Freitag, 10.07.2015

Neuland trifft ewige Kanzlerin

Wenn die Großen der Politik interviewt werden, dann wird das gerne zum riesigen Spektakel aufgeblasen. Was vielleicht daran liegt, dass ausgerechnet die Mächtigen der Politik sich eher selten kritischen Fragen stellen. Zumindest nicht im Einzelinterview. Sie sind eben mächtig genug, das wirkungsvoll zu verhindern.

Nur wenn es in ihrem unmittelbaren Interesse liegt, also kurz vor einer Wahl, lassen Top-Politiker schon mal Fragen zu. Alle vier Jahre gibt es dann sogar Kanzlerinnen-Interviews. Und natürlich im Sommerloch. In diesem nimmt sich die Kanzlerin sogar Zeit für ein echtes Chefinnen-Interview bisher unbekannter Art - mit LeFloid.

Angela Merkel trifft auf LeFloid - oder umgekehrt?; Rechte: dpa/Picture Alliance
Angela Merkel trifft auf LeFloid - oder umgekehrt?


Alteingesessener im Neuland
LeFloid? Angela Merkel spricht tatsächlich mit einem YouTuber. Das hat Barack Obama schon mehrmals gemacht - und jetzt will man sich auch in Deutschland wohl nicht mehr völlig diesem Neuland-Trend verweigern. Da lässt man auch mal Fragen von einem - na ja, eben nicht Journalisten, sondern WWW: YouTube-Erklärer zu. LeFloid ist bei Jugendlichen ein Star. Er hat ein Talent, die mitunter schwierigen Dinge des Lebens anschaulich und durchaus auch heiter und originell zu erklären.

Man darf bezweifeln, dass Angela Merkel weiß, wer LeFloid ist. Der YouTube-Star heisst mit richtigem Namen Florian Mundt und ist 27 Jahre alt. LeFloids YouTube-Kanal existiert bereits seit 2007. Er hat 2,6 Millionen Abonnenten bei YouTube, macht aber auch auf Facebook und Twitter eine gute Figur. LeFloid verfügt über Reichweiten, die selbst große deutsche Medien mitunter nicht erreichen. Man kann wohl sagen, dass LeFloid ein YouTuber ist, der von Anfang an dabei war und nicht erst später auf den fahrenden Zug aufgesprungen ist wie viele andere.

LeFloids YouTube-Kanal hat 2,6 Millionen Abonnenten; Rechte: dpa/Picture Alliance
LeFloids YouTube-Kanal hat 2,6 Millionen Abonnenten


Die nächste Frage bitte, Herr LeFloid
Heute (10.07.2015) also spricht LeFloid mit Angela Merkel - oder doch eher umgekehrt? Das wird sich zeigen. LeFloid ist ein guter Präsentator. Das bedeutet nicht automatisch, dass er auch gute Fragen stellt und gute Gespräche führen kann. Aber auch nicht jeder beim Fernsehen stellt gute Fragen und führt gute Interviews. Ich drücke LeFloid die Daumen, dass das Gespräch gelingt. Ich bin gespannt, ob sich Angela Merkel öffnet - oder überheblich blockiert. Beides ist denkbar. Montag wissen wir mehr, da geht das Interview online.

Dass Angela Merkel den YouTuber LeFloid trifft, ist durchaus eine bahnbrechende Entwicklung. Die Kanzlerin signalisiert damit, dass sie verstanden hat (oder zumindest ihre Berater): Die jungen Menschen erreicht man auf anderen Kanälen. Eben nicht (nur) über Fernsehen, Radio, Zeitung, Zeitschriften, sondern vor allem über das Internet. Das allein ist ein Fortschritt.

Und alle diese Größen, diese Mächtigen der Politik verloren/verlieren auf Dauer die Menschen aus den Augen. Bless 'em all the long and the short and the tall. :-)

LiFe am 11.07.15 8:28

Im Grunde sind ja Politiker für die Menschen da (zumindest für die die sie gewählt haben) dachte ich zumindest früher mal, in meiner Naivität.
Stimmt aber nicht, denn Politiker sind nur für sich selbst da, beziehungsweise um wieder gewählt zu werden.
Frau Merkel ist da ein perfektes Beispiel, Opportunismus par excellence, Politik ohne Inhalte, Lobbyismus pur, Hauptstreben ist die Wiederwahl.

robert B. am 12.07.15 12:13

Nach den entsetzlichen öffentlichen Berichterstattungen über jegliche alternative politische Strömungen (Piraten, AFD, Pegida) glaube ich mittlerweile gar nichts mehr von dem, was von den großen Medien unters Volk gestreut wird.
Nicht einmal die Wahlergebnisse mit Merkels angeblichem Gewinn.
Wer sagt mir, daß das wahr sein soll?
Wer mit Reputation verbürgt sich dafür?
Wo sind denn all die Millionen von Demokraten hin, die vor Jahren noch gegen die Volkszählung demonstriert haben? Sollten die wirklich Schäubles Auftritt als menschenrechtsbeschneidender Paranoiker im Innenministerium verschlafen haben?
Ich glaub das nicht mehr.
Irgendwie ist das hier alles eine große Verlade.
Samt der amerikanischen "Freundschaft".

