Montag, 14.07.2014

@bundesedit: Wenn der Bundestag die Wikipedia ändert

Sie sitzen im Bundestag, in Bundesministerien, Bundesämtern und anderen Bundeseinrichtungen: anonyme Nutzer, die Änderungen an der Wikipedia durchführen. Dabei geht es ihnen nicht nur um sich selbst: Die Liste reicht vom Airbus A330 bis zum Hersfeld-Preis für Schauspieler.

Der neue Twitter-Account mit dem Namen WWW: @bundesedit macht diese Änderungen transparent: Sobald eine IP-Adresse von Bundesregierung, Bundestag, Bundesministerien oder Bundesämtern in den Änderungen der Wikipedia auftaucht, twittert er automatisch, was genau geändert wurde.


Die Technik hinter @bundesedit stammt eigentlich von Ed Summers, einem Webentwickler aus den USA. Er hat den Twitter-Account WWW: @congressedits an den Start gebracht - und den Code dafür WWW: öffentlich zur Verfügung gestellt. Weitere Ableger der Idee gibt es in WWW: Kanada, WWW: Schweden und WWW: Frankreich. In Großbritannien steht WWW: @parliamentsedit vor dem Start, für Norwegen gibt es WWW: eine eigene Website, die die Änderungen auch grafisch aufarbeitet.

Ed Summer schreibt WWW: in einem Blogeintrag, dass er mit @congressedits und dem Code dafür die Demokratie stärken und transparenter machen möchte. Das halte ich für eine wunderbare Idee, denn zuletzt war ja schon groß Thema, dass auch Unternehmen versuchen, die Wikipedia WWW: zu ihren Gunsten umzuschreiben. Warum sollte es in der Politik nicht ähnlich laufen?

Änderungen in der norwegischen Wikipedia; Rechte: wikistorting
Änderungen in der Wikipedia von Rechnern des norwegischen Parlaments (in blau) und aus Regierungsbüros (in rot).

@bundesedit, in die Welt gesetzt von einer Onlineagentur aus dem Taunus, steht mit seiner Arbeit erst am Anfang: Die Software ist aufgesetzt und hat die ersten Male getwittert - vor allem Banales. Aber wer weiß, welche Verbindungen sich daraus noch ergeben werden.

Gibt es diese Technik auch für Anwender ohne Twitter-Account?

Gerhard Hallstein am 14.07.14 19:02

Und was ändert das? Nichts! Wenn jetzt ein Ministerium Wiki zum eigenen Nutzen umschreiben will, wird eben ein Rechner benutzt, der keine "Bundes-IP" hat.

Jürgen am 14.07.14 20:32

@Jürgen-da muesste der Betreffende ja glatt Ueberstunden machen-das geht gar nicht!Okay,denkbar waeren beauftragte Externe,die bieten ja auch schon ihre Dienste an.Die3 muesste man dann aber Kostentechnisch irgendwo unterbringen.

Nun ja am 15.07.14 7:17

Ist wie in 1984 - es wird nur veröffentlicht, was auf Linie ist. Orwell war ein Seher.
Aber woher kenne ich das noch, aus wessen Berichterstattung, woher nur... Grübel ...

Arno Besendonk am 15.07.14 10:28

@Jürgen: Wer es wirklich mit allem Zippzapp macht, weiß natürlich, wie wichtig es ist, seine IP-Adresse zu verbergen. Aber erstens traue ich dieses Wissen nicht immer allen mutmaßlichen Tätern zu, zweitens muss man ja irgendwo auch einmal den Anfang machen - aus dem Grund finde ich dieses Projekt schon einen guten Ansatz.

Dennis Horn am 15.07.14 11:39

@Gerhard Hallstein: Auch ohne Twitter-Account lassen sich die @bundesedit-Tweets über den Link oben im Text nachverfolgen.

Dennis Horn am 15.07.14 11:48

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Samstag, 12.07.2014

Wunderschönes Selftracking

Bei all der Diskussion über Datenschutz und Privatsphäre, die wir jeden Tag führen: WDR: Selftracking bleibt ein Trend. Egal, ob es um den eigenen Puls, den Aufenthaltsort oder die zurückgelegten Kilometer geht: Kleine Geräte erfassen die eigenen Daten, Apps fürs Smartphone zeichnen sie auf, und die dazu passenden Clouddienste liefern die Analyse.

Einer dieser Selftracker ist Anand Sharma. Er zeichnet sein Leben seit über 100 Tagen auf - und hat aus all den Daten, die er sammelt, eine Website gebaut.

Selftracking; Rechte: Anand Sharma
Seine letzten Reisen führten ihn nach Kuala Lumpur und Paris, zurzeit hält sich Anand Sharma zu Hause in San Francisco auf.

"Ich habe meinen Puls 408-mal gemessen, und mein Herz schlägt im Schnitt 69-mal pro Minute. In den vergangenen 104 Tagen habe ich 1.920 Datensätze auf diese Website gestellt, war 25-mal joggen und habe 14 Burritos gegessen", schreibt Sharma.

Entstanden ist daraus WWW: eine wundervolle Website - die aber auch eindrucksvoll zeigt, wie schnell und einfach sich heute unser komplettes Leben aufzeichnen lässt.

Jo. Ein wunderschönes Beispiel, wie unerträglich langweilig das Leben der allermeisten dieser Privatsphäre-Ablehner doch ist und wie vermüllt das Internet dadurch wird. Aber Hauptsache schickes Design...

vaikl am 12.07.14 23:29

Selber herauszufinden, wie langweilig man ist, schaffen die meisten nicht so leicht ...

