Sonntag, 11.05.2014

Social Shopping: Einkaufen per Twitter

Twitter steht enorm unter Druck. Der Aktienkurs ARD: rauscht gerade in die Tiefe. Zwar twittern immer mehr Menschen, doch Geld verdient Twitter damit kaum. Es mangelt an guten Ideen, wie sich die Heerscharen an Usern monetarisieren lassen. Werbung ist eben kein Allheilmittel. Andere Akteure haben durchaus Einfälle. Bestes Beispiel: Amazon. Der Onlineversender bietet seit kurzem die Möglichkeit, per Tweets Waren einzukaufen, wenn auch bislang nur in den USA und in Großbritannien.

Dazu muss man lediglich auf einen Tweet antworten, der einen speziellen von Amazon bereitgestellten Link enthält - und den Hashtag #AmazonCart hinzufügen. Amazon testet das gerade auf amazon.com. Die Bestellung wird registriert und ausgeführt, ohne dass man auf der Webseite vorbeischauen oder bei Amazon eingeloggt sein müsste. Man muss auch keine Links kopieren oder auf dem Smartphone Apps wechseln - der Einkauf klappt aus der Twitter-App heraus. Allerdings landen die Produkte nur im Warenkorb. Später muss man dann doch auf der Amazon-Homepage vorbeischauen und sich einloggen, um den Kaufprozess abzuschließen.

Damit all das funktioniert, muss ein Amazon-Kunde in seinem Konto den eigenen WWW: Twitter-Account hinterlegen. Dann kann Amazon anhand der Twitter-Absenderkennung erkennen, wer da getwittert hat, nimmt den Link, sucht das Produkt und registriert das alles als Bestellung. Technisch keine Hexerei - aber durchaus zeitgemäß.


Amazon erklärt den Hashtag #AmazonCart


Bestellungen öffentlich einsehbar
Amazon profitiert gleich doppelt durch diesen Trick. Zum einen lassen sich einfach und bequem Bestellungen aufgeben, zum anderen wird auch noch Werbung gemacht. Denn der Bestell-Tweet ist in der Regel öffentlich einsehbar, ebenso die Antwort von @MyAmazon an den Absender, wenn die Bestellung bestätigt wird. Selbst wenn man seinen Account vor der Öffentlichkeit verbirgt: Die Follower kriegen auf jeden Fall mit, was man kauft. Amazon nutzt geschickt die Möglichkeiten, die Twitter bietet. Twitter selbst profitiert von all dem nicht, es werden keine Provisionen gezahlt.

Doch auch wenn gerade in vielen Medien der Eindruck erweckt wird: Amazon war keineswegs der erste, der auf die Idee gekommen ist, Twitter als Verkaufskanal zu nutzen. Diese Ehre gebührt dem Kreditkartenanbieter American Express. Wer einen Tweet mit dem Hashtag #BuyAmexGiftCard25 absetzt, kauft einen Geschenkgutschein - sogar mit Rabatt. Auch manche Hardware wie die Spielekonsole Xbox 360 oder das Amazon Kindle lassen sich WWW: per Hashtag kaufen. Wer eine Kreditkarte von American Express hat, muss dazu seinen Twitter-Account hinterlegen. Bestellungen per Twitter werden von Amex bestätigt - und diese Bestätigung müssen Amex-Nutzer abermals innerhalb von 15 Minuten quittieren, damit die Bestellung perfekt ist. Das soll Missbrauch vorbeugen.

amexshop.png
Einkaufen per Twitter: American Express war Vorreiter


Social Shopping setzt sich nicht durch
Ich wundere mich, dass nicht mehr Onlinehändler auf die Idee kommen, auf diese Weise ihren Verkauf anzukurbeln und nebenbei noch die Werbewirkung zu nutzen - und warum nicht Twitter selbst mehr in diesem Segment experimentiert. Vielleicht, weil es nicht die denkbar diskreteste Art ist, etwas einzukaufen. Andererseits fotografieren und twittern heute schon viele, was sie online bestellt und gerade ausgepackt haben.

So richtig scheint sich Social Shopping dennoch nicht durchzusetzen. Auch auf Social Shopping spezialisierte Angebote wie WWW: Kaboodle, WWW: MyItThings, WWW: Zebo, WWW: ProductWiki, WWW: ShopStyle, WWW: Woot und WWW: Iliketotallyloveit jedenfalls gelingt nicht der große Durchbruch. Wenn wir einkaufen, wollen wir offensichtlich doch etwas Diskretion.