Man kann sich für unsere Nation nur noch schämen und hoffen, daß wir von irgendjemandem aus diesem Albtraum befreit werden.

Wayne am 12.07.15 23:40

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Donnerstag, 09.07.2015

Computerpläne für den Grexit

In Griechenland schieben Programmierer und Systemadministratoren gerade Überstunden. Sie müssen Bankensoftware, Buchhaltungsprogramme und Algorithmen für die Geldautomaten fit machen für einen möglichen Grexit, eine Mammutaufgabe. Denn Aber-Milliarden von Programmzeilen müssen geprüft und teilweise geändert werden.

Akhauri Prakash Kumar, Strategieexperte beim IT-Konzern Hewlett-Packard, geht von einer Umstellungsdauer aus, die zwischen sechs Monaten und einem Jahr liegt. "Der gesamte Informationsfluss müsste neu programmiert werden", begründet er den hohen Aufwand. Es geht eben nicht nur um einen Umrechnungskurs, sondern um die mitunter recht komplizierten Regeln und Risiken internationaler Finanzmärkte und ihrer Aufsichtsgremien.

grexit.jpg
Unter der Akropolis bereiten sich die Softwarexperten fieberhaft auf einen Grexit vor - sogar auf den Dachterassen im Bankenviertel werden Algorithmen überprüft


Die ersten Vorarbeiten haben die Bank-Informatikzentren in Athen und Thessaloniki bereits im Mai in Angriff genommen. Das hat bei den jüngst eingeführten Kapitalverkehrskontrollen, der Bankenschließung und bei den Ausgabebegrenzungen an den Geldautomaten auf 60 Euro pro Karte und Tag auch ganz gut geklappt.

Doppelte Buchführung mit der Drachme klappt

Ebenfalls vorbereitet sind die griechischen Finanz-Informatiker auf die Einführung einer Schattenwährung - namentlich zitiert werden wollen sie damit allerdings nicht. Die Verrechnungsmodule für den Fall, dass die Drachme als rein innergriechisches Zahlungsmittel eingeführt, die Außenwirtschaft aber nach wie vor mit dem Euro rechnen würde, stehen bereit. In dem Fall sehen die Transaktionsroutinen einfach eine Art "doppelte Buchführung" mit Euro und Drachme vor.

Schwierig würde es bei einem richtigen Ausscheiden aus dem Euro. "Die Abbildung der internationalen Regularien, der finanzmathematischen Modelle und Risikobewertungen nach einem Euro-Austritt wären softwaretechnisch sehr aufwändig", meint Akhauri Prakash Kumar.

Für die deutschen Banken ist der Aufwand in Sachen Informationstechnik bei einem Grexit natürlich viel geringer. "Das hängt davon ab, wie stark ein Haus in Griechenland involviert ist", meint Thomas Schlüter vom Bundesverband deutscher Banken.

Deutsche Unternehmen sind vorbereitet

Unternehmen mit Tochtergesellschaften in Griechenland haben die möglichen finanzpolitischen Szenarien simuliert und dabei auch mögliche Auswirkungen auf die Ertragssituation berücksichtigt. Die Kapitalverkehrskontrolle war jedenfalls keine große Herausforderung für deutsche Banken und Unternehmen. Die entsprechenden Module waren binnen weniger Minuten einsatzbereit.

Auch ein Grexit schreckt die Softwaretechniker in deutschen Unternehmen nicht. In die Softwarepakete für die Unternehmenssteuerung müssen lediglich Module für eine neue Währung samt Umrechnungsfaktor integriert werden. Das geschieht mehr oder weniger auf Knopfdruck.

Eines wird dabei sehr deutlich: Die Politik hat schon seit einigen Monaten starken Druck auf Unternehmen und Banken ausgeübt, die Informationstechnik auf einen Ausstieg Griechenlands aus dem Euro vorzubereiten.

Für die griechischen Programmierer in Thessaloniki und Athen ist vor allen Dingen eines klar: Während die griechische Regierung Vorsorge für den Fall einer Art von Schuldenschnitt getroffen hat, haben die meisten westeuropäischen Banken sich auf die Einführung der Drachme vorbereitet.

Das lässt in den Programmierstuben der griechischen Banken schlechte Stimmung aufkommen. Und die grenzt fast an Wut. Denn die griechischen Finanz-Informatiker haben Abrechnungsroutinen entwickelt, mit denen bestimmte Anleihen und Kreditpapiere in eine Art Bad Bank überführt und von dort dann sehr langfristig abgewickelt werden können. Das werten die Programmierer als Zeichen dafür, dass die griechische Regierung also auch in Sachen Schuldenschnitt der EU entgegenkommen wollte. Doch die konnte oder wollte dieses Entgegenkommen nicht einmal sehen.