Egal, es gibt mittlerweile eine populäre Abscheu vor Fakten und Daten und eine Begeisterung für Glauben und Vorurteile, die noch böse enden wird.

joh am 13.07.14 11:15

Solche Sachen teilen die Menschheit erfahrungsgemäß in zwei Hälften. In eine große und eine kleine.
In unwichtige und wichtige.

Das sollte sich auch zwingend im Wahlrecht niederschlagen.
Ich jedenfalls möchte nicht von Politikern regiert werden, die ihre mehrheitliche Legitimation von Leuten beziehen, die ihre Verdauungsbiografie bei Facebook einstellen und sich ansonsten mit Ludolfs, Geissens und Wollnys beschäftigen.
Dafür bin ich nicht zur Schule gegangen.

Gert am 13.07.14 18:30

YMMD! ;)

@Gerd am 14.07.14 10:51

Hmmm? Wie wird es sein wenn er seine erste Vorsorgeuntersuchung beim Urologen hatte? Erfahre ich dann etwas zur Konsitenz des Stuhlgangs? Interessiert mich das? Aber das hat ja auch sein Gutes. Wenn es keine unsinnigen Extreme gäbe, wüssten wir ja auch nicht wie weit unsinnige Extreme gehen können. Bleiben wir bei der Farbe: Die braunen Parteien verbieten bringts ja auch nicht, denn dann gehen sie in den Untergrund. Lassen wir die Leute doch ihr langweiliges Leben der öffentlichkeit preisgeben. Viel eher regen sich vielleicht Andere ihre Zeit sinnvoll zu verbriungen.

rodrew am 14.07.14 12:12

rodrew-Interessant Ihr Gedankensprung von diesem Belanglosenerzähler zu braunen Parteien. Wäre das denn etwas für Sie, wenn die über ihre jedweden Befindlichkeiten bloggen würden?
Ich finde persönlich Selftracking so notwendig, wie einen Kropf...

Maria A. am 14.07.14 16:15

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Donnerstag, 10.07.2014

Bist Du auch schon berühmt?

Früher hatte der gut bestückte Bildungshaushalt ein 20-bändiges Lexikon im Wohnzimmer stehen. Wenn man mal etwas wissen wollte, konnte man dort alles nachschlagen. Solche gedruckten Enzyklopädien gibt es bekanntlich nicht mehr. Die Welt dreht sich einfach zu schnell - und außerdem gibt es Wikipedia. Aber nicht nur die Art und Weise des Nachschlagens hat sich durch Wikipedia verändert, sondern auch die Beurteilung, was eigentlich wichtig ist - und was nicht. Relevant ist, was man in Wikipedia findet - und als vermeintlich wichtig darf gelten, über wen es einen Eintrag in Wikipedia gibt.

wikipedianamen.png


Community entscheidet, wer erwähnenswert ist
Heute schaffen es auch WWW: Soap-Sternchen oder WWW: IT-Promis ins kollektive Wissen - oder WWW: Blogger. Die Kriterien, wer in Wikipedia auftaucht und wer nicht, sind nicht objektiv. Einer muss den ersten Eintrag einstellen - und dann muss die Wikipedia Community der Meinung sein, dass es die Person wert ist, im Onlinelexikon aufgeführt zu werden. Das führt allerdings zu einer regelrechten Explosion der "wichtigen Leute".

In dieser WWW: interaktiven Grafik kann man gut sehen, wie viele Menschen es ins Wikipedia-Lexikon geschafft haben. Die Grafik stellt die Zahl der Geburten und die Zahl der Nennungen von Personen mit diesem Geburtsjahr in Relation. Und siehe da: Richtig häufig erwähnt werden erst Menschen, die ab dem 18. Jahrhundert geboren wurden. Die letzten 50 Geburtsjahre sind besonders gut vertreten.

Wikipedia sorgt für schnelle Prominenz; Rechte: Schieb
Wikipedia sorgt für schnelle Prominenz


Wahrnehmung verändert sich
Die Grafik ist mehr als eine Spielerei. Sie zeigt, wie sich Wahrnehmung und Wertschätzung verändern. Früher musste wirklich viel passieren, damit man in einem Lexikon landet - heute geht das schneller. Viel schneller. Doch obwohl in Wikipedia theoretisch auch jeder Künstler oder auch nur besonders Begabte aus dem 17., 18. oder 19. Jahrhundert erwähnt werden könnte, ist das nicht so. Denn diese Talente von einst sind vergessen. Das Internet verändert das kollektive Gedächtnis. Jetzt kann theoretisch jeder im Lexikon landen - die Schwelle liegt deutlich niedriger.

Naja, im Internet ist mehr Platz als in 20 Bänden und wenn irgendjemand genug Interesse an irgendwem aus dem 18ten Jahrhundert hat, wird er irgendwann einen Eintrag haben.

So oder so: Wikipedia ist VIEL ausführlicher als ein Lexikon. Klar fehlen Dinge, aber in Lexika fehlen viel mehr, wenn auch andere Dinge. Wikipedia gehört eigentlich in das Weltkulturerbe aufgenommen. Es ist mehr wert als der Rest des Internets zusammengenommen. Wenn irgendwann die Zivilisation kollabiert, werden die mit einer Wikipedia-Kopie die Könige sein.

joh am 11.07.14 3:01

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