50MB und schnell?Da sind andere Laender laengst weiter.Es gehoert ueberall FTTD!

Lachnummer am 19.08.14 15:54

War das jetzt Absicht-oder hat Herr Schieb das nicht gelesen:"Sicherheitsgurte"fuer kritische Infrastruktur"(de Maizière)?Dies ausgerechnet mit "Hilfe von Verfassungs "Schutz",BND,BKA etc?Ausgerechnet die,die Kuklux-Klan,NSU und andere Jahrelang finanziert und teilweise gegruendet haben?Nachzulesen aber bei Tagesschau und Heise.

Robin am 20.08.14 7:15

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Montag, 18.08.2014

Essen für den Frieden

"Schokolade löst keine Probleme, aber das tut ein Apfel ja auch nicht."

Allerdings kann er es ja mal versuchen - wie in Polen zum Beispiel. Mit dem Hashtag WWW: #jedzjablka (oder WWW: #eatapples) hat Journalist Grzegorz Nawacki WWW: den Netztrend gegen den russischen Einfuhrstopp für polnisches Obst und Gemüse ausgelöst.

Apfel-neu.jpg
Mein Lieblingszitat vom Wochenende. Stand beim Kaffeetrinken auf dem Tisch eines meiner Lieblingscafés.

Und der Apfel ist nicht allein, als "politisch-digitales Selfie-Lebensmittel". Auch der Israel-Palästina-Konflikt hat eins. Das gemeinsame Leibgericht von Juden und Arabern - Hummus. Mit dem Hashtag WWW: #hummuselfie will die so genannte WWW: The Hummus Initiative seit genau einem Monat versuchen, soziale Medien als Ort der Gemeinsamkeiten zu etablieren. Die Radio Bremen Kollegen haben in ihrer Wochenwebschau WWW: mit den Machern gesprochen.

Hummus.jpg

Problematisch: Inzwischen gibt es mehrere Hashtags WWW: #hummuselfie, WWW: #humusselfie, WWW: #hummusselfies, WWW: #hummuselfies oder auch WWW: #chickpeace. Das nimmt dem Ganzen natürlich irgendwie den Wumms und sieht an der ein oder anderen Stelle ehrlich gesagt doch nach relativ unkoordiniertem Aktionismus aus.

Und auch abseits dieser Hashtag-Problematik ist das Thema streitbar. Neben Diskussionen, ob Hummus sich WWW: als einendes Element im Israel-Palästina-Konflikt tatsächlich eignet, sollte die Frage erlaubt sein, ob die ganze - ja eher banale Aktion - im Kontext eines Konflikts diesen Ausmaßes überhaupt relevant sein kann. Finde ich schon! Und zwar gerade wegen der kritisierten Banalität, die beinahe verzweifelt versucht, so komplexe politische Strukturen in unseren Alltag zu holen.

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