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Donnerstag, 09.07.2015

Apple-SIM bringt mehr Roaming-Komfort

Ich bin gerade in Spanien unterwegs und habe nicht schlecht gestaunt: Mein mit SIM-Karte ausgestattetes iPad Air 2 versagt im Ausland tatsächlich den Dienst. Oder besser: Die SIM-Karte weigert sich standhaft, sich im Ausland ins Netz einzubuchen. Dabei habe ich eine sündhaft teure Vodafone-Karte - und Vodafone gibt es auch in Spanien. Es wäre also so leicht. Doch: Nix da.

"Sorry, kein Roaming", teilt mir der Kundenservice auf Nachfrage mit. Nicht mal gegen Gebühr. LTE gibt es nur zu Hause. Mir wurden Web-Sessions empfohlen. Und für einen derart unflexiblen Tablet-Tarif zahle ich fast 50 EUR im Monat? Ich habe direkt gekündigt, denn andere Provider machen das deutlich besser. Sie roamen mittlerweile für kleine Beträge oder sogar kostenlos im europäischen Ausland. Macht Vodafone bei meinem Smartphone auch. Bei meinem iPad aber nicht. Wirklich äußerst schwach.

Apple-SIM ermöglicht Freiheit im Ausland: Den Tarif frei auswählen; Rechte: Apple
Apple-SIM ermöglicht Freiheit im Ausland: Den Tarif frei auswählen


Auf Knopfdruck den Provider wechseln
Wie sehr hätte ich mir da gewünscht, auf Knopfdruck den Provider wechseln zu können. Gerade im Ausland ist es bekanntlich manchmal richtig schwierig, den passenden Provider zu finden. Mit manchen klappt das Roamen, mit anderen nicht. Und einen lokalen Anbieter zu nehmen, wenn man sich im Nicht-EU-Ausland bewegt, ist auch nicht leicht. Schließlich muss man irgendwie an die SIM-Karte kommen. Deshalb hat Apple eine eigene SIM-Karte erfunden, die sich programmieren lässt. Eine SIM-Karte, die nicht vom Provider kommt, sondern vom Hardware-Hersteller - und jederzeit den Provider wechseln kann.

Mittlerweile erreicht das WWW: Apple SIM Kit die ersten Apple Retail Stores, auch in Deutschland. Man kann die Apple SIM kaufen. Kostenpunkt: 5 Euro. Die flexible SIM lässt sich in das iPad Air 2 und das iPad Mini 3 stecken. Für das iPhone gibt es die flexible SIM-Karte noch nicht, für Geräte anderer Hersteller erst recht nicht. Noch machen nicht allzu viele Provider mit. Denn funktionieren kann die umprogrammierbare SIM-Karte nur, wenn es Provider gibt, die den neuen Service unterstützen. Die SIM-Karte muss schließlich auf Knopfdruck programmiert werden können. Alle Daten wie SIM-Seriennummer, Rufnummer, PIN etc. müssen per Internet übertragen und auf die Karte gebeamt werden.

SIM-Karte; Rechte: dpa/Picture Alliance
SIM-Karten haben einen Schlüssel - und der wurde gehackt

Auf Knopfdruck den Provider wechseln
Im Augenblick können nur wenige Menschen die neue SIM-Karte nutzen. Man braucht das richtige Gerät, muss die SIM-Karte haben und einen passenden Provider finden. Doch ein Anfang ist gemacht. Angesichts der starken Verbreitung von Mobilgeräten und der - wie ich finde - wirklich guten Idee, den Gerätebenutzern mehr Flexibilität anbieten zu können, dürfte sich die Apple-SIM durchsetzen. Am Reiseziel angekommen, einfach einen Datentarif für die Dauer der Reise erwerben - egal ob für einen Tag, eine Woche oder einen Monat. Das ist schon praktisch und wäre genau das, was ich jetzt brauche.

Schöner wäre es allerdings gewesen - und im Interesse der guten Sache! -, wenn Apple keinen Alleingang gewagt hätte. Wenn Apple gemeinsam mit anderen Hardwareherstellern einen neuen Standard entwickelt hätte, den auch andere Hersteller anbieten könnten. Dann ließen sich mehr Provider schneller überzeugen, da mitzumachen und entsprechende Tarife anzubieten. Doch Kooperation mit anderen - das ist eben nicht Apples Sache. Das gibt Punktabzüge in der Stilnote.

Mit Android wäre das nicht passiert.

Der Alte am 9.07.15 15:13

Stichwort 'Vodafone gibt es auch in Spanien' und 'Roaming': Wo 'roame' in solch einer Situation eigentlich? Ich bin bei demselben Anbieter (Vodafone) in einem Land (der EU). Da sollten sich die Wettbewerbshueter mal an den Kopf fassen - ein und derselbe Anbieter haelt Landesgrenzen ausschliesslich zur Profitmaximierung aufrecht, die dank EU laengst abgeschafft sind!

Chris26 am 10.07.15 2:35

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