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Samstag, 10.05.2014

Google drängt ins Taxigewerbe

Google hat diese Woche die neue Version 3 seiner Karten-App Google Maps vorgestellt - für iOS und Android. Neben vielen neuen Funktionen wie verbesserten Offlinekarten oder feinerer Suchfilter gibt es nun auch eine serienmäßige Anbindung an die Taxi-App WWW: Uber, direkt aus der Maps-App heraus. Mit Hilfe von Uber kann man einen Wagen rufen, der einen von A nach B fährt - wie ein Taxi. Allerdings ruft man kein Taxi, sondern einen Mietwagen mit Chauffeur oder sogar Privatleute, die einen mit ihrem Auto kutschieren. Eine ernsthafte Konkurrenz fürs Taxigewerbe. Deswegen gibt es immer öfter Ärger: In Berlin WDR: wehren sich die Taxtfahrer bereits, in WWW: London ebenfalls. Trotzdem will Uber auch in Köln und Düsseldorf starten.


uber.png
Uber bietet in vielen Städten Chauffeurdienste an


Google ist an Uber beteiligt
Stellt sich die Frage, wieso Google Maps mit Uber kooperiert, nicht aber mit anderen, vergleichbaren Plattformen wie WWW: Hailo, WWW: Lyft, WWW: Blacklane, WWW: MyDriver oder WWW: MyTaxi. Technisch wäre die Anbindung an solche Apps genauso einfach - und nicht minder sinnvoll. Manche der alternativen Apps/Systeme sind stärker im Einsatz als Uber. Die Bevorzugung eines einzelnen Anbieters ist schon recht ungewöhnlich für Google.

Aber die Gründe dafür liegen auf der Hand, wenn man die Hintergründe kennt: Google hat längst ein Auge auf Uber geworfen. Der Konzern hat über Google Ventures mit 258 Millionen Dollar in Uber investiert. Insider vermuten, Google könnte an einer kompletten WWW: Übernahme von Uber interessiert sein. Es wäre nicht die erste Übernahme einer Firma, die auf den ersten Blick nicht viel mit Googles Kernaufgaben zu tun hat. Ich möchte nur an den Blog: Aufkauf von Nest erinnern, den Hersteller von Thermostaten und Rauchmeldern. Auch hier hat Google erst investiert - und wenig später das komplette Unternehmen übernommen. Könnte Uber auch blühen.

uberpop.png
UberPop: Jeder kann zum "Chauffeur" werden


Google hat mit Uber eine Menge vor
Google denkt gerne gleich mehrere Schritte weiter. Es geht Google wohl kaum darum, Provisionen an Taxifahrten zu kassieren. Das sind Peanuts - uninteressant. Viel interessanter sind die durchaus denkbaren Zukunftsszenarien, die manche Experten haben. Google experimentiert schon länger mit Blog: selbstfahrenden Autos. Sollten die in einigen Jahren Marktreife erlangen, könnte Google zum ersten und gleich größten Anbieter von selbstfahrenden Taxen werden. Klingt plausibel, aber auch ein bisschen zu sehr nach Science-fiction.

Eher wahrscheinlich ist ein anderes Szenario: Google plant einen eigenen Zustellservice. Zweifellos ein boomender Markt. Auch Amazon denkt längst über einen WWW: eigenen Zustelldienst nach. Google könnte Amazon zuvorkommen wollen. Uber-Fahrer stellen Pakete und Sendungen zu, zur Not rund um die Uhr. Durchaus vorstellbar. Googles Infrastruktur, Know-how und detailreichen Kenntnisse über Großstädte (nicht zuletzt dank Google Maps), die aktuelle Verkehrslage inklusive, wären echte Wettbewerbsvorteile.

..ruft man kein Taxi, sondern einen Mietwagen mit Chauffeur oder sogar Privatleute, die einen mit ihrem Auto kutschieren.. Uber-Fahrer stellen Pakete und Sendungen zu, zur Not rund um die Uhr. Durchaus vorstellbar. - DIE ARMEN LEUTE, DIE DAS MACHEN MUESSEN, TUN MIR JETZT SCHON LEID! :( SO GEHT DAS TAXIGEWERBE VOR DIE HUNDE!

Peter am 10.05.14 18:11

Machen müssen? Gezwungen wird dazu niemand, oder?

Nils am 13.05.14 5:30

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Freitag, 09.05.2014

Radikaler oder nicht? - Notizen von Tag drei der re:publica 14

Nach drei Tagen re:publica zeigt sich, wie sehr die Netzgemeinde um Positionen ringt. Brauchen wir mehr Netz oder mehr Entspannung? Suchen wir die Fehler bei uns selbst, in der Politik oder bei den Menschen in diesem Land? Und vor allem eine Frage steht im Mittelpunkt: Müssen wir jetzt radikaler werden - oder kompromissbereit?

re:publica; Rechte: re:publica/Sandra Schink
Drei Tage re:publica vergehen wie im Flug: Johnny Haeusler und Team verabschieden sich mit dem traditionellen Bohemian-Rhapsody-Karaoke von den Teilnehmern.

Es soll Menschen geben, die das Internet nicht nutzen. Die es zum Beispiel dabei stört, sich zu entlieben. Oder die einfach von manchen Begleitumständen genervt sind. Für sie war die Session "Todessternsünden" vermutlich eine Wohltat: Laura Sophie Dornheim hat die digitalen Nachfahren der sieben Todsünden vorgestellt.

Hochmut? Heutzutage ganz klar: das #selfie, inklusive aller WDR: How-tos im Netz. Geiz? Die Kostenloskultur, versteht sich. Das Sich-darauf-eingestellt-Haben, im Netz alles für umme zu bekommen. Wollust? Der Wahn, ständig aufs Smartphone zu gucken und am liebsten alle sozialen Netzwerke auf einmal zu bedienen - und darüber sein Gegenüber zu vergessen. Zorn? Die oft unterirdische Kommentarkultur im Netz. Völlerei? Binge-Watching, Online-Shopping, Dauer-Networking. Und Faulheit? Dazu kopiere ich mir gleich etwas aus der Wikipedia, um mir selbst nicht die Arbeit machen zu müssen.

Überhaupt: das digitale Fasten liegt im Trend und ist wohl in vielen Lebenssituationen auch ganz sinnvoll. Kate Miltner, die auf der re:publica schon mit ihrem Emoji-Karaoke aufgefallen ist, hat eine ganze Session dazu gehalten, wie sehr sich Smartphones und Liebesbeziehungen stören können - und wie sich das verhindern lässt. Nach dieser re:publica ist mir klar: Ich werde nie wieder eine Session mit Kate Miltner verpassen.


Kate Miltner: "Put Down That Phone And Talk To Me"

Ein ganz großer Geheimtipp außerdem: die Reportage "Wo das Internet lebt" von Moritz Metz. Neben seinem großartigen WWW: Feature für Deutschlandradio Kultur hat er eine ganze Reihe von WWW: Audioslideshows für ARTE Future produziert. Alles zusammen schafft ein ungemeines Verständnis dafür, wie das Netz eigentlich "aussieht".

Das größte Highlight: Felix Schwenzels "Wie ich lernte, die Überwachung zu lieben". Er hält damit exakt den Vortrag, den ich von Sascha Lobo als Blog: Rede zur Lage der Nation erwartet hätte - und differenziert dabei so wie nur wenige auf dieser re:publica.

"Wir kennen unseren Gegner nicht, kennen keine Lösung und wissen nicht, wie wir diese erreichen können", sagt Schwenzel. "Das ständige Aufbauschen und Beschwören der Demokratieapokalypse ist ein Problem. Wir müssen besser argumentieren. Wir überzeugen niemanden durch dumpfes Wiederholen unserer eigenen Ansichten." Großer Tipp zum Nachgucken, WWW: sobald diese Rede online verfügbar ist.

re:publica; Rechte: re:publica/Sandra Schink
Der Termin für die re:publica 15 steht bereits fest: Sie findet in der Woche vom 4. bis 8. Mai 2015 in Berlin statt.

Was bleibt nun von dieser re:publica? Sie war wie immer eine wundervolle Konferenz, so wichtig für die Netzwelt, auch weil sie einer der Orte ist, an denen klar wird, dass die Digitalisierung kein reines Technikthema, sondern ein großes Gesellschaftsthema ist. Dieses Forum in dieser Atmosphäre und in dieser Offenheit - dafür kann man Tanja und Johnny Haeusler, Markus Beckedahl und Andreas Gebhard gar nicht genug danken.

Doch es bleibt ein Beigeschmack: Die Konferenz war in diesem Jahr auch ein Rückschritt, bei all den Kampfansagen, den Aufrufen zur Radikalisierung, dem neu aufgelegten Wer-nicht-für-uns-ist-ist-gegen-uns. Die Diskussion ums Netz war noch ein Jahr vorher weiter vorangeschritten. WWW: Dabei brauchen Staat und Netz nach dem Überwachungsskandal einander so viel mehr als bisher.

Sieben Todsünden? Waren das nicht eigentlich Laster? Und was war nochmal der Unterschied zwischen Laster und Sünde? Wie ist Klugscheißerei einzustufen?

Thomas am 9.05.14 23:13

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